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Mittwoch, 8. August 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 8)

Kaum eine Woche vergeht, in der "Netflix" nicht mehrere "Originals" herausbringt. Mittlerweile hat der Streaming-Anbieter hunderte eigenproduzierte Filme und Serien im Repertoire. In unser Reihe Kurzrezensionen stellen wir regelmäßig einige vor und verraten, ob sich das Bingewatchen lohnt. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier. In unserem achten Teil der Serien-Kurzrezensionen geht es diesmal um einen Krimi, ein Drama und eine Komödie. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen.
An dieser Stelle gehe ich auf Sendungen ein, die "Netflix" selbst als "Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle internationalen Serien in der Originalversion ansehe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Safe

Warum ist Zoé (M.) abgebildet?
Foto: Netflix
Diese Serie ist eine Koproduktion von "Netflix" und dem französischen Sender "Canal+". Sie entstand nach einer Idee des Krimiautors Harlan Coben und wurde mit britischen Schauspielern in Großbritannien gedreht. Ein Großteil der Handlung spielt innerhalb einer "Gated Community", einer bewachten Wohnanlage, in der jeder jeden kennt und die Welt scheinbar in Ordnung ist. Das heile Bild der Bewohner wird zerstört, als die sechzehnjährige Jenny Delaney (Amy James-Kelly) nach einer Party verschwindet. Ihr Vater Tom (Michael C. Hall), der seine Frau schon vor einem Jahr an den Krebs verloren hat, setzt alles daran, um seine Tochter zu finden. Als Jennys neunzehnjähriger Freund Chris Cahal (Freddie Thorp) tot aufgefunden wird, beginnen auch Toms Affäre, die Kommissarin Sophie Mason (Amanda Abbington, Sherlock) und ihre neue Kollegin Emma Castle (Hannah Arterton) mit den Ermittlungen. Dabei werden immer mehr dunkle Geheimnisse ans Licht gebracht, denn jeder in der Wohnanlage scheint etwas zu verheimlichen.

Neils (Joplin Sibtain) & Zoés Sohn ist getötet worden
Foto: Netflix
"Safe" macht denselben Fehler, wie schon zahlreiche andere "Netflix"-Serien davor, beispielsweise "Collateral" oder "Le Chalet": zu viele Charaktere. Der Zuschauer lernt gefühlt zwanzig Figuren näher kennen, die sich alle mehr oder weniger auffällig verhalten. Irgendwann im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, was sie zu verbergen versuchen. Leider ist das in den wenigsten Fällen spannend. Die meisten Geheimnisse sind entweder früh vorhersehbar oder so irrelevant, dass sie schnell in Vergessenheit geraten. Bei der jungen Kommissarin Emma Castle ist beispielsweise von Anfang an klar, dass sie irgendeinen wichtigen Grund gehabt haben muss, sich in die beschauliche Gegend versetzen zu lassen. Der kommt relativ schnell heraus und ist so unglaublich platt, dass er danach noch ein paar Mal kurz erwähnt wird, aber sonst in der Versenkung verschwindet - genauso wie Emma selbst, da Tom und Sophie gegen Ende fast alles alleine regeln. Ein anderes Beispiel ist die Lehrerin Zoé Chahal (Audrey Fleurot). Sie wird konsequent in den Vordergrund gerückt: Sie taucht häufiger auf als andere, ebenbürtige Charaktere - sogar auf dem Poster der Serie ist sie als einzige neben den beiden Protagonisten zu sehen. Dabei hat sie - das ist kein großer Spoiler - kaum Einfluss auf die Geschichte. Mit Ausnahme der Tatsache, dass sie die Mutter des toten Chris ist, hat sie keine wirkliche Verbindung mit der Kriminalgeschichte. Dasselbe gilt für fast alle anderen handelnden Nebenfiguren, jedoch wird keine davon so sehr in den Fokus gestellt wie Zoé.
Was ist mit Jenny in der Partynacht geschehen?
Foto: Netflix/Ben Blackall
Die meisten Serien mit einer Vielzahl von Charakteren haben eine unruhige und unstrukturierte Erzählweise zur Folge. Der Kern der Serie - der Verbleib von Jenny und die Suche nach Chris' Mörder - ist eigentlich nur eine Ausrede, um die vermeintlichen Abgründe der Nachbarn zu erkunden. Aber es bleibt keine Zeit, um die Figuren dem Zuschauer so nahezubringen, dass er sich ehrlich für sie interessiert. Mir war sowohl das Schicksal der verschwundenen Jenny, als auch die persönlichen Verwicklungen der anderen Charaktere ziemlich egal. Sie alle werden von Anfang an so unsympathisch und platt dargestellt, dass es schwer fällt, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Es ist, als wäre man in eine neue Gegend gezogen und würde die fremden Nachbarn beobachten - ohne irgendetwas über sie und ihre Persönlichkeit zu wissen. Auch die Handlung wirkt eher lieblos gestaltet. Sie folgt einem Standard-Muster, wie es bereits in zahlreichen Krimis und Thrillern vorkam (Achtung, Spoiler!): Als Kinder waren die meisten der Protagonisten befreundet und haben durch einen dummen Streich eine Katastrophe ausgelöst, bei der mehrere Menschen starben. Jahrelang werden sie nicht belangt, weil sie die Tat verschweigen oder ihre Eltern sie vertuschen. Viele Jahrzehnte später taucht dann plötzlich jemand auf, der die mittlerweile erwachsenen Mörder zur Rechenschaft ziehen will und damit eine neuerliche Katastrophe auslöst. Mir fallen spontan zwei Serien (darunter "Le Chalet"), zwei Filme und eine "Tatort"-Folge ein, wo exakt dasselbe passiert. Nichtsdestotrotz ist "Safe" kein schlechtes Format, was vor allem an den soliden schauspielerischen Leistungen liegt - allen voran Amanda Abbington als zwiespältige Polizistin Sophie. Falls ihr die Sendung bereits gesehen habt: Schreibt gerne in die Kommentare, wann ihr Chris' Killer erraten hattet. Ich denke, dass es hier nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder man ahnt es gleich zu Beginn oder man verdächtigt die Person bis zum Schluss kein einziges Mal und wird völlig überrascht. In beiden Fällen liegt jedoch nahe, die Frage zu stellen: Wozu hat es 90 Prozent der Handlung eigentlich gebraucht? Denn gegen Ende wird klar, dass die ganzen einzelnen Geschichten wirklich größtenteils überhaupt nichts miteinander zu tun. Schade ist auch: Es wird nicht mehr gezeigt, wie die anderen Charaktere auf die Identität des Mörders reagieren. 


Samantha!


Samantha will wieder nach oben
Foto: Netflix
Hierbei handelt es sich um das dritte brasilianische "Netflix Original" - nach "3%" und "O Mecanismo". In der Serie geht es um den ehemaligen Kinderstar Samantha (Emanuelle Araújo). In den 80ern war sie ein singendes und tanzendes Idol, dem die Herzen Brasiliens nur so zuflogen. In der Gegenwart ist sie eine abgehalfterte Schauspielerin, die verzweifelt versucht, wieder Fuß im Showbusiness zu fassen - sei es durch eine Fake-Ehe mit einem reichen Reality-Star, einen Job als Gastjurorin in einer Castingshow oder einen sexistischen Werbespot. Dabei wird Samantha tatkräftig von ihren beiden Kindern, der Feministin und Umweltschützerin Cindy (Sabrina Nonato) sowie dem an seinen Memoiren schreibenden Brandon (Cauã Gonçalves), unterstützt. Als deren Vater Dodói (Douglas Silva), ein ehemaliger Profi-Fußballer, nach vielen Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, steht plötzlich auch Samanthas Privatleben Kopf. 

Samantha war der Star der "Plimplom Gang"
Foto: Netflix
Als ich mich für unsere "Auf diese Bücher, Filme und Serien freuen wir uns 2018!"-Liste durch die "Netflix"-Ankündigungen geklickt habe, bin ich auch auf "Samantha!" aufmerksam geworden. Die Beschreibung klang nach einer frischen, witzigen und abwechslungsreichen Serie, daher habe ich sie im Gedächtnis behalten. Im Juli wurde dann endlich die erste Staffel - die zweite ist bereits bestellt - veröffentlicht. Wie die meisten anderen Comedysendungen folgt auch "Samantha!" nur einem groben roten Faden. Die erste Folge beginnt in den 80ern und zeigt die junge Protagonistin hinter den Kulissen ihrer eigenen Show. Danach wird ihre Lebenssituation in der Gegenwart gezeigt und die einzelnen Charaktere näher vorgestellt. Damit bildet der Pilot eine Ausnahme, denn alle anderen Episoden laufen so ziemlich nach demselben Muster ab: Samantha hat ein Jobangebot oder eine Idee, wie sie Fans dazu gewinnen kann. Das geht natürlich völlig schief und sie muss sich irgendwie aus einer unangenehmen Situation befreien. Ihre Kinder und Dodoi sind immer dabei - mal helfen sie ihr, mal haben sie eine eigene Agenda. Die Folge endet dann ziemlich genau an der ursprünglichen Ausgangssituation: Keiner hat irgendetwas Signifikantes erreicht. Ich persönlich bin kein Fan von Serien ohne nennenswerten roten Faden. Bei "Samantha!" ist das verständlich, da die Geschichte erzählerisch zu wenig hergibt, um eine Handlung für mehrere Episoden aufrechtzuerhalten. Dennoch wird das immer gleiche Muster schnell langweilig. 
Brandon (vorne) ist der heimliche Star der Serie!
Foto: Divulgação/Netflix
Außerdem hat mich die inkonsequente Charakterisierung der Protagonistin gestört. In den Rückblenden sieht man Samantha als arrogante, egoistische und verschlagene Neunjährige, die ihre gleichaltrigen Co-Stars und die Mitarbeiter der Sendung terrorisiert und verspottet. In der Gegenwart ist sie zwar noch immer sehr auf ihren eigenen Vorteil bedacht, doch sie hat auch Mitleid mit anderen, ist eine treusorgende Mutter und geht für den Erfolg nicht über Leichen. Das steht in krassem Gegensatz zu der Samantha aus den 80ern. Es ist realistisch, dass sich jemand innerhalb von rund 30 Jahren verändert, doch der Zuschauer kann den Sinneswandel nicht nachvollziehen. In der Serie wird die Zeit zwischen dem neunten Lebensjahr der Protagonistin und der Gegenwart fast gänzlich übergangen. Die einzigen Ausnahmen sind zwei kurze Szenen, in denen Samanthas Hochzeit mit Dodoi und ein Ausflug mit ihren Kindern zum Gefängnis gezeigt wird. Warum ihre Karriere geendet und was sie in der Zwischenzeit getan hat, kommt nie zur Sprache. Ich hätte es auch interessant gefunden, etwas über ihr Eltern zu erfahren, da sie immer wieder erwähnt, seit ihrem fünften Lebensjahr "Samantha" zu sein. Es ist also naheliegend, dass ihre Eltern sie zu einem Kinderstar erzogen haben. Doch die beiden spielen überhaupt keine Rolle. Stattdessen tauchen nur Samanthas ehemalige Co-Stars auf, die dank des bösartigen Verhaltens der damals Neunjährigen allesamt psychische Schäden zu haben scheinen. Leider wird die Protagonistin weder in den Rückblenden noch in der Gegenwart so intensiv charakterisiert, dass ihr Verhalten und ihre Weiterentwicklung verständlich wäre. Das ist zwar nervig, aber sie ist ohnehin nur schmückendes Beiwerk, denn der wahre Star der Serie ist meiner Meinung nach ihr Sohn Brandon. Der hochintelligente Knirps ist witzig, warmherzig und hat tolle Sprüche auf Lager. Ein Spin-Off mit ihm als Hauptfigur würde ich sofort angucken! Er ist auch der Grund, weshalb ich die nächste Staffel "Samantha!", die voraussichtlich nächstes Jahr erscheint, nicht verpassen werde. 
Der blutige Schnee wird zum Symbol
Foto: Netflix

Dieses US-amerikanische "Original" basiert auf dem russischen Film "The Major" und wurde von Veena Sud, Schöpferin der fantastischen "Netflix"-Serie "The Killing", produziert. Die zentralen Themen in "Seven Seconds" sind Polizeigewalt und die "Black Lives Matter"-Bewegung. Der junge Polizist Peter Jablonski (Beau Knapp) fährt durch einen New Yorker Park, als er den Anruf bekommt, dass seine Frau Marie (Michelle Veintimilla) in den Wehen liegt. Für einen Moment ist der Ordnungshüter abgelenkt, übersieht den Teenager Brenton Butler (Daykwon Gaines) auf seinem Fahrrad und überfährt ihn. In seiner Panik ruft Jablonski seinen Vorgesetzten Mike DiAngelo (David Lyons) an, der ihn überzeugt, die Spuren zu verwischen und wegzufahren. 12 Stunden lang liegt der verletzte Brenton im Straßengraben, bis er endlich gefunden wird. Später stirbt er im Krankenhaus. Während sein Vater Isaiah (Russell Hornsby) Kraft im Glauben sucht, setzt seine Mutter Latrice (Regina King) alles daran, den Schuldigen zu finden. Offiziell werden der Ermittler Joe "Fish" Rinaldi (Michael Mosely) und die Staatsanwältin K.J. Harper (Clare-Hope Ashitey) auf den Fall angesetzt. Als der Verdacht auf die Polizeibeamten fällt, schlägt Brentons Tod immer höhere Wellen: Denn er ist dunkel- und Jablonski hellhäutig.

Der Preis für die inkompetentesten Ermittler geht an...
Foto: Netflix
Auf kaum eine "Netflix"-Serie war ich so gespannt wie auf "Seven Seconds": Wichtige, gesellschaftliche Themen verpackt in einem Drama mit Krimi-Elementen - das klang sehr vielversprechend. Ich habe mir direkt am Erscheinungstag die erste Folge angesehen und dann weitere sechs Monate gebraucht, um die restlichen neun anzuschauen. Denn so emotional und realistisch die Serie auch sein mag, sie hat mich überhaupt nicht gepackt. Der Hauptgrund ist derselbe, wie bei zahlreichen anderen "Netflix"-Eigenproduktionen auch, beispielsweise "Tote Mädchen lügen nicht", "Glacè", "Le Chalet" oder "Superstition": Die Handlung wird künstlich in die Länge gezogen. Jede der zehn Folgen ist zwischen 54 und 80 Minuten lang. In dieser Zeit sieht der Zuschauer größtenteils Harper und Fish dabei zu, wie sie der Lösung des Falls immer wieder nahekommen, um dann einen unerklärlich dummen, falschen Schluss zu ziehen. Außerdem sind beide in höchstem Maße unsympathisch: Der Kommissar hat viel zu gute Laune dafür, dass er im Todesfall eines Fünfzehnjährigen ermittelt und kaut ununterbrochen mit weit geöffnetem Mund schmatzend Kaugummi. Die Staatsanwältin ist währenddessen ein jammerndes, sich in Selbstmitleid suhlendes Häufchen Elend, das lieber betrunken Karaoke singt, als sich um den Fall zu kümmern. Durch Eskapaden wie diese geht der Geschichte trotz brisanter Aktualität, grandioser schauspielerischer Leistungen und zahlreichen gefühlsbetonten Szenen schnell die Luft aus. Wäre die Handlung in nur vier oder fünf Stunden erzählt worden, hätte "Seven Seconds" sicher den Top-"Netflix"-Serien gehört. Da sich die Handlung aber nicht wirklich auf das Wesentliche konzentriert und sich immer wieder in Nichtigkeiten verliert, hat sie viele Längen und schafft es nicht, die emotionale Spannung zu halten.
Regina King liefert eine Emmy-würdige Darbietung!
Foto: Netflix
Besonders für eine Person ist das schade: Regina King, die Brentons trauernde, verzweifelte Mutter spielt. Ihr Darbietung hätte definitiv einen Emmy verdient! Mit ihrem intensiven Spiel schafft sie es, wie niemand sonst in der Serie, die Geschichte lebensecht wirken zu lassen. Seien es Wut, Trauer, Hass, Rache, Resignation oder Hoffnung - King geht in jeder einzelnen Emotionen auf und bringt es fertig, dem Zuschauer jede noch so kleine Gemütsregung nur mit einem Blick verständlich zu machen. Besonders in den letzten beiden Folgen spielen auch die anderen Darsteller extrem gut. Im Gerichtssaal prallen schließlich die verschiedensten Emotionen aufeinander, was der brisanten Geschichte die Energie, Reibung und Gefühle verleiht, die in den vorherigen Episoden auf der Strecke geblieben sind. Im Showdown konzentriert sich die Handlung endlich auf die Elemente, die wirklich zählen, sodass ich erstmals froh war, die Serie nicht nach der ersten Folge abgebrochen zu haben. Es ist auch begrüßenswert, dass das Ende von "Seven Seconds" realistisch gehalten ist. Zu oft treffen Serien und Filme die enttäuschende Entscheidung, ein Happy End aus dem Hut zu zaubern, obwohl es wenig glaubwürdig ist und jeglichen Fakten widerspricht. Bei diesem "Netflix Original" ist das anders. Obwohl man den Charakteren als Zuschauer etwas anderes - positives wie negatives - gewünscht hätte, sind die finalen Minuten sehr nah an dem dran, was vermutlich bei einem echten Fall geschehen wäre. Schade ist nur, dass die Schicksale der einzelnen Figuren schnell abgehakt werden und nicht mehr aufgeklärt wird, wieso sie sich für bestimmte Wege entschieden haben. 


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Dienstag, 24. Juli 2018

Hotel Transsilvanien 3 - Rezension

Um die Woche schön ausklingen zu lassen, bin ich Freitag spontan nach der Arbeit ins Kino gegangen. Nachmittags lief allerdings nur ein einziger Film: "Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub". Die ersten beiden Teile fand ich ganz nett, sie haben mir aber nicht gut genug gefallen, um es unter meine "Top 15 Nicht-Disney-Animationsfilme" zu schaffen. Auf Lauras korrespondierender Liste war zumindest der erste Film vertreten. Da der dritte Teil gerade erst herausgekommen war, hatte ich weder den Trailer gesehen noch Meinungen dazu gehört, dementsprechend habe ich mir den Streifen völlig "ahnungslos" angeguckt.

Seit Jahrhunderten versucht die Familie Van Helsing Monster auszurotten, scheitert jedoch kolossal bei jedem Versuch. Nachdem Dracula ihn im Jahre 1897 zum wiederholten Male besiegt hatte, schwor ihm der hartnäckige Abraham Van Helsing Rache. In der Gegenwart entscheidet sich der Vampir  - viele Jahrzehnte nach dem Tod seiner Frau - wieder zu daten. Seine Tochter Mavis deutet sein Verhalten jedoch als Überarbeitung und bucht für die ganze Familie eine Kreuzfahrt. Gemeinsam mit ihrem menschlichen Ehemann Johnny, dem gemeinsamen Sohn Dennis, ihrem Großvater Vlad und Draculas zahlreichen Monsterfreunden, sowie deren Familien, machen sie sich auf die Reise in die wiederentdeckte Stadt Atlantis. Auf dem Schiff lernen sie die menschliche Kapitänin Ericka kennen, in die sich Dracula sofort unsterblich verliebt. Was der Vampir allerdings nicht weiß: Seine Angebetete ist die Urenkelin von Abraham Van Helsing und plant, die einzige Waffe zu stehlen, die es möglich macht, ein Monster zu besiegen.

Hauptsache Ekel und Verletzungen

Das sind noch nicht alle Charaktere
Foto: Sony Pictures Animation
Leider gibt es immer weniger Familienfilme (alles aus dem Hause "Disney" ausgenommen), deren Witze charmant oder clever sind. Stattdessen verlassen sich "Sony Animation", "Dreamworks" und "Illumination" vor allem auf Fäkalhumor, Slapstick-Einlagen und das ach so lustige jemand-fällt-irgendwo-runter-oder-tut-sich-sonstwie-weh. Das ist übrigens nicht nur eine Entwicklung bei animierten Streifen, sondern auch bei Realfilmen (Hat jemand das Trauerspiel "Liliane Susewind" gesehen?). Im dritten Teil der "Hotel Transsilvanien"-Reihe gibt es ebenfalls einen ganzen Haufen schaler Witze. Dennis' gigantischer Hund Piesel (Ja, so heißt der wirklich!) sabbert beispielsweise extrem und verteilt den zähen Schleim mit schöner Regelmäßigkeit in der Umgebung. Außerdem wird akustisch dargestellt, dass Vampire beim Verzehr von Knoblauch zwar nicht sterben, dafür aber Blähungen kriegen. Mit Blobby, einem Monster, das aussieht wie grüner Wackelpudding, gibt es sogar einen Charakter, der ausschließlich für Running Gags genutzt wird. Gefühlte zwei Dutzend Mal wird er "getötet", überlebt aber dank seiner gelatineartigen Form. Insgesamt werden die Furzwitze und der Slapstick allerdings nicht so extrem überstrapaziert wie beispielsweise in den "Shrek"- oder "Ich - einfach unverbesserlich"-Filmen. Stattdessen gibt es sogar einige  ganz amüsante Momente. Dazu zählen die zahlreichen Anspielungen auf das "Traumschiff" (Ich frage mich, wie die Dialoge im Original lauten.) und Tinder sowie das völlig ausgelaugte Werwolf-Paar, das seine mehrere Dutzend Kinder im "Kids Club" abgibt und seine freie Zeit nutzt, um ein bisschen durchzudrehen.
Auf diesem Bild sitzt Vlad glücklicherweise
Foto: Sony Pictures Animation
Diese wenigen, ehrlich lustigen Szenen täuschen jedoch nicht über die zahlreichen Schwachstellen des Films hinweg. Es gibt zahlreiche eher fragwürdige Momente, die nicht einmal amüsant sein sollen. In einer Geschichte über Monster treten viele schräge, teils eklige Gestalten auf: klar. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass Abraham Van Helsing einigen Kindern Albträume bereiten wird. Der Vampirjäger hat nämlich seinen alternden Körper durch eine rundliche Maschine mit Rädern ersetzt, auf der sein echter Kopf thront. Es sieht dementsprechend sehr seltsam und unnatürlich aus, wenn er sich bewegt. Sein völlig irrer, diabolischer Blick fördert das gruselige Bild nur noch. Ein ebenso schauriger Anblick ist der Bierbauch und die zu enge Badehose von Vampir-Großvater Vlad, der ständig von drei vollbusigen Hexen verfolgt wird, die ihm unverhohlen auf den Hintern glotzen. Lustig ist das nicht und auch sonst wirken viele Szenen, als wären sie nur produziert worden, um die normale Laufzeit eines Animationsfilms von rund 100 Minuten zu erreichen. Außerdem gibt es extrem viele Charaktere. Da wäre einmal die Vampir-Familie: Dracula, Vlad, Mavis, Johnny, Dennis und Piesel. Dazu kommen Draculas Monster-Kumpel Frankenstein, Griffin, Wayne, Murray und Blobby. Die meisten von ihnen haben noch eine Ehefrau oder Freundin dabei, Wayne zusätzlich noch eine ganze Schar von Kindern - Blobby erschafft sich im Laufe des Films einen eigenen Sprössling aus seinem Erbrochenem. Dann gibt es noch die beiden Van Helsings, eine singende Krake, die Halb-Mensch-halb-Fisch-Mitarbeiter auf dem Kreuzfahrtschiff und zahlreiche andere Charaktere, die kurz auftauchen und keine wirkliche Funktion haben. Zum einen springt die Handlung so ständig zwischen den verschiedenen Schauplätzen. Zum anderen bleibt nicht genug Zeit, um die Figuren sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Liebesgeschichte zwischen Dracula und Ericka wird beispielsweise in wenigen Szenen abgehandelt, wodurch der Zuschauer nicht wirklich nachvollziehen kann, wann und wieso sie seine Gefühle plötzlich erwidert. Andere Charaktere, wie zum Beispiel Vlad, kommen zwar im Film vor, tragen aber rein gar nichts zur Geschichte bei und verschwinden für große Teile der Handlung. 

Der Ohrwurm aller Ohrwürmer

Akkurate Darstellung, wie sich das Filmende anfühlt
Foto: Sony Animation Studios
Pünktlich zum großen Finale sind die meisten Figuren plötzlich wieder da. Obwohl sie dann auch nicht wirklich etwas zu tun haben, außer zu schreien und panisch umher zu rennen. Wie in den meisten Animationsfilmen, die nicht von "Disney" produziert wurden, besteht der Höhepunkt aus einem völlig irren, komplizierten Plan des Antagonisten. In diesem Fall (Spoiler!) ist die geheime Waffe, die Atlantis dem Untergang geweiht hat, ein Musikstück. Die aggressive Tonfolge lässt den Riesenkraken, der unter der Stadt wohnt, böse werden, woraufhin er alles um sich herum zerstört. Aus einem nicht näher erklärten Grund ist das der einzige Weg, um Monster zu töten. Van Helsings Hauptziel ist allerdings Dracula - der sich jederzeit in eine Fledermaus verwandeln und wegfliegen könnte. Ja, der Plan macht überhaupt keinen Sinn. Ganz amüsant ist allerdings der "Kampf" zwischen den Helden und dem Antagonisten. Denn überraschenderweise rettet nicht Dracula die Monster, sondern sein - in diesem Film nur spärlich vertretener - menschlicher Schwiegersohn. Das Finale besteht hauptsächlich aus einem DJ-Battle. Witzig ist dabei die Musikwahl auf Johnnys Seite. Zwar wählt er einige coole Gute-Laune-Songs, aber ich bezweifele, ob die "Hotel Transsilvanien"-Zielgruppe den Beach Boys"-Hit "Good Vibrations" von 1966 kennt. Das Lied, was den Helden letztendlich den Sieg beschert, wird hingegen absolut jeder kennen! Ich verrate mal nicht, um welchen Ohrwurm es geht, aber man bekommt wirklich große Lust, im Kino aufzuspringen und zu tanzen. Das wäre eigentlich ein tolles Ende für den Film. Allerdings kommen danach noch ein paar Szenen, die aufgrund ihrer Schmalzigkeit wirklich nicht notwendig gewesen wären.

Fazit

"Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub" ist ein mittelmäßiger Animationsfilm. Was ihm an Herz und ehrlichem Humor fehlt, versucht er mit Slapstick-Einlagen und Klamauk wieder wettzumachen. Das gelingt allerdings nicht. Viele Witze sind zu albern für Erwachsene und gleichzeitig zu verquer, um für Kinder lustig zu sein. Zwar gibt es einige amüsante Szenen, doch die gehen in der Vielzahl der Slapstick-Momente unter. Dasselbe gilt für die Dutzenden Charaktere, die sich gegenseitig im Weg stehen, da es einfach zu viele von ihnen gibt. So findet praktisch keine stringente Entwicklung statt, was für die Nachvollziehbarkeit der Geschichte aber definitiv notwendig gewesen wäre. So hat der dritte Teil der "Hotel Transsilvanien"-Reihe zwar einige nette Einfälle, ist unter dem Strich aber ziemlich nichtssagend und reiht sich damit nahtlos hinter den Fortsetzungen anderer Nicht-"Disney"-Animationsfilme ein.


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Freitag, 6. Juli 2018

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen (Teil 5)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" stellen wir regelmäßig drei davon vor und fassen zusammen, ob sich das Angucken lohnt. Dabei rezensieren wir sowohl Serien als auch Filme und das Querbeet durch alle Genre hindurch. Diesmal geht es wieder um Filme. In der Vergangenheit haben wir uns bereits Horrorstreifen wie "Little Evil" und Romanzen wie "When We First Met", aber auch Actionfilme wie "Spectral" und Dramen wie "Kodachrome" gewidmet. 


Tau

Die Grafik ist nicht immer so gut
Foto: Netflix
Julia (Maika Monroe) wohnt in einer dreckigen Absteige und verdient ihr Geld damit, Menschen in billigen Nachtclubs zu bestehlen. Eines Abends wird sie in ihrer Wohnung überfallen und betäubt. Als sie aufwacht, ist sie an eine Liege gefesselt, geknebelt und verkabelt. Später wird sie in einen dunklen Käfig gebracht, in dem bereits zwei andere, ebenfalls gefesselte und geknebelte, Menschen (Fiston Barek, Ivana Zivkovic) eingesperrt sind. Julia realisiert, dass sie alle drei ein Implantat in ihrem Nacken eingesetzt bekommen haben. Mit einer List gelingt es Julia, das Labor und den Käfig zu zerstören und mit ihren Mitgefangenen abzuhauen. Die beiden werden jedoch während der Flucht von einem aggressiven Roboter getötet. Bevor er auch Julia umbringen kann, wird er von ihrem Entführer (Ed Skrein) davon abgehalten. Sein Name ist Alex. Er ist Leiter eines großen Technikunternehmens und entwickelt künstliche Intelligenzen. Eine davon ist Tau, die in seinem Haus integriert ist und auch den Killer-Roboter steuert. Alex hat Julia und mehrere andere Menschen, die aufgrund ihrer niedrigen sozialen Stellung von niemandem vermisst werden, gekidnappt, um ihre Hirnaktivitäten aufzuzeichnen. Da das Labor zerstört ist, kann sich Julia nun etwas freier bewegen, wird aber weiterhin gezwungen, bestimmte Tests zu absolvieren. Bald erfährt sie, dass Alex Tau von der Außenwelt abschottet und die sehr neugierige künstliche Intelligenz so gut wie nichts weiß. Im Gegenzug für Informationen, bittet sie Tau um die Hilfe bei ihrer Flucht.

Zu Beginn ähnelt "Tau" einem Horrorfilm
Foto: Netflix
Diese Inhaltsangabe mag klingen, als hätte ich damit schon den ganzen Film verraten. Zum Teil stimmt das auch, denn es geschieht nur sehr, sehr wenig. Es gibt ein paar Sequenzen (zum Beispiel Gespräche zwischen Julia und Tau, Aufnahmen von leuchtenden, digitalen Anzeigen...) und Sätze, die immer wiederholt werden. Nur zu Beginn und gegen Ende kommt ein bisschen mehr Leben in die träge Handlung. Andererseits muss die Geschichte ausführlich erklärt werden, da sie zwar simpel klingt, aber dennoch ziemlich verstrickt ist. Denn "Taus" ganz große Schwachstelle ist das Nicht-beantworten sämtlicher aufkommender Fragen. Der Zuschauer erfährt nicht, was Alex eigentlich genau erreichen will, weshalb er seine Forschung geheim hält und was Julia so besonders für das Experiment macht. Als Tau Julia mit Fragen zur Außenwelt löchert, habe ich ihn jedenfalls sehr gut nachvollziehen können. Nichts ist nerviger, als keine Antworten zu bekommen. "Tau" hat dadurch keinerlei Substanz, da nicht klar ist, wie die Handlung oder die Charaktere einzuordnen sind. Der Science-Fiction-Streifen hat mich in dieser Hinsicht und von der Geschichte her an "The OA" erinnert - die schlechteste "Netflix"-Serie, die ich je gesehen habe
Tau (hinten) weiß nicht mehr, wem er gehorchen soll 
Foto: Netflix
So grottig ist der Ende Juni 2018 erschienene Film nicht, da die Schauspieler deutlich besser sind als bei "The OA" und er einige beachtenswerte Themen aufwirft. Es gibt unzählige Handlungen über künstliche Intelligenz. In den meisten entwickelt die Technologie ein Eigenleben und wendet sich gegen die Menschen oder wird durch einen Funktionsfehler "böse". Hier wird ein viel spannenderer Aspekt angegangen: Tau verhält sich wie ein kleines Kind. Er ist neugierig, stellt Fragen und ist sich nicht über die Folgen seines Handelns bewusst. Dadurch wächst er sowohl Julia als auch dem Zuschauer ans Herz, obwohl er noch kurz zuvor zwei Menschen getötet hat. Dieses moralische Dilemma ist spannend und ungewöhnlich, da die KI-Technologie nicht einfach verteufelt, sondern von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Es ist auch interessant zu sehen, wie die junge Frau versucht, völlig alltägliche Dinge, wie Bäume oder Häuser, zu erklären, sodass der völlig unwissende Tau sie verstehen kann. Dasselbe gilt für die aufgeworfenen Fragen, wie "Schuldet man den Menschen, die einen `erschaffen´ haben etwas?" oder "Was macht eine Person zu einer Person?" Besonders eindrucksvoll ist in dieser Hinsicht eine Szene, in der Tau einen Tobsuchtsanfall bekommt - wie ein kleines Kind - und immer wieder schreit, dass er eine Person sei. Es ist deutlich zu merken, wie viel Angst die künstliche Intelligenz vor der Frage nach der eigenen Existenz hat. All das ist hochspannend, verläuft sich aber vollkommen, um Platz für übertrieben blutige Actionszenen zu machen. "Tau" hat sehr großes Potenzial, das leider größtenteils verschenkt wird. Hier wäre es deutlich sinnvoller gewesen, die Geschichte in einer Serie zu verarbeiten, um genug Zeit zu haben, um Lösungsvorschläge für die gestellten Fragen zu finden und dem Zuschauer die menschlichen Charaktere näher zu bringen.


Ihr Motto ist Widersprechen 
Foto: Netflix
Lona Skinner (Sami Gayle) und Bennett Russell (Jacob Latimore) haben nur wenig gemeinsam: Sie besuchen dieselbe exklusive Schule, sind die einzigen Mitglieder des dortigen Debattierclubs und können sich nicht sonderlich leiden. Ansonsten sind die beiden grundverschieden. Bennett ist der Sohn der erfolgreichen Politikerin Julia Russell (Uzo Aduba), die ihren guten Freund Barack Obama gebeten hat, Bennett eine Empfehlung für Yale zu schreiben. Lona wächst nach dem frühen Tod ihres Vaters bei ihrer Mutter Amy (Christina Hendricks) auf und muss immer aufs Geld schauen. Durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz hat sie ein Stipendium für die Schule bekommen und hofft nun, es so auch nach Harvard zu schaffen. Um ihre Chancen für die Aufnahme an den Elite-Universitäten zu verbessern, wollen die zwei Debattierchampions eine weitere Meisterschaft gewinnen. Allerdings können sie diesmal nicht individuell antreten, sondern müssen ein Team bilden. Da beide Einzelkämpfer sind, gestaltet sich das als schwierig, zumal auch ihre Mütter mitmischen, die sich schon in der Schulzeit nicht leiden konnten. Lediglich Vertrauenslehrerin Kathy (Helen Hunt) versucht zwischen Lona und Bennett zu vermitteln.

Die Mütter wollen helfen, wissen aber nicht wie
Foto: Netflix
Ich hatte "Candy Jar" schon eine ganze Weile auf meiner Liste, habe aber lange gebraucht, um mir den Film tatsächlich anzusehen. Die Beschreibung und der Trailer ließen darauf schließen, dass es sich dabei um einen typischen, klischeehaften Teeniestreifen handelt, in dem zwei gegensätzliche Jugendliche gezwungen sind, zusammenzuarbeiten und sich dann ineinander verlieben. Die Geschichte um Lona und Bennett geht zwar grob in diese Richtung, unterscheidet sich aber dennoch stark von Streifen mit einer ähnlichen Ausgangssituation. Zum einen fehlen die ganzen typischen Charaktere, die normalerweise in einem Jugendfilm vorkommen. Es gibt keine arroganten Sportler, keine egoistische Homecoming-Königin, keine altkluge beste Freundin oder einen albernen Klassenclown. Um genau zu sein, kommen so gut wie keine Teenager vor. Zwischendurch treten zwei Zwillingsbrüder dem Debattierclub bei. Deren einzige Funktion ist es jedoch, Fragen zum wettkampfmäßigen Debattieren zu stellen, damit es der Zuschauer nicht googlen muss. Ansonsten reden Lona und Bennett nur mit dem jeweils anderen oder mit ihren erwachsenen Bezugspersonen. Eine sehr akkurate Darstellung eines "Nerds", die in Filmen normalerweise eher verzerrt wird. Aber das kommt in "Candy Jar" so gut wie gar nicht vor. Zwar überlegen die beiden Protagonisten zwischenzeitlich, ob sie eine "normale" Zeit auf der High School hatten, aber sie ändern sich deswegen nicht. Sie sind einfach arbeitswütig, ehrgeizig und auf ihre Zukunft fixiert. Das wird aber nicht als verwerflich oder falsch dargestellt und die Charaktere haben auch keinen Sinneswandel am Schluss. Stattdessen endet der Film mit einer ähnlichen Szene, wie es sie schon zu Beginn gab, die zeigt, dass Lona und Bennett mit sich selbst im Reinen sind. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so realistische und wertfreie Darstellung von intelligenten Jugendlichen gesehen zu haben, die sich willentlich gegen ein "normales" Teenieleben entschieden haben.
Lona und Bennett stehen zu ihren Eigenarten
Foto: Netflix
Auch die anderen Themen des Films sind deutlich fundierter und erwachsener als in den meisten anderen dieses Genres. Das Debattierthema bei den Wettbewerben ist, ob Collegebildung umsonst oder weiterhin kostenpflichtig sein sollte. Dabei werden einige interessante Aspekte aufgeworfen, vor allem, als die Protagonisten gegen zwei Mädchen antreten, die nicht mit Fakten um sich werfen, sondern ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Die Tatsache, dass Lona aus ärmlichen Verhältnissen stammt, wird in diesem Zusammenhang leider ein wenig vernachlässigt. Zwar erzählt ihre Mutter ständig, dass es ihnen an Geld mangelt und das Haus nicht so schön sei, aber ansonsten ist dieser Aspekt nicht wirklich bemerkbar. Hier wäre das Prinzip "Show don't tell" angebracht gewesen. Mein zweiter und tatsächlich schon letzter Kritikpunkt ist ein Logikloch: Obwohl vor jedem Debattierduell festgelegt wird, wer welche Seite vertritt, sind die beiden oben erwähnten Mädchen bis ins Finale gekommen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie kein einziges Mal für Studiengebühren argumentieren mussten. Aber wie hätten sie das bewerkstelligt, wenn sie keine Fakten, sondern nur eigene Erfahrungen mit den negativen Konsequenzen von teurer Bildung parat hatten? Mal abgesehen von diesen beiden Punkten ist "Candy Jar" ein unterhaltsamer Film. Das liegt unter anderem daran, dass nicht nur auf die üblichen Klischees, sondern auch fast vollständig auf die typische Liebesgeschichte verzichtet wird. Es gibt zwar Gefühle zwischen Lona und Bennett, doch die spielen nie eine zentrale Rolle und wirken immer angenehm unterschwellig. Stattdessen hat "Candy Jar" einige dramatische Elemente. Besonders eine Szene ist herzzerreißend und zeigt eindrücklich, wieso dem titelgebenden Süßigkeitenglas so viel Bedeutung beigemessen wird. Mehr kann ich leider nicht verraten, ohne eine wichtige Wendung zu spoilern. Denn die kommt wirklich überraschend - im Gegensatz zu der am Ende. Ich habe mir bereits am Anfang gedacht, dass das Universitäten-Szenario so aufgelöst werden würde. Alles in allem ist "Candy Jar" ein wirklich sehenswerter Film!


Set It Up

Lauter langweilige Charaktere
Foto: Netflix
Die 25-jährige Harper (Zoey Deutch) arbeitet als persönliche Assistentin für Kirsten (Lucy Liu), die Chefredakteurin eines Online-Sportmagazins. Von morgens bis abends muss sie die Launen ihrer Chefin ertragen und häuft Berge an Überstunden an. Eines Nachts begegnet sie ihrem männlichen Pendant Charlie (Glen Powell). Der 28-Jährige ist Assistent des Risikokapital-Anlegers Rick (Taye Diggs) und muss ein ähnliches Arbeitsklima wie Harper ertragen. Beide machen ihren Job nur, um später von der Stellung und den Kontakten ihres jeweiligen Bosses zu profitieren. Im Spaß schlägt Charlie vor, dass sie Kirsten und Rick verkuppeln könnten, da diese dann weniger Zeit im Büro verbringen würden. Nach einer Weile willigt Harper ein und die zwei schmieden allerhand Pläne, damit sich ihre Chefs ineinander verlieben. Dazu zählen ein gemeinsames Feststecken im Aufzug, ein Kisscam-Kuss bei einem Baseball-Spiel und zahlreiche Geschenke, die Harper und Charlie für ihren jeweiligen Boss aussuchen. Schließlich beginnen Rick und Kirsten tatsächlich eine Beziehung, wodurch ihre Assistenten mehr Freizeit haben. Eine Weile lang sind alle vier zufrieden, doch dann häufen sich die Probleme.

Rick und Kirsten haben absolut keine Chemie
Foto: Netflix
Romantische Komödien gehören zu den Genre, die ich am wenigsten mag. Sie sind mir zu albern, zu absehbar und zu eintönig. Der ähnlich gelagerte "Netflix"-Film "When We First Met" hat mich jedoch gut unterhalten und zu "Set It Up" hatte ich einige positive Kommentare gelesen, daher habe ich ihn mir angesehen. Im Gegensatz zu "Candy Jar", von dem ich mir wenig versprochen hatte und angenehm überrascht wurde, hat mich der neue Streifen extrem enttäuscht. Die Geschichte ist so langweilig, dass ich mehrere Anläufe gebraucht habe, um den Film überhaupt zu Ende zu gucken. Er ist klischeehaft und vorhersehbar wie fast alle romantischen Komödien, hat aber auch sonst keinerlei interessante Wendungen oder frische Ideen, die der Handlung irgendwie Schwung verleihen. Eine Stunde und 45 Minuten Laufzeit wäre mehr als genug gewesen, um irgendein Alleinstellungsmerkmal zu finden, mit dem sich die Geschichte von ähnlichen abgehoben hätte. Stattdessen passiert nicht viel mehr als das, was bereits im knapp über zwei Minuten langen Trailer zu sehen ist. Letztendlich dreht sich "Set It Up" überhaupt nicht um das titelgebende Verkuppeln, sondern um Charlies und Harpers fruchtlose Versuche, die große Liebe und einen Sinn in ihrem Leben zu finden. 
Harper und Charlie sind ganz nett, mehr auch nicht
Foto: Netflix
Das wäre noch tragbar, wenn zumindest die Charaktere charmant und sympathisch wären. Das ist aber nicht der Fall. Die beiden Assistenten sind das wandelnde Klischee eines hart arbeitenden Millenials, der Karriere machen möchte, aber durch einen ignoranten Boss daran gehindert wird. Diese Chefs haben natürlich keinen Funken Menschlichkeit in sich und werden regelmäßig körperlich wie verbal ausfallend. Dazu kommen noch der beste Freund (Pete Davidson) des Protagonisten und die beste Freundin (Meredith Hagner) der Protagonistin, die nichts weiter tun, als treudoof zu sein, außer es geht darum, die Verliebtheit ihres Gegenübers zu erkennen. Natürlich darf auch die obligatorische gefühlskalte, egoistische Freundin (Joan Smalls) des Hauptcharakters nicht fehlen, die nur auf dessen Geld und Ansehen aus ist. Harper und Charlie agieren relativ geschmeidig miteinander und wirken besonders in einer Szene, in der sie sich eine Pizza teilen, erfrischend realistisch. Alle anderen Figuren und ihre Beziehungen untereinander wirken nur steif und erzwungen. Die vermeintliche große Liebe zwischen Kirsten und Rick ist für den Zuschauer beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehbar, da die beiden kaum gemeinsam zu sehen sind. Charaktere und Handlungen erscheinen so herzlos zusammengewürfelt, dass der Film einfach keinen Spaß macht. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend an Seele und Substanz.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Freitag, 22. Juni 2018

Lifelines - Rezension

Seit Beginn des Jahres zeigt RTL dienstags neue, eigenproduzierte Serien. Im Januar liefen "Sankt Maik" und "Beck is back!" an. Im April folgte dann die Anwaltsserie "Jenny - echt gerecht!". Mit "Lifelines" ist vorige Woche die vierte und letzte neue Sendung zu Ende gegangen. Ihr könnt sie aber in der Mediathek momentan noch kostenlos von Anfang an gucken. Bislang steht noch nicht fest, ob "Lifelines" verlängert wird, da die Quoten noch deutlich niedriger waren, als bei den drei anderen Serien. In unseren Augen nachvollziehbar, warum, das erfahrt ihr in dieser Rezension.

Dr. Alex Rode (Jan Hartmann) ist Arzt bei der Bundeswehr und gerade auf Heimaturlaub, als ihm ein schwer verletzter Mann buchstäblich vor die Füße fällt. Mit einem Militärhubschrauber fliegt Alex den Patienten ins Kölner Hubertus Krankenhaus. Dort erwartet den Mediziner eine unerwartete Überraschung in Form von Oberärztin Dr. Laura Seifert (Susan Hoecke). 15 Jahren zuvor hatten sich die beiden gegenseitig vor dem Altar stehen lassen. Alex freut sich riesig, seine einstige Liebe wiederzusehen, auch wenn die mittlerweile glücklich mit dem Restaurantbesitzer Richard Kirchhoff (Marc Oliver Schulze) liiert ist. Nachdem Alex auch die quirlige Assistenzärztin Dr. Carolin Diehl (Jytte-Merle Böhrnsen), den großherzigen Pfleger Elias Wadowski (Oliver Bröcker) und die schlagfertige Krankenschwester Annika Baumgartner (Tina Amon Amonsen) kennengelernt hat, entschließt er sich, eine Stelle als Chirurg im Hubertus Krankenhaus anzunehmen. Mit seinen unkonventionellen Methoden eckt Alex jedoch nicht nur bei seiner Ex-Flamme und neuen Chefin Laura, sondern auch bei Klinikleiterin Sofia Reuter (Idil Üner) an.

Unkonventionell? Eher unverantwortlich!

Alex und Laura sind nicht wirklich sympathisch
Foto: RTL
...so hat es ein Kollege von einer großen, deutschen Fernsehzeitschrift zusammengefasst, als wir uns über "Lifelines" unterhalten haben. Damit hat er absolut Recht! Prinzipiell unterscheidet sich die RTL-Serie kaum von all den anderen Medical Dramas, die es zu Dutzenden im Fernsehen gibt: Ein Team aus Ärzten und Schwestern muss sich im stressigen Klinikalltag und im noch viel stressigeren Privatleben behaupten. Dabei begegnen ihnen reihenweise Patienten mit ungewöhnlichen Krankheitsbildern und traurigen Geschichten. Dr. Rodes unkonventionelle Art soll das altbackene Genre wohl etwas auflockern. Das gelingt aber so gar nicht. Die Serie versucht dem Zuschauer weiszumachen, dass Alex ein charismatischer, lockerer Typ ist, der als einziger weit genug über den Tellerrand blickt, um wirklich etwas zu bewegen. Tatsächlich sind seine Aktionen in den meisten Fällen aber schlicht und ergreifend gefährlich, unnötig und dumm. So lässt er die junge Assistenzärztin im OP stehen, um sich stattdessen einem anderen Fall außerhalb des Klinikgeländes zu widmen. Als Dr. Diehl ihm sichtlich verängstigt sagt, dass sie diese Operation noch nie alleine durchgeführt habe, erwidert er lapidar, sie würde das schon hinkriegen. Da Rode der Serienheld ist, behält er natürlich Recht. Ein anderes Mal schickt er zwei minderjährige Risikopatienten zu seinem Bruder Tobias (Ben Blaskovic), um dort Videospiele zu spielen. Ein Faustschlag ins Gesicht als Narkoseersatz und mit offener Bisswunde selbst operieren, geht für Rode auch in Ordnung. Mal abgesehen davon, dass das natürlich völlig unrealistisch ist, wirken diese Versuche, den Mediziner als "unkonventionell" darzustellen, einfach nur verkrampft.
Sehr subtile Szene - was Alex wohl gerade denkt?
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Das liegt vor allem daran, dass er über alles erhaben ist und keine der anderen Figuren auch nur die leiseste Chance hat, ihm das Wasser zu reichen. Rodes Methoden funktionieren immer und lassen die anderen fähigen Ärzte stets langweilig und überkorrekt wirken. Dabei sind sie ebenfalls erfolgreich, nur auf weniger spektakuläre Art und Weise. Egal, was Alex tut, es muss stets extrem dramatisch sein. Das wohl deutlichste Beispiel: In der letzten Folge versucht er, rechtzeitig zum Standesamt zu kommen, um Lauras Hochzeit mit Richard zu verhindern. Auf dem Weg dorthin kommt er an einem brennenden Haus vorbei, vor dem eine weinende Frau steht, deren kleiner Sohn noch im Gebäude ist. Sofort sprintet der Mediziner ins Haus, rettet das Kind, lehnt keuchend die Hilfe der Notärztin ab und schwingt sich rußverschmiert aufs Fahrrad, um zum Standesamt zu fahren. Die ganze Sequenz ist einfach furchtbar melodramatisch und übertrieben. Außerdem ist Alex nicht einmal ein sympathischer Held. Seine Vorgänger Maik, Beck und Jenny hatten alle eins gemeinsam: Sie sind mit einer großen Portion Herz, Charme und Bauernschläue ans Ziel gekommen. Rode hat nichts von alledem. Er ist einfach von Natur aus geil und ein Gewinner. Dadurch ist er sehr eindimensional und langweilig. Sein weibliches Pendant Laura ist auch nur unwesentlich besser. Sie ist nett, intelligent und erfolgreich, aber nicht ganz so perfekt wie Alex. Mehr kann nicht wirklich über sie gesagt werden. Damit passt sie jedoch super zu ihrem Freund Richard. Der hat auch nicht wirklich Persönlichkeit. Seine einzige Lebensaufgabe scheint zu sein, für die Belegschaft der Klinik zu kochen. Das Essen bringt er dann auch gleich noch selbst vorbei und stört sich nicht daran, dass er stets sofort wieder weggeschickt wird.

Es geht auch ohne Drama und Tamtam!

Team Rot ist klasse, bitte ein Spin-Off
Foto: MG RTL D/Frank Dicks 
Leider dreht sich die Handlung von "Lifelines" größtenteils um Alex' Heldentum und das Liebesdreieck zwischen ihm, Laura und Richard. Die anderen Charaktere bekommen zwar deutlich weniger Screen Time, dafür aber auch deutlich mehr Persönlichkeit. Pfleger Elias, Schwester Annika und Assistenzärztin Carolin haben einen Charme, der den Protagonisten komplett fehlt. Da die Figuren weder dramatische Hintergrundgeschichten mit sich herumschleppen, noch zwanghaft in eine bestimmte Rolle gedrängt werden, fühlen sie sich deutlich natürlicher und lockerer an. Im Gegensatz zu den Hauptcharakteren haben sie auch mal einen witzigen Spruch auf den Lippen. Die drei sind ein bisschen verschroben und eigenwillig, das macht sie so sympathisch - vor allem im Vergleich zu den drei "perfekten" Protagonisten ohne Ecken und Kanten. Im Zusammenspiel mit ihren Kollegen wirken die sogar ein bisschen menschlicher. Annika bringt mit ihrer freundlich-ruppigen Art ein bisschen Persönlichkeit in Laura zum Vorschein und während deren Beziehung zu Alex sehr holprig wirkt, stimmt zwischen ihm und Dr. Diehl die Chemie. Sollte "Lifelines" um eine weitere Staffel verlängert werden, was angesichts der schlechten Einschaltquoten zu bezweifeln ist, wäre es ratsam, den Fokus auf die derzeitigen Nebencharaktere zu legen. Denn "Halbgötter in Weiß" sind deutlich weniger interessant als witzige, leicht verschrobene Sympathieträger.

Fazit

"Lifelines" ist eine enttäuschende Serie, was vor allem an dem unfehlbaren, allwissenden Protagonisten liegt. Ein Großteil der Sendezeit wird darauf verwendet, dem Zuschauer zu beweisen, wie grandios und einfallsreich der Mediziner ist. Tatsächlich ist er aber unglaubwürdig, verantwortungslos und langweilig. Auch die anderen beiden zentralen Figuren können aufgrund fehlenden Charmes und kaum vorhandener Persönlichkeit nicht wirklich überzeugen. Dasselbe gilt für die Handlung, die unnötig dramatisiert und ausgeschmückt wird, anstelle glaubwürdig zu erzählen. Der einzige Lichtblick sind die amüsanten und liebenswerten Nebencharaktere, die die Serie jedoch auch nicht mehr retten können.


Habt ihr "Lifelines" schon gesehen? Wenn ja: Was haltet ihr von dem unfehlbaren Arzt und seinen Kollegen? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Dienstag, 19. Juni 2018

Falk - Rezension

In TV-Formaten gibt es einige Berufsgruppen, die überproportional häufig vertreten sind. Darunter fallen vor allem Polizisten und Ärzte, aber auch Juristen. RTL brachte mit "Beck is back!" und "Jenny - echt gerecht!" innerhalb weniger Monate gleich zwei neue Anwaltsserien auf den Markt. Auch bei der ARD gab es jetzt Nachschub in diesem Genre: Seit Mai zeigt der Sender "Falk", eine eigenproduzierte Sendung über einen schrägen Juristen. Heute läuft das Staffelfinale, also höchste Zeit für eine Rezension. Falls ihr die Serie übrigens noch nicht kennt, könnt ihr sie in der ARD-Mediathek kostenlos von Anfang an gucken.

Der exzentrische Falk (Fritz Karl) ist gelernter Anwalt, konnte aber seinen Beruf und vor allem die Mandanten nie leiden. Eines Tages stand er während einer Gerichtsverhandlung einfach auf, verließ den Saal und kündigte seinen Job bei der renommierten Kanzlei "Offergeld & Partner". Stattdessen folgte er seinem eigentlichen Lebenstraum: ein eigenes Restaurant. Da Falk zwar einen ausgezeichneten Geschmack, aber keinerlei Ahnung von Geld hat, geht das Lokal zu Beginn der Serie bankrott und wird von seinem ehemaligen Chef Richard Offergeld (Peter Prager) übernommen. Der bietet ihm einen Deal an: Wenn Falk für eine Weile die ungewöhnlichen Fälle der Kanzlei übernimmt, gibt ihm Offergeld das Restaurant zurück. Widerwillig kehrt der erfolglose Gastronom mit seiner Assistentin Trulla (Alessija Lause, Jenny - echt gerecht!) an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Noch weniger begeistert von der Situation ist Offergelds Tochter Sophie (Mira Bartuschek), die mittlerweile die Leitung der Kanzlei übernommen hat. Falks direktes Auftreten, seine emotionalen Ausbrüche und seine unorthodoxen Methoden stellen in Sophies Augen eine Gefahr für den guten Ruf des Familienunternehmens dar. Die ungleichen Anwälte können es kaum erwarten, bis sich ihre Wege wieder trennen.

Was genau bedeutet eigentlich "exzentrisch"?

Lieber Restaurant als Kanzlei?
Foto: ARD
Diese Frage habe ich mir bei jeder der sechs "Falk"-Folgen gestellt. Denn so ungewöhnlich, verrückt und genial, wie der Hauptcharakter von seinem Umfeld dargestellt wird, ist er eigentlich gar nicht. Er trägt knallbunt gemusterte Socken zum Dandy-Style, lässt seine Schildkröte im Kühlschrank der Kanzlei überwintern und prügelt sich mit einer Mandantin, um ihre Schuld zu beweisen. In den Augen der älteren Zuschauer mag das vielleicht ein schockierendes Verhalten für einen Anwalt sein. Im Vergleich zu den meisten anderen aktuellen Serienhelden erreicht Falk aber nur das Mittelfeld der "Verrücktheits-Skala". Simple Hauptfiguren ohne Macken, seltsame Angewohnheiten, private Dramen oder (vermeintlich) übermenschliche Fähigkeiten findet man im Fernsehen nämlich kaum noch. Irgendeine Art von Tick oder schräger Individualität muss ein Hauptcharakter haben, damit die Serie in dem Meer von Programmen auffällt. Bei Falk geht dieser Plan nicht wirklich auf, da er die meiste Zeit über relativ normal, sogar ein bisschen langweilig, wirkt. Einen neuen "Sherlock" hat die ARD jedenfalls nicht ins Leben gerufen, obwohl die beiden eins gemeinsam haben: einen lädierten Körper. Während sich der britische Serienheld mit Drogen kaputt macht, ist Falk passionierter Hypochonder. Sein Vater starb qualvoll an einer nicht genannten Krankheit, vermutlich Alzheimer. Der Anwalt hat daher ständig Angst, dasselbe Schicksal vor sich zu haben. Fast täglich steht er vor der Tür seiner genervten Ärztin Dr. Kranzow (Sonja Baum) und glaubt, Symptome zu zeigen (Kranzow: "Alles bestens - so wie sonst auch." (...) Sprechstundenhilfe: "Neuer Termin?" Falk: "Alles gut! Brauche ich nicht." Sprechstundenhilfe: "Kein neuer Termin?" Kranzow: "Doch, doch, der ist morgen wieder da."). Obwohl mir Falk generell ziemlich unsympathisch ist, hat mich diese Nebenhandlung am meisten gestört, da sie die komplette Staffel über auf der Stelle tritt. Dem Zuschauer ist klar, dass der Anwalt nicht erkranken wird, weil die Serie sonst nicht mehr funktionierten würde. Die ganze Geschichte wirkt wie pure Zeitverschwendung, da sich die Situation nie verändert. Trullas ständige Vorträge, dass Falk sich nicht einreden solle, er würde demnächst sterben, steuern nur unnötige Melodramatik bei.
Falk hat regelmäßig seltsame Visionen von sich selbst
Foto: ARD/Kai Schulz
Genauso wechselhaft wie der Hauptcharakter ist auch die restliche Serie, die ihre Linie noch nicht ganz gefunden zu haben scheint. Das zeigt beispielsweise die ungewöhnliche Wahl der Episodendarsteller: auf der einen Seite ein bei Teenies beliebter YouTube-Star wie Joyce Ilg, auf der anderen Seite ein eher beim älteren Publikum bekannter Schlagersänger wie Roberto Blanco - beide spielen sich selbst. Weiterhin scheinen sich die Verantwortlichen der Sendung noch nicht entschieden zu haben, ob Falk nun eher ein infantiler Spinner oder ein eloquenter, hochnäsiger Anzugträger ist und wie wichtig die anderen Charaktere sein sollen. Wie viele andere Serien, darunter die bereits erwähnte BBC-Produktion "Sherlock", aber auch "Sankt Maik" oder "Pastewka", konzentriert sich "Falk" fast ausschließlich auf die männliche Hauptfigur. Neben ihr sehen alle anderen Charaktere unscheinbar und etwas einfältig aus. Falks Assistentin Trulla ist das wandelnde Klischee einer bauernschlauen, frivolen Lebenskünstlerin. Sophies Tochter Marie (Sinje Irslinger) hat ausschließlich zwei Gemütszustände: genervter Teenager, der glaubt, alles besser zu wissen und einfühlsamer Teenager, der tatsächlich alles besser weiß. Kanzleikollege Bitz (Moritz Führmann) scheint währenddessen nur zu existieren, damit Falk und Sophie ihn konsequent ignorieren können. Die Rolle von Letzterer bleibt derweil völlig im Dunklen. Schon nach zwei Folgen scheint sie sich in Falk verliebt zu haben, was aber nie angesprochen wird. Stattdessen darf Sophie nur eingeschnappt auf alles reagieren, was ihr unfreiwilliger Kollege tut und eifersüchtig sein, wenn er sich mit der verheirateten Sabine Schmidt (Marie-Lou Sellem) trifft. Im Staffelfinale hat Falk dann die Chance, sein Restaurant sofort zurückzubekommen, zögert aber - ob wegen Sophie oder aus einem anderen Grund, kann nur gemutmaßt werden.

Etwas weniger Klischees und mehr 2018, bitte!

Sophie und Falk funktionieren gut ohne den anderen
Foto: ARD/Kai Schulz
Die Charaktere sind unterhaltsam, da sie konsequent übertrieben agieren und die Schauspieler dabei sichtlich Spaß haben. Es ist jedoch schade, dass der Zuschauer rein gar nichts über das Seelenleben der Figuren erfährt. Mit Ausnahme von Falks Angst vor einer möglichen Erkrankung, wird überhaupt nicht über Gedanken, Gefühle oder Vergangenes gesprochen. Es wird beispielsweise nie abschließend erklärt, weshalb Falk seinen Job so abrupt gekündigt hat. In Bezug auf Sophie kommt noch dazu, dass die Serie ständig so tut, als würde sie ohne ihren exzentrischen Kollegen nichts zustande bekommen. Tatsächlich arbeiten die beiden aber praktisch nie zusammen und helfen einander auch nur selten. Es passt aber ins generell nicht sehr moderne Frauenbild der Serie. Sophie erzählt, dass sie nur wegen ihres Vaters Anwältin geworden sei und muss sich ständig gegen seine ungefragte Einmischung in die Kanzlei und die Erziehung ihrer Tochter zur Wehr setzen. Das gegensätzliche Beispiel ist Falks Affäre Sabine, die ihm erst ihren Ehemann und die Kinder verschweigt und ihn dann abserviert, als sie merkt, dass sie lieber unabhängig von allen sein will ("Ich wollte dir danken - für die gemeinsame Zeit. Es war schön. Ich habe mich lebendig gefühlt. Ich hätte ohne dich nie den Mut gehabt, überhaupt über eine Trennung von Thomas [ihr Ehemann, Anm. d. Red.] nachzudenken."). Ein noch eindeutigeres Beispiel ist einer der Fälle, die Falk behandelt: Tina (Caroline Maria Frier) und Hanno (Dirk Borchardt) wollen sich scheiden lassen, doch der Anwalt denkt, es gebe eine andere Lösung. Schließlich diagnostiziert er, dass sich Hanno seiner Männlichkeit beraubt fühle, weil Tina vermögend und somit finanziell unabhängig ist. Sie finde ihn wegen seines Komplexes weniger attraktiv. Also lässt Falk den Ehemann mit einem Hammer eine Mauer einschlagen, damit ist seine Männlichkeit wiederhergestellt und seine Frau fällt über ihn her. Das ist definitiv ein sehr antiquiertes Bild beider Geschlechter und eine ziemlich dämliche "Lösung" des Problems. Falks und Sophies andere Fälle sind glücklicherweise weniger klischeehaft und deutlich amüsanter - sei es ein Rechtsstreit wegen eines anzüglich gecoverten Songs, das Schlichten eines Rechtsstreits in der Sauna oder eine Erwachsenenadoption wegen eines Adelstitels.

Fazit

"Falk" ist eine witzige, kurzweilige Serie, die aber noch hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Das liegt vor allem am unstetigen Konzept, den altbackenen Klischees und den unnötigen Nebenhandlungen. Auch der Hauptcharakter ist noch nicht richtig ausgereift, da er extrem wechselhaft und kein wirklicher Sympathieträger ist. Die anderen Figuren sind deutlich charmanter, bleiben aber stets in seinem Schatten. Außerdem erfährt der Zuschauer so gut wie nichts über das Seelenleben der Beteiligten, was die Geschichte platt wirken lässt. Durch die Spielfreude der Darsteller und die amüsanten Fälle ist "Falk" jedoch durchaus sehenswert. Ich hoffe jedenfalls, dass die ARD eine weitere Staffel bestellen wird.


Habt ihr "Falk" schon gesehen? Wenn ja: Wie findet ihr den exzentrischen Anwalt? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Dienstag, 1. Mai 2018

Jenny - echt gerecht! - Rezension

Seit Beginn des Jahres zeigt RTL dienstags neue, eigenproduzierte Serien. Im Januar starteten die herrliche Verwechslungskomödie "Sankt Maik" und die stark ausbaufähige Anwaltssendung "Beck is back!". Ab April ging es dann mit "Jenny - echt gerecht!", einer zweiten Juristenserie, weiter. Da sie im Gegensatz zu den anderen Formaten in Doppelfolgen ausgestrahlt wurde, läuft heute schon das Staffelfinale. Ich habe bereits alle Episoden gesehen und werfe in dieser Rezension einen Blick auf den dritten Neustart, der - anders als seine beiden Vorgänger - bislang noch nicht verlängert wurde. Falls ihr die Serie übrigens nicht kennt, könnt ihr sie in der Mediathek momentan noch kostenlos von Anfang an gucken.

Jenny Kramer (Birte Hanusrichter) ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder und hat gerade zum wiederholten Mal ihren Job verloren. Vor Gericht kämpft sie um den Unterhalt für ihre jüngere Tochter, doch ihr Pflichtverteidiger Maximilian Mertens (August Wittgenstein, Ku'damm 59) verschläft die Verhandlung. Wütend will Jenny ihn in seinem Büro in einer schnöseligen High-Society-Kanzlei zur Rede stellen. Doch Agnes von Bergen (Isabell Polak), Tochter des Chefs und Maximilians Freundin, hält den Wirbelwind fälschlicherweise für die neue Bürohilfe. Jenny ergreift die Gelegenheit und beginnt motiviert mit der Arbeit - oder das, was sie für ihre Arbeit hält. Statt Akten zu vernichten und Kaffee zu kochen, mischt sich Jenny ununterbrochen in Maximilians Fälle ein. Durch ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn kann sie nicht eher ruhen, bis ein Täter verurteilt wird - auch wenn es sich dabei um den Mandaten der Kanzlei handelt. Das sorgt nicht nur für Streitigkeiten mit Max, sondern bringt Jenny auch gelegentlich in Lebensgefahr.

Unkonventioneller Rechtsbeistand - originell!

Nach Maik & Beck, nun Jenny
Foto: RTL
Juristen gehören zu den Berufsgruppen, die im Fernsehen omnipräsent sind - gleich nach Polizisten und Medizinern (in "Lifelines", der vierten RTL-Eigenproduktion, die ab nächster Woche läuft, wird es übrigens um ebensolche gehen). Da normaler Arbeitsalltag zu langweilig wäre, ist der Hauptcharakter stets ein engagierter Querdenker, der sich gegen seine überkorrekten Kollegen durchsetzen muss. Dasselbe Prinzip verfolgte auch "Beck is back!", davor Serien wie "Danni Lowinski" und "Suits" und bald auch "Falk" in der ARD. "Jenny - echt gerecht!" ist da nicht anders: Die hyperaktive Protagonistin setzt sich über sämtliche Kanzlei-Vorschriften hinweg und versucht mit Bauernschläue und der ein oder anderen kleinen Lüge Licht in die verhandelten Fälle zu bringen. Ihr steifer Paragraphenreiter-Chef ermahnt sie zu Beginn jeder Folge, sich nicht einzumischen und wird wütend, wenn sie von ihren Alleingängen berichtet. Letztendlich überwiegt dann aber auch sein Gerechtigkeitssinn und er unterstützt ihr Vorhaben. Die anderen in der Kanzlei sind zwar um den Ruf ihres Arbeitgebers bemüht, unternehmen aber schlussendlich nichts, da sich immer alles irgendwie zum Guten wendet. Sonderlich einfallsreich ist dieses Konzept nicht, zumal noch andere stereotype Faktoren, wie eine aufkeimende Liebelei zwischen den Hauptcharakteren und totgeschwiegene Geheimnisse in deren Vergangenheit, mit einfließen. "Jenny" nimmt jedoch glücklicherweise denselben Weg wie "Sankt Maik" und macht aus einer altbackenen, überstrapazierten Idee eine erfrischend lockere, unterhaltsame Serie mit Tendenz nach oben.
Zwischen Max (l.) & Jenny fliegen Fetzen & Funken
Foto: RTL
Das liegt vor allem an den charismatischen Protagonisten. Zugegeben, in einigen Folgen nervt Jenny zwischendurch ein bisschen - wenn sie sich mit ihrer überdrehten, naiven Art in einem Fall festbeißt, der vor Gericht eigentlich schon längst entschieden wurde. Gemeinsam mit Anwalt Mertens lernt aber auch der Zuschauer Jennys Hartnäckigkeit und ihren Gerechtigkeitssinn zu schätzen. Genau wie Hannes Beck in "Beck is back!" ist auch sie alleinerziehend, allerdings spielt die Beziehung zu ihren Töchtern eine weniger zentrale Rolle. Die bessere Chemie haben Matilda (Anna Büttner) und Kim (Zora Müller) sowieso mit Max. Die witzig-liebevollen Interaktionen zwischen dem Anwalt und den Kindern seiner Bürohilfe sind wirklich charmant. Überhaupt mochte ich ihn fast noch mehr als Jenny. Er ist zwar etwas spröde, aber genau das macht den Reiz aus. Immer wieder blitzt seine unangepasste, abenteuerlustige Seite durch. Dann lässt er sich beispielsweise zu einem illegalen Autorennen hinreißen, um mehr über einen Angeklagten herauszufinden (Jenny: "Das war ja wohl die beschissenste Idee, die Sie je hatten!" Max: "Ach ja? Das muss dann wohl an Ihrem schlechten Einfluss liegen!") oder liefert sich eine wilde Wasserschlacht mit Jenny und ihren Töchtern. Diese Diskrepanz zwischen seriösem High-Society-Anwalt und sympathischem Spielkind ist unterhaltsam. Alle anderen Charaktere sind weniger vielseitig, aber ebenfalls nicht völlig stereotypisch. Maximilians Freundin Agnes ist beispielsweise eine nette, offene Person, die sich schnell mit Jenny anfreundet. Auf die in Serien häufig zu sehende "Stutenbissigkeit" wird angenehmerweise verzichtet. Dasselbe gilt für das Klischee "Potenzieller romantischer Partner der Hauptperson hat einen unsympathischen und fiesen Lebensgefährten, sodass der Zuschauer es nicht verurteilt, sollte der potenzielle Partner mit der Hauptperson flirten".

Wenig Humor muss kein Nachteil sein!

Teilt Jenny den Schrank mit Ellen aus "Sankt Maik"?
Foto: RTL
In meiner Rezension zu "Beck is back!" habe ich bemängelt, dass die Witze zum Teil extrem überstrapaziert werden und noch klamaukiger sind als im Münsteraner "Tatort" - obwohl die Serie Themen wie Vergewaltigung und Sterbehilfe thematisiert. "Jenny - echt gerecht" behandelt meist weniger kontroverse Fälle, hat aber trotzdem einen gemäßigten Humor. Zwar ist die Protagonistin allein schon durch ihre auffällige, bunte Kleidung ein wandelnder Gag (Max: "Tragen Sie eigentlich aus Prinzip bunte Klamotten oder nur, um mich zu ärgern?" Jenny: "Beides."), ansonsten hält sich die Serie jedoch mit Slapstick zurück. Aber nicht nur damit. Generell ist "Jenny" für ein Comedy-Format überraschend wenig lustig. Spontan fällt mir keine Szene ein, in der ich herzhaft gelacht hätte. Das ist aber kein Kritikpunkt! Die ulkige Hauptfigur und ihre schräge beste Freundin Sonni (Alessija Lause) werden durch die steifen Kanzlei-Charaktere ausgeglichen. So bleibt die Sendung trotz Jennys teils übertrieben hyperaktiver Art bodenständig und kernig. Das kann über die Handlung der einzelnen Folgen leider nicht gesagt werden. Die Fälle spielen neben den persönlichen Geschichten der Protagonisten nur eine untergeordnete Rolle. Im Vergleich zu anderen Anwaltsserien sind sie außerdem recht langweilig. Bei den meisten ist früh absehbar, wer die Schuld trägt, sodass keine wirkliche Spannung oder zumindest Neugier aufkommen kann. Auch, weil von Anfang an feststeht, dass sich die quirlige Bürohilfe sowieso durchsetzen wird. Bei "Beck is back!" habe ich bemängelt, dass der Protagonist immer das Glück hat, dass seine Mandaten unschuldig sind. Beim dritten RTL-Neustart in diesem Jahr ist das nicht der Fall. Maximilian vertritt auch Klienten, die letztendlich schuldig gesprochen werden. Das ist eine angenehme Abwechslung. Ein Happy End gibt es trotzdem jedes Mal: Jenny sorgt für die Verurteilung des Täters und Kanzlei-Chef Robert von Bergen (Peter Benedict, Dark) ist schlussendlich immer irgendwie zufrieden mit der Arbeit seiner Mitarbeiter. Schön für sie. Für den Zuschauer wird das auf die Dauer langweilig. 

Fazit

"Jenny - echt gerecht!" ist mit großem Abstand die bessere der beiden neuen RTL-Anwaltsserien. Die sympathischen Hauptcharaktere ergänzen sich perfekt und scheuen nicht davor zurück, auch mal aus der Rolle zu fallen. So sorgen sie für die ein oder andere interessante Wendung. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn sich die Serie zu sehr an das altgediente Rollenkonzept halten würde - wie es leider bei den Fällen geschieht. Die sind eher dröge und schaffen es nicht, in irgendeiner Weise zu überraschen oder Spannung zu erzeugen. Stattdessen wirken sie nur wie ein Mittel zum Zweck, um den Charakteren ein gemeinsames Thema zu geben, mit dem sie sich beschäftigen können. Das ist zwar schade, fällt durch die starken Protagonisten aber nicht allzu schwer ins Gewicht. Deren humorvolle Art macht zudem einen Großteil der Comedy aus. Aufgesagte Witzchen und Slapstick gibt es fast gar nicht, wodurch die Serie nie in den Klamauk rutscht. Die Protagonistin ist nur gelegentlich etwas albern - allerdings auf charmante Art und Weise. 


Habt ihr "Jenny - echt gerecht!" schon gesehen? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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