Mittwoch, 15. November 2017

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen (Teil 2)

Mittlerweile gibt es nicht nur Filme fürs Kino oder Fernsehen. "Netflix" hat vor einigen Jahren ebenfalls damit begonnen, Eigenproduktionen zu veröffentlichen. Das Angebot des Streaming-Anbieters beschränkt sich also nicht nur "Netflix Original"-Serien (unsere Kurzrezensionen dazu findet ihr hier), sondern hat auch eine wachsende Anzahl an Filmen. Im ersten Teil (hier gelangt ihr zum Beitrag) habe ich bereits die Titel "Little Evil", "The Incredible Jessica James" sowie "#realityhigh" vorgestellt und bewertet, in diesem Post folgen drei weitere. 


Wheelman

Wird er den Verantwortlichen finden?
Foto: Netflix
Der namenlose Protagonist in diesem Actionthriller ist Fluchtfahrer für eine Gruppe Bankräuber, der "Wheelman" (Frank Grillo). Doch während des Auftrags wird er von einem mysteriösen Anrufer vor ihnen gewarnt und lässt sie zurück, nachdem sie das Geld im Kofferraum abgelegt haben. Nun ist der "Wheelman" nicht nur auf der Flucht vor den Bankräubern, die ihn drankriegen wollen, er muss auch herausfinden, wer hinter dem Anrufer steckt. Denn der gibt ihm nun neue Anweisungen, was er mit dem Geld machen soll. Kann der "Wheelman" ihm trauen?
Als der Film losging, musste ich sofort an "Baby Driver" denken, den wir im Kino gesehen haben und in dem es auch um einen Fluchtfahrer geht (unsere Rezension dazu findet ihr hier). Im Vergleich dazu ist "Wheelman" allerdings noch eine Ecke brutaler und hat außerdem weniger Musikeinlagen. Es gibt viele Schießereien, Blut und Gefluche. Die Geschichte ist insgesamt sehr aufregend und es gibt ein paar überraschende Wendungen, sodass ich immer gespannt war, was wohl als Nächstes passieren würde. Was schnell auffällt: Der Film benutzt fast ausschließlich Aufnahmen, die innerhalb des Autos aus interessanten Perspektiven gefilmt wurden, beispielsweise aus der "Sicht" des Handys, das auf dem Beifahrersitz liegt. Dann gibt es noch Szenen mit Kameras, die außen am Wagen befestigt sind. Eine ganze Geschichte aus solchen Blickwinkeln zu sehen, war mal etwas anderes und hat mir gut gefallen, weil der Zuschauer dadurch sehr nah am Geschehen ist und kaum mehr zu sehen bekommt als der Protagonist.
Was mir allerdings weniger gut gefallen hat, ist das ständige Fluchen. Ich habe nichts dagegen, wenn Charaktere das machen, aber hier wird wirklich übertrieben. Besonders zur Mitte der Handlung fallen gefühlt jede zweite Sekunde Wörter wie "fuck", "fucking", "motherfucker" und Ähnliches. Das wirkte auf mich irgendwann wirklich lächerlich und hat von der Handlung abgelenkt. Zum Ende hin lässt dieser Aspekt zum Glück etwas nach und für mich wurde der Film gleich besser und ich konnte ihn wieder ernst nehmen. Obwohl Frank Grillos Charakter in den Szenen mit den vielen Flüchen etwas drüber wirkt, hat mir sein Schauspiel insgesamt gut gefallen. Da sein Charakter die meiste Zeit alleine zu sehen ist, trägt er quasi den ganzen Film. Der "Wheelman" zeigt dabei nicht nur seine harte, coole Seite, der Zuschauer kann vor allem durch Grillos Mimik auch immer wieder seine Angst und Panik in manchen Situationen erkennen. Dieser Aspekt macht ihn als Charakter nahbar. Er ist kein vollkommen furchtloser Actionheld. Das mochte ich wirklich gerne und dadurch habe ich viel mehr mit ihm mitgefiebert. Der Showdown hält noch ein paar Überraschungen parat und ist insgesamt wirklich rasant (im Hinblick auf das Geschehen selbst und das Erzähltempo). Insgesamt kommt bei diesem Film also wirklich keine Langeweile auf. Wer allerdings etwas mit Tiefgang erwarten sollte, wird enttäuscht: Das ist schlichtweg ein actionbeladener Streifen, der sich aber immerhin aufgrund der anhaltenden Spannung, der ungewöhnlichen Aufnahmen und des guten Hauptcharakters lohnt. 


iBoy

Tom will Rache, ist das der richtige Weg?
Foto: Netflix
Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Kevin Brooks, das 2010 erschienen ist. Die Geschichte beginnt damit, dass der Jugendliche Tom (Bill Milner) durch Zufall in einen Überfall auf seine Mitschülerin Lucy (Maisie Williams) gerät, als er sie besucht. Bei seiner Flucht wird er angeschossen. Dabei gelangen Teile seines Smartphones in sein Gehirn und können nicht entfernt werden. Schon bald merkt Tom, dass er technische Geräte steuern und sich nur durch seine Gedanken Zugang zu ihnen verschaffen kann. Mit diesen neu gewonnenen Fähigkeiten will er als "iBoy" diejenigen finden, die für den Überfall verantwortlich sind und Rache üben. 
Mir hat dieser Film wirklich gut gefallen, weil er das Thema Superhelden auf eine besondere Art behandelt und zeigt, dass übernatürliche Fähigkeiten nicht nur toll sind. Nur weil man außergewöhnliche Kräfte hat, heißt das noch nicht, dass man weiß, was man tut oder dass man immer der strahlende Held ist. Außerdem gibt es immer Konsequenzen und man bringt nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen in seinem Umfeld in Gefahr. Das alles behandelt der Film sehr gut. Es wird gezeigt, wie die Hauptfigur Fehler macht und sich in seinen Rachegedanken verliert und am Ende ziemlich in der Klemme steckt. Außerdem finde ich die Idee, dass Tom seine Fähigkeiten dank eines Smartphones bekommt, dessen Teile sich mit seinem Gehirn verbunden haben, ausgefallen und interessant. 
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass der Protagonist zur Abwechslung wirklich mal ein durchschnittlicher Typ ist, der durch nichts wirklich heraussticht. Außerdem hat er durch den Unfall eine hässliche Narbe, sodass er auch kein Schönling ist. Das hat die Geschichte einfach realistischer gemacht. Diese Glaubwürdigkeit wird zusätzlich dadurch gestärkt, dass die Probleme, mit denen die Hauptfiguren konfrontiert werden, nicht vollkommen überzogen sind. Der Protagonist muss nicht gegen Bösewichte mit Superkräften kämpfen und die Welt retten, sondern gegen Kriminelle, die in seiner Gegend Probleme machen, deswegen aber nicht weniger bedrohlich sind. Es ist eine andere, düstere sowie realistischere Version eines Heldenfilms, in dem die Hauptfigur nicht perfekt ist, sondern sogar an den Punkt kommt, an dem er vollkommen überfordert ist. Das alles macht diesen Film besonders.
Es gibt außerdem eine Liebesgeschichte, die sich dem Zuschauer aber nicht zu sehr aufdrängt oder kitschig ist. Zudem bekommt die weibliche Figur Lucy ihre eigene Geschichte und ist nicht bloß ein schwaches Anhängsel des Protagonisten, das gerettet werden muss. Ihr Kampf, das zu verarbeiten, was ihr widerfahren ist, wird ebenfalls veranschaulicht und der Zuschauer spürt, wie ihr dieses Erlebnis zu schaffen macht. Das sind sehr bewegende Szenen, die auch dank Maisie Williams ausdrucksstarkem Schauspieltalent gut rüberkommen. Gerade in den emotionalen Momenten schafft sie es durch ihre brüchige Stimme zugleich verletzlich und aufgebracht zu wirken. Diese Emotionen verstärkt sie noch durch ihre überzeugende Mimik. Das Ende wird dann noch mal richtig spannend und zeigt nicht nur Tom, sondern vor allem Lucy als heldenhafte Figur, wofür der Film einen weiteren Pluspunkt von mir bekommen hat. Wer mal eine etwas andere Heldengeschichte erleben will, sollte diesem Titel eine Chance geben.


Spectral

Kampf gegen unbekannte Gegner
Foto: Netflix
In einer nicht allzu fernen Zukunft wird in einer vom Krieg zerstörten Stadt eine Einheit der Militäreinheit Delta Force von Kreaturen angegriffen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Die Männer sterben auf der Stelle durch einen Erfrierungstod, sobald die Wesen sie attackieren. Nur durch besondere Kameras können die blau flackernden, geisterähnlichen Gestalten gesehen werden. Der DARPA (Behörde des Verteidigungsministeriums der USA)-Mitarbeiter Dr. Mark Clyne (James Badge Dale), der die Kameras gebaut hat, wird von seinem Vorgesetzten in diese Stadt geschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was genau für den Tod der Soldaten verantwortlich ist.
Der Film ist generell wie viele Actionfilme aufgebaut: Eine Gruppe von Leuten muss sich einem unbekannten Gegner stellen, dieser veranschaulicht seine Stärke, es kommt zu Verlusten im Team, doch sie kämpfen zurück, erst läuft es schlecht, dann haben sie eine Idee, wie sie die Gegenspieler bekämpfen können und es kommt zum finalen Kampf. In dieser Hinsicht gab es keine Überraschungen oder unvorhersehbare Wendungen. Trotzdem ist "Spectral" wirklich spannend und das liegt vor allem am Gegner. Denn bis zum Schluss wird nicht klar, was genau die Geistergestalten sind. Zwar wird schnell offensichtlich, warum es sie gibt, wenn man im Auge behält, dass Krieg ebenfalls ein Thema in diesem Film ist. Doch die Idee dahinter, was sie sind, ist außergewöhnlich und vor allem verstörend. Es zeigt, wie weit die Menschheit in Kriegszeiten gehen könnte, um den Gegner zu besiegen. Generell hat mit gefallen, dass im Film immer wieder darauf eingegangen und auch kritisiert wird, was Krieg mit Menschen machen kann. So soll beispielsweise ein Gerät, das Dr. Clyne eigentlich als Verteidigungsmittel gebaut hat, lieber dafür eingesetzt werden, den Feind zu töten.
Die meisten Charaktere in dieser Geschichte waren in Ordnung. Ich bin ihnen gerne durch die Handlung gefolgt, da sie nicht vollkommen eindimensional waren oder unglaubwürdig wirkten. Es gab keine Momente, in denen ich mich über sie oder ihre Aktionen aufregen musste. Allerdings sind sie gleichzeitig nicht unglaublich ausgefallene oder vielschichtige Figuren, weil der Zuschauer dafür einfach zu wenig über sie erfährt. Die Handlung hat mir insgesamt ebenfalls gefallen. Obwohl viele Kampfszenen vorkommen und dadurch einiges an Action vorhanden ist, gibt es zusätzlich einige ruhigere, teilweise sogar emotionale Momente. Der Film verzichtet übrigens auf eine Liebesgeschichte, obwohl es eine weibliche Figur gibt, die viel Screentime hat und oft mit dem Protagonisten interagiert. Darüber war ich erleichtert, weil eine Romanze in dieser Handlung einfach fehl am Platz gewirkt hätte und wahrscheinlich nur mit reingequetscht worden wäre. Ein weiterer Punkt, der mir wirklich zugesagt hat, war, dass es kein übertrieben kitschiges Ende gibt, bei dem alle superglücklich zusammensitzen und eine total unpassende Musik eingespielt wird. In so manch anderen Actionfilmen gibt es so etwas und meistens ist das nervig. Der Schluss ist eher neutral gehalten, das hat gut gepasst und mich positiv überrascht.


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