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Mittwoch, 22. August 2018

To All the Boys I've Loved Before - Buch vs. Film

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Seit dem 17. August ist die Buchverfilmung zu Jenny Hans "To All the Boys I've Loved Before" auf "Netflix" zu sehen. Ich habe kurz vor Veröffentlichung den Jugendroman gelesen und am Wochenende die Eigenproduktion des Streaminganbieters angeschaut. Im heutigen Post gibt es daher wieder ein "Buch vs. Film" (meine anderen Posts, in denen ich Verfilmungen mit dem Original vergleiche, findet ihr hier). Ich verrate euch, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen und welche Version mir besser gefällt. 

Lara Jean Song (Lana Condor) führt mit ihren 16 Jahren ein ziemlich ruhiges Leben. Statt auf Partys zu gehen, verbringt sie ihre Abende mit ihren Schwestern Margot (Janel Parrish) und Kitty (Anna Cathcart) oder dem Lesen kitschiger Liebesromane. Eine reale Liebesbeziehung hatte sie noch nie. Dafür träumt die Schülerin oft davon und schreibt allen Jungs, in die sie jemals verliebt war, einen Brief. Auf den Umschlägen stehen sogar die Adressen, verschickt aber keinen, da die Worte nur für sie bestimmt sind. Doch dann werden alle von ihnen überraschenderweise verschickt. Einer davon ist an Josh (Israel Broussard) gerichtet, in den Lara Jean sich ein paar Jahre zuvor verliebt hat. Nachdem er mit ihrer älteren Schwester Margot zusammengekommen ist, hat sie ihre Schwärmerei aufgegeben und als ihr Geheimnis bewahrt. Dieses Geheimnis kommt jetzt allerdings ans Licht. Um Josh in dem Glauben zu lassen, sie interessiere sich überhaupt nicht für ihn, fängt Lara Jean eine unechte Beziehung mit Peter (Noah Centineo) an. Der ist ebenfalls einer der Liebesbriefempfänger und schlägt ihr den Deal vor, weil er seiner Ex-Freundin Genevieve (Emilija Baranac) klarmachen will, dass es vorbei ist. 


Schöne Geschichte für Zwischendurch mit ein paar Schwächen

Lara Jeans Leben steht bald Kopf
Foto: Netflix
Mich konnten weder das Buch noch der Film komplett umhauen. Es gibt eine nette Handlung mit überwiegend sympathischen Charakteren, die mich aber letztendlich nur bedingt überzeugt hat. Sie hat mich in beiden Fällen gut unterhalten, aber nicht berührt. Wenn ich die Versionen miteinander vergleiche, gefällt mir Lara Jean im Film etwas besser. In der Vorlage von Jenny Han ist die Protagonistin kaum greifbar, weil sie ziemlich perfekt wirkt. Lana Condor schafft es aber, der Figur etwas mehr Ecken und Kanten zu geben. Dennoch bleibt Lara Jean auch dort etwas zu flach. Ich habe weder im Buch noch in der Adaption richtig mit ihr mitgefiebert oder mitgefühlt. Dafür gibt es einen weiteren Grund, der mich schon im Roman gestört hat: Es gibt so gut wie keine Charakterentwicklung. Lara Jean ist am Ende der Geschichte im Grunde genau da, wo sie angefangen hat. Daran ändern auch die gespielte Beziehung mit Peter nichts. Sie erlebt dadurch zwar neue Dinge, aber weder der Leser noch der Zuschauer merkt, dass sie sich dadurch in irgendeiner Form weiterentwickelt. Im Roman macht sie ironischerweise am Schluss exakt das, was sie auch schon früher getan hat: einen Brief schreiben. Dieser Stillstand hängt auch damit zusammen, dass sie keine echten Probleme oder Hürden überwinden muss, wie es bei Protagonisten meist der Fall ist. Als ich das Buch gelesen habe, war ich überrascht, wie wenig die Briefe letztendlich die Handlung bestimmen. Mit Ausnahme von Josh scheint es keinen der Jungs wirklich zu kümmern, dass Lara Jean ihnen geschrieben hat. Selbst Peter nimmt alles sehr gelassen und das Thema ist somit schnell vom Tisch. Sie muss sich damit überhaupt nicht herumschlagen. Da es auch sonst keine Probleme gibt, muss sie nichts groß ändern oder einsehen, um am Ende an ein bestimmtes Ziel zu gelangen - denn es gibt kein Ziel. Diese "Reise" habe ich bei "To All the Boys I've Loved Before" in beiden Versionen vermisst. 
Die Schwestern stehen sich im Buch näher
Foto: Screenshot
Ein weiterer Punkt, der mich beim Film gestört hat: Er legt den Fokus viel zu sehr auf die Liebesgeschichte, sodass sich die Handlung rund um Lara Jeans Familie kaum entfalten kann. Der Roman schafft ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis zwischen dem Liebesplot und dem Familienleben. Dort merkt der Leser, wie eng die drei Schwestern sich stehen. Sie sind eine echte Einheit und haben zudem eine tolle, vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Vater. Vor allem Lara Jeans starke Verbindung zu Margot sorgt dafür, dass sich der Brief an Josh als ein echtes Problem zwischen den Geschwistern entwickelt. Im Film wirkt alles sehr viel "einfacher". Die Buchvorlage behandelt immer wieder das Problem, dass Lara Jean sich ihrer älteren Schwester Margot nicht anvertrauen kann. Denn sonst müsste sie ihr gestehen, dass sie in Josh verliebt war. Mehrmals hadert sie mit sich und flüchtet vor jedem Gespräch, wodurch der Leser versteht, dass es sie belastet. In der "Netflix"-Produktion beendet sie ein einziges Mal hastig eine Skype-Konversation mit ihrer Schwester, ansonsten macht die Adaption den Eindruck, es würde Lara Jean kaum beschäftigen. Eine Sache, die es zur Abwechslung im Roman nicht gibt und mich im Film dafür so richtig stutzig gemacht hat: Die Hauptfigur bildet sich ein, mit Josh oder Peter zu reden. In diesen Szenen tauchen die Figuren dann tatsächlich in ihrem Zimmer auf und sie führt imaginäre Gespräche mit ihnen. Ich vermute, es sollte wohl ihre starke Vorstellungskraft unterstreichen. Aber es wirkt einfach nur sehr komisch und vor allem wird dieser Aspekt nicht durchgezogen. Er taucht ein paar Mal am Anfang auf - ich habe nicht verstanden, was es dem Film oder dem Charakter bringen soll, weil diese Momente sehr irrelevant erscheinen. Ab der Mitte der Handlung passiert es dann gar nicht mehr. Da hätte sie auch einfach Selbstgespräche führen können, ohne dass der Zuschauer noch andere Figuren zu sehen bekommt.

Romanze mit fehlendem Tiefgang

Der Roman hat etwas mehr Charme
Foto: Hanser Verlag
Die Chemie zwischen Lara Jean und Peter wurde im Film gut umgesetzt, obwohl die Adaption die Beziehung insgesamt nicht so interessant gestaltet. Im Roman macht Lara Jean am Anfang deutlich, dass sie viele Charakterzüge an Peter nicht mag und ihn deshalb auch gar nicht attraktiv findet. Im Film ist sie von Anfang an "netter" in ihrem Umgang. Dadurch macht es aber auch nicht so viel Spaß, zu verfolgen, wie die Zwei sich langsam näherkommen. Besonders Lara Jean merkt, dass sie Peter völlig falsch eingeschätzt hat. Das Problem in der "Netflix"-Produktion ist meiner Meinung nach die Definition der Briefe. Im Original sind es keine richtigen Liebesbriefe. Sie schreibt zwar auch, wieso sie Gefühle entwickelt hat, endet ihre Botschaft aber vor allem bei Peter mit den Punkten, wieso sie sich "entlieben" konnte. In der Verfilmung werden sie immer nur als Liebesbriefe beschrieben und daher entsteht der Eindruck, Lara Jean wäre noch immer verknallt. Das macht die Romanze langweiliger. Im Buch gefällt mir der kleine Twist, dass sie Peter eigentlich gar nicht mehr gut findet. Sie will hartnäckig an diesem Standpunkt festhalten, am Ende erkennt sie aber doch, dass er sehr liebenswert ist - dieses Mal aber wegen richtiger, tiefliegender Gründer anstatt oberflächlicher Aspekte. Genau dadurch versteht der Leser viel besser als der Zuschauer, wieso sie sich langsam ineinander verlieben. Es gibt viele kleine Momente, in denen Peters charmante Seite aufgedeckt wird. So wird einem gemeinsam mit Lara Jean klar, wie er in Wahrheit ist. Einer meiner Lieblingsmomente: Peter kommt bei Lara Jean vorbei, um sie zu einer Party mitzunehmen. Sie backt aber Cupcakes für eine Schulveranstaltung ihrer kleinen Schwester. Als er sie nicht überzeugen kann, mitzukommen, verschwindet er nicht, sondern bietet ihr aufrichtig seine Hilfe an. Das war der erste Moment, in dem er mir langsam sympathisch wurde. Genauso süß sind die Buchszenen, in denen er mit Lara Jeans jüngerer Schwester Kitty interagiert, weil er genau weiß, wie er mit ihr umgehen muss und sie ihn daraufhin schnell ins Herz schließt. Im Film fehlen viele dieser Szenen und werden insgesamt auf zwei, drei reduziert. Peter wirkt darin außerdem von Anfang an deutlich weniger eingebildet und oberflächlich, wodurch der Zuschauer von seinem Charakter kaum überzeugt werden muss. All das sorgt dafür, dass es der Liebesgeschichte an Tiefgang fehlt. Die Geschichte im Buch ist zwar auch nicht die berührendste, die ich je gelesen habe, ist aber deutlich besser als die Verfilmung.
Lara Jean und Peter schließen sogar einen Vertrag ab
Foto: Netflix
Josh, der andere Love Interest, hat mir in beiden Versionen nicht richtig gefallen. Im Roman wird immerhin verdeutlicht, wieso sich sowohl Margot als auch Lara Jean in ihn verliebt haben. Er ist sehr hilfsbereit und versteht sich mit allen drei Schwestern und ihrem Vater sehr gut. Jenny Han kann die Chemie in dieser Hinsicht glaubwürdig herüberbringen. Als die Geschichte mit Peter anfängt, wird er allerdings langsam anstrengender und fällt auch an ein paar Stellen durch sein kindisch eifersüchtiges Verhalten negativ auf. Ich bin sehr froh, dass der Film wenigstens den bescheuerten Grund weggelassen hat, wieso Josh Peter nicht leiden kann: Er hat in der siebten Klasse bei einem unwichtigen Test geschummelt. Ja, das ist der Grund! Geht es noch dämlicher? Das bedeutet aber nicht, dass die "Netflix"-Version deshalb in dieser Hinsicht besser ist. Sie gibt nämlich überhaupt keine Begründung, mit Ausnahme von dem "Du bist zu gut für ihn"-Klischee, was aber kein Argument ist. Abgesehen davon verhält sich der Charakter im Film viel unsympathischer. Er taucht eigentlich nur auf, um beleidigt zu sein oder herumzunörgeln, weil Lara Jean Peter datet. In der unnötigsten Szene spielt er dann den "Helden", als Peter zu Lara Jean kommt, nachdem sie sich gestritten haben. Erstens hätte Lara Jean es sehr gut alleine hinbekommen, ihren "fake" Freund wegzuschicken. Zweitens ist diese "Du sollst verschwinden"-Floskel, die Josh ihm an den Kopf wirft, als er lediglich mit Lara Jean sprechen will und sich dabei nicht einmal aufdrängt, vollkommen peinlich, klischeehaft und verbraucht. Im Roman kann das alles noch irgendwie als ein Love Triangle bezeichnet werden, im Film so gar nicht. Abgesehen davon, dass Josh anstrengend ist, bringt Lara Jean dem Zuschauer auch nicht glaubhaft rüber, dass sie noch Gefühle für ihn hat. Das finde ich insgesamt aber nicht schlimm, weil Liebesdreiecke ohnehin eines der faulsten Mittel sind, um mehr Drama zu erzeugen. Dennoch macht es seinen Charakter fast komplett unnötig, weil er - anders als im Buch - nichts Wichtiges zur Handlung beiträgt. Am Schluss der Verfilmung gibt es dann noch ein kitschiges Happy End, das im Roman überraschenderweise nicht existiert! Für mich kam das fehlende Happy End ziemlich unerwartet, aber es hat mit sehr gut gefallen. In der Adaption hingegen gesteht Lara Jean Peter ihre Liebe und sie laufen glücklich über den Sportplatz der Schule - und erfüllen damit eines der größten Klischees in Liebesfilmen. Wer also ein "richtiges" Ende im Original vermisst hat, wird sich darüber vielleicht freuen. Ich hätte es nicht gebraucht.

Fazit

Das Buch und der Film haben beide ihre Schwächen und Stärken. Die Liebesgeschichte ist in keiner Version so richtig mitreißend, aber dennoch sehr charmant erzählt. Es fehlt an Tiefgang, wobei der Roman in dieser Hinsicht noch etwas verständlicher macht, wieso die Protagonistin sich verliebt. Die "Netflix"-Produktion schafft es dafür, die Chemie zwischen ihr und dem Love Interest ähnlich gut zu transportieren, sodass es Spaß macht, die Geschichte zu verfolgen. Letztendlich ist der Fokus in der Verfilmung aber zu sehr auf die Romanze beschränkt und lässt besonders den Familienaspekt fast komplett außen vor, was wirklich schade ist. "To All the Boys I've Loved Before" ist sowohl zum Lesen als auch zum Schauen eine süße Geschichte, die mich aber nicht komplett mitreißen konnte. Das Original von Jenny Han konnte mich aber etwas mehr überzeugen. 


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Sonntag, 12. August 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1 - Rückblick

Die erste Staffel der neuen "Marvel"-Serie "Cloak & Dagger" ist letzte Woche mit der finalen zehnten Folge zu Ende gegangen. In diesem Post lasse ich die Geschichte um die zwei jungen Superhelden noch einmal Revue passieren. Ich spreche über die Dinge, die mir besonders gut gefallen haben und die Aspekte, die mich gestört haben. Da die Serie bereits verlängert wurde, erwähne ich außerdem meine Wünsche für die zweite Staffel. 


Top Charaktere

Eine Serie mit interessanten Helden
Foto: Freeform/Marvel
Von Beginn an war ich begeistert von dem gründlichen Aufbau der Hauptfiguren Tandy (Olivia Holt) und Tyrone (Aubrey Joseph) und ihrer Persönlichkeiten. Bereits nach der ersten Folge hatte ich das Gefühl, sie nicht nur auf einer oberflächlichen Ebene kennengelernt zu haben. Der Fokus auf die Charakterentwicklung hat sich durch die gesamte Staffel gezogen, was gleichzeitig ungewöhnlich und interessant war. Besonders ab der vorletzten Folge waren die Charaktere für mich richtig greifbar und ich habe ihre Handlungen und Entscheidungen immer nachvollziehen können. Gerade da hat sich wirklich gezeigt, wie gut die ausführliche Vorstellung der Figuren funktioniert. Für mich sind die Charaktere die größte Stärke der Serie. Selbst Episoden, in denen die Handlung sehr langsam vorangekommen ist, war das Zuschauen nicht langweilig, weil die Protagonisten so spannend sind. Dazu haben natürlich die Schauspieler von Tandy und Tyrone ganz viel beigetragen. Olivia Holt und Aubrey Joseph schaffen es, ihre Rollen wirklich greifbar zu machen. Es wird dabei deutlich, dass sie sich sehr gut mit ihren Charakteren auseinandergesetzt haben müssen. Ansonsten hätten sie die Persönlichkeiten nicht so glaubwürdig und verständlich präsentieren können. Ich fand besonders Holts Darbietung in der siebten Episode beeindruckend. Ihre Reaktion, als sie plötzlich mit ihrem toten Vater sprechen konnte und zum ersten Mal nach acht Jahren seine Stimme gehört hat, war so ehrlich und ergreifend. Ich konnte in diesem Moment wirklich verstehen, was in ihr vorgeht und deshalb ihre Entscheidung, in dem gefährlichen Ort in Ivan Hess' (Tim Kang) Gedanken bleiben zu wollen, nachvollziehen. Genauso berührend war ihr Gefühlsausbruch Ty gegenüber, als sie ihm offenbart hat, wie sehr sie es hasst, in der echten Welt niemanden zu haben, der für sie da ist. Die beste Szene mit Tyrone war für mich sein Streit mit Duane, einem Freund seines ermordeten Bruders, in Folge sechs. Der Zuschauer konnte seinen Schmerz, seine Enttäuschung und Wut mitfühlen. Joseph schafft es unglaublich gut, in diesem paar Momenten zu zeigen, wie viele negative Emotionen in ihm hochkochen. Vor allem die Verzweiflung, keine Gerechtigkeit für seinen toten Bruder zu bekommen, ist wirklich greifbar. Das sind nur zwei Beispiele für die tollen schauspielerischen Momente der Hauptdarsteller. In der gesamten Staffel gab es noch viele mehr.

Gemischte Gegner

Connors ist wirklich unausstehlich
Foto: Screenshot
Connors (J. D. Evermore) als korrupter Cop, der sich alles erlauben kann, ist zwar nicht der ausgefallenste Gegenspieler, dafür aber ein sehr glaubhafter. Der ganze Konflikt zwischen ihm und Tyrone wirkte alles andere als an den Haaren herbeigezogen, sondern leider sehr realistisch. Einerseits die Tatsache, dass ein Cop damit durchkommt, einen Schwarzen erschossen zu haben und andererseits, dass Tyrone als Kind niemand geglaubt hat, es sei Mord gewesen. Er ist zudem nicht nur im Drogengeschäft involviert,  er hätte auch nicht davor zurückgeschreckt, Tyrone ebenfalls zu erschießen, weil er ihm in die Quere gekommen ist. Besonders widerlich wurde seine Figur, als er die aufgebrachte O'Reilly (Emma Lahana) zusammengeschlagen hat, während die anderen Polizisten die Situation einfach haben geschehen lassen. Er ist nicht nur bedrohlich, er hat auch Macht, was seine Rolle noch perfider macht. Er war definitiv der interessantere Antagonist in dieser Staffel. "Roxxon" und der CEO Peter Scarborough (Wayne Péré) hingegen konnten mich die gesamte Handlung über nicht wirklich überzeugen. Der Zuschauer hat viel zu wenig über das erfahren, was wirklich in der Firma abläuft. Es wurde immer nur darüber gesprochen, dass sie damals den Unfall vertuscht und Tandys Vater Nathan Bowen die Schuld an der Explosion gegeben haben. Das sind beides Dinge aus der Vergangenheit, während in der Gegenwart nichts passiert ist, von dem man als Zuschauer etwas mitbekommen hat. Scarborough hat sogar einen Moment, in dem er hätte zeigen können, dass er gefährlich ist: Als Tandy in entführt und erpresst hat. Doch auch da ist er sehr langweilig, austauschbar und alles andere als bedrohlich gewesen. Es wurde nicht einmal gezeigt, wie er letztendlich "entkommt" und seine ehrliche Reaktion auf die Entführung. Es gab also keine Anhaltspunkte, die seine Gedanken oder Motivationen offenbaren. Als er dann in der vorletzten Folge jemanden zu Tandys Mutter geschickt hat, um sie zu bedrohen, wurde das vorher überhaupt nicht aufgebaut. Deshalb fehlte auch hier jeglicher Spannungsaufbau und es hat seine Figur definitiv nicht interessanter oder bedrohlicher gemacht. Als weitere Gegenspieler sind dann wohl noch die Besessenen zu nennen. Die sind meiner Meinung nach tatsächlich kaum erwähnenswert. Zum einen sind sie erst im Finale aufgetaucht. Zum anderen haben sie überhaupt nicht für Chaos gesorgt oder die Protagonisten und andere Figuren in lebensbedrohliche Situationen gebracht. In meinen Augen waren sie sehr unspektakulär.

Fähigkeiten der anderen Art

Der Lichtdolch ist nur eine von Tandys Kräften
Foto: Screenshot
Was mich zu Beginn der Serie überrascht hat, ist die ungewohnte Umsetzung einer Superheldengeschichte. In den meisten Fällen sind solche Serien temporeich und haben viele Actionszenen. "Cloak & Dagger" wählt einen ganz anderen Ansatz. Kampfszenen wurden sehr selten gezeigt und außerdem "hetzte" der Zuschauer nicht von einem intensiven Erlebnis zum nächsten. Gerade anfangs habe ich das als eine angenehme Abwechslung empfunden. Gegen Ende hat mir dadurch dann doch etwas gefehlt, aber darauf gehe ich im Detail im nächsten Abschnitt ein. Eine weitere Besonderheit, die ihren Ursprung natürlich in der Comicvorlage hat: die Superkräfte der Helden. Auch die sind mal etwas ganz anderes. Zwar haben sie beide eine "körperliche" Kraft - Tandys Lichtdolch und Tyrones Teleportation - doch darüber hinaus auch noch Fähigkeiten, die nicht einfach so sichtbar sind. Die Idee, dass sie die Hoffnungen bzw. Ängste der Menschen sehen, die sie berühren, fand ich sehr interessant. Im Laufe der Staffel wurde damit auch immer auf sehr verschiedene Weisen gespielt. Am besten hat mir die siebte Folge gefallen. Denn da haben sie dank ihrer Kräfte Ivan Hess aus seinem katatonischen Zustand geholt, in dem er seit dem Unfall vor acht Jahren gewesen ist. So ein Einsatz von Heldenfähigkeiten ist wirklich außergewöhnlich, weshalb ich davon so fasziniert bin. Außerdem habe ich das Gefühl, dass sie weitere Kräfte haben, die nur noch nicht entdeckt wurden. Das wurde ja schon im Staffelfinale angedeutet, als Tyrone Connors mit seinem schwarzen Rauch "aufgesaugt" hat. Der einzige problematische Punkt, den ich im Zusammenhang mit den Fähigkeiten sehe (und über den ich vor allem in meiner Rezension zur vierten Folge ausführlich gesprochen habe und auch noch einmal in meiner Kritik zur darauffolgenden Episode aufgreife), ist der Umgang mit einem sensiblen Thema: Tandy konnte ihre Fähigkeiten erst kontrollieren, nachdem sie versucht hat, sich umzubringen. Leider wurde die Thematik des Selbstmords viel zu oberflächlich behandelt und überhaupt nicht besprochen. Viel mehr wurde er eingesetzt, um ein paar Minuten Dramatik einzubauen. Am Ende blieb dann der Eindruck zurück, dass der Suizidversuch unbedingt nötig gewesen ist, damit sie ihre Kräfte unter Kontrolle hat. Das ist meiner Meinung nach sehr bedenklich. 

Das Tempo der Serie ist gewöhnungsbedürftig

Auch wenn der Plot stockt, machen ihre Szenen Spaß
Foto: Screenshot
So sehr ich den intensiven Charakteraufbau auch mag, er führte letztendlich dazu, dass der Plot etwas zu kurz gekommen ist. In manchen Folgen lief die Handlung kaum voran, wodurch sich die Geschichte lang gezogen anfühlte. Nur durch die tollen Figuren ließen sich auch die fast ereignislosen Episoden bis zum Ende durchschauen. In den letzten Minuten folgte dann meistens ein Cliffhanger, der die Neugier geweckt hat. Doch in vielen Fällen ging die kommende Folge erst einmal nicht darauf ein. Die Aufhänger der achten Folge wurden zum Beispiel erst am Ende der Neunten behandelt. Auch das bremste das Tempo immer wieder aufs Neue. Ein weiteres Problem: Manche Aspekte werden entweder nicht aufgegriffen oder fallen gelassen. Ich fand es beispielsweise sehr komisch, dass nie gezeigt wurde, wie Tandy herausgefunden hat, dass sie die Hoffnungen der Menschen nicht nur anschauen, sondern auch manipulieren und sogar stehlen kann. Der Zuschauer wurde damit einfach überrumpelt und wartete vergeblich auf Erklärungen. Wie problematisch dieses Langziehen des Plots wirklich ist, wurde dann im Staffelfinale deutlich. Ich fand, dass es dort fast komplett an Spannung fehlte. Alle Probleme müssen irgendwie aufgegriffen und am besten noch gelöst werden. Das ist dann nicht nur rasend schnell passiert, sodass kaum Zeit geblieben ist, um eine packende Stimmung aufzubauen. Die Lösungen der Konflikte waren auch noch viel zu simpel. Die Figuren mussten kaum Hürden überwinden und das Verhindern der großen Katastrophe basierte mehr oder weniger auf Zufall. Das war wirklich schade, weil es durchaus Folgen gab, die aufregend waren. Vor allem die Siebte hat mir in dieser Hinsicht gut gefallen. Der Abschluss der Staffel konnte da nicht wirklich mithalten und hat mich deshalb etwas enttäuscht zurückgelassen. Es wurde außerdem nicht einmal mehr gezeigt, was genau mit den Besessenen passiert ist (darunter auch Mina (Ally Maki)!), nachdem Tandy und Ty die Stadt gerettet haben. Scheinbar hat auch dafür die Zeit gefehlt.

Wünsche für Staffel 2

Wird Evitas Rolle in der nächsten Staffel bedeutender?
Foto: Screenshot
Hätte die erste Staffel mehr Folgen gehabt, hätte die Serie vor allem im Hinblick auf den Plot und das Erzähltempo noch besser werden können. Die kommende Staffel wird allerdings ebenfalls nur zehn Episoden haben. Ich hoffe daher, dass der Fokus stärker auf der Geschichte liegt. Tandy und Tyrone kennen die Zuschauer mittlerweile ziemlich gut, ich denke nicht, dass daher noch komplette Folgen benötigt werden, um sie weiter auszubauen. Ich wünsche mir außerdem, dass es an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Action gibt. Die wenigen solcher Szenen haben gezeigt, dass die Serie auch das kann, denn die Kampfszenen haben mir wirklich gefallen. Die Protagonisten müssen deshalb nicht alle fünf Minuten mit sinnlosen körperlichen Auseinandersetzungen konfrontiert werden. Aber eine kleine Steigerung in diese Richtung würde die Handlung vielleicht schon etwas temporeicher machen. 
O'Reilly hat jetzt auch übermenschliche Kräfte
Foto: Screenshot
Ansonsten bin ich unheimlich gespannt darauf, wie es mit O'Reilly weitergeht. Im Finale wurde nur ganz kurz gezeigt, dass sie sich übermenschlich schnell bewegen kann. Ich hoffe, dass das nicht die einzige Fähigkeit bleibt. Ich fände es zudem spannend, wenn sie zu Beginn tatsächlich die neue Gegenspielerin der Helden wird. Ich würde gerne sehen, wie Tandy und vor allem Tyrone damit umgehen. Schließlich hat die Polizistin ihm oftmals geholfen. Neben O'Reilly bin ich auch interessiert daran, zu sehen, wie es mit Evita (Noëlle Renée Bercy) weitergeht. Mein Wunsch ist, dass sie mehr Screen Time bekommt und zudem die Voodoo-Geschichte mit ihrer Tante Chantelle (Angela Davis) ebenfalls noch eine Rolle spielt. Ich bin außerdem sehr neugierig, wie es mit Connors weitergeht - wenn es überhaupt irgendwie weitergeht. Ich hoffe, es gibt eine Aufklärung, was geschehen ist und wieso Tyrone ihn "aufsaugen" konnte. Da er der spannendste Gegner war, wäre es schade, wenn er wirklich nicht mehr auftaucht. Er hat für mehrere aufregende Szenen gesorgt und ist wirklich ein Charakter gewesen, den ich überhaupt nicht ausstehen konnte. Falls er nicht mehr vorkommen sollte, wird es hoffentlich einen ebenbürtigen - oder sogar noch besseren - Antagonisten geben. Ganz allgemein freue ich mich auch schon darauf, die Weiterentwicklung von Tandys und Tys Beziehung zu verfolgen. Da mir ihre gemeinsamen Szenen immer sehr gut gefallen haben, fände ich es toll, wenn es in der kommenden Staffel noch mehr geben würde, da sie insgesamt doch sehr rar waren. Bis jetzt sind sie immer noch kein richtiges Superheldenteam geworden, das hat erst Finale langsam erste Formen angenommen. Mein Wunsch für die zweite Staffel ist daher, dass sie endlich wirklich zu Cloak und Dagger werden.


Auch wenn es ein paar Störfaktoren gibt, habe ich diese "Marvel"-Serie sehr gerne geschaut und freue mich schon auf die zweite Staffel. Jetzt heißt es erst einmal warten und hoffen, dass es bald neue Infos geben wird. Alle meine Rezensionen zur ersten Staffel findet ihr hier. 

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Sonntag, 5. August 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 10 (Staffelfinale) - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Die Stadt New Orleans schwebt in großer Gefahr. Die Energiequelle, die "Roxxon" entdeckt hat, droht in der ganzen Gegend auszutreten. Jeder, der damit oder mit anderen Infizierten in Berührung kommt, wird zu "Besessenen" wie damals auf der Bohrinsel. Die Einzigen, die diese Katastrophe verhindern können, sind Tandy (Olivia Holt) und Tyrone (Aubrey Joseph). Die beiden haben allerdings noch andere Probleme: Tandy muss ihre Mutter (Andrea Roth) vor "Roxxon" beschützen und Tyrone ist auf der Flucht vor der Polizei, nachdem Connors (J. D. Evermore) behauptet hat, er hätte Fuchs (Lane Miller) ermordet. Trotzdem versuchen sie alles, um die Stadt zu retten und erfahren dabei von Evita (Noëlle Renée Bercy), dass sie die Auserwählten sind: Um die Katastrophe abzuwenden, muss einer von ihnen sterben. 


Ein schnelles Finale

Tyrone und Tandy sind bereit, Helden zu werden
Foto: Screenshot
Eigentlich ist die Serie dafür bekannt, das Tempo gemächlich zu halten, um der Charakterentwicklung viel Platz zu geben. Dieser Fokus, der mehr auf den Figuren als der Geschichte liegt, wird für das Finale "Colony Collapse" (dt.: Zerstörung") zu einem Hindernis. Die neunte Folge endete mit vielen offenen Handlungssträngen, die irgendwie in der letzten Episode behandelt oder abgeschlossen werden müssen: Tandys Mutter wird im Auftrag von Scarborough (Wayne Péré) bedroht, Tyrone muss vor der Polizei fliehen, Connors will sowohl Ty als auch O'Reilly  (Emma Lahana) für ihre Aktion umbringen und dann wäre da noch das Problem mit der Energiequelle. Tatsächlich wird all das im Finale abgehandelt. Allerdings fällt auf, dass die 40 Minuten Laufzeit eigentlich nicht dafür ausreichen. Die komplette Handlung der Folge wirkt gehetzt und einige der Konflikte werden zu schnell und simpel aufgelöst. So wird der Plot um Tandy, ihre Mutter und "Roxxon" in den ersten paar Minuten abgehakt. Diese Firma ist gemeinsam mit Scarborough danach kein Thema mehr. Besonders enttäuschend ist aber der große Höhepunkt - der Kampf der Helden, um die Stadt zu retten. Der kommt viel zu schnell und einfach zu einem Ende. Es will keine Spannung aufkommen, weil schlicht und ergreifend zu wenig Zeit vorhanden ist, um diese überhaupt aufzubauen. Das zeigt sich beispielsweise an der einzigen gemeinsamen Kampfszene von Tandy und Ty. Die ist weder dramatisch noch packend, weil sie nur wenige Sekunden andauert und der Zuschauer kaum Auseinandersetzungen sieht. Sie kommen nicht einmal ansatzweise an ihre Grenzen und landen nicht in einer lebensbedrohlichen Situation. Außerdem erinnert sie stark an die Auseinandersetzung aus der siebten Folge, in der die Zwei auch gegen Besessene gekämpft haben. Daher ist sie zusätzlich nicht sonderlich interessant anzusehen, weil sie sich wie eine Wiederholung anfühlt. 
O'Reilly muss genauso wie Tyrone um ihr Leben fürchten
Foto: Screenshot
Die Besessenen habe ich mir zudem etwas spektakulärer vorgestellt. Sie werden zwar in verschiedenen Situationen gezeigt, aber sie rennen meist einfach nur wild in der Gegend herum, schmeißen mit Gegenstände oder versuchen, andere Menschen anzugreifen. Es sind auch noch relativ wenige, sodass die allgemeine Bevölkerung noch nicht in Gefahr ist oder falls sie es ist, wird es nicht gezeigt. Das alles wirkt daher kaum bedrohlich, besonders, weil sie nie wirklich jemand anderen richtig stark verletzen. Die intensivste Szene ist die, in der Mina (Ally Maki) infiziert wird und in der dunklen Lagerhalle lauert, um Tandy anzugreifen. Was mit ihr passiert ist, nachdem Tyrone im richtigen Moment aufgetaucht ist, um sie mit einem Taser auszuschalten, ist unklar. Da es keine Auflösung dazu gibt, gehe ich davon aus, Tandy und Ty haben sie einfach bewusstlos liegen lassen. Diese Lücke finde ich schon merkwürdig, da am Ende genug Zeit wäre, um nach dem Verhindern der Katastrophe ihren Verbleib kurz zu behandeln. Genauso wenig erfährt der Zuschauer, was mit ihrem Vater Ivan Hess los ist. Zu Beginn der Folge gibt es die Andeutung, "Roxxon" könnte möglicherweise auch diese Familie aus dem Weg räumen. Als Tandy zu Mina geht und vor zwei Besessenen rettet, wird ihr Vater aber kein einziges Mal erwähnt. Genauso unklar bleibt, was mit den Infizierten passiert ist, nachdem die Protagonisten die Krise aufhalten konnten. Wurden sie einfach wieder normal, sind sie vielleicht sogar gestorben oder rennen ein paar von ihnen immer noch infiziert durch die Gegend? Es ist ein bisschen ärgerlich, dass dieser Teil nicht mehr aufgegriffen wird. Wenn die erste Staffel wenigstens 15 Folgen gehabt hätte, wären solche Lücken vielleicht nicht entstanden. Ich denke, um den gesamten Plot ausführlich und spannend auszuführen, ohne dabei die Charakterentwicklung zu kürzen, sind die vorhandenen zehn Episoden einfach nicht genug gewesen. 

Eine merkwürdige Auflösung 

Tyrone kann sich ohne Umhang nicht wegteleportieren
Foto: Screenshot
Mit dem Ende habe ich aber abgesehen von der fehlenden Spannung noch ein anderes Problem. Es wird überhaupt nicht klar, was überhaupt geschieht. Die letzten Augenblicke, bevor Tandy und Ty die Stadt retten, wirken sehr komisch zusammengeschnitten. In einem Moment sind sie noch bei den Druckventilen, aus denen die Energiequelle strömt, und halten sich an den Händen. Kurz darauf sind sie dann plötzlich nicht mehr in diesem Raum, sondern fliegen durch die Luft. Das sieht dann auch noch richtig schlecht animiert aus, so als hätten die Schauspieler auf einem Green Screen gelegen und der Himmel wäre danach noch eingefügt worden. Noch dazu sind nur ihre Oberkörper zu sehen, der Rest ist am unteren Bildrand abgeschnitten, was die Sequenz noch künstlicher erscheinen lässt. In allen anderen Episoden sind mir die Spezialeffekte nie negativ ins Auge gefallen. Aber diese Szene hat wirklich nicht authentisch gewirkt sondern eher albern. Nach diesem merkwürdigen Flug liegen sie dann letztendlich auf dem Dach des Gebäudes. Damit endet ihr "Kampf". Es wird nicht verständlich, was mit der Energiequelle passiert, nachdem Tandy und Ty sich an den Händen halten und ihre Kräfte damit vereinen. Zuvor konnten sie sich nie berühren, weil sie sich immer voneinander angestoßen haben. Wieso sie dann in dieser Situation auf die Idee kommen, ihre Hände zu halten, macht eher einen undurchdachten Eindruck. Damit basiert alles nur auf Zufall und Glück und hätte auch genauso gut nicht klappen können. Was genau ihre Berührung mit der Quelle anstellt, wird ebenfalls nicht gezeigt, da sie ja schon in der Luft sind und keine Aufnahmen mehr aus dem Inneren des Gebäudes folgen. Dadurch wirkt das ganze Ende, genauso wie der Rest der Folge, zu zusammengeschustert und gehetzt. Es ist auch keine große Überraschung, Tandy und Tyrone beide lebend aus der Katastrophe kommen zu sehen. Ich habe schon zuvor damit gerechnet oder mit einer Reanimation im Falle des Todes. Sie sind ja nicht einmal "offiziell" zu Cloak und Dagger geworden, warum sollte dann schon einer von ihnen endgültig sterben? Zudem kennt der Zuschauer die Charaktere mittlerweile zu gut, um wirklich überrascht darüber zu sein, dass Tandy Tyrone nicht alleine lässt, als er sich selbst opfern will, um die Stadt zu beschützen. Sie hat in der gesamten Staffel nie halbe Sachen gemacht und ist immer bestimmt gewesen, ihre Pläne zu Ende zu bringen. Da wäre es schon sehr untypisch für sie gewesen, einfach aufzugeben und Ty seinem angeblichen Schicksal zu überlassen, für New Orleans zu sterben.
Evita ist die Übermittlerin der schlechten Nachricht
Foto: Screenshot
Evitas Rolle ist in dem ganzen hastigen Plot nicht so groß, wie ich es mir erhofft habe. Die Hauptfiguren wollen ohnehin schon die Stadt retten und wissen, wo sie hin müssen. Sie kommt dann bloß kurz zu ihnen - der Ort ist Tandys Versteck in der Kirche, wie auch immer sie das gefunden hat - und trägt nicht wirklich etwas zum Plot bei. Dank ihr erfahren sie nur von der Prophezeiung und dem bevorstehenden Tod von einem von ihnen. Ich denke, die Handlung wäre ohne ihre kurze Erklärung nicht anders verlaufen. Trotzdem ist die Szene, in der sie sich von Tyrone verabschiedet, sehr angenehm. Statt ein großes Drama zu machen oder theatralisch zu weinen, bleibt sie ruhig und sorgt nicht für noch mehr Aufregung. Dieses beherrschte und rationale Verhalten gefällt mir richtig gut. Ich hoffe, dass sie in der zweiten Staffel eine größere Rolle spielen wird, weil ich gerne sehen würde, wie sie sich mehr in die Geschichte einbringt.
Connors will O'Reilly und Tyrone beseitigen
Foto: Screenshot
Auch wenn mich das Finale insgesamt nicht ganz so mitreißen konnte, wie ich gehofft habe, gibt es einige aufregende Aufhänger für die zweite Staffel. Der größte dreht sich um die "Verwandlung" von Detective O'Reilly. Nachdem Connors auf sie geschossen und ihren leblosen Körper ins Wasser befördert hat, habe ich fest damit gerechnet, die Polizistin nicht zum letzten Mal gesehen zu haben. Denn bevor sie zusammengebrochen ist, hat sie etwas von der Energiequelle abbekommen, das aus dem Ventil neben ihr geströmt ist. Außerdem wäre ihr Abgang viel zu schnell gewesen, da sie im Rest der Staffel eine wichtige Rolle gespielt hat. Deshalb wäre für mich nur eine ausführlichere Abschiedsszene ein Indiz für ihren richtigen Tod gewesen. Die letzte Szene in dieser Folge, in der sie dann aus dem Wasser klettert, ist sehr interessant. Ich denke, es kann schon sicher gesagt werden, dass sie nun ebenfalls Fähigkeiten besitzt. Ansonsten hätte sie sich nicht so übermenschlich schnell bewegen können. Der Plot um sie herum könnte wirklich spannend werden, da sie zusätzich zur Schnelligkeit auch noch den wütenden, aggressiven Blick der Besessenen hat. Vielleicht wird sie ja die neue Gegenspielerin, was eine sehr spannende Wendung wäre, da sie vor allem Tyrone immer geholfen hat. Die beiden dann auf unterschiedlichen Seiten zu sehen, könnte aufregend werden. Ebenfalls interessant ist die neu entdeckte Kraft von Ty. Als Connors ihn ebenfalls ausschalten will, packt er den Cop und teleportiert sich mit ihm zusammen auf ein Dach. Als er ihn dann nicht hinunterstößt, sondern liegen lässt, "saugt" ihn der schwarze Rauch um ihn herum einfach auf, ohne, dass Tyrone es kontrollieren kann. Es wäre auch hier spannend, wenn das noch nicht Connors Ende ist und er in irgendeiner Form noch einmal auftaucht. Schließlich ist nicht klar, ob Tyrone ihn dadurch wirklich getötet hat oder ob er noch lebt, sich aber an einem anderen Ort befindet, zu dem Tyrones schwarzer Rauch vielleicht eine Art Tor ist. Hoffentlich gibt es dazu dann auch Erklärungen. Ich bin also insgesamt auf jeden Fall gespannt, wie die Geschichte in der nächsten Staffel weitergehen wird. Da die Charaktere in der Ersten so gut aufgebaut wurden, bleibt dadurch vielleicht auch mehr Zeit, um den Plot mehr in den Fokus zu stellen und etwas temporeicher sowie spannender zu werden. Letztendlich sind aber die Figuren, die so toll erschaffen wurden, der große Pluspunkt der Serie und der Hauptgrund, wieso ich die Serie weiterverfolgen werde.

Fazit

Das Staffelfinale von "Cloak & Dagger" wirkt insgesamt etwas zu schnell und gehetzt. Da in den vorherigen Episoden der Fokus meistens auf der Entwicklung der Figuren lag und das Tempo der Handlung dabei eher ruhig war, fehlt es jetzt an Zeit. Der Plot kann nicht so ausführlich abgeschlossen werden, wie es mit ein paar mehr Folgen vielleicht möglich gewesen wäre. So lösen sich die Probleme und vor allem die große Katastrophe viel zu schnell und simpel. Dadurch kommt kaum Spannung auf. Dennoch schafft es die Serie, die meisten Handlungen weitestgehend zu beenden, wenn auch mit einigen offenen Fragen. Gleichzeitig kommen neue Aufhänger dazu, die die Neugier auf die zweite Staffel wecken. 


Die zehn Wochen sind ziemlich schnell vergangen. Um die ganze Staffel Revue passieren zu lassen, wird in der kommenden Woche als Abschluss ein Rückblick folgen. Darin werde ich unter anderem noch einmal auf alles eingehen, was mir gut und weniger gut gefallen hat und darüber sprechen, was ich mir von der nächsten Staffel erhoffe.
Bis dahin findet ihr alle Rezensionen zu "Cloak & Dagger" hier.

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Sonntag, 29. Juli 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 9 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Tandy (Olivia Holt), Tyrone (Aubrey Joseph) und Detective O'Reilly (Emma Lahana) konnten ihre Ziele in der letzten Folge zwar erreichen, haben aber trotzdem verloren. Tandy hat es geschafft, den "Roxxon"-CEO Scarborough (Wayne Péré) mit Beweismitteln zu erpressen, musste dann aber erfahren, dass ihr verstorbener Vater gewalttätig war und ihre Mutter (Andrea Roth) geschlagen hat. Tyrone und O'Reilly konnten ein Geständnis von Connors (J. D. Evermore) bekommen, doch das reicht letztendlich doch nicht, um ihn hinter Gitter zu bringen. Obwohl die Wahrheit nun draußen ist, scheint es Tys Eltern nicht zu interessieren, dass ihr anderer Sohn von einem Polizisten erschossen wurde. Es gibt immer noch keine Gerechtigkeit für Tys toten Bruder. O'Reilly muss zudem den Tod ihres Freunds Fuchs (Lane Miller) verkraften. Alle drei fallen in ein Loch. Tandy fängt wieder an, Leute zu bestehlen. Statt materieller Dinge nimmt sie sich allerdings die Hoffnungen der Menschen. Tyrone legt ein zunehmend aggressives Verhalten an den Tag und will nicht länger der perfekte Musterschüler sein. O'Reilly ertrinkt ihre Trauer im Alkohol. Währenddessen sagt Evitas (Noëlle Renée Bercy) Tante Chantelle (Angela Davis) voraus, dass "Roxxon" die entscheidende Rolle darin spielen wird, die Stadt ins Chaos zu stürzen. Nur Tandy und Tyrone können das laut ihrer Prophezeiung verhindern. 


Zu viel Fokus auf den Charakteren

Tyrone hat es satt, alles immer perfekt zu machen
Foto: Screenshot
"Back Breaker" (dt.: Wer sind wir") ist die mittlerweile neunte Folge der ersten Staffel und die letzte vor dem Finale. Daher lässt mich der intensive Charakteraufbau in dieser Episode besonders zwiegespalten zurück. Wäre gerade einmal die Hälfte der Staffel vorbei und damit noch genug Zeit, den Plot weiter auszuführen, fände ich diese starke Konzentration auf ihre Personen großartig. Generell habe ich noch keine andere Serie gesehen, die ihre Figuren so akribisch zeichnet und dem Zuschauer so eindrucksvoll vorstellt. Gerade in dieser Episode ist es wirklich interessant, Tandy und Ty an ihren Tiefpunkten zu sehen. Denn an keiner Stelle wirken ihre Entscheidungen und ihr Verhalten unglaubwürdig oder unstimmig. Dank des gelungenen Aufbaus ihrer Persönlichkeiten habe ich wirklich das Gefühl, sie richtig gut zu kennen. Da Tandy schon in vorherigen Folgen gezeigt hat, dass sie bei Problemen über die Stränge schlägt, ist es keine Überraschung, dass sie es nun auch tut. Ebenso ist ihr sehr kindisches, eifersüchtiges Verhalten Mina (Ally Maki) gegenüber keine Überraschung, weil auch dieser Aspekt ihres Charakters schon bekannt ist. Ich habe Tandy in dem Moment, als sie Mina eiskalt ihre Hoffnung stiehlt, verflucht, weil dieses Verhalten das Letzte ist. Die engagierte Umweltingenieurin kann sicher nichts dafür, dass Tandy keinen Vater mehr hat und sie selbst ihren wieder gesund zurückbekommen hat. Aber ich habe mich nicht gefragt: "Warum hat sie das denn getan???" Das spricht definitiv dafür, dass die Serienmacher einen grandiosen Job gemacht haben, die Charaktere zu formen und verständlich zu machen. Ähnlich ist es bei Tyrone. Als Zuschauer hat man mehr als ein paarmal dabei zugeschaut, wie er den verzweifelten Kampf führt, Gerechtigkeit für seinen toten Bruder zu bekommen. Auch hier macht es Sinn, dass er vollkommen neben der Spur ist, nachdem seine Anstrengungen umsonst waren. Genauso bekannt ist mittlerweile, wie sprunghaft die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist. Nur weil sie sich in einer Situation super verstehen, heißt das nicht, dass das so bleibt. Auch das hat die Serie schon mehrfach veranschaulicht. Daher ist der Streit, den sie in dieser Episode haben, nichts Irritierendes (Wenn auch extrem anstrengend, weil ich endlich sehen will, wie sie ein richtiges Team werden!). Besonders in dieser Folge wird deutlich, wie viel die akribische Auseinandersetzung mit den Charakteren gebracht hat. Sie sind als Figuren so greifbar und vertraut wie nie zuvor. 
Tandy verbrennt aus Hass auf ihren Vater ein Familienfoto
Foto: Screenshot
Doch da nicht noch zehn weitere Episoden folgen, bin ich eher skeptisch, wie gut das Finale sein wird. Es fällt extrem auf, dass das Vorstellen und Aufbauen der Protagonisten massiv dazu beiträgt, den Plot in die Länge zu ziehen. Mit Ausnahme der letzten Minuten entwickelt sich die Handlung nämlich überhaupt nicht weiter. Der einzige wirklich aufregende Moment ist die Szene, in der Mina miterlebt, wie drei "Roxxon"-Mitarbeiter von der gefährlichen Energiequelle getroffen werden und sie danach jagen. Wie dieses Ereignis ausgeht, wird allerdings in dieser Folge nicht gezeigt. Die Antworten auf Fragen nach "Roxxons" und Connors möglichen nächsten Schritten bekommt der Zuschauer erst zum Schluss der Episode. Sprich: In den anderen gut 35 Minuten verfolgt man die Figuren in ihren Miseren. Meiner Meinung nach ist das Verhältnis zu unausgeglichen. Ich habe am Schluss der vorherigen Folge damit gerechnet, die Handlung würde jetzt temporeich weitergehen, weil entweder Connors oder Scarborough im Fokus stehen. Damit würde sich dann schon ein handfester Konflikt für das Finale aufbauen. Doch stattdessen wird der Plot erst einmal wieder ausgebremst. Wie ich schon in meiner letzten Rezension vermutet habe, glaube ich nun erst recht, dass sowohl "Roxxon" als auch Connors in der zehnten Episode in irgendeiner Form "bekämpft" oder sogar besiegt werden müssten. Tyrone muss zudem vor der Polizei flüchten, da der korrupte Cop ihn als Mörder an Fuchs "identifiziert" hat. Dann kommt natürlich noch die Katastrophe hinzu, die Evitas Tante vorhergesagt hat, die ebenfalls untergebracht werden müsste. Ich bin gespannt, da ich mir nur schwer vorstellen kann, wie die Folge unter diesen Umständen nicht überladen wirken kann. Sollte es dazu kommen, dass das Ende vollkommen offen bleibt, gibt es immerhin gute Nachrichten: Die Serie wurde am 20. Juli um eine zweite Staffel verlängert!

Wie gefährlich ist "Roxxon" überhaupt?

Mina will Tandy sogar einen Job anbieten
Foto: Screenshot
Was mir schon in der letzten Folge aufgefallen und jetzt noch deutlicher geworden ist: Der Zuschauer weiß so gut wie nichts über "Roxxon" und Scarborough als Gegenspieler. Das wird besonders offensichtlich, weil man Connors als Vergleich hat. Es ist klar, wozu er fähig ist und vor allem, dass er eine akute Gefahr darstellt. Das war nicht erst nach dem Mord an Fuchs ersichtlich, für den er wahrscheinlich jemanden beauftragt hat. Der Zuschauer erkennt einfach, wie er tickt, was ihn als Gegner greifbar und interessant macht. Besonders in dieser Folge wird das wieder sehr gut veranschaulicht, als er - als freier Mann - in der Bar auftaucht, in der O'Reilly ist. Als sie ihn dann voller Wut angreift, schlägt er sie zusammen, während die anderen Polizisten in der Bar nichts tun. Bei dieser Szene wurde mir fast übel, weil sie nicht einmal überzogen wirkt, sondern traurigerweise sehr realistisch. Wahrscheinlich wissen sie alle, wer Fuchs auf dem Gewissen hat, aber Connors ist vermutlich unantastbar, was seine Figur nur noch beunruhigender macht. Bei dem "Roxxon"-CEO fehlt so ein Herantasten an seine Persönlichkeit vollkommen. Als am Ende dieser Episode Tandys Mutter im Namen von Scarborough mit einer Waffe bedroht wird, hat das nicht so eine starke Wirkung auf mich gehabt. Bis zu diesem Moment wusste der Zuschauer nur, dass die Firma korrupt ist, weil sie die wahre Ursache der Explosion vertuscht haben. Es gab aber nie eine Bestätigung, dass sie aktiv Menschen aus dem Weg räumen könnten. Somit wurde diese Szene mit Tandys Mutter überhaupt nicht wirklich "aufgebaut", weil es keine Einblicke in Scarboroughs Figur gibt. Es wurde in der letzten Folge nicht einmal gezeigt, wie Tandys Entführung des CEO geendet hat. Konnte er sich selbst befreien? Ist Tandy doch noch zurückgekommen, nachdem sie ihn gefesselt zurückgelassen hat? Das alles bleibt offen. Es wird daher komplett außen vorgelassen, wie er im Nachhinein wirklich darauf reagiert hat. Wenn es wenigstens eine einzige Szene gegeben hätte, die veranschaulicht, dass er noch nicht mit Tandy fertig ist, hätte das die ganze Gelegenheit viel spannender gemacht. Die ganze Handlung hat eher Fragen aufgeworfen wie: Wird "Roxxon" noch reagieren oder nicht? Das ist aber nicht so nervenaufreibend wie die Möglichkeit, dass sich Scarborough noch rächen will, weil dann die Ungewissheit ins Spiel kommt, wann und wie er zuschlägt. Da das nicht der Fall ist, bleibt nicht nur sein Charakter komplett platt und uninteressant, auch der Plot um ihn herum ist nicht so packend - besonders im Vergleich zu Connors'. 
Evita (r.) soll Ty von der Prophezeiung ihrer Tante (l.) erzählen
Foto: Screenshot
Evita hingegen ist in dieser Folge interessanter geworden. Ich war positiv überrascht, wie unbeeindruckt sie von Tandys aufrausendem Aufkreuzen in der Schule ist. Tandy hat eine starke Persönlichkeit und ist nicht leicht in die Enge zu treiben, doch Evita beweist, dass sie es locker mit ihr aufnehmen kann. Sie tritt ihr selbstbewusst gegenüber und sagt ihr die Meinung, als sie Tyrone anschnauzt, weil er kurz zuvor in einer Hoffnung aufgetaucht ist. Noch viel besser ist aber, dass sie Tandy davon abhalten kann, ihre Hoffnung zu rauben. Als Tandy schon kurz davor ist, sie zu stehlen, dreht sich Evita in der Hoffnung abrupt um und wehrt sie mit einem bestimmten "Nein!" ab. Ich hoffe, dass noch aufgeklärt wird, warum sie dazu in der Lage ist. Ihre Tante Chantelle ist zwar Voodoopriesterin, aber auch sie wird wohl noch niemanden mit Tandys Fähigkeiten getroffen haben. Daher interessiert mich wirklich, ob sie irgendwie gelernt hat, ihren Geist und ihre Gedanken zu schützen oder ob etwas anderes dahinter steckt. Außerdem bin ich sehr froh, dass Evita weiterhin nicht nur Tyrones Freundin ist und mehr nicht. Sie hat ihre eigene Nebenhandlung und vielleicht sind ihr Wissen sowie ihr Können sogar noch entscheidend für das Finale. Sie ist außerdem die einzige Person, die Ty vermitteln kann, dass er und Tandy sich zusammentun müssen, um eine Katastrophe zu verhindern. Ich bin daher gespannt, ob sie mit in die letzte Folge eingebaut wird und wenn ja, wie genau ihre Rolle aussehen wird. 

Fazit

Die neunte Episode legt den Fokus erneut stark auf die Charaktere. Einerseits lässt das die Figuren noch greifbarer und interessanter werden. Andererseits gerät der Plot dadurch fast zum Stillstand. Problematisch ist das vor allem, weil nur eine Folge übrig ist. Dadurch könnte das Finale zu überladen werden, im Versuch, die erste Staffel in irgendeiner Form abzuschließen. Zudem wird in "Back Breaker" sehr deutlich, wie schlecht einer der Gegenspieler vorgestellt wurde. Dadurch wirkt er weder überzeugend noch kann er dazu beitragen, wirkliche Spannung und Nervenkitzel zu erzeugen. Da aber auch diese Episode - wie fast alle anderen - mit guten Cliffhangern endet, bleibt wieder die Neugier auf die nächste - und somit letzte - Folge bestehen.


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Sonntag, 22. Juli 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 8 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -

Es ist der Jahrestag der großen Explosion auf der Bohrinsel und damit auch der Todestag von Tandys Vater und Tyrones Bruder. Beide wollen diesen Tag nutzen, um Gerechtigkeit für ihre verstorbenen Verwandten zu bekommen. Tandy (Olivia Holt) erfährt von Ivan Hess (Tim Kang), dass ihr Vater vor seinem Tod Beweise gegen "Roxxon" in einem Schließfach versteckt hatte. Bei den Unterlagen befindet sich ein Memo, in dem er die Firma ausdrücklich davor gewarnt hatte, nach der unbekannten Energiequelle ohne starke Schutzvorrichtungen zu bohren. Damit kann sie den CEO Peter Scarborough (Wayne Péré) erpressen. Sie kidnapped ihn kurzerhand und verlangt, dass er den Ruf ihres Vaters wiederherstellt. Tyrone (Aubrey Joseph) beschließt währenddessen, Connors (J. D. Evermore) endlich für den Tod seines Bruders zur Verantwortung zu ziehen. Mit seiner Teleportationsfähigkeit will er ihm vorspielen, er sei der Geist von Billy, um ihm ein Geständnis zu entlocken. Unterstützung bekommt er dabei von O'Reilly (Emma Lahana), die den korrupten Polizisten ebenfalls hinter Gitter bringen will. 


Zu viel Vorhersehbarkeit

Tandy will, dass die Wahrheit ans Licht kommt
Foto: Screenshot
Schon die letzte Folge "Lotus Eaters" hatte eine leicht vorhersehbare Handlung, die aber insgesamt spannend umgesetzt wurde und nicht komplett durchschaubar war. Die achte Episode "Ghost Stories" (dt.: "Gespenstergeschichten") hingegen hält überhaupt keine Überraschungen bereit. Außerdem fehlt es ihr an fast jeder Stelle an Spannung, obwohl sich die Ereignisse eigentlich dazu angeboten haben. Tandy besorgt die Beweise und schnappt sich den CEO. Daraufhin legt sie ihm das Memo vor und er bietet ihr Geld an. Auf ihre Forderung, den Ruf ihre Vaters wieder herzustellen, wirft er lediglich die vage Frage in den Raum, ob sie überhaupt wisse, wie ihr Vater wirklich war. Das schreit schon danach, dass im Laufe der Folge wohl noch irgendein dunkles Geheimnis ans Licht kommen wird. Abgesehen davon wirken diese Szenen zwischen ihnen sehr unspektakulär und langweilig. Der CEO macht keinen besonders bedrohlichen Eindruck und Tandy hat viel zu leichtes Spiel mit ihm, sodass mich dieser Plot kaum packen konnte. Im Vergleich zu Tys Handlungsstrang in dieser Episode macht ihrer außerdem den Eindruck, als wäre er sehr stark "zusammengeschnitten". Alles passiert zu abgehackt und das ganze Geschehen erscheint gehetzt, so als wäre eigentlich noch mehr Material da gewesen, das aber für den Rest des Plots gekürzt wurde. Einmal sieht man Tandy, wie sie sich bei "Roxxon" hineinschleicht. Dann folgt eine zusammenhanglose Szene, in der sie einfach nur mit ihrem Lichtdolch etwas Schaden anrichtet. Im nächsten Moment sorgt sie für einen Stromausfall, um dann in der danach kommenden Szene bereits Scarborough zu bedrohen. Das alles wirkte für mich immer so, als würde zwischen diesen Augenblicken etwas fehlen. 
Tandy hat keine Angst davor, ihre Fähigkeit zu offenbaren
Foto: Screenshot
Außerdem ist ihre Mission für mich sehr unbefriedigend. Als am Ende herauskommt, dass ihr Vater ihre Mutter geschlagen hat, ist ihr eigentliches Ziel irrelevant und sie nimmt doch das Geld an, das der CEO ihr zuvor angeboten hat. Ihre Reaktion ist natürlich verständlich - und vorhersehbar - aber bedeutet das wirklich, dass damit die Geschichte um "Roxxon" abgehakt ist? Seit Beginn der Serie hat sich diese Handlung langsam aufgebaut und geht dann so einfach und "leise" zu Ende? Das wäre sehr antiklimatisch. Ich habe zwar noch die Hoffnung, dass das nicht alles war, aber falls doch, wäre das enttäuschend. Vor allem, weil die Firma dann tatsächlich mit der Vertuschung davonkommen würde. Das einzige Anzeichen, dass der "Roxxon"-Fall noch nicht ganz abgeschlossen sein könnte, sind die Worte von Ivan Hess: "'Roxxon' darf man nicht unterschätzen. Die sind sehr gefährlich." Da in der Gegenwart bis jetzt noch nicht wirklich ersichtlich war, wieso sie sehr gefährlich sind, wird das vielleicht wirklich noch Teil der letzten zwei Episoden sein. Nur deshalb hält sich bei mir weiterhin ein bisschen die Spannung aufrecht, dass dieser Konflikt ein aufregendes Staffelfinale bieten könnte. Apropos Finale: Die "Voodoo"-Geschichte wurde weder in der letzten noch in dieser Episode noch einmal aufgegriffen. Um genau zu sein, scheint Evita (Noëlle Renée Bercy) gerade wie vom Erdboden verschluckt zu sein, dabei ist sie doch jetzt Tyrones Freundin. Von Mina Hess (Ally Maki) fehlt auch jede Spur. Hat sie sich nicht gefragt, wie ihr Vater so plötzlich gesund geworden ist, kurz nachdem sie Tandy kennengelernt hat? Haben sie danach nicht mehr miteinander geredet? Ich fand es schon in der letzten Folge etwas komisch, dass nur ein einziger Handlungsstrang erzählt und alles andere fallen gelassen wurde. Da hat es mich aber nicht so sehr gestört, weil der Plot die gut 40 Minuten locker alleine füllen konnte. Jetzt finde ich es schon etwas ärgerlich, dass gleich zwei Nebenhandlungen in dieser Folge nicht existent sind - eine davon sogar schon seit zwei! Hat Evita seit der Prophezeiung ihrer Tante (Angela Davis) tatsächlich nicht mit Tyrone darüber gesprochen? Das wirkt nicht sehr glaubwürdig, sondern eher so, als hätten noch weitere Szenen einfach nicht mehr in die Laufzeit gepasst. Langsam frage ich mich auch, auf welchen Höhepunkt die erste Staffel hinauslaufen könnte. Werden "Roxxon", Connors und die Prophezeiung alle eine Rolle darin spielen? Falls ja, habe ich die Sorge, dass das Finale dann vollkommen überladen sein könnte. Daher bin ich wirklich gespannt, wie die letzten Episoden verlaufen werden.

Noch mehr Vorhersehbarkeit, aber auch etwas Spannung

Tyrone (r.) vertraut sich O'Reilly (l.) und Fuchs an
Foto: Screenshot
Während die Serie bis jetzt immer sehr gut darin war, die Screen Time der beiden Protagonisten gleich aufzuteilen, ist Tandys Handlung dieses Mal etwas nebensächlicher und der Fokus liegt deutlich mehr auf Tyrone, Connors und O'Reilly. Bis auf die Szene, in der Ty den korrupten Polizisten "heimsucht", fand ich aber auch diese Storyline zu uninteressant und vorhersehbar. Die "Heimsuchung" ist sehr fesselnd, was auch an den gelungenen Aufnahmen, Kamerawinkeln und Schnitten liegt. Als Tyrone Connors das erste Mal "erschreckt", bleibt die Kamera sehr dicht an dem Polizisten, sodass man Ty nur im Hintergrund erkennen kann. Auch als er ihm die Waffe unbemerkt klaut und dann wieder in das Holster zurücksteckt, sieht man als Zuschauer kaum mehr als das, was Connors mitbekommt. Dadurch überträgt sich das Gefühl, man würde, genauso wie er, gerade verfolgt. Denn man weiß selber nicht, wo Ty gerade ist und wann er wieder auftaucht. Bei der Verfolgungsjagd am Hafen entsteht ein ähnliches Gefühl. Oft sind nur die Geräusche von Tyrones Schritten hörbar oder man sieht für den Bruchteil einer Sekunde, wie sein Umhang hinter einem der Container verschwindet. Hier wird man quasi in Connors Situation hineinversetzt. Er wirkt in diesen Szenen überhaupt nicht so bedrohlich und Angst einflößend wie sonst, sondern wirklich wie das Opfer einer Geisterheimsuchung. So spannend, wie diese Verfolgung ist, so unaufgeregt ist dann das Ende. Connors ist tatsächlich auf Tyrones Spiel hereingefallen und gesteht die Tat und schon ist O'Reilly da, um ihm die Handschellen anzulegen. Auch hier ist wieder zu vorhersehbar, dass noch etwas Großes passieren muss und die Geschichte um den Polizisten unmöglich schon abgeschlossen sein kann. Genauso wie bei der "Roxxon"-Handlung wurde Connors in den vorherigen Folgen dafür viel zu sehr in den Fokus gestellt, um jetzt so einfach besiegt zu werden. Es dauert dann auch nicht lange, bis man sehr gut erahnen kann, was am Schluss dieser Episode wartet. 
Connors hat wirklich Angst
Foto: Screenshot
Damit komme ich gleichzeitig zu meinem größten Störfaktor in dieser Episode: Die Romanze zwischen O'Reilly und dem Polizisten Fuchs (Lane Miller). Bis auf ein paar sehr kurze Szenen in zwei oder drei vorherigen Folgen wird der Zuschauer weder an den Charakter des Polizisten noch an die Beziehung zwischen ihm und O'Reilly herangeführt. Als Zuschauer hat man keine Ahnung, warum sie zusammen sind und was sie aneinander finden. Sie haben nicht einmal eine wirkliche Chemie. Das alles führt dann dazu, dass mir ihre Beziehung ziemlich egal war. Fuchs kann in den kurzen Augenblicken auf dem Bildschirm natürlich auch kaum Vielschichtigkeit oder irgendetwas anderes Interessantes transportieren. Mit diesen eher schlechten Voraussetzungen fand ich es sehr auffällig, dass die Serie sich in dieser Folge so intensiv auf ihre Beziehung fokussiert. Der Zuschauer bekommt dabei sogar ein paar kitschig-romantische Momente vorgelegt. Abgesehen davon, dass ich ihnen das Verliebtsein so überhaupt nicht abgekauft habe, hat das vollkommen offensichtlich gemacht, dass die Romanze in Gefahr ist. Mal ehrlich: Wie können die beiden auch so dumm sein und sich nach Connors Verhaftung vor seinen Augen auf der Polizeiwache anschmachten und dann auch noch küssen? Viel offensichtlicher hätte O'Reilly ihm ihre Schwäche ja wohl nicht offenbaren können. Der Mord an Fuchs kommt nach dieser Szene dann so gar nicht überraschend. Nur die Art, wie seine Leiche präsentiert wird - zusammengekrümmt im Kühlschrank - hat für einen kleinen Schockmoment gesorgt. 
Tyrone sieht richtig unheimlich aus - wie ein echter Geist
Foto: Screenshot
Ich finde es etwas schade, dass die Serienmacher nicht etwas subtiler gearbeitet haben, damit der Tod nicht schon vorher vollkommen vorhersehbar war. Nichtsdestotrotz feuert dieser Ausgang die Gefahr an, die von Connors ausgeht. Es ist auch etwas enttäuschend, dass O'Reilly nicht einmal daran gedacht hat, dass der korrupte (!) Polizist auch verhaftet noch Dinge in Bewegung setzen kann und genug Leute auf seiner Seite hat, die seine Drecksarbeit für ihn erledigen. Obwohl die Folge selber also nicht so aufregend war, sorgt dieses Ende dafür, dass ich weiter gespannt bin, was Connors als Nächstes tun könnte. Ich wäre ehrlich gesagt auch sehr irritiert gewesen, wenn er so einfach hätte besiegt werden können. Da bleibt nur zu hoffen, dass er - genauso wie "Roxxon" - wirklich noch für einen spektakulären Höhepunkt sorgt, der die Protagonisten vor eine große Herausforderung stellt. Dann arbeiten sie vielleicht auch wieder als Team zusammen. Tandy und Ty als Duo zu verfolgen macht nämlich auch viel mehr Spaß als sie in ihren einzelnen Missionen zu erleben. 

Fazit

Die achte Episode liegt im Hinblick auf die gesamte Serie nur im Durchschnitt. Es will keine wirkliche Spannung aufkommen. Der Hauptgrund dafür ist die Vorhersehbarkeit der Handlung. Es wird dem Zuschauer zu einfach gemacht, zu erraten, wie es weitergeht. Dadurch kommt es zu keinen unerwarteten Wendungen oder Überraschungen. Vor allem ein Ereignis wird so offensichtlich vorbereitet, dass es letztendlich kaum eine erschreckende Wirkung erzielen kann. Zudem wirken manche Szenen zu "zusammengeschnitten" und dadurch abgehakt, als würde etwas fehlen. Insgesamt erreichen die Protagonisten ihre Ziele zu schnell und einfach, wodurch die Episode kaum fesseln kann. Nur die möglichen Hinweise darauf, was in den letzten zwei Folgen noch passieren könnte, lässt die Neugier darauf nicht ganz abklingen.


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Sonntag, 15. Juli 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 7 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -

Tandy (Olivia Holt) hat durch Mina Hess (Ally Maki) herausgefunden, dass deren Vater Ivan (Tim Kang) der einzige Überlebende der Explosion auf der Bohrinsel ist. Allerdings befindet er sich in einem stark katatonischen Zustand und reagiert auf überhaupt nichts. Tandy will aber nicht aufgeben und bittet Tyrone (Aubrey Joseph), ihr zu helfen. Mit ihren Fähigkeiten gelangen sie in den Verstand von Ivan, um herauszufinden, was genau damals geschehen ist. Dabei finden sie in einer Art Zeitschleife wieder, denn in dem Verstand des ehemaligen "Roxxon"-Mitarbeiters existieren nur noch die letzten Minuten vor der Explosion auf der Bohrinsel. Die beiden erleben das Unglück nun selbst immer wieder mit und versuchen dabei verzweifelt, zu Ivan durchzudringen. Doch als Tandy über ein Telefon mit ihrem toten Vater sprechen kann, ist ihr alles andere plötzlich vollkommen egal. 


Das Niveau der ersten Folgen ist wieder da

Tandy und Ty wissen anfangs nicht, wo sie gelandet sind
Foto: Screenshot
Bereits die letzte Episode "Funhouse Mirrors" (dt.: "Zurück in die Vergangenheit") konnte mich wieder mehr überzeugen als die vorherigen. Doch "Lotus Eaters" (dt.: "Neustart") setzt noch einen drauf drauf und kommt dabei wieder an den Anfang der Serie heran. Der englische Titel verrät dabei schon die Richtung, in die die Handlung gehen wird, wenn man sich etwas mit der griechischen Mythologie auskennt (oder die Götter-Saga "Percy Jackson" gelesen bzw. geschaut hat). Ich hatte die Sorge, dass der Verlauf der Folge zu vorhersehbar wird und das ist er auch zum Teil. Doch durch die ausgefallene Umsetzung bleibt es trotzdem interessant und packend. Die Lotuspflanze, die in der "Odyssee" (das Epos des griechischen Dichters Homer über die Abenteuer von Odysseus) dazu führt, dass alle den Drang verlieren, nach Hause zurückzukehren, wird bei "Cloak & Dagger" in die Stimme von Tandys Vater umgewandelt. Mir war da schnell klar, dass dies die Anpsielung auf die "Lotusesser" ist. Und was dann passiert, ist nicht überraschend: Egal wie lange Ty auf sie einredet, sie will nicht mit ihm in die Realität zurückkommen, sondern im Verstand von Ivan Hess bleiben. Der ist schon lange nur noch ein Schatten seiner selbst: Er weiß nicht mehr, wer er ist, wie er heißt, wo er sich befindet und auch nicht, dass er eine Tochter hat. Er glaubt, diese paar Minuten auf der Bohrinsel sind das einzige, was überhaupt existiert. Dadurch sieht der Zuschauer, was auch mit Tandy bald passieren könnte, wenn Ty sie nicht wieder in die Realität zurückholen kann. Daher ist die Stimmung insgesamt sehr emotional. Schon der Moment, als sie erfährt, dass ihr Vater derjenige ist, der in dieser Zeitschleife jedes Mal anruft, ist sehr ergreifend. Als sie dann das erste Mal den Hörer abnimmt und mit brüchiger Stimme und Tränen in den Augen "Daddy?" sagt, ist deutlich erkennbar, wie es ihr geht. Olivia Holt bringt dem Zuschauer die Gefühle ihrer Figur, die zwischen Freude und Trauer schwanken, sehr nahe. Ihre Reaktion darauf, dass sie plötzlich wieder die Stimme ihres Vaters hören kann, ist sehr echt. Dadurch ist es nachvollziehbar, warum sie deshalb in diese Trance verfällt und nicht mehr weg will. 
Zusammen mit Ivan (r.) verstecken sie sich vor den Killern
Foto: Screenshot
Neben emotionalen Momenten wird auch der Unfall auf der Bohrinsel genauer beleuchtet. Sofern die Gedanken von Ivan dazu stimmen, hatte die Energiequelle, nach der sie dort gebohrt haben, eine extreme Wirkung auf die Mitarbeiter gehabt. Sobald sie von ihr getroffen wurden, sind sie in einen wahnsinnigen, aggressiven Zustand verfallen und haben andere angegriffen. Genau diese Art von Energie hat auch Tandy und Ty getroffen und sich nur deshalb anders ausgewirkt, weil sie unter Wasser waren. Somit ist zumindest klar, dass die beiden ziemliches Glück gehabt haben, da sie auch genauso wie die Mitarbeiter hätten enden können. Hinsichtlich der Zeitschleife bleiben allerdings ein paar Fragen offen. Tandy und Ty landen quasi auf der Bohrinsel und beobachten das Unglück. Dabei befinden sie sich in Wahrheit im Verstand von Ivan und damit ja eigentlich in seiner Erinnerung. Aber sie erleben dort deutlich mehr als das, was er damals mitbekommen haben kann. Tandy kann normale Konversationen mit ihrem toten Vater führen. Wenn sie ihm eine Frage stellt, antwortet er ihr. Er reagiert auf sie, anstatt nur das zu sagen, was er damals seinem Kollegen erzählt hat. Darüber habe ich während der Folge lange gegrübelt. Am Ende wird es damit erklärt, dass es Ivans Verstand ist, mit dem sie in Wirklichkeit redet, da ihr "Vater" nur das weiß, was auch Ivan weiß. Dank dieses Twists schafft es Tyrone letztendlich, Tandy aus ihrer Trance zu reißen. Eine richtige Erklärung ist es allerdings nicht. Eine andere Szene hat mich aber wirklich stutzig gemacht. Minas Vater spricht mehrmals davon, dass er es in all den hunderttausenden von Wiederholungen nie bis zum unteren Teil der Bohrinsel geschafft hat, wo sich der Notfallknopf befindet. Daher vermute ich, dass er es auch beim echten Vorfall nie geschafft hat und daher nicht weiß, was genau dort passiert ist. Ty kann durch seine Teleportationsfähigkeit dorthin gelangen und beobachtet, wie zwei Mitarbeiter von einer Energiequelle getroffen werden und sich kurz darauf in wahnsinnige Killer verwandeln. Hat sich Ivans Verstand dieses Ereignis selber zusammengereimt oder hat diese Zeitschleife in seinem Kopf eine Art Eigenleben entwickelt oder ist es damals wirklich exakt genauso passiert? Wenn Letzteres der Fall ist, wäre das definitiv eine Logiklücke. Denn woher soll diese Erinnerung kommen, wenn es sie in seinem Kopf überhaupt nicht geben kann? Mich hat es jedenfalls gestört, weil es keine klare Antwort darauf gibt, nach welchen Regeln dieser "Ort" genau funktioniert.

Tandy und Ty werden endlich ein Team!

Tyrone ist skeptisch, was Tandys Plan angeht
Foto: Screenshot
Was mir bei dieser Episode besonders gut gefallen hat, ist der erste wirkliche Teameinsatz der Protagonisten. Sie landen in Ivans Verstand und werden sofort von den "Roxxon"-Arbeitern angegriffen. Es macht richtig Spaß, ihre Kräfte endlich so richtig in Aktion zu erleben. Die Kampfszenen sind sehr temporeich und packend. Während Tandy geschickt ihre Lichtdolche gegen sie einsetzt, nutzt Tyrone seine Teleportationsfähigkeit, um sich zu schützen oder überraschend anzugreifen. Als Duo arbeiten sie dabei super zusammen. Tandy lobt Tyrone sogar kurz dafür, dass er mittlerweile viel besser mit seiner Fähigkeit umgehen kann. Es ist auch mal etwas anderes, Superkräfte zu sehen, die auf so vielfältige Weisen eingesetzt werden können. Sie haben Talente, die sie im Kampf einsetzen können, aber gleichzeitig auch Zugriff auf die Hoffnungen und Ängste der Menschen und können es ebenfalls als Werkzeug oder Waffe nutzen. Dass sie dank ihnen wirklich Minas Vater aus seinem katatonischen Zustand herausholen können und er sich wieder an alles erinnert, ist sehr ausgefallen. Oft sind Superkräfte lediglich dafür da, sich zu verteidigen oder andere physisch zu besiegen. Daher ist dieser Zuatz mal eine interessante Abwechslung. Außerdem habe ich dadurch noch mehr darauf gehofft, dass sie ihre Mission auch wirklich schaffen. Denn es ist viel emotionaler als ein typischer Superheldenkampf gegen böse, machtgierige Gegner. Sie haben dabei geholfen, einer Tochter ihren Vater "zurückzuholen", was eine sehr besondere, rührende Art von "Sieg" ist.
Ivan ist gefangen im eigenen Verstand
Foto: Screenshot
Ihre Teamfähigkeit wird zudem direkt auf die Probe gestellt, als Tandy sich weigert, weiterzumachen und nur noch an ihren Vater denkt. Der Gegensatz wird sehr eindrucksvoll dargestellt. Ich weiß, dass ich das in fast jeder Rezension von "Cloak & Dagger" erwähne, aber die Serienmacher können einfach richtig gut mit Bildern arbeiten: Während Tandy in Ivans Büro überglücklich mit ihrem Vater telefoniert, wechselt die Szene zu Ty, der sich in einem anderen Raum gegen die aggressiven Mitarbeiter verteidigen muss. Dabei bleibt aber das Gespräch zwischen Tandy und ihrem Vater weiter im Off zu hören und die Geräusche in Tys Szene sind stumm. Während sie beispielsweise ihrem Vater sagt "Erzähl mir von deinem Tag", muss Tyrone gegen einen "Roxxon"-Arbeiter kämpfen, der ihn erschlagen will. Das veranschaulicht einfach sehr stark, wie weit auseinander die beiden gerade sind, was die Mission angeht. Außerdem bringt es den Zuschauer in ein wahres Wechselbad der Gefühle. Einerseits war ich wütend auf Tandy, weil sie Ty alleine lässt und es tat mir leid, dass er das Problem alleine stemmen muss. Andererseits kann ich auch verstehen, dass sie die Chance, mit ihrem Vater nach acht Jahren zu reden, nutzen will und sich dabei vollkommen verliert. Sie will nicht einmal darüber nachdenken, dass es nicht wirklich ihr Vater ist, aber das konnte ich ihr kaum verübeln. Denn ihre Gefühle sind dank Holts überzeugendem Schauspiel sehr nachvollziehbar. Ich finde es toll, wie Tyrone mit Tandy in der ganze Situation umgeht. Selbst als sie ihn wütend mit ihren Lichtdolchen bewirft, teleportiert er sich einfach weg und versucht dabei weiter, sie zu beruhigen. Er macht ihr keine Vorwürfe, denn er kann verstehen, wieso sie sich so verhält. Das zeigt wieder, was für ein empathischer Charakter er ist. Dass er sie außerdem nicht alleine lässt, obwohl er es könnte, beweist, wie wichtig sie ihm ist. Das ist eine tolle Voraussetzung, wenn sie bald als richtiges Superheldenteam loslegen, und weckt die Vorfreude darauf noch mehr. 
Tandy kann nicht glauben, dass sie mit ihrem Vater spricht
Foto: Screenshot
Wie viel Tyrone die Freundschaft zu Tandy wert ist, wird vor allem in der letzten Szene klar, als er sie anruft. Dieser Schritt hat meiner Meinung nach eine sehr große Bedeutung, was ihre Beziehung zueinander angeht. Tandy hat sich ihm zuvor geöffnet und "verwundbar" gemacht. Er weiß jetzt, dass es sie mitnimmt, dass sie nie angerufen wird, sich niemand für sie zu interessieren scheint und sie keine Freunde hat. Ty hat ihr versucht klarzumachen, dass er ihr Freund ist, doch das hat sie ihm nicht geglaubt. Daher ist es sehr berührend, als er sie nach ihrer Mission anruft, und diese Tat sagt mehr, als seine Worte es gekonnt hätten. Es ist auch erkennbar, wie viel es Tandy bedeutend. Erst ist sie ehrlich überrascht, dass ihr Handy klingelt und als sie merkt, dass Ty am anderen Ende ist, wirkt sie sichtlich gerührt. Letztendlich "schließt sich der Kreis" in dieser Folge sehr schön, als Tyrone Tandy eine alte Tonbandaufnahme von ihm und seinem Bruder abspielt, die er vollkommen vergessen hatte. Er weiß, dass sie die einzige ist, die genau versteht, wie es ist, die Stimme eines geliebten, verstorbenen Menschen nach langer Zeit noch einmal zu hören. Deshalb teilt er diesen emotionalen Moment mit ihr. Dass sie sich langsam annähern und einander vertrauen, gefällt mir gut. Vor allem, weil es so glaubhaft und ehrlich wirkt. Langsam fügt sich alles zusammen: Sie hatten eine erste gemeinsame Mission, sie bauen wirklich eine Freundschaft auf, sind füreinander da und sie beherrschen beide ihre Kräfte. Das alles ist perfekt, um endlich als Superheldenduo so richtig loszulegen und vielversprechend für die letzten drei Folgen der Staffel. 

Fazit

Die siebte Episode überzeugt wieder genauso wie die ersten. Der Titel verrät zwar schon die Richtung, in die die Handlung verläuft, sie ist aber wirklich interessant und mitreißend erzählt. Obwohl der Ablauf etwas vorhersehbar ist, kommt daher trotzdem keine Langeweile auf. Mit einigen ergreifenden Szenen kann die Serie den Zuschauer außerdem erneut auf emotionaler Ebene erreichen. Da der Zuschauer die Protagonisten endlich das erste Mal als Superheldenteam erlebt, sorgt diese Folge auch für etwas mehr Action. Außerdem macht es Spaß, sie auf der gemeinsamen Mission zu begleiten und das weckt die Vorfreude auf den weiteren Verlauf. 


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