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Sonntag, 11. Juni 2017

Sherlock: Das letzte Problem - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -

Endlich läuft die vierte Staffel der beliebten BBC-Reihe "Sherlock" auch im deutschen Fernsehen. Wir haben uns die drei neuen Folgen angesehen.

John Watson (Martin Freeman) hat in der vorherigen Folge "Der lügende Detektiv" erfahren, dass sein bester Freund Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) eine Schwester namens Eurus (Sian Brooke) hat. Im Finale der vierten Staffel bringen die beiden Sherlocks Bruder Mycroft ("Sherlock"-Produzent Mark Gatiss) nun dazu, ihnen die ganze Wahrheit über die Kindheit der Holmes-Geschwister zu erzählen. Die kleine Eurus wurde früh als "äraprägendes Genie" bezeichnet und aufgrund ihrer manipulativen Fähigkeiten und ihrer Empathielosigkeit in einer Einrichtung namens "Sherrinford" weggesperrt. Die drei Männer machen sich auf den Weg dorthin. Sie wollen überprüfen, ob es sich bei der Frau, die sich als Johns Therapeutin ausgegeben hat, tatsächlich um Eurus Holmes handelt. Vor Ort müssen sie entsetzt feststellen, dass das skrupellose Genie die Kontrolle über "Sherrinford" erlangt hat. Sie zwingt Sherlock, Mycroft und John dazu, Spielchen zu spielen, bei denen es um Leben und Tod geht. Die letzte Aufgabe offenbart Sherlock eine grausame Wahrheit.

Völlig ausgelöscht

Eurus ist die intelligenteste der Holmes-Geschwister
Foto: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films 2016
Das Finale beginnt im Inneren eines Flugzeugs. Ein kleines Mädchen (Honor Kneafsey, mit viel zu alt klingender deutscher Synchronstimme) wacht auf und stellt fest, dass alle anderen Passagiere und die Crew bewusstlos sind. Ihre Versuche, sie zu wecken, schlagen fehl. Als sie an ein klingelndes Handy geht, ertönt die Stimme von Sherlocks Gegenspieler Jim Moriarty (Andrew Scott), die sie zum "letzten Problem" willkommen heißt. Währenddessen inszenieren Sherlock und John eine gruselige Vorstellung für Mycroft, damit er ihnen die Wahrheit über Eurus erzählt (John: "Jemand hat ihm [Sherlock] gesagt, dass Sie erst mit der Wahrheit rausrücken, wenn Sie sich in die Hosen machen."; Mycroft: "Jemand?"; John: "Ich glaube, ich."). Nach einigem Zögern tut er es auch. Die Geschichte hat mich kaum gefesselt, da man immer nur dieselben kurzen Rückblicke sieht. Hier wäre es wünschenswert gewesen, mehr von der Vergangenheit und der kleinen, unschuldig wirkenden Eurus (Indica Watson) zu erfahren. Vor allem die Augenblicke, in denen das kleine Mädchen "Redbeard" in eine Falle lockt, wären interessant gewesen, da man sich kaum vorstellen kann, dass eine Fünfjährige zu so etwas fähig ist. So erfährt man alles nur durch Mycrofts einseitige Schilderungen. Es wird auch nicht aufgeklärt, wieso Sherlock in all den Jahren nie durch Zufall Hinweise auf seine Schwester gefunden hat. Zu Beginn der Folge sieht man alte Videoaufnahmen der Familie, das heißt, es wird vermutlich auch Videos und Fotos von Eurus geben. Es ist schwer vorstellbar, dass Mr. und Mrs. Holmes (Benedict Cumberbatchs Eltern Timothy Carlton und Wanda Ventham) nichts von ihrer Tochter aufbewahrt haben - besonders nachdem Mycroft ihnen vorgegaukelt hat, Eurus wäre bei einem Brand ums Leben gekommen.
Die Familie Holmes besucht Eurus
Foto: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films 2016
Als Sherlock, Mycroft und John schließlich "Sherrinford" erreichen, stellen sie fest, dass die Gefangene schon lange keine Gefangene mehr ist. Sie hat das Personal manipuliert und willenlos gemacht (Mycroft: "Eurus redet nicht einfach nur mit Menschen, sie programmiert sie um. Jeder, der Zeit mit ihr verbringt, ist automatisch gefährdet.") Was die Serie bislang so gut gemacht hat, ist, dass Sherlocks Deduktionen meist stimmig waren. Obwohl seine Beobachtungsgabe an Magie oder eine Superkraft erinnert, waren seine Erklärungen immer nachvollziehbar. Bei Eurus Fähigkeiten ist das nicht der Fall. Es wird nicht einmal der Versuch unternommen ihre Manipulationen zu erklären. Das ist schade, denn so wirkt sie nicht wie eine authentische Gefahr, sondern mehr wie ein verrückter Bösewicht aus einem Film.
Molly ist Sherlocks Spielchen leid
Foto: BBC
Ein Beispiel wäre "Saw", denn bei jedem ihrer Spiele kann potenziell jemand sterben. Tatsächlich sind sie wenig abwechslungsreich. Bei zweien geht es darum einen Menschen zu töten, was zu langen Diskussionen führt (Wer soll schießen? Auf wen soll geschossen werden?). Ein drittes besteht daraus einen Mörder zu identifizieren. Das ist leider eine von nur zwei Stellen in "Das letzte Problem", in der Sherlock auf gewohnte Art und Weise deduziert. Das vierte Spiel ist perfider: Sherlock muss Molly Hooper (Louise Brealey) innerhalb von drei Minuten dazu bringen "Ich liebe dich." zu sagen, ansonsten sprengt Eurus sie in die Luft. Die Pathologin weiß dabei nicht in welcher Gefahr sie sich befindet und Sherlock darf es ihr nicht sagen. Die Sequenz ist berührend, da man Cumberbatch und Brealey an ihrer Mimik ansehen kann, wie schwer es Molly und Sherlock fällt, über ihre Gefühle zu sprechen. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die Produzenten und Drehbuchautoren Mark Gatiss und Steven Moffat zuerst eine völlig andere Szene geplant hatten (Moffat: "Molly was actually trapped inside the coffin and they had to solve a puzzle to get her out."). Die gefiel aber absolut niemand anderem aus dem "Sherlock"-Team oder ihrem Umfeld, sodass die beiden sie schlussendlich am letzten Tag des Drehbuchschreibens ersetzt haben (Moffat: "We came out [with the new version] saying `That's the best scene in the episode.´").

Ein Ende mit vielen Fragen

Der echte "Redbeard" lag jahrelang in einem Brunnen
Foto: BBC
Während des vierten Spiels, betäubt Eurus Sherlock und er wacht auf dem alten Anwesen seiner Familie auf. Schritt für Schritt begreift er dort die furchtbare Wahrheit: "Redbeard", sein treuer Irish Setter, der in anderen Folgen immer wieder erwähnt wurde, ist gar kein Hund. "Redbeard" war der Spitzname von Victor Trevor (Harry Tuffin), Sherlocks bestem Freund aus Kindertagen. Eurus war neidisch, da die beiden Jungs sie nie mitspielen ließen und beförderte Victor in einen Brunnen, wo er später ertrank. Aus Selbstschutz hatte der junge Sherlock die eigene Schwester aus seinen Erinnerungen gelöscht und sich selbst vorgegaukelt, "Redbeard" sei ein Hund gewesen.
Der Detektiv erkennt, dass er Eurus helfen muss, um die kranken Spielchen zu beenden. Sie war immer einsam und wurde als kleines Mädchen in einem Hochsicherheitstrakt weggesperrt. Das verängstigte Kind im Flugzeug aus der ersten Szene ist eine Metapher und stellt Eurus dar. Durch ihre außergewöhnliche Intelligenz schwebt sie über allem, ist dabei allerdings von anderen Menschen abgeschnitten und alleine. Nachdem Sherlock ihr versichert hat, dass er bei ihr ist, lässt sie sich widerstandslos zurück nach "Sherrinford" bringen. 
Nein, ich habe leider nicht mit Paint nachgeholfen
Foto: BBC
Neben Eurus übernatürlichen Fähigkeiten, anders kann man sie nicht nennen und der Tatsache, dass Sherlock in etwa 30 Jahren keinen einzigen Hinweis auf seine Schwester oder seinen besten Freund gefunden hat, gibt es noch zahlreiche andere Unstimmigkeiten. Beispielsweise, dass der Detektiv, der mit einem Blick eine halbe Lebensgeschichte herausfindet, die fehlenden Glaswände von Eurus Zelle nicht bemerkt. Oder dass Mary Watson (Amanda Abbington) in ihrer Abschiedsbotschaft, dazu gleich mehr, nur auf Sherlock und John eingeht, ihre kleine Tochter Rosie aber mit keinem Wort erwähnt. Diese Dinge kann man eventuell noch ignorieren. Aber über einen Aspekt kann man einfach nicht hinwegsehen: Die schlechten Effekte. Ich hätte wirklich gerne ein Foto von dem Moment, als ich zum ersten Mal die Szene gesehen habe, in der eine Bombe Sherlocks Wohnung in der Baker Street zerstört. Es ist lächerlich, wie der Detektiv und John Watson dramatisch durch die Fensterschreiben nach draußen springen, aber die Explosion ist noch peinlicher. Sie sieht wirklich unglaublich unecht aus und passt damit überhaupt nicht zu der Serie, die ansonsten ein fantastisches Setdesign hat.
Nun möchte ich aber noch auf das Ende eingehen, das eigentlich keins ist. John bekommt eine letzte Videobotschaft seiner toten Frau Mary. Darin ermuntert sie ihren Ehemann und Sherlock weiterhin Fälle zu lösen ("Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch zwei Männer, die in einer heruntergekommenen Wohnung diskutieren, als wären sie schon immer dort gewesen und als würden sie immer dort sein. Die besten und klügsten Männer, die ich je gekannt habe: Meine Baker Street Boys, Sherlock Holmes und Dr. Watson."). Währenddessen sieht man, wie die Wohnung nach dem Bombeneinschlag renoviert wird. Außerdem rennen Lestrade, Mrs. Hudson und Molly durchs Bild, wie zur Erinnerung, dass sie eigentlich auch Teil der Stammbesetzung sind. Was mit Mrs. Hudson nach der Explosion passiert ist, wie Molly und Sherlock sich nach dem "Ich liebe dich" ausgesprochen haben... nichts davon erfährt man. Die Endszene wirkt deutlich wie ein Abschluss der Serie, auch wenn es zu einer Fort- oder Absetzung bislang noch keine Informationen gibt. Es bleiben dennoch eine Menge Fragen unbeantwortet. Daher ist es schade, dass die meisten Charaktere während der vierten Staffel auf der Strecke geblieben sind.

Fazit

"Das letzte Problem" erinnert nur entfernt an eine "Sherlock"-Folge. Kaum Deduktionen, kaum Humor, dafür Gewalt und Unstimmigkeiten in der Geschichte. Man erfährt zwar unglaublich viel über Eurus Holmes, allerdings immer nur durch andere Personen oder ihr Fantasie-Ich. Dafür werden dieselben Rückblenden ein ums andere Mal gezeigt, anstelle die Möglichkeit zu nutzen, die jungen Holmes-Kinder besser kennen zu lernen. Dann hätte man vielleicht auch besser nachvollziehen können, wie genau Eurus Menschen manipuliert. So hat es den Anschein als hätte sie eine gruselige Superkraft. Ein weiteres großes Manko ist, dass viele der lieb gewonnenen Charaktere nur Statisten sind und keinen würdigen Abschied bekommen - ein Problem, dass diese Staffel leider dominiert hat. Toll ist jedoch die Rückkehr von Sherlocks Eltern. Sie sind super sympathisch und es wäre ein Fehler gewesen, sie nicht in die Geschichte um Eurus miteinzubeziehen. 
Einen großen Pluspunkt gibt es auch für die Szene, in der Eurus Sherlock attackiert, ihm die Kehle zudrückt und den Wachen vor ihrer Tür zu brüllt: "REIN HIER MIT EUCH! LOS! HINDERT MICH DARAN IHN UMZUBRINGEN! Oder nein, gebt mir noch eine Minute." Besser kann man die Beziehung zwischen Geschwistern vermutlich nicht darstellen.


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Montag, 5. Juni 2017

Sherlock: Der lügende Detektiv - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -

Endlich läuft die vierte Staffel der beliebten BBC-Reihe "Sherlock" auch im deutschen Fernsehen. Wir haben uns die drei neuen Folgen angesehen.

Nach Mary Watsons (Amanda Abbington) Tod im Staffelauftakt, sind alle Charaktere in "Der lügende Detektiv" mehr oder weniger am Ende. Allen voran ihr trauernder Ehemann John (Martin Freeman), der versucht seine Gefühle in Sitzungen bei einer neuen Therapeutin zu verarbeiten. Er geht auch auf Abstand zu seinem besten Freund Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch), denn Mary hatte sich in die Schusslinie einer Kugel geworfen, die für Sherlock bestimmt war. Der Detektiv kann seine Gefühle nicht einordnen und beginnt erneut mit dem Konsum harter Drogen ("Durch das, was sie [Mary] tat, hat sie meinem Leben einen Wert verliehen. Dieser Wert hat eine Währung, mit der ich nicht umzugehen weiß."). Schnell ist Sherlock in sehr schlechter körperlicher und seelischer Verfassung (Pathologin Molly (Louise Brealey): "Ich hatte schon Gesündere auf dem Seziertisch."). Seine Umgebung hält ihn für nicht zurechnungsfähig - vor allem als er den angesehenen Unternehmer und Wohltäter Culverton Smith (Toby Jones) bei Twitter als Serienkiller bezeichnet.

Das Böse ist auch nicht das, was es mal war

Hämisches Lachen, aber sonst eher öde: Culverton Smith
Foto: BBC
Culverton Smith wurde als der "große Bösewicht" der vierten Staffel angekündigt. Tatsächlich taucht er - mit Ausnahme seines Fotos auf einem Plakat in der ersten Folge - nur in "Der lügende Detektiv" auf. Die Episode beginnt mit einer Rückblende: Smith möchte einigen Freunden und seiner Tochter Faith (Gina Bramhill) ein schockierendes Geständnis machen, aber nur unter der Bedingung, dass er ihnen ein Medikament verabreichen darf. Es löscht das Kurzzeitgedächtnis ("Ich habe doch nur vor euch etwas anzuvertrauen, das mir auf der Seele liegt, ohne eure damit unnötig zu belasten."). Ich habe mich die ganze Zeit über eins gefragt: Wieso machen die das mit? Wer hat so viel Vertrauen zu einem anderen Menschen, dass er bereit ist, sein Gedächtnis löschen zu lassen und hinterher keine Ahnung zu haben, was geschehen ist? Nicht nur der Inhalt, auch die Gestaltung der Szene ist äußerst seltsam. Die in weiß gekleideten Krankenschwestern mit Mundschutz, die alle Anwesenden an Tröpfe anschließen, wirken eher amüsant als bedrohlich. Dasselbe trifft auf Smiths lieblos aufgesagtes Geständnis, er müsse jemanden töten, zu. Faith beunruhigt es jedoch genug, um sich Notizen zu machen und drei Jahre später Sherlock Holmes aufzusuchen.
Sherlock und Faith verbringen die Nacht draußen
Foto: BBC
Sie erzählt dem zugedröhnten Detektiv von dem Abend und bittet ihn, ihr zu helfen. Diesen Teil der Handlung habe ich genossen, da es die einzigen Szenen in der gesamten vierten Staffel sind, in der Sherlocks Deduktionen im Mittelpunkt stehen. Wie man es aus den vorherigen Jahren gewohnt ist, nimmt er vor Faiths Augen ihr ganzes Leben auseinander, während seine Erkenntnisse als Animationen im Raum schweben. Er rekonstruiert sogar ihre Küche inmitten einer Londoner Straße. Die Drogen spielen ihm zwar den ein oder anderen mentalen Streich, doch das ist äußerst witzig - etwa wenn er seinen eigenen Gedankengängen nicht folgen kann und die verwirrte Faith fragt, warum er gerade dies oder das getan hat.
Letztendlich überführt Sherlock den beliebten Wohltäter natürlich. Im Gegensatz zu einigen clever durchdachten Todesfällen der vorherigen Folgen, mordet Culverton jedoch relativ unspektakulär. Einzig die Tatsachen, dass er seine Taten immer wieder unbemerkt beichtet und sich in einer Cornflakes-Werbung amüsanterweise als "Cereal killer" bezeichnet, peppen seine Geschichte auf. Leider ist er insgesamt nicht so herrlich böse, charismatisch oder durchtrieben wie Moriarty oder Magnussen. Viel konnte Toby Jones aus der Rolle aber auch nicht herausholen, da Culverton Smith lediglich in einer Folge auftaucht, die auch noch zu einem großen Teil von den persönlichen Dramen der Hauptfiguren eingenommen wird.

Wir brauchen ein Spin-off über Mrs. Hudsons "wilde Jahre"!

Mrs. Hudson bietet Mycroft (Mark Gatiss) die Stirn
Foto: BBC
Das größte dieser Dramen ist der Bruch zwischen Sherlock und John, verursacht durch Marys Tod. Doch Mrs. Hudson (Una Stubbs) bringt die beiden spontan wieder zusammen. Als Sherlock unter Drogen mit einer Pistole um sich schießt, lässt sie vor seinen Augen eine Tasse Tee fallen. High oder nicht, er ist immer noch Brite und schmeißt die Waffe weg, um das Getränk zu fangen. Blitzschnell greift die Vermieterin nach der Pistole und zwingt Sherlock seine Handschellen herauszurücken. Was dann folgt, ist einer der wohl besten Momente in der TV-Geschichte: Mrs. Hudson brettert in einem schicken Sportwagen direkt vor das Haus von Johns Therapeutin - verfolgt von Polizeiwagen und einem Hubschrauber. Sie bittet Watson sich wieder mit Sherlock zu versöhnen. Der liegt völlig verstört im Kofferraum des teuren Autos. Dieser kurze, aber unglaublich spektakuläre Auftritt, macht Mrs. Hudson zu einem der coolsten und modernsten älteren Charaktere, die es derzeit gibt. Zu verdanken ist das auch der kecken und schwungvollen Spielweise von Una Stubbs (Bei der diesjährigen "MagicCon" verriet Louise Brealey, dass Stubbs auch im echten Leben die kesseste und versauteste der "Sherlock"-Schauspieler sei.). 
John will die Situation in die Hand nehmen, stellt aber nach wenigen Minuten fest, dass jeder seiner Schritte bereits vor zwei Wochen von Sherlock vorausgesagt worden war. Das ist einer der Faktoren, die mich an der Serie stören. Besonders in den späteren Folgen scheint keine der anderen Hauptfiguren irgendeine Chance zu haben eigene Entscheidungen zu treffen. Fast immer, wenn John, Mary, Molly oder Lestrade (Rupert Graves) etwas scheinbar eigenständig planen oder denken, stellt sich letztendlich heraus, dass Sherlock sie in diese Richtung gelenkt hat oder er zumindest wusste, was sie vorhaben, noch bevor sie überhaupt auf die Idee kamen. Selbst seine Entführung durch Mrs. Hudsons hat er, nach eigenen Angaben, bis auf den Kofferraum-Part vorausgeahnt. Sherlocks Allwissenheit nimmt den anderen Figuren ihre Persönlichkeit und Wichtigkeit, da sie so nur seine Marionetten sind. 
Dennoch basiert die Handlung vor allem auf Zufällen. John spricht sogar an, dass er Sherlock nur rechtzeitig vor Culverton Smith retten konnte, weil er Marys Videobotschaft aus der ersten Folge unabsichtlich gefunden hatte. Da "Der lügende Detektiv" nur darauf abzielt, dass Watson seinem besten Freund das Leben rettet, ist es schon enttäuschend, dass die wichtigste Stelle auf einem völligen Zufall beruht.  

"The other one"

Sherlocks Schwester fackelt nicht lange
Foto: BBC
Besonders ernüchternd war für mich jedoch die "große Enthüllung" am Ende. Viele Zuschauer hatten ja bereits bei der ersten Erwähnung von "the other one" in der dritten Staffel vermutet, dass Sherlock und Mycroft noch einen Bruder haben. Da aber konsequent Artikel (der, die, das) vermieden wurden, war ich direkt davon überzeugt, dass es sich bei einem weiteren Geschwisterkind sicher um eine Schwester handeln würde. Dementsprechend hat mich die Einführung von Eurus Holmes überhaupt nicht überrascht. Noch offensichtlicher war jedoch ihr Auftreten als Faith Smith. Das erste, was ich mir bei ihrem Auftritt in der Baker Street dachte, war: Die sah eben anders aus! Als dann die Therapeutin das nächste Mal auftrat, fiel mir die Ähnlichkeit zu Faith Nummer 2 auf. Überrascht hat mich dann allerdings, dass sie auch noch eine weitere Persönlichkeit innehatte, nämlich Johns emotionale Affäre aus dem Bus in der ersten Folge (John zur imaginären Mary: "Wir haben uns ständig SMS geschrieben. Weißt du wann? Jedes mal wenn du den Raum verlassen hast, als du unsere Tochter versorgt hast. Wenn sie geweint hat und du sie getröstet hast. Genau dann."). Ein großes Lob an Sian Brooke, die alle Charaktere völlig unterschiedlich spielt, sodass sie wirklich nur das Aussehen, nicht aber Gestik, Mimik oder Stimme verrät. 

Fazit

Im Gegensatz zu den anderen beiden "Sherlock"-Folgen der vierten Staffel, konzentriert sich "Der lügende Detektiv" stärker auf einen Kriminalfall und Sherlocks Deduktionen. Wie in den vorherigen Jahren werden sie toll dargestellt und lebendig animiert. Ein weiterer Pluspunkt ist der geniale Auftritt von Mrs. Hudson und die witzigen Kommentare der imaginären Mary Watson ("Setz' ihm den Hut auf! (...) Er sollte wirklich mal den Hut tragen im Gedenken an mich."). Dennoch kann auch "Der lügende Detektiv" nicht an den Charme und die Stimmung der anderen Staffeln anschließen. Man lernt keines der Opfer des Bösewichts Culverton Smith kennen oder erfährt genaueres über seine Taten. So ist er eher ein schräger Charakter mit unsympathischem Lachen als ein diabolischer Mörder. Die Einführung von Eurus Holmes weckt die Neugierde auf das Staffelfinale, da sie eine deutlich beunruhigendere und charismatischere Antagonistin ist als er. Der Fokus der Folge liegt jedoch deutlich auf dem Bruch zwischen John und Sherlock. Die Art und Weise wie dieser gekittet wird, ist unnötig kompliziert und beruht auf zu vielen Zufällen. Lediglich das Gespräch der beiden am Ende wirkt ehrlich und zielführend. 


Am Sonntagabend, nach dem neuen Dresdner "Tatort - Level X", läuft das Finale der vierten "Sherlock"-Staffel "Das letzte Problem" in der ARD.
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Sonntag, 4. Juni 2017

Sherlock: Die sechs Thatchers - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -

Endlich läuft die vierte Staffel der beliebten BBC-Reihe "Sherlock" auch im deutschen Fernsehen. Wir haben uns die drei neuen Folgen angesehen.

Die vierte Staffel schließt nahtlos an die dritte an. Da das Finale allerdings schon drei Jahren her ist, hier eine kleine Erinnerung:
In "Sein letzter Schwur" verfolgt Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen). Der einflussreiche Medienunternehmer erpresst zahlreiche Menschen, mit dem Wissen, das er über sie gesammelt hat. Einer dieser Menschen ist Mary (Amanda Abbington), die Ehefrau von Sherlocks bestem Freund John Watson (Martin Freeman). Sie war früher eine Agentin und versucht nun mit ihrem alten Leben abzuschließen. Holmes lässt sich auf ein Geschäft mit Magnussen ein, doch er muss feststellen, dass der Unternehmer seine Informationen nicht in schriftlicher Form lagert. All sein gesammeltes Wissen hat er, ähnlich wie Sherlocks Gedächtnispalast, in seinem Kopf abgespeichert. Dementsprechend gibt es nur einen Weg, um Marys Geheimnis zu schützen: Sherlock erschießt Magnussen. Daraufhin schickt ihn sein Bruder Mycroft Holmes ("Sherlock"-Produzent Mark Gatiss) auf eine Mission ohne Wiederkehr nach Osteuropa. Doch wenige Minuten, nachdem das Flugzeug abgehoben hat, erscheint auf allen Bildschirmen in Großbritannien das Gesicht des toten Bösewichts Jim Moriarty (Andrew Scott), darunter die Worte "Miss Me?" Sherlock wird zurückgeholt, um sich einem weiteren Kampf mit dem intelligenten Moriarty zu stellen.

Sherlock ist wieder da - mehr oder weniger

Mary, Sherlock, Rosie und John ermitteln gemeinsam
Foto: BBC
Die vierte Staffel beginnt in einem dunklen Raum, in dem Mycroft zwei Mitgliedern der britischen Regierung und ihrer Sekretärin ein Video vorspielt. Es zeigt die Auseinandersetzung zwischen Sherlock und Magnussen. Allerdings wurde das Material manipuliert, sodass es danach aussieht, als hätte ein SEK-Beamter den Unternehmer erschossen. Die Beteiligten einigen sich darauf, diese Version zu verbreiten, um es Sherlock zu ermöglichen, problemlos mit seiner Suche nach Moriarty zu beginnen. Doch der hat zunächst wichtigere Dinge zu erledigen: Twittern (Mycroft liest vor: "'Habe wieder festen Boden unter den Füßen. Frei wie ein Vogel.' Würdest du das bitte ernst nehmen, Sherlock!"; Sherlock: "Ich nehme es ernst. Wie kommst du darauf, dass ich das nicht tue?"; Mycroft liest weiter: "#OhWhatABeautfiulMorning"). 
Nachdem Sherlock entlassen wurde, widmet er sich wieder dem Lösen von Fällen. Im Schnelldurchlauf sieht der Zuschauer verschiedene Klienten und ihre Anliegen. An dieser Stelle wird viel Potenzial verschenkt, da sich einige Szenarien wirklich spannend anhören (Wieso haben sie versucht eine Qualle zu verhaften?) und die skurrilen Krimifälle ein Markenzeichen der Serie sind. Leider gibt es in dieser Folge nur einen kleinen "Fall der Woche", der zwar eine verblüffende "Sherlock"-typische Auflösung hat, aber schon nach knapp 20 Sendeminuten abgehakt ist. Er dient lediglich als Einstieg für den übergeordneten Fall, bei dem mehrere Gipsbüsten der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher zerstört werden. Letztendlich dreht sich die Handlung jedoch um Mary Watson und ihre Vergangenheit als Agentin. Das Finale der dritten Staffel beschäftigte sich bereits mit diesem Thema, daher ist es nicht sonderlich spannend, die Geschichte in der nächsten regulären Folge direkt wiederaufleben zu lassen. Weiterhin wurde Mary bislang als äußerst fähige Killerin dargestellt. Doch in dieser Folge lässt sie sich von Sherlock auf sehr plumpe Art austricksen und auch ihr ehemaliger Kollege Ajay (Sacha Dhawan) ist dem Detektiv unterlegen. Vom Intellekt her mag das noch schlüssig sein, aber dass Sherlock dem Agenten bei einem körperlichen Kampf ebenbürtig ist, wirkt sehr unglaubwürdig. Genauso wie Marys Flucht, bei der weder klar wird, wie lange sie eigentlich weg war, noch wieso sie in das Haus geht, in dem sich auch Sherlock aufhält (Sie trägt zwar einen Peilsender bei sich, aber Holmes war vor ihr in dem Haus und der Sender zeigt nur wo sie sich aktuell befindet und nicht wo sie hingeht.). 
Sherlock und der eher träge Spürhund Toby
Foto: BBC
Es gibt jedoch auch Lichtblicke in dem sonst eher konfusen Fall. Etwa als Mary, Sherlock und John mit dem Spürhund Toby gelangweilt an einer Straßenecke stehen und darauf warten, dass er endlich eine Fährte aufnimmt. Das ist besonders witzig, weil die Szene völlig anders geplant war, aber am Set spontan umgeschrieben werden musste, da sich der Filmhund einfach nicht bewegen wollte. An dieser Stelle hat "Die sechs Thatchers" einen ähnlich sympathischen Charme wie die vorherigen Folgen.

Noch ein Watson

Rosies Paten bei ihrer Taufe - Onkel Sherlock twittert
Foto: BBC
Der Humor der ersten beiden "Sherlock"-Staffeln blitzt auch bei Geburt und Taufe von Mary und Johns Tochter Rosamund Mary Watson auf. Beispielsweise als John Sherlock mit dem Versprechen "Es gibt Kuchen!" überredet Taufpate zu werden. In der Kirche ist der Detektiv jedoch unablässig mit seinem Handy beschäftigt. Als Molly Hooper (Louise Brealey) ihn ermahnt, tippt er versteckt hinter seinem Rücken weiter (Pastor: "Liebe Taufpaten, sind Sie bereit den Eltern dieses Kindes bei Ihren Pflichten als christliche Eltern zu helfen?"; Molly und Mrs. Hudson (Una Stubbs): "Das sind wir." Molly knufft Sherlock in die Seite. Hinter seinem Rücken ertönt die mechanische Stimme von Siri: "Das habe ich leider nicht verstanden. Kannst du die Frage wiederholen?"). Die beste Reaktion kommt jedoch von Mycroft, als Sherlock ihm ein Foto der kleinen Rosie zeigt; "Warum sehe ich mir das an?"; "Das ist sie - Johns und Marys Baby."; "Oh, verstehe, ja. Wirkt sehr.... voll funktionsfähig."; "Etwas besseres fällt dir nicht ein?"; "Entschuldige, die sind noch nie so mein Fall gewesen."; "Babies?"; "Nein, Menschen." Diese Szenen zählen zu den wenigen lockeren, ansonsten ist die Folge eher düster. Sie wirkt auch gehetzt - wie beispielsweise bei Marys Flucht, die die Handlung in keinster Weise vorantreibt und in meinen Augen nur eine hektische Füllsequenz ist.
Abbington und Freeman trennten sich vor dem Dreh
Foto: BBC
Viele Zuschauer hatten bereits vor der Staffel vermutet, dass Mary sterben wird, daher ist das Ende der Folge nicht sehr überraschend. Die Umstände schon eher, denn sie verliert ihr Leben, indem sie Sherlocks rettet. Ich mag das Zusammenspiel von den beiden Charakteren sehr gerne, da Mary die einzige Person ist, der Holmes nicht ständig über den Mund fährt oder sie als dumm darstellt. Die beiden haben eine tolle Chemie - in meinen Augen viel mehr als Sherlock und John. Außerdem lockert Mary die Stimmung durch ihre bissigen Kommentare und ihre Abenteuerlust immer wieder auf. Aus diesem Grund war ich sehr enttäuscht, dass sie tatsächlich stirbt. Vor allem da die Szene für meinen Geschmack sehr melodramatisch ausfällt und die Spannung nicht halten kann. Dennoch ist Amanda Abbington eine tolle Schauspielerin und schafft es selbst in diese Szene etwas Humor hineinzubringen. 

Fazit

Dem Staffelauftakt "Die sechs Thatchers" fehlen viele Aspekte, die mir an den vorherigen "Sherlock"-Folgen gefallen haben. Anstelle einer rätselhaften Krimihandlung, werden viele Fälle angerissen und genauso schnell wieder aufgegeben. Stattdessen dreht sich wieder eine Folge um Marys Vergangenheit und Sherlocks Genialität. Auch der typische britische Humor fehlt an vielen Stellen. Weiterhin sind die bekannten und lieb gewonnenen Charaktere Molly Hooper, Mrs. Hudson und Inspektor Greg Lestrade (Rupert Graves) jeweils nur kurz zu sehen - Lestrade ist nicht einmal bei Rosies Taufe dabei. Stattdessen wird die Rolle von Mycroft ausgebaut, ohne dass der Zuschauer tatsächlich mehr über ihn erfährt (Wo er beispielsweise wohnt! Es scheint als wäre sein Zuhause ein Bunker.). Die Szenen mit Rosie und Toby sind jedoch gewohnt amüsant und die Auflösung des viel zu kurzen Mordfalls ist genauso schlicht wie clever.


Falls sich übrigens jemand fragt, was in dem Zettel stand, den Molly in Johns Auftrag an Sherlock weiterreicht: Schauspielerin Louise Brealey verriet bei der deutschen MagicCon, dass sich niemand am Set wirklich Gedanken darüber gemacht hätte und sie es daher vergessen hat.

Morgen Abend, nach dem neuen Berliner "Tatort - Amour fou", läuft die zweite "Sherlock"-Folge "Das letzte Problem". Am 11. Juni zeigt die ARD dann die dritte und letzte Episode.
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Montag, 1. Mai 2017

Fans unter sich - Ein Tag auf der MagicCon 2017

Ein Tag auf der MagicCon 2017
Vom 21. bis zum 23. April fand in Bonn die MagicCon statt. Jessi und Katrin waren am Samstag vor Ort und schildern hier ihre Eindrücke. 


"Molly. Moriarty. Du. Ich?" - diese Nachricht schickte ich Jessi Ende März. Ich konnte es kaum glauben: Die Schauspieler Louise Brealey und Andrew Scott, den meisten besser bekannt als "Dr. Molly Hooper" und "Jim Moriarty" in der BBC-Serie "Sherlock", hatten bei einer DEUTSCHEN Veranstaltung zugesagt - der MagicCon in Bonn. Eine "Convention" (kurz: Con) ist übrigens eine Versammlung von Menschen, die das gleiche Hobby oder ähnliche Interessen teilen.

Sind mir 50€ zu viel, um auf eine Con zu gehen? Generell habe ich kein Problem damit Leute aus der Ferne gut zu finden und möchte meine Lieblingsschauspieler nicht unbedingt kennen lernen. Andererseits habe ich Berichte von Cons gelesen und Videos von den coolen Panels gesehen, sodass ich mir einen Ruck gab und mitkam.

Aus zwei mach eins

Nächstes Jahr findet die 2. MagicCon statt - wieder in Bonn
Foto: Katrin Mertens
2017 wurden zwei bereits existierende Conventions, die RingCon und die HobbitCon, zusammengelegt und zur ersten MagicCon ernannt. Als Stargäste waren neben Brealey und Scott unter anderem Ian Somerhalder (Vampire Diaries, Lost), Tom Wlaschiha (Game of Thrones, Tatort) und Emilie de Ravin (Once Upon A Time, Remember Me) nach Bonn gekommen. Weiterhin standen an den drei Convention-Tagen zahlreiche Workshops und Panels auf dem Programm.

Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und machten uns am Samstagmorgen um 7 Uhr auf den Weg nach Bonn. Für Jessi war es die erste Con, für mich die zweite. Da ich bei meinem ersten Besuch allerdings als Videojournalistin professionell unterwegs war, hatte ich vom Con-Feeling nicht viel mitbekommen. Wir entschieden uns als Einsteiger nur für ein Tagesticket, da Samstag sowieso alle Programmpunkte stattfanden, die uns interessierten. Zum Beispiel das Panel mit Louise Brealey.

What it was like to kiss Benedict Cumberbatch

Panel mit Louise Brealey - Wer findet den Fehler?
Foto: Katrin Mertens
Wer ein sachliches Frage-Antwort-Spiel erwartete, der war beim ersten Panel des Tages definitiv falsch. Dass gleich die erste Publikumsfrage tief philosophisch und interpretativ war ("What is your life philosophy and what is Molly's?"), warf Brealey aus dem Konzept: "I thought you would ask me what it was like to kiss Benedict Cumberbatch." Überraschenderweise stellte im Laufe des Panels niemand diese Frage - genauso wenig wie: "Kommt eine fünfte "Sherlock"-Staffel?" Das Publikum wählte kreative Fragen und wurde mit witzigen, teils nicht ganz jugendfreien Antworten belohnt. Leider dauerten einige Promi-Panels nur 45 Minuten, was definitiv zu wenig war.

Eine Sache, die mir sehr positiv bei der Con aufgefallen ist, waren die meist sehr anständigen und respektvollen Fragen der Fans. Nachdem ich mich bei Videos von Panels manchmal schlimm fremdschämen musste, gab es bei dieser Convention kaum unangenehme Fragen, weder nach privaten Partnern noch nach dem Liebesleben der gut aussehenden Schauspielkollegen.

Abgesehen von denen der Stargäste, gab es auch noch generelle Vorträge, zum Beispiel zu den Special Effects in bestimmten Serien. Auch wenn ich "Game of Thrones" nicht verfolge, fand ich es sehr spannend zu sehen wie die Drachen animiert werden. Generell haben mich alle Panels unterhalten, auch wenn ich den prominenten Redner oder das vorgestellte Projekt nicht kannte. Der Tagesablauf und die Zeiteinteilung waren jedoch nicht ganz ideal. So fanden beispielsweise die beiden Special-Effects-Präsentationen direkt nacheinander statt und viele Workshops starteten so, dass sie zeitlich gleich in mehrere Panels hineinragten. Aus diesem Grund entschieden wir uns gegen die Teilnahme an einem Workshop und blieben die meiste Zeit des Tages im Hauptsaal, wo die Panels stattfanden. Als großes Highlight entpuppte sich dabei MoC (Master of Ceremonies) Mark Ferguson, der gut gelaunt, witzig und originell moderierte. 

Fotos am Fließband

Am späten Nachmittag sah sich Jessi die Panels von Tom Wlaschiha und den "Hobbit"-Schauspielern Adam Brown und Dean O'Gorman an, während ich mich zu einem Fotoshooting wagte. Die Reihe wartender Fans wanderte überraschend schnell vorwärts. Als ich den Anfang der Schlange erreichte, wusste ich auch wieso: Person A schnappte sich von links meine Tasche. Person B zog mich nach vorne und schubste mich auf Louise Brealey zu, die mich entschuldigend ansah. Drei Sekunden Countdown. Foto. Person A gab mir meine Tasche zurück und deutete in Richtung der Drucker. Vom Betreten des Fotostudios bis zum Erhalten des Bildes dauerte es maximal eine Minute. Positiv: Das Anstehen dauerte nicht lange und viele Fans bekamen ein Foto. Die meisten hätten wohl lieber eine längere Wartezeit in Anspruch genommen, um dafür ein bisschen weniger gehetzt auf den Fotos auszusehen. Aber hey, so wirken die Bilder authentischer. ;)

Tom Wlaschiha – mir nicht bekannt, aber sehr unterhaltsam

Moderator Mark Ferguson (l.) und Tom Wlaschiha 
Foto: Jessi Buck
Dean O'Gorman beantwortet die Fragen der Fans
Foto: Jessi Buck
Nachdem Katrin gegangen war, saß ich allein in der Menge. Morgens war ich überrascht, dass es nicht so voll war, wie ich es erwartet hatte. Im Laufe des Tages änderte sich das aber. Alle Leute waren nun in einem Saal, zumindest gefühlt. Ich hatte "Game of Thrones" in 2012 mal angefangen, kam aber nie über die erste Staffel hinaus, deshalb kannte ich Tom Wlaschiha nicht. Eigentlich blieb ich nur im Saal sitzen, um meinen guten Platz für das nächste Panel zu behalten. Es war eine gute Entscheidung. Ich weiß immer noch nicht, wen er in GoT spielt, trotzdem war sein Panel für mich eines der lustigsten und unterhaltsamsten an diesem Tag. Daher mein Tipp: Seid offen für Neues und guckt euch auch Sachen an, die ihr noch nicht kennt.  Er erzählte sehr interessante Geschichten und beantwortete die Fragen der neugierigen Fans.

Mein persönliches Highlight und einer der Gründe warum ich überhaupt gekommen war, waren Adam Brown und Dean O'Gorman. Als großer „Herr der Ringe“ und „Hobbit“ Fan, hatte ich alle Teile der Anhänge gesehen. Außerdem habe ich Videos von anderen Cons gesehen und war ich mir sicher, dass die beiden Schauspieler lustig sein werden. Sie haben mich nicht enttäuscht. Locker erzählten sie Geschichten vom Set und aus ihrem privaten Leben.

Nächstes Jahr wieder?

Der Tag auf der MagicCon ist durch die Panels mit interessanten und witzigen Leuten schnell vergangen. Auch in den Pausen war uns nie langweilig, weil es überall etwas zu gucken gab - Cosplayer in tollen Kostümen; Prominente, die ungezwungen durch die Menge schlenderten; der Tanzworkshop während der Mittagspause...
Die Termine für die zweite MagicCon stehen schon fest. Wir halten sie uns vorsichtshalber frei und hoffen auch im nächsten Jahr auf spannende, redselige Gäste und Mark Ferguson als MoC. Dann hoffentlich mit flexiblerem Programm, sodass wir auch an Workshops teilnehmen können.


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