Donnerstag, 17. Mai 2018

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen (Teil 4)

Mittlerweile gibt es nicht nur Filme fürs Kino oder Fernsehen. "Netflix" hat vor einigen Jahren ebenfalls damit begonnen, eigene Produktionen zu veröffentlichen. Das Angebot des Streaming-Anbieters beschränkt sich also nicht nur auf "Netflix Original"-Serien, sondern enthält auch eine wachsende Zahl an Filmen. Im den vorherigen Teilen (hier geht's zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3) haben wir bereits Titel wie "Little Evil", "Open House" oder "iBoy" vorgestellt und bewertet. In diesem Post folgen drei weitere. 


Kodachrome

Ein gutes, wenn auch chaotisches Trio
Foto: Netflix
Matt Ryder (Jason Sudeikis) ist Musikexperte bei einem unabhängigen Label, allerdings steht er kurz davor, seinen Job zu verlieren. Am selben Tag bekommt er Besuch von einer Frau namens Zoe (Elizabeth Olsen, Avengers: Infinity War). Sie erzählt ihm, dass sie für seinen Vater Ben (Ed Harris) arbeitet, zu dem er schon lange ein schlechtes Verhältnis hat. Doch Ben möchte seinen Sohn noch ein letztes Mal sehen, denn er ist schwer an Krebs erkrankt. Matt sträubt sich zuerst, aber letztendlich stimmt er zu. Grund dafür ist vor allem, dass er als "Gegenleistung" die Chance bekommt, die angesagte Band "Spare 7" zu treffen und für sein Label zu gewinnen. Ben hat einen besonderen Wunsch: Er besitzt aus seiner Zeit als bekannter Fotograf und Filmemacher noch einige unentwickelte Filmrollen von Kodak Kodachrome, die nur noch bei "Dwayne's Photo" in Parson, Kansas entwickelt werden können. So machen sich Matt, Ben und Zoe auf eine fünftägige Reise mit dem Auto, um Ben seinen letzten Wunsch zu erfüllen. In dieser Zeit muss sich Matt damit auseinandersetzen, dass sein Vater, für den er eigentlich nichts mehr übrig hat, bald nicht mehr da sein wird. 
Dieser Film hat mir von den Dreien, die ich hier rezensiere, am besten gefallen. Der Zuschauer kann der Geschichte gut folgen, da sie einen strukturierten Aufbau und einen roten Faden hat. Allerdings hält sie auch keine wirklichen Überraschungen bereit, obwohl ich die Idee der Reise zum letzten Laden, der die Filmrollen entwickeln kann, ganz schön finde. Es ist vor allem interessant, dass das Drehbuch von einem Zeitungsartikel mit dem Titel "For Kodachrome Fans, Road Ends at Photo Lab in Kansas" inspiriert ist. Die Handlung ist aber insgesamt wenig originell und es passiert nichts, was ich nicht habe kommen sehen. Das hat mir hier aber kaum etwas ausgemacht, da die Charaktere der vorhersehbaren Geschichte den Charme geben. Sie sind vielschichtig genug, dass es nicht langweilig wird, ihren Roadtrip zu verfolgen. Außerdem haben alle drei eine gute Dynamik und geben ein unterhaltsames Trio ab. Da es hier um einen Mann geht, der kurz vor seinem Tod steht, erwarten den Zuschauer ebenfalls ergreifende Momente. Die sind nicht überzogen, sondern wirken sehr ehrlich und glaubwürdig. In einer Szene treffen die Protagonisten auf eine Gruppe junger Fotografen, die Bens Werke kennen und bewundern. In diesem Moment blüht er richtig auf und der Zuschauer spürt, wie sehr er seine Arbeit geliebt hat. Gleichzeitig ist in seinen Augen auch eine Trauer erkennbar, so als ob er gerade verstehen würde, dass er bald nie wieder das machen kann, wofür er gebrannt hat. Generell spielt Ed Harris die Rolle des todkranken Ben sehr überzeugend. Zwischen seinem zynischen und arroganten Verhalten lässt er immer wieder seine sentimentale Seite durchblitzen, die den Zuschauer berühren kann. Der einzige kleine Störfaktor ist für mich die Liebesgeschichte. Die ist ebenfalls schon meilenweit vorher ersichtlich, aber im Gegensatz zum Rest passt sie nicht wirklich in die Handlung. Sie wird aber an der richtigen Stelle in den Hintergrund gerückt, damit der Fokus auf der Beziehung zwischen Matt und seinem Vater liegt, was mir wiederum sehr gut gefallen hat. 


The Ritual

Schaffen sie es lebend aus dem Wald?
Foto: Netflix
Die Freunde Phil (Arsher Ali), Dom (Sam Troughton), Hutch (Robert James-Collier), Luke (Rafe Spall) und Rob (Paul Reid) planen einen gemeinsamen Trip. Letzterer hat die Idee, nach Schweden zu fahren, um dort zu wandern. Die anderen haben darauf allerdings nicht wirklich Lust. Noch am selben Abend wird Rob bei einem Überfall auf einen kleinen Laden umgebracht. Luke ist dabei, allerdings versteckt er sich vor Angst und kommt seinem Freund nicht zu Hilfe. Sechs Monate nach dem tragischen Ereignis entscheiden sich die zurückgebliebenen Vier doch dafür, nach Schweden zu reisen, um Robs Wunsch zu ehren. Der entspannte Wanderurlaub entpuppt sich allerdings bald als ein wahrer Horrortrip. Die Gruppe stößt auf einen ausgenommenen Elch, der von mysteriösen Symbolen umgeben ist. Daraufhin erleben sie verstörende Ereignisse, die wie ein Albtraum erscheinen, doch sehr real sind. Irgendetwas im Wald hat es auf sie abgesehen und will nicht, dass sie entkommen. 
Dieser Film hat definitiv einen Gruselfaktor. Vor allem die Ungewissheit, was dort draußen lauert, gibt dem Zuschauer ein mulmiges und unbehagliches Gefühl. Dabei wird das düstere Setting im Wald sehr gut genutzt, um die unheimliche Stimmung zu unterstreichen. Außerdem gibt es auch detaillierte Aufnahmen der grausam zugerichteten Toten, das fängt schon bei Robs Ermordung an. Besonders abstoßend ist aber eine Leiche, die an herausstehenden Ästen eines Baums aufgespießt wurde. Hinsichtlich des Horroraspekts ist "The Ritual" also wirklich gelungen. Allerdings hapert es dafür ziemlich an der Handlung. Die ist nämlich eher langweilig. Besonders die Szenen, in denen die Gruppe nur im Wald herumläuft und diskutiert, bremsen das Tempo des Films stark aus. Das liegt daran, dass die Charaktere alle sehr eindimensional sind und oftmals wie typische Figuren aus Horrorfilmen auftreten. Besonders den Protagonisten Luke sieht der Zuschauer die meiste Zeit nur verängstigt oder verwirrt in der Gegend herum starren. Letztendlich hat das auch dafür gesorgt, dass ich nicht mit ihnen mitgefiebert habe. Ungefähr zur Hälfte der Laufzeit nimmt der Film dann auch noch eine für Horrorfilme typische Wendung. Kleiner Hinweis: Sie sind nicht die einzigen Menschen im Wald... Leider fehlen auch jegliche Erklärungen, was genau es mit irgendetwas auf sich hat. Der Zuschauer muss alles einfach so hinnehmen. Beispielsweise das Wesen, das sie im Wald verfolgt: Es existiert, aber wieso genau und was es eigentlich wirklich will, wird vollkommen im Unklaren gelassen. Genauso verwirrend bleibt die Frage, was genau es mit ihnen macht. Es attackiert sie nicht direkt, sondern dringt irgendwie in ihre Gedanken ein. Trotzdem hinterlässt es aber sichtbare Spuren, ist also doch irgendwie physisch anwesend. Zumindest habe ich mir das so erklärt. Ob das so ist, wird nie geklärt. Dadurch fehlt der ganzen Geschichte einfach eine Grundlage und sie ist nicht wirklich rund. Das alles finde ich noch merkwürdiger, weil es sich um eine Buchverfilmung handelt. Zwar habe ich den gleichnamigen Roman von Adam Nevill nicht gelesen, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er mit genauso wenigen Erläuterungen auskommt wie diese Adaption. 


The Cloverfield Paradox

Paradox ist hier so einiges
Foto: Netflix
Die Energieversorgung auf der Erde neigt sich dem Ende. Um zu verhindern, dass bald alles lahmgelegt ist, wird ein Experiment durchgeführt. Das findet an Bord einer Raumstation statt, auf der sich Ava Hamilton (Gugu Mbatha-Raw), Kiel (David Oyelowo), Ernst Schmidt (Daniel Brühl, The First Avenger: Civil War), Monk Acosta (John Ortiz), Mundy (Chris O'Dowd, The Incredible Jessica James), Tam (Zhang Ziyi) und Volkov (Aksel Hennie) befinden. Mithilfe eines sogenannten Haldron-Teilchenbeschleunigers sollen sie eine stabile Energiezufuhr erzeugen, damit diese die Erde versorgen kann. Nach jahrelangen Fehlversuchen scheint es endlich geklappt zu haben. Doch das Ergebnis ist alles andere als erfreulich, denn die Gruppe auf der Raumstation kann die Erde nicht mehr finden. Sie ist verschwunden. Es stellt sich heraus, dass sie in eine alternative Realität gebracht wurden. Plötzlich passieren vollkommen unerklärliche Ereignisse, die das Leben des Teams in Gefahr bringen. Dann taucht auch noch die mysteriöse Mina Jensen (Elizabeth Debicki) in der Raumstation auf und behauptet, Teil der Crew zu sein. Der einzige Weg in ihre eigene Realität scheint über den Teilchenbeschleuniger zu sein. Wenn sie ihn noch einmal zum Laufen kriegen, könnten sie es zurückschaffen. Wenn sie bis dahin überleben. 
Dieser Film ist der dritte Teil der "Cloverfield"-Reihe (die anderen muss man nicht kennen, da es keinen direkten Zusammenhang gibt). Interessant ist dabei, dass die ersten zwei Teile im Kino liefen. Der Starttermin für "The Cloverfield Paradox" wurde hingegen mehrmals verschoben und letztendlich statt auf der großen Leinwand nur beim Streaming-Anbieter als "Netflix Original" veröffentlicht. Nachdem ich den Film gesehen habe, ist mir auch klar, warum. Zu Beginn war ich noch ganz optimistisch, denn die Geschichte fängt vielversprechend an. Es ist sofort erkennbar, dass es sich um eine hochwertige Produktion handelt, die - allein optisch betrachtet - fürs Kino gemacht ist. Auch die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt vollkommen in Ordnung und während des Films nicht negativ aufgefallen. Da ich die vorherigen Teile nicht kenne, habe ich mir nur kurz durchgelesen, worum es grob geht. In beiden gibt es ein Monster bzw. Alien, das auf die Erde gelangt und die Menschen angreift. Daher dachte ich, dass es auch im dritten Teil um so ein Problem geht. Doch diese Fortsetzung hat eine vollkommen andere Handlung und die ist leider nicht sehr spannend oder unterhaltsam. Die meiste Zeit geht es um das Überleben der Charaktere im Weltall. Spätestens, nachdem die Raumstation in der alternativen Realität gelandet ist, wird der Film immer schlechter. Durch dieses Paradoxon gelten plötzlich vollkommen andere Regeln, die aber nirgends erklärt werden. Sprich: Hier ist alles möglich, egal wie abgedreht es ist. So gibt es eine Szene, in der ein menschlicher Arm ein Eigenleben hat und so lange gestikuliert, bis die Crew ihm einen Stift zum Schreiben gibt. Das wirkt vielmehr albern als unheimlich oder schockierend. Ich konnte keines von den merkwürdigen Ereignissen wirklich ernst nehmen, weil sie viel zu verrückt sind und nie erklärt werden. Der Film zeigt die meiste Zeit einfach nur, wie Mitglieder der Crew auf die merkwürdigsten Weisen attackiert werden oder ums Leben kommen. Der Feind ist quasi die alternative Realität, aber da nie klar wird, was überhaupt passiert, ist das nicht wirklich spannend. Der Film verliert sich in diesen Absurditäten und hat keinen wirklichen roten Faden. Besonders das letzte Drittel ist sehr wirr. Das Ende hat dann noch einen Cliffhanger, bei dem ich nur die Augen verdrehen konnte. Er kommt einfach aus dem Nichts und ist wirklich nur dafür da, um eine Geschichte für einen vierten Teil zu haben. Falls es eine Fortsetzung geben sollte, werde ich sie mir wahrscheinlich nicht anschauen. 


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