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Freitag, 22. Juni 2018

Lifelines - Rezension

Seit Beginn des Jahres zeigt RTL dienstags neue, eigenproduzierte Serien. Im Januar liefen "Sankt Maik" und "Beck is back!" an. Im April folgte dann die Anwaltsserie "Jenny - echt gerecht!". Mit "Lifelines" ist vorige Woche die vierte und letzte neue Sendung zu Ende gegangen. Ihr könnt sie aber in der Mediathek momentan noch kostenlos von Anfang an gucken. Bislang steht noch nicht fest, ob "Lifelines" verlängert wird, da die Quoten noch deutlich niedriger waren, als bei den drei anderen Serien. In unseren Augen nachvollziehbar, warum, das erfahrt ihr in dieser Rezension.

Dr. Alex Rode (Jan Hartmann) ist Arzt bei der Bundeswehr und gerade auf Heimaturlaub, als ihm ein schwer verletzter Mann buchstäblich vor die Füße fällt. Mit einem Militärhubschrauber fliegt Alex den Patienten ins Kölner Hubertus Krankenhaus. Dort erwartet den Mediziner eine unerwartete Überraschung in Form von Oberärztin Dr. Laura Seifert (Susan Hoecke). 15 Jahren zuvor hatten sich die beiden gegenseitig vor dem Altar stehen lassen. Alex freut sich riesig, seine einstige Liebe wiederzusehen, auch wenn die mittlerweile glücklich mit dem Restaurantbesitzer Richard Kirchhoff (Marc Oliver Schulze) liiert ist. Nachdem Alex auch die quirlige Assistenzärztin Dr. Carolin Diehl (Jytte-Merle Böhrnsen), den großherzigen Pfleger Elias Wadowski (Oliver Bröcker) und die schlagfertige Krankenschwester Annika Baumgartner (Tina Amon Amonsen) kennengelernt hat, entschließt er sich, eine Stelle als Chirurg im Hubertus Krankenhaus anzunehmen. Mit seinen unkonventionellen Methoden eckt Alex jedoch nicht nur bei seiner Ex-Flamme und neuen Chefin Laura, sondern auch bei Klinikleiterin Sofia Reuter (Idil Üner) an.

Unkonventionell? Eher unverantwortlich!

Alex und Laura sind nicht wirklich sympathisch
Foto: RTL
...so hat es ein Kollege von einer großen, deutschen Fernsehzeitschrift zusammengefasst, als wir uns über "Lifelines" unterhalten haben. Damit hat er absolut Recht! Prinzipiell unterscheidet sich die RTL-Serie kaum von all den anderen Medical Dramas, die es zu Dutzenden im Fernsehen gibt: Ein Team aus Ärzten und Schwestern muss sich im stressigen Klinikalltag und im noch viel stressigeren Privatleben behaupten. Dabei begegnen ihnen reihenweise Patienten mit ungewöhnlichen Krankheitsbildern und traurigen Geschichten. Dr. Rodes unkonventionelle Art soll das altbackene Genre wohl etwas auflockern. Das gelingt aber so gar nicht. Die Serie versucht dem Zuschauer weiszumachen, dass Alex ein charismatischer, lockerer Typ ist, der als einziger weit genug über den Tellerrand blickt, um wirklich etwas zu bewegen. Tatsächlich sind seine Aktionen in den meisten Fällen aber schlicht und ergreifend gefährlich, unnötig und dumm. So lässt er die junge Assistenzärztin im OP stehen, um sich stattdessen einem anderen Fall außerhalb des Klinikgeländes zu widmen. Als Dr. Diehl ihm sichtlich verängstigt sagt, dass sie diese Operation noch nie alleine durchgeführt habe, erwidert er lapidar, sie würde das schon hinkriegen. Da Rode der Serienheld ist, behält er natürlich Recht. Ein anderes Mal schickt er zwei minderjährige Risikopatienten zu seinem Bruder Tobias (Ben Blaskovic), um dort Videospiele zu spielen. Ein Faustschlag ins Gesicht als Narkoseersatz und mit offener Bisswunde selbst operieren, geht für Rode auch in Ordnung. Mal abgesehen davon, dass das natürlich völlig unrealistisch ist, wirken diese Versuche, den Mediziner als "unkonventionell" darzustellen, einfach nur verkrampft.
Sehr subtile Szene - was Alex wohl gerade denkt?
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Das liegt vor allem daran, dass er über alles erhaben ist und keine der anderen Figuren auch nur die leiseste Chance hat, ihm das Wasser zu reichen. Rodes Methoden funktionieren immer und lassen die anderen fähigen Ärzte stets langweilig und überkorrekt wirken. Dabei sind sie ebenfalls erfolgreich, nur auf weniger spektakuläre Art und Weise. Egal, was Alex tut, es muss stets extrem dramatisch sein. Das wohl deutlichste Beispiel: In der letzten Folge versucht er, rechtzeitig zum Standesamt zu kommen, um Lauras Hochzeit mit Richard zu verhindern. Auf dem Weg dorthin kommt er an einem brennenden Haus vorbei, vor dem eine weinende Frau steht, deren kleiner Sohn noch im Gebäude ist. Sofort sprintet der Mediziner ins Haus, rettet das Kind, lehnt keuchend die Hilfe der Notärztin ab und schwingt sich rußverschmiert aufs Fahrrad, um zum Standesamt zu fahren. Die ganze Sequenz ist einfach furchtbar melodramatisch und übertrieben. Außerdem ist Alex nicht einmal ein sympathischer Held. Seine Vorgänger Maik, Beck und Jenny hatten alle eins gemeinsam: Sie sind mit einer großen Portion Herz, Charme und Bauernschläue ans Ziel gekommen. Rode hat nichts von alledem. Er ist einfach von Natur aus geil und ein Gewinner. Dadurch ist er sehr eindimensional und langweilig. Sein weibliches Pendant Laura ist auch nur unwesentlich besser. Sie ist nett, intelligent und erfolgreich, aber nicht ganz so perfekt wie Alex. Mehr kann nicht wirklich über sie gesagt werden. Damit passt sie jedoch super zu ihrem Freund Richard. Der hat auch nicht wirklich Persönlichkeit. Seine einzige Lebensaufgabe scheint zu sein, für die Belegschaft der Klinik zu kochen. Das Essen bringt er dann auch gleich noch selbst vorbei und stört sich nicht daran, dass er stets sofort wieder weggeschickt wird.

Es geht auch ohne Drama und Tamtam!

Team Rot ist klasse, bitte ein Spin-Off
Foto: MG RTL D/Frank Dicks 
Leider dreht sich die Handlung von "Lifelines" größtenteils um Alex' Heldentum und das Liebesdreieck zwischen ihm, Laura und Richard. Die anderen Charaktere bekommen zwar deutlich weniger Screen Time, dafür aber auch deutlich mehr Persönlichkeit. Pfleger Elias, Schwester Annika und Assistenzärztin Carolin haben einen Charme, der den Protagonisten komplett fehlt. Da die Figuren weder dramatische Hintergrundgeschichten mit sich herumschleppen, noch zwanghaft in eine bestimmte Rolle gedrängt werden, fühlen sie sich deutlich natürlicher und lockerer an. Im Gegensatz zu den Hauptcharakteren haben sie auch mal einen witzigen Spruch auf den Lippen. Die drei sind ein bisschen verschroben und eigenwillig, das macht sie so sympathisch - vor allem im Vergleich zu den drei "perfekten" Protagonisten ohne Ecken und Kanten. Im Zusammenspiel mit ihren Kollegen wirken die sogar ein bisschen menschlicher. Annika bringt mit ihrer freundlich-ruppigen Art ein bisschen Persönlichkeit in Laura zum Vorschein und während deren Beziehung zu Alex sehr holprig wirkt, stimmt zwischen ihm und Dr. Diehl die Chemie. Sollte "Lifelines" um eine weitere Staffel verlängert werden, was angesichts der schlechten Einschaltquoten zu bezweifeln ist, wäre es ratsam, den Fokus auf die derzeitigen Nebencharaktere zu legen. Denn "Halbgötter in Weiß" sind deutlich weniger interessant als witzige, leicht verschrobene Sympathieträger.

Fazit

"Lifelines" ist eine enttäuschende Serie, was vor allem an dem unfehlbaren, allwissenden Protagonisten liegt. Ein Großteil der Sendezeit wird darauf verwendet, dem Zuschauer zu beweisen, wie grandios und einfallsreich der Mediziner ist. Tatsächlich ist er aber unglaubwürdig, verantwortungslos und langweilig. Auch die anderen beiden zentralen Figuren können aufgrund fehlenden Charmes und kaum vorhandener Persönlichkeit nicht wirklich überzeugen. Dasselbe gilt für die Handlung, die unnötig dramatisiert und ausgeschmückt wird, anstelle glaubwürdig zu erzählen. Der einzige Lichtblick sind die amüsanten und liebenswerten Nebencharaktere, die die Serie jedoch auch nicht mehr retten können.


Habt ihr "Lifelines" schon gesehen? Wenn ja: Was haltet ihr von dem unfehlbaren Arzt und seinen Kollegen? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Dienstag, 1. Mai 2018

Jenny - echt gerecht! - Rezension

Seit Beginn des Jahres zeigt RTL dienstags neue, eigenproduzierte Serien. Im Januar starteten die herrliche Verwechslungskomödie "Sankt Maik" und die stark ausbaufähige Anwaltssendung "Beck is back!". Ab April ging es dann mit "Jenny - echt gerecht!", einer zweiten Juristenserie, weiter. Da sie im Gegensatz zu den anderen Formaten in Doppelfolgen ausgestrahlt wurde, läuft heute schon das Staffelfinale. Ich habe bereits alle Episoden gesehen und werfe in dieser Rezension einen Blick auf den dritten Neustart, der - anders als seine beiden Vorgänger - bislang noch nicht verlängert wurde. Falls ihr die Serie übrigens nicht kennt, könnt ihr sie in der Mediathek momentan noch kostenlos von Anfang an gucken.

Jenny Kramer (Birte Hanusrichter) ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder und hat gerade zum wiederholten Mal ihren Job verloren. Vor Gericht kämpft sie um den Unterhalt für ihre jüngere Tochter, doch ihr Pflichtverteidiger Maximilian Mertens (August Wittgenstein, Ku'damm 59) verschläft die Verhandlung. Wütend will Jenny ihn in seinem Büro in einer schnöseligen High-Society-Kanzlei zur Rede stellen. Doch Agnes von Bergen (Isabell Polak), Tochter des Chefs und Maximilians Freundin, hält den Wirbelwind fälschlicherweise für die neue Bürohilfe. Jenny ergreift die Gelegenheit und beginnt motiviert mit der Arbeit - oder das, was sie für ihre Arbeit hält. Statt Akten zu vernichten und Kaffee zu kochen, mischt sich Jenny ununterbrochen in Maximilians Fälle ein. Durch ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn kann sie nicht eher ruhen, bis ein Täter verurteilt wird - auch wenn es sich dabei um den Mandaten der Kanzlei handelt. Das sorgt nicht nur für Streitigkeiten mit Max, sondern bringt Jenny auch gelegentlich in Lebensgefahr.

Unkonventioneller Rechtsbeistand - originell!

Nach Maik & Beck, nun Jenny
Foto: RTL
Juristen gehören zu den Berufsgruppen, die im Fernsehen omnipräsent sind - gleich nach Polizisten und Medizinern (in "Lifelines", der vierten RTL-Eigenproduktion, die ab nächster Woche läuft, wird es übrigens um ebensolche gehen). Da normaler Arbeitsalltag zu langweilig wäre, ist der Hauptcharakter stets ein engagierter Querdenker, der sich gegen seine überkorrekten Kollegen durchsetzen muss. Dasselbe Prinzip verfolgte auch "Beck is back!", davor Serien wie "Danni Lowinski" und "Suits" und bald auch "Falk" in der ARD. "Jenny - echt gerecht!" ist da nicht anders: Die hyperaktive Protagonistin setzt sich über sämtliche Kanzlei-Vorschriften hinweg und versucht mit Bauernschläue und der ein oder anderen kleinen Lüge Licht in die verhandelten Fälle zu bringen. Ihr steifer Paragraphenreiter-Chef ermahnt sie zu Beginn jeder Folge, sich nicht einzumischen und wird wütend, wenn sie von ihren Alleingängen berichtet. Letztendlich überwiegt dann aber auch sein Gerechtigkeitssinn und er unterstützt ihr Vorhaben. Die anderen in der Kanzlei sind zwar um den Ruf ihres Arbeitgebers bemüht, unternehmen aber schlussendlich nichts, da sich immer alles irgendwie zum Guten wendet. Sonderlich einfallsreich ist dieses Konzept nicht, zumal noch andere stereotype Faktoren, wie eine aufkeimende Liebelei zwischen den Hauptcharakteren und totgeschwiegene Geheimnisse in deren Vergangenheit, mit einfließen. "Jenny" nimmt jedoch glücklicherweise denselben Weg wie "Sankt Maik" und macht aus einer altbackenen, überstrapazierten Idee eine erfrischend lockere, unterhaltsame Serie mit Tendenz nach oben.
Zwischen Max (l.) & Jenny fliegen Fetzen & Funken
Foto: RTL
Das liegt vor allem an den charismatischen Protagonisten. Zugegeben, in einigen Folgen nervt Jenny zwischendurch ein bisschen - wenn sie sich mit ihrer überdrehten, naiven Art in einem Fall festbeißt, der vor Gericht eigentlich schon längst entschieden wurde. Gemeinsam mit Anwalt Mertens lernt aber auch der Zuschauer Jennys Hartnäckigkeit und ihren Gerechtigkeitssinn zu schätzen. Genau wie Hannes Beck in "Beck is back!" ist auch sie alleinerziehend, allerdings spielt die Beziehung zu ihren Töchtern eine weniger zentrale Rolle. Die bessere Chemie haben Matilda (Anna Büttner) und Kim (Zora Müller) sowieso mit Max. Die witzig-liebevollen Interaktionen zwischen dem Anwalt und den Kindern seiner Bürohilfe sind wirklich charmant. Überhaupt mochte ich ihn fast noch mehr als Jenny. Er ist zwar etwas spröde, aber genau das macht den Reiz aus. Immer wieder blitzt seine unangepasste, abenteuerlustige Seite durch. Dann lässt er sich beispielsweise zu einem illegalen Autorennen hinreißen, um mehr über einen Angeklagten herauszufinden (Jenny: "Das war ja wohl die beschissenste Idee, die Sie je hatten!" Max: "Ach ja? Das muss dann wohl an Ihrem schlechten Einfluss liegen!") oder liefert sich eine wilde Wasserschlacht mit Jenny und ihren Töchtern. Diese Diskrepanz zwischen seriösem High-Society-Anwalt und sympathischem Spielkind ist unterhaltsam. Alle anderen Charaktere sind weniger vielseitig, aber ebenfalls nicht völlig stereotypisch. Maximilians Freundin Agnes ist beispielsweise eine nette, offene Person, die sich schnell mit Jenny anfreundet. Auf die in Serien häufig zu sehende "Stutenbissigkeit" wird angenehmerweise verzichtet. Dasselbe gilt für das Klischee "Potenzieller romantischer Partner der Hauptperson hat einen unsympathischen und fiesen Lebensgefährten, sodass der Zuschauer es nicht verurteilt, sollte der potenzielle Partner mit der Hauptperson flirten".

Wenig Humor muss kein Nachteil sein!

Teilt Jenny den Schrank mit Ellen aus "Sankt Maik"?
Foto: RTL
In meiner Rezension zu "Beck is back!" habe ich bemängelt, dass die Witze zum Teil extrem überstrapaziert werden und noch klamaukiger sind als im Münsteraner "Tatort" - obwohl die Serie Themen wie Vergewaltigung und Sterbehilfe thematisiert. "Jenny - echt gerecht" behandelt meist weniger kontroverse Fälle, hat aber trotzdem einen gemäßigten Humor. Zwar ist die Protagonistin allein schon durch ihre auffällige, bunte Kleidung ein wandelnder Gag (Max: "Tragen Sie eigentlich aus Prinzip bunte Klamotten oder nur, um mich zu ärgern?" Jenny: "Beides."), ansonsten hält sich die Serie jedoch mit Slapstick zurück. Aber nicht nur damit. Generell ist "Jenny" für ein Comedy-Format überraschend wenig lustig. Spontan fällt mir keine Szene ein, in der ich herzhaft gelacht hätte. Das ist aber kein Kritikpunkt! Die ulkige Hauptfigur und ihre schräge beste Freundin Sonni (Alessija Lause) werden durch die steifen Kanzlei-Charaktere ausgeglichen. So bleibt die Sendung trotz Jennys teils übertrieben hyperaktiver Art bodenständig und kernig. Das kann über die Handlung der einzelnen Folgen leider nicht gesagt werden. Die Fälle spielen neben den persönlichen Geschichten der Protagonisten nur eine untergeordnete Rolle. Im Vergleich zu anderen Anwaltsserien sind sie außerdem recht langweilig. Bei den meisten ist früh absehbar, wer die Schuld trägt, sodass keine wirkliche Spannung oder zumindest Neugier aufkommen kann. Auch, weil von Anfang an feststeht, dass sich die quirlige Bürohilfe sowieso durchsetzen wird. Bei "Beck is back!" habe ich bemängelt, dass der Protagonist immer das Glück hat, dass seine Mandaten unschuldig sind. Beim dritten RTL-Neustart in diesem Jahr ist das nicht der Fall. Maximilian vertritt auch Klienten, die letztendlich schuldig gesprochen werden. Das ist eine angenehme Abwechslung. Ein Happy End gibt es trotzdem jedes Mal: Jenny sorgt für die Verurteilung des Täters und Kanzlei-Chef Robert von Bergen (Peter Benedict, Dark) ist schlussendlich immer irgendwie zufrieden mit der Arbeit seiner Mitarbeiter. Schön für sie. Für den Zuschauer wird das auf die Dauer langweilig. 

Fazit

"Jenny - echt gerecht!" ist mit großem Abstand die bessere der beiden neuen RTL-Anwaltsserien. Die sympathischen Hauptcharaktere ergänzen sich perfekt und scheuen nicht davor zurück, auch mal aus der Rolle zu fallen. So sorgen sie für die ein oder andere interessante Wendung. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn sich die Serie zu sehr an das altgediente Rollenkonzept halten würde - wie es leider bei den Fällen geschieht. Die sind eher dröge und schaffen es nicht, in irgendeiner Weise zu überraschen oder Spannung zu erzeugen. Stattdessen wirken sie nur wie ein Mittel zum Zweck, um den Charakteren ein gemeinsames Thema zu geben, mit dem sie sich beschäftigen können. Das ist zwar schade, fällt durch die starken Protagonisten aber nicht allzu schwer ins Gewicht. Deren humorvolle Art macht zudem einen Großteil der Comedy aus. Aufgesagte Witzchen und Slapstick gibt es fast gar nicht, wodurch die Serie nie in den Klamauk rutscht. Die Protagonistin ist nur gelegentlich etwas albern - allerdings auf charmante Art und Weise. 


Habt ihr "Jenny - echt gerecht!" schon gesehen? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Dienstag, 20. März 2018

Warum "Sankt Maik" klasse ist!

Heute Abend zeigt RTL die Staffelfinale der beiden Comedyserien "Sankt Maik" und "Beck is back!". Beide Sendungen habe ich zur "Halbzeit" (nach fünf von zehn Folgen) rezensiert - klickt oben auf die Titel, um die Kritiken zu lesen. Den chaotischen Alltag von Anwalt Beck verfolge ich mittlerweile nicht mehr, da er mich nicht gefesselt hat und der Humor zu klamaukig wurde. "Sankt Maik" konnte mich jedoch bis zum Ende begeistern. Das hat in den letzten Jahren kaum eine Serie der privaten Sender geschafft! Glücklicherweise hat RTL bereits eine zweite Staffel in Auftrag gegeben. Um das zu feiern, nehme ich die Verwechslungskomödie genauer unter die Lupe und verrate euch, was sie so besonders macht.

1. Es steckt viel Kreativität in der einfachen Grundidee

Staffel 2 kommt 2019
Foto: RTL
Der Kleinkriminelle Maik Schäfer (Daniel Donskoy) wird durch einen dummen Zufall für den neuen Pfarrer des beschaulichen Örtchens Läuterberg gehalten. Notgedrungen fügt er sich in die Rolle ein, um die wertvolle Monstranz der Gemeinde für seinen kleinen Bruder Kevin (Vincent Krüger) zu klauen. Der hat nämlich 50.000 Euro Schulden beim skrupellosen Gangsterboss Jurek (Sascha Alexander Geršak, Tatort: Der kalte Fritte). Maiks Pläne werden jedoch immer wieder von den nichtsahnenden Läuterbergern durchkreuzt. Das ist die Ausgangssituation der Serie. Als ich mir die Beschreibung das erste Mal durchgelesen habe, hat sie mich nicht vom Hocker gehauen. Ein Protagonist, der sich plötzlich in einer neuen Situation zurechtfinden muss, die in krassem Gegensatz zu seinem bisherigen Leben steht - das lässt sich auf mindestens ein Drittel aller derzeit laufenden TV-Sendungen anwenden. Die weiteren Details der Handlung sind ebenfalls wenig überraschend: Maik hilft den Gemeindemitgliedern, ohne es eigentlich zu wollen; er verliebt sich Hals über Kopf in Chorleiterin Eva (Bettina Burchard) - natürlich ist sie auch die einzige Polizistin vor Ort - und will letztendlich gar nicht mehr so dringend weg. Das ist alles ein bisschen vorhersehbar und klischeehaft - ganz besonders die Schlusssequenz in der heutigen, letzten Folge (Keine Sorge, ich werde in diesem Post nichts spoilern!). Das Autorenteam um Vivien Hoppe bringt jedoch viele kreative Kniffe und Wendungen ein. So wirkt die Handlung weder langweilig noch wie ein Abklatsch anderer Formate. Es ist beispielsweise wenig überraschend, dass Gangsterboss Jurek am Ende der Staffel nach Läuterberg kommt. Allerdings hat er nicht Maik und Kevin aufgespürt, sondern will Eva aus dem Weg räumen, die gegen ihn ermittelt. Damit haben wohl nicht viele Zuschauer gerechnet. Die Serie hat auch ein ungewöhnlich schnelles Erzähltempo. Die meisten Shows ziehen einzelne Handlungsstränge ewig in die Länge. Nicht so "Sankt Maik". Bereits am Ende von Folge fünf hat der Protagonist seine zwei großen Ziele erreicht: Die Monstranz befindet sich in seinem Besitz und Eva in seinem Bett. In den meisten anderen Sendungen hätte es für ersteres mindestens eine ganze Staffel und für letzteres vielleicht sogar mehrere gebraucht. Diese überraschenden Entwicklungen, die Raum für neue Probleme, Ziele und Konflikte schaffen, machen die Serie sehr abwechslungsreich und unterhaltsam.

2. Die liebenswerten Charaktere

In meiner "Sankt Maik"-Rezension hatte ich nur einen Punkt zu bemängeln: Dass sich die Handlung zu sehr auf den Protagonisten konzentriert und die anderen Figuren zu kurz kommen. Seitdem hat sich die Situation zumindest für Eva verbessert. In der zweiten Hälfte der Staffel ist sie zwar immer noch hauptsächlich Ablenkung für Maik, darf aber nebenher auch gegen Jurek und dem korrupten Polizisten Axel Haar (Tobias van Dieken) ermitteln. Eva ist mein Lieblingscharakter, da sie sich trotz Strafversetzung, anhänglichem Pfarrer, anstrengender Schwester und tuschelnder Dorfbewohner nicht von ihrem noblen Ziel abbringen lässt, dem toten Unbekannten aus dem Zug einen Namen zu geben. Sie ist intelligent, engagiert und hat ihren eigenen Kopf - eine tolle Abwechslung zu den üblichen weiblichen Hauptpersonen in Serien, die meist dem Klischee des intriganten Biests, des süßen Dummchens oder der heißen Sexbombe entsprechen (Einer der Gründe, wieso ich "Beck is back!" nicht bis zum Ende verfolgt habe.). Das gilt auch für die anderen Charaktere, wie Evas Ex-Verlobten Sven (Michael Raphael Klein), der nicht nachtragend, sondern nett, unaufdringlich und charmant ist. Oder auch ihre Schwester Ellen (Marie Burchard), die ein bisschen tussig wirkt, das Herz aber am rechten Fleck hat und deutlich cleverer ist, als es im ersten Moment erscheinen mag. Da sie nicht den üblichen Stereotypen entsprechen, sind die Figuren immer wieder für eine Überraschung gut, was der Handlung zusätzlich Schwung gibt. Durch ihre trockenen, amüsanten Sprüche und ihre tolle Chemie untereinander, sind mir die Hauptcharaktere schnell ans Herz gewachsen.

3. Der ungezwungene Humor

Evas (r.) Gesichtsausdruck sagt schon alles
Foto: Screenshot
Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie gut mir der Witz der Serie gefällt. "Sankt Maik" ist eins der ganz wenigen Comedy-Formate, bei denen ich herzlich gelacht habe. Das liegt vor allem daran, dass die Autoren auf übertriebene, erzwungene Gags verzichten und sich stattdessen auf Situationskomik und das Talent ihrer Schauspieler verlassen. Deren nüchterne Vortragsweise ist wirklich großartig und holt selbst aus dem dümmsten Witz das Beste heraus. In einer Folge feiert Ellen beispielsweise ihren Junggesellinnenabschied - mit überdrehten Freundinnen, Karaoke, albernen Verkleidungen und Lebensmitteln in Penisform. Eine Szene, in der ich normalerweise die Augen verdrehen würde. Mit Eva, die das Ganze auch idiotisch findet und mit gezwungenem Lächeln am Rand sitzt, gibt es jedoch einen Charakter, der die Situation erdet und sie nicht zu albern werden lässt. Die Witze fühlen sich in den meisten Szenen sehr natürlich an - als hätten sie nicht im Drehbuch gestanden, sondern wären spontan entstanden. In meinen Augen ist das die beste Art von Humor.

4. Ernste Themen, ohne ernst zu sein

Suizid, Abtreibung, Homosexualität... "Sankt Maik" scheut nicht vor ernsten, kontroversen Themen zurück. Das ist an sich schon ein großer Pluspunkt. Die Umsetzung ist aber umso besser, denn die Angelegenheiten werden sehr feinfühlig und wertfrei angegangen. Der Zuschauer hat die Möglichkeit, sich selbst ein Bild vom Seelenleben der Charaktere zu machen, da sich die Serie die Zeit nimmt, die Figuren und ihre Konflikte vorzustellen. Dabei sind die Episodenhandlungen zum Teil auch Metaphern für die folgenübergreifenden Geschichten. So muss sich Maik mit einem kleinen Jungen auseinandersetzen, der die Monstranz geklaut hat, die der Kleinkriminelle eigentlich selbst stehlen wollte. In einer anderen Folge tröstet er eine junge Frau, die von ganz Läuterberg gemieden wird, weil sie Pornos dreht - auf der anderen Seite versteht er nicht, wieso Eva keine Beziehung mit ihm, einem katholischen Pfarrer, anfangen will. Besonders gelungen ist jedoch das Zusammenspiel zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, da sich beides nicht im Weg steht, sondern ergänzt. Die Autoren verzichten in seriösen Szenen vollständig auf Witz, wodurch die Problematiken umso intensiver und realistischer wirken. Andererseits werden sie aber nie so krass oder betrüblich dargestellt, dass es den Spaß an der Comedy-Handlung mindern würde. Jede Folge hat ihre ganz eigene Mischung aus Humor und Seriosität. Das macht die Serie umso abwechslungsreicher. 

5. Die ungewöhnliche Musikauswahl

Pfarrer Riemer (l.) tanzt betrunken zum Queen-Song
Foto: RTL 
Klar, jede TV-Sendung hat einen eigenen Soundtrack, der extra für sie geschrieben wurde. Außerdem dudelt bei Partyszenen manchmal ein aktueller Chartstürmer im Hintergrund. Auch in dieser Hinsicht setzt sich "Sankt Maik" von den meisten anderen Serien ab. In jeder Folge werden gleich mehrere Hits unüberhörbar laut gespielt. Ehrlich gesagt: In den meisten Fällen passt der Song - meiner Meinung nach - nicht so wirklich zur Situation, aber genau das mag ich. In jeder anderen Show würde eine Kussszene vermutlich mit süßlichem Geklimper oder einem Liebeslied unterlegt werden, bei "Sankt Maik" hat man sich für "Don't stop me now" von Queen entschieden. Noch ein Beispiel für den tollen Humor, der die Serie ausmacht. Außerdem gebe ich schon aus Prinzip Pluspunkte für jedes verwendete Queen-Lied und in den zehn Episoden habe ich insgesamt drei gezählt. Meine Playlist ist jedenfalls um einige Nummern länger geworden, seit ich der Geschichte um den falschen Pfarrer folge. 


Was ich mir für Staffel 2 wünsche

Jetzt wisst ihr, warum ich "Sankt Maik" richtig gut finde. Daher hoffe ich wirklich, dass die zweite Staffel nahtlos an die erste anschließen wird - sowohl bei der Geschichte als auch der Qualität. Ein paar kleine Wünsche habe ich jedenfalls...

  • Lena (Laura Maria Heid) ist wieder mit dabei. Von allen Episodencharakteren mochte ich sie wegen ihres Humors und ihrer Schlagfertigkeit mit Abstand am liebsten. Außerdem ist sie die einzige, mit der Maik halbwegs offen reden kann, da sie zumindest zum Teil über sein "geheimes Leben" Bescheid weiß. Ein Gespräch zwischen ihr und Eva wäre sicher auch interessant.
  • Eva darf mehr und regelmäßiger Polizistin sein. Ihre stärksten Szenen sind die, in denen sie recherchiert und ermittelt. Das Finale der ersten Staffel gibt ihr ja einen wirklich, wirklich guten Grund auch persönlich Rache an den Berliner Kriminellen nehmen zu wollen. Daher wäre es mehr als schade, wenn sie wieder nur in ein paar Folgen ein bisschen telefonieren dürfte. Also gerne eine Krimi-Haupthandlung für Eva!
  • Und mehr Screentime für ihre Schwester. Ellen ist super witzig und die passiv-aggressiven Unterhaltungen zwischen ihr und Eva sind klasse. Ich war wirklich enttäuscht, dass sie in den letzten beiden Folgen nicht dabei war. Es wäre eine große Verschwendung, wenn Ellen in der zweiten Staffel nicht häufiger zu sehen wäre. 
  • Dasselbe gilt für Maria (Susi Banzhaf) und Sven.
  • Mehr Ausflüge. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Serie nur im Setting von Läuterberg funktioniert, aber die Folge, die in Berlin spielt, hat mir letztendlich mit am besten gefallen. Also her mit den Chorfahrten!
  • Erst einmal kein Happy End für Maik und Eva. Es ist wirklich deutlich lustiger, wenn sich die beiden gegenseitig ärgern.
  • Wer ein paar meiner Rezensionen gelesen hat, der weiß, dass ich ungeklärte Fragen so gar nicht mag. Daher hoffe ich, dass die zweite Staffel vor allem einige Antworten parat hat. Zum Beispiel auf die folgenden Fragen: Wie lange dauert es, bis Maria den toten, müffelnden Jurek unter Maiks Bett findet? Was ist mit Maiks und Kevins Mutter geschehen? Wo sind Evas und Ellens Eltern (bei der Hochzeit waren sie jedenfalls nicht)? Was hat Maiks Narbe zu bedeuten, die in der Pilotfolge so demonstrativ gezeigt wurde? Was hat zu Evas Strafversetzung geführt? Warum hat sie die Verlobung mit Sven gelöst? Warum hat Eva in jeder Szene dieselbe Kette an (okay, das ist etwas weit hergeholt, aber da Maiks Kette eine besondere Bedeutung für ihn hat, ist es bei Eva vielleicht dasselbe)? Was ist mit dem Hund aus Folge 5 geschehen? Wieso sah das Pfarrhaus in der Folge nach dem Brand wieder intakt aus? Wer ist der Vater von Freddy (hatte Maria vielleicht auch was mit einem Pfarrer)?


Was gefällt euch an "Sankt Maik" und was wünscht ihr euch für die zweite Staffel? Schreibt es gerne in die Kommentare. Klickt hier, um die Rezension der ersten fünf Folgen zu lesen.

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Freitag, 23. Februar 2018

Beck is back! - Rezension

Seit Ende Januar zeigt RTL dienstags zwei eigenproduzierte Comedy-Serien. Auf "Sankt Maik" sind wir bereits in einem früheren Post eingegangen (hier geht es zu unserer Rezension). Nun geht es um "Beck is back!". Normalerweise rezensieren wir ausschließlich vollständige Staffeln, weil man nie sicher sein kann, ob die Folgen nicht qualitativ signifikant ab- oder zunehmen. Da RTL die Episoden allerdings nur 30 Tage nach Ausstrahlung gratis zur Verfügung stellt, haben wir uns entschlossen, eine Ausnahme zu machen und schon nach der ersten Hälfte der Staffel eine Kritik zu schreiben. Falls ihr die Serie also nicht kennt, könnt ihr sie momentan noch kostenlos von Anfang an gucken

Hannes Beck (Bert Tischendorf) hat zwar Jura studiert und beide Staatsexamen bestanden, aber nie als Anwalt gearbeitet. Stattdessen ist er glücklicher Hausmann und kümmert sich um seine vier Kinder Lena (Deborah Schneidermann), Luca (Louis Christiansen), Oskar (Oskar Weiss) und Emma (Jolina Uhrig), während seine Ehefrau Kirsten (Annika Ernst, ermittelt dienstags zeitgleich bei Sat.1 als Kommissarin in "Einstein") Karriere macht. Durch eine missglückte Überraschung erfährt Hannes, dass ihn seine Liebste mit ihrem Kollegen, dem Staatsanwalt Marius Wachta (René Steinke, Pastewka), betrügt. Der gehörnte Ehemann zieht mit allen vier Kindern in eine eigene Wohnung und beschließt, wieder arbeiten zu gehen. Als Pflichtverteidiger vertritt er nun Mandanten, die sich keinen Rechtsbeistand leisten können. Ernüchtert muss der frischgebackene Single jedoch feststellen: Seine Jura-Kenntnisse sind mittlerweile veraltet und ihm ist die fehlende Praxis deutlich anzumerken. Da trifft es sich gut, dass seine neue Putzfrau Jasmina Božic (Andreja Schneider) in ihrer Heimat Kroatien als Richterin gearbeitet hat. Fortan unterstützt sie Beck als Anwaltsgehilfin. Als erste Amtshandlung organisiert sie ihrem neuen Chef ein eigenes Büro - in der Abstellkammer eines Schnellimbisses.


- Die Rezension bezieht sich ausschließlich auf die ersten fünf "Beck is back!"-Folgen -

Tolle Protagonisten in dröger Handlung

Jasmina ist der nicht-so-heimliche Star der Serie
Foto: RTL
Vier Jahre ist es her, dass Danni Lowinski in der gleichnamigen Sat.1-Serie an einem Klapptisch gesessen und ihre Rechtsberatung für einen Euro pro Minute angeboten hat. Mit Hannes Beck gibt es nun wieder einen Anwalt, der für das Recht der kleinen Leute kämpft. Immerhin hat er es leichter als Danni: Durch Ehefrau und Studium kennt er bereits einige seiner neuen Kollegen und muss auch nicht um Mandanten kämpfen, da sie ihm vom Gericht zugeteilt werden. Dabei hat er stets großes Glück, denn seine Klienten sind grundsätzlich entweder unschuldig oder waren nicht in vollem Umfang am Verbrechen beteiligt. So gewinnt der Berufseinsteiger einen Fall nach dem anderen. Schön für ihn, langweilig für den Zuschauer, da die Folgen dadurch nicht wirklich spannend sind. Interessant sind lediglich Becks und Jasminas unorthodoxe Methoden, den Tathergang zu rekonstruieren. Die letztendliche Aufklärung ist dann nur eine Formsache, da bereits zu Beginn klar ist, dass der Mandant sowieso auf freiem Fuß bleibt. Das ist besonders schade, da Hannes Pflichtverteidiger im Bereich Strafrecht ist und damit die schweren Verbrechen wie Mord, Totschlag und Entführung betreut. Es gäbe dementsprechend viele Möglichkeiten, wie die Fälle ausgehen könnten, leider werden sie verschenkt. Während es bei den Fällen noch hapert, ist die persönliche Geschichte des Protagonisten deutlich interessanter.
Hannes (2.v.r.) bringt Familie & Job unter einen Hut
Foto: MG RTL D/Conny Klein
Hannes ist ein vielschichtiger, moderner Charakter, wie man ihn ihm Fernsehen noch viel zu selten findet. Er hat sich gegen die Karriere und für seine Kinder entschieden, ist mit der Wahl aber nie unzufrieden gewesen. Plötzlich muss er sich und vier Sprösslinge alleine ernähren, dazu noch Jasmina bezahlen. Dennoch will er von seiner Exfrau nicht mehr als den gesetzlich geregelten Unterhalt und den Rest selbst verdienen. Hausfrauen, die nach der Untreue ihres Mannes mit den Kindern alleine dastehen, gab es im Fernsehen schon häufiger. Die umgekehrte Rollenverteilung ist eine willkommene Abwechslung, vor allem da nicht auf ihr herumgeritten wird. Zwar bekommt Hannes zu Beginn ein paar schiefe Blicke, doch im Großen und Ganzen werden er als Vollblut-Papa und Kirsten als Karrierefrau von ihrem Umfeld akzeptiert. Selten habe ich familiäre Szenen gesehen, die so natürlich und ungezwungen wirken, wie die zwischen Hannes und seinen Kindern. Das liegt vor allem an Hauptdarsteller Bert Tischendorf. Er spielt seine Rolle als Vater so überzeugend, als würde es sich bei der Rasselbande tatsächlich um seine eigenen Sprösslinge handeln. Die tolle Chemie und der lockere Umgang zwischen ihm und den Nachwuchsschauspielern ist eine von zwei großen Stärken der Serie. Die andere ist Jasmina. Die kroatische Ex-Richterin ist mit ihrer sympathischen, resoluten Art und ihrem Charme das Highlight jeder Folge. Ihre spontanen Undercover-Einsätze sind sehr amüsant und hätten ein eigenes Spin-Off verdient. Obwohl die Figur aufgedreht und leicht überzeichnet ist, bewahrt sie sich trotzdem eine gewisse Bodenständigkeit, die vielen anderen Charakteren leider fehlt.

Verliebte Barbie trifft auf Klischee-Bösewicht 

Susanne (l.) und Wachta (r.) sind eindimensional
Foto: RTL
Zwei Negativbeispiele sind Kirstens neuer Freund, der Staatsanwalt Marius Wachta und Susanne (Julia Dietze), Becks Flamme aus Studienzeiten. Letztere ist schlicht und ergreifend langweilig. Ihre einzige Funktion ist es, das Objekt von Hannes' Begierde zu sein. Mit verträumter Stimme und glasigem Blick läuft sie durchs Gericht und wirkt beim besten Willen nicht wie eine erfolgreiche Familienanwältin. Die Rolle ist sehr unausgereift - als sei sie in letzter Sekunde ins Drehbuch geschrieben worden, um eine romantische Nebenhandlung zu erzwingen. Susanne hat nicht wirklich viel Persönlichkeit und über ihr Leben außerhalb der Schwärmerei für Beck erfährt der Zuschauer nur sehr wenig. Staatsanwalt Wachta ist sogar noch simpler und eindimensionaler. Er tut nichts anderes, als Beck vor Gericht das Leben schwer zu machen und den Fall schließlich kolossal zu verlieren. Eigentlich kann man ihn nur als Karikatur bezeichnen, da er sich einfach nicht wie eine echte Person verhält. Bei Gerichtsverhandlungen erinnert er Beck stets daran, dass er mit dessen Frau schläft. Seine hämischen Kommentare sind in keinster Weise lustig, sondern einfach nur dumm und platt. Damit der Zuschauer versteht, dass die Sprüche eigentlich amüsant sein sollten, lacht der Staatsanwalt selbst übertrieben laut und künstlich. In einer Szene wiegt er sich dabei vor und zurück - als sei er der Bösewicht in einem Kinderfilm. Für eine Comedy-Serie ist "Beck is back!" tatsächlich nicht sehr lustig. Die Stellen, an denen ich herzhaft gelacht habe, kann ich an einer Hand abzählen. Das ist nicht unbedingt schlecht, da die Sendung viele ernste Themen, wie beispielsweise Vergewaltigung, behandelt und Humor in diesen Szenen fehl am Platz wäre. Leider gibt es jedoch viele Versuche amüsant zu sein, die mehr oder weniger scheitern. Wachta und seine peinlichen Sprüche sind ein Beispiel. Ein anderes sind die ewigen Running Gags, die schnell langweilig werden. So wird gefühlt in jeder Episode ein halbes Dutzend Mal darüber gewitzelt, dass Beck und Jasmina nach Grillhähnchen riechen. Außerdem bricht Hannes in jeder Folge nachts in ein Schwimmbad ein und zerreißt sich dabei seine Kleidung. Nach der fünften oder sechsten Wiederholung ist der Humor einfach ausgelutscht. Situationskomik wie bei "Sankt Maik" gibt es leider auch nur begrenzt - die meisten Szenen bei "Beck is back!" eignen sich wegen der ernsten Themen einfach nicht dafür. Auch hier ist Jasmina ein Lichtblick. Sie schafft es, selbst die vermeintlich alltäglichste oder tiefgründigste Situation durch eine witzige Anmerkung oder eine kecke Bemerkung in Richtung Hannes aufzulockern.

Fazit - nach fünf von zehn Folgen

"Beck is back!" ist die schwächere der beiden neuen RTL-Eigenproduktionen am Dienstag. Das liegt vor allem an den einseitigen, überzeichneten Nebencharakteren. Den meisten von ihnen fehlt es an Substanz und Glaubwürdigkeit, sodass es für den Zuschauer schwierig ist, eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Außerdem will der teils sehr platte und simple Humor der Serie nicht zu den ernsten Themen passen, um die es im Strafgericht geht. Die persönliche Geschichte der titelgebenden Hauptfigur und die Beziehung zu seinen Mitarbeitern und seinen Kindern sind deutlich bodenständiger. Die besten Szenen sind mit Abstand die, in denen sich die beiden vielschichtigen und ungewöhnlichen Protagonisten Paroli bieten. Während sich "Sankt Maik" zu sehr auf seinen Hauptcharakter und zu wenig auf das Ensemble konzentriert, ist es bei "Beck is back!" genau umgekehrt. Hier wäre es wünschenswert, einige Nebenfiguren zu streichen und den Fokus stattdessen stärker auf Beck, seine Familie und seine Mitarbeiter zu legen.


Habt ihr "Beck is back!" schon gesehen? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Mittwoch, 7. Februar 2018

Sankt Maik - Rezension

Seit Ende Januar läuft bei RTL die eigenproduzierte Comedy-Serie "Sankt Maik". Normalerweise rezensieren wir ausschließlich vollständige Staffeln, weil man nie sicher sein kann, ob die Folgen nicht qualitativ signifikant ab- oder zunehmen (klickt hier für unseren Rückblick auf die gesamte Staffel). Da RTL die Episoden allerdings nur 30 Tage nach Ausstrahlung gratis zur Verfügung stellt, haben wir uns entschlossen, eine Ausnahme zu machen und schon nach der ersten Hälfte der Staffel eine Kritik zu schreiben. Falls ihr die Sendung also nicht kennt, könnt ihr sie momentan noch kostenlos von Anfang an gucken. Mittlerweile haben wir auch die zweite neue RTL-Dienstagsserie "Beck is back!" rezensiert - hier geht es zu unserem Post.

Trickbetrüger Maik Schäfer (Daniel Donskoy, Tatort: Wer jetzt allein ist) beklaut während einer Bahnreise als falscher Schaffner die Fahrgäste. Als die den Diebstahl bemerken, flieht er in ein (fast) leeres Abteil und stellt fest, dass der dort vermeintlich schlafende Pfarrer verstorben ist. Maik tauscht Schaffneruniform gegen Priestergewand und steigt mit dem Gepäck des Toten an der nächsten Haltestelle, dem beschaulichen Örtchen Läuterberg, aus. Am Bahnsteig trifft er auf Pfarr-Haushälterin Maria Böhme (Susi Banzhaf, Polizeiruf 110: In Flammen), die ihn für den neuen Gemeindeprediger hält. Maik kommt die Verwechslung gelegen: Sein kleiner Bruder Kevin (Vincent Krüger) hat 50.000 Euro Schulden beim Berliner Gangsterboss Jurek (Sascha Alexander Geršak, Tatort: Der kalte Fritte) und in der Kirche gibt es eine goldene Monstranz, die noch deutlich mehr wert ist. Es ist jedoch gar nicht so leicht, das teure Stück zu klauen. Zu allem Überfluss verliebt sich Maik auch noch in Chorleiterin Eva Hellwarth (Bettina Burchard), die hauptberuflich Polizistin ist und im Fall des unbekannten Zug-Toten ermittelt.


- Die Rezension bezieht sich ausschließlich auf die ersten fünf "Sankt Maik"-Folgen -


Du sollst Humor und Schauspieler ehren

Maik ist Pfarrer wider Willen
Foto: RTL
Verwechslungskomödien haben es meist nicht leicht, da gefühlt jedes mögliche Missverständnis schon erzählt wurde. Kaum eine Fernsehwoche vergeht, in der nicht zwei lang verloren geglaubte Zwillinge den Platz tauschen, zwei grundverschiedene Charaktere in den Körper des anderen teleportiert werden oder ein Protagonist durch einen Irrtum in einem fremden Umfeld landet. Spätestens seit "Fack Ju Göhte" (hier geht es zu unserer Rezension des dritten Teils) erfreut sich das Genre jedoch großer Beliebtheit. Das hat auch RTL erkannt. Mit "Sankt Maik" nimmt der Sender nach "Bad Cop" - die Serie ist 2017 erschienen und wurde nach einer Staffel eingestellt - die nächste Verwechslungskomödie ins Programm. Doch trotz der etwas angestaubten Idee - immerhin musste sich Whoopi Goldberg schon 1992 zum Schutz vor einem Kriminellen im Kloster verstecken - ist "Sankt Maik" überraschend frisch und kurzweilig. Das liegt vor allem an den Schauspielern. Bei Eigenproduktionen von RTL und Sat.1 sind meist immer wieder dieselben Gesichter zu sehen. In diesem Fall glücklicherweise nicht. Das Ensemble ist jung und hat noch nicht sämtliche deutschen Serieninstitutionen durch - obwohl es jedem für die weitere Karriere zu wünschen ist. Denn die Hauptdarsteller sind klasse und harmonieren sehr gut miteinander. Mit ihrer herrlich unverkrampften und selbstironischen Spielweise verleihen sie selbst dem altbackensten Witz noch einen gewissen Charme. Glücklicherweise ist das nur selten nötig. Ich bin eigentlich überhaupt kein Fan von Komödien, weil der Humor in den meisten Fällen erzwungen wirkt und irgendwann in den Klamauk abrutscht. "Sankt Maik" hat mich jedoch positiv überrascht. 
Ein Schluck Messwein beruhigt die Nerven
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Die Serie lebt von ihrer Situationskomik, denn Maik verzichtet darauf, sich über das Priesteramt oder die katholische Kirche zu informieren und improvisiert stattdessen ("Wer, wenn nicht wir, sollten als gute Christen vorangehen und leben was Jesus und... die anderen, die hier im Buch stehen [greift nach der Bibel], gepredigt haben? Liebe deinen Nächsten!"). Schauspieler Daniel Donskoy gehen die pseudo-religiösen Sprüche so locker und selbstverständlich über die Lippen, dass man als Zuschauer nachvollziehen kann, wieso keines der Gemeindemitglieder den falschen Pfarrer durchschaut. Dabei sollten ihn einige amüsante Running Gags eigentlich verraten: Er trägt beispielsweise konsequent schmuddelige, weiße Sneaker zum Priestergewand und ist wohl der einzige in Nordrhein-Westfalen, der seine Mitmenschen mit "Grüß Gott" begrüßt. Headautorin Vivien Hoppe hat den Spagat vollbracht, eine Komödie zu schreiben, die sich mit der Kirche beschäftigt, ohne dabei Witze auf Kosten der Religion zu machen. Die einzige kleine, rebellische Ausnahme ist eine Szene, in der Maik genüsslich das Tabernakel ableckt. Um zu verhindern, dass die Serie so gar keine Ecken und Kanten hat, gibt es einen Aspekt, der mir persönlich wirklich gut gefällt: die ernsten Momente. Zu seinen eigenen Gunsten hilft Maik den Gemeindemitgliedern mit ihren irdischen Problemen - darunter Simone (Teresa Rizos), die über eine Abtreibung nachdenkt und Freddy (Frederik Bott), der sich nach einer Leukämie-Diagnose umbringen will. In diesen Momenten verzichten die Drehbuchautoren weitestgehend auf Humor und lassen die Charaktere ganz sachlich miteinander reden. Es ist leider selten, dass sich Komödien trauen, nicht von der ersten bis zur letzten Minute durchweg lustig zu sein, sondern auch bewusst Dinge thematisieren, die man nicht humorvoll erzählen kann. In dieser Hinsicht besonders gelungen ist die Folge über die ungewollt schwangere Simone. Die Handlung bringt nicht nur eine andere Seite des sonst tendenziell eher egoistischen und neckischen Maiks zum Vorschein, sondern geht das Thema feinfühlig an, ohne dabei Stellung zu beziehen (Maria: "Also wenn eine Frau schwanger ist - gewollt oder ungewollt - dann gibt es nur eine einzige Sache, die man zu ihr sagen hat: 'Du alleine entscheidest, ob du das Kind bekommen willst oder nicht.'").

Du sollst keine anderen Götter neben Maik haben

Eva hat in Läuterberg praktisch nichts zu tun
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Ein wichtiger Aspekt bleibt bei all dem Humor und den ernsten Themen leider etwas auf der Strecke: das bereits erwähnte tolle Ensemble. Wie in der ebenfalls Ende Januar gestarteten 8. Staffel "Pastewka" (hier geht es zu unserer Rezension), liegt der Fokus auch bei "Sankt Maik" klar auf dem Protagonisten, die anderen Hauptfiguren sind schmückendes Beiwerk. Immerhin ist Maik im Gegensatz zu Pastewka ein witziger und sympathischer Charakter, der sich nicht bewusst in den Vordergrund drängt. Doch das Drehbuch konzentriert sich so sehr auf ihn, dass neben seinem Job als Pfarrer, seinen Versuchen die Monstranz zu stehlen und der Episodengeschichte nicht mehr viel Zeit für die anderen Figuren übrig ist. So bleiben sie relativ blass und eindimensional. Evas herrlich schräge, überzogene Schwester Ellen (Marie Burchard, auch im wahren Leben die Schwester von Eva-Darstellerin Bettina Burchard) zum Beispiel. Sie ist sehr unterhaltsam, darf aber nicht viel mehr machen, als in Minirock und auf High Heels über das Läuterberger Kopfsteinpflaster zu staksen und sich in die Liebesangelegenheiten ihrer Mitmenschen einzumischen. Besonders schade ist es um zwei Figuren: Polizistin Eva und Haushälterin Maria. Letztere schleicht sich mit ihrer toughen, liebevollen und freundlichen Art schnell in die Herzen der Zuschauer. Sie schaut beziehungsweise hört auch mal weg, wenn sich Maik nicht gerade wie ein Bilderbuch-Pfarrer verhält. Daher wäre es wirklich spannend mehr über sie zu erfahren - mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn sie insgeheim ahnt, dass sie keinen echten Mann der Kirche bemuttert. Eva ist derweil eigentlich die weibliche Hauptrolle, ab der dritten Folge hat sie jedoch nicht viel mehr Screen Time als einige der Statisten. Während ihrer kurzen Auftritte ist sie dann meist nur das Ziel von Maiks sehr direkten Flirts (Eva (nachdem sie beim Backwettbewerb über den gemeinsamen Kuss gesprochen haben): "Wollen Sie nicht Ihre Wertung für die Torte eintragen?" Maik: "Ich weiß auch so was mir schmeckt, Frau Hellwarth."). Zu Beginn der Serie, als Eva noch aktiv im Fall der unbekannten Leiche im Zug ermittelt hat, war ihre Rolle deutlich vielseitiger und spannender. In der bislang besten Szene der Sendung versucht sie heimlich Fingerabdrücke von Maik zu nehmen, doch der bemerkt ihr Vorhaben und versucht es zu verhindern. Die Sequenz ist dynamisch und unglaublich witzig, was vor allem aus dem tollen, gleichberechtigten Schlagabtausch der beiden Charaktere resultiert. Maik ist sehr unterhaltsam, aber wirklich grandios wird er erst im Zusammenspiel mit einem ebenbürtigen Gegner.

Fazit - nach fünf von zehn Folgen

"Sankt Maik" ist eine kurzweilige Serie, die vor allem durch ihren lockeren, ungezwungenen Humor aus den aktuellen deutschen Produktionen heraussticht. Außergewöhnlich sind zudem die ernsten Themen, die der komödiantischen Handlung keinen Abbruch tun, aber trotzdem sachlich und feinfühlig angegangen werden. Auch die Darsteller überzeugen durch ihr ungezwungenes, selbstironisches Spiel. Das Herzstück der Sendung ist jedoch der sympathische Protagonist, mit dem sich der Zuschauer durch seine vielschichtige Art schnell identifizieren kann. Die anderen Charaktere bleiben aufgrund mangelnder Screen Time noch relativ farblos. Hier ist zu hoffen, dass ihre vielversprechenden Hintergrundgeschichten und Fähigkeiten in zukünftigen Folgen intensiver beleuchtet werden.


Pünktlich zum Staffelfinale haben wir einen zweiten Post zu "Sankt Maik" veröffentlicht, in dem wir darauf eingehen, warum wir die Serie so toll finden und was wir uns für die zweite Staffel wünschen - den findet ihr hier.

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