Mittwoch, 14. Februar 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 5)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" legen wir daher besonders Wert darauf, die vorzustellen, die nicht mit großen Werbeplakaten in allen deutschen Städten beworben werden. In den vergangenen drei Teilen  haben wir bereits über zahlreiche Sendungen wie "Paranoid", "Berlin Station", "Greenhouse Academy" und "Travelers" gesprochen (hier kommt ihr zu allen bisherigen Beiträgen - auch zum Thema Filme). Heute geht es um drei neue Serien. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen. 

An dieser Stelle gehe ich auf Sendungen ein, die "Netflix" selbst als "Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle englischsprachigen Serien in der Originalversion angesehen habe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Alias Grace

Grace ist seit rund 15 Jahren in Haft
Foto: Netflix
Die Mini-Serie "Alias Grace" basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Margaret Atwood, die auch die Vorlage zur mehrfach Emmy-prämierten Serie "The Handmaid's Tale" geschrieben hat. Der Roman beruht wiederum auf der realen Geschichte um Grace Marks. Das junge Dienstmädchen wurde 1843 im Alter von 15 Jahren des Mordes an ihrem Hausherren schuldig gesprochen. Zuerst sollte sie gehängt werden, dann wurde ihre Strafe in eine lebenslange Haft umgewandelt. Zu Beginn der Serie sitzt Grace (Sarah Gadon) bereits seit rund 15 Jahren im Gefängnis. Ihre Verteidiger wollen sie begnadigen lassen, dafür bitten sie den jungen Psychologen Dr. Simon Jordan (Edward Holcroft) um ein positives Gutachten. Die Verurteilte behauptet jedoch, keine Erinnerungen an die Stunden zu haben, in denen ihr Herr Thomas Kinnear (Paul Gross) und seine Haushälterin Nancy Montgomery (Anna Paquin) ermordet wurden. Dr. Jordan will die Wahrheit herausfinden und lässt Grace ihre Geschichte erzählen: Von dem Moment an, wo sie im Alter von 12 Jahren mit ihrer Familie in Irland ein Schiff nach Kanada nahm, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie gemeinsam mit ihrem verurteilten Komplizen James McDermott (Kerr Logan) vom Grund ihres toten Herren floh. Dr. Jordan gerät dabei immer mehr in den Bann der  vermeintlichen Mörderin und ihrer Geschichte.

Mary (2.v.l.) war Graces (3.v.l.) einzige Freundin
Foto: Netflix
"Alias Grace" ist definitiv keine Serie, die man nebenher beim Essen guckt und bei der man zwischendurch auch mal eine Pause einlegt. Die Erzählweise ist so fesselnd, dass die sechs Folgen wie im Flug vergehen. Dabei ist die Handlung nicht einmal extrem spannend, doch durch die fantastische Musik und die realistisch wirkende Atmosphäre wird der Zuschauer sofort in den Bahn der Geschichte gesogen. Das liegt vor allem an den beiden Hauptcharakteren. Grace erscheint auf den ersten Blick genügsam, naiv und auch ein wenig einfältig. Man verfolgt ihre Erzählungen und erfährt dabei, was sie in ihrem Leben schon alles ertragen musste - die furchtbare Übersiedlung nach Kanada in einem viel zu kleinen Schiff, auf dem ihre Mutter starb; die übergriffigen Avancen einiger Männer - darunter ihr eigener Vater und der Tod von Graces Freundin Mary Whitney (Rebecca Liddiard), die eine illegale Abtreibung nicht überlebte. Einige dieser Szenen wirken so realistisch, dass es fast wehtut, sie anzusehen. Die Serie zeigt schonungslos, wie die Situation einer jungen, mittellosen Frau im 19. Jahrhundert ausgesehen hat, ohne dabei auf extreme Schockeffekte oder Melodramatik zu setzen. Im krassen Gegensatz dazu steht Dr. Jordan: Ein gut aussehender, erfolgreicher Mann aus reichem Hause, der sich noch nie mit solchen Problemen auseinandersetzen musste. Er kommentiert Graces Geschichte zwar so gut wie gar nicht, doch anhand seiner Miene erkennt der Zuschauer, wie sie ihn berührt und schockiert.
Dr. Jordan ist nicht sicher, ob Grace schuldig ist
Foto: Netflix
Die beiden Hauptdarsteller sind die ganz große Stärke der Serie. Sarah Gadon und Edward Holcroft stellen ihre Rollen mit so einer zwanglosen Selbstverständlichkeit dar, als habe man sie aus dem 19. Jahrhundert importiert. Das Besondere ist, wie ruhig und unaufgeregt sie die meiste Zeit über wirken. Trotz der bedrückenden Themen und der teils beunruhigenden Geschichte spielen beide sehr minimalistisch. Mimik und kleine Gesten reichen, um dem Zuschauer einen umfassenden Einblick in das Seelenleben der beiden Figuren zu geben. Die Momente, in denen Grace und Dr. Jordan so emotional aufgewühlt sind, dass sie aus ihrer bisherigen Rolle fallen, sind sogar noch überzeugender. In der letzten Folge zeigen beide eine ganz andere Seite an sich, was wirklich verstörend mit anzusehen ist, da es sich so anfühlt, als wäre der Zuschauer von den beiden Charakteren die ganze Zeit belogen worden. Besonders Sarah Gadon legt in diesen Szenen einen Emmy-würdigen Auftritt hin. Sie schafft es Grace so fremd darzustellen, dass es scheint, als sei das schüchterne, naive Mädchen komplett ausgelöscht worden. Sogar ihre Stimme klingt völlig anders. Ich habe tatsächlich erst in der letzten Folge realisiert, dass die Schauspielerin keine Irin ist, sondern den Akzent die ganze Zeit über imitiert hat. Die echte Grace Marks wurde nach knapp 30 Jahren begnadigt und freigelassen - danach verlor sich ihre Spur. Da niemals geklärt wurde, welche Rolle sie genau im Mordfall gespielt hat, folgt die Serie dem Ende des Buches. Es ist im Vergleich zum Rest der Sendung ein wenig enttäuschend - legt allerdings die Steilvorlage für die oben angesprochenen spannenden Brüche in den Charakteren.


Retribution

Opfer oder Täter, das ist die Frage
Foto: Netflix
Die schottische Mini-Serie "One of Us" wurde 2016 in der BBC ausgestrahlt. Anfang 2018 folgte die internationale Veröffentlichung als "Netflix Original" unter dem neuen Titel "Retribution". Darum geht's: Die beiden Kindheitsfreunde Adam Elliot (Jeremy Neumark Jones) und Grace Douglas (Kate Bracken) wurden nur zwei Wochen nach ihrer Hochzeit brutal ermordet. Die Polizisten Juliet Wallace (Laura Fraser) und Andrew Barker (Steve Evets) finden in dem mental instabilen Junkie Lee Walsh (Owen Whitelaw) schnell einen Hauptverdächtigen. Der ist derweil unterwegs zu den weit abgelegenen Höfen der beiden trauernden Familien. Vor Ort kommt er mit seinem geklauten Wagen von der Straße ab. Adams Mutter Louise (Juliet Stevenson), seine Schwester Claire (Joanna Vanderham), sein Bruder Rob (Joe Dempsie) und dessen Freundin Anna (Georgina Campbell) retten den Schwerverletzten. Als sie Hilfe bei Graces Eltern Bill (John Lynch) und Moria (Julie Graham) suchen, sehen sie im Fernsehen einen Suchaufruf und erkennen Walsh. Die beiden Familien sperren den vermeintlichen Mörder ihrer Kinder in einem alten Zwinger ein. Am nächsten Morgen ist dem Mann die Kehle durchgeschnitten worden. Wer hat ihn auf dem Gewissen und was ist in der Nacht, als Grace und Adam starben, wirklich passiert?

Einer von ihnen hat den Mörder ermordet. Wer?
Foto: Netflix
"Retribution" hat zwei zentrale Handlungsstränge. Der eine ist die Mordermittlung der Polizisten Wallace und Barker. Deren Weg kreuzt sich später mit dem Weg der anderen Geschichte, dem verzweifelten Versuch der beiden Familien mit dem Geschehenen fertig zu werden und ihren eigenen Mord an Walsh zu vertuschen. Es gibt nicht viele Nebenschauplätze, Effekte oder andere ablenkende Elemente. Die Serie wird praktisch ausschließlich von den vielschichtigen Charakteren getragen. Jeder macht während der gerade einmal vier Folgen eine Wandlung durch. Zu keinem Punkt kann sich der Zuschauer sicher sein, dass er die Figuren tatsächlich kennt. Das erzeugt eine prickelnde Spannung, die die Geschichte noch düsterer und melancholischer erscheinen lässt, als sie sowieso schon ist. Die tollen Schauspieler verstärken diesen Effekt noch. Blass, praktisch ungeschminkt und kraftlos schleppen sie sich durch die Handlung - sie stellen die tiefe Trauer, den Schock über die Begegnung mit dem Mörder und die Angst, entdeckt zu werden, sehr realistisch dar. Ganz besonderes Lob gilt hier Juliet Stevenson, die für ihre Rolle als beste Schauspielerin für den schottischen BAFTA Award nominiert wurde. Sie spielt die Mutter des ermordeten Adams auf der einen Seite herzzerreißend, auf der anderen aber auch voller Tatendrang und Stärke.
Claire will als Einzige ehrlich zur Polizei sein
Foto: Netflix
Damit steht sie sinnbildlich für die ganze Serie, denn die lebt von dem Zwiespalt zwischen Opfer und Täter: Lee Walsh zum Beispiel, der zwar vermutlich für die Morde an Adam und Grace verantwortlich ist, aber selbst schwer verletzt eingesperrt und getötet wurde. Die einzige Geschichte, die in diesem Zusammenhang aus dem Rahmen fällt, ist die von Polizistin Juliet Wallace. Einerseits ist sie eine toughe, rechtschaffene Ermittlerin, andererseits verkauft sie Drogen, um die experimentelle Krebstherapie ihrer Tochter Maddy (Isis Hainsworth) zu bezahlen. Diese Nebenhandlung wirkt sehr melodramatisch und an den Haaren herbeigezogen, da dem Zuschauer der Hintergrund fehlt, um nachvollziehen zu können, wieso niemand Wallace auf die Schliche kommt und wie es ihr dabei geht. Durch die platte Erzählweise und die Gefühlsduselei  passt dieser unnötige Nebenschauplatz nicht zum Rest der Serie. Die einzige vergleichbar schlechte Stelle ist das Ende. Der Zuschauer erfährt, zusammen mit den meisten Charakteren, warum Grace und Adam sterben mussten. Die Erklärung ist jedoch extrem hanebüchen, lässt viele Fragen offen und ist eher schlechtes Drama als Thriller. Auf das Gesamtbild bezogen, ist die Auflösung doch irgendwie stimmig, denn sie zeigt, wie sinnlos die Morde eigentlich waren. Obwohl das Paar schon von Beginn der Serie an tot ist, leidet der Zuschauer dank des fantastischen Einstiegs in der ersten Folge dennoch mit ihnen: Adam erzählt auf der Hochzeit seine und Graces Liebesgeschichte - begleitet von alten Homevideos, auf denen die beiden als Kleinkinder, Teenies und Studenten zu sehen sind. Das Paar und seine Gäste lachen und feiern ausgelassen. Dann zoomt die Kamera nach hinten und es wird klar, dass es sich bei den Bildern um das Hochzeitsvideo handelt, das gerade über den Fernseher flimmert. Davor liegen die blutüberströmten Leichen von Grace und Adam.


Glacé

Wer steckt hinter den Morden?
Foto: M6
Die französische Mini-Serie "Glacé" basiert auf dem gleichnamigen Buch des Autoren Bernard Minier und wurde vom Fernsehsender M6 produziert. Seit dem 1. Januar ist sie als "Netflix Original" international verfügbar. Die Handlung beginnt wenige Tage vor Weihnachten: In den verschneiten Pyrenäen wird die kopflose Leiche eines Pferdes gefunden. Es gehörte dem einflussreichen Geschäftsmann Eric Lombard (Robert Plagnol). Da der Fall somit eine gewisse Brisanz hat, wird die lokale Polizeichefin Irène Ziegler (Julia Piaton) vom erfahrenen Kommissar Martin Servaz (Charles Berling) aus Toulouse unterstützt. In einer kleinen Kapelle finden die beiden den Kopf des toten Tieres und in dessen Blut die Haare des verurteilten Frauenmörders Julian Hirtmann (Pascal Greggory). Servaz hatte seinen einstigen Freund vor einigen Jahren überführt. Der Killer sitzt allerdings in einer geschlossenen Psychiatrie und kann das Pferd nicht getötet haben. Wenige Tage später wird eine weitere Leiche gefunden - diesmal eine menschliche. Es ist nicht die Letzte. Die Ermittler vermuten, dass einer der psychiatrischen Mitarbeiter im Auftrag von Hirtmann mordet. Wer hätte ein Motiv?

Hochachtung für das Drehteam bei so einem Wetter!
Foto: Netflix
Genau wie "Retribution" zieht auch "Glacé" einen Großteil der Spannung aus der düsteren Atmosphäre. Die Serie beginnt auf einem Berg, der so tief verschneit ist, dass das Kamerabild keine zehn Meter weicht reicht. Der rustikale, kühle Stil, der sich beispielsweise auch in der Musikauswahl widerspiegelt, lässt die ganze Szenerie unheimlich wirken. Zumindest in den ersten zwei Folgen, in denen die beiden Ermittler durch die kühle Landschaft fahren und Verdächtige befragen. Hier erinnert "Glacé" an die (deutlich bessere) "Netflix"-Serie "The Killing". In den weiteren Episoden kommen allerdings so viele zusätzliche Charaktere und Nebenhandlungen dazu, dass die Geschichte immer mehr verwässert. Dadurch kann auch die spannende, bedrohliche Stimmung nicht aufrecht erhalten werden. Gegen Ende wirkt die Serie sehr abgehackt. Ein paar Minuten ist der Fokus auf einer Figur, im nächsten Moment auf einer anderen... Das gute Zusammenspiel der Hauptpersonen geht immer mehr verloren, da sie sich praktisch gar nicht mehr begegnen. Jede der gefühlt zwanzig Personen ist alleine unterwegs und macht irgendetwas. Anstelle die einzelnen Handlungen intensiver zu begleiten, sodass der Zuschauer die Situation und die Charaktere besser kennenlernt, versucht Regisseur Laurent Herbiet möglichst viele unterschiedliche Ansichten in jeder Folge zu zeigen, wodurch die Geschichte immer hektischer wird. Wer da noch den Überblick behalten will, sollte nebenher nichts anderes machen.
Der Stil des Vorspanns & die Symbolik sind grandios
Foto: Screenshot
Lohnen tut sich diese Aufmerksamkeit aber nicht. Wie schon die anderen beiden Serien auf dieser Liste, hat auch "Glacé" ein schwaches Ende. Bei "Alias Grace" und "Retribution" fand ich das schade, weil ich Anteil an den Figuren und der Handlung genommen habe. Beim französischen "Netflix"-Original war es mir relativ egal, da die Charaktere so einseitig und distanziert sind, dass es nicht wirklich möglich ist, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Letztendlich ist die Auflösung überhaupt nicht überraschend. Wie der Showdown aussehen wird, ist schon während der ersten Episode offensichtlich. Die Identität des Mörders geht dabei völlig unter, auch weil sich die Sendung zu wenig mit ihm und seinem Motiv beschäftigt. Das einzige, was von "Glacé" nachhaltig im Gedächtnis bleibt, ist der wunderschöne Vorspann. Dabei taucht der Zuschauer in ein Gemälde ein, wodurch die gemalten Figuren, ein Rudel Wölfe, ein Reh und eine dunkle Gestalt, wie in 3D erscheinen. Das sieht wirklich spektakulär aus und ist richtig gut gemacht. Die Musik dazu ist herrlich mysteriös und wunderlich. Das kann vom Rest der Serie leider nicht gesagt werden.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Sonntag, 11. Februar 2018

Tatort: Der kalte Fritte - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Der Weimarer Milliardär Alonzo Sassen wird nachts von einem Einbrecher umgebracht. Wenige Minuten später ist der Täter ebenfalls tot - Sassens junge Ehefrau Lollo (Ruby O. Fee, Allein gegen die Zeit) hat ihn in Notwehr erschossen. Am nächsten Morgen folgen ihr die Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ins Bordell "Chez Chériechen", wo sie vor ihrer Ehe gearbeitet hat. Betreiber des Etablissements ist Fritjof Schröder, genannt Fritte. Seiner Schwägerin Cleo (Elisabeth Baulitz) gehört ein praktisch insolventer Steinbruch, der jedoch als Standort für das geplante Goethe-Geomuseum infrage kommt. Kurz vor seinem Tod hatte Sassen allerdings angekündigt, der Stadt Weimar ein deutliches attraktiveres Stück Land für das Museum zu schenken. Haben Cleo und ihr Mann Martin (Sascha Alexander Geršak, Sankt Maik) den Mord in Auftrag gegeben, um ihren Steinbruch vor der Insolvenz zu retten?

Geistlose Gags im warmen Weimar

Finger am Abzug wäre sinnvoller
Foto: MDR
Vor nicht einmal sechs Wochen lief der letzte "Tatort" mit Dorn und Lessing. In "Der wüste Gobi" war es - trotz des Namens - noch so frostig, dass die Kommissare mit dicken Jacken in ihrem nicht beheizten Schlafzimmer bibbern mussten. "Der kalte Fritte" klingt zwar kühler, das Wetter hat sich aber so drastisch gebessert, dass Millionärswitwe Lollo im Bikini Sonne tankt. Wer also schon im Februar ein bisschen sommerliche Stimmung möchte: Auf nach Weimar! Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen aus Dresden, die sich vom Ulk-Team zum überdurchschnittlichen Gesellschaftskrimi gemausert haben, bleiben Dorn und Lessing ihrer locker-lustigen Linie treu. Den komödiantischen Höhepunkt gibt es jedoch leider schon in der ersten Szene. Petteri Salokangas (Lars Rudolph) erklärt seiner Frau am Telefon, dass sie sich keine Sorgen machen solle, er würde auf seiner Geschäftsreise natürlich keine andere Frau treffen. Wenige Momente später erfährt der Zuschauer, welcher Profession Salokangas nachgeht: Er ist Profikiller, ein sehr verzweifelter Profikiller, denn seine Liebste droht ihm mit der Trennung. Der harte Kontrast zwischen dem verzweifelt bettelnden Ehemann und dem professionellen Auftragsmörder ist wirklich amüsant. Leider ist es die einzige Szene mit dem schrägen Finnen. Danach segnet er das Zeitliche und mit ihm stirbt auch der gute Humor. Im restlichen "Tatort" sinkt das komödiantische Niveau zwar nie auf Münster-Klamauk, allerdings sind die Witze auch nicht mehr so erfrischend spröde und ungezwungen wie in den ersten Fällen des Weimarer Teams. Sie wirken verkrampft, als hätte Drehbuchautor Murmel Clausen ein paar Stunden zu lange an ihnen gefeilt (Dr. Seelenbinder (Ute Wieckhorst): "Hat drei Schüsse abbekommen - Hirn, Herz, Hoden. Vermutlich nicht in der Reihenfolge." Dorn: "H. H. H. - ein Clown?"). Dazu werden einige Running Gags unnötig in die Länge gezogen. Auch im sechsten Fall erfährt der Zuschauer beispielsweise nicht, wie der gemeinsame Sohn des Ermittlerpaares heißt. Dorn, Lessing und Kindergärtnerin Connie (Simone Müller) sprechen ausschließlich von "dem Jungen" oder "dem Zwerg". Das klingt auf die Dauer sehr seltsam und wirkt unnatürlich, vor allem da es keine Erklärung für die gestelzte Wortwahl gibt. Vielleicht hatte bislang einfach noch niemand den Mut, sich damit auseinanderzusetzen, welchen Namen Hobby-Poet Lessing und Sarkasmus-Fan Dorn für ihren Sprössling gewählt haben. Oder er hat einfach keinen, wie sein vornamenloser Vater.

Viele Verdächtige in strubbeliger Story

Lessing (r.) wohnt fast im "Chez Chériechen"
Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer
Neben dem Humor gibt es natürlich auch einen Fall zu lösen. Der ist für Weimarer Verhältnisse ungewöhnlich bodenständig. Am zweiten Weihnachtsfeiertag spielten handgestrickte Woll-Dessous, brennende Heizdecken sowie Verfolgungsjagden durch die Kanalisation eine wichtige Rolle. In "Der kalte Fritte" geht es um menschliche Konflikte und wirtschaftliche Interessen. Das Seriöse will dem Thüringer Team aber noch nicht so ganz gelingen. Die Geschichte um das Goethe-Geomuseum zieht sich. Gegen Ende wird die Handlung immer verstrickter und schlägt einen Haken nach dem anderen. Letztendlich ist der Tatablauf vor allem eins: hanebüchen - genau wie die darauffolgenden Ermittlungen. Es zweifelt beispielsweise niemand an, dass Lollo Sassen den Einbrecher wirklich in Notwehr erschossen hat. Es wird auch keine Erklärung dafür gegeben, wieso die Kommissare in einem völlig leeren Büro auf Kisten sitzen und ihre Laptops nur auf dem Fensterbrett benutzen. Statt Antworten zu liefern, konzentriert sich die Geschichte lieber auf das Bordell "Chez Chériechen" und die mehr oder weniger witzigen Dialoge, die aus dieser Konstellation entstehen (Lessing: "Du, ich weiß gar nicht, wie ich es dir sagen soll... Ich geh' jetzt in den Puff!" Dorn: "Cool, dann bestell' ich mir einen Stripper nach Hause!" Lessing: "Viel Spaß!"). Da Fritte und seine Mitarbeiter Dorn noch nicht kennen, muss sie - nach inoffiziellen Krimi-Regeln - natürlich irgendwann spontan undercover gehen. Ihr Einsatz endet in einer Fast-Vergewaltigung, die nach wenigen Minuten schon wieder vergessen ist. Ein solch sensibles und ernstes Thema aufzugreifen, nur um es dann unkommentiert abzuhaken, ist wirklich eine Schande.
Kurt Stich (3.v.l.) stellt seinen Vater (2.v.l.) vor
Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer
Eine dem Thema angemessene Ernsthaftigkeit ist allerdings nicht das einzige, was vernachlässigt wird. In "Der kalte Fritte" gibt es eine ganze Menge von Verdächtigen, die alle letztendlich doch ganz anders ticken, als es im ersten Moment scheint. Diese Wendungen kosten Zeit, sodass andere Charaktere zu kurz kommen, darunter Dorns und Lessings Kollegen, Lollo (Ruby O. Fee wirkt sehr unterfordert.) sowie Prof. Ilja Bock (Niels Bormann). Am meisten Potenzial wurde bei Udo Stich (Hermann Beyer, Dark) verschenkt. Der Vater von Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) ist nämlich die größte Wundertüte. Er ist sympathisch, wortgewandt und intelligent. Allerdings nutzt er seine Talente nicht, wie es sein Sohn glaubt, als angesehener Kunsthistoriker. Mehr möchte ich nicht verraten, da der Twist, im Gegensatz zu den restlichen in diesem "Tatort", wirklich unterhaltsam ist. Zugegeben: Die Nebenhandlung ist nicht sonderlich glaubwürdig (Als ob der "beste Bulle Thüringens" in mehreren Jahrzehnten nicht irgendwann über die Wahrheit gestolpert wäre!) und lässt mindestens genauso viele Fragen offen, wie der Mordfall. Allerdings ist Udo Stich ein interessanter, vielschichtiger Charakter, dessen Lügengeschichten deutlich unterhaltsamer sind, als die der Verdächtigen. Er ist aber leider nur in wenigen Szenen zu sehen und verschwindet für einen Großteil der Handlung. Immerhin bekommt der Weimarer Trickster, der an "Sankt Maik" erinnert, einen würdigen Abschied in der sehr amüsanten Schlussminute. 

Fazit

Im Vergleich zu den bisherigen Fällen des Ermittlerteams hat "Der kalte Fritte" einiges an Humor eingebüßt. Es gibt zwar immer noch ein Feuerwerk an Gags, doch viele wollen nicht so recht zünden. Der Schlagabtausch zwischen den Charakteren wirkt zum Teil sehr gekünstelt und verkrampft. Dasselbe gilt für die Krimihandlung. Der Fall ist deutlich bodenständiger als die vorherigen und wagt sich auch an ernstere Themen. Letztendlich hält er aber nicht konsequent an diesem Konzept fest. In der zweiten Hälfte des "Tatorts" verzettelt sich die Geschichte in zu vielen Wendungen und lässt viele Fragen unbeantwortet. Daher kommen leider auch einige vielversprechende Nebencharaktere zu kurz. Diese witzigen Figuren sind einer der Gründe, weshalb sich "Der kalte Fritte" noch auf Durchschnittsniveau bewegt. Dazu kommen grandiose Anfangs- und Schlussminuten sowie gute Darsteller.


Der "Tatort" in der nächsten Woche kommt aus Berlin und wurde während der Berlinale 2017 gedreht. In "Meta" bekommt Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) den abgetrennten Finger einer minderjährigen Prostituierten zugeschickt. Bei ihren Ermittlungen stoßen Karow und Nina Rubin (Meret Becker) auf einen Regisseur, der in seinem neusten Werk eine beunruhigend ähnliche Situation darstellt. Ist der Film sein Geständnis?

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Freitag, 9. Februar 2018

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen (Teil 3)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" legen wir besonders Wert darauf, die vorzustellen, die nicht mit großen Werbeplakaten in allen deutschen Städten beworben werden. Laura hat euch bereits einige Original Filme des Streaming-Anbieters vorgestellt - darunter "iBoy", "Little Evil" und "The Incredible Jessica James" (klickt hier für Teil 1 und hier für Teil 2). Heute rezensiere ich drei weitere Filme. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen. 


Open House

Wer oder was lauert im Haus?
Foto: Netflix
Familienvater Brian Wallace (Aaron Adams, Blindspot) wird auf einem Parkplatz angefahren und stirbt. Er hinterlässt einen hohen Schuldenberg, sodass seine Ehefrau Naomi (Piercey Dalton) mit dem gemeinsamen Sohn Logan (Dylan Minnette, Tote Mädchen lügen nicht) vorübergehend in das Ferienhaus ihrer Schwester zieht. Das riesige Domizil liegt weit abgelegen in den Bergen und soll demnächst verkauft werden. Aus diesem Grund müssen die beiden jeden Sonntag ihr neues Zuhause räumen, da die Maklerin einen Tag der offenen Tür für Interessenten veranstaltet. Bald bemerkt Logan, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht: Verschiedene Gegenstände verschwinden spurlos, tauchen an völlig anderen Stellen wieder auf, nachts blinken die Scheinwerfer des Autos und der völlig intakte Warmwasserboiler im Keller geht ständig aus. Außerdem wundert sich Naomi über das seltsame Verhalten ihrer einzigen beiden Bezugspersonen. Nachbarin Martha (Patricia Bethune) kann sich nicht an ihre eigenen Aussagen erinnern und Ladenbesitzer Chris (Sharif Atkins) schleicht um das Gebäude herum. Die Vorkommnisse werden immer unheimlicher und die Familie muss um ihr Leben fürchten.

Naomi und Logan wissen nicht, wie ihnen geschieht
Foto: Netflix
Die schön-schaurige Atmosphäre ist der einzige große Pluspunkt des Films. Das Feriendomizil von Naomis Schwester sieht nicht aus wie ein stereotypes Spukhaus, sondern wirkt freundlich und einladend. Durch den einsamen, abgelegenen Ort und die Tatsache, dass Mutter und Sohn die meiste Zeit über alleine sind, herrscht automatisch ein mulmiges Gefühl. Bis kurz vor Ende passiert bei "Open House" eigentlich nichts Schlimmes - der wahre Horror spielt sich im Kopf ab. Ein paar komische Geräusche, ein paar deplatzierte Gegenstände und schon stellt man sich als Zuschauer dieselbe Frage wie Logan: Wie potenziell gefährlich ist so eine Hausbesichtigung eigentlich? Immerhin laufen wildfremde Menschen durch die eigenen vier Wände und sind dabei nicht ständig unter Aufsicht. Der Grusel entsteht hier nicht, wie so häufig in Filmen, durch übernatürliche Phänomene, sondern durch eine allgegenwärtige Urangst: Jemand dringt in das allerheiligste ein - das eigene Zuhause. Gegen Ende des Films sieht der Zuschauer nachts eine dunkle Gestalt durch die Flure schleichen - während nur wenige Schritte entfernt einer der Charaktere friedlich schläft oder die Toilette benutzt. Die Kameraperspektiven sehen toll aus und wirken durch ihren realistischen Blickwinkel umso beunruhigender.
Man erfährt nie, was genau im Hintergrund lauerte
Foto: Netflix
Die Drehbuchautoren Matt Angel und Suzanne Coote bieten auf verschiedenen Wegen mehrere Lösungsvorschläge an, die erklären könnten, was ihm Haus geschieht. Allerdings greifen sie am Ende keinen davon auf! Das ist der Grund, weshalb "Open House" trotz der grandiosen schaurigen Atmosphäre nicht zu empfehlen ist. In den letzten 20 Minuten nimmt die Handlung signifikant an Fahrt auf, ohne dass tatsächlich etwas erzählt wird. Der "Kopfkino-Horror" wird ersetzt durch Gewalt und Verfolgungsjagden. Die sind nicht ansatzweise so spannend und gruselig, wie die ruhigeren Szenen zuvor. Der Showdown endet dann sehr abrupt und ohne eine einzige Frage zu beantworten. Der Zuschauer kann sich lediglich durch das letzte gezeigte Bild zusammenreimen, was das "Motiv" des Eindringlings ohne Gesicht war. Ansonsten bleibt die Auflösung völlig schwammig und inhaltlos. Das ist besonders enttäuschend im Hinblick auf die zahlreichen interessanten Lösungsansätze, die vorher ins Spiel gebracht wurden. Offene Enden sind prinzipiell nichts Schlimmes, doch im Fall von "Open House" wird die Handlung überhaupt nicht verknüpft. Am Schluss ist der Film nichts anderes, als eine Aneinanderreihung von Szenen mit schauriger Stimmung.


Step Sisters

Jamilah ist hin- und hergerissen
Foto: Netflix
Jamilah (Megalyn Echikunwoke) ist Präsidentin ihrer schwarzen Studentinnenverbindung und choreographiert deren Stepptanzroutinen. Außerdem arbeitet sie für den Dekan (Robert Curtis Brown) ihres Colleges und plant, nach Harvard zu gehen, wo schon ihre erfolgreichen Eltern studiert haben. Um gute Chancen für die Aufnahme an der Elite-Universität zu haben, braucht sie deren Empfehlungsschreiben. Die beiden weigern sich jedoch, ihrer Tochter zu helfen, da sie sich den Platz selbst verdienen soll. Dekan Berman hat ebenfalls in Harvard studiert und bietet an, ein gutes Wort für Jamilah einzulegen. Die Bedingung: Sie soll den Ruf einer anderen Studentinnenverbindung wiederherstellen, indem sie sie zum Sieg bei einem Stepptanzturnier führt. Allerdings besteht die Schwesternschaft fast ausschließlich aus weißen, feierwütigen Mädchen - darunter die arrogante Präsidentin Danielle (Lyndon Smith), Jamilahs Freundin Beth (Eden Sher) und die trottelige Südstaatlerin Libby (Gage Golightly). Jamilah beginnt die mehr oder weniger willige Gruppe zu trainieren, erzählt ihrer eigenen Verbindung aber nicht, dass sie die schwarze Tradition mit Weißen teilt.

Mehr Stereotyp als diese Outfits geht nicht!
Foto: Netflix
Jemand lässt ein Dutzend Tussis mit heller Haut über Menschen mit dunkler Haut lästern; ein Dutzend Tussis mit schwarzer Haut über Menschen mit weißer Haut lästern; bringt noch Stereotypen über beide Gruppen, Schwule, Nerds, Frauen und Millenials ein; garniert das Ganze mit einer Zombie-Party, Witzen über Michelle Obama, peinlichen Dialogen und viiiiiiiel Geschrei. Was kommt dabei heraus? Der "Netflix"-Film "Step Sisters". Vom Prinzip her geht die Handlung in eine wirklich spannende Richtung: kulturelle Aneignung. Allerdings findet Drehbuchautor Chuck Hayward keinen klugen Weg, mit dem Thema umzugehen. Stattdessen erfindet er eine überdrehte, laute Geschichte mit größtenteils unsympathischen Charakteren und wirft zwischendurch ein paar dramatische Worte ein. Die meisten dieser kurzen, flammenden Reden klingen wie Instagram-Bildunterschriften. Dem kontroversen und emotionalen Thema werden sie jedenfalls nicht gerecht.
Danielle (l.) & Jamilah können sich schwer einigen
Foto: Netflix
Das liegt auch daran, dass der Film generell sehr herzlos wirkt. Es gibt zwar rund zwei Dutzend Charaktere, doch kaum einer ist mehr als ein wandelndes Klischee. Viele Gefühle kommen beim Zuschauer einfach nicht an, da er die Figuren nicht wirklich kennenlernt und sie sich ihm nicht öffnen. Ein Beispiel ist Jamilahs Liebesgeschichte, die zudem völlig belanglos ist und getrost hätte weggelassen werden können: Sie ist zu Beginn des Films seit längerer Zeit mit Dane (Matt McGorry) zusammen, der weiß ist und gegen Rassismus kämpft. Irgendwann beendet die Protagonistin die Beziehung einfach und wirft ihm allerhand vor. Das ist für den Zuschauer schwer nachvollziehbar, da er Dane nur in wenigen, kurzen Szenen erlebt hat. Jamilahs weitere Liebelei endet ebenfalls in einem Drama für das es scheinbar keinen Anlass gibt. Der Film folgt generell keiner stringenten Erzählweise. Es gibt unzählige Nebenhandlungen, die später einfach nicht mehr aufgegriffen werden und Probleme, die aus dem Nichts entstehen und sich genauso schnell von selbst lösen. Schlussendlich kommt alles zu kurz: Das spannende, kontroverse Thema; die Charaktere; die Erzählung... nur die Klischees werden ausführlich und von allen Seiten beleuchtet - leider ohne Ironie.


When We First Met

Noah (r.) ist in der Friendzone
Foto: Netflix
Noah (Adam Devine) hat in der Halloween-Nacht 2014 seine große Liebe Avery (Alexandra Daddario) kennengelernt. Für ihn war es das perfekte erste Date, für sie der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Nur einen Tag später begegnete Avery ihrem Traummann Ethan (Robbie Amell), wodurch Noah nie die Chance hatte, ihr seine Gefühle zu gestehen. Drei Jahre später, auf der Verlobungsfeier der beiden, betrinkt er sich hemmungslos und landet schließlich in dem Fotoautomaten, in dem er Halloween 2014 mit Avery gewesen war. Er wirft eine Münze ein und wünscht, er könne sein damaliges Verhalten ändern. Im nächsten Moment wacht er in seinem Bett auf - am Morgen des 31. Oktobers 2014. Noah setzt nun alles daran, das Herz seiner großen Liebe zu erobern. Nach jedem Versuch wacht er wieder in der Gegenwart auf und erfährt, welche Konsequenzen seine Entscheidungen hatten. Er muss jedoch feststellen, dass er damit nicht nur sein und Averys Leben, sondern auch das von ihren besten Freunden Max (Andrew Bachelor) und Carrie (Shelley Hennig) sowie das von Ethan verändert.

Dieser Automat kann mehr, als nur Fotos machen
Foto: Netfllix
Filme über Zeitreisen und -schleifen gibt es wie Sand am Meer, dennoch ist "When We First Met" wirklich unterhaltsam. Das liegt vor allem an Hauptdarsteller Adam Devine, der in seiner Rolle aufgeht und keinerlei Scheu hat, wie ein Depp dazustehen. Noah ist ein sympathischer Charakter, der sich seiner Liebsten angenehmerweise nicht allzu sehr aufdrängt, sondern stattdessen ehrlich versucht, ihr Herz zu erobern. Was "When We First Met" von anderen, ähnlichen Filmen unterscheidet, ist die realistische Stimmung, denn es wird völlig auf unnötiges Drama verzichtet. Die Charaktere haben keine schockierenden Geheimnisse und machen sich auch nicht gegenseitig das Leben schwer. Noah ist beispielsweise neidisch auf Ethan, verhält sich ihm gegenüber aber dennoch freundlich und versucht nie, ihm Avery in der Gegenwart auszuspannen. Auf rührselige Romantik und langatmige Weisheiten - à la "Bleib dir selbst treu!" - wird ebenfalls verzichtet. 
Ob Noah als "American Dream" Erfolg hat?
Foto: Netflix
Stattdessen konzentriert sich der Film voll und ganz auf den Humor. Der ist angenehm dezent und rutscht nur vereinzelt in den Klamauk ab - beispielsweise wenn Carrie Noah mit einer Zimmerpflanze verprügelt, weil sie ihn für einen Stalker hält. Es gibt auch viele kleine, witzige Running Gags, wie Noahs wechselnde Kostümwahl. Je nachdem, wie er Avery erobern will, entscheidet er sich für eine andere Halloween-Verkleidung. Als er ihr beispielsweise beweisen will, dass er ein Softie ist, geht er als "American Dream" - in seinem Fall Pyjama und Schlafbrille im Design der amerikanischen Flagge. Die anderen Gäste auf der Party haben übrigens ähnlich kreative und witzige Kostüme, da lohnt es sich, hinzugucken. Es zahlt sich ebenfalls aus, den Film bis zum Schluss zu schauen, denn er endet nicht so, wie man es im ersten Moment glauben könnte. Drehbuchautor John Whittington setzt "When We First Met" von anderen romantischen Komödien ab und wählt nicht den offensichtlichsten Ausgang. Zugegeben, der Umschwung wirkt nicht ganz so ungezwungen und nachvollziehbar wie der Rest der Handlung, dennoch ist es schön, etwas Kreativität in einem sonst eher festgefahrenen Genre zu sehen.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Mittwoch, 7. Februar 2018

Sankt Maik - Rezension

Seit Ende Januar läuft bei RTL die eigenproduzierte Comedy-Serie "Sankt Maik". Normalerweise rezensieren wir ausschließlich vollständige Staffeln, weil man nie sicher sein kann, ob die Folgen nicht qualitativ signifikant ab- oder zunehmen (klickt hier für unseren Rückblick auf die gesamte Staffel). Da RTL die Episoden allerdings nur 30 Tage nach Ausstrahlung gratis zur Verfügung stellt, haben wir uns entschlossen, eine Ausnahme zu machen und schon nach der ersten Hälfte der Staffel eine Kritik zu schreiben. Falls ihr die Sendung also nicht kennt, könnt ihr sie momentan noch kostenlos von Anfang an gucken. Mittlerweile haben wir auch die zweite neue RTL-Dienstagsserie "Beck is back!" rezensiert - hier geht es zu unserem Post.

Trickbetrüger Maik Schäfer (Daniel Donskoy, Tatort: Wer jetzt allein ist) beklaut während einer Bahnreise als falscher Schaffner die Fahrgäste. Als die den Diebstahl bemerken, flieht er in ein (fast) leeres Abteil und stellt fest, dass der dort vermeintlich schlafende Pfarrer verstorben ist. Maik tauscht Schaffneruniform gegen Priestergewand und steigt mit dem Gepäck des Toten an der nächsten Haltestelle, dem beschaulichen Örtchen Läuterberg, aus. Am Bahnsteig trifft er auf Pfarr-Haushälterin Maria Böhme (Susi Banzhaf, Polizeiruf 110: In Flammen), die ihn für den neuen Gemeindeprediger hält. Maik kommt die Verwechslung gelegen: Sein kleiner Bruder Kevin (Vincent Krüger) hat 50.000 Euro Schulden beim Berliner Gangsterboss Jurek (Sascha Alexander Geršak, Tatort: Der kalte Fritte) und in der Kirche gibt es eine goldene Monstranz, die noch deutlich mehr wert ist. Es ist jedoch gar nicht so leicht, das teure Stück zu klauen. Zu allem Überfluss verliebt sich Maik auch noch in Chorleiterin Eva Hellwarth (Bettina Burchard), die hauptberuflich Polizistin ist und im Fall des unbekannten Zug-Toten ermittelt.


- Die Rezension bezieht sich ausschließlich auf die ersten fünf "Sankt Maik"-Folgen -


Du sollst Humor und Schauspieler ehren

Maik ist Pfarrer wider Willen
Foto: RTL
Verwechslungskomödien haben es meist nicht leicht, da gefühlt jedes mögliche Missverständnis schon erzählt wurde. Kaum eine Fernsehwoche vergeht, in der nicht zwei lang verloren geglaubte Zwillinge den Platz tauschen, zwei grundverschiedene Charaktere in den Körper des anderen teleportiert werden oder ein Protagonist durch einen Irrtum in einem fremden Umfeld landet. Spätestens seit "Fack Ju Göhte" (hier geht es zu unserer Rezension des dritten Teils) erfreut sich das Genre jedoch großer Beliebtheit. Das hat auch RTL erkannt. Mit "Sankt Maik" nimmt der Sender nach "Bad Cop" - die Serie ist 2017 erschienen und wurde nach einer Staffel eingestellt - die nächste Verwechslungskomödie ins Programm. Doch trotz der etwas angestaubten Idee - immerhin musste sich Whoopi Goldberg schon 1992 zum Schutz vor einem Kriminellen im Kloster verstecken - ist "Sankt Maik" überraschend frisch und kurzweilig. Das liegt vor allem an den Schauspielern. Bei Eigenproduktionen von RTL und Sat.1 sind meist immer wieder dieselben Gesichter zu sehen. In diesem Fall glücklicherweise nicht. Das Ensemble ist jung und hat noch nicht sämtliche deutschen Serieninstitutionen durch - obwohl es jedem für die weitere Karriere zu wünschen ist. Denn die Hauptdarsteller sind klasse und harmonieren sehr gut miteinander. Mit ihrer herrlich unverkrampften und selbstironischen Spielweise verleihen sie selbst dem altbackensten Witz noch einen gewissen Charme. Glücklicherweise ist das nur selten nötig. Ich bin eigentlich überhaupt kein Fan von Komödien, weil der Humor in den meisten Fällen erzwungen wirkt und irgendwann in den Klamauk abrutscht. "Sankt Maik" hat mich jedoch positiv überrascht. 
Ein Schluck Messwein beruhigt die Nerven
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Die Serie lebt von ihrer Situationskomik, denn Maik verzichtet darauf, sich über das Priesteramt oder die katholische Kirche zu informieren und improvisiert stattdessen ("Wer, wenn nicht wir, sollten als gute Christen vorangehen und leben was Jesus und... die anderen, die hier im Buch stehen [greift nach der Bibel], gepredigt haben? Liebe deinen Nächsten!"). Schauspieler Daniel Donskoy gehen die pseudo-religiösen Sprüche so locker und selbstverständlich über die Lippen, dass man als Zuschauer nachvollziehen kann, wieso keines der Gemeindemitglieder den falschen Pfarrer durchschaut. Dabei sollten ihn einige amüsante Running Gags eigentlich verraten: Er trägt beispielsweise konsequent schmuddelige, weiße Sneaker zum Priestergewand und ist wohl der einzige in Nordrhein-Westfalen, der seine Mitmenschen mit "Grüß Gott" begrüßt. Headautorin Vivien Hoppe hat den Spagat vollbracht, eine Komödie zu schreiben, die sich mit der Kirche beschäftigt, ohne dabei Witze auf Kosten der Religion zu machen. Die einzige kleine, rebellische Ausnahme ist eine Szene, in der Maik genüsslich das Tabernakel ableckt. Um zu verhindern, dass die Serie so gar keine Ecken und Kanten hat, gibt es einen Aspekt, der mir persönlich wirklich gut gefällt: die ernsten Momente. Zu seinen eigenen Gunsten hilft Maik den Gemeindemitgliedern mit ihren irdischen Problemen - darunter Simone (Teresa Rizos), die über eine Abtreibung nachdenkt und Freddy (Frederik Bott), der sich nach einer Leukämie-Diagnose umbringen will. In diesen Momenten verzichten die Drehbuchautoren weitestgehend auf Humor und lassen die Charaktere ganz sachlich miteinander reden. Es ist leider selten, dass sich Komödien trauen, nicht von der ersten bis zur letzten Minute durchweg lustig zu sein, sondern auch bewusst Dinge thematisieren, die man nicht humorvoll erzählen kann. In dieser Hinsicht besonders gelungen ist die Folge über die ungewollt schwangere Simone. Die Handlung bringt nicht nur eine andere Seite des sonst tendenziell eher egoistischen und neckischen Maiks zum Vorschein, sondern geht das Thema feinfühlig an, ohne dabei Stellung zu beziehen (Maria: "Also wenn eine Frau schwanger ist - gewollt oder ungewollt - dann gibt es nur eine einzige Sache, die man zu ihr sagen hat: 'Du alleine entscheidest, ob du das Kind bekommen willst oder nicht.'").

Du sollst keine anderen Götter neben Maik haben

Eva hat in Läuterberg praktisch nichts zu tun
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Ein wichtiger Aspekt bleibt bei all dem Humor und den ernsten Themen leider etwas auf der Strecke: das bereits erwähnte tolle Ensemble. Wie in der ebenfalls Ende Januar gestarteten 8. Staffel "Pastewka" (hier geht es zu unserer Rezension), liegt der Fokus auch bei "Sankt Maik" klar auf dem Protagonisten, die anderen Hauptfiguren sind schmückendes Beiwerk. Immerhin ist Maik im Gegensatz zu Pastewka ein witziger und sympathischer Charakter, der sich nicht bewusst in den Vordergrund drängt. Doch das Drehbuch konzentriert sich so sehr auf ihn, dass neben seinem Job als Pfarrer, seinen Versuchen die Monstranz zu stehlen und der Episodengeschichte nicht mehr viel Zeit für die anderen Figuren übrig ist. So bleiben sie relativ blass und eindimensional. Evas herrlich schräge, überzogene Schwester Ellen (Marie Burchard, auch im wahren Leben die Schwester von Eva-Darstellerin Bettina Burchard) zum Beispiel. Sie ist sehr unterhaltsam, darf aber nicht viel mehr machen, als in Minirock und auf High Heels über das Läuterberger Kopfsteinpflaster zu staksen und sich in die Liebesangelegenheiten ihrer Mitmenschen einzumischen. Besonders schade ist es um zwei Figuren: Polizistin Eva und Haushälterin Maria. Letztere schleicht sich mit ihrer toughen, liebevollen und freundlichen Art schnell in die Herzen der Zuschauer. Sie schaut beziehungsweise hört auch mal weg, wenn sich Maik nicht gerade wie ein Bilderbuch-Pfarrer verhält. Daher wäre es wirklich spannend mehr über sie zu erfahren - mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn sie insgeheim ahnt, dass sie keinen echten Mann der Kirche bemuttert. Eva ist derweil eigentlich die weibliche Hauptrolle, ab der dritten Folge hat sie jedoch nicht viel mehr Screen Time als einige der Statisten. Während ihrer kurzen Auftritte ist sie dann meist nur das Ziel von Maiks sehr direkten Flirts (Eva (nachdem sie beim Backwettbewerb über den gemeinsamen Kuss gesprochen haben): "Wollen Sie nicht Ihre Wertung für die Torte eintragen?" Maik: "Ich weiß auch so was mir schmeckt, Frau Hellwarth."). Zu Beginn der Serie, als Eva noch aktiv im Fall der unbekannten Leiche im Zug ermittelt hat, war ihre Rolle deutlich vielseitiger und spannender. In der bislang besten Szene der Sendung versucht sie heimlich Fingerabdrücke von Maik zu nehmen, doch der bemerkt ihr Vorhaben und versucht es zu verhindern. Die Sequenz ist dynamisch und unglaublich witzig, was vor allem aus dem tollen, gleichberechtigten Schlagabtausch der beiden Charaktere resultiert. Maik ist sehr unterhaltsam, aber wirklich grandios wird er erst im Zusammenspiel mit einem ebenbürtigen Gegner.

Fazit - nach fünf von zehn Folgen

"Sankt Maik" ist eine kurzweilige Serie, die vor allem durch ihren lockeren, ungezwungenen Humor aus den aktuellen deutschen Produktionen heraussticht. Außergewöhnlich sind zudem die ernsten Themen, die der komödiantischen Handlung keinen Abbruch tun, aber trotzdem sachlich und feinfühlig angegangen werden. Auch die Darsteller überzeugen durch ihr ungezwungenes, selbstironisches Spiel. Das Herzstück der Sendung ist jedoch der sympathische Protagonist, mit dem sich der Zuschauer durch seine vielschichtige Art schnell identifizieren kann. Die anderen Charaktere bleiben aufgrund mangelnder Screen Time noch relativ farblos. Hier ist zu hoffen, dass ihre vielversprechenden Hintergrundgeschichten und Fähigkeiten in zukünftigen Folgen intensiver beleuchtet werden.


Pünktlich zum Staffelfinale haben wir einen zweiten Post zu "Sankt Maik" veröffentlicht, in dem wir darauf eingehen, warum wir die Serie so toll finden und was wir uns für die zweite Staffel wünschen - den findet ihr hier.

Habt ihr "Sankt Maik" schon gesehen? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Sonntag, 4. Februar 2018

Tatort: Tollwut - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Vier Jahre und zwei Tage ist es her, dass Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) im "Tatort: Auf ewig Dein" den vermeintlichen Mörder seiner Frau und seiner Tochter festgenommen hat. Nun liegt plötzlich ein Brief des inhaftierten Markus Graf (Florian Bartholomäi) auf seinem Schreibtisch. Wenige Minuten später werden Faber und seine Kolleginnen Martina Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) in die Dortmunder Justizvollzuganstalt gerufen, in der auch Graf einsitzt. Ein Häftling ist an Tollwut gestorben. Jemand muss ihn gezielt infiziert haben. Für die Ermittler hat der Fall eine besondere Schwere: Ihr ehemaliger Rechtsmediziner Jonas Zander (Thomas Arnold) hat sich in seiner neuen Position als Gefängnisarzt ebenfalls mit dem Rabiesvirus angesteckt - eine Chance auf Heilung gibt es nicht. Für Faber steht fest: Graf hat die Morde eingefädelt, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Bönisch und Dalay vermuten hingegen, dass es sich um die Machenschaften eines albanischen Familienclans handelt - schnell gerät der gebürtige Albaner Nico Rattay (Rick Okon) unter Verdacht.

Chaos im Knast

Momentan nur zu dritt in Dortmund
Foto: WDR
Ein (ehemaliger) Ermittler verkündet seinen Kollegen, dass er ermordet wurde und bittet sie, den Täter zu finden. Das klingt vielleicht schräg, vollkommen neu ist das Szenario allerdings nicht. Letztes Jahr gab es eine sehr ähnliche Handlung bereits im Weimarer "Tatort: Der scheidende Schupo". Während der MDR-Krimi die Sache jedoch locker und humorvoll anging, herrscht in Dortmund der gewohnte Zynismus. Dr. Zander beendet die Diskussion um seinen Gesundheitszustand mit den knappen Worten: "Martina, ich wurde ermordet. Akzeptiere das." Die Szene, in der die Kommissare von dem baldigen Ableben ihres Freundes erfahren, ist eine der stärksten in "Tollwut". Bönisch sucht verzweifelt einen Ausweg, Dalay sagt überhaupt nichts und Faber ist bereit, den Arzt in die Ermittlungen miteinzubeziehen, was ihm den Ärger seiner Kolleginnen einbringt. Danach spielt Zander nur noch eine untergeordnete Rolle, was schade ist, da sein Schicksal noch viel Potenzial für eine aufreibende Geschichte geboten hätte. Stattdessen sind seine kurzen Auftritte meist hart an der Grenze zur Melodramatik. In einer Szene jammert er beispielsweise "Ich bin doch kein Monster!", nachdem Nora, die panische Angst vor einer Ansteckung hat, erschrocken vor seiner ausgestreckten Hand zurückgezuckt ist. Bönisch hat deutlich weniger Berührungsängste und erfüllt dem Todgeweihten seinen letzten Wunsch: einen "Mitleidsfick" (Innerhalb von 88 Minuten wird gefühlt 15 Mal betont, dass der Rabiesvirus durch Kontakt von Speichel mit Schleimhäuten übertragen wird, ob Geschlechtsverkehr auch ein Risiko darstellt, thematisiert der "Tatort" nicht. Online konnte ich dazu auch keine klare Angabe finden.). Regisseur Dror Zahavi setzt die tödliche Tollwut gekonnt in Szene: Mehrmals wird gezeigt, wie sich ein Erkrankter mit blutunterlaufenen Augen vor Schmerzen krümmt und dabei grünlichen Schaum spuckt. Der Anblick ist kaum zu ertragen. 
Die tumultartigen Szenen im Knast sind beängstigend
Foto: WDR/Thomas Kost
Generell ist die Stimmung sehr düster und beklemmend - was vor allem daran liegt, dass in einem echten, stillgelegten Gefängnis gedreht wurde. Durch die wachsende Angst vor dem "Killervirus" eskaliert die Situation gegen Ende des Krimis: Unzählige Insassen stürmen durch die Gänge, Papier brennt, Ratten wuseln durch das Chaos - das ganze Szenario ist bedrückend. Vor allem für die Ermittler, die sich in unterschiedlichen, abgeschlossenen Zellen befinden. Sie hören Schreie und Tumulte, sind aber machtlos, da sie nicht wissen, was los ist und die Türen nicht öffnen können. Diese Urangst vor dem Eingesperrtsein wird unglaublich gut dargestellt und löst auch vor den Bildschirmen Beklommenheit aus. Bei den Szenen zwischen Kommissar Faber und seinem Kontrahenten ist es genau das Gegenteil. Graf hat mir vor vier Jahren eine Gänsehaut bereitet, in "Tollwut" erscheint er eher wie ein stereotyper Cartoon-Bösewicht: Mit eingefrorener Mimik und säuselnder Stimme erzählt er von seinen Neigungen ("Ich liebe es, junge Frauen zu töten und zu vergewaltigen. Was ist daran verrückt?") und versucht den Kommissar aus der Reserve zu locken, indem er über dessen tote Tochter und die Freundschaft zu Kollegin Bönisch spricht. Letztendlich fällt das Aufeinandertreffen der Kontrahenten jedoch sehr eintönig aus, da der Zuschauer nichts Neues über sie erfährt. Die beiden reden relativ sachlich miteinander und ihre Gespräche sind zu langatmig, um eine prickelnde Atmosphäre aufzubauen. Fabers Unterhaltungen mit Dr. Zander sind beispielsweise deutlich lebendiger und erinnernswerter (Zander: "Das macht Ihnen wirklich Spaß, stimmt's? Einer Leiche beim Sterben zuzusehen." Faber: "Also wenn's Ihnen hilft, ich gehe gerne mit Ihnen saufen oder in den Puff. Meinetwegen, wenn es sein muss, auch zum BVB oder wir können zusammen weinen, Bäume umarmen, um Sie trauern...")

Team wächst zusammen, Fall fällt auseinander

Ein Team: Dalay, Faber, Bönisch und Dr. Zander (v.l.)
Foto: WDR/Thomas Kost
Genauso blutleer wie Graf ist letztendlich die Auflösung. Die grobe Richtung lässt sich früh erahnen, die Feinheiten sind dann sehr konstruiert und umständlich. Im Gegensatz zu den vorherigen Folgen aus Dortmund ist der Showdown kein spektakuläres Finale, sondern eher ein: "Oh, okay, das ist also passiert." Dabei bleiben auch viele zentrale Fragen unbeantwortet. Die wohl spannendste: In welchem Verhältnis stand der Kindermörder zu seiner Anwältin Miriam Schott (Yvonne Yung Hee Bormann)? Sie scheint ihn sehr zu mögen und hat dafür gesorgt, dass er eine Einzelzelle, Farben und Chemikalien bekommt. Es wäre spannend gewesen, mehr über Grafs Leben in den letzten vier Jahren zu erfahren, doch leider geht Drehbuchautor Jürgen Werner darauf überhaupt nicht ein. Der letztendliche Tathergang wird auch nur am Rande thematisiert und bietet nicht viel Überraschendes. Das liegt vor allem daran, dass es trotz der 600 Häftlinge kaum Verdächtige gibt. Die Handlung konzentriert sich hauptsächlich auf Nico Rattay. Für Zuschauer, die "Tatort"-Neuigkeiten in den Medien verfolgen, ist das eine sehr langatmige und unnötige falsche Fährte. Denn schon vor Monaten wurde bekannt gegeben, dass Rick Okon das Dortmunder Team demnächst unterstützen wird. Dementsprechend wird es wohl kaum jemanden überraschen, dass der gewalttätige Straftäter vielleicht doch nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Fällt Rattay aus dem Kreis der Verdächtigen heraus, bleiben nicht mehr viele Personen. Das Schicksal seines Vorgängers Daniel Kossik (Stefan Konarske) wird nur halbherzig in Gesprächen erwähnt. Klar ist, dass er mittlerweile beim LKA in Düsseldorf arbeitet. Wie schwer er nach dem vorherigen Fall "Sturm" verletzt war und ob er sich je mit seinen Dortmunder Kollegen ausgesprochen hat, bleibt offen. Obwohl die Konflikte zwischen Kossik und Faber wegfallen, ist das Team noch immer uneins. Nora wurde nun die Position des Dauernörglers aufgezwungen und sie stänkert in einer Tour gegen ihren Chef. Der ist jedoch ehrlich bemüht, seine verbleibenden Kollegen zusammenzuhalten (Faber zu Dalay über die Bombenexplosion im vorherigen Fall "Sturm": "Wissen Sie, was mir im ersten Moment am allerwichtigsten war? Dass Sie und Frau Bönisch überlebt haben! Dass wir alle überlebt haben und weitermachen können - als Team."). Es ist toll, dass sein Charakter weiterentwickelt wird und er nicht nur auf das empathielose Arschloch festgelegt ist. Hoffentlich bekommt auch sein Verhältnis zu Markus Graf eine neue Wendung, sodass diese Geschichte ebenfalls nicht stagniert.

Fazit

"Tollwut" ist ein guter "Tatort", der vor allem durch seine angespannte und beklemmende Atmosphäre punktet. Wie immer in Dortmund ist das Team grandios, da es trotz persönlicher Konflikte effizient zusammenarbeitet und einen tollen, bissigen Humor hat. Für künftige Folgen ist es außerdem vielversprechend, dass die Charaktere sich öffnen und aufeinander zugehen. Bei Außenstehenden gilt das leider nicht. Fabers Zusammenspiel mit seinem Gegenspieler Graf ist sehr oberflächlich und öde, da alte Konflikte aufgewärmt werden, anstelle neuen Schwung in die Geschichte zu bringen. Dr. Zanders Ausstieg gleitet in die Melodramatik ab, während der Einstieg des neuen Kollegen sehr undurchsichtig und lieblos ist. Obwohl es definitiv bessere Dortmunder "Tatorte" als "Tollwut" gibt, ist die Folge im Gesamtvergleich noch immer überdurchschnittlich und bestätigt wieder einmal, dass das Team um Faber zu den mit Abstand besten gehört.


Nächste Woche geht es nach Weimar. Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) stehen in "Der kalte Fritte" gleich vor zwei Leichen: Ein Milliardär wurde umgebracht, seine junge Frau hat den Täter erschossen. Die Ermittlungen führen die Kommissare unter anderem zum geplanten Goethe-Geomuseum.

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Samstag, 3. Februar 2018

Blindspot: Staffel 3, Folge 12 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Two Legendary Chums" (S03E12) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

Roman (Luke Mitchell) hat Patterson (Ashley Johnson, Spooked) ein Video zukommen lassen, in dem er ihr einen Hinweis gibt, wie sie ein weiteres Tattoo lösen kann. Es deutet auf Kurt Wellers (Sullivan Stapleton) ehemaligen FBI-Partner Donald Shipley (Darren Goldstein). Der ist gerade in einem Undercover-Auftrag unterwegs, als Kurt ihn aufsucht. Spontan nimmt er ebenfalls an der Aktion teil und gibt sich als Experte für elektromagnetische Waffen aus. Die infiltrierten Kriminellen wollen einen geheimen unterirdischen Bunker lahmlegen, von dem aus der US-amerikanische Geldtransfer überwacht wird. Auf diesem Weg ermöglichen sie es Hank Crawford (David Morse), unbemerkt Land in Marokko zu kaufen. Währenddessen versucht Tasha Zapata (Audrey Esparza) mehr über den Milliardär von der ehemaligen FBI-Direktorin Eleanor Hirst (Mary Stuart Masterson) zu erfahren. 


Meine Meinung in drei Punkten

1. Hank Crawford hängt überall mit drin

Hank Crawford (l.) durchschaut Roman nicht
Foto: Screenshot
Generell finde ich es nicht schlecht, wenn ein gemeinsamer Faktor viele einzelne Geschichten verbindet. Bei "Blindspot" wird das jedoch definitiv überstrapaziert. Crawford ist eine Schlüsselfigur in den neuen Tattoo-Fällen. Nun soll er auch noch dafür verantwortlich sein, dass Jane Does (Jaimie Alexander) Tochter Avery (Kristina Reyes) mit Roman gemeinsame Sache gemacht hat (Jane: "We don't know Avery or what she's capable of."). Ihr Adoptivvater hat sich umgebracht, nachdem der Milliardär ihn gefeuert hatte. Allerdings wurde seine Leiche nie gefunden - da "Blindspot" immer den offensichtlichsten Weg wählt, ist er entweder noch am Leben oder wurde umgebracht. Wie dem auch sei, es ist unglaubwürdig, dass alle Aspekte der Serie irgendwie miteinander in Verbindung stehen und das alles immer genauso funktioniert, wie Roman es vor der aktuellen Staffel geplant hat: Victor (Anthony Lemke) bemerkt nicht, dass sein Handy ausgetauscht wurde; Crawford weiß, einer seiner Männer hat mit dem FBI gesprochen hat und zieht seinen Plan trotzdem durch; ausgerechnet Donald Shipley wird von den Kriminellen rekrutiert... Die ganze Geschichte um Roman wirkt sehr konstruiert. In einer Szene entgegnet er Crawford: "Just doing my job." Dabei wurde er als Blakes (Tori Anderson) persönlicher Bodyguard angestellt. Das macht genauso wenig Sinn wie die Tatsache, dass der Milliardär ihm am Ende den Auftrag gibt, Jane, Weller, Tasha, Patterson und Edgar Reade (Rob Brown) umzubringen. Was soll das bitte bringen? Wenn der Assistant Director des FBI, der Kopf der Forensic Science Unit, zwei FBI-Agenten und eine CIA-Agentin, die alle am selben Fall arbeiten, plötzlich sterben, erregt das unglaublich viel Aufmerksamkeit. Anstelle die Ermittlungen gegen sich zu stoppen, würde Crawford sie nur zusätzlich anheizen.

2. Kurt ist unbesiegbar

Ebenso unglaubwürdig ist Wellers Undercover-Einsatz. Er hat zu Beginn keine Ahnung, worum es überhaupt geht, stellt den Kriminellen auffallend viele neugierige Fragen und muss innerhalb weniger Stunden lernen, eine elektromagnetische Waffe zusammenzubauen. Trotzdem wird er sofort mit auf die extrem wichtige Mission genommen, niemand prüft seine Identität oder misstraut ihm. Er und Don haben nur Pistolen, schaffen es aber dennoch, mehrere Terroristen mit Maschinengewehren umzubringen. Später ist Kurt dann alleine im Kampf gegen die verbleibenden, schwer bewaffneten Schützen - und besiegt sie mithilfe von selbstgebauten Fallen und Ästen. In der wohl lächerlichsten Szene entdecken die Kriminellen Kurts Rucksack, der unübersehbar drapiert an einem Baum liegt und denken, er habe ihn dort zurückgelassen. Sie gehen alle darauf zu, nur um von Weller überrascht zu werden und in der Tasche Zweige anstelle des wichtigen Waffenteils zu finden. So eine Situation findet man normalerweise in einem Krimi für Kinder oder in einer Komödie. In den ersten beiden Staffeln war "Blindspot" auch nicht realistisch, aber solche Spielchen und übertriebene Heldentaten gab es sonst nicht. 

3. Showdown zwischen Zapata und Hirst

Zwei starke Persönlichkeiten treffen aufeinander
Foto: Screenshot
Den einzigen Lichtblick der Folge stellt die Konfrontation zwischen Tasha und der ehemaligen FBI-Direktorin dar. Obwohl Hirst in einem dreckigen CIA-Geheimgefängnis festgehalten wird, strahlt sie noch immer einen gewissen Stolz und Eleganz aus. Beide Frauen sind eigensinnig, relativ skrupellos und loyal gegenüber ihrem Auftraggeber. Daher ist die Begegnung zwischen ihnen - in einer dunklen, wenig vertrauenerweckenden Umgebung - wirklich aufregend. Das Highlight ist definitiv die Szene, in der Hirst Tasha die Wahrheit an den Kopf wirft: Ihr Job bei der CIA ist keinen Deut besser, als für Crawford zu arbeiten (Zapata: "You crossed the line." Hirst: "When you were a rookie cop, did you ever think you would drug and interrogate a suspect without a trial, a lawyer or rights? I mean, what would you even call that? The line isn't fixed. The more you push it, the more it moves."). Die Diskussion der beiden ist die einzige wirklich spannende Szene der Folge und auch die einzige emotionale. Als Zapata den Wahrheitsgehalt des Vorwurfes erkennt, ist der Schock und die Angst in ihren Augen unübersehbar. Ich bin neugierig, wie sich dieser neue Gedanke auf ihre Arbeitsmoral auswirken wird. Leider wird dieser Handlung deutlich weniger Zeit gewidmet als den Geschichten um Kurt und Crawford, dabei ist sie viel besser geschauspielert und wirft spannendere Fragen auf (Beispielsweise: Wie hoch steht Zapata in der CIA-Rangordnung? Immerhin darf sie alleine Verhöre in einem offiziell nicht existierenden Versteck führen und dabei eine bislang nicht getestete Droge verwenden.).

Fazit

"Two Legendary Chums" ist - wie die bisherigen Folgen in diesem Jahr - passabel, aber weit abgeschlagen hinter den Episoden der ersten beiden Staffeln. Erneut wirkt die Handlung überfrachtet, da es zu viele Nebengeschichten gibt. Immerhin liegt zum ersten Mal seit einigen Wochen der Fokus nicht auf Avery oder Janes und Wellers Beziehung. Von den drei Schauplätzen ist jedoch nur einer wirklich spannend. Die anderen beiden verlieren sich in Beweihräucherungen der Hauptcharaktere und unglaubwürdigen Szenarien. Drei Protagonisten, Reade, Patterson und Jane, kommen währenddessen kaum vor und haben nicht einmal die Chance, ihre persönlichen Angelegenheiten aus der vorherigen Folge "Technology Wizards" zu regeln. Dafür, dass schon mehr als die Hälfte der Staffel vorüber ist, tritt die Episode sehr auf der Stelle.


Hinweis: Da NBC die olympischen Winterspiele überträgt, läuft die nächste Folge erst wieder am 02. März. Wundert euch also nicht, wenn für den Rest des Monats keine "Blindspot"-Rezensionen bei uns erscheinen.

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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

Roman (Luke Mitchell) sent Patterson (Ashley Johnson, Spooked) a video containing a clue how to solve another tattoo. It leads them to Kurt Weller's (Sullivan Stapleton) former FBI partner Donald Shipley (Darren Goldstein), who is currently on an undercover mission. Kurt spontaneously joins him and poses as an electromagnetic weapons expert. The infiltrated criminals want to jam an underground bunker, where the US-American money transfer is being supervised. In this way they want to make it possible for Hank Crawford (David Morse) to buy land in Morocco without being noticed. Meanwhile Tasha Zapata (Audrey Esparza) tries to get more information about the billionaire from the former FBI Director Eleanor Hirst (Mary Stuart Masterson).


My opinion in three points

1. Hank Crawford is in on everything

Crawford (l.) can't see through Roman's game
Photo: Screenshot
Generally I think it's not a bad idea to have one common factor that connects a lot of different stories. But "Blindspot" is really overstraining it. Crawford is a key character in the new tattoo cases. Now he's also supposed to be responsible that Jane Doe's (Jaimie Alexander) daughter Avery (Kristina Reyes) was working with Roman (Jane: "We don't know Avery or what she's capable of."). Her adoptive father killed himself after the billionaire fired him. However his body was never found - "Blindspot" always chooses the most obvious path, so he's either still alive or was killed. Any way it's implausible that all aspects of the series are connected somehow and that everything works out just like Roman planned it: Victor (Anthony Lemke) doesn't notice his cell phone was replaced; Crawford knows that one of his men talked to the FBI, still he pulls through with his plan; Donald Shipley of all people gets recruited by the criminals... Roman's entire story seems very artificial. In one scene he tells Crawford: "Just doing my job." And yet he was actually hired to be Blake's (Tori Anderson) personal bodyguard. That doesn't make sense, just like the fact that the billionaire eventually gives him the order to kill Jane, Weller, Tasha, Patterson and Edgar Reade (Rob Brown). What is the point of that? It would attract a lot of attention if the FBI Assistant Director, the head of the Forensic Science Unit, two FBI agents and a CIA agent, all working the same case, suddenly died. Instead of stopping the investigation against him, Crawford would encourage it.

2. Kurt is invincible

Weller's undercover operation is just as implausible. Initially he doesn't even know what it's about, he keeps asking the criminals nosy questions and has to learn within a few hours how to put together a electromagnetic weapon. Yet they immediately take him on the very important mission, no one checks his identity or distrusts him. He and Don only have pistols, but still manage to kill a bunch of terrorists with machine-guns. In the end Kurt has to fight alone against the remaining armed people - and wins by using homemade traps and branches. In the most ridiculous scene the criminals find Kurt's backpack, which is strikingly draped at the bottom of a tree and think he left it there. They go towards it, just to be attacked by Weller and realize that the bag contains branches instead of the important weapon piece. You usually find a situation like this in a crime show for kids or in a comedy. "Blindspot's" first two seasons were also not realistic, but they didn't have this kind of games or exaggerated acts of heroism.

3. Showdown between Zapata and Hirst

Two strong personalities encounter each other
Photo: Screenshot
The episode's only ray of hope is the confrontation between Tasha and the former FBI Director. Hirst is locked up at a dirty CIA black site, but she still radiates pride and elegance. Both women are headstrong, pretty ruthless and loyal to their employer. That's why their encounter - in a dark, not much confidence-inspiring location - is really thrilling. The highlight is a scene in which Hirst throws the truth at Zapata: Her job at the CIA is not one jot better than working for Crawford (Zapata: "You crossed the line." Hirst: "When you were a rookie cop, did you ever think you would drug and interrogate a suspect without a trial, a lawyer or rights? I mean, what would you even call that? The line isn't fixed. The more you push it, the more it moves."). Their discussion is the only exciting scene in the episode and also the only emotional one. When Zapata realizes that her former boss is right, the shock and fear in her eyes is striking. I'm curious how that thought is going to influence her work ethics in the future. Sadly there's way less time spend on this plot than Kurt's and Crawford's stories, even though it's better acted and raises more interesting questions (Like: What rank does Zapata have in the CIA? After all she is allowed to interrogate someone alone at an officially non-existent hideout and use a drug, that hasn't been tested yet.).

Conclusion

"Two Legendary Chums" is - like all episodes in this year so far - okay, but lags far behind the first two seasons'. Again the plot is overloaded with too many subplots. At least for the first time in weeks it's not focussed on Avery or Jane's and Weller's relationship. But out of the three settings only one is actually thrilling. The other two get lost in implausible scenarios and adulation of its main characters. Three protagonists, Reade, Patterson und Jane, are rarely mentioned and don't even have the chance to sort out their personal matters from last week's episode "Technology Wizards". Considering that it's already the second half of the season, the episode doesn't really make any progress.


Please note: NBC is broadcasting the Winter Olympics, therefore the next episode will be on 2nd of March. So don't be surprised if we won't post another "Blindspot" review this month.
Until then: Click here for all our English content.

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