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Sonntag, 9. September 2018

Deadwind - Rezension

"Deadwind" (Originaltitel: Karppi) ist eine finnische Serie, die seit August 2018 weltweit bei "Netflix" verfügbar ist. Eigentlich wollte ich sie im neunten Teil unserer "Netflix Original Kurzrezensionen" (hier geht es zu allen Posts der Reihe) thematisieren, doch die Sendung hat einen so tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, dass ihr eine Kurzrezension nicht gerecht geworden wäre. Die zweite Staffel ist übrigens bereits bestellt.

Kommissarin Sofia Karppi (Pihla Viitala) kehrt zwei Monate nach dem Unfalltod ihres Ehemannes in den Dienst beim Polizeipräsidium Helsinki zurück. Gemeinsam mit ihrem neuen Kollegen Sakari Nurmi (Lauri Tilkanen) stößt sie kurze Zeit später auf eine Leiche: Anna Bergdahl (Pamela Tola) wurde in Folie eingewickelt und mit weißen Lilien in den Armen vergraben. Ihr Tod bedeutet nicht nur Kummer für Ehemann Usko (Jani Volanen) und die beiden gemeinsamen Töchter, sondern auch Probleme für die Firma Tempo. Anna war als Beraterin für deren Windenergie-Großprojekt tätig und wurde auf ebendieser Baustelle tot aufgefunden. Wollten die Geschäftsführer Alex (Tommi Korpela) und Julia Hoikkala (Pirjo Lonka) einen Skandal vertuschen? Das denkt zumindest der aggressive Umweltaktivist Andreas Wolf (August Wittgenstein, Jenny - echt gerecht!). Karppi und Nurmi müssen sich nicht nur durch ein Dickicht von Lügen, Dramen und Verschwörungen wühlen, sondern auch ihre eigenen Dämonen bewältigen. 

Die beste Streaming-Serie seit "The Killing"

Wer hat Anna das angetan?
Foto: Netflix
Im Laufe der letzten zwei Jahre habe ich unzählige "Netflix Originals" geguckt - sowohl Eigenproduktionen als auch Serien, für die der Anbieter die weltweiten Exklusivrechte besitzt. Darunter waren viele, die ich sehr gemocht habe, zum Beispiel "Berlin Station", "Stranger Things""3%" und "Alias Grace" (Bei den ersten drei sehne ich die Veröffentlichung der jeweiligen dritten Staffel schon herbei!). Das in meinen Augen beste "Netflix Original" ist allerdings "The Killing". In der Serie geht es um eine abgewrackte Kommissarin, die gemeinsam mit ihrem Ex-Junkie-Kollegen versucht, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären, deren Familie zunehmend Selbstjustiz übt. In "Deadwind" geht es währenddessen um eine abgewrackte Kommissarin, die mit ihrem Ex-Junkie-Kollegen versucht, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären, deren Familie zunehmend Selbstjustiz übt. Es ist also wenig verwunderlich, dass sich die Sendungen leicht ähneln. Während "The Killing" das skandinavisch-angehauchte, amerikanische Remake einer dänischen Serie war, handelt es sich bei "Deadwind" um eine finnisch-deutsche Koproduktion. Im Kern folgen beide der gleichen Handlung, da es zusätzlich zu den oben genannten Punkten noch weitere Überschneidungen gibt: Beide Kommissarinnen sind alleinerziehende Mütter, die ihre Kinder im Laufe der Geschichte auf Nimmerwiedersehen in ein Flugzeug setzen und zu Bekannten schicken; beide Ermittlerpaare schwanken zwischen anfänglicher Abneigung, tiefer kollegialer Verbundenheit und unterschwelliger Anziehung; in beiden Kriminalfällen ist der Hauptverdächtige ein mächtiger, gesellschaftlich relevanter Mann und eine Nebenhandlung beschäftigt sich mit ihm, während eine andere die Familie der Toten begleitet. Letztendlich kann ich nicht sagen, welche Serie mir besser gefallen hat. Es ist schwierig, ein bereits beendetes Format mit vier Staffeln mit einer Sendung zu vergleichen, die erst 12 Folgen hat und im nächsten Jahr fortgesetzt wird. Aber eins ist klar: "Deadwind" ist definitiv das beste "Netflix Original" seit "The Killing"!
Karppi muss den Unfalltod ihres Manns verkraften
Foto: Yle TV2/Netflix
Die große Stärke der Serie sind die tollen, vielschichtigen und lebensnahen Charaktere. Allen voran Kommissarin Karppi. Sie ist nicht ganz so verlottert wie ihre "The Killing"-Kollegin und geht immerhin zwischendurch nach Hause, um sicherzustellen, dass ihr Sohn Emil (Noa Tola) und ihre Stieftochter Henna (Mimosa Willamo) noch leben. Nicht nur der Tod ihres Mannes belastet sie, sondern auch die Tatsache, dass die Familie bis dahin in Hamburg gelebt hatte. Während ihre Kinder und ihr Partner gerne in Deutschland waren und dort viele Freunde hatten, fühlte sich Karppi eher fremd und kehrte - zum Unmut von Emil und Henna - nach dem tödlichen Unfall sofort nach Finnland zurück. Dieses und weitere kleine Geständnisse, die die Ermittlerin ihrem Kollegen Nurmi im Laufe der letzten Folgen macht, zeigen Brüche in ihrer harten Schale. Sie ist eine typische eigenwillige Einzelgängerin, die sich nicht um Gesetze oder Konventionen schert. Aber Karppi ist auch eine verunsicherte Frau, die nicht weiß, wie sie mit ihrer Trauer oder der ihrer Kinder umgehen soll. Deshalb regelt sie alles mit großer Aggression und Zielstrebigkeit - so lässt sie beispielsweise einen Schüler aus seiner Klasse holen und bedroht ihn auf dem Flur, weil er ein Video von sich und Henna beim Sex an seine Freunde verschickt hat. Die Kommissarin ist auf den ersten Blick unergründlich und abweisend, doch schnell zeigt sich, dass ihr Verhalten begründet und sie ein sehr lebensechter Charakter ist. Es ist wirklich unterhaltsam und spannend, ihr zuzusehen. 
Nurmi (l.) & Karppi werden langsam ein Team
Foto: Yle TV2/Netflix
Das scheint auch Nurmi begriffen zu haben. Obwohl sie ihn in den ersten Folgen ziemlich mies behandelt und einen Alleingang nach dem anderen startet, hält er zu ihr und unterstützt sie nach der Suspendierung bei ihren privaten Ermittlungen. An einigen Stellen wird kurz andeutet, dass er in der Vergangenheit drogenabhängig war, doch dieser Punkt wird nicht überdramatisiert oder ausgeschlachtet. Stattdessen stellt Nurmi ein angenehmes Pendant zu Karppi dar: freundlich, bestimmt und geradlinig. Dabei rutscht er glücklicherweise nie in das Klischee des überkorrekten, verkopften Sidekicks ab, der ausschließlich dafür da ist, die Genialität der querdenkenden Kollegin zu unterstreichen. Für mich war er dank seines ausgeglichenen Wesens, seines Humors und seiner Intelligenz das Highlight der Serie. Besonders eine Szene ist mir in dieser Hinsicht in Erinnerung geblieben: Er steht vor Karppis Tür und benötigt eigentlich ihre Unterstützung, stellt aber schnell fest, dass sie seine viel dringender braucht: Völlig betrunken klagt sie ihm ihr Leid, küsst ihn, weint und erbricht sich. Nurmi verzieht keine Miene, sondern verfrachtet sie ins Bett, ignoriert ihren wütenden Schrei, dass er gehen solle und bleibt auf der Couch, um sicherzustellen, dass sie sich nicht zu Tode säuft. Am nächsten Morgen hängen die beiden die komplette Wohnzimmerwand mit Berichten, Bildern und Notizen voll, um den entscheidenden Hinweis im Mordfall zu finden. Es ist angenehm, ein Team zu sehen, dass weder in langweiliger Harmonie zusammenarbeitet, noch in stetigem Konkurrenzkampf versinkt. Der Mittelweg, den Karppi und Nurmi in der zweiten Hälfte der Staffel finden, ist sowohl unterhaltsam, als auch aus Krimi-Sicht zielführend. Ich hoffe sehr, dass die Konstellation auch in den neuen Episoden, die voraussichtlich im Frühjahr 2019 gedreht werden, bestehen bleibt.

Spannung und Unterhaltung - volle 12 Folgen lang

Usko trauert mit seinen Töchtern Isla (l.) und Armi 
Foto: Yle TV2/Netflix
Bei vielen Krimiserien, die sich mit einem einzigen Fall pro Staffel beschäftigen, gibt es ein Problem: Sie können den Nervenkitzel und die Neugierde auf die Identität des Mörders nicht aufrechterhalten. Irgendwann verliert sich die Handlung meist in den privaten Verwicklungen der Beteiligten und die Ermittlungen geraten immer weiter aus dem Fokus. Die Sendungen verschießen ihr Pulver schnell und spätestens nach der dritten oder vierten Folge wird die Geschichte durch Dutzende Charaktere, Twists und Nebenhandlungen überbrückt und unnötig in die Länge gezogen, wie beispielsweise bei den "Neflix Originals" "Collateral", "Seven Seconds" und "Superstition". Bei "Deadwind" ist das nicht der Fall. Tatsächlich hat es die Serie geschafft, mich die kompletten 12 Folgen lang zu unterhalten und zu begeistern. Die starken Protagonisten sind ein Grund, aber auch die nachvollziehbaren Nebenhandlungen tragen ihren Teil dazu bei. Anstelle die Episoden mit unnötigem Drama und einer unübersichtlichen Anzahl von Figuren zu füllen, begleitet der Zuschauer konsequent dieselben Charaktere. Der interessanteste ist Usko Bergdahl. Er muss nicht nur den gewaltsamen Tod seiner Frau verarbeiten, sondern auch für die gemeinsamen Töchter Isla (Elsa Brotherus) und Armi (Eedit Patrakka) schnell zu einem möglichst normalen Alltag zurückkehren. Es ist spannend und auch herzzerreißend zu sehen, wie der scheinbar grundehrliche Usko immer mehr zu zerbrechen droht, je mehr er über seine verstorbene Frau erfährt. Auf der anderen Seite ist es ebenso fesselnd, wie Karppi, die sich in derselben familiären Situation befindet, sich vehement weigert, ihn als Verdächtigen zu sehen und sich schließlich fragen muss, ob sie sich getäuscht hat. Die andere Nebenhandlung, die sich auf Tempo-Geschäftsführer Alex Hoikkala, seine Frau Linda (Jonna Järnefelt), sowie seine Geschwister Julia und Roope (Riku Nieminen) konzentriert, ist zwar deutlich weniger spannend, schafft es aber dennoch, nie völlig langweilig zu werden.
Nö, noch ein Jahr auf die nächste Staffel warten...
Foto: Yle TV2/Netflix
Letztendlich sind "Deadwinds" große Stärken die mitreißenden, realistischen und vielschichtigen Charaktere, sowie die für nordische Krimiserien typische rustikale, kalte und düstere Stimmung. Die Handlung kann da nicht ganz mithalten. Die Suche nach Anna Bergdahls Mörder steht immer im Vordergrund und wird konsequent aufgebaut, ohne zu früh zu viel zu verraten oder unglaubwürdige Wendungen einzubauen. Die Geschichte ist aber dennoch ausbaufähig. Natürlich gibt es zahlreiche Logiklücken: Karppi und Nurmi fliegen mal eben nach Deutschland, um dort einer Spur nachzugehen, ohne ihre finnischen oder deutschen Kollegen zu informieren; die zeitlichen Angaben von Karppis familiärer Situation sind nicht schlüssig (Angeblich war sie lange in Deutschland, im Präsidium wird sie aber aufgenommen, als habe sie dort bis zum Tod ihres Mann gearbeitet.) und Nurmi erkennt im Dunklen, wie Drähte in einem Auto verlaufen und welche er durchschneiden muss. Allerdings gibt es deutlich weniger offene Frage und widersprüchliche Geschehnisse als in anderen Sendungen, weshalb mich diese Punkte nicht sonderlich gestört haben. Was ich hingegen schade fand, war die Auflösung. Achtung, in diesem Satz folgt ein Spoiler: Wie fast alle Krimis folgt auch "Deadwind" dem wohl bekanntesten Mörder-Schema - es ist immer die Person, die ständig auftaucht, ohne eine wirkliche Rolle für die Handlung zu spielen und nie oder nur kurz verdächtigt wird. Anhand dieser Formel hatte ich meinen Verdächtigen schon innerhalb der ersten Folge gefunden und in den darauffolgenden elf gab es keine einzige Sekunde, in der ich an meiner Vermutung gezweifelt habe. Ich fand es wirklich schade, dass diese großartige, unterhaltsame Produktion ausgerechnet bei der Auflösung unkreativ war. Da ich aber ansonsten sehr viel Spaß hatte, fällt das nicht signifikant schwer ins Gewicht.

Fazit

"Deadwind" ist eine sehr zu empfehlende, spannende Krimiserie, die aus dem Meer der anderen "Netflix Originals" heraussticht. Sie ist eine von wenigen Sendungen, die es schafft, das Niveau der ersten Folgen bis zum Ende zu halten. In jeder Episode erfährt der Zuschauer viel Neues, ohne mit unzähligen Charakteren, Nebenhandlungen und Wendungen überhäuft zu werden. Dennoch wird die Geschichte nie langweilig, was vor allem an den vielschichtigen Charakteren liegt. Die beiden Protagonisten haben eine tolle Dynamik und begeistern durch ihre unvorhergesehenen Aktionen, ihren Humor und ihre Hartnäckigkeit. Auch die anderen Figuren sind spannend, da sie keinen typischen Klischees entsprechen und ihr Verhalten meistens nachvollziehbar ist. Fast jede von ihnen ist sympathisch, was das Dilemma der Ermittler noch verständlicher macht: Es gibt keinen stereotypischen Bösewicht, an dem sie sich festbeißen können, da jeder Charakter lebensnah ist und seinen ganz normalen Grundbedürfnissen folgt. Durch die kühl-düstere Atmosphäre und den tollen Soundtrack  gewinnt "Deadwind" noch zusätzlich an Stimmung und Spannung. Lediglich die Auflösung wird der grandiosen finnisch-deutsche Koproduktion nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite Staffel das sehr hohe Niveau der ersten halten oder durch einen weniger offensichtlicheren Mörder sogar übertreffen kann.


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Mittwoch, 8. August 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 8)

Kaum eine Woche vergeht, in der "Netflix" nicht mehrere "Originals" herausbringt. Mittlerweile hat der Streaming-Anbieter hunderte eigenproduzierte Filme und Serien im Repertoire. In unser Reihe Kurzrezensionen stellen wir regelmäßig einige vor und verraten, ob sich das Bingewatchen lohnt. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier. In unserem achten Teil der Serien-Kurzrezensionen geht es diesmal um einen Krimi, ein Drama und eine Komödie. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen.
An dieser Stelle gehe ich auf Sendungen ein, die "Netflix" selbst als "Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle internationalen Serien in der Originalversion ansehe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Safe

Warum ist Zoé (M.) abgebildet?
Foto: Netflix
Diese Serie ist eine Koproduktion von "Netflix" und dem französischen Sender "Canal+". Sie entstand nach einer Idee des Krimiautors Harlan Coben und wurde mit britischen Schauspielern in Großbritannien gedreht. Ein Großteil der Handlung spielt innerhalb einer "Gated Community", einer bewachten Wohnanlage, in der jeder jeden kennt und die Welt scheinbar in Ordnung ist. Das heile Bild der Bewohner wird zerstört, als die sechzehnjährige Jenny Delaney (Amy James-Kelly) nach einer Party verschwindet. Ihr Vater Tom (Michael C. Hall), der seine Frau schon vor einem Jahr an den Krebs verloren hat, setzt alles daran, um seine Tochter zu finden. Als Jennys neunzehnjähriger Freund Chris Cahal (Freddie Thorp) tot aufgefunden wird, beginnen auch Toms Affäre, die Kommissarin Sophie Mason (Amanda Abbington, Sherlock) und ihre neue Kollegin Emma Castle (Hannah Arterton) mit den Ermittlungen. Dabei werden immer mehr dunkle Geheimnisse ans Licht gebracht, denn jeder in der Wohnanlage scheint etwas zu verheimlichen.

Neils (Joplin Sibtain) & Zoés Sohn ist getötet worden
Foto: Netflix
"Safe" macht denselben Fehler, wie schon zahlreiche andere "Netflix"-Serien davor, beispielsweise "Collateral" oder "Le Chalet": zu viele Charaktere. Der Zuschauer lernt gefühlt zwanzig Figuren näher kennen, die sich alle mehr oder weniger auffällig verhalten. Irgendwann im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, was sie zu verbergen versuchen. Leider ist das in den wenigsten Fällen spannend. Die meisten Geheimnisse sind entweder früh vorhersehbar oder so irrelevant, dass sie schnell in Vergessenheit geraten. Bei der jungen Kommissarin Emma Castle ist beispielsweise von Anfang an klar, dass sie irgendeinen wichtigen Grund gehabt haben muss, sich in die beschauliche Gegend versetzen zu lassen. Der kommt relativ schnell heraus und ist so unglaublich platt, dass er danach noch ein paar Mal kurz erwähnt wird, aber sonst in der Versenkung verschwindet - genauso wie Emma selbst, da Tom und Sophie gegen Ende fast alles alleine regeln. Ein anderes Beispiel ist die Lehrerin Zoé Chahal (Audrey Fleurot). Sie wird konsequent in den Vordergrund gerückt: Sie taucht häufiger auf als andere, ebenbürtige Charaktere - sogar auf dem Poster der Serie ist sie als einzige neben den beiden Protagonisten zu sehen. Dabei hat sie - das ist kein großer Spoiler - kaum Einfluss auf die Geschichte. Mit Ausnahme der Tatsache, dass sie die Mutter des toten Chris ist, hat sie keine wirkliche Verbindung mit der Kriminalgeschichte. Dasselbe gilt für fast alle anderen handelnden Nebenfiguren, jedoch wird keine davon so sehr in den Fokus gestellt wie Zoé.
Was ist mit Jenny in der Partynacht geschehen?
Foto: Netflix/Ben Blackall
Die meisten Serien mit einer Vielzahl von Charakteren haben eine unruhige und unstrukturierte Erzählweise zur Folge. Der Kern der Serie - der Verbleib von Jenny und die Suche nach Chris' Mörder - ist eigentlich nur eine Ausrede, um die vermeintlichen Abgründe der Nachbarn zu erkunden. Aber es bleibt keine Zeit, um die Figuren dem Zuschauer so nahezubringen, dass er sich ehrlich für sie interessiert. Mir war sowohl das Schicksal der verschwundenen Jenny, als auch die persönlichen Verwicklungen der anderen Charaktere ziemlich egal. Sie alle werden von Anfang an so unsympathisch und platt dargestellt, dass es schwer fällt, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Es ist, als wäre man in eine neue Gegend gezogen und würde die fremden Nachbarn beobachten - ohne irgendetwas über sie und ihre Persönlichkeit zu wissen. Auch die Handlung wirkt eher lieblos gestaltet. Sie folgt einem Standard-Muster, wie es bereits in zahlreichen Krimis und Thrillern vorkam (Achtung, Spoiler!): Als Kinder waren die meisten der Protagonisten befreundet und haben durch einen dummen Streich eine Katastrophe ausgelöst, bei der mehrere Menschen starben. Jahrelang werden sie nicht belangt, weil sie die Tat verschweigen oder ihre Eltern sie vertuschen. Viele Jahrzehnte später taucht dann plötzlich jemand auf, der die mittlerweile erwachsenen Mörder zur Rechenschaft ziehen will und damit eine neuerliche Katastrophe auslöst. Mir fallen spontan zwei Serien (darunter "Le Chalet"), zwei Filme und eine "Tatort"-Folge ein, wo exakt dasselbe passiert. Nichtsdestotrotz ist "Safe" kein schlechtes Format, was vor allem an den soliden schauspielerischen Leistungen liegt - allen voran Amanda Abbington als zwiespältige Polizistin Sophie. Falls ihr die Sendung bereits gesehen habt: Schreibt gerne in die Kommentare, wann ihr Chris' Killer erraten hattet. Ich denke, dass es hier nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder man ahnt es gleich zu Beginn oder man verdächtigt die Person bis zum Schluss kein einziges Mal und wird völlig überrascht. In beiden Fällen liegt jedoch nahe, die Frage zu stellen: Wozu hat es 90 Prozent der Handlung eigentlich gebraucht? Denn gegen Ende wird klar, dass die ganzen einzelnen Geschichten wirklich größtenteils überhaupt nichts miteinander zu tun. Schade ist auch: Es wird nicht mehr gezeigt, wie die anderen Charaktere auf die Identität des Mörders reagieren. 


Samantha!


Samantha will wieder nach oben
Foto: Netflix
Hierbei handelt es sich um das dritte brasilianische "Netflix Original" - nach "3%" und "O Mecanismo". In der Serie geht es um den ehemaligen Kinderstar Samantha (Emanuelle Araújo). In den 80ern war sie ein singendes und tanzendes Idol, dem die Herzen Brasiliens nur so zuflogen. In der Gegenwart ist sie eine abgehalfterte Schauspielerin, die verzweifelt versucht, wieder Fuß im Showbusiness zu fassen - sei es durch eine Fake-Ehe mit einem reichen Reality-Star, einen Job als Gastjurorin in einer Castingshow oder einen sexistischen Werbespot. Dabei wird Samantha tatkräftig von ihren beiden Kindern, der Feministin und Umweltschützerin Cindy (Sabrina Nonato) sowie dem an seinen Memoiren schreibenden Brandon (Cauã Gonçalves), unterstützt. Als deren Vater Dodói (Douglas Silva), ein ehemaliger Profi-Fußballer, nach vielen Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, steht plötzlich auch Samanthas Privatleben Kopf. 

Samantha war der Star der "Plimplom Gang"
Foto: Netflix
Als ich mich für unsere "Auf diese Bücher, Filme und Serien freuen wir uns 2018!"-Liste durch die "Netflix"-Ankündigungen geklickt habe, bin ich auch auf "Samantha!" aufmerksam geworden. Die Beschreibung klang nach einer frischen, witzigen und abwechslungsreichen Serie, daher habe ich sie im Gedächtnis behalten. Im Juli wurde dann endlich die erste Staffel - die zweite ist bereits bestellt - veröffentlicht. Wie die meisten anderen Comedysendungen folgt auch "Samantha!" nur einem groben roten Faden. Die erste Folge beginnt in den 80ern und zeigt die junge Protagonistin hinter den Kulissen ihrer eigenen Show. Danach wird ihre Lebenssituation in der Gegenwart gezeigt und die einzelnen Charaktere näher vorgestellt. Damit bildet der Pilot eine Ausnahme, denn alle anderen Episoden laufen so ziemlich nach demselben Muster ab: Samantha hat ein Jobangebot oder eine Idee, wie sie Fans dazu gewinnen kann. Das geht natürlich völlig schief und sie muss sich irgendwie aus einer unangenehmen Situation befreien. Ihre Kinder und Dodoi sind immer dabei - mal helfen sie ihr, mal haben sie eine eigene Agenda. Die Folge endet dann ziemlich genau an der ursprünglichen Ausgangssituation: Keiner hat irgendetwas Signifikantes erreicht. Ich persönlich bin kein Fan von Serien ohne nennenswerten roten Faden. Bei "Samantha!" ist das verständlich, da die Geschichte erzählerisch zu wenig hergibt, um eine Handlung für mehrere Episoden aufrechtzuerhalten. Dennoch wird das immer gleiche Muster schnell langweilig. 
Brandon (vorne) ist der heimliche Star der Serie!
Foto: Divulgação/Netflix
Außerdem hat mich die inkonsequente Charakterisierung der Protagonistin gestört. In den Rückblenden sieht man Samantha als arrogante, egoistische und verschlagene Neunjährige, die ihre gleichaltrigen Co-Stars und die Mitarbeiter der Sendung terrorisiert und verspottet. In der Gegenwart ist sie zwar noch immer sehr auf ihren eigenen Vorteil bedacht, doch sie hat auch Mitleid mit anderen, ist eine treusorgende Mutter und geht für den Erfolg nicht über Leichen. Das steht in krassem Gegensatz zu der Samantha aus den 80ern. Es ist realistisch, dass sich jemand innerhalb von rund 30 Jahren verändert, doch der Zuschauer kann den Sinneswandel nicht nachvollziehen. In der Serie wird die Zeit zwischen dem neunten Lebensjahr der Protagonistin und der Gegenwart fast gänzlich übergangen. Die einzigen Ausnahmen sind zwei kurze Szenen, in denen Samanthas Hochzeit mit Dodoi und ein Ausflug mit ihren Kindern zum Gefängnis gezeigt wird. Warum ihre Karriere geendet und was sie in der Zwischenzeit getan hat, kommt nie zur Sprache. Ich hätte es auch interessant gefunden, etwas über ihr Eltern zu erfahren, da sie immer wieder erwähnt, seit ihrem fünften Lebensjahr "Samantha" zu sein. Es ist also naheliegend, dass ihre Eltern sie zu einem Kinderstar erzogen haben. Doch die beiden spielen überhaupt keine Rolle. Stattdessen tauchen nur Samanthas ehemalige Co-Stars auf, die dank des bösartigen Verhaltens der damals Neunjährigen allesamt psychische Schäden zu haben scheinen. Leider wird die Protagonistin weder in den Rückblenden noch in der Gegenwart so intensiv charakterisiert, dass ihr Verhalten und ihre Weiterentwicklung verständlich wäre. Das ist zwar nervig, aber sie ist ohnehin nur schmückendes Beiwerk, denn der wahre Star der Serie ist meiner Meinung nach ihr Sohn Brandon. Der hochintelligente Knirps ist witzig, warmherzig und hat tolle Sprüche auf Lager. Ein Spin-Off mit ihm als Hauptfigur würde ich sofort angucken! Er ist auch der Grund, weshalb ich die nächste Staffel "Samantha!", die voraussichtlich nächstes Jahr erscheint, nicht verpassen werde. 
Der blutige Schnee wird zum Symbol
Foto: Netflix

Dieses US-amerikanische "Original" basiert auf dem russischen Film "The Major" und wurde von Veena Sud, Schöpferin der fantastischen "Netflix"-Serie "The Killing", produziert. Die zentralen Themen in "Seven Seconds" sind Polizeigewalt und die "Black Lives Matter"-Bewegung. Der junge Polizist Peter Jablonski (Beau Knapp) fährt durch einen New Yorker Park, als er den Anruf bekommt, dass seine Frau Marie (Michelle Veintimilla) in den Wehen liegt. Für einen Moment ist der Ordnungshüter abgelenkt, übersieht den Teenager Brenton Butler (Daykwon Gaines) auf seinem Fahrrad und überfährt ihn. In seiner Panik ruft Jablonski seinen Vorgesetzten Mike DiAngelo (David Lyons) an, der ihn überzeugt, die Spuren zu verwischen und wegzufahren. 12 Stunden lang liegt der verletzte Brenton im Straßengraben, bis er endlich gefunden wird. Später stirbt er im Krankenhaus. Während sein Vater Isaiah (Russell Hornsby) Kraft im Glauben sucht, setzt seine Mutter Latrice (Regina King) alles daran, den Schuldigen zu finden. Offiziell werden der Ermittler Joe "Fish" Rinaldi (Michael Mosely) und die Staatsanwältin K.J. Harper (Clare-Hope Ashitey) auf den Fall angesetzt. Als der Verdacht auf die Polizeibeamten fällt, schlägt Brentons Tod immer höhere Wellen: Denn er ist dunkel- und Jablonski hellhäutig.

Der Preis für die inkompetentesten Ermittler geht an...
Foto: Netflix
Auf kaum eine "Netflix"-Serie war ich so gespannt wie auf "Seven Seconds": Wichtige, gesellschaftliche Themen verpackt in einem Drama mit Krimi-Elementen - das klang sehr vielversprechend. Ich habe mir direkt am Erscheinungstag die erste Folge angesehen und dann weitere sechs Monate gebraucht, um die restlichen neun anzuschauen. Denn so emotional und realistisch die Serie auch sein mag, sie hat mich überhaupt nicht gepackt. Der Hauptgrund ist derselbe, wie bei zahlreichen anderen "Netflix"-Eigenproduktionen auch, beispielsweise "Tote Mädchen lügen nicht", "Glacè", "Le Chalet" oder "Superstition": Die Handlung wird künstlich in die Länge gezogen. Jede der zehn Folgen ist zwischen 54 und 80 Minuten lang. In dieser Zeit sieht der Zuschauer größtenteils Harper und Fish dabei zu, wie sie der Lösung des Falls immer wieder nahekommen, um dann einen unerklärlich dummen, falschen Schluss zu ziehen. Außerdem sind beide in höchstem Maße unsympathisch: Der Kommissar hat viel zu gute Laune dafür, dass er im Todesfall eines Fünfzehnjährigen ermittelt und kaut ununterbrochen mit weit geöffnetem Mund schmatzend Kaugummi. Die Staatsanwältin ist währenddessen ein jammerndes, sich in Selbstmitleid suhlendes Häufchen Elend, das lieber betrunken Karaoke singt, als sich um den Fall zu kümmern. Durch Eskapaden wie diese geht der Geschichte trotz brisanter Aktualität, grandioser schauspielerischer Leistungen und zahlreichen gefühlsbetonten Szenen schnell die Luft aus. Wäre die Handlung in nur vier oder fünf Stunden erzählt worden, hätte "Seven Seconds" sicher den Top-"Netflix"-Serien gehört. Da sich die Handlung aber nicht wirklich auf das Wesentliche konzentriert und sich immer wieder in Nichtigkeiten verliert, hat sie viele Längen und schafft es nicht, die emotionale Spannung zu halten.
Regina King liefert eine Emmy-würdige Darbietung!
Foto: Netflix
Besonders für eine Person ist das schade: Regina King, die Brentons trauernde, verzweifelte Mutter spielt. Ihr Darbietung hätte definitiv einen Emmy verdient! Mit ihrem intensiven Spiel schafft sie es, wie niemand sonst in der Serie, die Geschichte lebensecht wirken zu lassen. Seien es Wut, Trauer, Hass, Rache, Resignation oder Hoffnung - King geht in jeder einzelnen Emotionen auf und bringt es fertig, dem Zuschauer jede noch so kleine Gemütsregung nur mit einem Blick verständlich zu machen. Besonders in den letzten beiden Folgen spielen auch die anderen Darsteller extrem gut. Im Gerichtssaal prallen schließlich die verschiedensten Emotionen aufeinander, was der brisanten Geschichte die Energie, Reibung und Gefühle verleiht, die in den vorherigen Episoden auf der Strecke geblieben sind. Im Showdown konzentriert sich die Handlung endlich auf die Elemente, die wirklich zählen, sodass ich erstmals froh war, die Serie nicht nach der ersten Folge abgebrochen zu haben. Es ist auch begrüßenswert, dass das Ende von "Seven Seconds" realistisch gehalten ist. Zu oft treffen Serien und Filme die enttäuschende Entscheidung, ein Happy End aus dem Hut zu zaubern, obwohl es wenig glaubwürdig ist und jeglichen Fakten widerspricht. Bei diesem "Netflix Original" ist das anders. Obwohl man den Charakteren als Zuschauer etwas anderes - positives wie negatives - gewünscht hätte, sind die finalen Minuten sehr nah an dem dran, was vermutlich bei einem echten Fall geschehen wäre. Schade ist nur, dass die Schicksale der einzelnen Figuren schnell abgehakt werden und nicht mehr aufgeklärt wird, wieso sie sich für bestimmte Wege entschieden haben. 


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Dienstag, 17. Juli 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 7)

"Netflix" bringt regelmäßig neue Serien und Filme als "Netflix Originals" heraus. Darunter fallen nicht nur Eigenproduktionen, sondern auch alle Titel, für die der Streaming-Anbieter die internationalen Veröffentlichungsrechte hat. Da die Auswahl mittlerweile enorm ist und jeden Monat größer wird, gehen wir in unserer Reihe Kurzrezensionen gleich auf mehrere ein und rezensieren sie. In diesem Post stellen wir euch wieder drei Serien vor. In älteren Beiträgen haben wir bereits unter anderem über "Le Chalet", "Alias Grace" oder "Berlin Station" gesprochen. 

The Hollow

Eine Serie mit vielen Mysterien
Foto: Netflix
Drei Jugendliche wachen in einem Raum auf. Sie erinnern sich weder an ihre Vergangenheit noch an ihre Namen oder wie sie dorthin gekommen sind. Nur durch Zettel, die sie in ihren Hosentaschen finden, erfahren sie, wie sie heißen. Als ein Gas in den Raum geleitet wird, schaffen Mira, Adam und Kai es gerade noch rechtzeitig, zu entkommen. Doch damit beginnt ihre Reise erst. Ihr einziges Ziel ist es, zurück nach Hause zu kommen, wo auch immer das ein mag. Doch in der Welt, in der sie sich befinden, lauern überall tödliche Gefahren. Schon bald entdecken sie, dass jeder von ihnen eine Superkraft besitzt. Die brauchen sie auch: Die meisten der übernatürlichen Wesen, auf die sie stoßen, sind nicht freundlich gesinnt. Können sie diesem Ort jemals entkommen?
Ich habe diese Eigenproduktion spontan angefangen und nicht viel erwartet. Aber "The Hollow" ist eine wirklich unterhaltsame Animationsserie von "Netflix". Das liegt vor allem an der verrückten, geheimnisvollen Welt und der Frage, was mit den Protagonisten passiert ist und ob sie es herausfinden können. Es werden bis zur vorletzen Folge so gut wie keine Fragen beantwortet, die sich der Zuschauer, genauso wie die Figuren, über den Verlauf der Episoden stellen. Dadurch wird erst recht die Spannung gehalten und die Neugier auf die Lösung geweckt. Ich wollte jedenfalls unbedingt wissen, was es mit allem auf sich hat. Die drei Hauptcharaktere sind am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Das liegt auch daran, dass sie im Vergleich zu anderen Zeichentrickhelden etwas zu unnatürlich wirken. Ihre Mimik und Gestik ist manchmal etwas irritierend, weil sie z.B. öfter leer in die Gegend starren oder manchmal sehr oft und auffällig ihre Hände benutzen, wenn sie reden. Auch ihre Dialoge hören sich etwas holprig an. Das bessert sich aber im Laufe der Staffel. Mit der Zeit werden sie auch sympathischer. Gerade zu Beginn sind besonders Adam und Kai anstrengend, weil sie sich ständig wegen der unnötigsten Sachen in die Haare kriegen. Doch mit jeder Gefahr, die sie überwinden, wachsen die Drei als Team enger zusammen und dann macht es richtig Spaß, ihre Abenteuer zu verfolgen. Hinzu kommt, dass sie keine eindimensionalen Cartoonfiguren sind. Jeder von ihnen hat glaubwürdige Tiefpunkte und Momente, in denen sie verzweifeln oder von ihren Ängsten ausgebremst werden. Das gibt der Geschichte eine gewisse Ernsthaftigkeit und verdeutlicht, dass ihre Situation schwierig ist und sie kein leichtes, lustiges Spaßabenteuer durchleben. Auch der Humor ist größtenteils gelungen. Da es sich hier aber um eine Serie handelt, die auch Kinder und Jugendliche als Zielgruppe hat, sind manche Witze etwas sehr albern und nicht wirklich lustig - zumindest aus meiner Sicht als Erwachsene. Kai übergibt sich beispielsweise in einer Episode. Da er bis dahin immer noch nicht seine Kräfte entdeckt hat, kommentiert Adam: "Maybe you're a super puker." An solchen Stellen habe ich nicht gelacht. Dafür sind aber die vielen Gegenspieler, denen sie begegnen, immer interessant, ausgefallen und teilweise auch sehr unterhaltsam. Da gibt es zum Beispiel den Tod, der überraschend komisch und sogar sympathisch wirkt. 
Ich war bis zur letzten Folge mit Spaß und Freude dabei, doch die Auflösung macht alles kaputt. Die Enttäuschung über dieses lächerliche, unkreative und peinliche Ende ist bei mir immer noch da. Die ganze Zeit habe ich herumgerätselt, was wohl hinter der ganzen Welt und den Gegnern steckt und was das Geheimnis ist. Da die Serie selbst alles sehr im Dunkeln und viel Raum für eigene Interpretationen lässt, habe ich mit einer wirklich gut durchdachten Idee gerechnet. Ich habe darauf gesetzt, dass die Serienmacher sich erkennbar Gedanken gemacht haben. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Ich habe mich fremdgeschämt, als ich die letzten Szenen geguckt habe. Ich habe mich ernsthaft gefragt, wieso dieses Ende gewählt wurde. Das ist alles viel zu einfach und wird der Sendung nicht gerecht. Sollte das wirklich die endgültige Lösung sein und keine Irreführung (es gibt einen ganz kurzen Moment, der andeuten könnte, dass es nicht das ist, was es zu sein scheint), würde ich mir eine zweite Staffel wahrscheinlich nicht anschauen. 

The Forest

Montfaucon birgt viele Geheimnisse
Foto: France 3
Die Jugendliche Jennifer (Isis Guillaume) begibt sich eines Abends allein in den Wald in der Nähe ihres Zuhauses, dem kleinen Dorf Montfaucon in den Ardennen. Am nächsten Morgen erscheint sie nicht in der Schule und auch ihre Eltern können sie weder finden noch erreichen. Als die Polizei sich einschaltet, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in dem kleinen Ort, wo alle einander kennt. Auch die junge Lehrerin Eva Mendel (Alecis Barlier) macht sich große Sorgen um ihre Schülerin und unterstützt die Suchaktion. Sie wird dabei auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, da sie in genau dem gleichen Wald als Kind ein traumatisches Erlebnis hatte. Als die Leiche von Jennifer entdeckt wird und klar ist, dass jemand aus dem Dorf der Mörder sein muss, verdächtigt bald jeder jeden. Die Polizei ermittelt noch, als zwei weitere Mädchen verschwinden, darunter auch Maya (Martha Canga Antonio), die Tochter der Polizistin Virginie Musso (Suzanne Clément). Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Täter muss schnell gefunden werden, bevor er erneut tötet. 
Ich würde "The Forest" oder "La Forêt" - so lautet der französische Originaltitel ("Netflix" hat die Serie nicht produziert, sondern die internationalen Ausstrahlungsrechte) - als eine durchschnittliche Thriller-Serie bezeichnen. Die sechs Folgen sind auf jeden Fall spannend genug, dass ich sie relativ schnell beendet habe. Das große Rätsel, was mit den verschwundenen Mädchen passiert ist, bleibt bis zum Schluss offen. Dafür wird der ganze Fall auf dem Weg dahin immer größer und komplexer, als er anfangs erscheint. Dadurch wollte ich wirklich wissen, wie die Staffel am Ende ausgeht. Allerdings war ich an einigen Stellen auch wirklich genervt. Die Polizisten in diesem Dorf verhalten sich teilweise sehr unüberlegt und dumm. Der Einzige, der immer den Eindruck macht, als habe er alles im Griff, ist der Hauptkommissar Gaspard Decker (Samuel Labarthe). Der Rest wirkt insgesamt eher inkompetent. Das ist ärgerlich, weil die Serie der Handlung damit sehr auffällig Probleme anheftet, die vollkommen unnötig sind. Beispielsweise lassen sie Virginie alleine mit einem aggressiven und unberechenbaren Verdächtigen alleine. Der befindet sich in einer Zelle auf dem Polizeirevier. Da ist es komplett vorhersehbar, dass diese Situation kein gutes Ende nimmt und als Zuschauer fragt man sich einfach, wo diese Leute ihren Verstand gelassen haben. Am meisten aufgeregt hat mich aber, dass Virginie, die komplett befangen ist und mehrmals unverantwortlich und impulsiv reagiert, nicht vom Fall abgezogen wird. Es dauert mehrere Folgen und einige Ausraster ihrerseits, bis der Hauptkommissar überhaupt anspricht, dass sie sich mal in den Griff kriegen sollte, anstatt sie sofort zu suspendieren. Noch diesem Gespräch handelt sie natürlich weiterhin emotional, natürlich ohne Konsequenzen. Dieses Verhalten hat ihre Figur sehr anstrengend gemacht. Zudem gibt es einen Handlungsstrang, der viel Aufmerksamkeit bekommt, aber sehr offensichtlich eine falsche Fährte beinhaltet. Als Zuschauer hat man das längst erkannt, während die Polizei keinen anderen Anhaltspunkt sucht, sondern weiter an dem Verdächtigen festhält. Auch die Geschichte von der Lehrerin Eva und was mit ihr passiert ist, kann man sich früh zusammenreimen. Trotzdem ist die Serie insgesamt ganz gut gemacht und bekommt gerade durch den geheimnisvollen Wald und die Dorfatmosphäre etwas Mysteriöses und Unheimliches. Daher eignet sie sich auf jeden Fall als Sendung für zwischendurch, auch weil man sie schnell durchgeschaut hat. 

Superstition

Keine normalen Bestatter
Foto: Syfy
Isaac Hastings (Mario Van Peebles) kehrt nach einigen Jahren im Militär zurück zu seiner Familie. Die ist keine ganz gewöhnliche Familie, denn sie besitzen nicht nur ein einfaches Bestattungsunternehmen und den Friedhof in ihrer Stadt La Rochelle. Sie bieten darüber hinaus auch besondere Dienste für die Toten an, die von Dämonen oder anderem Übernatürlichen getötet wurden. Isaac ist vor diesem Leben einst geflohen, jetzt wird er wieder mit hineingerissen. Zudem erfährt er auch noch, dass seine damalige Freundin May Westbrook (Dementria McKinney) schwanger war, als er sie verlassen hat. Nun hat er auch eine jugendliche Tochter, Garvey (Morgana Van Peebles), die er mit aller Macht beschützen will.
Die Serie, die genauso wie "The Forest" nicht von "Netflix" selbst produziert wurde, fängt eigentlich sehr interessant und vielversprechend an: Eine Familie, die im Bestattungsgeschäft ist und sich gleichzeitig mit dem Übernatürlichen auskennt und es bekämpft. Ich als "Supernatural"-Fan habe da sofort angebissen. Leider wurde ich enttäuscht. Spätestens ab der dritten Folge wird der Plot immer uninteressanter. Es ist sehr schwierig, der Handlung aufmerksam zu folgen, weil alles sehr wirr strukturiert und kein roter Faden vorhanden ist. Die halbe Staffel ist vorbei und es ist immer noch nicht ersichtlich, auf welchen Höhepunkt die Serie hinauslaufen will. Dabei wird außerdem zu wenig erklärt und zu vieles einfach in den Raum geworfen, was für Verwirrung sorgt. Die Hälfte der Zeit wird nicht klar, ob die Ereignisse in den einzelnen Episoden jetzt eigentlich etwas mit der großen Haupthandlung zu tun haben. Manche von ihnen sind so ereignislos, dass ich mich gefragt habe, wie man damit überhaupt fast 45 Minuten füllen kann: Beispielsweise als Issac gedanklich in die Vergangenheit transportiert wird, um sich mit einem Erlebnis auseinanderzusetzen, das er nicht verarbeitet hat. So ein Plot könnte packend und mitreißend sein, allerdings ist es hier eher einschläfernd. Die Abläufe der Folgen sind langweilig, weil einfach kein Spannungsbogen existiert. Das noch viel größere Problem ist aber die allgemeine Qualität der Sendung. Die Schauspieler können ihre Figuren nicht überzeugend spielen. Sie alle wirken sehr unecht, das merkt man an zu übertriebener oder nicht vorhandener Mimik. Außerdem hört sich vieles, was sie sagen, sehr unnatürlich oder merkwürdig betont an und nicht so, wie Menschen wirklich reden würden (ich habe die Originalversion geschaut und nicht die deutsche Version). Darüber hinaus hat keine der Figuren irgendwelche herausstechenden Eigenschaften oder irgendetwas, was ihnen als Charaktere eine Persönlichkeit oder Wiedererkennungswert gibt. Sie sind so platt und uninteressant, dass ich nie mit ihnen mitgefiebert habe. Auch die Bösewichte wirken alles andere als bedrohlich. Die meiste Zeit habe ich nicht einmal verstanden, was sie überhaupt wollen oder was sie antreibt. Sie tauchen einfach auf und greifen an. Das alles führt dann dazu, dass die Geschichte überhaupt nicht packen kann. Ein weiterer Störfaktor, der die Qualität schmälert, sind dann noch die schlechten Spezialeffekte. Ich habe lange keine so neue Serie gesehen, die so unechte Effekte eingesetzt hat. Nichts davon wirkt auch nur ansatzweise glaubhaft und trägt definitiv nicht dazu bei, die düstere Stimmung, die die Sendung eigentlich erzielen will, zu unterstützen. Ich hatte das Gefühl, eine Serie aus den 90ern zu sehen. Besonders in der letzten Folge gibt es einen übermäßigen Einsatz dieser schlechten Effekte. Das alles ist wirklich schade und ärgerlich. Die Grundidee hat mir wirklich zugesagt, nur leider hapert es bei "Superstition" an der kompletten Umsetzung. 


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Donnerstag, 12. Juli 2018

Lauras Top 10 Buchreihen

Bücher begleiten mich schon seit meiner Kindheit und seitdem habe ich nicht nur jede Menge Einzelbände gelesen, sondern auch einige Buchreihen. Daher stelle ich euch in der heutigen "Watch.Read.List." meine zehn Favoriten vor. Es gibt viele Reihen, die ich begonnen habe, aber entweder nach dem ersten Teil abgebrochen, irgendwo mittendrin beendet oder noch nicht komplett gelesen habe. All diese habe ich natürlich nicht mit einbezogen. Es war nicht leicht, die Zehn für mich Besten in eine Rangfolge zu bringen. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die über einen Platz entschieden haben und ich kann jede der erwähnten Reihen wirklich empfehlen. 
Falls ihr manche der Reihen nicht kennt, klickt einfach auf die Titel, dann gelangt ihr zur Inhaltsbeschreibung. 


10. Der magische Zirkel (Lisa J. Smith) 

Foto: Random House
Diese Geschichte gehört zu einer der ersten, die ich als Teenager gelesen habe und die mir noch sehr prägnant im Gedächtnis geblieben ist. Andere Romane aus dieser Zeit habe ich vollkommen vergessen. Mir hat bei dieser Reihe die Mischung aus ganz normalem Schulalltag und den Erlebnissen des geheimen Zirkels sehr gefallen. Die ganze Stimmung hat etwas Mystisches. Ich mochte diese Reihe auch deutlich lieber als die "Tagebuch eines Vampirs"-Reihe der Autorin. Mittlerweile wurden bzw. werden nachträglich neue Bände  der Hexengeschichte veröffentlicht. Die habe ich nie gelesen, weil die Trilogie, die in den 90ern herausgebracht wurde, für mich sehr gut abgeschlossen ist und auch eigentlich nie weitergeführt werden sollte. Würde ich sie heute noch mal lesen, würde sie mir vielleicht nicht mehr ganz so gut gefallen wie damals, aber als Jugendliche war es für mich eine wirklich tolle, unterhaltsame Reihe.

9. Das Tal (Krystyna Kuhn)

Foto: Arena Verlag
Ich mag die mysteriöse, bedrohliche Stimmung in dieser Reihe unglaublich gerne. Auch die meisten der Hauptcharaktere sind mir sympathisch. Da jeder über die acht Bände mal im Vordergrund steht, hat man wirklich das Gefühl, sie alle gut kennenzulernen. Jeder von ihnen trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das erst im Laufe der Zeit offenbart wird, was auch den Figuren etwas Mysteriöses gibt. Die meist lebensbedrohlichen Situationen, in die die Jugendlichen im Tal geraten, sind immer sehr spannend und mitreißend erzählt. Der Schreibstil ist locker und flüssig, sodass ich sogar an einem Tag gleich zwei Teile hintereinander verschlungen habe, weil ich mich nicht von der Geschichte losreißen konnte. Warum diese Reihe nur auf Platz neun gelandet ist, liegt an dem Finale und der Auflösung, was denn nun das große Geheimnis ist, das das Tal und das College umgibt. Da habe ich definitiv mehr erwartet und war enttäuscht, weil es sehr zusammengewürfelt wirkt und nicht zu einhundert Prozent stimmig und schlüssig erscheint. 

8. Die Erben der Nacht (Ulrike Schweikert)

Foto: Random House
Im Vergleich zu den größtenteils romantischen Vampirgeschichten, wie "Twilight" oder "Tagebuch eines Vampirs", hat die Reihe von Ulrike Schweikert eine ganz andere Stimmung, die mir sehr gut gefällt. Beim Lesen kommt das Gefühl auf, eine Abenteuergeschichte zu erleben. Es macht einfach Spaß, die jungen Vampire auf ihrem Weg zu begleiten. Dadurch, dass jeder der fünf Bände ein Schuljahr repräsentiert und sie immer neue Fähigkeiten erlernen, ist eine deutliche Entwicklung erkennbar und es wird nie langweilig oder eintönig. Ich finde besonders die verschiedenen Settings sehr faszinierend. Mit jedem Band lernt der Leser eine andere Stadt im 19. Jahrhundert kennen, z.B. Rom, Wien oder London. Mir hat es unheimlich gut gefallen, diese Orte in der Vergangenheit zu "besuchen". Ein Highlight sind zudem die "Gastauftritte" berühmter Persönlichkeiten. So begleitet der Leser unter anderem Bram Stoker oder Oscar Wilde. Die Idee, sie Teil dieser fiktiven Geschichte werden zu lassen, finde ich genial. Ebenfalls positiv ist, dass die Reihe nie den roten Faden verliert. Insgesamt gibt es aber Reihen, die mich noch etwas mehr begeistern konnten. 

7. Skulduggery Pleasant (Derek Landy)

Foto: Loewe Verlag
Obwohl es diese diese Reihe, die mittlerweile bereits zehn Teile umfasst, schon relativ lange gibt, habe ich sie erst sehr spät für mich entdeckt. Ich bin aber letztendlich wirklich froh, dass ich sie noch gelesen habe! Die Geschichte ist definitiv etwas Besonderes und sticht aus der großen Masse an Kinder- und Jugendbüchern heraus. Wobei ich finde, dass diese Romane nicht nur für diese Altersgruppe gemacht sind. Ich war schon über 18 Jahre alt, als ich damit begonnen habe und ich liebe den cleveren Humor, die temporeichen Abenteuer, die abgedrehten und zugleich liebenswerten Charaktere sowie die fantasievolle Idee hinter "Skulduggery Pleasant". Der Grund, warum diese Reihe "nur" auf dem siebten Platz ist: Es gibt zwar auch ein paar emotionalere Momente und die Figuren sind mir über die Zeit ans Herz gewachsen, aber im Vergleich zu anderen Reihen hat mich Derek Landys Geschichte nicht ganz so sehr berührt. Trotzdem ist es eine spannende, witzige und unterhaltsame Geschichte, die genau deshalb in meiner "Top 10" nicht fehlen darf.

6. Die Sieben Königreiche (Kristin Cashore)

Foto: Carlsen Verlag
Diese Reihe mag ich vor allem wegen der vielen tollen Charaktere, die man während der Trilogie kennenlernt. In jedem der drei Bände gibt es unterschiedliche Protagonisten und alle von ihnen sind sehr liebenswerte und vielschichtige Persönlichkeiten. Nach Beenden des ersten Teils war ich skeptisch, ob die Figuren der kommenden Bände mit denen aus "Die Beschenkte" mithalten können. Doch letztendlich haben sie mir ebenso gut gefallen. Alle von ihnen sind wirklich sympathisch und haben einen Wiedererkennungswert. Darüber hinaus liebe ich die geheimnisvolle, komplexe Welt, die Cashore erschaffen hat. Erst nachdem man alle drei Teile gelesen hat, wird wirklich deutlich, wie gut und sorgfältig die Königreiche und ihre historische Geschichte entwickelt wurden. Diese Trilogie ist nicht weiter oben in der Liste, weil die jeweiligen Handlungen zwar schon spannend sind, aber mich teilweise nicht zu einhundert Prozent begeistern konnten. Manche Stellen sind einfach etwas zu lang gezogen. 

5. Legend (Marie Lu)

Foto: Loewe Verlag
Diese dystopische Trilogie überzeugt vor allem durch die dreidimensionalen, sympathischen Hauptcharaktere. Außerdem erzählt sie eine aufregende, mitreißende Geschichte über eine Revolution. Was mir dabei besonders gut gefällt: Die Handlungen und Entscheidungen der Figuren sind durchdacht und strategisch. Sie rennen nicht einfach blindlings in Kämpfe, sondern gehen wirklich bedacht und clever vor, was die ganze Geschichte sehr rund und stimmig macht. Positiv ist für mich auch die Beziehung zwischen den Protagonisten. Diese Liebesgeschichte ist eine der wenigen aus Jugendbüchern, die ich absolut gelungen finde. Sie ist bedeutend, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen oder den Fokus von den wirklich wichtigen Problemen zu lenken. Beide Figuren stehen für sich und sind nicht vom anderen abhängig, doch als Team sind sie noch besser. Trotzdem ist nicht alles perfekt, aber es gibt nie unnötiges Drama. Wenn es Streit und Auseinandersetzungen gibt, sind die sehr verständlich und keiner der beiden reagiert über. Allerdings sind da immer noch ein paar Reihen, die mir einen Hauch besser gefallen haben; besonders eine aus dem Dystopie-Genre mag ich noch mehr.

4. Die Jette-Thriller (Monika Feth)

Foto: Random House
Diese Reihe begleitet mich schon sehr lange! Ich habe den ersten Teil damals mit 14 gelesen und seitdem bin ich ein großer Fan dieser Thriller. Ein großer Pluspunkt sind hier die Charaktere, die man während der Zeit kennenlernt. Als Leser sieht man dabei zu, wie sie älter werden (im ersten Teil sind sie gerade mit der Schule fertig) und sich verändern. Außerdem kommen immer neue Figuren hinzu. Sie alle wirken immer sehr greifbar und wie reale Personen. Auch der Kommissar, der ebenfalls Kapitel aus seiner Sicht bekommt, ist eine sehr dreidimensionale Figur, die mit jedem Band interessanter wird. Zudem gefällt mir, dass die Autorin sich in diesen Geschichten auch mit ernsten Themen auseinandersetzt, zum Beispiel psychischen Krankheiten - sowohl bei Tätern als auch bei manchen der Hauptfiguren. Mittlerweile ist es einfach ein sehr vertrautes Gefühl, diese Bücher zu lesen. Das Einzige, was mich ab und zu stört: Auch nach vielen durchlebten (lebens-)gefährlichen Situationen (So viel Unglück wie die Protagonisten muss man erst einmal haben ...), begeben sich die jungen Leute immer wieder aufs Neue in bedrohliche Lagen. Einerseits trägt das natürlich zur Spannung bei, aber manchmal ist es wiklich nervig. Diese Reihe ist außerdem nur auf Platz vier gelandet, weil es zwei der mittlerweile sechs Teile gibt, die ich nicht ganz so überzeugend finde. Der schlechteste ist dabei für mich "Der Bilderwächter", weil er sehr schleppend verläuft und erst spät für Nervenkitzel sorgt.

Es gibt übrigens eine neuere Reihe (bis jetzt sind drei Teile erschienen, der erste Band lautet "Teufelsengel"), die so etwas wie ein Spin-Off ist und die ich auch empfehlen kann.

3. Riley Blackthorne - Die Dämonenfängerin (Jana Oliver)

Foto: S. Fischer Verlag
Riley ist eine meiner liebsten weiblichen Hauptcharaktere überhaupt! Sie muss so viel Schlechtes durchleben und kommt dabei immer wieder an ihre Grenzen, aber kämpft sich trotzdem immer wieder durch. Sie wirkt sehr echt und glaubwürdig. Mir war sie von Anfang an sympathisch und ich bin ihr gerne durch die Geschichte gefolgt. Ich liebe außerdem die Idee der Reihe. Ich bin ein Fan der Serie "Supernatural" und kann mich für alles, was mit Übernatürlichem und Dämonen zu tun hat, begeistern. Besonders der Aspekt, dass die Menschen in der Zukunft von der Existenz der Dämonen wissen und man in die Lehre gehen kann, um sie zu fangen, gefällt mir sehr gut. Der gesamte Aufbau der Geschichte und die Welt wirken sehr strukturiert und schlüssig. Neben Riley gibt es außerdem noch weitere tolle Charaktere, beispielsweise ihr bester Freund, der zur Abwechslung mal nicht heimlich in die Heldin verliebt ist und deren Freundschaft wirklich glaubwürdig dargestellt wird. Daneben gibt es auch noch Beck, der zwar oft das Klischee "Harte Schale, weicher Kern" bedient, aber trotzdem ein sehr liebenswürdiger, tiefgründiger Charakter ist. Obwohl ich Beck sehr gerne mag, war mir das Drama zwischen ihm und Riley manchmal allerdings etwas zu viel und übertrieben. Das ist aber auch der einzige Störfaktor. Ich war wirklich traurig, als ich die Reihe beendet habe. Am liebsten hätte ich noch vier weitere Teile! 

2. Das Verbotene Eden (Thomas Thiemeyer)

Foto: Droemer Knaur Verlag
Diese Trilogie erzählt eine sehr spannende, ergreifende Geschichte. Zuerst einmal finde ich das Zukunftsszenario sehr ausgefallen und interessant. Nicht nur die Idee, dass Männer und Frauen getrennt leben, auch das Setting der stark zerstörten Version der Erde ist wirklich gelungen. Hinzu kommen die tollen Figuren, die ich alle sofort in Herz geschlossen habe. In jedem Band geht es um ein anderes Paar, was die Reihe sehr abwechslungsreich macht. Die Sechs könnten nicht unterschiedlicher sein und haben alle sehr einprägsame Merkmale, die sie auszeichnen. Warum mich diese Reihe aber besonders überzeugt hat: Die Liebesgeschichten nehmen einen großen Teil der Handlung ein, aber sie alle sind so wundervoll und glaubhaft erzählt, dass sie nie überzogen, kitschig oder nervtötend wirken. Während des letzten Teils musste ich mehrere Male fast weinen, weil mich die Geschichte so berührt hat. Es gibt wirklich nichts, was mich gestört hat. Daher ist es wirklich eine rein emotionale Entscheidung, warum dieser Reihe auf dem zweiten Platz gelandet ist, weil es noch eine andere Trilogie gibt, die mich ein kleines bisschen mehr gefangen nehmen konnte.

Ich habe übrigens auch die "Evolution"-Trilogie des Autors gelesen, die es zwar nicht in die Liste geschafft hat, aber trotzdem wirklich gut ist! Meine Rezensionen dazu findet ihr hier


1. Die Tribute von Panem (Suzanne Collins)

Foto: Oetinger Verlag
Ich habe den ersten Teil als Hörbuch gehört und die Geschichte hat mich so begeistert und berührt, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. Deshalb habe mir dann noch am selben Tag die englischen Ausgaben von Band 2 und 3 bestellt. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich sie beide durchgesuchtet. Die Geschichte hat mich nicht losgelassen und auch hier bin ich sehr emotional mit den Charakteren verbunden gewesen. Während dieser drei Bände habe ich beinahe alles empfunden: Trauer, Wut, Angst, Freude, Anspannung. Es gibt einige Stellen, die mich so aufgewühlt haben, dass ich das Buch kurz zur Seite legen musste und andere, die mich zu Tränen gerührt haben. Suzanne Collins hat eine bedrückend düsterere und überzeugende Zukunftsversion erschaffen, die mich auch noch lange nach Beenden der Trilogie beschäftigt hat - das schaffen nicht viele Bücher! Erst vor Kurzem habe ich die Reihe erneut gelesen und sie konnte mich wieder genauso fesseln - auch deshalb ist sie ganz knapp auf dem ersten Platz gelandet.


Das waren meine Top 10 Buchreihen. Welche mögt ihr am liebsten? War euer Favorit vielleicht auch in meiner Liste dabei? Schreibt es gerne in die Kommentare


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Freitag, 6. Juli 2018

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen (Teil 5)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" stellen wir regelmäßig drei davon vor und fassen zusammen, ob sich das Angucken lohnt. Dabei rezensieren wir sowohl Serien als auch Filme und das Querbeet durch alle Genre hindurch. Diesmal geht es wieder um Filme. In der Vergangenheit haben wir uns bereits Horrorstreifen wie "Little Evil" und Romanzen wie "When We First Met", aber auch Actionfilme wie "Spectral" und Dramen wie "Kodachrome" gewidmet. 


Tau

Die Grafik ist nicht immer so gut
Foto: Netflix
Julia (Maika Monroe) wohnt in einer dreckigen Absteige und verdient ihr Geld damit, Menschen in billigen Nachtclubs zu bestehlen. Eines Abends wird sie in ihrer Wohnung überfallen und betäubt. Als sie aufwacht, ist sie an eine Liege gefesselt, geknebelt und verkabelt. Später wird sie in einen dunklen Käfig gebracht, in dem bereits zwei andere, ebenfalls gefesselte und geknebelte, Menschen (Fiston Barek, Ivana Zivkovic) eingesperrt sind. Julia realisiert, dass sie alle drei ein Implantat in ihrem Nacken eingesetzt bekommen haben. Mit einer List gelingt es Julia, das Labor und den Käfig zu zerstören und mit ihren Mitgefangenen abzuhauen. Die beiden werden jedoch während der Flucht von einem aggressiven Roboter getötet. Bevor er auch Julia umbringen kann, wird er von ihrem Entführer (Ed Skrein) davon abgehalten. Sein Name ist Alex. Er ist Leiter eines großen Technikunternehmens und entwickelt künstliche Intelligenzen. Eine davon ist Tau, die in seinem Haus integriert ist und auch den Killer-Roboter steuert. Alex hat Julia und mehrere andere Menschen, die aufgrund ihrer niedrigen sozialen Stellung von niemandem vermisst werden, gekidnappt, um ihre Hirnaktivitäten aufzuzeichnen. Da das Labor zerstört ist, kann sich Julia nun etwas freier bewegen, wird aber weiterhin gezwungen, bestimmte Tests zu absolvieren. Bald erfährt sie, dass Alex Tau von der Außenwelt abschottet und die sehr neugierige künstliche Intelligenz so gut wie nichts weiß. Im Gegenzug für Informationen, bittet sie Tau um die Hilfe bei ihrer Flucht.

Zu Beginn ähnelt "Tau" einem Horrorfilm
Foto: Netflix
Diese Inhaltsangabe mag klingen, als hätte ich damit schon den ganzen Film verraten. Zum Teil stimmt das auch, denn es geschieht nur sehr, sehr wenig. Es gibt ein paar Sequenzen (zum Beispiel Gespräche zwischen Julia und Tau, Aufnahmen von leuchtenden, digitalen Anzeigen...) und Sätze, die immer wiederholt werden. Nur zu Beginn und gegen Ende kommt ein bisschen mehr Leben in die träge Handlung. Andererseits muss die Geschichte ausführlich erklärt werden, da sie zwar simpel klingt, aber dennoch ziemlich verstrickt ist. Denn "Taus" ganz große Schwachstelle ist das Nicht-beantworten sämtlicher aufkommender Fragen. Der Zuschauer erfährt nicht, was Alex eigentlich genau erreichen will, weshalb er seine Forschung geheim hält und was Julia so besonders für das Experiment macht. Als Tau Julia mit Fragen zur Außenwelt löchert, habe ich ihn jedenfalls sehr gut nachvollziehen können. Nichts ist nerviger, als keine Antworten zu bekommen. "Tau" hat dadurch keinerlei Substanz, da nicht klar ist, wie die Handlung oder die Charaktere einzuordnen sind. Der Science-Fiction-Streifen hat mich in dieser Hinsicht und von der Geschichte her an "The OA" erinnert - die schlechteste "Netflix"-Serie, die ich je gesehen habe
Tau (hinten) weiß nicht mehr, wem er gehorchen soll 
Foto: Netflix
So grottig ist der Ende Juni 2018 erschienene Film nicht, da die Schauspieler deutlich besser sind als bei "The OA" und er einige beachtenswerte Themen aufwirft. Es gibt unzählige Handlungen über künstliche Intelligenz. In den meisten entwickelt die Technologie ein Eigenleben und wendet sich gegen die Menschen oder wird durch einen Funktionsfehler "böse". Hier wird ein viel spannenderer Aspekt angegangen: Tau verhält sich wie ein kleines Kind. Er ist neugierig, stellt Fragen und ist sich nicht über die Folgen seines Handelns bewusst. Dadurch wächst er sowohl Julia als auch dem Zuschauer ans Herz, obwohl er noch kurz zuvor zwei Menschen getötet hat. Dieses moralische Dilemma ist spannend und ungewöhnlich, da die KI-Technologie nicht einfach verteufelt, sondern von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Es ist auch interessant zu sehen, wie die junge Frau versucht, völlig alltägliche Dinge, wie Bäume oder Häuser, zu erklären, sodass der völlig unwissende Tau sie verstehen kann. Dasselbe gilt für die aufgeworfenen Fragen, wie "Schuldet man den Menschen, die einen `erschaffen´ haben etwas?" oder "Was macht eine Person zu einer Person?" Besonders eindrucksvoll ist in dieser Hinsicht eine Szene, in der Tau einen Tobsuchtsanfall bekommt - wie ein kleines Kind - und immer wieder schreit, dass er eine Person sei. Es ist deutlich zu merken, wie viel Angst die künstliche Intelligenz vor der Frage nach der eigenen Existenz hat. All das ist hochspannend, verläuft sich aber vollkommen, um Platz für übertrieben blutige Actionszenen zu machen. "Tau" hat sehr großes Potenzial, das leider größtenteils verschenkt wird. Hier wäre es deutlich sinnvoller gewesen, die Geschichte in einer Serie zu verarbeiten, um genug Zeit zu haben, um Lösungsvorschläge für die gestellten Fragen zu finden und dem Zuschauer die menschlichen Charaktere näher zu bringen.


Ihr Motto ist Widersprechen 
Foto: Netflix
Lona Skinner (Sami Gayle) und Bennett Russell (Jacob Latimore) haben nur wenig gemeinsam: Sie besuchen dieselbe exklusive Schule, sind die einzigen Mitglieder des dortigen Debattierclubs und können sich nicht sonderlich leiden. Ansonsten sind die beiden grundverschieden. Bennett ist der Sohn der erfolgreichen Politikerin Julia Russell (Uzo Aduba), die ihren guten Freund Barack Obama gebeten hat, Bennett eine Empfehlung für Yale zu schreiben. Lona wächst nach dem frühen Tod ihres Vaters bei ihrer Mutter Amy (Christina Hendricks) auf und muss immer aufs Geld schauen. Durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz hat sie ein Stipendium für die Schule bekommen und hofft nun, es so auch nach Harvard zu schaffen. Um ihre Chancen für die Aufnahme an den Elite-Universitäten zu verbessern, wollen die zwei Debattierchampions eine weitere Meisterschaft gewinnen. Allerdings können sie diesmal nicht individuell antreten, sondern müssen ein Team bilden. Da beide Einzelkämpfer sind, gestaltet sich das als schwierig, zumal auch ihre Mütter mitmischen, die sich schon in der Schulzeit nicht leiden konnten. Lediglich Vertrauenslehrerin Kathy (Helen Hunt) versucht zwischen Lona und Bennett zu vermitteln.

Die Mütter wollen helfen, wissen aber nicht wie
Foto: Netflix
Ich hatte "Candy Jar" schon eine ganze Weile auf meiner Liste, habe aber lange gebraucht, um mir den Film tatsächlich anzusehen. Die Beschreibung und der Trailer ließen darauf schließen, dass es sich dabei um einen typischen, klischeehaften Teeniestreifen handelt, in dem zwei gegensätzliche Jugendliche gezwungen sind, zusammenzuarbeiten und sich dann ineinander verlieben. Die Geschichte um Lona und Bennett geht zwar grob in diese Richtung, unterscheidet sich aber dennoch stark von Streifen mit einer ähnlichen Ausgangssituation. Zum einen fehlen die ganzen typischen Charaktere, die normalerweise in einem Jugendfilm vorkommen. Es gibt keine arroganten Sportler, keine egoistische Homecoming-Königin, keine altkluge beste Freundin oder einen albernen Klassenclown. Um genau zu sein, kommen so gut wie keine Teenager vor. Zwischendurch treten zwei Zwillingsbrüder dem Debattierclub bei. Deren einzige Funktion ist es jedoch, Fragen zum wettkampfmäßigen Debattieren zu stellen, damit es der Zuschauer nicht googlen muss. Ansonsten reden Lona und Bennett nur mit dem jeweils anderen oder mit ihren erwachsenen Bezugspersonen. Eine sehr akkurate Darstellung eines "Nerds", die in Filmen normalerweise eher verzerrt wird. Aber das kommt in "Candy Jar" so gut wie gar nicht vor. Zwar überlegen die beiden Protagonisten zwischenzeitlich, ob sie eine "normale" Zeit auf der High School hatten, aber sie ändern sich deswegen nicht. Sie sind einfach arbeitswütig, ehrgeizig und auf ihre Zukunft fixiert. Das wird aber nicht als verwerflich oder falsch dargestellt und die Charaktere haben auch keinen Sinneswandel am Schluss. Stattdessen endet der Film mit einer ähnlichen Szene, wie es sie schon zu Beginn gab, die zeigt, dass Lona und Bennett mit sich selbst im Reinen sind. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so realistische und wertfreie Darstellung von intelligenten Jugendlichen gesehen zu haben, die sich willentlich gegen ein "normales" Teenieleben entschieden haben.
Lona und Bennett stehen zu ihren Eigenarten
Foto: Netflix
Auch die anderen Themen des Films sind deutlich fundierter und erwachsener als in den meisten anderen dieses Genres. Das Debattierthema bei den Wettbewerben ist, ob Collegebildung umsonst oder weiterhin kostenpflichtig sein sollte. Dabei werden einige interessante Aspekte aufgeworfen, vor allem, als die Protagonisten gegen zwei Mädchen antreten, die nicht mit Fakten um sich werfen, sondern ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Die Tatsache, dass Lona aus ärmlichen Verhältnissen stammt, wird in diesem Zusammenhang leider ein wenig vernachlässigt. Zwar erzählt ihre Mutter ständig, dass es ihnen an Geld mangelt und das Haus nicht so schön sei, aber ansonsten ist dieser Aspekt nicht wirklich bemerkbar. Hier wäre das Prinzip "Show don't tell" angebracht gewesen. Mein zweiter und tatsächlich schon letzter Kritikpunkt ist ein Logikloch: Obwohl vor jedem Debattierduell festgelegt wird, wer welche Seite vertritt, sind die beiden oben erwähnten Mädchen bis ins Finale gekommen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie kein einziges Mal für Studiengebühren argumentieren mussten. Aber wie hätten sie das bewerkstelligt, wenn sie keine Fakten, sondern nur eigene Erfahrungen mit den negativen Konsequenzen von teurer Bildung parat hatten? Mal abgesehen von diesen beiden Punkten ist "Candy Jar" ein unterhaltsamer Film. Das liegt unter anderem daran, dass nicht nur auf die üblichen Klischees, sondern auch fast vollständig auf die typische Liebesgeschichte verzichtet wird. Es gibt zwar Gefühle zwischen Lona und Bennett, doch die spielen nie eine zentrale Rolle und wirken immer angenehm unterschwellig. Stattdessen hat "Candy Jar" einige dramatische Elemente. Besonders eine Szene ist herzzerreißend und zeigt eindrücklich, wieso dem titelgebenden Süßigkeitenglas so viel Bedeutung beigemessen wird. Mehr kann ich leider nicht verraten, ohne eine wichtige Wendung zu spoilern. Denn die kommt wirklich überraschend - im Gegensatz zu der am Ende. Ich habe mir bereits am Anfang gedacht, dass das Universitäten-Szenario so aufgelöst werden würde. Alles in allem ist "Candy Jar" ein wirklich sehenswerter Film!


Set It Up

Lauter langweilige Charaktere
Foto: Netflix
Die 25-jährige Harper (Zoey Deutch) arbeitet als persönliche Assistentin für Kirsten (Lucy Liu), die Chefredakteurin eines Online-Sportmagazins. Von morgens bis abends muss sie die Launen ihrer Chefin ertragen und häuft Berge an Überstunden an. Eines Nachts begegnet sie ihrem männlichen Pendant Charlie (Glen Powell). Der 28-Jährige ist Assistent des Risikokapital-Anlegers Rick (Taye Diggs) und muss ein ähnliches Arbeitsklima wie Harper ertragen. Beide machen ihren Job nur, um später von der Stellung und den Kontakten ihres jeweiligen Bosses zu profitieren. Im Spaß schlägt Charlie vor, dass sie Kirsten und Rick verkuppeln könnten, da diese dann weniger Zeit im Büro verbringen würden. Nach einer Weile willigt Harper ein und die zwei schmieden allerhand Pläne, damit sich ihre Chefs ineinander verlieben. Dazu zählen ein gemeinsames Feststecken im Aufzug, ein Kisscam-Kuss bei einem Baseball-Spiel und zahlreiche Geschenke, die Harper und Charlie für ihren jeweiligen Boss aussuchen. Schließlich beginnen Rick und Kirsten tatsächlich eine Beziehung, wodurch ihre Assistenten mehr Freizeit haben. Eine Weile lang sind alle vier zufrieden, doch dann häufen sich die Probleme.

Rick und Kirsten haben absolut keine Chemie
Foto: Netflix
Romantische Komödien gehören zu den Genre, die ich am wenigsten mag. Sie sind mir zu albern, zu absehbar und zu eintönig. Der ähnlich gelagerte "Netflix"-Film "When We First Met" hat mich jedoch gut unterhalten und zu "Set It Up" hatte ich einige positive Kommentare gelesen, daher habe ich ihn mir angesehen. Im Gegensatz zu "Candy Jar", von dem ich mir wenig versprochen hatte und angenehm überrascht wurde, hat mich der neue Streifen extrem enttäuscht. Die Geschichte ist so langweilig, dass ich mehrere Anläufe gebraucht habe, um den Film überhaupt zu Ende zu gucken. Er ist klischeehaft und vorhersehbar wie fast alle romantischen Komödien, hat aber auch sonst keinerlei interessante Wendungen oder frische Ideen, die der Handlung irgendwie Schwung verleihen. Eine Stunde und 45 Minuten Laufzeit wäre mehr als genug gewesen, um irgendein Alleinstellungsmerkmal zu finden, mit dem sich die Geschichte von ähnlichen abgehoben hätte. Stattdessen passiert nicht viel mehr als das, was bereits im knapp über zwei Minuten langen Trailer zu sehen ist. Letztendlich dreht sich "Set It Up" überhaupt nicht um das titelgebende Verkuppeln, sondern um Charlies und Harpers fruchtlose Versuche, die große Liebe und einen Sinn in ihrem Leben zu finden. 
Harper und Charlie sind ganz nett, mehr auch nicht
Foto: Netflix
Das wäre noch tragbar, wenn zumindest die Charaktere charmant und sympathisch wären. Das ist aber nicht der Fall. Die beiden Assistenten sind das wandelnde Klischee eines hart arbeitenden Millenials, der Karriere machen möchte, aber durch einen ignoranten Boss daran gehindert wird. Diese Chefs haben natürlich keinen Funken Menschlichkeit in sich und werden regelmäßig körperlich wie verbal ausfallend. Dazu kommen noch der beste Freund (Pete Davidson) des Protagonisten und die beste Freundin (Meredith Hagner) der Protagonistin, die nichts weiter tun, als treudoof zu sein, außer es geht darum, die Verliebtheit ihres Gegenübers zu erkennen. Natürlich darf auch die obligatorische gefühlskalte, egoistische Freundin (Joan Smalls) des Hauptcharakters nicht fehlen, die nur auf dessen Geld und Ansehen aus ist. Harper und Charlie agieren relativ geschmeidig miteinander und wirken besonders in einer Szene, in der sie sich eine Pizza teilen, erfrischend realistisch. Alle anderen Figuren und ihre Beziehungen untereinander wirken nur steif und erzwungen. Die vermeintliche große Liebe zwischen Kirsten und Rick ist für den Zuschauer beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehbar, da die beiden kaum gemeinsam zu sehen sind. Charaktere und Handlungen erscheinen so herzlos zusammengewürfelt, dass der Film einfach keinen Spaß macht. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend an Seele und Substanz.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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