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Donnerstag, 6. September 2018

Lauras Top 20 Serien

Wir reden auf diesem Blog über Filme, Bücher und Serien - haben aber noch nie unsere Serienfavoriten vorgestellt. Daher gibt es heute von mir eine neue "Watch.Read.List.", in der ich euch meine 20 liebsten Sendungen aufliste und kurz erzähle, wieso sie mit dabei sind. Wie bei den anderen Listen war es auch bei dieser für mich nicht immer ganz leicht, die Platzierungen zu verteilen, da es oft Kleinigkeiten sind, die eine Serie für mich "besser" oder "schlechter" als eine andere machen. Ich kann auf jeden Fall alle Plätze empfehlen. 



20. Hart of Dixie

Foto: The CW
"Hart of Dixie" habe ich immer gerne geschaut. Es gibt keine super großen Dramen und am Ende der Folgen ist alles irgendwie in Ordnung. Neben anderen Serien, in denen ständig ganz viel passiert, fand ich es angenehm, zwischendurch auch mal eine etwas weniger hektische und intensive Show zu schauen. Sie ist nur auf dem letzten Platz gelandet, weil die Charaktere teilweise etwas überzogen sind und der Fokus manchmal zu sehr auf den Liebesbeziehungen liegt und andere Themen weniger Aufmerksamkeit bekommen. 

19. Modern Family

Foto: ABC
Diese Sendung ist perfekt zum zwischendurch schauen. Ich habe sie entdeckt, als ich mich gerade für keine andere Serie begeistern konnte und habe die ersten sechs Staffeln ziemlich schnell beendet (und warte seitdem darauf, dass "Netflix" die nächste online stellt). Sie ist total unterhaltsam, aber fast komplett ohne Tiefgang. Außerdem gibt es keine aufbauende Handlung und die Figuren sind sehr eindimensional. Es ist eine leichte Sitcom, die ich gerne schaue, aber nicht total investiert darin bin, weshalb sie nicht weiter oben gelandet ist. 

18. Wynonna Earp

Foto: Syfy
An dieser Serie liebe ich vor allem die tollen Charaktere. Besonders die Protagonistin und ihre Schwester sind vielseitige und starke Figuren. Dank ihnen habe ich die Handlung trotzdem gerne verfolgt. Denn die ist leider der Schwachpunkt: Sie ist nicht durchweg richtig mitreißend und wirkt manchmal etwas wirr. Zwischendrin gibt es aber immer Folgen, die richtig gut sind. Daher ist die Geschichte etwas durchwachsen und die Serie aus diesem Gruund nur im unteren Teil der Liste gelandet. 

17. Preacher

Foto: AMC
Diese Serie hat in meinen Augen ähnliche Schwächen und Stärken wie "Wynonna". Die Figuren sind hier auch noch einmal eine Spur genialer, einfach weil sie so speziell und teilweise auch etwas verrückt sind. Die Handlung ist insgesamt ebenfalls besser aufgebaut als beim Platz 18 dieser Liste, kann sich manchmal aber auch ziemlich ziehen. Die Geschichte selber ist vollkommen abgedreht, was meistens sehr unterhaltsam ist, an einigen Stellen wird es aber dann für mich etwas zu seltsam.

16. OC California

Foto: Fox 
Mein Platz 16 ist eine der wenigen Sendungen, die ich als Jugendliche geschaut habe und heute immer noch gerne mag. Das liegt vor allem an den sympathischen, interessanten Charakteren. Insgesamt fand ich aber schon damals, dass es teilweise etwas zu viel Drama gibt. Zudem habe ich die vierte und letzte Staffel lange Zeit ignoriert, weil ich das Ende der dritten richtig blöd fand. Letztendlich war die vierte Staffel dann auch nicht so gut wie der Rest. 

15. Black Mirror

Foto: Netflix
Jede Folge dieser Sendung erzählt eine neue Geschichte. Einige davon sind richtig gut, andere haben mir nicht ganz so gut gefallen. Insgesamt finde ich die Idee der Serie aber wirklich spannend und so gut wie jede Episode schafft es, mich zu überraschen oder sogar zu schocken. Denn die Geschichten haben meistens einen abgedrehten Twist. Die Serie ist trotzdem nicht weiter oben gelandet, weil ich Sendungen mag, die fortlaufende Handlungen haben und bei denen man die Figuren richtig kennenlernt. Das ist hier nicht der Fall.

14. Vikings

Foto: History
"Vikings" ist eine richtig spannende und actionreiche Serie, die außerdem eine gut aufgebaute Handlung hat. Mir gefallen vor allem die Charaktere sehr gut, weil sie alle vielschichtig und komplex sind. Sie machen im Laufe der Staffeln alle Veränderungen durch, was sie realer erscheinen lässt. Zudem finde ich die Geschichte der Wikinger sehr interessant - auch wenn in der Serie sicher nicht alles ganz historisch akkurat ist. Dennoch hat die Serie ab und zu ein paar Längen und der Protagonist, den ich am Anfang so toll fand, wird mit der Zeit etwas anstrengend. 

13. American Gods

Foto: Starz
Bei dieser Serie finde ich vor allem die Idee richtig spannend und außergewöhnlich: Ein Krieg zwischen den alten und neuen Göttern in Amerika. Zudem sind die meisten Charaktere richtig gut. Die Handlung ist teilweise etwas abgedreht und zu Beginn verwirrend - vor allem wenn man sich mit den verschiedenen Göttermythologien nicht so gut auskennt. Außerdem fehlt es dem Protagonisten noch etwas an Persönlichkeit. Aber bis jetzt gibt es auch nur eine Staffel und ich freue mich schon darauf, wie es weitergeht. Meine Rezensionen zur ersten Staffel findet ihr hier.

12. Good Girls Revolt

Foto: Amazon Video
Diese Sendung habe ich durch Zufall entdeckt und spontan geschaut - das ist jetzt schon ein paar Jahre her und es gab leider nur eine einzige Staffel, die auch noch offen endet. Trotz dieser Aspekte ist es eine Serie, die mich positiv überrascht hat. Zum einen erzählt sie ein interessantes Thema, das auf wahren Begebenheiten beruht (Ein Gruppe von Frauen verklagte 1970 ihren Arbeitgeber "Newsweek", da sie nur als Rechercheure arbeiten und nicht dieselben Aufgaben machen durften wie ihre männlichen Kollegen.). Zusätzlich behandelt sie dabei generell die Emanzipation der Frauen in den 70er Jahren. Leider ist die Absetzung auch der Grund, warum diese "Amazon Prime Video"-Produktion nicht weiter oben gelandet ist. Die Handlung endet wirklich sehr offen und es ist ärgerlich, dass die Geschichte nie fortgesetzt wurde. 

11. Lost

Foto: ABC
"Lost" habe ich erst relativ spät für mich entdeckt - so ungefähr sechs Jahre nach der Ausstrahlung des Staffelfinales. Daher wurde ich auch immer schonmal gespoilert. Trotzdem konnte mich diese Serie von Beginn an mitreißen und ich habe letztendlich verstanden, warum so viele Leute sie so gut fanden. Die Handlung ist ausgefallen und komplex und es gibt viele interessante Charaktere. Dennoch wurde die Sendung zum Ende hin etwas zu komplex und es gab ständig mehr oder weniger verwirrende Sprünge. Das Finale hat mir dann nicht so schlecht gefallen, wie ich nach den Spoilern und der allgemein eher negativen Meinung befürchtet hatte. 

10. Agent Carter

Foto: ABC
Ich bin bekennender "Marvel"-Fan und fand Peggy Carter im ersten "Captain America"-Film bereits richtig toll. Ihre eigene Serie hat mir schon allein durch ihren genialen Charakter sehr gut gefallen. Aber auch die meisten anderen Figuren sind toll aufgebaut. Neben Peggy gibt es noch weitere starke Frauen. Die Fälle - die sich jeweils über eine Staffel ziehen - sind spannend. Allerdings hat mir die zweite nicht mehr ganz so gut gefallen wie die erste, da sie ein paar Längen hatte. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht, die Geschichte zu verfolgen und ich finde es immer noch schade, dass schon nach der zweiten Staffel Schluss war. 

9. iZombie

Foto: The CW
Als ich vor einigen Jahren die Serie "The Walking Dead" (die ich nach vier Staffeln abgebrochen habe, weshalb sie auch nicht in meiner Liste ist) und damit das "Zombie-Genre" für mich entdeckt habe, kamen die ersten Teaser für "iZombie" heraus. Die Show hat mich natürlich sofort interessiert und ich finde die Serie auch bis heute unterhaltsam und spannend. Die meisten Figuren sind super cool, es macht daher immer Spaß, die Geschichten zu verfolgen. Zudem gefällt mir die Richtung, in die sich die Serie entwickelt sehr gut (anders als es damals bei TWD war) - hoffentlich bleibt das auch so. Sie ist "nur" auf Platz 9 gelandet, da manche Folgen die Handlung kaum voranbringen und die Charaktere nicht ganz so vielschichtig sind. 

8. Cloak & Dagger

Foto: Freeform
"Cloak & Dagger" ist die jüngste Serie in meiner Liste. Erst vor wenigen Wochen lief das Finale der ersten Staffel. Die Sendung hat mich bis jetzt wirklich überzeugt. Das liegt vor allem an den tollen Charakteren. In kaum einer anderen Geschichte habe ich Figuren kennengelernt, die so komplex und detailliert aufgebaut werden. Allerdings leidet letztendlich die Handlung etwas darunter, die zieht sich nämlich. Ich bin aber sehr optimistisch, dass das in der kommenden Staffel besser werden. Meine Rezensionen zu den Folgen findet ihr hier. 

7. Daredevil

Foto: Netflix
"Daredevil" ist eine weitere "Marvel"-Serie, die es in meine Top 10 geschafft hat. Sie ist die erste von insgesamt fünf "Marvel"-Heldensendungen, die "Netflix" produziert hat. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich nur die Filme des "Marvel Cinematic Universe", was vor allem Action und Spaß als Hauptmerkmale hat. Daher war ich überrascht, wie düster und ernst "Daredevil" ist. Das war eine tolle Abwechslung und mich konnte auch die Handlung sofort packen und die Charaktere haben mich ebenfalls schnell überzeugt.  Die Sendung wirkt insgesamt sehr "real", weil sie nicht davor zurückscheut, die unschönen Seiten von Helden zu zeigen. Sie ist nicht weiter oben in meiner Liste, weil Staffel 2 nicht mehr ganz so gut war wie die erste. Ich freue mich aber schon sehr auf die nächste Staffel! 

6. In the Flesh

Foto: BBC Three
Ich vermute, dass "In the Flesh" die unbekannteste Serie in meiner Top 20 ist. Es geht auch hier um Zombies, allerdings ist das Konzept vollkommen anders als bei "The Walking Dead". Es geht eher in Richtung "iZombie", da auch hier die Zombies nicht die Antagonisten sind, sondern die Protagonisten der Handlung. Trotzdem unterscheidet sie sich noch einmal sehr, denn sie ist deutlich ruhiger, tiefgründiger und ergreifender. Hinzu kommen die grandiosen Charaktere, die mich alle auf ihre Art berührt haben. Leider gibt es insgesamt gerade einmal neun Folgen über zwei Staffeln. Die Serie wurde zwar nie offiziell abgesetzt, allerdings ist die Hoffnung auf eine Fortsetzung eher gering. Das ist sehr schade, weil deutlich ist, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Das vorerst unbefriedigende Ende ist der Grund, wieso es "In the Flesh" nicht in die Top 5 geschafft hat.

5. Arrow

Foto: The CW
"Arrow" ist eine der wenigen Serien, die ich zwar ab und an pausiere, aber zu denen ich immer wieder unheimlich gerne zurückkehre. Zudem schaue ich sie schon ziemlich lange. Die ersten Staffeln habe ich regelmäßig verfolgt - bis zur vierten, die ich eher schwach fand. Glücklicherweise habe ich der Sendung dann doch noch eine Chance gegeben, denn die fünfte Staffel ist wieder sehr gelungen. Die Handlung tritt zwar manchmal auf der Stelle, aber das gleicht die Serie gekonnt aus, wenn die Geschichte wieder in Fahrt kommt. Denn dann ist das Erzähltempo perfekt und die Ereignisse richtig fesselnd. Die Kampfszenen gefallen mir ebenfalls immer wirklich gut. Außerdem finde ich die Charaktere toll und vor allem die Teamdynamik der Helden ist eine der großen Stärken der Sendung. 

4. Haikyu!!

Foto: Sentai Filmworks
Diese Sendung ist die einzige Animeserie, die es in meine Top 20 geschafft hat. Generell schaue ich japanische Animationsserien ab und zu sehr gerne, aber es gibt nur wenige, die mich wirklich komplett überzeugen konnten. "Haikyu!!" ist aber richtig toll und das obwohl es grundlegend um Volleyball geht, was mich im echten Leben überhaupt nicht interessiert. Die Sendung schafft es aber, mich richtig mitfiebern zu lassen. Hinzu kommen die wundervollen Charaktere. Egal, ob das Team der Protagonisten oder ihre Gegner - jedem wird in den Episoden genug Aufmerksamkeit geschenkt, so dass man sie kennenlernt, versteht und am Ende wirklich mag. Was mich ebenfalls überrascht hat: Die Handlung kann richtig emotional werden und mich immer wieder berühren, obwohl es die meiste Zeit wirklich "nur" um Volleyballtuniere geht. Aber die Geschichte des Teams und wie sie kämpfen und langsam aufsteigen, ist einfach richtig ergreifend erzählt. Es gibt keinen richtigen Grund, warum sie nicht weiter oben gelandet ist - außer dem, dass es noch drei Serien gibt, die ich noch etwas mehr mag.

3. Supernatural

Foto: The WB
Diese Serie ist wohl die, die ich schon am längsten verfolge: 2008 habe ich mit der ersten Staffel angefangen und zehn Jahre später liebe ich die Sendung immer noch. Warum sie so weit oben gelandet ist, hat wohl auch emotionale Gründe. Die Charaktere begleiten mich jetzt schon so lange, ich kann mir nur schwer vorstellen, ihre Geschichte nicht weiterzuverfolgen. Wenn andere davon reden, dass "Harry Potter" sich so anfühlt, als würde man nach Hause kommen, ist es für mich mit Sicherheit "Supernatural". Ich finde es beeindruckend, wie die zwei Hauptdarsteller ihre Figuren über die Jahre weiter aufgebaut und ihnen so viel Wiedererkennungswert und Persönlichkeit gegeben haben. Zudem liebe ich alles, was mit Übernatürlichem zu tun hat und da ist "Supernatural" natürlich die perfekte Serie. Sollte die Sendung irgendwann 20 Staffeln haben, werde ich sicherlich immer noch dabei sein. Es gibt bei mittlerweile 13 Staffeln und da tritt die Handlung natürlich auch mal auf der Stelle. Aber es ist beeindruckend, dass sie nach so vielen Jahren insgesamt immer noch so gut ist. 

2. Gotham

Foto: Fox
In meiner Liste tauchen einige Superheldenserien auf - in "Gotham" geht es vor allem um die Antagonisten. Diese Sendung ist richtig interessant und spannend. Besonders die Idee, die Entstehungsgeschichten von den Gegnern zu behandeln, gefällt mir richtig gut. Zudem bin ich auch ein großer Batman-Fan und mag Gotham City als Handlungsort wirklich gern. Auch daher hat mich diese Serie sofort angesprochen. Tatsächlich hatte ich sie aber schon fast abgeschrieben, da mir die zweite Staffel im Vergleich zur ersten nicht so gut gefallen hat. Ähnlich wie bei "Arrow" habe ich zum Glück doch weiter geschaut. Die dritte Staffel war dann meiner Meinung nach die bisher beste. Ich war von Anfang bis Ende komplett gefesselt, die Charaktere sind grandios und haben sich toll weiterentwickelt. Ich will unbedingt wissen wie es weitergeht und hoffe, dass Netflix bald die 4. Staffel hat. Da erklärt sich wohl von selbst, wieso diese Sendung auf dem zweiten Platz gelandet ist. Nur die etwas schwächere zweite Staffel hat sie nicht auf den ersten Platz meiner Liste gebracht.

1. Jessica Jones

Foto: Netflix
Vielleicht ist es nicht so überraschend, dass mein erster Platz auch eine Comicadaption ist. "Jessica Jones" ist für mich die beste Heldenserie, die ich kenne. Die Figuren sind unheimlich interessant, realitätsnah und vielschichtig. Sie machen wirkliche Wandel durch und bleiben nicht auf einer Stelle. Außerdem ist die Protagonistin nicht die übliche Heldin: Sie hat mit etlichen Problemen zu kämpfen und will überhaupt nicht als Superheldin angesehen werden. Sie ist mürrisch und heuchelt keine Freundlichkeit vor, sondern macht den Leuten klar, was sie denkt. Ihr Charakter ist unheimlich interessant, was die Serie unter anderem so gut macht. Spannend ist auch, dass sie eigentlich eine Privatermittlerin ist. Dieser Aspekt gefällt mir sehr, weil ihre Fälle immer spannend sind. Die Handlung ist insgesamt nie langweilig. Zudem sind auch die Gegner sehr interessant, besonders in Staffel 1 ist mir der Antagonist richtig unter die Haut gegangen. Bis jetzt gibt es zwei Staffeln und beide konnten mich komplett überzeugen. Daher ist diese Serie noch knapp vor "Gotham" auf dem ersten Platz gelandet.


Das waren meine Top 20 Serien. Sind ein paar von euren Favoriten auch dabei oder tauchen sie gar nicht auf? Welche Serie ist eure Nummer eins? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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Dienstag, 17. Juli 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 7)

"Netflix" bringt regelmäßig neue Serien und Filme als "Netflix Originals" heraus. Darunter fallen nicht nur Eigenproduktionen, sondern auch alle Titel, für die der Streaming-Anbieter die internationalen Veröffentlichungsrechte hat. Da die Auswahl mittlerweile enorm ist und jeden Monat größer wird, gehen wir in unserer Reihe Kurzrezensionen gleich auf mehrere ein und rezensieren sie. In diesem Post stellen wir euch wieder drei Serien vor. In älteren Beiträgen haben wir bereits unter anderem über "Le Chalet", "Alias Grace" oder "Berlin Station" gesprochen. 

The Hollow

Eine Serie mit vielen Mysterien
Foto: Netflix
Drei Jugendliche wachen in einem Raum auf. Sie erinnern sich weder an ihre Vergangenheit noch an ihre Namen oder wie sie dorthin gekommen sind. Nur durch Zettel, die sie in ihren Hosentaschen finden, erfahren sie, wie sie heißen. Als ein Gas in den Raum geleitet wird, schaffen Mira, Adam und Kai es gerade noch rechtzeitig, zu entkommen. Doch damit beginnt ihre Reise erst. Ihr einziges Ziel ist es, zurück nach Hause zu kommen, wo auch immer das ein mag. Doch in der Welt, in der sie sich befinden, lauern überall tödliche Gefahren. Schon bald entdecken sie, dass jeder von ihnen eine Superkraft besitzt. Die brauchen sie auch: Die meisten der übernatürlichen Wesen, auf die sie stoßen, sind nicht freundlich gesinnt. Können sie diesem Ort jemals entkommen?
Ich habe diese Eigenproduktion spontan angefangen und nicht viel erwartet. Aber "The Hollow" ist eine wirklich unterhaltsame Animationsserie von "Netflix". Das liegt vor allem an der verrückten, geheimnisvollen Welt und der Frage, was mit den Protagonisten passiert ist und ob sie es herausfinden können. Es werden bis zur vorletzen Folge so gut wie keine Fragen beantwortet, die sich der Zuschauer, genauso wie die Figuren, über den Verlauf der Episoden stellen. Dadurch wird erst recht die Spannung gehalten und die Neugier auf die Lösung geweckt. Ich wollte jedenfalls unbedingt wissen, was es mit allem auf sich hat. Die drei Hauptcharaktere sind am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Das liegt auch daran, dass sie im Vergleich zu anderen Zeichentrickhelden etwas zu unnatürlich wirken. Ihre Mimik und Gestik ist manchmal etwas irritierend, weil sie z.B. öfter leer in die Gegend starren oder manchmal sehr oft und auffällig ihre Hände benutzen, wenn sie reden. Auch ihre Dialoge hören sich etwas holprig an. Das bessert sich aber im Laufe der Staffel. Mit der Zeit werden sie auch sympathischer. Gerade zu Beginn sind besonders Adam und Kai anstrengend, weil sie sich ständig wegen der unnötigsten Sachen in die Haare kriegen. Doch mit jeder Gefahr, die sie überwinden, wachsen die Drei als Team enger zusammen und dann macht es richtig Spaß, ihre Abenteuer zu verfolgen. Hinzu kommt, dass sie keine eindimensionalen Cartoonfiguren sind. Jeder von ihnen hat glaubwürdige Tiefpunkte und Momente, in denen sie verzweifeln oder von ihren Ängsten ausgebremst werden. Das gibt der Geschichte eine gewisse Ernsthaftigkeit und verdeutlicht, dass ihre Situation schwierig ist und sie kein leichtes, lustiges Spaßabenteuer durchleben. Auch der Humor ist größtenteils gelungen. Da es sich hier aber um eine Serie handelt, die auch Kinder und Jugendliche als Zielgruppe hat, sind manche Witze etwas sehr albern und nicht wirklich lustig - zumindest aus meiner Sicht als Erwachsene. Kai übergibt sich beispielsweise in einer Episode. Da er bis dahin immer noch nicht seine Kräfte entdeckt hat, kommentiert Adam: "Maybe you're a super puker." An solchen Stellen habe ich nicht gelacht. Dafür sind aber die vielen Gegenspieler, denen sie begegnen, immer interessant, ausgefallen und teilweise auch sehr unterhaltsam. Da gibt es zum Beispiel den Tod, der überraschend komisch und sogar sympathisch wirkt. 
Ich war bis zur letzten Folge mit Spaß und Freude dabei, doch die Auflösung macht alles kaputt. Die Enttäuschung über dieses lächerliche, unkreative und peinliche Ende ist bei mir immer noch da. Die ganze Zeit habe ich herumgerätselt, was wohl hinter der ganzen Welt und den Gegnern steckt und was das Geheimnis ist. Da die Serie selbst alles sehr im Dunkeln und viel Raum für eigene Interpretationen lässt, habe ich mit einer wirklich gut durchdachten Idee gerechnet. Ich habe darauf gesetzt, dass die Serienmacher sich erkennbar Gedanken gemacht haben. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Ich habe mich fremdgeschämt, als ich die letzten Szenen geguckt habe. Ich habe mich ernsthaft gefragt, wieso dieses Ende gewählt wurde. Das ist alles viel zu einfach und wird der Sendung nicht gerecht. Sollte das wirklich die endgültige Lösung sein und keine Irreführung (es gibt einen ganz kurzen Moment, der andeuten könnte, dass es nicht das ist, was es zu sein scheint), würde ich mir eine zweite Staffel wahrscheinlich nicht anschauen. 

The Forest

Montfaucon birgt viele Geheimnisse
Foto: France 3
Die Jugendliche Jennifer (Isis Guillaume) begibt sich eines Abends allein in den Wald in der Nähe ihres Zuhauses, dem kleinen Dorf Montfaucon in den Ardennen. Am nächsten Morgen erscheint sie nicht in der Schule und auch ihre Eltern können sie weder finden noch erreichen. Als die Polizei sich einschaltet, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in dem kleinen Ort, wo alle einander kennt. Auch die junge Lehrerin Eva Mendel (Alecis Barlier) macht sich große Sorgen um ihre Schülerin und unterstützt die Suchaktion. Sie wird dabei auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, da sie in genau dem gleichen Wald als Kind ein traumatisches Erlebnis hatte. Als die Leiche von Jennifer entdeckt wird und klar ist, dass jemand aus dem Dorf der Mörder sein muss, verdächtigt bald jeder jeden. Die Polizei ermittelt noch, als zwei weitere Mädchen verschwinden, darunter auch Maya (Martha Canga Antonio), die Tochter der Polizistin Virginie Musso (Suzanne Clément). Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Täter muss schnell gefunden werden, bevor er erneut tötet. 
Ich würde "The Forest" oder "La Forêt" - so lautet der französische Originaltitel ("Netflix" hat die Serie nicht produziert, sondern die internationalen Ausstrahlungsrechte) - als eine durchschnittliche Thriller-Serie bezeichnen. Die sechs Folgen sind auf jeden Fall spannend genug, dass ich sie relativ schnell beendet habe. Das große Rätsel, was mit den verschwundenen Mädchen passiert ist, bleibt bis zum Schluss offen. Dafür wird der ganze Fall auf dem Weg dahin immer größer und komplexer, als er anfangs erscheint. Dadurch wollte ich wirklich wissen, wie die Staffel am Ende ausgeht. Allerdings war ich an einigen Stellen auch wirklich genervt. Die Polizisten in diesem Dorf verhalten sich teilweise sehr unüberlegt und dumm. Der Einzige, der immer den Eindruck macht, als habe er alles im Griff, ist der Hauptkommissar Gaspard Decker (Samuel Labarthe). Der Rest wirkt insgesamt eher inkompetent. Das ist ärgerlich, weil die Serie der Handlung damit sehr auffällig Probleme anheftet, die vollkommen unnötig sind. Beispielsweise lassen sie Virginie alleine mit einem aggressiven und unberechenbaren Verdächtigen alleine. Der befindet sich in einer Zelle auf dem Polizeirevier. Da ist es komplett vorhersehbar, dass diese Situation kein gutes Ende nimmt und als Zuschauer fragt man sich einfach, wo diese Leute ihren Verstand gelassen haben. Am meisten aufgeregt hat mich aber, dass Virginie, die komplett befangen ist und mehrmals unverantwortlich und impulsiv reagiert, nicht vom Fall abgezogen wird. Es dauert mehrere Folgen und einige Ausraster ihrerseits, bis der Hauptkommissar überhaupt anspricht, dass sie sich mal in den Griff kriegen sollte, anstatt sie sofort zu suspendieren. Noch diesem Gespräch handelt sie natürlich weiterhin emotional, natürlich ohne Konsequenzen. Dieses Verhalten hat ihre Figur sehr anstrengend gemacht. Zudem gibt es einen Handlungsstrang, der viel Aufmerksamkeit bekommt, aber sehr offensichtlich eine falsche Fährte beinhaltet. Als Zuschauer hat man das längst erkannt, während die Polizei keinen anderen Anhaltspunkt sucht, sondern weiter an dem Verdächtigen festhält. Auch die Geschichte von der Lehrerin Eva und was mit ihr passiert ist, kann man sich früh zusammenreimen. Trotzdem ist die Serie insgesamt ganz gut gemacht und bekommt gerade durch den geheimnisvollen Wald und die Dorfatmosphäre etwas Mysteriöses und Unheimliches. Daher eignet sie sich auf jeden Fall als Sendung für zwischendurch, auch weil man sie schnell durchgeschaut hat. 

Superstition

Keine normalen Bestatter
Foto: Syfy
Isaac Hastings (Mario Van Peebles) kehrt nach einigen Jahren im Militär zurück zu seiner Familie. Die ist keine ganz gewöhnliche Familie, denn sie besitzen nicht nur ein einfaches Bestattungsunternehmen und den Friedhof in ihrer Stadt La Rochelle. Sie bieten darüber hinaus auch besondere Dienste für die Toten an, die von Dämonen oder anderem Übernatürlichen getötet wurden. Isaac ist vor diesem Leben einst geflohen, jetzt wird er wieder mit hineingerissen. Zudem erfährt er auch noch, dass seine damalige Freundin May Westbrook (Dementria McKinney) schwanger war, als er sie verlassen hat. Nun hat er auch eine jugendliche Tochter, Garvey (Morgana Van Peebles), die er mit aller Macht beschützen will.
Die Serie, die genauso wie "The Forest" nicht von "Netflix" selbst produziert wurde, fängt eigentlich sehr interessant und vielversprechend an: Eine Familie, die im Bestattungsgeschäft ist und sich gleichzeitig mit dem Übernatürlichen auskennt und es bekämpft. Ich als "Supernatural"-Fan habe da sofort angebissen. Leider wurde ich enttäuscht. Spätestens ab der dritten Folge wird der Plot immer uninteressanter. Es ist sehr schwierig, der Handlung aufmerksam zu folgen, weil alles sehr wirr strukturiert und kein roter Faden vorhanden ist. Die halbe Staffel ist vorbei und es ist immer noch nicht ersichtlich, auf welchen Höhepunkt die Serie hinauslaufen will. Dabei wird außerdem zu wenig erklärt und zu vieles einfach in den Raum geworfen, was für Verwirrung sorgt. Die Hälfte der Zeit wird nicht klar, ob die Ereignisse in den einzelnen Episoden jetzt eigentlich etwas mit der großen Haupthandlung zu tun haben. Manche von ihnen sind so ereignislos, dass ich mich gefragt habe, wie man damit überhaupt fast 45 Minuten füllen kann: Beispielsweise als Issac gedanklich in die Vergangenheit transportiert wird, um sich mit einem Erlebnis auseinanderzusetzen, das er nicht verarbeitet hat. So ein Plot könnte packend und mitreißend sein, allerdings ist es hier eher einschläfernd. Die Abläufe der Folgen sind langweilig, weil einfach kein Spannungsbogen existiert. Das noch viel größere Problem ist aber die allgemeine Qualität der Sendung. Die Schauspieler können ihre Figuren nicht überzeugend spielen. Sie alle wirken sehr unecht, das merkt man an zu übertriebener oder nicht vorhandener Mimik. Außerdem hört sich vieles, was sie sagen, sehr unnatürlich oder merkwürdig betont an und nicht so, wie Menschen wirklich reden würden (ich habe die Originalversion geschaut und nicht die deutsche Version). Darüber hinaus hat keine der Figuren irgendwelche herausstechenden Eigenschaften oder irgendetwas, was ihnen als Charaktere eine Persönlichkeit oder Wiedererkennungswert gibt. Sie sind so platt und uninteressant, dass ich nie mit ihnen mitgefiebert habe. Auch die Bösewichte wirken alles andere als bedrohlich. Die meiste Zeit habe ich nicht einmal verstanden, was sie überhaupt wollen oder was sie antreibt. Sie tauchen einfach auf und greifen an. Das alles führt dann dazu, dass die Geschichte überhaupt nicht packen kann. Ein weiterer Störfaktor, der die Qualität schmälert, sind dann noch die schlechten Spezialeffekte. Ich habe lange keine so neue Serie gesehen, die so unechte Effekte eingesetzt hat. Nichts davon wirkt auch nur ansatzweise glaubhaft und trägt definitiv nicht dazu bei, die düstere Stimmung, die die Sendung eigentlich erzielen will, zu unterstützen. Ich hatte das Gefühl, eine Serie aus den 90ern zu sehen. Besonders in der letzten Folge gibt es einen übermäßigen Einsatz dieser schlechten Effekte. Das alles ist wirklich schade und ärgerlich. Die Grundidee hat mir wirklich zugesagt, nur leider hapert es bei "Superstition" an der kompletten Umsetzung. 


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Mittwoch, 4. Juli 2018

Kiss Me First (Serie) - Rezension

Leila Evans (Tallulah Haddon) ist leidenschaftliche Spielerin des Virtual Reality Game "Azana". Nach dem Tod ihrer Mutter zieht sie sich komplett in die virtuelle Welt zurück. Als sie dem Avatar eines Mädchens (Simona Brown) folgt, das Leilas Alter Ego Shadowfax schon eine Weile aus der Ferne beobachtet, stößt sie auf eine unsichtbare Mauer und wird aus dem Spiel gerissen. Beim zweiten Versuch kann sie die Grenze durchschreiten und landet in der versteckten Welt "Red Pill". Dort trifft sie unter anderem die geheimnisvolle Spielerin wieder, die sich ihr als Mania vorstellt - und kurze Zeit später als Tess im echten Leben. Ein Spieler namens Adrian (Matthew Beard) hat diesen friedlichen Ort erschaffen und lädt Leute dorthin ein, die im echten Leben Probleme haben und dort für ein paar Stunden vergessen können. Was im ersten Moment wie ein Paradies aussieht, entpuppt sich bald als Albtraum. Denn Adrian verfolgt böse Ziele, die weit über die Grenzen von "Azana" hinausgehen. Leila scheint die Einzige zu sein, die ahnt, dass etwas mit ihm und "Red Pill" nicht stimmt.


Viel mehr als eine Serie über Virtual Reality

Ist die virtuelle Welt von "Azana" sicher?
Foto: Netflix
Im April kam der Film "Ready Player One" in die Kinos (hier kommt ihr zu meinem Post, in dem ich den Film mit der Romanvorlage vergleiche), eine Buchadaption über eine virtuelle Realität. Auch "Kiss Me First" basiert auf einem Roman und spielt zwischen Realität und Computerspiel. Doch die beiden Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Ersterer vor allem ein rasanter Actionfilm ist, geht es in der "Netflix"-Serie nur zweitrangig um das dort vorgestellte Game "Azana". Tatsächlich bleibt diese Welt größtenteils komplett außen vor. Das fand ich etwas schade, da ich mir eine Einführung gewünscht hätte. Zwar muss man das Online-Spiel für die Handlung nicht kennen, aber es wäre zumindest interessant gewesen, zu wissen, wie genau die Hardware funktioniert. Es gibt beispielsweise eine Art Halsband, durch das der Spieler die Dinge, die sein Avatar erlebt, selber spüren kann. Wenn also jemand einen Schlag ins Gesicht bekommt, würde man das auch fühlen. Da habe ich mich allerdings gefragt, ob es wirklich genau das gleiche Gefühl ist und wie so ein Halsband überhaupt Schmerzen im kompletten Körper erzeugen kann. In "Ready Player One" wird das durch einen Ganzkörperanzug gelöst, was meiner Meinung nach mehr Sinn macht, als das Gadget in "Kiss Me First". Das liegt vor allem daran, dass es nicht erklärt wird. Statt "Azana" kennenzulernen, wird größtenteils "Red Pill" gezeigt (Der Name ist übrigens eine Anspielung auf den Film "Matrix". Dort kann der Protagonist zwischen einer blauen und roten Pille wählen; die Blaue lässt einen weiter in Unwissenheit leben über das, was die Matrix wirklich ist, während man sich durch die rote Pille über die Wahrheit der Matrix bewusst wird.). Aber auch das ist nicht der Hauptfokus der Serie. Es geht nicht darum, ein Spiel zu gewinnen oder etwas in der virtuellen Welt zu machen, sondern vielmehr um die Auswirkungen auf die Realität.
Leila ist Adrians neueste Auserwählte für "Red Pill"
Foto: Screenshot
Die sechs Episoden sind dabei überraschend tiefgründig und emotional. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in das Leben verschiedener Kinder und junger Erwachsener, die von sich selbst behaupten, dass sie "fucked up" sind. Die Serie nähert sich dabei sehr vorsichtig an sensible Themen wie Depressionen, Missbrauch oder Selbstmord. Dabei schaffen es die Schauspieler auf beeindruckende Weise, ihre Charaktere auf emotionaler Ebene greifbar zu machen. Auch wenn man als Außenstehender nur erahnen kann, was sie durchmachen, wird durch bedeutungsschwere Blicke und lange Momente der Stille deutlich, wie sehr sie leiden. Einer von ihnen ist Calumny (George Jovanovic), der im echten Leben Cyryl heißt. Er muss täglich mitbekommen, wie sein Vater seine Mutter anbrüllt und vermutlich auch schlägt. Auf ihm lastet ein schweres Schuldgefühl, weil er glaubt, er sei der Grund dafür, dass sein Vater so ist. Es ist schmerzhaft mit anzusehen, wie er mit resigniertem, hoffnungslosem Blick in seinem Zimmer sitzt und im Hintergrund die Wutausbrüche zu hören sind. Ich habe sehr mit den Charakteren mitempfunden. Obwohl manche nur ein paar Szenen bekommen, transportieren die Darsteller so viel, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, einen tiefen Einblick in ihr Innenleben zu erhalten. Durch diese Nähe hatten die schrecklichen Dinge, die ihnen im Laufe der Geschichte passieren, eine starke Wirkung auf mich. Wer übrigens beim Titel vermutet, dass hier eine Liebesgeschichte im Vordergrund steht: Das ist nicht der Fall, auch wenn die Sendung nicht ganz ohne romantische Nebenhandlung auskommt, die sich aber nicht in den Vordergrund drängt.

Packend bis zum Schluss

Tess hat gerade eine gute Zeit in der virtuellen Realität
Foto: Screenshot
Statt mit "Ready Player One" würde ich "Kiss Me First" im Hinblick auf den "Virtual Reality"-Aspekt mit der Serie "Black Mirror" vergleichen. Zwar gibt es dort mit jeder Folge eine neue, unabhängige Handlung, aber in den Episoden taucht ebenfalls oft moderne Technik auf, die für unmoralische Zwecke missbraucht wird. Ähnlich wie bei "Black Mirror" erzählt auch "Kiss Me First" eine unheimliche, schockierende, aber auch mitreißende Geschichte. Das liegt vor allem an der Unberechenbarkeit des Gegners, Adrian. Nicht nur, weil seine Motive, Pläne und Aktionen im Dunkeln bleiben und man als Zuschauer dadurch nie weiß, was sein nächster Schritt ist. Sondern auch, weil seine Taten abgrundtief böse wirken: Er sucht sich Leute, denen es schlecht geht und die beeinflussbar sind und bringt sie dazu, das zu tun, was er will. Er benutzt sie und macht sie zu Marionetten. Dafür muss er sie nicht einmal im echten Leben treffen, er benutzt "Red Pill" als sein "Medium" und ist als sein Avatar überzeugend genug, dass die anderen ihm glauben. Damit stellt er eine sehr perfide Art von Antagonist da, dessen Vorgehensweise beängstigend realistisch erscheint. Er ist außerdem durch seine Anonymität so unheimlich. Der Zuschauer kennt nur seinen Avatar, nicht die echte Person. In der Realität ist er nur durch Telefonanrufe oder Tonbandaufnahmen präsent. Die Frage danach, wer Adrian ist, hat mich lange nicht losgelassen. Ich habe die ganze Zeit mitgerätselt, ob es jemand ist, den man schon gesehen hat und ob es jemand aus dem nahen Umfeld der Protagonistin ist oder nicht. Dadurch bekommt die Serie einen Sogeffekt und lässt die Spannung auf die Auflösung nie abklingen. 
Selbst Adrians Avatar sieht irgendwie unheimlich aus
Foto: Screenshot
Ein weiterer Faktor, der für Nervenkitzel sorgt, sind die anderen Charaktere, die von Adrian manipuliert werden. Auch hier ist unklar, wie genau er ihre Gedanken und Handlungen beeinflusst, was sie - obwohl sie gleichzeitig Opfer sind - genauso unberechenbar macht. Das wird besonders in einer Folge deutlich, in der einige Charaktere so wirken, als würden sie tatsächlich ihren Verstand verlieren. Sie handeln vollkommen unvorhersehbar und irrational, sodass ich kurzzeitig sogar das Gefühl hatte, ich schaue gerade einen Horrorfilm. So taucht eine der von Adrian manipulierten Personen beispielsweise plötzlich mit einem Messer vor einer anderen auf und redet in schauriger Stimme. Es kann alles passieren und niemand ist sicher, wodurch keine Langeweile aufkommt. Besonders die letzte Folge hält Hochspannung bis zum Schluss bereit. Ich wusste nie, was als Nächstes kommen wird. Besonders toll wird es auch dadurch, dass die Hauptfigur Leila sehr aktiv handelt. Sie lässt Dinge nicht einfach geschehen, sondern tut selber etwas, lässt sich nicht unterkriegen und bietet dem Antagonisten die Stirn. Zwischendurch hat auch sie ihre schwachen Momente, die sie insgesamt aber als Charakter nur noch vielschichtiger und menschlicher machen. Durch den starken Willen der Hauptfigur wird das "Spiel" zwischen ihr und Adrian erst so richtig gut. 
Die einzigen Dinge, die mich wirklich gestört haben, waren ein paar Logikfehler und Unstimmigkeiten. Dazu zählt auch das bereits erwähnte Halsband, aber mir sind noch andere Dinge aufgefallen. Leila kann zum Beispiel in einer Szene einfach auf das Smartphone ihres Mitbewohners zugreifen. Als ob er keine PIN-Nummer oder etwas Ähnliches hat, um sein Handy zu schützen? Was mich besonders gestört hat, ist die fehlende Logik hinter den Avatar-Namen. Leila sucht mehrmals nach Personen, die alle sehr simple Nutzernamen ohne zusätzliche Zahlen- oder Buchstabenkombinationen haben. Da immer genau ein Treffer erscheint, ist klar, dass jeder Name einzigartig ist. Dabei ist "Azana" ein weltweit nutzbares Online-Spiel. Wie kann es da sein, dass von all den Spielern, die sie sucht, keiner einen ellenlangen, mit Zahlen oder Sonderzeichen erweiterten Namen hat? Das sind nur ein paar der Unstimmigkeiten, die das Gesamtbild etwas kaputt gemacht haben. Darüber kann ich aber hinwegsehen, da die Serie ansonsten wirklich gelungen ist und mich auch nach dem Ende der letzten Folge nicht losgelassen hat. Sollte es eine zweite Staffel geben, werde ich sie mir auf jeden Fall anschauen.

Fazit

Die Serie "Kiss Me First" überzeugt durch ihre Mischung aus spannenden, mysteriösen, unheimlichen und emotionalen Elementen. Der Zuschauer wird sehr nah an die Charaktere und ihre Situationen herangelassen. Vor allem durch das überzeugende Schauspiel der Darsteller bekommt man Einblicke in ihre Gefühlswelt. Packend ist die Geschichte besonders durch die Unberechenbarkeit der Charaktere und Handlungen. Bis zum Schluss ist die Serie spannend und bietet ein aufregendes Finale voller Nervenkitzel. Die Sendung präsentiert eine interessante und zugleich beängstigende Idee, wie ein Virtual Reality Spiel in den falschen Händen zu einer gefährlichen Waffe wird.


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Dienstag, 9. Januar 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 4)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. Nur wenige schlagen ein wie eine Bombe - zum Beispiel "Stranger Things" (hier geht es zu unserer Rezension der zweiten Staffel). Die meisten Serien haben zwar eine solide Fanbase, sind dem größeren Publikum aber höchstens vom Namen her bekannt. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" legen wir daher besonders Wert darauf, "Netflix"-Eigenproduktionen vorzustellen, die nicht mit großen Werbeplakaten in allen deutschen Städten beworben werden. In den vergangenen drei Teilen  haben wir bereits über Sendungen wie "Paranoid", "The Killing", "Greenhouse Academy" und "The OA" gesprochen (hier kommt ihr zu allen bisherigen Beiträgen - auch zum Thema Filme). Nun widmen wir uns zwei neuen Serien - und einer bereits rezensierten. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen. 

An dieser Stelle gehe ich auf Sendungen ein, die "Netflix" selbst als "Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle englischsprachigen Serien in der Originalversion angesehen habe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Travelers 

Carly, Marcy, Grant, Philip & Trevor
Foto: Netflix
"Travelers" ist eine kanadische Co-Produktion von "Netflix" und "Showcase", deren zweite Staffel vor zwei Wochen veröffentlicht wurde. In der Serie geht es darum, die Fehler der Menschheit auszubügeln - bevor sie begangen werden. In der Zukunft ist es technisch möglich, das Bewusstsein einer Person auszulöschen und durch das einer anderen zu ersetzen. Teams von Freiwilligen werden trainiert und ihre Seele anschließend ins 21. Jahrhundert geschickt, wo sie vom Körper eines sterbenden Menschen Besitz ergreifen. Die Traveler (Reisende) verhindern den Tod ihres Gast-Körpers und führen sein Leben so unauffällig wie möglich weiter. Nebenbei müssen sie Aufträge aus der Zukunft erfüllen, die den Verlauf der Geschichte zum Positiven hin verändern sollen. Dazu gehören das Verhindern einer Epidemie, das Aufhalten von Terroranschlägen oder der Schutz von Kindern, die später einmal wichtige Führungspositionen einnehmen werden. Im Fokus der Serie steht ein fünfköpfiges Traveler-Team: Der verheiratete FBI-Agent Grant MacLaren (Eric McCormack), die junge, alleinerziehende Mutter Carly Shannon (Nesta Cooper, #realityhigh), die geistig behinderte Marcy Warton (MacKenzie Porter), der High-School-Schüler Trevor Holden (Jared Abrahamson) und der drogenabhängige Student Philip Pearson (Reilly Dolman). 

Das Leben im 21. Jahrhundert ist schwerer als gedacht
Foto: Netflix
"Travelers" ist eine der Serien, bei denen ich froh war, dass ich mich nach der mittelmäßigen ersten Staffel dazu durchgerungen habe, mir trotzdem die zweite anzugucken. Die Handlung ist zu Beginn sehr konfus und verstrickt, was auch daran liegt, dass jede der fünf Hauptfiguren ein völlig anderes Leben führt, zu dem unterschiedliche Menschen gehören und in dem unterschiedliche private Probleme gelöst werden müssen. Mit der Zeit pendelt sich die Geschichte jedoch ein und die Zahl der Nebenhandlungen wird reduziert, sodass die Serie deutlich unverkrampfter und ruhiger wird. Leider bleibt sie dennoch relativ unüberschaubar, da der Zuschauer nur wenig über die Zukunft und den Master Plan erfährt. Wie in den meisten Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten werden die Regeln der übernatürlichen Phänomene, in diesem Fall das "traveln", nur sporadisch erklärt und regelmäßig verbogen, damit sie zur Handlung passen. So lautet eins der sechs Traveler-Protokolle, dass sie kein Leben nehmen dürfen, außer sie bekommen einen Auftrag, der das Gegenteil verlangt. Tatsächlich töten die Reisenden aber ständig irgendjemanden - auch außerhalb ihrer Missionen, werden dafür aber nie bestraft oder ermahnt. Auch an anderen Stellen widerspricht sich die Serie selbst. Mehrmals wird deutlich gemacht: Jeder Traveler bekommt eine intensive Vorbereitung, um im Beruf und seinem sozialen Umfeld keinen Verdacht zu erregen. Dennoch ist Carlys erster Schritt im 21. Jahrhundert zu googlen, wie man sich um ein Baby kümmert und MacLaren weiß nicht, dass seine Frau Kathryn (Leah Cairns) nur "Kat" genannt wird.
Trotz High-School-Alter fällt Trevor fast nie auf
Foto: Netflix
Die Logiklöcher und Unstimmigkeiten in der Zeitachse sind nervig, aber nichts Neues. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Geschichte gesehen oder gelesen zu haben, in der Zeitreisen tatsächlich konsequent und stringent durchgezogen wurden, ohne sich irgendwann selbst zu widersprechen. Auch in der deutschen "Netflix"-Serie "Dark (hier geht es zu unserer Diskussion), die in drei verschiedenen Jahrzehnten spielt, gab es viele Stellen, an der die Handlung keinen Sinn ergeben hat. Trotz der Fehler hat mich "Travelers" in der zweiten Staffel gut unterhalten. Das lag vor allem daran, dass die Charaktere sich endlich mit ihrer Situation arrangiert hatten und der Fokus dementsprechend nicht mehr ständig zwischen Mission und fünf privaten Handlungssträngen hin und her gesprungen ist. Außerdem sind die Folgen abwechslungsreicher. Eine besteht beispielsweise nur daraus, immer und immer wieder dasselbe Szenario durchzuspielen, um zu verhindern, dass die fünf Hauptcharaktere am Ende erschossen werden. Gestört hätte mich dieses Ergebnis aber weniger, da sie mir nicht sonderlich sympathisch sind. Carly mag ich beispielsweise überhaupt nicht, da sie blind das tut, was ihr aus der Zukunft diktiert wird und sich keine Gedanken macht, warum sie einige Katastrophen und tragische Todesfälle nicht verhindern dürfen. Nur Philip denkt von Anfang an selbstständig und trifft auch eigene Entscheidungen.


Project MC2

"Smart is the new cool!"
Foto: Netflix
Die US-amerikanische "Netflix"-Show "Project MC2" richtet sich an ein jugendliches Publikum und besteht aus sechs Mini-Staffeln. In der Sendung geht es um eine Gruppe von intelligenten Schülerinnen, die sich mit Technik, Wissenschaft und Ingenieurswesen beschäftigen. McKeyla McAlister (Mika Abdalla) ist neu in der kleinen kalifornischen Stadt Maywood Glen. Durch ihr teils seltsames Verhalten weckt sie die Neugierde von drei Mitschülerinnen. Die kulinarische Chemikerin Adrienne Attoms (Victoria Vida), die Technik- und Social-Media-Verrückte Bryden Bandweth (Genneya Walton) sowie die hochintelligente Erfinderin Camryn Coyle (Ysa Penarejo) schnüffeln McKeyla nach. Die bemerkt es und offenbart ihnen, dass sie eine Agentin der rein weiblichen Geheimorganisation NOV8 ist. McKeylas Mutter (Danica McKellar) und Chefin von NOV8 bietet Adrienne, Bryden und Camryn an, probeweise bei einem Auftrag zu helfen. Ab der zweiten Staffel bekommen die vier Jung-Agentinnen zudem Hilfe von zwei weiteren Mitschülerinnen, der cleveren Botanikerin Ember Evergreen (Belle Shouse) und der vorlauten Graffiti-Künstlerin Devon D'Marco (Staffel 2-4: Alyssa Lynch; Staffel 5: Maddie Phillips).

Ideale Outfits für eine Kostümparty in der Schule!
Foto: Netflix
"Project MC2" habe ich 2015 entdeckt, kurz nachdem die erste Staffel erschienen ist. Ich habe sie dann immer laufen lassen, wenn ich bei meinen Hobbys oder beim Essen Hintergrundgeräusche brauchte. Tatsächlich fand ich die Sendung ganz witzig. Handlung und Charaktere sind sogar für eine Teenie-Serie ungewöhnlich bunt, schräg und überdreht. Dabei rutschen sie nur selten ins Lächerliche ab - zum Beispiel jedes Mal, wenn die Mädchen sich für eine Party oder ein Event schick machen müssen. Dann liefern sich die Kostümbildner einen Kampf darum, wer die seltsamste Mixtur aus Farben, Stoffen, Perücken, Effekten und unnötigen Schichten entwerfen kann. Ansonsten konzentriert sich die Serie zum Glück größtenteils auf die Talente der Mädchen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). McKeyla hat einen Freund, den sie ständig zugunsten der Arbeit vernachlässigt. Ansonsten beschäftigt sich "Project MC2" nur sehr selten mit den Themen, die in Teenie-Sendungen normalerweise eine wichtige Rolle spielen. Die Fähigkeiten der Mädchen sind außergewöhnlich - zu außergewöhnlich, um noch nachvollziehbar oder glaubwürdig zu sein. Dennoch finde ich es toll, dass es auch Sendungen gibt, in denen die Heldinnen ihr Ziel alleine durch ihre Intelligenz und ihren Ehrgeiz erreichen - ohne magische Kräfte oder anderweitige Hilfe.
An den Haarfarben kann man sie unterscheiden
Foto: Netflix
Allerdings ist die Serie sehr unübersichtlich. Von den sechs Staffeln bestehen zwei aus sechs Folgen, zwei aus fünf Folgen, eine aus drei Folgen und eine aus nur einer Folge. Dazu kommt die Tatsache, dass sich die Anzahl der Hauptfiguren stetig erhöht. Neben Adrienne, Bryden, Camryn, Devon, Ember und McKeyla kommt irgendwann auch noch deren ältere Schwester Maddy dazu. Zu den besten Zeiten sind also sieben junge Agentinnen gleichzeitig im Einsatz. Harmonieren tun sie jedoch nicht, da einige deutlich sinnvollere Fähigkeiten und Talente haben als die anderen. Daher stehen häufig zwei oder drei von ihnen tatenlos herum. Viel gibt es auch nicht zu tun, denn die Antagonisten entsprechen allesamt der Bilderbuchversion eines Bösewichts: Sie haben ein fieses Lachen und stumme, grobe Handlanger, schmieden umständliche, zum Scheitern verurteilte Pläne und unterschätzen die Agentinnen völlig und lassen sie alleine gefesselt zurück. Ein zweites Mal werde ich mir "Project MC2" nicht angucken, aber für Zwischendurch war die Serie ganz nett und die intelligenten Heldinnen sind begrüßenswert!


Berlin Station - Staffel 2

Deutlich besser als Staffel 1!
Foto: Epix
In meinem vorherigen Kurzrezensionen-Post habe ich bereits über "Berlin Station" gesprochen (hier geht es zum Beitrag). Damals war die zweite Staffel noch nicht erschienen und ich habe nur die erste bewertet. Da zwischen den beiden aber Welten liegen, habe ich mich entschlossen, noch einmal darauf einzugehen. In der zweiten Staffel kehrt CIA-Agent Daniel Miller (Richard Armitage) nach Berlin zurück. Er soll sich in eine Neonazi-Zelle einschmuggeln, in der Otto Ganz (Thomas Kretschmann) und seine Tochter Lena (Emilia Schüle) einen Anschlag planen. Die CIA vermutet, dass die rechte Politikerin Katerina Gerhardt (Natalia Wörner) und ihre Partei PfD (Perspektive für Deutschland) die Attacke in Auftrag gegeben haben, um kurz vor der Bundestagswahl Angst und Unmut im Land zu wecken. Während seines Undercover-Einsatzes trifft Daniel auf seinen alten Kollegen Hector DeJean (Rhys Ifans), der sich nach den Ereignissen der letzten Staffel in Spanien versteckt. Derweil gibt es in der Station zwei neue Gesichter: BB Yates (Ashley Judd), die die Leitung übernommen hat und April Lewis (Keke Palmer), eine junge, ambitionierte Agentin. Beim deutschen Verfassungsschutz steht mittlerweile Esther Krug (Mina Tander) an der Spitze.

Agentin Edwards (r.) lernt die PfD-Spitze kennen
Foto: Epix
Die zweite Staffel "Berlin Station" macht genau die Dinge richtig, die ich an der ersten bemängelt habe. Ich mochte vor allem die verstrickte Geschichte nicht. Sie hatte keinen erkennbaren roten Faden und war wenig spannend, da von Anfang an feststand, wer der gesuchte Whistleblower war. Außerdem fand ich es schade, dass die Handlung nicht so viel Bezug zu Berlin hatte. Die Geschichte hätte überall spielen können. Das ist in den neuen Folgen anders. Im Fokus steht die fiktive PfD und ihre zentralen politischen Figuren Katerina Gerhardt und Joseph Emmerich (Heino Ferch). Es ist mehr als offensichtlich, dass die AfD hier als Vorbild gedient hat. Doch das ist ein Vorteil. Die Geschichte wirkt realistisch, bedrückend und ist dennoch (vor allem für amerikanische Verhältnisse) sehr sachlich. CIA-Agentin Valerie Edwards (Michelle Forbes, The Killing) lässt sich mit dem rechten Politiker Emmerich ein, im Verlauf der Affäre erfahren sie und der Zuschauer mehr über ihn. Dabei wird schnell klar, dass er kein rassistisches Monster ist, sondern ein freundlicher, eloquenter, korrekter Mann, der sich Sorgen um die Zukunft seines Landes macht. Genau diese Rechten sind am gefährlichsten - werden in Filmen, Büchern und Serien aber häufig durch grobschlächtige, Hassparolen schreiende Nazis ersetzt. Otto und Lena Ganz passen hingegen in diese stereotype Vorstellung. Die beiden wirken wie aus der Zeit gefallen und wollen weder zu allen anderen Charakteren, noch in die Handlung passen. Die Folge, bei der sie im Vordergrund standen, war mit Abstand die schlechteste und langweiligste der Staffel.
April ist deutlich disziplinierter als ihre Kollegen
Foto: Epix
Mit Ausnahme von den beiden haben mir auch die Charaktere deutlich besser gefallen als beim letzten Mal. Die CIA-Agenten sind lockerer geworden, deutlich sympathischer und agieren viel mehr mit ihrer Umgebung. Anstelle von langen Gesprächsrunden im Büro und nächtlichen Verfolgungsjagden durch Berliner Hinterhöfe, stürzen sie sich nun mitten ins Geschehen - sei es eine Parteikundgebung oder eine spontane Undercover-Aktion. Während die Verbundenheit/Liebe/Abhängigkeit zwischen Esther Krug und Daniel Miller in der ersten Staffel fast das einzige war, das die amerikanische Seite mit der deutschen verbunden hat, sind die meisten beruflichen und privaten Konstellationen nun international. Mit April Lewis ist zudem ein Charakter dazugekommen, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann. Ich hatte erst Bedenken, ob ein junger, ehemaliger Nickelodeon-Star als CIA-Agentin durchgehen kann, doch die Sorge war unbegründet. Im Gegensatz zu ihren älteren Kollegen reflektiert sie ihre Arbeit noch bevor sie handelt. So steht sie in einer Folge vor der Frage, ob es jemand wie Katerina Gerhardt verdient hat, zu sterben. Diesen inneren Konflikt stellt Keke Palmer sehr authentisch und nachvollziehbar dar. Überhaupt ist es schön, einen Millenial-Charakter im Fernsehen zu sehen, der frei von Stereotypen ist und nicht auf sein Alter reduziert wird. Ich freue mich schon riesig auf die dritte Staffel, die im Dezember in Auftrag gegeben wurde.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Freitag, 15. Dezember 2017

Lore (Serie) - Rezension

Seit Anfang Dezember gibt es eine neue exklusive "Amazon"-Serie. "Lore" ist eine Horror-Anthologieserie mit insgesamt sechs Episoden, die auf dem gleichnamigen Podcast des Autors Aaron Mahnke beruht. Anthologie bedeutet dabei, dass jede Folge eine eigene, abgeschlossene Geschichte behandelt, die auf wahren Begebenheiten beruht. Dabei geht es immer um alte Legenden oder übernatürliche Phänomene. Von Vampiren über Werwölfe bis hin zu Geistern, "Lore" zeigt den Zuschauern, wo diese Dinge ihren Ursprung haben und erweckt dabei die Vergangenheit mit Schauspielern, Animationen sowie Archivmaterial wieder zum Leben. 

Gruselklassiker mit realem Hintergrund

"Lore" bietet viel Horror und Mystery
Foto: Amazon Studios
Wie oben bereits erwähnt, basiert die Serie auf einem Podcast, der 2016 von Aaron Mahnke kreiert wurde und mittlerweile schon 75 Folgen umfasst. In der Sendung spielen die Aufnahmen ebenfalls eine Rolle, denn seine Stimme führt den Zuschauer zu einem großen Teil durch die Episoden. Dabei spricht er vor allem über die historischen Ereignisse und gibt immer wieder interessante Informationen. Währenddessen wird seine Erzählung entweder durch Archivmaterial oder Animationen verschiedenster Art unterstützt. So spricht er beispielsweise am Anfang der ersten Episode über den Tod im 19. Jahrhundert und was gemacht wurde, um sicherzugehen, dass ein Verstorbener auch wirklich tot ist. Zur Veranschaulichung werden hier animierte Zeichnungen verwendet, was ganz gut ist, da die Methoden teilweise sehr unschön sind (zum Beispiel etwas Spitzes unter den Fingernagel schieben). Weitere Animationen zeigen, welche Vorrichtungen in Särgen für den Fall eingebaut wurden, dass der Mensch darin doch noch nicht gestorben ist. Auch diese erklärt Mahnke dem Zuschauer. Die Bekannteste war dabei die Glocke, die über der Erde durch eine Schnur mit dem Körper verbunden war. Die spezifischen Fälle werden hingegen durch Spielszenen lebendig und beinhalten auch Fiktion, da es oft um übernatürliche Ereignisse geht. So tauchen die Zuschauer in der ersten Episode nach Mahnkes Einleitung die Geschichte der Familie Hart ein. Nach dem Tod dreier Familienmitglieder und der Erkrankung seines Sohnes erwägt Mr. Hart die Möglichkeit, dass einer der Verstorbenen nicht vollkommen tot ist und für die Krankheit der anderen verantwortlich ist. Dieser Fall ist die Grundlage für Bram Stokers Roman "Dracula" gewesen, also für Vampire, die ebenfalls weder tot noch lebendig sind. Durch das Schauspiel habe ich  einen guten Eindruck davon bekommen, was in den Menschen zu dieser Zeit vorgegangen ist und wie groß die Angst vor dem (Nicht-)Tod gewesen ist. Diese Mischung aus Wissen und Fiktion hat mir sehr gut gefallen, weil ich etwas gelernt habe, ohne dabei das Gefühl zu haben, mit Informationen überhäuft zu werden. Die Fakten werden immer an den passenden Stellen der Geschichte dazwischengeschoben, wodurch der Zuschauer sie "portionsweise" bekommt und sie sich leichter einprägen kann.
Ist die Kommunikation mit den Toten wirklich möglich?
Foto: Amazon Studios
Was die übernatürlichen Aspekte angeht, wird immer ein Blick auf beide Seiten geworfen: die der Skeptiker und die der "Gläubigen" (Über die Kommunikation mit den Toten: "The dead do not return" - "We live in a time of rapid scientific advancement [...] A séance is another such advancement. I believe that science will prove once and for all [...] that there exists a life after this one and that we can return" - "Science can not save this house. Or you."). Somit wird es dem Zuschauer selber überlassen, sich seine eigene Meinung zu bilden, wie nah an der Wahrheit jeder Fall ist. Besonders in der Folge über eine Geisterheimsuchung musste ich ab und zu an die Serie "X Factor – Das Unfassbare" denken, die in den 90ern und frühen 2000ern lief und sicherlich vielen ein Begriff ist. Darin wurden verschiedene mysteriöse Fälle vorgestellt und die Zuschauer mussten entscheiden, welche davon auf Tatsachen beruhen und welche frei erfunden waren. Ähnlich wie dabei ist es auch in "Lore" in jeder Episode spannend, der Handlung zu folgen und über den Wahrheitsgrad der Legenden nachzudenken. In der Folge der Geisterheimsuchung werden zusätzlich zum Hauptfall auch die Fox-Schwestern Kate und Margaret aus New York erwähnt. Diesen Teil übernimmt wieder Aaron Mahnke, der ihre Geschichte kurz wiedergibt. Sie konnten angeblich mit Geistern kommunizieren, später aber haben sie gestanden, dass alles nur ein Schwindel war. Die Animationen, die hier genutzt werden, haben mir sehr gut gefallen. Sie sind nur in Schwarz-Weiß gezeichnet und sehr simpel gehalten, bringen die gruselige Stimmung aber gerade dadurch sehr gut rüber. 
Ein Beispiel der animierten Szenen über die Fox-Schwestern
Foto: Amazon Studios
Ich persönlich finde es immer unheimlich spannend, etwas über übernatürliche Ereignisse zu erfahren, die auf wahren Begebenheiten beruhen, vor allem deshalb gefällt mir das Konzept von "Lore" wirklich gut. Selbst wenn Zuschauer mit den Grundinformationen einzelner Ereignisse vertraut sind, bietet ihnen die Serie durch die tollen schauspielerischen Einlagen und die ansprechende Visualität noch mal etwas Besonderes. Allgemein denke ich aber, dass jemand auf jeden Fall für solche Mysterien offen sein sollte, ansonsten wird die Serie ihn wahrscheinlich nicht so begeistern können. 

Episoden voller Unbehagen und Horror

Weiteres Beispiel der Animationen in "Lore"
Foto: Amazon Studios
Ich war insgesamt sehr positiv überrascht, wie gut die Sendung es schafft, eine düstere und teilweise wirklich unbehagliche Atmosphäre zu schaffen. Es werden dafür keine überzogenen, unecht wirkenden Spezialeffekte verwendet. Es gibt meistens praktische Effekte (z.B. Möbel, die durch die Gegend fliegen), die aber auch nicht übermäßig eingesetzt werden. Das hat mir gut gefallen, da die Geschichten sonst auch schnell ins Lächerliche hätten abrutschen können. Die Stimmung wird zudem durch die Kulissen verstärkt, die alle visuell ansprechend gestaltet sind und den Zuschauer in die jeweilige Zeit und das Thema entführen. Auch die bereits erwähnten Animationen tragen sehr gut zu dem Gesamtbild der Episoden bei, weil sie ebenfalls düster kreiert sind und oftmals auch einen eher groben, abgehackten Stil haben. 
Obwohl jede Folge nur zwischen 40 und 50 Minuten lang ist, erwecken die jeweiligen Schauspieler die Personen, die sie verkörpern, sehr eindrücklich zum Leben. Dadurch wird dem Zuschauer das Schicksal wirklich nahegebracht. Die Darsteller, die in jeder Geschichte wechseln, schlüpfen nicht bloß in die Rolle, um wahre Begebenheiten darzustellen. Sie geben ihren Rollen Persönlichkeit und holen den Zuschauer auch auf emotionaler Ebene ab. Dadurch fällt es auch noch leichter, die Fakten aufzunehmen, weil ich wirklich in der Geschichte investiert war. Durch die tiefen Einblicke in die Gefühlswelt der Personen kann der Zuschauer ihre Denkweisen und Handlungen gut nachvollziehen und verstehen.
Ausschnitt aus dem Opening
Foto: Amazon Studios
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir Holland Roden, die in der dritten Folge die Irin Bridget Cleary verkörpert. Sie wurde 1895 von ihrem Mann Michael umgebracht, weil er glaubte, ein Changeling (dt.: Wechselbalg) habe ihren Platz eingenommen und die wahre Bridget in sein dunkles Reich verschleppt. Die Frau muss eine grausame Tortur über sich ergehen lassen, ein Ritual, das die "echte" Bridget wieder "zurückholen" soll. In einer Szene erzählt sie ihrer Freundin, wie weit ihr Mann schon zuvor gegangen ist, um zu beweisen, dass sie kein Mensch ist. ("He held the poker from the fireplace this far [hält Hand ganz nah vor Gesicht] from my face. He told me that the fairies fear nothing more than fire. So I had to stand there and not be afraid. But inside...") Rodens angsterfüllte, verstörte Augen und ihre brüchige, fast flüsternde Stimme bringen ihre Gefühle sehr nah an den Zuschauer heran. Mich hat ihr Schicksal sehr berührt und für mich war es die emotionalste Folge. 
Robert darf sogar mit am Tisch sitzen
Foto: Amazon Studios
Die letzte Episode bietet noch mal ein richtiges Horror-Highlight als krönenden Abschluss. Darin geht es um eine Puppe namens Robert, die dem Künstler Robert Eugene Otto gehörte und angeblich lebendig sein soll. Die Stoffpuppe selbst, die einen kleinen Matrosen darstellt, sieht schon unheimlich genug aus und durch die Spielszenen wird diese unbehagliche Stimmung noch verstärkt. Ich hatte teilweise das Gefühl, einen guten Horrorfilm zu sehen, weil die "Heimsuchungen" Roberts so fabelhaft inszeniert wurden. In einer Szene wird die Ehefrau des Puppenbesitzers (Haley Finnegan) eingesperrt und vor der Tür ist Fußgetrappel zu hören, dabei ist außer ihr niemand im Haus. Außer dem kleinen Matrosen... Noch gruseliger war die Szene, als sie die Puppe endlich (!) verbrennt, diese am nächsten Morgen aber wieder mit am Frühstückstisch sitzt. Das hat bei mir für Gänsehaut gesorgt. Am beunruhigendsten finde ich aber die Tatsache, dass Robert bis heute ein Ausstellungsstück in einem privaten Museum ist und Menschen von überall in seinen Bann zieht. Das Kamerateam durfte  genauso wie alle anderen Besucher den kleinen Matrosen erst filmen, nachdem er um Erlaubnis gebeten wurde... Noch unheimlicher wird die Episode durch weitere Fälle, beispielsweise der von Anatoly Moskvin, der Leichen ausgegraben und sie zu Puppen präpariert hat. Die Originalbilder aus seiner Wohnung, die neben den lebensgroßen auch Hunderte kleine Puppen zeigen, waren wirklich verstörend. Diese Episode war für mich mit Anstand am eindrücklichsten. Wer ein Fan von dem Horrorfilm "Annabelle" ist, sollte hier definitiv mal reinschauen. 
Nur ein Spielzeug oder doch ein verfluchtes Objekt?
Foto: Amazon Studios
Selbst die meiner Meinung nach schwächste Folge, in der es um Werwölfe aus dem 16. Jahrhundert geht, konnte mich insgesamt überzeugen. Sie hält interessante Informationen über dieses Phänomen bereit, auch wenn mir die schauspielerische Leistung in dieser Episode am wenigsten gefallen hat. Die Geschichte konnte mich nicht so ganz gefangen nehmen und war auch am ehesten die, deren Wahrheitsgehalt ich stark bezweifeln würde. Insgesamt kann ich aber alle Folgen empfehlen.

Fazit

"Lore" bietet eine gute Mischung aus historischen Fakten und spannenden, mysteriösen Fällen. Dadurch erfährt man interessante Informationen über die Ursprünge verschiedener Gruselklassiker ohne das Gefühl zu haben, mit trockenem Wissen gelangweilt zu werden. Besonders durch die tollen schauspielerischen Leistungen taucht der Zuschauer in die Handlung und die Gefühlswelt der Personen ein. Dabei kann er sich immer selbst überlegen, wie viel Wahrheit in den Fällen steckt. Die Serie erschafft zudem eine schön düstere und teilweise auch unbehagliche Stimmung. Das praktische an dieser Sendung ist, dass man auch nur einzelne Episoden schauen kann, die einen thematisch interessieren, weil sie in sich komplett abgeschlossen sind. Ich kann aber nur empfehlen, alle anzuschauen, da jede einzelne sehenswert ist.


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