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Montag, 16. April 2018

Evolution - Die Quelle des Lebens (Thomas Thiemeyer) - Rezension

"Evolution - Die Quelle des Lebens" ist der dritte und letzte Teil aus Thomas Thiemeyers Jugendbuch-Trilogie. Der Roman ist im Arena Verlag erschienen und umfasst 416 Seiten. 

Nachdem die Gruppe um Jem und Lucie den beschwerlichen Weg durch die Wüste überwinden musste, kommt sie endlich am Ziel an: die Oase der Zeitspringer. Doch nicht alle sind wohlbehalten zusammen. Katta ist spurlos verschwunden und Lucie liegt im Koma. Jem und seine Freunde lernen die oberste Ratgeberin GAIA kennen, die sie freundlich aufnimmt und viele ihrer Fragen beantwortet. Schnell beginnen sie darauf zu hoffen, mit ihrer Hilfe wieder ins Jahr 2017 zurückzukommen. Trotzdem ist die Gruppe vorsichtig, den Bewohnern der Oase einfach so zu vertrauen. Denn die scheinen ihre eigenen Ziele zu verfolgen und die Jugendlichen in einen perfiden Plan einbinden zu wollen. Dieser könnte bald über die Zukunft der Erde und aller Lebewesen entscheiden. 


Gelungener Abschluss einer tollen Trilogie

Wartet in der Oase ein Weg nach Hause?
Foto: Arena Verlag
Als ich mit dem Buch begonnen habe, konnte ich wie beim zweiten Teil sehr leicht in die Welt eintauchen. Obwohl es schon ein gutes halbes Jahr her ist, dass ich "Der Turm der Gefangenen" gelesen habe, hatte ich keine Probleme, wieder in die Geschichte zu finden. Eine Hilfe dafür ist auf jeden Fall die kurze Zusammenfassung der letzten beiden Teile im Buch. Ich habe darüber zwar schon bei meiner Rezension zum zweiten Band gesprochen, aber ich möchte trotzdem nochmal erwähnen, dass diese "Was bisher geschah"-Einleitung eine tolle Idee ist und wirklich öfter in Buchreihen benutzt werden sollte. 
In "Die Quelle des Lebens" lernt der Leser wieder eine neue "Welt" kennen. Dieses Mal ist es die technologisch sehr fortgeschrittene Enklave - eine gigantische Glaskuppel, in der die Menschen Schutz vor den Bedrohungen der Umwelt gesucht und eine neue Gesellschaft aufgebaut haben. Mir gefällt es richtig gut, dass jeder Band an einem anderen Ort spielt. Das ist ein tolles Konzept dieser Geschichte. Sie wird über die Trilogie toll erschaffen und wirkt insgesamt sehr durchdacht und rund. Jeder Band bietet dabei etwas Neues - nicht nur eine neue Umgebung, sondern auch neue Charaktere. Es kommt keine Langeweile auf und außerdem habe ich nach Beenden des Finales wirklich das Gefühl, diese Zukunftsversion unserer Erde sehr gut kennengelernt zu haben. 
Wie immer überzeugt Thomas Thiemeyer mit seinem flüssigen und spannenden Schreibstil. Ähnlich wie bei den Vorgängern bin ich auch hier durch die Seiten geflogen und hatte das Buch innerhalb von anderthalb Tagen beendet. Es gibt nicht andauernd nur Action, aber trotzdem gibt es keine langweiligen Stellen. Ich hatte beim Lesen nie den Eindruck, dass sich irgendwelche Szenen zu sehr ziehen, sie haben immer genau die richtige Länge. Es wird zwischen vielen Perspektiven gewechselt, was die Handlung abwechslungsreich und temporeich macht, ohne unübersichtlich zu werden. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist definitiv, dass es so gut wie keine Momente gibt, die klischeehaft oder überzogen sind. In vielen Jugendbüchern gibt es hier und da gerne mal Szenen, die so klischeehaft sind, dass ich kurz mit den Augen rollen muss. In diesem Band hatte ich keinen einzigen dieser Momente. Die Figuren wirken immer sehr natürlich und echt. Es wirkt außerdem auch nichts konstruiert, nur um künstlich Spannung zu erzeugen. Die Handlung ist in sich einfach sehr gut aufgebaut und verliert nie den roten Faden. 
Eine Frage, die mich seit dem ersten Teil beschäftigt hat, ist die nach der Zeitreise. Die Geschichte beginnt ja damit, dass die Gruppe mit dem Flugzeug durch die Zeit springt und in der Zukunft landet. In "Die Quelle des Lebens" gibt es darauf endlich Antworten und Erklärungen. Ich habe diese Reihe mit einem wirklich positiven, zufriedenen Gefühl beendet, da auf viele offene Aspekte eingegangen wird und keine großen Fragen zurückbleiben. Das Ende ist zwar nicht wirklich überraschend, doch trotzdem gibt es auf dem Weg dahin einige unerwartete Ereignisse und Wendungen. Mareks Sinneswandel ist einer davon. Seit dem zweiten Teil hat er sich von seinen Freunden abgewendet, sie verraten und ist wie ein Besessener davon überzeugt, dass die neue Welt großartig ist. Am Ende des Finales trifft er dann eine Entscheidung, die gegen all das geht, woran er eigentlich geglaubt hat. Diese Wendung war toll eingebaut und ich habe sie nicht kommen sehen. 

Schlaue Pläne und ein ungewohnter Gegenspieler

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist eines der zentralen Themen der Reihe. Die ersten zwei Bände haben sich stärker darauf konzentriert, die Feindschaft zwischen den beiden Parteien zu veranschaulichen. Jetzt kommt es auch zu einer Annäherung, die sich schon am Ende von Band zwei angedeutet hat. Mir gefällt besonders gut, dass die verschiedenen Standpunkte sehr ausführlich behandelt werden. Der Leser versteht, wieso die Menschen in der Oase die Tiere verabscheuen, warum Jem, Lucie und ihre Freunde sich ihnen anvertrauen und warum die Tiere sich gegen die Menschen gestellt haben. Es wird sehr interessant veranschaulicht, wie die verschiedenen Positionen zusammenstoßen. ("Lucie ballte verzweifelt die Hände zu Fäusten. 'Es muss doch auch eine Lösung geben, die irgendwo in der Mitte liegt. Eine Koexistenz zwischen Mensch und Tier. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nur die Wahl zwischen schwarz und weiß haben.'") Dabei gibt es keine kindischen Diskussionen. Die Charaktere agieren meistens sehr erwachsen und treffen nie überstürzte Entscheidungen. Das ist mir besonders in diesem letzten Band sehr positiv aufgefallen. Die Figuren rennen nicht kopflos in gefährliche Situationen: Sie planen, diskutieren und stimmen ab, was sinnvoll ist. Jeder trägt dabei etwas zum Plan bei, sodass es toll ist, mitzuverfolgen, wie er langsam Gestalt annimmt. Außerdem gibt es keine unnötigen, sinnlosen Dramen zwischen ihnen. Dadurch macht es deutlich mehr Spaß, sie bei ihrem Weg zu begleiten, als wenn man als Leser ständig damit rechnen muss, dass jemand etwas Dummes macht. 
Wie schon kurz erwähnt, gibt es auch wieder viele verschiedene Perspektiven und Handlungsstränge, die parallel verlaufen. Obwohl man im ersten Moment meinen könnte, das sorgt für Verwirrung, hat es bei mir das Gegenteil bewirkt. Dank der gleichzeitigen Handlungen ist mehr Zeit vorhanden, um alle Charaktere gut einzubauen, wodurch keiner zu sehr in den Hintergrund rückt. Ich habe mir anfangs Sorgen gemacht, als noch weitere neue Charaktere hinzugekommen sind. Das war eines meiner Probleme im zweiten Band, bei dem ich zwischendurch mal den Überblick verloren habe. Doch in diesem Teil ist das nicht der Fall. Tatsächlich schafft es Thiemeyer hier, den einzelnen Figuren durch die Aufteilung genug einprägsame Szenen zu geben, dass sie alle in Erinnerung bleiben. Bei 13 Charakteren, die abwechselnd im Fokus stehen (nicht jeder bekommt Kapitel aus der eigenen Sicht), ist das definitiv ein ganz schöner Balance-Akt, den der Autor toll gemeistert hat. Ich fand beispielsweise gerade im ersten Band Zoe und Katta recht blass. Im Finale hingegen werden sie deutlich vielschichtiger und interessanter. Katta gerät in eine aussichtslose Lage und ist auf sich alleine gestellt, bevor sie unerwartet Hilfe bekommt. Ihre Entwicklung zu verfolgen hat mir richtig gut gefallen. Anfangs ist sie vollkommen verängstigt und verzweifelt, doch die Situation macht sie letztendlich stärker. Dadurch wird sie als Charakter toll ausgearbeitet. Insgesamt ist deutlich erkennbar, dass die meisten Figuren eine Entwicklung durchgemacht haben und die guten und schlechten Erlebnisse während dieser Zeit sie verändert haben, was mir ebenfalls super gefällt.
Als Gegenspieler haben die Jugendlichen diesmal etwas ganz Besonderes: eine künstliche Intelligenz. Einerseits finde ich das sehr spannend, weil es mal etwas anderes ist. Andererseits ist es als Leser aber auch schwierig, die Entscheidungen dieses Computerprogramms zu verstehen. Es ist schon etwas anderes, wenn ein Mensch etwas tut, weil oft eine Überzeugung dahinter erkennbar ist. Bei diesem Gegner ist das deutlich schwächer vorhanden. Das bringt eine gewisse Unberechenbarkeit mit sich, was gut ist. Thiemeiyer bringt das Unmenschliche, Kalte der künstlichen Intelligenz toll zum Vorschein. Gleichzeitig fehlt dadurch aber auch eine echte Persönlichkeit, was den "Charakter" weniger interessant macht.

Fazit

Das Finale der "Evolution"-Trilogie schließt die Geschichte um Jem, Lucie und ihre Freunde gut ab und beantwortet dabei wichtige offene Fragen aus den Vorgängern. Der letzte Teil kann ebenfalls durch eine tolle Weltenbildung und eine spannende Handlung überzeugen. Der tolle Schreibstil sorgt zusätzlich für einen temporeichen Lesespaß. Trotz der vielen Charaktere entsteht keine Verwirrung, weil die Figuren auf verschiedene Handlungsstränge aufgeteilt werden. Somit rückt keiner in den Hintergrund. Dadurch werden auch die Jugendlichen, die zuvor blass erschienen, vielschichtiger. Insgesamt ist die Reihe sehr durchdacht aufgebaut und erzählt eine in sich sinnvoll abgeschlossene Geschichte. Daher kann ich diese Trilogie definitiv empfehlen.


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Mittwoch, 20. September 2017

Evolution - Der Turm der Gefangenen (Thomas Thiemeyer) - Rezension

"Evolution: Der Turm der Gefangenen" ist der zweite Teil aus Thomas Thiemeyers neuester Jugendbuch-Trilogie. Der Roman ist im Januar 2017 im Arena Verlag erschienen und umfasst 376 Seiten.
Meine Rezension zum ersten Band findet ihr hier.

Eigentlich waren Jem, Lucie und die restliche Gruppe jugendlicher Austauschschüler mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Amerika, doch stattdessen sind sie durch die Zeit gesprungen. Sie sind in einer fernen Zukunft gelandet, in der es keine Zivilisation mehr gibt und überall gefährliche Tiere lauern. Doch es soll einen Ort geben, an dem Menschen überlebt haben und vor den Bedrohungen der Natur geschützt sind. Nach ihrer beschwerlichen Reise erreicht die Gruppe endlich diesen Ort. Sie sind jedoch nicht vollzählig. Jem wurde in der Wildnis zurückgelassen, wo er nun um sein Überleben kämpfen muss. Lucie und die anderen werden derweil mit Argwohn von den Bewohnern der Stadt aufgenommen. Die dortige Gesellschaft erinnert stark an das Mittelalter. Die Menschen sind streng religiös, außerdem wird Wissenschaft sowie Technologie als Schwarze Magie angesehen. Dennoch hofft die Gruppe zu erfahren, warum sie mit dem Flugzeug durch die Zeit gereist ist und ob es einen Weg zurück nach Hause gibt. Als die Jugendlichen auf der Suche nach Antworten einen Blick in ein verbotenes Buch riskieren, werden sie vom Burgherren hart bestraft. Ihr einziger Ausweg ist die Flucht aus der Stadt. Doch draußen lauern weitere Gefahren, allen voran die tintenfischähnlichen Squids.


Tolle Fortführung der Geschichte

Die Reise geht spannungsreich weiter
Foto: Arena Verlag
Zuerst einmal war ich positiv überrascht von der kurzen Zusammenfassung des ersten Teils, die den Lesern als "Kapitel 0" noch einmal präsentiert wird. Ich finde diese Idee super und würde mir das für andere Reihen ebenfalls wünschen.
Der zweite Band der Trilogie setzt exakt da an, wo der erste aufgehört hat. Dadurch habe ich sehr schnell wieder in die Geschichte und ihre Welt gefunden. Zusätzlich hat auch der fesselnde Schreibstil Thiemeyers dazu beigetragen, dass ich das Gefühl hatte, mitten im Geschehen zu sein. Insgesamt hat mir auch die Entwicklung der Handlung in diesem Band gut gefallen. Genauso wie im Vorgänger gibt es hier durchweg interessante Ereignisse sowie aufregende Szenen. Daher herrscht so gut wie kein Stillstand. Es gab keine Stelle, die mich gelangweilt hat oder bei der ich gedacht habe, dass sie unnötig gewesen wäre. "Der Turm der Gefangenen" ist definitiv kein Füllband, der bis zum Finale der Reihe nur Zeit schinden soll. Er erzählt die Reise der Figuren gut weiter und bietet einen spannenden Cliffhanger, der sehr neugierig auf den letzten Teil macht. 
Es gibt neue Handlungsstränge, Charaktere ebenso wie Herausforderungen. Dadurch bleibt der Roman sowohl vielfältig als auch einnehmend, ohne dabei unübersichtlich zu werden. Jem ist zu Beginn noch immer vom Rest der Gruppe abgeschnitten ist und alleine in der Welt überleben muss, während die anderen sich mit den Bewohnern der Stadt auseinandersetzen müssen. Das gibt der Geschichte eine gute Dynamik. Während im ersten Teil die Gefahren in der Natur lauerten, liegt der Fokus hier auf den Menschen sowie der fragwürdigen Gesellschaft, die sie aufgebaut haben. Das hebt diesen Band inhaltlich deutlich vom Vorgänger ab und macht die gesamte Geschichte abwechslungsreicher. Zudem ist die Bedrohung hier viel subtiler. Die Protagonisten erkennen erst mit der Zeit, wie bedenklich die Situation in Wahrheit ist. Das verleiht dem Buch eine sehr spannungsgeladene Stimmung.
Die schon bestehenden Gefahren werden jedoch nicht einfach beiseitegeschoben. Auch die Squids, die über eine enorme Intelligenz verfügen und andere Tiere kontrollieren, tauchen wieder auf. Die Leser erfahren dabei weitere interessante Aspekte über sie. Es werden nicht zu viele Informationen gegeben, sodass die Geschöpfe weiterhin mysteriös genug bleiben, um noch mehr über sie erfahren zu wollen. Zusätzlich gibt es mehr Details über den Zeitsprung der Protagonisten und darüber, was bis zu diesem Zeitpunkt mit der Menschheit passiert ist. Durch all das wird die gesamte Welt noch greifbarer.

Bekannte Charaktere treffen auf neue 

Am ersten Band hatte ich auszusetzen, dass einige der Figuren sehr blass geblieben sind. Das hat sich in diesem Teil geändert. Die meisten von ihnen werden etwas vielschichtiger, weil sie mehr eigenständige Handlungen bekommen. Dadurch hatte nicht mehr so große Probleme, sie auseinanderzuhalten oder mich daran zu erinnern, dass sie überhaupt existieren. Ein weiterer Aspekt, der mich positiv überrascht hat, ist Jems Charakter. Seine Handlungen in dieser Geschichte sind deutlich glaubwürdiger. Im vorigen Band hatte ich oft das Gefühl, dass er für einen 15-jährigen viel zu oft geniale Lösungen in brenzligen Lagen gefunden hat. Oftmals war er auch der Einzige aus der Gruppe, der dazu imstande schien. In vielen Situationen hat Jem nun Hilfe von anderen, was für mich sehr viel realistischer erschien. Dabei verliert er aber trotzdem nicht seine Eigenschaft, clever zu denken. Es wirkt in diesem Band nur viel glaubwürdiger. Lucie hingegen wurde mir im Laufe der Geschichte unsympathischer, was vor allem an ihrer irrationalen Entscheidungen liegt, die Gruppe heimlich zu verlassen. Ähnlich unverständlich wurde für mich Marek, der sich sehr schnell mit dem Gedanken angefreundet hat, sich den zwielichtigen Leuten der Stadt anzuschließen. Das Buch hat es hier nicht wirklich geschafft, mir seine Beweggründe nahezubringen, obwohl es Kapitel gibt, die aus seiner Perspektive geschrieben sind. 
Neben den bekannten Jugendlichen tauchen ebenfalls neue Charaktere auf, die in einem ähnlichen Alter sind. Zu ihnen habe ich insgesamt schneller Zugang gefunden als als es bei denen im ersten Band der Fall war. Besonders Ragnar, der Sohn des Anführers, entpuppt sich schnell als eine vielschichtige Persönlichkeit. Er stellt das System, in dem er lebt, infrage und trifft eigenständige Entscheidungen.
Die Interaktionen zwischen den Figuren waren wirklich interessant ausgearbeitet, weil diese wortwörtlich aus zwei vollkommen verschiedenen Welten stammen und daher sehr unterschiedliche Ansichten haben. Letztendlich arbeiten einige von ihnen dann dennoch zusammen, wodurch sie  ihre Differenzen überwinden. Etwas unnötig fand ich hingegen, dass gleich mehrere Liebesgeschichten hinzukamen, die aber insgesamt sehr flach geblieben sind. Die Handlung hätte auch ohne sie auskommen können, ohne dass der Handlung etwas Wichtiges genommen worden wäre. 
Leider bleiben die menschlichen Gegner eher eindimensional und sind nicht besonders ausgefallen. Diese Personen zeichnet vor allem die starke Überzeugung ihres gesellschaftlichen Konstrukts sowie ihrer Gesetze aus. Nichts scheint ihre Ansichten ändern zu können. Sie sind stur, festgefahren und verurteilen alles, was gegen das eigene Weltbild geht oder dieses bedroht.  Das alles sind für mich nicht wirklich innovative Merkmale. Darüber hinaus erfährt man kaum, was die Figuren antreibt, daher sind sie eher blass geblieben.

Fazit

"Der Turm der Gefangenen" bietet eine spannende, handlungsreiche Fortsetzung der Geschichte. Die Charaktere werden insgesamt greifbarer als im ersten Band. Außerdem gibt es einige neue Figuren, die der Handlung mehr Dynamik geben. Ebenso muss die Gruppe dieses Mal hauptsächlich gegen menschliche Gegner sowie Gefahren ankommen, wodurch die Geschichte einen anderen Schwerpunkt bekommt und sich nicht wie ein Füllband liest. Die bestehenden Elemente aus Teil eins werden aber immer noch behandelt. Die Welt wird dadurch insgesamt noch eingängiger. Etwas schade ist es, dass die menschlichen Gegenspieler eher blass bleiben und die Geschichte außerdem ein paar eher unnötige Liebesgeschichten bekommt, die der Handlung nicht viel geben. Insgesamt konnte mich dieses Buch aber überzeugen. Ich bin schon gespannt, wie die Reise im letzten Teil weitergeht.

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Donnerstag, 25. Mai 2017

Evolution - Die Stadt der Überlebenden (Thomas Thiemeyer) - Rezension

"Evolution: Die Stadt der Überlebenden" ist der erste Teil der "Evolution"-Trilogie von Thomas Thiemeyer. Der Roman  ist im Juli 2016 erschienen und hat 348 Seiten. Nach "Das verbotene Eden" präsentiert er damit seine neue Jugendbuch-Reihe.

Ich habe schon die "Eden"-Geschichte von Thiemeyer gelesen, die mir sehr gut gefallen hat und zu meinen Lieblingsreihen zählt. Daher hat auch diese neue Trilogie vom Autor mein Interesse geweckt.

Zum Inhalt

Eine Welt ohne Zivilisation
Foto: Arena Verlag
Ein Flugzeug auf dem Weg von Deutschland in die USA muss vor dem eigentlichen Ziel eine Notlandung am "Denver Airport" machen. Mit an Bord ist eine Gruppe von Austauschschülern, darunter auch Jem und Lucie, die sich am Flughafen kennengelernt haben. Nach der Landung wird allen schnell klar: Irgendetwas stimmt nicht. Sie Sie scheinen in einer fremden Welt gelandet zu sein. Von der Zivilisation ist nicht mehr viel übrig und die Natur hat sich unerbittlich alles zurückerobert. Der Flughafen erinnert an ein Gewächshaus. Auch von Menschen fehlt jede Spur. Die einzigen Lebewesen scheinen Tiere zu sein. Allerdings sind sie viel zutraulicher und scheinen sich vor der Gruppe überhaupt nicht zu fürchten. Einige von ihnen greifen sogar an. Die Austauschschüler wollen sich diesem Schicksal nicht tatenlos ergeben. Sie machen sich auf die Suche nach Antworten und finden etwas heraus, das ihnen Hoffnung gibt: Es soll Überlebende in einer verschollenen Stadt geben. Doch um diese zu erreichen, müssen sie vor allem eins: Überleben. Und das ist schwieriger als gedacht. 


Meine Meinung

Idee

Die Idee hinter "Evolution" ist spannend und gut umgesetzt. Man findet auf der einen Seite einfache Elemente, die das Grundgerüst der Geschichte bilden: Eine Welt, die voller Gefahren lauert; eine abenteuerliche Reise; der Kampf ums Überleben genauso wie das Duell Mensch gegen Tier. Diese Komponenten werden aber mit ausgefallenen, spannenden Aspekten verknüpft. Sie machen die Geschichte zu etwas ganz besonderem. Einerseits kann man in der verlassenen Welt Überreste von fortschrittlicher Technologie finden, wie man sie sich zur heutigen Zeit nur erträumt. Das Flugzeug ist quasi in einer fernen Zukunft gelandet. Außerdem wird hier die Evolution thematisiert und wie diese begünstigt wurde und Lebewesen verändert hat. Das ist toll, weil man hier wirklich überrascht wird. Eine Mischung, wie man sie in diesem Buch findet, habe ich in noch keinem anderen gelesen.

Protagonisten

Die Geschichte wird mit wenigen Ausnahmen aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt: Der von Jem und der von Lucie. Beide sind 15 Jahre alt und Teil der Gruppe von Austauschschülern. 
Jem ist ein problembehafteter Jugendlicher, der gerne auch mal temperamentvoll wird und seinen Kopf durchsetzen will. Das hat mir gefallen. Man braucht nicht immer einen Charakter, der ausschließlich korrekt handelt und die Unschuld in Person ist. Er kann trotzdem eine sympathische Figur sein, der man gerne durch die Geschichte folgt. 
"Es hieß doch ausdrücklich, ihr sollt warten." 
Jem reckte sein Kinn vor. "Befehle sind nicht so mein Ding. Schon gar nicht von Typen wie dir. Und jetzt geh zur Seite."
Was allerdings beim Lesen gestört hat: Teilweise kommen ihm zu gute Ideen und Lösungen für einen 15-jährigen. Sogar in den brenzligsten Situationen braucht er nur wenige Augenblicke, schon hat er eine Idee, auf die niemand sonst kommt. Da sich das während der Geschichte mehrmals so abspielt, wirkt es etwas abwegig. Trotzdem ist Jem ein starker Charakter, dessen Sicht auf die Dinge interessant zu lesen ist. Er ist mutig, schlau und sorgt sich um das Wohl der anderen. Durch seine Hintergrundgeschichte versteht man ihn und warum er sich so verhält. Das macht ihn als Figur sehr greifbar und vielschichtig. 
Lucie ist ebenfalls ein interessanter Charakter, was vor allem damit zusammenhängt, dass sie die Welt auf eine besondere Art wahrnimmt. Denn sie ist Synästhetikerin und assoziiert mit Personen, Namen oder Buchstaben bestimmte Farben. "Synästhesie ist das Resultat einer spezifischen Vernetzung im Gehirn, die relativ selten vorkommt. [...] Synästhesie beruht auf einem zusätzlichen Kanal der Wahrnehmung. Manche Synästhetiker können Buchstaben fühlen oder Worte schmecken. Andere können Töne in bunten Farben sehen ("Farbenhören")." - Deutsche Synästhesie-Gesellschaft e.V.
"Es ist nicht so, dass das Wort jetzt irgendwie grün eingefärbt über deinem Kopf tanzen würde. Es ist mehr so, dass Name und Farbe für mich dasselbe sind. Das gilt übrigens auch für einzelne Buchstaben." - Lucie
Die Geschehnisse aus ihrer Perspektive zu lesen, ist mal etwas anderes. Darüber hinaus ist sie ein sehr liebenswürdiger Charakter. Allerdings neigt sie, anders als Jem, dazu, passiver zu handeln. Oftmals stimmt sie ihm einfach zu und folgt ihm. Anders als bei dem männlichen Protagonisten erfährt man auch nicht viel von ihrem Charakter und ihrer Vergangenheit, was etwas schade ist. Vielleicht ändert sich das aber noch in den Folgebänden der Trilogie.

Weitere Charaktere

Der Rest der "Hauptgruppe" besteht aus zu vielen Charakteren, da man öfter den Überblick verliert und mit den Namen durcheinander kommt. Das liegt vor allem daran, dass die meisten der Figuren recht blass bleiben. Die Gruppe setzt sich eigentlich nur aus acht Jugendlichen zusammen, aber wirklich gut vorstellen konnte ich mir nur Jem, Lucie und den aufbrausenden Marek, der bis auf diesen Charakterzug auch eher eindimensional wirkt. Die anderen bleiben nach dem Beenden des Buches kaum im Gedächtnis. Aber vielleicht sind sie in den zwei weiteren Teilen noch besser ausgearbeitet und greifbarer. 
Neben den Jugendlichen sind aber noch über 200 weitere Fluggäste in der postapokalyptischen Welt gelandet. Hier habe ich mich auch gefragt, wie realistisch es ist, dass bei Hunderten Erwachsenen gerade mal ein paar etwas unternehmen. Der Rest hält sich zurück und ergibt sich quasi einfach dem Schicksal. Stattdessen übernehmen die Jugendlichen den größten Teil der Verantwortung und scheinen deutlich kompetenter zu sein. Auch die Überlebensfähigkeiten sind bei den jungen Leuten höher. Ich musste hier an die Serie "The 100" denken, in der diese Aufteilung ganz ähnlich ausfällt. Natürlich ist das gewählte Szenario schon fernab jeder Realität und wie sich Leute unter den gegebenen Umständen verhalten, kann sehr unterschiedlich sein. Dennoch war dieser Aspekt für mich nicht ganz überzeugend.

Stimmung und Spannung

Dass Thiemeyer Talent dazu hat, tolle Welten zu erschaffen, hat er für mich schon in "Das verbotene Eden" bewiesen. Und auch in seiner neuen Trilogie kreiert er eine interessante Version Amerikas. Durch seine detailreichen Beschreibungen hat man alles bildlich vor Augen und fühlt sich, als würde man selbst mit Jem, Lucie und Co. durch die verlassene Landschaft streifen. 
Eine von Menschen verlassene Erde finde ich als Handlungsort sehr spannend. Wie sich die Natur letztendlich alles zurückholt, wenn der Mensch verschwunden ist, hat für mich etwas Faszinierendes an sich. Thiemeyer fängt dieses Bild perfekt ein und behandelt die Thematik der Endlichkeit der Menschheit und dem, was sie erschaffen haben, sehr gut. 
"Wohin Jem auch blickte, herrschte Zerstörung. Kaum ein Stein, der auf dem anderen stand. Nur hin und wieder sah er einige verfallene Gebäude, umgeben von riesigen Wasserflächen und ausufernden Schilfregionen."
Das Cover ist dazu sehr passend gewählt. Es sieht nicht nur toll aus, es gibt einem schon einen guten Eindruck von der Welt, in die man beim Lesen eintaucht.
Neben diesem Aspekt wird der Geschichte auch etwas unbehagliches, fast unheimliches gegeben, denn die Evolution hat bestimmte Tiere mit neuen Fähigkeiten ausgestattet. Die Idee dahinter ist spannend und beunruhigend zugleich und hat dem Buch noch etwas Besonderes gegeben.
Der Einstieg der Geschichte zieht sich etwas. Die Charaktere werden am Anfang des Buches vorgestellt und das nimmt doch viel Zeit in Anspruch, in der ansonsten nicht wirklich etwas passiert. Es dauert gut 50 Seiten, bis der Roman an Fahrt aufnimmt. Bei einer Gesamtanzahl von 350 Seiten ist das recht viel. Ab da steigt die Spannung aber kontinuierlich und es bleibt bis zum Schluss durchgehend aufregend. Der erste Teil endet auch an der genau richtigen Stelle: Die Reise der Gruppe ist für den Moment abgeschlossen und es gibt Antworten auf einige wichtige Fragen. Auf der anderen Seite wird Platz gemacht für einen neuen Handlungsverlauf, denn es tauchen neue Charaktere auf und es gibt einen neuen Handlungsort für den nächsten Teil. Dadurch wird die Neugier auf die Fortsetzungen geweckt.

Fazit

"Evolution: Die Stadt der Überlebenden" bietet eine spannende Geschichte mit einer innovativen Idee, die aus der Masse an Jugendbüchern heraus sticht. Die Welt nimmt einen gefangen und überzeugt durch viele Details, eine tolle Stimmung und einigen Überraschungen. Allerdings verhalten sich die Charaktere teilweise so unrealistisch, dass es beim Lesen negativ auffällt. Dieses Buch bietet insgesamt einen tollen Auftakt zur Reihe und macht Lust auf mehr. Ich möchte die Reihe weiterlesen und herausfinden, wie sich die Charaktere und ihre Geschichte noch entwickeln. Daher eine klare Leseempfehlung. 


Hier kommt ihr zur den Rezensionen von Teil 2 und 3.

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