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Sonntag, 9. September 2018

Deadwind - Rezension

"Deadwind" (Originaltitel: Karppi) ist eine finnische Serie, die seit August 2018 weltweit bei "Netflix" verfügbar ist. Eigentlich wollte ich sie im neunten Teil unserer "Netflix Original Kurzrezensionen" (hier geht es zu allen Posts der Reihe) thematisieren, doch die Sendung hat einen so tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, dass ihr eine Kurzrezension nicht gerecht geworden wäre. Die zweite Staffel ist übrigens bereits bestellt.

Kommissarin Sofia Karppi (Pihla Viitala) kehrt zwei Monate nach dem Unfalltod ihres Ehemannes in den Dienst beim Polizeipräsidium Helsinki zurück. Gemeinsam mit ihrem neuen Kollegen Sakari Nurmi (Lauri Tilkanen) stößt sie kurze Zeit später auf eine Leiche: Anna Bergdahl (Pamela Tola) wurde in Folie eingewickelt und mit weißen Lilien in den Armen vergraben. Ihr Tod bedeutet nicht nur Kummer für Ehemann Usko (Jani Volanen) und die beiden gemeinsamen Töchter, sondern auch Probleme für die Firma Tempo. Anna war als Beraterin für deren Windenergie-Großprojekt tätig und wurde auf ebendieser Baustelle tot aufgefunden. Wollten die Geschäftsführer Alex (Tommi Korpela) und Julia Hoikkala (Pirjo Lonka) einen Skandal vertuschen? Das denkt zumindest der aggressive Umweltaktivist Andreas Wolf (August Wittgenstein, Jenny - echt gerecht!). Karppi und Nurmi müssen sich nicht nur durch ein Dickicht von Lügen, Dramen und Verschwörungen wühlen, sondern auch ihre eigenen Dämonen bewältigen. 

Die beste Streaming-Serie seit "The Killing"

Wer hat Anna das angetan?
Foto: Netflix
Im Laufe der letzten zwei Jahre habe ich unzählige "Netflix Originals" geguckt - sowohl Eigenproduktionen als auch Serien, für die der Anbieter die weltweiten Exklusivrechte besitzt. Darunter waren viele, die ich sehr gemocht habe, zum Beispiel "Berlin Station", "Stranger Things""3%" und "Alias Grace" (Bei den ersten drei sehne ich die Veröffentlichung der jeweiligen dritten Staffel schon herbei!). Das in meinen Augen beste "Netflix Original" ist allerdings "The Killing". In der Serie geht es um eine abgewrackte Kommissarin, die gemeinsam mit ihrem Ex-Junkie-Kollegen versucht, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären, deren Familie zunehmend Selbstjustiz übt. In "Deadwind" geht es währenddessen um eine abgewrackte Kommissarin, die mit ihrem Ex-Junkie-Kollegen versucht, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären, deren Familie zunehmend Selbstjustiz übt. Es ist also wenig verwunderlich, dass sich die Sendungen leicht ähneln. Während "The Killing" das skandinavisch-angehauchte, amerikanische Remake einer dänischen Serie war, handelt es sich bei "Deadwind" um eine finnisch-deutsche Koproduktion. Im Kern folgen beide der gleichen Handlung, da es zusätzlich zu den oben genannten Punkten noch weitere Überschneidungen gibt: Beide Kommissarinnen sind alleinerziehende Mütter, die ihre Kinder im Laufe der Geschichte auf Nimmerwiedersehen in ein Flugzeug setzen und zu Bekannten schicken; beide Ermittlerpaare schwanken zwischen anfänglicher Abneigung, tiefer kollegialer Verbundenheit und unterschwelliger Anziehung; in beiden Kriminalfällen ist der Hauptverdächtige ein mächtiger, gesellschaftlich relevanter Mann und eine Nebenhandlung beschäftigt sich mit ihm, während eine andere die Familie der Toten begleitet. Letztendlich kann ich nicht sagen, welche Serie mir besser gefallen hat. Es ist schwierig, ein bereits beendetes Format mit vier Staffeln mit einer Sendung zu vergleichen, die erst 12 Folgen hat und im nächsten Jahr fortgesetzt wird. Aber eins ist klar: "Deadwind" ist definitiv das beste "Netflix Original" seit "The Killing"!
Karppi muss den Unfalltod ihres Manns verkraften
Foto: Yle TV2/Netflix
Die große Stärke der Serie sind die tollen, vielschichtigen und lebensnahen Charaktere. Allen voran Kommissarin Karppi. Sie ist nicht ganz so verlottert wie ihre "The Killing"-Kollegin und geht immerhin zwischendurch nach Hause, um sicherzustellen, dass ihr Sohn Emil (Noa Tola) und ihre Stieftochter Henna (Mimosa Willamo) noch leben. Nicht nur der Tod ihres Mannes belastet sie, sondern auch die Tatsache, dass die Familie bis dahin in Hamburg gelebt hatte. Während ihre Kinder und ihr Partner gerne in Deutschland waren und dort viele Freunde hatten, fühlte sich Karppi eher fremd und kehrte - zum Unmut von Emil und Henna - nach dem tödlichen Unfall sofort nach Finnland zurück. Dieses und weitere kleine Geständnisse, die die Ermittlerin ihrem Kollegen Nurmi im Laufe der letzten Folgen macht, zeigen Brüche in ihrer harten Schale. Sie ist eine typische eigenwillige Einzelgängerin, die sich nicht um Gesetze oder Konventionen schert. Aber Karppi ist auch eine verunsicherte Frau, die nicht weiß, wie sie mit ihrer Trauer oder der ihrer Kinder umgehen soll. Deshalb regelt sie alles mit großer Aggression und Zielstrebigkeit - so lässt sie beispielsweise einen Schüler aus seiner Klasse holen und bedroht ihn auf dem Flur, weil er ein Video von sich und Henna beim Sex an seine Freunde verschickt hat. Die Kommissarin ist auf den ersten Blick unergründlich und abweisend, doch schnell zeigt sich, dass ihr Verhalten begründet und sie ein sehr lebensechter Charakter ist. Es ist wirklich unterhaltsam und spannend, ihr zuzusehen. 
Nurmi (l.) & Karppi werden langsam ein Team
Foto: Yle TV2/Netflix
Das scheint auch Nurmi begriffen zu haben. Obwohl sie ihn in den ersten Folgen ziemlich mies behandelt und einen Alleingang nach dem anderen startet, hält er zu ihr und unterstützt sie nach der Suspendierung bei ihren privaten Ermittlungen. An einigen Stellen wird kurz andeutet, dass er in der Vergangenheit drogenabhängig war, doch dieser Punkt wird nicht überdramatisiert oder ausgeschlachtet. Stattdessen stellt Nurmi ein angenehmes Pendant zu Karppi dar: freundlich, bestimmt und geradlinig. Dabei rutscht er glücklicherweise nie in das Klischee des überkorrekten, verkopften Sidekicks ab, der ausschließlich dafür da ist, die Genialität der querdenkenden Kollegin zu unterstreichen. Für mich war er dank seines ausgeglichenen Wesens, seines Humors und seiner Intelligenz das Highlight der Serie. Besonders eine Szene ist mir in dieser Hinsicht in Erinnerung geblieben: Er steht vor Karppis Tür und benötigt eigentlich ihre Unterstützung, stellt aber schnell fest, dass sie seine viel dringender braucht: Völlig betrunken klagt sie ihm ihr Leid, küsst ihn, weint und erbricht sich. Nurmi verzieht keine Miene, sondern verfrachtet sie ins Bett, ignoriert ihren wütenden Schrei, dass er gehen solle und bleibt auf der Couch, um sicherzustellen, dass sie sich nicht zu Tode säuft. Am nächsten Morgen hängen die beiden die komplette Wohnzimmerwand mit Berichten, Bildern und Notizen voll, um den entscheidenden Hinweis im Mordfall zu finden. Es ist angenehm, ein Team zu sehen, dass weder in langweiliger Harmonie zusammenarbeitet, noch in stetigem Konkurrenzkampf versinkt. Der Mittelweg, den Karppi und Nurmi in der zweiten Hälfte der Staffel finden, ist sowohl unterhaltsam, als auch aus Krimi-Sicht zielführend. Ich hoffe sehr, dass die Konstellation auch in den neuen Episoden, die voraussichtlich im Frühjahr 2019 gedreht werden, bestehen bleibt.

Spannung und Unterhaltung - volle 12 Folgen lang

Usko trauert mit seinen Töchtern Isla (l.) und Armi 
Foto: Yle TV2/Netflix
Bei vielen Krimiserien, die sich mit einem einzigen Fall pro Staffel beschäftigen, gibt es ein Problem: Sie können den Nervenkitzel und die Neugierde auf die Identität des Mörders nicht aufrechterhalten. Irgendwann verliert sich die Handlung meist in den privaten Verwicklungen der Beteiligten und die Ermittlungen geraten immer weiter aus dem Fokus. Die Sendungen verschießen ihr Pulver schnell und spätestens nach der dritten oder vierten Folge wird die Geschichte durch Dutzende Charaktere, Twists und Nebenhandlungen überbrückt und unnötig in die Länge gezogen, wie beispielsweise bei den "Neflix Originals" "Collateral", "Seven Seconds" und "Superstition". Bei "Deadwind" ist das nicht der Fall. Tatsächlich hat es die Serie geschafft, mich die kompletten 12 Folgen lang zu unterhalten und zu begeistern. Die starken Protagonisten sind ein Grund, aber auch die nachvollziehbaren Nebenhandlungen tragen ihren Teil dazu bei. Anstelle die Episoden mit unnötigem Drama und einer unübersichtlichen Anzahl von Figuren zu füllen, begleitet der Zuschauer konsequent dieselben Charaktere. Der interessanteste ist Usko Bergdahl. Er muss nicht nur den gewaltsamen Tod seiner Frau verarbeiten, sondern auch für die gemeinsamen Töchter Isla (Elsa Brotherus) und Armi (Eedit Patrakka) schnell zu einem möglichst normalen Alltag zurückkehren. Es ist spannend und auch herzzerreißend zu sehen, wie der scheinbar grundehrliche Usko immer mehr zu zerbrechen droht, je mehr er über seine verstorbene Frau erfährt. Auf der anderen Seite ist es ebenso fesselnd, wie Karppi, die sich in derselben familiären Situation befindet, sich vehement weigert, ihn als Verdächtigen zu sehen und sich schließlich fragen muss, ob sie sich getäuscht hat. Die andere Nebenhandlung, die sich auf Tempo-Geschäftsführer Alex Hoikkala, seine Frau Linda (Jonna Järnefelt), sowie seine Geschwister Julia und Roope (Riku Nieminen) konzentriert, ist zwar deutlich weniger spannend, schafft es aber dennoch, nie völlig langweilig zu werden.
Nö, noch ein Jahr auf die nächste Staffel warten...
Foto: Yle TV2/Netflix
Letztendlich sind "Deadwinds" große Stärken die mitreißenden, realistischen und vielschichtigen Charaktere, sowie die für nordische Krimiserien typische rustikale, kalte und düstere Stimmung. Die Handlung kann da nicht ganz mithalten. Die Suche nach Anna Bergdahls Mörder steht immer im Vordergrund und wird konsequent aufgebaut, ohne zu früh zu viel zu verraten oder unglaubwürdige Wendungen einzubauen. Die Geschichte ist aber dennoch ausbaufähig. Natürlich gibt es zahlreiche Logiklücken: Karppi und Nurmi fliegen mal eben nach Deutschland, um dort einer Spur nachzugehen, ohne ihre finnischen oder deutschen Kollegen zu informieren; die zeitlichen Angaben von Karppis familiärer Situation sind nicht schlüssig (Angeblich war sie lange in Deutschland, im Präsidium wird sie aber aufgenommen, als habe sie dort bis zum Tod ihres Mann gearbeitet.) und Nurmi erkennt im Dunklen, wie Drähte in einem Auto verlaufen und welche er durchschneiden muss. Allerdings gibt es deutlich weniger offene Frage und widersprüchliche Geschehnisse als in anderen Sendungen, weshalb mich diese Punkte nicht sonderlich gestört haben. Was ich hingegen schade fand, war die Auflösung. Achtung, in diesem Satz folgt ein Spoiler: Wie fast alle Krimis folgt auch "Deadwind" dem wohl bekanntesten Mörder-Schema - es ist immer die Person, die ständig auftaucht, ohne eine wirkliche Rolle für die Handlung zu spielen und nie oder nur kurz verdächtigt wird. Anhand dieser Formel hatte ich meinen Verdächtigen schon innerhalb der ersten Folge gefunden und in den darauffolgenden elf gab es keine einzige Sekunde, in der ich an meiner Vermutung gezweifelt habe. Ich fand es wirklich schade, dass diese großartige, unterhaltsame Produktion ausgerechnet bei der Auflösung unkreativ war. Da ich aber ansonsten sehr viel Spaß hatte, fällt das nicht signifikant schwer ins Gewicht.

Fazit

"Deadwind" ist eine sehr zu empfehlende, spannende Krimiserie, die aus dem Meer der anderen "Netflix Originals" heraussticht. Sie ist eine von wenigen Sendungen, die es schafft, das Niveau der ersten Folgen bis zum Ende zu halten. In jeder Episode erfährt der Zuschauer viel Neues, ohne mit unzähligen Charakteren, Nebenhandlungen und Wendungen überhäuft zu werden. Dennoch wird die Geschichte nie langweilig, was vor allem an den vielschichtigen Charakteren liegt. Die beiden Protagonisten haben eine tolle Dynamik und begeistern durch ihre unvorhergesehenen Aktionen, ihren Humor und ihre Hartnäckigkeit. Auch die anderen Figuren sind spannend, da sie keinen typischen Klischees entsprechen und ihr Verhalten meistens nachvollziehbar ist. Fast jede von ihnen ist sympathisch, was das Dilemma der Ermittler noch verständlicher macht: Es gibt keinen stereotypischen Bösewicht, an dem sie sich festbeißen können, da jeder Charakter lebensnah ist und seinen ganz normalen Grundbedürfnissen folgt. Durch die kühl-düstere Atmosphäre und den tollen Soundtrack  gewinnt "Deadwind" noch zusätzlich an Stimmung und Spannung. Lediglich die Auflösung wird der grandiosen finnisch-deutsche Koproduktion nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite Staffel das sehr hohe Niveau der ersten halten oder durch einen weniger offensichtlicheren Mörder sogar übertreffen kann.


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Sonntag, 2. September 2018

Tatort: Borowski und das Haus der Geister - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Der Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) erhält einen Brief seiner Patentochter Grete Voigt (Emma Mathilde Floßmann), die ihn eindringlich um einen Besuch bittet. Vor vier Jahren war ihre Mutter (Sandrine Mittelstädt) spurlos verschwunden. Borowski hatte vermutet, dass Heike Voigt von ihrem Ehemann Frank (Thomas Loibl, Polizeiruf 110: Starke Schultern) getötet worden war, konnte die Theorie jedoch nie beweisen. Dementsprechend frostig ist das Zusammentreffen der beiden Männer und Grete behauptet, den Brief bereits vor einigen Jahren geschrieben, aber nie abgeschickt zu haben. Lediglich Gretes Schwester Sinja (Mercedes Müller) und Franks neue Ehefrau Anna (Karoline Schuch) freuen sich über Borowskis Besuch. Letztere bittet ihn heimlich, eine Autopanne vorzutäuschen und in dem riesigen Haus zu übernachten. Schon wenige Stunden später merkt der Kommissar, was die junge Frau beunruhigt: In der Villa gibt es nachts unheimliche, scheinbar übernatürliche Vorkommnisse - hat es der Geist von Heike auf Anna abgesehen? Hilfe bei dem seltsamen Fall erhält Borowski von seiner neuen Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik).

Gespenster, Badewannen und erschossene Autos

Sahin (v.r.) ist vielversprechend
Foto: NDR
...sind nicht unbedingt Dinge, die häufig in deutschen Krimis auftauchen. Aber im "Tatort" gab es sie schon: Letztes Jahr sorgte der Frankfurter Fall "Fürchte dich" für Aufsehen, da die Ermittler von übernatürlichen Kreaturen verfolgt wurden. Die anderen beiden Punkte waren sogar bereits Teil von Borowski-Folgen. 2012 feuerte der Kommissar eine Kugel auf seinen liegengebliebenen Wagen ab, während im vorherigen Fall "...und das Land zwischen den Meeren" eine Badewanne zentraler Teil des Tathergangs war. Alle drei Dinge spielen nun auch im aktuellen Krimi eine wichtige Rolle - dementsprechend fühlt er sich an einigen Stellen wie ein kleines Déjà-vu an. Das wäre an sich nicht schlimm, da es schwierig ist, bei mittlerweile 1.065 Folgen noch zu hundert Prozent innovativ und neu zu sein. Allerdings passen die verschiedenen Punkte in diesem "Tatort" einfach nicht zusammen. Alles wirkt, als sei es mit der heißen Nadel zusammengestrickt worden. Bereits die Anfangssequenz ergibt nicht wirklich Sinn, da sich Borowski und sein (ehemaliger) Verdächtiger Frank Voigt scheinbar nie ausgesprochen haben, der Konflikt aber erst nach einiger Zeit plötzlich und unerwartet hochkocht (Frank: "Hältst du mich immer noch für den Mörder meiner Frau? Warum schiebst du einen Brief von Grete vor, um dich hier zum Essen einladen zu lassen?" Borowski: "Weil du immer noch ein sehr guter Koch bist." Anna: "Haben alle noch Platz für Nachtisch?"). Innerlich kann der Zuschauer dem vermeintlichen Mörder nur zustimmen: Wieso sich Borowski nach vier Jahren Funkstille plötzlich bei seinem Patenkind meldet, wird nicht wirklich aufgeklärt.
Wie aus einem schlechten Familiendrama: Die Voigts
Foto: NDR/Christine Schroeder
Die ganze Situation fühlt sich gestellt an - im Gegensatz zum "Tatort: Fürchte dich" jedoch nicht mit voller Absicht. Drehbuchautor Marco Wiersch scheint seinen Fall und die seltsamen Charaktere völlig ernst zu nehmen. Dabei wirken viele der Dialoge, als seien sie für die Ulk-"Tatorte" aus Münster oder Weimar verfasst worden - wie beispielsweise das Zusammentreffen von Borowski und seiner Ex-Frau Gabrielle (Heike Trinker, Tatort: Der rote Schatten), das übrigens vor einer Gruppe von Ballettschülerinnen im Grundschulalter stattfindet (Gabrielle: "Hast du einen Durchsuchungsbeschluss?" Borowski: "Ich will nur kurz reden." Gabrielle: "Als wir frisch verliebt waren, hast du mir einen Durchsuchungsbeschluss für meinen Körper überreicht. Das fand ich schick."). Die lebensfernen Charaktere würden ebenfalls besser zu einem der Teams passen, die sich selbst nicht ernst nehmen. Am stärksten zeichnet sich das bei den beiden Voigt-Schwestern ab, die wie Figuren aus einem Kinderfilm erscheinen: Die eine unscheinbar mit Strickmütze, gefärbten Haaren, permanenter Depri-Stimmung und schlechter Laune; die andere sexy mit stylischen Outfits, ständigem, übertriebenem Optimismus und gekünsteltem Lachen.

Willkommen, Kommissarin Sahin!

Gestatten: Boxsack Walter und Kommissarin Sahin
Foto: NDR/Christine Schroeder
Die Vorstellung von Borowskis neuer Kollegin wirkt ebenfalls abstrus: Mila Sahin schwingt an einem Boxsack im Büro hin und her und stellt ihn als "Walter", ihren Kumpel und Coach vor. Mal abgesehen von dieser seltsamen Szene, ist ihr Einstieg jedoch gelungen. Die junge Ermittlerin ist spontan, witzig und zielstrebig. Außerdem verstehen sie und Borowski sich sofort. Er verliert nicht einmal ein Wort darüber, dass sie den Fall offiziell leitet. Zwar fällt Sahins Rolle diesmal leider noch relativ klein aus, sie ist aber vielversprechend. Ihrem älteren Kollegen tut der frische Wind auch sichtlich gut. In den vorherigen Folgen fiel Borowski vor allem durch seine ständige schlechte Laune, seine mürrischen Sprüche und seine Anti-Team-Haltung auf. In "...das Haus der Geister" ist er - obwohl der Fall in seinem privaten Umfeld spielt - fröhlich, engagiert und motiviert. In einem für die Geschichte völlig irrelevanten, aber dafür niedlichen Moment tanzt er losgelöst zu Warteschleifenmusik und steckt auch Kollegin Sahin mit dem hüftsteifen Tanzfieber an. In diesem Krimi gibt es zahlreiche Sequenzen, die nicht zum Rest der Handlung passen wollen. Den wohl größten Bruch stellt eine Szene dar, in der Borowski, Anna, Sinja und Grete versuchen, mit dem Geist von Heike in Kontakt zu treten - Salzkreis, Glas rücken und Beschwörungsformel inklusive. Die übertriebene Seriosität und die holprigen Dialoge lassen erneut den Eindruck zu, es handele sich dabei um einen "Tatort" aus Weimar oder Münster (Borowski: "Verbietet euch jeglichen Zweifel. Nur so kann sich eure Energie auf das Glas übertragen! Wir rufen dich großer Geist!"). Unterm Strich passt in dieser Folge nichts so wirklich zusammen. Das Gespensterritual wird später genauso wenig aufklärt, wie viele Fragen - beispielsweise, wieso Sinjas Freund Chris (Alex Peil) bei den Voigts am Küchentisch sitzt, obwohl keiner zu Hause ist; weshalb die Spukattacken erst vier Jahre nach Heikes Verschwinden begonnen haben oder warum Anna nach den ersten komischen Vorkommnissen keine Kameras installiert hat oder in ein Hotel gezogen ist.

Fazit

"Borowski und das Haus der Geister" ist gemessen an der Handlung eine schwache Folge aus Kiel. Es scheint, als sei die Geschichte nachlässig, hastig und ohne jegliche Logik zusammengebaut worden. Die Episodencharaktere wirken darin wie blasse Karikaturen, deren Aktionen und Gemütsschwankungen so gut wie nie erklärt werden. Trotz der Gespensterthematik will keine Spannung aufkommen, was vor allem an der albernen Inszenierung der Geisterbeschwörung und der nächtlichen Vorkommnisse liegt. Das einzige starke Element in diesem "Tatort" sind die beiden Ermittler. Nach einer langen mürrischen Phase agiert Borowski zum ersten Mal wieder sympathisch und motiviert. Seine neue Kollegin hat zwar noch keine große Rolle, überzeugt aber in ihren kurzen Auftritten durch ihren Witz und ihre Schlagfertigkeit. Hoffentlich bekommt das Team demnächst etwas bodenständigere und logischere Kriminalfälle, damit die Motivation der Kommissare nicht nachlässt.


Achtung: Der Kölner "Tatort: Trautes Heim" nächste Woche ist eine WIEDERHOLUNG aus dem Jahre 2012. Die nächste "Tatort"-Erstausstrahlung läuft am darauffolgenden Sonntag. In "Tiere der Großstadt" müssen die Berliner Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) gleich zwei Tötungsdelikte aufklären.

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Sonntag, 26. August 2018

Tatort: Die robuste Roswita - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Ein Verkehrsunfall mit Fahrerflucht führt die Weimarer Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) in die traditionsreiche Kloßmanufaktur Hassenzahl. Dort stoßen sie auf die granulierte Leiche des Geschäftsführers Christoph Hassenzahl (Matthias Paul). Seine Ehefrau Roswita (Milena Dreißig) ist vor sieben Jahren spurlos verschwunden. Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) hatte damals Hassenzahl und dessen Geliebte, die Vorarbeiterin Cordula Remda-Teichel (Christina Große, Das Leben danach), verdächtigt, Roswita etwas angetan zu haben. Plötzlich steht die Vermisste jedoch quicklebendig in der Firma. Sie war vor sieben Jahren orientierungslos und ohne Gedächtnis von ihrem jetzigen Lebensgefährten Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff, Tatort: Sonnenwende) im Wald gefunden worden. Seitdem hat sie als Toilettenfrau "Mowgli" an einer Raststätte gearbeitet - ohne zu wissen, wer sie wirklich ist. Die Kommissare sind skeptisch, ob die Geschichte der Wahrheit entspricht. Mit dem wütenden Kartoffelbauern Thomas Halupczok (Jörn Hentschel, Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren) und der ehrgeizigen Supermarkt-Managerin Marion Kretschmar (Anne Schäfer) gibt es jedoch noch zwei weitere Verdächtige mit eindeutigen Mordmotiven.

Es geht um Klöße, schon verstanden!

Dorn und Lessing ganz stylisch
Foto: MDR
...wird wohl der ein oder andere Zuschauer während dieses "Tatorts" genervt denken. Denn die Weimarer Stamm-Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger lassen keinen Zweifel daran, in welchem gesellschaftlich überaus relevanten "Milieu" der Fall spielt (Dorn: "Es gibt zwei große Dinge in Thüringen..." Lessing: "Ach, gleich zwei!" Stich: "Wurst und Klöße."). Die Wurstkönigin wurde bekannterweise in Dorns und Lessings erstem Fall 2013 ermordet, nun hat es also den Kloßkönig erwischt. Wie für den Weimarer "Tatort" üblich, zieht sich das Thema durch die komplette Handlung - sei es ein Verhör in einem gigantischen Kloß oder fraglich amüsante Sprüche wie "Das sind für mich böhmische Klöße." In das Klamauk-Niveau der beiden vorherigen Fälle "Der wüste Gobi" und "Der kalte Fritte" rutscht der Krimi jedoch glücklicherweise nicht ab. Das liegt vor allem an dem grandiosen ironischen Humor der beiden Protagonisten. Dorns ironisch-abschätzige Gesichtsausdrücke gepaart mit Lessings naiv-fröhlicher Klugscheißerei sorgen für viele amüsante Dialoge und tolle Situationskomik. So tritt die Kommissarin beispielsweise eine Tür ein und kommentiert das trocken mit "Kindheitstraum erfüllt." Lessings tadelndes "Frau Dorn!", wenn die Mutter seines Sohnes mal wieder einen sarkastischen Kommentar abgegeben hat, ist ja mittlerweile schon fast Kult.
Mein kleiner grüner Kaktus steht hier auf dem Tisch
Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer
Es gibt auch noch den ein oder anderen kleinen, amüsanten Insider-Gag für begeisterte "Tatort"-Fans. Relativ offensichtlich sind die Seitenhiebe auf die Kollegen aus Dortmund. Die Weimarer Ermittler verhören ihre Verdächtigen nicht nur in einem riesigen Kloß, sondern auch in einem stinknormalen Verhörraum - in dessen Mitte ein winziger, schiefer Kaktus auf dem Tisch steht. Auch Kommissar Faber hat einen stacheligen Freund, der immer in seinem Büro zu sehen ist. In einer anderen Szene stellen Dorn und Lessing mit vollem Körpereinsatz den möglichen Tathergang nach - ein übliches Vorgehen für die Ermittler aus dem Ruhrpott. Nicht ganz so offensichtlich ist ein anderer Witz. Der eigenbrötlerische neue Lebensgefährte von Roswita wird als "ganz lieber Mann am Rande des Waldes" beschrieben. Ob nun von den Drehbuchautoren beabsichtigt oder nicht, aufmerksame Zuschauer könnten bei diesem Spruch hellhörig werden. Schauspieler Nicki von Tempelhoff, der Roland Schnecke darstellt, war vor drei Monaten im "Tatort: Sonnenwende" zu sehen. Auch da spielte er einen Einsiedler am Rande des Waldes, der auf den ersten Blick nett und hilfsbereit wirkte, sich dann aber als Rechter mit völkischem Gedankengut entpuppte. Christina Große, die hier die Vorarbeiterin in der Kloßmanufaktur spielt, war übrigens in demselben Fall zu sehen. Da stellt sich mal wieder die Frage, wieso einige Dutzend Schauspieler mehrmals im Jahr im Sonntagskrimi auftauchen - in Rollen, die nicht unumstößlich auf sie zugeschnitten sind.

Bildungsauftrag erfüllt - irgendwie

Mit dem Traktor ganz unauffällig zur Vernehmung
Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Anke Neugebauer
Es ist nicht sonderlich überraschend, dass die Handlung bei einem dichten Gag-Feuerwerk und exzentrischen Figuren zu kurz kommt. Für die Fans der Weimarer und Münsteraner "Tatorte" zählt nun einmal eher die Art, wie die Kommissare ermitteln und nicht, was genau sie dabei herausfinden. Das ist auch bei "Die robuste Roswita" der Fall. Protagonisten und Zuschauer lernen in den 88 Minuten viele mehr oder weniger seriöse Fakten, die aber nichts mit der eigentlichen Mordermittlung zu tun haben. Beispielsweise, dass nichts so gut wärmt wie eine heiße Tasse Kloßbrühe, dass ein Trickbetrüger nichts anderes als ein Märchenerzähler ist, dass Menschen aus Bayern keine Ahnung von Klößen haben, dass granulierte Klöße aussehen wie Katzenstreu und dass man seine Hände ganz leicht mit den Scheibenwischern des Autos säubern kann. Die wohl bahnbrechendste Weisheit verrät aber Toilettenmann Roland Schnecke in Form von drei Punkten für das richtige Pinkeln im Stehen: "Senkrechte statt waagerechte Oberflächen anstrullen, geringe Aufprallwinkel und nah rantreten. Mit 60 fängt's an zu tröpfeln, mit 70 geht das Meiste beim Abschütteln weg - fragen Sie nicht wohin." Der einzige noch plattere Spruch in diesem Krimi ist wohl Roswitas ehrfürchtige Ergänzung: "Das musste ich auch alles erst lernen." Ganz so präzise wie die Toilettentipps ist die Auflösung später nicht. In den letzten Minuten schustern sich Dorn und Lessing einen komplexen Tathergang zusammen, in dem fast jede Nebenfigur in irgendeiner Form vorkommt. Die Ermittler machen nicht einmal einen Hehl daraus, dass sie selbst nicht wissen, wer überhaupt juristisch belangt werden kann. Ungeschoren kommt zumindest die Person davon, die Kommissariatsleiter Stich stundenlang in einem Gefrierraum eingesperrt hatte - da sie damit sein hartnäckiges Fieber kuriert und ihm eine Lektion erteilt hat. Schon ein lustiges Volk, diese Weimarer...

Fazit

"Die robuste Roswita" verleiht dem Team Dorn/Lessing nach zwei eher schwachen Folgen wieder einen kleinen Aufschwung. Auch wenn der Humor nicht das Niveau der Anfangsjahre erreicht, ist er dennoch deutlich treffsicherer als in "Der wüste Gobi" und "Der kalte Fritte". Die beiden Kommissare sind das Highlight der Folge. Mit ihren trockenen Sprüchen, ihrer spitzen Ironie und ihren herrlich missbilligenden Gesichtsausdrücken sind sie ein Garant für Lacher - im Gegensatz zu vielen Gags der anderen Charaktere. Mit ihrem Sarkasmus werten die Ermittler auch die holprige Handlung auf, die thematisch an die Pilotfolge der Weimarer und in Teilen auch an andere "Tatort"-Teams erinnert. Trotz der erzählerischen Schwächen ist "Die robuste Roswita" dennoch ein unterhaltsamer Fall, der trotz allem nicht in den Klamauk abrutscht. 


Nächste Woche gibt es eine Premiere beim "Tatort". Die neue Kieler Kommissarin Mila Sahin (Almila Bagriacik) feiert ihren Einstand. Bei ihrem ersten Fall "Borowski und das Haus der Geister" übernimmt sie direkt die Leitung der Ermittlungen, da ihr Kollege Klaus Borowski (Axel Milberg) befangen ist. Sein Patenkind hat ihn um Hilfe gebeten: Offenbar treibt der Geist ihrer verschwundenen Mutter sein Unwesen in der Familienvilla. 

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Mittwoch, 22. August 2018

To All the Boys I've Loved Before - Buch vs. Film

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Seit dem 17. August ist die Buchverfilmung zu Jenny Hans "To All the Boys I've Loved Before" auf "Netflix" zu sehen. Ich habe kurz vor Veröffentlichung den Jugendroman gelesen und am Wochenende die Eigenproduktion des Streaminganbieters angeschaut. Im heutigen Post gibt es daher wieder ein "Buch vs. Film" (meine anderen Posts, in denen ich Verfilmungen mit dem Original vergleiche, findet ihr hier). Ich verrate euch, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen und welche Version mir besser gefällt. 

Lara Jean Song (Lana Condor) führt mit ihren 16 Jahren ein ziemlich ruhiges Leben. Statt auf Partys zu gehen, verbringt sie ihre Abende mit ihren Schwestern Margot (Janel Parrish) und Kitty (Anna Cathcart) oder dem Lesen kitschiger Liebesromane. Eine reale Liebesbeziehung hatte sie noch nie. Dafür träumt die Schülerin oft davon und schreibt allen Jungs, in die sie jemals verliebt war, einen Brief. Auf den Umschlägen stehen sogar die Adressen, verschickt aber keinen, da die Worte nur für sie bestimmt sind. Doch dann werden alle von ihnen überraschenderweise verschickt. Einer davon ist an Josh (Israel Broussard) gerichtet, in den Lara Jean sich ein paar Jahre zuvor verliebt hat. Nachdem er mit ihrer älteren Schwester Margot zusammengekommen ist, hat sie ihre Schwärmerei aufgegeben und als ihr Geheimnis bewahrt. Dieses Geheimnis kommt jetzt allerdings ans Licht. Um Josh in dem Glauben zu lassen, sie interessiere sich überhaupt nicht für ihn, fängt Lara Jean eine unechte Beziehung mit Peter (Noah Centineo) an. Der ist ebenfalls einer der Liebesbriefempfänger und schlägt ihr den Deal vor, weil er seiner Ex-Freundin Genevieve (Emilija Baranac) klarmachen will, dass es vorbei ist. 


Schöne Geschichte für Zwischendurch mit ein paar Schwächen

Lara Jeans Leben steht bald Kopf
Foto: Netflix
Mich konnten weder das Buch noch der Film komplett umhauen. Es gibt eine nette Handlung mit überwiegend sympathischen Charakteren, die mich aber letztendlich nur bedingt überzeugt hat. Sie hat mich in beiden Fällen gut unterhalten, aber nicht berührt. Wenn ich die Versionen miteinander vergleiche, gefällt mir Lara Jean im Film etwas besser. In der Vorlage von Jenny Han ist die Protagonistin kaum greifbar, weil sie ziemlich perfekt wirkt. Lana Condor schafft es aber, der Figur etwas mehr Ecken und Kanten zu geben. Dennoch bleibt Lara Jean auch dort etwas zu flach. Ich habe weder im Buch noch in der Adaption richtig mit ihr mitgefiebert oder mitgefühlt. Dafür gibt es einen weiteren Grund, der mich schon im Roman gestört hat: Es gibt so gut wie keine Charakterentwicklung. Lara Jean ist am Ende der Geschichte im Grunde genau da, wo sie angefangen hat. Daran ändern auch die gespielte Beziehung mit Peter nichts. Sie erlebt dadurch zwar neue Dinge, aber weder der Leser noch der Zuschauer merkt, dass sie sich dadurch in irgendeiner Form weiterentwickelt. Im Roman macht sie ironischerweise am Schluss exakt das, was sie auch schon früher getan hat: einen Brief schreiben. Dieser Stillstand hängt auch damit zusammen, dass sie keine echten Probleme oder Hürden überwinden muss, wie es bei Protagonisten meist der Fall ist. Als ich das Buch gelesen habe, war ich überrascht, wie wenig die Briefe letztendlich die Handlung bestimmen. Mit Ausnahme von Josh scheint es keinen der Jungs wirklich zu kümmern, dass Lara Jean ihnen geschrieben hat. Selbst Peter nimmt alles sehr gelassen und das Thema ist somit schnell vom Tisch. Sie muss sich damit überhaupt nicht herumschlagen. Da es auch sonst keine Probleme gibt, muss sie nichts groß ändern oder einsehen, um am Ende an ein bestimmtes Ziel zu gelangen - denn es gibt kein Ziel. Diese "Reise" habe ich bei "To All the Boys I've Loved Before" in beiden Versionen vermisst. 
Die Schwestern stehen sich im Buch näher
Foto: Screenshot
Ein weiterer Punkt, der mich beim Film gestört hat: Er legt den Fokus viel zu sehr auf die Liebesgeschichte, sodass sich die Handlung rund um Lara Jeans Familie kaum entfalten kann. Der Roman schafft ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis zwischen dem Liebesplot und dem Familienleben. Dort merkt der Leser, wie eng die drei Schwestern sich stehen. Sie sind eine echte Einheit und haben zudem eine tolle, vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Vater. Vor allem Lara Jeans starke Verbindung zu Margot sorgt dafür, dass sich der Brief an Josh als ein echtes Problem zwischen den Geschwistern entwickelt. Im Film wirkt alles sehr viel "einfacher". Die Buchvorlage behandelt immer wieder das Problem, dass Lara Jean sich ihrer älteren Schwester Margot nicht anvertrauen kann. Denn sonst müsste sie ihr gestehen, dass sie in Josh verliebt war. Mehrmals hadert sie mit sich und flüchtet vor jedem Gespräch, wodurch der Leser versteht, dass es sie belastet. In der "Netflix"-Produktion beendet sie ein einziges Mal hastig eine Skype-Konversation mit ihrer Schwester, ansonsten macht die Adaption den Eindruck, es würde Lara Jean kaum beschäftigen. Eine Sache, die es zur Abwechslung im Roman nicht gibt und mich im Film dafür so richtig stutzig gemacht hat: Die Hauptfigur bildet sich ein, mit Josh oder Peter zu reden. In diesen Szenen tauchen die Figuren dann tatsächlich in ihrem Zimmer auf und sie führt imaginäre Gespräche mit ihnen. Ich vermute, es sollte wohl ihre starke Vorstellungskraft unterstreichen. Aber es wirkt einfach nur sehr komisch und vor allem wird dieser Aspekt nicht durchgezogen. Er taucht ein paar Mal am Anfang auf - ich habe nicht verstanden, was es dem Film oder dem Charakter bringen soll, weil diese Momente sehr irrelevant erscheinen. Ab der Mitte der Handlung passiert es dann gar nicht mehr. Da hätte sie auch einfach Selbstgespräche führen können, ohne dass der Zuschauer noch andere Figuren zu sehen bekommt.

Romanze mit fehlendem Tiefgang

Der Roman hat etwas mehr Charme
Foto: Hanser Verlag
Die Chemie zwischen Lara Jean und Peter wurde im Film gut umgesetzt, obwohl die Adaption die Beziehung insgesamt nicht so interessant gestaltet. Im Roman macht Lara Jean am Anfang deutlich, dass sie viele Charakterzüge an Peter nicht mag und ihn deshalb auch gar nicht attraktiv findet. Im Film ist sie von Anfang an "netter" in ihrem Umgang. Dadurch macht es aber auch nicht so viel Spaß, zu verfolgen, wie die Zwei sich langsam näherkommen. Besonders Lara Jean merkt, dass sie Peter völlig falsch eingeschätzt hat. Das Problem in der "Netflix"-Produktion ist meiner Meinung nach die Definition der Briefe. Im Original sind es keine richtigen Liebesbriefe. Sie schreibt zwar auch, wieso sie Gefühle entwickelt hat, endet ihre Botschaft aber vor allem bei Peter mit den Punkten, wieso sie sich "entlieben" konnte. In der Verfilmung werden sie immer nur als Liebesbriefe beschrieben und daher entsteht der Eindruck, Lara Jean wäre noch immer verknallt. Das macht die Romanze langweiliger. Im Buch gefällt mir der kleine Twist, dass sie Peter eigentlich gar nicht mehr gut findet. Sie will hartnäckig an diesem Standpunkt festhalten, am Ende erkennt sie aber doch, dass er sehr liebenswert ist - dieses Mal aber wegen richtiger, tiefliegender Gründer anstatt oberflächlicher Aspekte. Genau dadurch versteht der Leser viel besser als der Zuschauer, wieso sie sich langsam ineinander verlieben. Es gibt viele kleine Momente, in denen Peters charmante Seite aufgedeckt wird. So wird einem gemeinsam mit Lara Jean klar, wie er in Wahrheit ist. Einer meiner Lieblingsmomente: Peter kommt bei Lara Jean vorbei, um sie zu einer Party mitzunehmen. Sie backt aber Cupcakes für eine Schulveranstaltung ihrer kleinen Schwester. Als er sie nicht überzeugen kann, mitzukommen, verschwindet er nicht, sondern bietet ihr aufrichtig seine Hilfe an. Das war der erste Moment, in dem er mir langsam sympathisch wurde. Genauso süß sind die Buchszenen, in denen er mit Lara Jeans jüngerer Schwester Kitty interagiert, weil er genau weiß, wie er mit ihr umgehen muss und sie ihn daraufhin schnell ins Herz schließt. Im Film fehlen viele dieser Szenen und werden insgesamt auf zwei, drei reduziert. Peter wirkt darin außerdem von Anfang an deutlich weniger eingebildet und oberflächlich, wodurch der Zuschauer von seinem Charakter kaum überzeugt werden muss. All das sorgt dafür, dass es der Liebesgeschichte an Tiefgang fehlt. Die Geschichte im Buch ist zwar auch nicht die berührendste, die ich je gelesen habe, ist aber deutlich besser als die Verfilmung.
Lara Jean und Peter schließen sogar einen Vertrag ab
Foto: Netflix
Josh, der andere Love Interest, hat mir in beiden Versionen nicht richtig gefallen. Im Roman wird immerhin verdeutlicht, wieso sich sowohl Margot als auch Lara Jean in ihn verliebt haben. Er ist sehr hilfsbereit und versteht sich mit allen drei Schwestern und ihrem Vater sehr gut. Jenny Han kann die Chemie in dieser Hinsicht glaubwürdig herüberbringen. Als die Geschichte mit Peter anfängt, wird er allerdings langsam anstrengender und fällt auch an ein paar Stellen durch sein kindisch eifersüchtiges Verhalten negativ auf. Ich bin sehr froh, dass der Film wenigstens den bescheuerten Grund weggelassen hat, wieso Josh Peter nicht leiden kann: Er hat in der siebten Klasse bei einem unwichtigen Test geschummelt. Ja, das ist der Grund! Geht es noch dämlicher? Das bedeutet aber nicht, dass die "Netflix"-Version deshalb in dieser Hinsicht besser ist. Sie gibt nämlich überhaupt keine Begründung, mit Ausnahme von dem "Du bist zu gut für ihn"-Klischee, was aber kein Argument ist. Abgesehen davon verhält sich der Charakter im Film viel unsympathischer. Er taucht eigentlich nur auf, um beleidigt zu sein oder herumzunörgeln, weil Lara Jean Peter datet. In der unnötigsten Szene spielt er dann den "Helden", als Peter zu Lara Jean kommt, nachdem sie sich gestritten haben. Erstens hätte Lara Jean es sehr gut alleine hinbekommen, ihren "fake" Freund wegzuschicken. Zweitens ist diese "Du sollst verschwinden"-Floskel, die Josh ihm an den Kopf wirft, als er lediglich mit Lara Jean sprechen will und sich dabei nicht einmal aufdrängt, vollkommen peinlich, klischeehaft und verbraucht. Im Roman kann das alles noch irgendwie als ein Love Triangle bezeichnet werden, im Film so gar nicht. Abgesehen davon, dass Josh anstrengend ist, bringt Lara Jean dem Zuschauer auch nicht glaubhaft rüber, dass sie noch Gefühle für ihn hat. Das finde ich insgesamt aber nicht schlimm, weil Liebesdreiecke ohnehin eines der faulsten Mittel sind, um mehr Drama zu erzeugen. Dennoch macht es seinen Charakter fast komplett unnötig, weil er - anders als im Buch - nichts Wichtiges zur Handlung beiträgt. Am Schluss der Verfilmung gibt es dann noch ein kitschiges Happy End, das im Roman überraschenderweise nicht existiert! Für mich kam das fehlende Happy End ziemlich unerwartet, aber es hat mit sehr gut gefallen. In der Adaption hingegen gesteht Lara Jean Peter ihre Liebe und sie laufen glücklich über den Sportplatz der Schule - und erfüllen damit eines der größten Klischees in Liebesfilmen. Wer also ein "richtiges" Ende im Original vermisst hat, wird sich darüber vielleicht freuen. Ich hätte es nicht gebraucht.

Fazit

Das Buch und der Film haben beide ihre Schwächen und Stärken. Die Liebesgeschichte ist in keiner Version so richtig mitreißend, aber dennoch sehr charmant erzählt. Es fehlt an Tiefgang, wobei der Roman in dieser Hinsicht noch etwas verständlicher macht, wieso die Protagonistin sich verliebt. Die "Netflix"-Produktion schafft es dafür, die Chemie zwischen ihr und dem Love Interest ähnlich gut zu transportieren, sodass es Spaß macht, die Geschichte zu verfolgen. Letztendlich ist der Fokus in der Verfilmung aber zu sehr auf die Romanze beschränkt und lässt besonders den Familienaspekt fast komplett außen vor, was wirklich schade ist. "To All the Boys I've Loved Before" ist sowohl zum Lesen als auch zum Schauen eine süße Geschichte, die mich aber nicht komplett mitreißen konnte. Das Original von Jenny Han konnte mich aber etwas mehr überzeugen. 


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Sonntag, 19. August 2018

Polizeiruf 110: Das Gespenst der Freiheit - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Eine Frau (Ricarda Seifried) behauptet, in einer Münchener Unterführung von einem jungen, muslimischen Syrer sexuell belästigt worden zu sein. Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ermittelt jedoch nicht gegen den vermeintlichen Peiniger, sondern gegen die vier Augenzeugen, die ihn totgeschlagen haben. Die Männer sind schnell gefasst und machen keinen Hehl aus ihrer Tat oder ihrer Abneigung gegenüber Ausländern. In Untersuchungshaft wird einer von ihnen, der Halbiraner Farim Kuban (Jasper Engelhardt), vom Verfassungsschutzmitarbeiter Peter Röhl (der ehemalige Frankfurter "Tatort"-Kommissar Joachim Król) angeworben. Er soll herausfinden, was Kolthoff (Christian Erdt), der Anführer der Nazi-Verbindung, plant. Zu diesem Zweck werden alle vier Täter aus der Haft entlassen. Während Farim, Finn (Cem Lukas Yeginer), Gerrit (Christopher Löschhorn) und Costa (Julian Felix) ausgelassen feiern, setzt von Meuffels alles daran, sie wieder ins Gefängnis zu bringen. Dabei muss er sich vor allem gegen den Verfassungsschutz behaupten.

Ein einziges liebloses Erzähl-Wirrwarr 

Farim (r.) wird von niemandem ernst genommen
Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment/Hagen Keller
Der vorherige Münchener "Polizeiruf 110" war ein kleines Meisterwerk: beschaulich, intensiv gespielt, aufwühlend und intelligent. Das Einzige, was "Das Gespenst der Freiheit" mit seinem Vorgänger gemeinsam hat, sind der Kommissar und ein gesellschaftlich relevantes Thema. Letztes Jahr hat von Meuffels allerdings engagiert, verständnisvoll und gründlich ermittelt. Diesmal stolpert er eher desorientiert durch einen Fall, bei dem es praktisch nichts herauszufinden gibt. Die Verdächtigen gestehen sofort und spätestens als sich das vermeintliche Opfer sexueller Belästigung als Teil der Nazi-Vereinigung entpuppt, ist ziemlich offensichtlich, was geschehen ist. Das sieht der Kommissar scheinbar genauso und verbringt die restliche Zeit des Krimis damit, gegen den Verfassungsschutz zu wettern, Schuhe zu bestellen und ein väterliches Verhältnis zu Farim aufzubauen. Für Letzteres scheint es keine wirkliche Motivation zu geben. Plötzlich bedeutet der junge Halbiraner dem Ermittler viel - das muss der Zuschauer einfach ohne schlüssige Erklärung hinnehmen. Dasselbe gilt für zahlreiche andere Aspekte der Geschichte. Es wird beispielsweise überhaupt nicht auf die beiden Augenzeugen eingegangen, die die Geschehnisse in der Unterführung beobachtet haben. Ihre Schilderungen sind nicht gerade sachlich ("Besonders hübsch war das Mädchen nicht. Aber ich bin ja auch nicht übers Meer geschwommen und spitz wie Nachbars Lumpi.") und letztendlich ändern sie ihre Aussagen komplett. Nach dem ersten Gespräch zu Beginn des Krimis spricht von Meuffels auch nicht noch einmal mit dem vermeintlichen Belästigungsopfer. Stattdessen konzentriert er sich ausschließlich auf den Verfassungsschutz und Karim. Eigentlich können seine Aktivitäten nicht wirklich als "Ermittlung" bezeichnet werden. Er lässt sich treiben und stellt zwischendurch mal eine Frage. Dabei werden so viele wichtige Aspekte, seien es Verhöre mit bestimmten Leuten, kriminaltechnische Untersuchungen etc., einfach ausgelassen. Da hätten wohl die meisten Krimizuschauer bessere Arbeit abgeliefert!

Weder Handlung noch Handwerk überzeugen

Einem Saufgelage zusehen - unglaublich spannend
Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment/Hagen Keller
Da die eigentlichen "Ermittlungen" nur etwa ein Drittel des "Polizeirufs" ausmachen, wirkt der Rest des Films künstlich in die Länge gezogen. Das Saufgelage der Nazis, dauert beispielsweise ewig, trägt aber nicht zur Figurenentwicklung, zum Spannungsaufbau oder zur Handlung bei. Drehbuchautor Günter Schütter und Regisseur Jan Bonny (Tatort: Borowski und das Fest des Nordens) gelingt es auch nicht, die ausschweifenden Gewalt- und Sexszenen so einzusetzen, dass sie die Geschichte befeuern. Sie wirken in den meisten Fällen nur wie schlecht gemachte Effekthascherei. Das zeigt sich besonders, als Farim im Gefängnis verprügelt wird (Darauf wird danach kein einziges Mal mehr eingegangen.). Die Sequenz ist übertrieben lang und sieht zudem unrealistisch aus, da mit den eingesetzten Schlagstöcken eher getätschelt als geprügelt wird. Als wäre die Geschichte inhaltlich nicht schon abgehackt genug, werden auch die Szenen durch krasse Schnitte unterbrochen. Einige sind völlig unnötig: Ein fahrendes Auto wird von hinten gezeigt und dann folgen zwei weitere Aufnahmen desselben fahrenden Autos aus derselben Perspektive - nur in anderen Straßen. Andere wirken sprunghaft, weil ein paar Sekunden fehlen, so stehen die Schauspieler in einer Ecke des Raumes, um dann plötzlich an der anderen Seite zu sein. Außerdem ist der Ton nicht vernünftig an die Szenenwechsel angepasst und "hüpft" teilweise in der Frequenz, wenn sich die Einstellung ändert. Das lässt "Das Gespenst der Freiheit" ein wenig wie ein Schulprojekt und nicht wie eine professionelle Filmproduktion wirken. Einen ähnlich abgehackten Schnitt (Fridolin Körner und Bernd Euscher) gab es zuletzt im Impro-"Tatort: Waldlust". Besonders im Vergleich zum vorherigen Sonntagskrimi, der völlig ohne Cuts auskam, fallen die Bild- und Tonsprünge negativ auf.
Über Röhl (r.) erfährt der Zuschauer fast nichts
Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment/Hagen Keller 
Es ist schade, dass das aktuelle, brisante und ernste Thema rechte Gewalt in diesem Münchener Fall völlig untergeht. Die Handlung klebt förmlich an den Mitgliedern der Nazi-Vereinigung, ohne jedoch wirklich etwas über sie zu erzählen. Mehr als plattes Auftreten und noch plattere Sprüche ("Ich war bei den Regensburger Domfotzen.") ist nicht drin. Trotz fehlender Charakterisierung bringt es der "Polizeiruf" dennoch fertig, die jungen Nazis so unsympathisch zu gestalten, dass der Zuschauer sie bereits nach einer Minute durch den Bildschirm erwürgen möchte. Wären sie jedoch etwas charismatischer und weniger eindimensional, könnte das Thema eine größere Wirkung entfalten. In den letzten Jahren gab es mehrere "Tatorte" mit eiskalten, jugendlichen Tätern, die dem Publikum Schauer über den Rücken gejagt haben. Kolthoff und seine Truppe erscheinen eher wie versoffene, gewaltbereite Querulanten, die sich "Nazi" auf die Fahne geschrieben haben, um nicht selber bestimmen zu müssen, wer "Freund" und wer "Feind" ist. Dasselbe gilt für die anderen Antagonisten in diesem Fall: Röhl und der Verfassungsschutz. Da nie aufgeklärt wird, wobei sie eigentlich die Finger im Spiel haben (der Angriff auf Farim beispielsweise), wirken sie nicht sonderlich bedrohlich. Außerdem taucht Röhl immer nur kurz zwischendurch auf, um seinem neuen V-Mann auf die Füße zu treten, dabei wird nicht einmal klar, wie viel er eigentlich schon weiß und was genau er will. So ist es nicht überraschend, dass es letztendlich eine völlig unauffällige, scheinbar unbeteiligte Person braucht, um Meuffels einen entscheidenden Hinweis zu liefern.

Fazit

"Das Gespenst der Freiheit" ist ein liebloser "Polizeiruf 110", der den Eindruck erweckt, es seien mehrere Ideen vermischt und zusammengepresst worden. Tiefgang, Herz und Spannung gibt es praktisch nicht. Stattdessen stolpert ein verklärt wirkender Kommissar durch eine inhaltslose Ermittlung, während eindimensionale Verdächtige platte Hassparolen brüllen. Das Thema rechte Gewalt wird genauso wenig diskutiert wie die Machenschaften des Verfassungsschutzes. Anstelle einer Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Themen, gibt es gestellt wirkende Gewaltszenen, lange Kameraaufnahmen aus Autos heraus und die wohl unsaubersten Bild- und Tonschnitte der letzten Monate. Alles in allem ein sehr enttäuschender von-Meuffels-Fall, der an seinen grandiosen Vorgänger "Nachtdienst" - einer der Top-Krimis der Saison 2016/2017 - nicht ansatzweise heranreicht.


Nächste Woche ermittelt das Team des Weimarer "Tatorts". In "Die robuste Roswitha" müssen Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) einen Mord in einer erfolgreichen Kloßmanufaktur aufklären. Dabei stehen sie plötzlich der totgeglaubten Ehefrau des Opfers gegenüber.

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Mittwoch, 8. August 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 8)

Kaum eine Woche vergeht, in der "Netflix" nicht mehrere "Originals" herausbringt. Mittlerweile hat der Streaming-Anbieter hunderte eigenproduzierte Filme und Serien im Repertoire. In unser Reihe Kurzrezensionen stellen wir regelmäßig einige vor und verraten, ob sich das Bingewatchen lohnt. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier. In unserem achten Teil der Serien-Kurzrezensionen geht es diesmal um einen Krimi, ein Drama und eine Komödie. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen.
An dieser Stelle gehe ich auf Sendungen ein, die "Netflix" selbst als "Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle internationalen Serien in der Originalversion ansehe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Safe

Warum ist Zoé (M.) abgebildet?
Foto: Netflix
Diese Serie ist eine Koproduktion von "Netflix" und dem französischen Sender "Canal+". Sie entstand nach einer Idee des Krimiautors Harlan Coben und wurde mit britischen Schauspielern in Großbritannien gedreht. Ein Großteil der Handlung spielt innerhalb einer "Gated Community", einer bewachten Wohnanlage, in der jeder jeden kennt und die Welt scheinbar in Ordnung ist. Das heile Bild der Bewohner wird zerstört, als die sechzehnjährige Jenny Delaney (Amy James-Kelly) nach einer Party verschwindet. Ihr Vater Tom (Michael C. Hall), der seine Frau schon vor einem Jahr an den Krebs verloren hat, setzt alles daran, um seine Tochter zu finden. Als Jennys neunzehnjähriger Freund Chris Cahal (Freddie Thorp) tot aufgefunden wird, beginnen auch Toms Affäre, die Kommissarin Sophie Mason (Amanda Abbington, Sherlock) und ihre neue Kollegin Emma Castle (Hannah Arterton) mit den Ermittlungen. Dabei werden immer mehr dunkle Geheimnisse ans Licht gebracht, denn jeder in der Wohnanlage scheint etwas zu verheimlichen.

Neils (Joplin Sibtain) & Zoés Sohn ist getötet worden
Foto: Netflix
"Safe" macht denselben Fehler, wie schon zahlreiche andere "Netflix"-Serien davor, beispielsweise "Collateral" oder "Le Chalet": zu viele Charaktere. Der Zuschauer lernt gefühlt zwanzig Figuren näher kennen, die sich alle mehr oder weniger auffällig verhalten. Irgendwann im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, was sie zu verbergen versuchen. Leider ist das in den wenigsten Fällen spannend. Die meisten Geheimnisse sind entweder früh vorhersehbar oder so irrelevant, dass sie schnell in Vergessenheit geraten. Bei der jungen Kommissarin Emma Castle ist beispielsweise von Anfang an klar, dass sie irgendeinen wichtigen Grund gehabt haben muss, sich in die beschauliche Gegend versetzen zu lassen. Der kommt relativ schnell heraus und ist so unglaublich platt, dass er danach noch ein paar Mal kurz erwähnt wird, aber sonst in der Versenkung verschwindet - genauso wie Emma selbst, da Tom und Sophie gegen Ende fast alles alleine regeln. Ein anderes Beispiel ist die Lehrerin Zoé Chahal (Audrey Fleurot). Sie wird konsequent in den Vordergrund gerückt: Sie taucht häufiger auf als andere, ebenbürtige Charaktere - sogar auf dem Poster der Serie ist sie als einzige neben den beiden Protagonisten zu sehen. Dabei hat sie - das ist kein großer Spoiler - kaum Einfluss auf die Geschichte. Mit Ausnahme der Tatsache, dass sie die Mutter des toten Chris ist, hat sie keine wirkliche Verbindung mit der Kriminalgeschichte. Dasselbe gilt für fast alle anderen handelnden Nebenfiguren, jedoch wird keine davon so sehr in den Fokus gestellt wie Zoé.
Was ist mit Jenny in der Partynacht geschehen?
Foto: Netflix/Ben Blackall
Die meisten Serien mit einer Vielzahl von Charakteren haben eine unruhige und unstrukturierte Erzählweise zur Folge. Der Kern der Serie - der Verbleib von Jenny und die Suche nach Chris' Mörder - ist eigentlich nur eine Ausrede, um die vermeintlichen Abgründe der Nachbarn zu erkunden. Aber es bleibt keine Zeit, um die Figuren dem Zuschauer so nahezubringen, dass er sich ehrlich für sie interessiert. Mir war sowohl das Schicksal der verschwundenen Jenny, als auch die persönlichen Verwicklungen der anderen Charaktere ziemlich egal. Sie alle werden von Anfang an so unsympathisch und platt dargestellt, dass es schwer fällt, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Es ist, als wäre man in eine neue Gegend gezogen und würde die fremden Nachbarn beobachten - ohne irgendetwas über sie und ihre Persönlichkeit zu wissen. Auch die Handlung wirkt eher lieblos gestaltet. Sie folgt einem Standard-Muster, wie es bereits in zahlreichen Krimis und Thrillern vorkam (Achtung, Spoiler!): Als Kinder waren die meisten der Protagonisten befreundet und haben durch einen dummen Streich eine Katastrophe ausgelöst, bei der mehrere Menschen starben. Jahrelang werden sie nicht belangt, weil sie die Tat verschweigen oder ihre Eltern sie vertuschen. Viele Jahrzehnte später taucht dann plötzlich jemand auf, der die mittlerweile erwachsenen Mörder zur Rechenschaft ziehen will und damit eine neuerliche Katastrophe auslöst. Mir fallen spontan zwei Serien (darunter "Le Chalet"), zwei Filme und eine "Tatort"-Folge ein, wo exakt dasselbe passiert. Nichtsdestotrotz ist "Safe" kein schlechtes Format, was vor allem an den soliden schauspielerischen Leistungen liegt - allen voran Amanda Abbington als zwiespältige Polizistin Sophie. Falls ihr die Sendung bereits gesehen habt: Schreibt gerne in die Kommentare, wann ihr Chris' Killer erraten hattet. Ich denke, dass es hier nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder man ahnt es gleich zu Beginn oder man verdächtigt die Person bis zum Schluss kein einziges Mal und wird völlig überrascht. In beiden Fällen liegt jedoch nahe, die Frage zu stellen: Wozu hat es 90 Prozent der Handlung eigentlich gebraucht? Denn gegen Ende wird klar, dass die ganzen einzelnen Geschichten wirklich größtenteils überhaupt nichts miteinander zu tun. Schade ist auch: Es wird nicht mehr gezeigt, wie die anderen Charaktere auf die Identität des Mörders reagieren. 


Samantha!


Samantha will wieder nach oben
Foto: Netflix
Hierbei handelt es sich um das dritte brasilianische "Netflix Original" - nach "3%" und "O Mecanismo". In der Serie geht es um den ehemaligen Kinderstar Samantha (Emanuelle Araújo). In den 80ern war sie ein singendes und tanzendes Idol, dem die Herzen Brasiliens nur so zuflogen. In der Gegenwart ist sie eine abgehalfterte Schauspielerin, die verzweifelt versucht, wieder Fuß im Showbusiness zu fassen - sei es durch eine Fake-Ehe mit einem reichen Reality-Star, einen Job als Gastjurorin in einer Castingshow oder einen sexistischen Werbespot. Dabei wird Samantha tatkräftig von ihren beiden Kindern, der Feministin und Umweltschützerin Cindy (Sabrina Nonato) sowie dem an seinen Memoiren schreibenden Brandon (Cauã Gonçalves), unterstützt. Als deren Vater Dodói (Douglas Silva), ein ehemaliger Profi-Fußballer, nach vielen Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, steht plötzlich auch Samanthas Privatleben Kopf. 

Samantha war der Star der "Plimplom Gang"
Foto: Netflix
Als ich mich für unsere "Auf diese Bücher, Filme und Serien freuen wir uns 2018!"-Liste durch die "Netflix"-Ankündigungen geklickt habe, bin ich auch auf "Samantha!" aufmerksam geworden. Die Beschreibung klang nach einer frischen, witzigen und abwechslungsreichen Serie, daher habe ich sie im Gedächtnis behalten. Im Juli wurde dann endlich die erste Staffel - die zweite ist bereits bestellt - veröffentlicht. Wie die meisten anderen Comedysendungen folgt auch "Samantha!" nur einem groben roten Faden. Die erste Folge beginnt in den 80ern und zeigt die junge Protagonistin hinter den Kulissen ihrer eigenen Show. Danach wird ihre Lebenssituation in der Gegenwart gezeigt und die einzelnen Charaktere näher vorgestellt. Damit bildet der Pilot eine Ausnahme, denn alle anderen Episoden laufen so ziemlich nach demselben Muster ab: Samantha hat ein Jobangebot oder eine Idee, wie sie Fans dazu gewinnen kann. Das geht natürlich völlig schief und sie muss sich irgendwie aus einer unangenehmen Situation befreien. Ihre Kinder und Dodoi sind immer dabei - mal helfen sie ihr, mal haben sie eine eigene Agenda. Die Folge endet dann ziemlich genau an der ursprünglichen Ausgangssituation: Keiner hat irgendetwas Signifikantes erreicht. Ich persönlich bin kein Fan von Serien ohne nennenswerten roten Faden. Bei "Samantha!" ist das verständlich, da die Geschichte erzählerisch zu wenig hergibt, um eine Handlung für mehrere Episoden aufrechtzuerhalten. Dennoch wird das immer gleiche Muster schnell langweilig. 
Brandon (vorne) ist der heimliche Star der Serie!
Foto: Divulgação/Netflix
Außerdem hat mich die inkonsequente Charakterisierung der Protagonistin gestört. In den Rückblenden sieht man Samantha als arrogante, egoistische und verschlagene Neunjährige, die ihre gleichaltrigen Co-Stars und die Mitarbeiter der Sendung terrorisiert und verspottet. In der Gegenwart ist sie zwar noch immer sehr auf ihren eigenen Vorteil bedacht, doch sie hat auch Mitleid mit anderen, ist eine treusorgende Mutter und geht für den Erfolg nicht über Leichen. Das steht in krassem Gegensatz zu der Samantha aus den 80ern. Es ist realistisch, dass sich jemand innerhalb von rund 30 Jahren verändert, doch der Zuschauer kann den Sinneswandel nicht nachvollziehen. In der Serie wird die Zeit zwischen dem neunten Lebensjahr der Protagonistin und der Gegenwart fast gänzlich übergangen. Die einzigen Ausnahmen sind zwei kurze Szenen, in denen Samanthas Hochzeit mit Dodoi und ein Ausflug mit ihren Kindern zum Gefängnis gezeigt wird. Warum ihre Karriere geendet und was sie in der Zwischenzeit getan hat, kommt nie zur Sprache. Ich hätte es auch interessant gefunden, etwas über ihr Eltern zu erfahren, da sie immer wieder erwähnt, seit ihrem fünften Lebensjahr "Samantha" zu sein. Es ist also naheliegend, dass ihre Eltern sie zu einem Kinderstar erzogen haben. Doch die beiden spielen überhaupt keine Rolle. Stattdessen tauchen nur Samanthas ehemalige Co-Stars auf, die dank des bösartigen Verhaltens der damals Neunjährigen allesamt psychische Schäden zu haben scheinen. Leider wird die Protagonistin weder in den Rückblenden noch in der Gegenwart so intensiv charakterisiert, dass ihr Verhalten und ihre Weiterentwicklung verständlich wäre. Das ist zwar nervig, aber sie ist ohnehin nur schmückendes Beiwerk, denn der wahre Star der Serie ist meiner Meinung nach ihr Sohn Brandon. Der hochintelligente Knirps ist witzig, warmherzig und hat tolle Sprüche auf Lager. Ein Spin-Off mit ihm als Hauptfigur würde ich sofort angucken! Er ist auch der Grund, weshalb ich die nächste Staffel "Samantha!", die voraussichtlich nächstes Jahr erscheint, nicht verpassen werde. 
Der blutige Schnee wird zum Symbol
Foto: Netflix

Dieses US-amerikanische "Original" basiert auf dem russischen Film "The Major" und wurde von Veena Sud, Schöpferin der fantastischen "Netflix"-Serie "The Killing", produziert. Die zentralen Themen in "Seven Seconds" sind Polizeigewalt und die "Black Lives Matter"-Bewegung. Der junge Polizist Peter Jablonski (Beau Knapp) fährt durch einen New Yorker Park, als er den Anruf bekommt, dass seine Frau Marie (Michelle Veintimilla) in den Wehen liegt. Für einen Moment ist der Ordnungshüter abgelenkt, übersieht den Teenager Brenton Butler (Daykwon Gaines) auf seinem Fahrrad und überfährt ihn. In seiner Panik ruft Jablonski seinen Vorgesetzten Mike DiAngelo (David Lyons) an, der ihn überzeugt, die Spuren zu verwischen und wegzufahren. 12 Stunden lang liegt der verletzte Brenton im Straßengraben, bis er endlich gefunden wird. Später stirbt er im Krankenhaus. Während sein Vater Isaiah (Russell Hornsby) Kraft im Glauben sucht, setzt seine Mutter Latrice (Regina King) alles daran, den Schuldigen zu finden. Offiziell werden der Ermittler Joe "Fish" Rinaldi (Michael Mosely) und die Staatsanwältin K.J. Harper (Clare-Hope Ashitey) auf den Fall angesetzt. Als der Verdacht auf die Polizeibeamten fällt, schlägt Brentons Tod immer höhere Wellen: Denn er ist dunkel- und Jablonski hellhäutig.

Der Preis für die inkompetentesten Ermittler geht an...
Foto: Netflix
Auf kaum eine "Netflix"-Serie war ich so gespannt wie auf "Seven Seconds": Wichtige, gesellschaftliche Themen verpackt in einem Drama mit Krimi-Elementen - das klang sehr vielversprechend. Ich habe mir direkt am Erscheinungstag die erste Folge angesehen und dann weitere sechs Monate gebraucht, um die restlichen neun anzuschauen. Denn so emotional und realistisch die Serie auch sein mag, sie hat mich überhaupt nicht gepackt. Der Hauptgrund ist derselbe, wie bei zahlreichen anderen "Netflix"-Eigenproduktionen auch, beispielsweise "Tote Mädchen lügen nicht", "Glacè", "Le Chalet" oder "Superstition": Die Handlung wird künstlich in die Länge gezogen. Jede der zehn Folgen ist zwischen 54 und 80 Minuten lang. In dieser Zeit sieht der Zuschauer größtenteils Harper und Fish dabei zu, wie sie der Lösung des Falls immer wieder nahekommen, um dann einen unerklärlich dummen, falschen Schluss zu ziehen. Außerdem sind beide in höchstem Maße unsympathisch: Der Kommissar hat viel zu gute Laune dafür, dass er im Todesfall eines Fünfzehnjährigen ermittelt und kaut ununterbrochen mit weit geöffnetem Mund schmatzend Kaugummi. Die Staatsanwältin ist währenddessen ein jammerndes, sich in Selbstmitleid suhlendes Häufchen Elend, das lieber betrunken Karaoke singt, als sich um den Fall zu kümmern. Durch Eskapaden wie diese geht der Geschichte trotz brisanter Aktualität, grandioser schauspielerischer Leistungen und zahlreichen gefühlsbetonten Szenen schnell die Luft aus. Wäre die Handlung in nur vier oder fünf Stunden erzählt worden, hätte "Seven Seconds" sicher den Top-"Netflix"-Serien gehört. Da sich die Handlung aber nicht wirklich auf das Wesentliche konzentriert und sich immer wieder in Nichtigkeiten verliert, hat sie viele Längen und schafft es nicht, die emotionale Spannung zu halten.
Regina King liefert eine Emmy-würdige Darbietung!
Foto: Netflix
Besonders für eine Person ist das schade: Regina King, die Brentons trauernde, verzweifelte Mutter spielt. Ihr Darbietung hätte definitiv einen Emmy verdient! Mit ihrem intensiven Spiel schafft sie es, wie niemand sonst in der Serie, die Geschichte lebensecht wirken zu lassen. Seien es Wut, Trauer, Hass, Rache, Resignation oder Hoffnung - King geht in jeder einzelnen Emotionen auf und bringt es fertig, dem Zuschauer jede noch so kleine Gemütsregung nur mit einem Blick verständlich zu machen. Besonders in den letzten beiden Folgen spielen auch die anderen Darsteller extrem gut. Im Gerichtssaal prallen schließlich die verschiedensten Emotionen aufeinander, was der brisanten Geschichte die Energie, Reibung und Gefühle verleiht, die in den vorherigen Episoden auf der Strecke geblieben sind. Im Showdown konzentriert sich die Handlung endlich auf die Elemente, die wirklich zählen, sodass ich erstmals froh war, die Serie nicht nach der ersten Folge abgebrochen zu haben. Es ist auch begrüßenswert, dass das Ende von "Seven Seconds" realistisch gehalten ist. Zu oft treffen Serien und Filme die enttäuschende Entscheidung, ein Happy End aus dem Hut zu zaubern, obwohl es wenig glaubwürdig ist und jeglichen Fakten widerspricht. Bei diesem "Netflix Original" ist das anders. Obwohl man den Charakteren als Zuschauer etwas anderes - positives wie negatives - gewünscht hätte, sind die finalen Minuten sehr nah an dem dran, was vermutlich bei einem echten Fall geschehen wäre. Schade ist nur, dass die Schicksale der einzelnen Figuren schnell abgehakt werden und nicht mehr aufgeklärt wird, wieso sie sich für bestimmte Wege entschieden haben. 


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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