Donnerstag, 25. Mai 2017

Evolution - Die Stadt der Überlebenden (Thomas Thiemeyer) - Rezension

"Evolution: Die Stadt der Überlebenden" ist der erste Teil der "Evolution"-Trilogie von Thomas Thiemeyer. Der Roman  ist im Juli 2016 erschienen und hat 348 Seiten. Nach "Das verbotene Eden" präsentiert er damit seine neue Jugendbuch-Reihe.

Ich habe schon die "Eden"-Geschichte von Thiemeyer gelesen, die mir sehr gut gefallen hat und zu meinen Lieblingsreihen zählt. Daher hat auch diese neue Trilogie vom Autor mein Interesse geweckt.

Zum Inhalt

Eine Welt ohne Zivilisation
Foto: Arena Verlag
Ein Flugzeug auf dem Weg von Deutschland in die USA muss vor dem eigentlichen Ziel eine Notlandung am "Denver Airport" machen. Mit an Bord ist eine Gruppe von Austauschschülern, darunter auch Jem und Lucie, die sich am Flughafen kennengelernt haben. Nach der Landung wird allen schnell klar: Irgendetwas stimmt nicht. Sie Sie scheinen in einer fremden Welt gelandet zu sein. Von der Zivilisation ist nicht mehr viel übrig und die Natur hat sich unerbittlich alles zurückerobert. Der Flughafen erinnert an ein Gewächshaus. Auch von Menschen fehlt jede Spur. Die einzigen Lebewesen scheinen Tiere zu sein. Allerdings sind sie viel zutraulicher und scheinen sich vor der Gruppe überhaupt nicht zu fürchten. Einige von ihnen greifen sogar an. Die Austauschschüler wollen sich diesem Schicksal nicht tatenlos ergeben. Sie machen sich auf die Suche nach Antworten und finden etwas heraus, das ihnen Hoffnung gibt: Es soll Überlebende in einer verschollenen Stadt geben. Doch um diese zu erreichen, müssen sie vor allem eins: Überleben. Und das ist schwieriger als gedacht. 


Meine Meinung

Idee

Die Idee hinter "Evolution" ist spannend und gut umgesetzt. Man findet auf der einen Seite einfache Elemente, die das Grundgerüst der Geschichte bilden: Eine Welt, die voller Gefahren lauert; eine abenteuerliche Reise; der Kampf ums Überleben genauso wie das Duell Mensch gegen Tier. Diese Komponenten werden aber mit ausgefallenen, spannenden Aspekten verknüpft. Sie machen die Geschichte zu etwas ganz besonderem. Einerseits kann man in der verlassenen Welt Überreste von fortschrittlicher Technologie finden, wie man sie sich zur heutigen Zeit nur erträumt. Das Flugzeug ist quasi in einer fernen Zukunft gelandet. Außerdem wird hier die Evolution thematisiert und wie diese begünstigt wurde und Lebewesen verändert hat. Das ist toll, weil man hier wirklich überrascht wird. Eine Mischung, wie man sie in diesem Buch findet, habe ich in noch keinem anderen gelesen.

Protagonisten

Die Geschichte wird mit wenigen Ausnahmen aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt: Der von Jem und der von Lucie. Beide sind 15 Jahre alt und Teil der Gruppe von Austauschschülern. 
Jem ist ein problembehafteter Jugendlicher, der gerne auch mal temperamentvoll wird und seinen Kopf durchsetzen will. Das hat mir gefallen. Man braucht nicht immer einen Charakter, der ausschließlich korrekt handelt und die Unschuld in Person ist. Er kann trotzdem eine sympathische Figur sein, der man gerne durch die Geschichte folgt. 
"Es hieß doch ausdrücklich, ihr sollt warten." 
Jem reckte sein Kinn vor. "Befehle sind nicht so mein Ding. Schon gar nicht von Typen wie dir. Und jetzt geh zur Seite."
Was allerdings beim Lesen gestört hat: Teilweise kommen ihm zu gute Ideen und Lösungen für einen 15-jährigen. Sogar in den brenzligsten Situationen braucht er nur wenige Augenblicke, schon hat er eine Idee, auf die niemand sonst kommt. Da sich das während der Geschichte mehrmals so abspielt, wirkt es etwas abwegig. Trotzdem ist Jem ein starker Charakter, dessen Sicht auf die Dinge interessant zu lesen ist. Er ist mutig, schlau und sorgt sich um das Wohl der anderen. Durch seine Hintergrundgeschichte versteht man ihn und warum er sich so verhält. Das macht ihn als Figur sehr greifbar und vielschichtig. 
Lucie ist ebenfalls ein interessanter Charakter, was vor allem damit zusammenhängt, dass sie die Welt auf eine besondere Art wahrnimmt. Denn sie ist Synästhetikerin und assoziiert mit Personen, Namen oder Buchstaben bestimmte Farben. "Synästhesie ist das Resultat einer spezifischen Vernetzung im Gehirn, die relativ selten vorkommt. [...] Synästhesie beruht auf einem zusätzlichen Kanal der Wahrnehmung. Manche Synästhetiker können Buchstaben fühlen oder Worte schmecken. Andere können Töne in bunten Farben sehen ("Farbenhören")." - Deutsche Synästhesie-Gesellschaft e.V.
"Es ist nicht so, dass das Wort jetzt irgendwie grün eingefärbt über deinem Kopf tanzen würde. Es ist mehr so, dass Name und Farbe für mich dasselbe sind. Das gilt übrigens auch für einzelne Buchstaben." - Lucie
Die Geschehnisse aus ihrer Perspektive zu lesen, ist mal etwas anderes. Darüber hinaus ist sie ein sehr liebenswürdiger Charakter. Allerdings neigt sie, anders als Jem, dazu, passiver zu handeln. Oftmals stimmt sie ihm einfach zu und folgt ihm. Anders als bei dem männlichen Protagonisten erfährt man auch nicht viel von ihrem Charakter und ihrer Vergangenheit, was etwas schade ist. Vielleicht ändert sich das aber noch in den Folgebänden der Trilogie.

Weitere Charaktere

Der Rest der "Hauptgruppe" besteht aus zu vielen Charakteren, da man öfter den Überblick verliert und mit den Namen durcheinander kommt. Das liegt vor allem daran, dass die meisten der Figuren recht blass bleiben. Die Gruppe setzt sich eigentlich nur aus acht Jugendlichen zusammen, aber wirklich gut vorstellen konnte ich mir nur Jem, Lucie und den aufbrausenden Marek, der bis auf diesen Charakterzug auch eher eindimensional wirkt. Die anderen bleiben nach dem Beenden des Buches kaum im Gedächtnis. Aber vielleicht sind sie in den zwei weiteren Teilen noch besser ausgearbeitet und greifbarer. 
Neben den Jugendlichen sind aber noch über 200 weitere Fluggäste in der postapokalyptischen Welt gelandet. Hier habe ich mich auch gefragt, wie realistisch es ist, dass bei Hunderten Erwachsenen gerade mal ein paar etwas unternehmen. Der Rest hält sich zurück und ergibt sich quasi einfach dem Schicksal. Stattdessen übernehmen die Jugendlichen den größten Teil der Verantwortung und scheinen deutlich kompetenter zu sein. Auch die Überlebensfähigkeiten sind bei den jungen Leuten höher. Ich musste hier an die Serie "The 100" denken, in der diese Aufteilung ganz ähnlich ausfällt. Natürlich ist das gewählte Szenario schon fernab jeder Realität und wie sich Leute unter den gegebenen Umständen verhalten, kann sehr unterschiedlich sein. Dennoch war dieser Aspekt für mich nicht ganz überzeugend.

Stimmung und Spannung

Dass Thiemeyer Talent dazu hat, tolle Welten zu erschaffen, hat er für mich schon in "Das verbotene Eden" bewiesen. Und auch in seiner neuen Trilogie kreiert er eine interessante Version Amerikas. Durch seine detailreichen Beschreibungen hat man alles bildlich vor Augen und fühlt sich, als würde man selbst mit Jem, Lucie und Co. durch die verlassene Landschaft streifen. 
Eine von Menschen verlassene Erde finde ich als Handlungsort sehr spannend. Wie sich die Natur letztendlich alles zurückholt, wenn der Mensch verschwunden ist, hat für mich etwas Faszinierendes an sich. Thiemeyer fängt dieses Bild perfekt ein und behandelt die Thematik der Endlichkeit der Menschheit und dem, was sie erschaffen haben, sehr gut. 
"Wohin Jem auch blickte, herrschte Zerstörung. Kaum ein Stein, der auf dem anderen stand. Nur hin und wieder sah er einige verfallene Gebäude, umgeben von riesigen Wasserflächen und ausufernden Schilfregionen."
Das Cover ist dazu sehr passend gewählt. Es sieht nicht nur toll aus, es gibt einem schon einen guten Eindruck von der Welt, in die man beim Lesen eintaucht.
Neben diesem Aspekt wird der Geschichte auch etwas unbehagliches, fast unheimliches gegeben, denn die Evolution hat bestimmte Tiere mit neuen Fähigkeiten ausgestattet. Die Idee dahinter ist spannend und beunruhigend zugleich und hat dem Buch noch etwas Besonderes gegeben.
Der Einstieg der Geschichte zieht sich etwas. Die Charaktere werden am Anfang des Buches vorgestellt und das nimmt doch viel Zeit in Anspruch, in der ansonsten nicht wirklich etwas passiert. Es dauert gut 50 Seiten, bis der Roman an Fahrt aufnimmt. Bei einer Gesamtanzahl von 350 Seiten ist das recht viel. Ab da steigt die Spannung aber kontinuierlich und es bleibt bis zum Schluss durchgehend aufregend. Der erste Teil endet auch an der genau richtigen Stelle: Die Reise der Gruppe ist für den Moment abgeschlossen und es gibt Antworten auf einige wichtige Fragen. Auf der anderen Seite wird Platz gemacht für einen neuen Handlungsverlauf, denn es tauchen neue Charaktere auf und es gibt einen neuen Handlungsort für den nächsten Teil. Dadurch wird die Neugier auf die Fortsetzungen geweckt.

Fazit

"Evolution: Die Stadt der Überlebenden" bietet eine spannende Geschichte mit einer innovativen Idee, die aus der Masse an Jugendbüchern heraus sticht. Die Welt nimmt einen gefangen und überzeugt durch viele Details, eine tolle Stimmung und einigen Überraschungen. Allerdings verhalten sich die Charaktere teilweise so unrealistisch, dass es beim Lesen negativ auffällt. Dieses Buch bietet insgesamt einen tollen Auftakt zur Reihe und macht Lust auf mehr. Ich möchte die Reihe weiterlesen und herausfinden, wie sich die Charaktere und ihre Geschichte noch entwickeln. Daher eine klare Leseempfehlung. 


Hier kommt ihr zur den Rezensionen von Teil 2 und 3.

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Dienstag, 23. Mai 2017

Casting JonBenet - Rezension

Weihnachten 1996 wurde die sechsjährige Schönheitskönigin JonBenét Ramsey im Keller ihres Elternhauses in Boulder, Colorado tot aufgefunden. In den vergangenen 20 Jahren gerieten die verschiedensten Menschen in den Verdacht JonBenét getötet zu haben, darunter ihre Eltern John und Patricia "Patsy" Ramsey sowie ihr damals neunjähriger Bruder Burke. Auch ein verurteilter Pädophiler und ein Weihnachtsmann-Darsteller waren im Fokus der Ermittlungen. Der Fall wurde bis heute nicht aufgeklärt und gilt durch seine mysteriösen Umstände, wie ein seltsames Erpresserschreiben, als einer der spektakulärsten amerikanischen Mordfälle.
Die meisten True-Crime-Dokumentationen sammeln Beweise und befragen Zeugen. Der Streaming-Anbieter "Netflix" nähert sich dem Mordfall in seiner Doku "Casting JonBenet" auf eine ganz andere Art und Weise.

Fiktives Casting in echter Doku

Vorsprechen für die Rolle "JonBenét"
Foto: Netflix

Für ihren Dokumentarfilm greift Regisseurin Kitty Green auf ein fiktives Setting zurück: Das Casting für einen nicht-existenten Spielfilm. Sie lässt reale Menschen, die zur Zeit des Mordes in Boulder und Umgebung gewohnt haben, für einen Film vorsprechen. Der Zuschauer sieht diesen Personen dabei zu wie sie schauspielerisch einige Szenen nachstellen und hört ihre Sicht der Dinge. Was im ersten Moment wie ein sehr umständlicher Ansatz klingt, funktioniert überraschend gut. Die Menschen schildern wie sie den damaligen Trubel in ihrer Stadt erlebt haben, bringen eigene Erfahrungen mit Mord und Misshandlung ein und mutmaßen was am 25. Dezember 1996 tatsächlich geschehen ist. Das macht den Fall sehr nahbar und zeigt auch, dass es viele Verbrechen gibt, die kaum mediale Aufmerksamkeit bekommen und dementsprechend keine nationale Welle der Wut und Bestürzung auslösen. Dass der Film ein Casting darstellt, bei dem Schauspieler um Rollen in der Verfilmung eines realen Kindsmordes buhlen, ist eine interessante Metapher. Auch JonBenét lebte als Schönheitskönigin in einer semi-realen Welt, in der sie viel älter aussehen und sich viel erwachsener verhalten musste als es ihrem Alter vermutlich angemessen gewesen wäre.
Eine kleine "JonBenét" wird geschminkt
Foto: Netflix
Die Idee mit Menschen zu sprechen, die den Fall näher miterlebt haben als der Durchschnitts-Amerikaner, aber nicht direkt beteiligt waren, ist sehr kreativ. Die Schauspieler, die für die Rollen von John und Patsy Ramsey vorsprechen, haben alle unterschiedliche Ideen und Vorstellungen, was geschehen sein könnte. Jeder von ihnen interpretiert reale Fakten und Zeugenaussagen anders. Besonders faszinierend sind die Szenen, die sie für das Casting vorspielen sollen. Denn auch hier stellen die Schauspieler die Charaktere völlig verschieden dar. Gezeigt wird unter anderem der Moment, in dem John Ramsey die Leiche seiner Tochter findet. Während sich einer der "John"-Darsteller starr neben sie setzt und seinen Kopf auf die Hände stützt, schluchzt ein anderer laut vor Schmerz. Ein "John" bleibt regungslos in der Tür stehen. Nur einer drückt seine Tochter an sich. Jeder von ihnen stellt sich den Moment anders vor und das ist die Stärke des Films: Er versucht nicht so zu tun als hätte er eine tatsächliche Lösung des Falls parat. Stattdessen wird deutlich, dass es endlose Möglichkeiten gibt und die Wahrheit vermutlich niemals aufgedeckt wird. Auch die Natürlichkeit der Menschen trägt zur Authentizität des Falls bei. In einer Szene wird gezeigt, wie die jungen "JonBenét"-Darstellerinnen geschminkt werden. Während einige das Styling augenscheinlich genießen, guckt eine todunglücklich. Ein Mädchen beginnt zu lachen, als der Schminkpinsel ihr Gesicht kitzelt. Eine andere "JonBenét" knabbert an einem Keks, während künstliche Haarteile an ihrem Kopf befestigt werden.

Greifbare Realität

Kandidaten spielen verschiedene Szenarien durch
Foto: Netflix
Da Regisseurin Kitty Green weitestgehend auf Requisiten, Musik und andere ablenkende Faktoren verzichtet, sind die Protagonisten und ihre Gedanken das Herzstück der Doku. Nicht nur ihre Vermutungen zu den Geschehnissen im Ramsey-Haushalt und ihre Interpretation der beteiligten Personen sind interessant, auch ihre persönlichen Erfahrungen regen zum Nachdenken an. So berichtet eine "Patsy"-Darstellerin vom Mord an ihrem Bruder und wie unterschiedlich ihre Reaktion im Vergleich zu der ihrer Eltern war. Sie möchte zeigen, dass Trauer viele Facetten hat und John und Patsy Ramsey nicht automatisch etwas mit dem Tod ihrer Tochter zu tun haben, nur weil sie bei Pressekonferenzen gefasst wirkten. Eine andere "Patsy" berichtet wie sie selbst Opfer von Pädophilen wurde. In den meisten Fällen passen die Einwürfe sehr gut zur Geschichte und veranschaulichen, dass JonBenéts Schicksal zwar hohe Wellen geschlagen hat, aber ähnliche Taten hundertfach jeden Tag verübt werden. Die persönlichen Erlebnisse lassen den Film lebendig werden und die Emotionen sind echt. So beginnt beispielsweise eine Frau zu weinen, als sie sich vorstellt wie es wäre, wenn sie ihre eigene Tochter ermordet im Keller finden würde. Einer der Jungen, der für die Rolle des neunjährigen Burke Ramsey vorspricht, erzählt, wie ihn seine eigene Schwester tagtäglich aufzieht und ärgert. Sein unglückliches Gesicht und sein tieftrauriger Tonfall sind so anrührend, dass man sich automatisch die Frage stellt, ob der echte Burke ähnliches gefühlt oder erlebt hat. Auch das schauspielerische Talent einiger Kandidaten ist beeindruckend. Einer der Männer, der für die Rolle des Pädophilen John Mark Karr vorspricht, fühlt sich in den nachgestellten Szenen verstörend intensiv in seine Rolle hinein. Regisseurin Kitty Green erzählt dazu in einem Interview: "It was definitely a dark and unsettling day for sure. There was one actor whose level of research was, to be honest, terrifying."
An einigen Stellen driften die Protagonisten jedoch zu weit von der eigentlichen Handlung ab. Einer der Bewerber für die Rolle eines ermittelnden Polizisten berichtet beispielsweise über seinen Nebenjob als "Sex Educator" und seine Vorliebe für "breast torture". Das zentrale Thema ist der reale Mord an einer Sechsjährigen, daher wirken diese Szenen deplatziert. 
Könnte ein Kind einen Schädel zertrümmern?
Foto: Netflix
Der Film macht keinerlei Anstalten den Kriminalfall aufklären zu wollen. Lediglich an einer Stelle flechten sie ein cleveres Experiment ein. Eine der "Patsys" äußert die Behauptung, dass der kleine Burke niemals die Kraft gehabt hätte seiner Schwester eine ernsthafte Kopfverletzung zuzufügen. Daraufhin werden Ausschnitte gezeigt, in denen einige der "Burke"-Bewerber mit Taschenlampen (Es wird vermutet, dass JonBenéts Kopfwunde mit einer solchen verursacht wurde.) auf Melonen einschlagen und sie in wenigen Sekunden spalten. Das Filmteam lässt alle Szenen unkommentiert und ermöglicht es dem Zuschauer sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dieser Ansatz ist außergewöhnlich. Es ist begrüßenswert, wenn True-Crime-Dokus nicht versuchen, die Meinung der Filmemacher möglichst attraktiv erscheinen zu lassen, sondern viele Optionen aufzeigen und dem Zuschauer das Urteil überlassen. 
Leider versäumt es Regisseurin Kitty Green generelle Information über den Film und ihr Projekt zu präsentieren. So steigt der Film direkt in den Castingprozess ein, ohne den Mordfall einmal neutral darzulegen. Zuschauer, die die Geschichte nur grob oder gar nicht kennen, bleibt nichts anderes übrig als das zu glauben, was die Castingteilnehmer aus ihrer eigenen Perspektive erzählen. Da sich die Doku den Geschehnissen allerdings nicht chronologisch nähert, kann auch das kniffelig sein. Das Prinzip des fiktiven Casting wird im Film nie erklärt und in den Beschreibungen der Doku wird nicht darauf eingegangen, ob sich die Schauspieler bewusst waren, dass sie nicht für einen Film vorsprechen. Diese Undurchsichtigkeit ist ärgerlich, da so immer die Frage offen bleibt, inwieweit die Protagonisten tatsächlich frei sprechen und mit welcher Intention sie das tun. 
Green lässt auch das Ende unkommentiert. Alle "Patsy"- und "John"-Schauspieler stellen im Set des Ramsey-Hauses zeitgleich verschiedene Szenarien dar, was am Abend des Mordes in den beiden Menschen vorgegangen sein könnte. So betont der Film nochmal die vielen Möglichkeiten. Die Kamera, die langsam an allen Darstellern vorbeigleitet, ist hier positiv hervorzuheben. 

Fazit

JonBenét Ramsey starb an Weihnachten 1996
Foto: Allday
"Casting JonBenét" ist eine True-Crime-Dokumentation, die sich durch ihr interessantes Konzept von ähnlichen Filmen abhebt. Die Filmemacher verzichten darauf Angehörige JonBenéts, ermittelnde Beamte oder Experten zu interviewen. Stattdessen widmen sie sich Menschen, die durch räumliche Nähe eng an den Fall gebunden sind. Dadurch präsentieren sie nicht nur einen neuen Aspekt der Geschichte, sondern viele unterschiedliche Perspektiven auf die Geschehnisse vor über 20 Jahren. Das fiktive Casting ist ein cleveres Setting, das viele Möglichkeiten bietet und gleichzeitig JonBenéts Leben im Rampenlicht widerspiegelt. Die Protagonisten und ihre echten Emotionen machen den Film lebendig. Leider widmet Kitty Green den kleinen "JonBenét"-Schauspielerinnen zu wenig Zeit. Im Gegensatz zu den anderen Rollen werden sie nicht interviewt und sind generell selten zu sehen. Das ist schade, vor allem da das "Burke"-Casting zeigt, dass auch Kinder interessante Ansichten beizusteuern haben. Auch an Einordnung und Hintergrundinformationen mangelt es, was den Film unstrukturiert wirken lässt. Durch die großartigen Protagonisten und das außergewöhnliche Konzept, fallen diese Faktoren jedoch weniger ins Gewicht. 



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Sonntag, 21. Mai 2017

Tatort: Die Liebe, ein seltsames Spiel - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


"Die Liebe, ein seltsames Spiel" ist der einzige "Tatort" im Mai 2017, da an den beiden vergangenen Sonntagen jeweils ein Polizeiruf lief, genauso wie am 28. Mai. Heute hat sich die Programmplanung der ARD ausgerechnet für eine Münchener Folge entschieden, obwohl die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec), Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) erst drei Wochen zuvor ermittelt haben. Der Fall hätte auch gut in die Valentinstagswoche gepasst, da sich alles um die Liebe dreht. Kalli zieht mit seiner Freundin zusammen und versucht seine Mutter Veronika (Wookie Mayer) mit  Leitmayr zu verkuppeln. Währenddessen vergisst Batic den Umzug wegen eines Schäferstündchens mit seiner verheirateten Freundin. Er überhört auch Leitmayrs Anruf, der ihn zum Tatort zitiert: Verena Schneider wurde ermordet. Stück für Stück stellt sich heraus, dass ihr Freund Thomas Jacobi (Martin Feifel) nebenher noch Beziehungen mit vier weiteren Frauen hat. Die Ermittler sehen sich einem komplizierten Geflecht aus Liebesgeschichten gegenüber.

Die Liebe, ein einziger Ärger

Jacobi (4.v.l.) zwischen seinen Freundinnen und den Ermittlern
Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden 
Die wohl interessanteste Frage in diesem Krimi wird nicht geklärt: Wie schafft es Thomas Jacobi seinen Freundinnen zum Teil seit Jahren eine monogame Beziehung vorzuspielen? Er kennt die Nachbarn seiner toten Freundin Verena namentlich, erinnert sich an den Namenstag der Mutter von Freundin Dr. Andrea Slowinski (Juliane Köhler) und schafft es Zeit mit all seinen Geliebten zu verbringen. Ob er ganze Aktenordner voller Notizen oder ein sehr gutes Gedächtnis hat, wird nicht aufgeklärt. Vielleicht möchte Drehbuchautorin Katrin Bühlig ja Nachahmer vermeiden. Den Kommissaren gehen die Liebesbeziehungen der Nebencharaktere jedenfalls deutlich auf die Nerven. Leitmayr appelliert an Jacobis Moral: "Warum haben Sie Frau Dr. Slowinski nicht einfach gesagt, dass sie nicht die einzige Frau in Ihrem Leben ist? Jacobi: "Warum sollte ich?" Leitmayr: "Anstand vielleicht oder sowas wie Fairness, damit sie selber entscheiden kann, ob sie das auch so will." Neben Verena Schneider und Dr. Andrea Slowinski unterhält Jacobi auch Beziehungen zu Psychologin Dr. Julia Stephan (Anna Schäfer), Friseurin Heike Gonzor (Anastasia Papadopoulou) und Verenas bester Freundin Nicole Büchner (Hanna Scheibe). Seine Kollegin Anna Marie Fritsch (Genija Rykova) scheint ebenfalls ein Auge auf ihn geworfen zu haben. Mal abgesehen davon, dass es kaum nachvollziehbar ist, wie dieses Arrangement tatsächlich bis zum Mord funktioniert hat, ist die Geschichte nicht sonderlich spannend. Obwohl die Frauen unterschiedliche Persönlichkeiten haben, werden sie kaum charakterisiert und bleiben, mit Ausnahme von Dr. Julia Stephan, vor allem: Geschockt. Betrogen. Traurig. Das ist nicht sonderlich vielschichtig oder spannend.
Leitmayr (vorne) hilft Kalli (3.v.l.) und Kathi (l.) beim Umzug
Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden
Lieber guckt man Kalli zu, der keinen Hehl daraus macht Amor zu spielen (Batic: "Kalli, ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich habe deinen Umzug total verschwitzt."; Kalli: "Ach, macht doch nichts. Meine Mutter ist eh nur an Herrn Leitmayr interessiert."). Seine eigene Freundin Kathi Lechner (Lotta Lubkoll) hingegen darf im ganzen Krimi kein Wort sagen - vielleicht den ganzen "Kalli"-Fans auf Twitter zuliebe... Batics Liebschaft mit der verheirateten Josie Cremer (Viola Wedekind) verläuft auch nach den üblichen Krimi-Klischees: Letztendlich isst er das liebevoll selbstgekochte Essen allein. Auch hier tut sich ein großes Logikloch auf: Noch vor drei Wochen lag Batic in der Folge "Der Tod ist unser ganzes Leben" nach einem Schusswechsel im Krankenhaus - mit Gefahr auf eine dauerhafte Lähmung. In der aktuellen Folge wälzt er sich topfit mit seiner deutlich jüngeren Freundin durch die Laken.

"So Kalli, was fragt der Fernsehkommissar jetzt?"

Auch Leitmayrs Hausärztin Dr. Slowinski liebt Jacobi
Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden
Mit diesen Worten wendet sich Leitmayr zu Beginn an Kalli. Der Satz kann als Synonym für einen Großteil der Folge genutzt werden. Die Kommissare pendeln immer wieder zwischen den verschiedenen betrogenen Frauen und dem untreuen Mann hin und her, dazwischen ein paar Telefonate mit dem Assistenten Kalli, ein Besuch in der Pathologie... praktisch alle Krimi-Bausteine sind vorhanden. Bei den ständigen Befragungen der unterschiedlichen Verdächtigen an unterschiedlichen Orten bleibt die Spannung auf der Strecke. Durch die Vielzahl der Personen ist kaum Zeit für jede einzelne, so wird nur an der Oberfläche der Persönlichkeiten gekratzt. Die wenigen Szenen, die aus dem Raster fallen, wirken eher deplatziert. So beispielsweise eine Sequenz, in der die Psychologin Dr. Stephan Batic mit einer Schere ein Maßband zerschneiden lässt, um ihm seine verbleibende Lebenszeit bildlich zu zeigen. Auch die Besetzung von Juliane Köhler als Dr. Andrea Slowinski ist ungeschickt gewählt. Köhler tritt nämlich regelmäßig im Kölner "Tatort" als Polizeipsychologin und Kommissar Ballaufs Affäre Dr. Lydia Rosenberg auf.
Hat Thomas Jacobi seine Freundin getötet?
Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden
Dennoch gibt es auch sehr gelungene Aspekte. Helga Maitz (Eva Ingeborg Scholz), die verwirrte ältere Nachbarin der Toten, ist ein durchaus spannender Charakter mit Potenzial, das leider weitestgehend ungenutzt bleibt. Die wenigen Szenen mit der großartig spielenden Scholz stimmen ähnlich nachdenklich wie der vor zwei Wochen gesendete "Polizeiruf - Nachtdienst" und sind dennoch unterhaltend. Getoppt werden sie nur durch Kallis passenden Kommentar: "Hat die eigentlich Wahnvorstellungen oder ist die einfach nur... alt?"
Das Ende des Krimis hat mich zwiespältig zurückgelassen. Auf der einen Seite finde ich es erfrischend, dass mich Verena Schneiders Mörder tatsächlich überrascht hat und ich erst in den letzten Minuten angefangen habe die Person zu verdächtigen. Andererseits ist das Mordmotiv derart hanebüchen und die Auflösung so gehetzt, dass es wirkt, als hätte sich die Drehbuchautorin erst auf der vorletzten Seite daran erinnert, dass sie einen Krimi und kein Liebesdrama schreibt. 


Fazit

"Die Liebe, ein seltsames Spiel" ist ein eher unterdurchschnittlicher "Tatort". Die Geschichte ist wenig spannend und langatmig, da die Charaktere kaum vorgestellt werden und die Hintergründe unklar sind. Dass die Ermittler und Verdächtigen allesamt in irgendeine Art von Liebesbeziehung verwickelt sind, ist zwar konsequent, aber nicht abwechslungsreich. Eine Nebenhandlung mit anderer Thematik hätte die Folge vielleicht etwas aufgelockert. Lichtblicke sind die sympathisch-frotzelnden Dialoge zwischen den älteren Kommissaren und ihrem jungen Kollegen sowie die Szenen mit der skurrilen älteren Nachbarin.Trotz vieler Schwachstellen wird der Krimi, Dank seiner kruden Auflösung und dem schrägen Mordmotiv, wohl doch in Erinnerung bleiben. 


In der nächsten Woche zeigt das Erste wieder einen "Polizeiruf 110". Das Rostocker Team Katrin König und Alexander Bukow ermittelt in der Ultraszene. Außerdem müssen sie sich mit den Geschehnissen der vorherigen Folge auseinandersetzen.
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Samstag, 20. Mai 2017

American Gods: Staffel 1, Folge 3 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -


Nachdem die zweite Folge "The Secret of Spoons" (hier kommt ihr zur Rezension) wieder mit einem Cliffhanger geendet hat, setzt die Folge "Head Full of Snow" an dieser Stelle an. Der Gott des Bösen (Peter Stromare) lässt sich auf ein weiteres "Dame"-Spiel mit Shadow Moon (Ricky Whittle) ein. Mr. Wednesday (Ian McShane) will eine Bank ausrauben und Shadow soll ihm dabei helfen. Außerdem trifft man auf den Dschinn (Mousa Kraish), der einen kurzen Auftritt in Folge zwei hatte und den Kobold Mad Sweeney (Pablo Schreiber) aus der Pilotfolge.

Zweiter Versuch

Im Himmel wohnt ein gefährliches Wesen
Foto: starz
Nachdem Shadow das "Dame"-Spiel in der letzten Folge verloren hat, ist es Nacht geworden und er hat sich schlafen gelegt. Jetzt erwacht er aus seinem Schlaf und klettert über eine Feuerleiter aufs Dach. Dort trifft er die dritte Zorya Schwester (Erika Kaar). Hier wird nach der Verwirrung der letzten Folge etwas deutlicher, wer diese Schwestern sind: Jede steht für eine andere Tageszeit, zu der sie den Himmel bewacht, in dem ein böses Wesen lebt. Die Schwester gibt Shadow den Mond - wortwörtlich: Sie greift in den Himmel und holt ihn heraus. Dabei wird er zu einer Münze, die sie in Shadows Hand legt. Dann sagt sie ihm, er solle aufwachen und im nächsten Moment sieht man, wie er auf dem Sofa die Augen öffnet. Er besitzt aber dennoch die Münze, worauf allerdings nicht weiter eingegangen wird. Er fordert Czernobog, den Gott des Bösen, daraufhin zu einem weiteren "Dame"-Spiel  zu den gleichen Bedingungen heraus. Gewinnt er, schließt der Gott sich Wednesday an. Verliert er, bekommt Czernobog nicht nur einen, sondern zwei Schläge mit seinem Hammer, um ihn umzubringen. Shadow wird also auch bei einem Sieg mindestens einmal mit dem Hammer vom bösen Gott erschlagen. Er überredet Czernobog sehr geschickt dazu, das Spiel einzugehen, indem er ihn verunsichert ("How long has it been [...]? I think you got weak, and I don't think you can kill me with one shot."). Also spielen sie erneut und dieses Mal gewinnt Shadow. Wenn der Kampf gegen die neuen Götter vorbei ist, soll Shadow mit einem Schlag von Czernobog umgebracht werden. Ich hatte eine spektakulärere Auflösung dieses offenen Handlungsstranges aus der letzten Folge erwartet. Der Konflikt wird doch recht schnell für den Moment gelöst, damit die Geschichte erstmal weitergehen kann. Das war etwas schade und hätte auch in der letzten Folge behandelt werden können.
Am nächsten Morgen verlassen Shadow und Mr. Wednesday Chicago, um ihre Reise fortzusetzen. Hier ist es etwas verwirrend, dass beide nicht mehr über Czernobog reden. Wednesday hat von dem zweiten Spiel nichts mitbekommen und müsste sich wundern, warum sein Bodyguard nicht an Ort und Stelle mit dem Hammer erschlagen wird. 

Mr. Wednesday braucht Geld

Im Laufe der Folge verfolgt man Shadow und den alten Gott dabei, wie sie sich illegal Geld besorgen. Als Shadow erfährt, dass der Gott eine Bank ausrauben will, weigert er sich  zuerst mitzumachen. Er ist schließlich erst gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und will nicht dahin zurück. Mr. Wednesday interessiert das nicht.
Shadow: "F**k, no."
Mr. Wednesday.: "Oh, f**k, yes. You're my bodyguard, huh? That means you guard my body. Is that not right?"
S: "Not when you're robbing a bank."
Mr. W.: "At the moment my body is going to the bank, It's not robbing it. Come on, learn. It'll be fun."
Shadow hilft ihm am Ende doch beim Bankraub. Mr. Wednesday hat sich einen raffinierten Plan ausgedacht: Er gibt sich als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma aus und setzt sich vor einen öffentlichen Bankautomaten, der angeblich außer Betrieb ist. Jeder, der etwas einzahlen will, gibt ihm das Geld im Glauben, dass es auf ihren Konten landen wird. Shadow ist dabei sein Komplize. 
Alle Szenen mit den beiden in dieser Folge waren wirklich unterhaltsam. Sie sind ein dynamisches Duo: Mr. Wednesday mit seinen verrückten Ideen und Weisheiten und Shadow, der alles etwas genervt und kopfschüttelnd registriert, aber sich letztendlich doch zum Mitmachen überreden lässt. Wie schon in der letzten Folge liefern sie sich tolle Wortgefechte. Das lässt einen freudig auf die kommenden Folgen blicken, in denen die beiden hoffentlich ähnlich gelungene gemeinsame Auftritte haben.

Ein Dschinn als Taxifahrer

Es funkt gewaltig zwischen Salim (l.) und dem Dschinn
Foto: starz
In dieser Folge begleitet man den jungen Verkäufer Salim (Omid Abtahi). Er wartet den ganzen Tag auf ein Gespräch mit einem möglichen Käufer, doch dazu kommt es nicht. Ernüchtert verlässt er das Gebäude und ruft sich ein Taxi. Das wird vom Dschinn gefahren, den man schon in der letzten Folge kurz gesehen hat. Die beiden unterhalten sich und als der junge Mann in den Rückspiegel schaut, sieht er wie Flammen aus den Augen des Dschinn kommen. Statt verstört zu sein, spricht er den Dschinn darauf an. Er erzählt ihm, dass sine Großmutter auch einem Mann mit Flammenaugen begegnet ist. Der Dschinn erzählt daraufhin, dass sie keine Wünsche erfüllen ("If I could grant a wish, do you think I would be driving a cab?"). Sie kommen ins Gespräch und als sie bei Salims Wohnung ankommen, fährt der Dschinn nicht wieder weg, sondern folgt Salim. Was darauf folgt ist eine komplett unzensierte Sexszene in Salims Wohnung. Es kommt doch eher selten vor, dass man in einer TV-Serie eine so explizite, ausführliche Sexszene zwischen zwei Männern sieht. Showrunner Brian Fuller und Co-Showrunner Michael Green wollten diese Szene so real und romantisch wie möglich machen: "We wanted it to be incredibly visual and gorgeous. We wanted those things not to be lurid, but to be beautiful and captivating and for heterosexuals to watch the love scene between these two men and not go ‘Ew,’ but go, ‘That’s gorgeous." Das haben sie definitiv geschafft. Das größte Lob aber sollte an die Schauspieler Abtahi und Kraish gehen. Sie haben diese Szene so überzeugend rüber gebracht. Ohne viele Worte schaffen sie es, die Gefühlswelt ihrer Charaktere offen zu legen und die Anziehung und Sehnsucht zum anderen greifbar zu machen. In dieser Folge haben sie eine herausstechende Leistung abgeliefert.

Ein Kobold mit Pechsträhne

Ohne Glücksmünze sieht es für Mad Sweeney übel aus
Foto: starz
Doch in dieser Folge sieht man auch den Kobold Mad Sweeney wieder, der sich mit Shadow geprügelt hat. In zwei Szenen dieser Folge zeigt sich: Der Kobold hat Pech. Nachdem seine Mitfahrgelegenheit den Schädel von einem Rohr durchbohrt bekommt, durchsucht Mad Sweeney panisch seine Taschen nach etwas und wie sich später herausstellt, ist es seine Glücksmünze. In der Pilotfolge sieht man, wie er Shadow eine seiner Münzen überlasst, die er später auf Lauras Grab wirft. Er hat ihm versehentlich aber nicht irgendeine Münze überreicht, sondern seine Glücksmünze. Die Szene, in der Mad Sweeney sie zurück haben will, ist kurzweilig und spaßig. Der Kobold ist sichtlich aufgebracht und hat keine Lust auf Spielchen. Shadow hingegen ist vollkommen gelassen ("Well, you can't afford to be too careless with a lucky coin."). Er will ihm sagen, wo die Münze ist, wenn er im Gegenzug erfährt, wie Mad Sweeney Münzen aus der Luft zaubert. Seine Antwort darauf und besonders wie er sie abliefert ist grandios: "I plugged it out of thin air, that's how I plugged it out of thin air."
Später sieht man den Kobold auf dem Friedhof wie er Lauras Grab aushebt und ein Loch von der Größe seiner Münze auf dem Sargdeckel entdeckt. Hier ist schon fast klar, was als nächstes geschieht: Mad Sweeney hebt den Sargdeckel und schaut in einen leeren Sarg. Es hat mir wirklich gut gefallen, wie kleine Ereignisse auf diesen Moment aufgebaut haben. Erst die Münze, die langsam in der Graberde verschwindet und in der zweiten Folge die Vision von Shadow, in der er Laura sieht, die behauptet nicht tot zu sein. 

Let it snow

Shadow lässt es schneien?
Foto: starz
Während den Vorbereitungen für den Bankraub steht Mr. Wednesday der Sinn plötzlich nach Schnee. Er möchte von Shadow, dass er an Schnee denkt. Das tut er tatsächlich, obwohl man ihm deutlich ansehen kann, wie lächerlich er diese "Aufgabe" findet. Während er im Copyshop wartet, bis der alte Gott seine Erledigungen beendet hat, wandern seine Gedanken immer wieder zum Schnee und als Mr. Wednesday zu ihm zurückkommt, ist der strahlend blaue Himmel verschwunden und es schneit. Obwohl Shadow erst an einen merkwürdigen Zufall glaubt, wird er doch immer unsicherer. Da er immer noch nichts von der Existenz der Götter weiß, kann er sich dieses Ereignis nur schwer erklären.
Als sie zum ersten Mal das Thema ansprechen, zieht Shadow eine klare Linie zwischen Realität und Fantasie:
Shadow: "It's reality and fantasy."
Mr. Wedneyday: Ooh so that's how the world works. It's either real or it's fantasy." 
Zum Ende der Folge kommen sie wieder auf das Thema zu sprechen. Shadow kann es nicht loslassen und als er seinen Arbeitgeber ganz direkt danach fragt, bekommt er natürlich wieder nur eine irreführende Antwort:
Shadow: "Did I make snow?"
Mr. Wednesday: "Well, if you choose to believe you made snow, then you get to live the rest of your life believing that you can do things that are impossible. Or you can believe it's a delusion." 
Ob Shadow den übernatürlichen Charakteren ähnlicher ist als man denkt? Oder war es doch Wednesday, der ihn auf diese Weise dazu bringen will an Götter zu glauben?
Für Shadow fühlt sich alles, was er seit Wednesdays Auftauchen erlebt hat, wie ein Traum an: "None of this feels real. It feels like a dream." Das erklärt zumindest, warum er die meiste Zeit recht ruhig und bedacht auf die merkwürdigen Situationen und skurrilen Personen um ihn herum reagiert. Er glaubt nicht, dass es echt ist und das stört Mr. Wednesday: "What a beautiful [...] thing to dream when you're not asleep." Es scheint so, als wolle der Gott Shadow dazu bringen, an das Unmögliche zu glauben, ohne ihm dabei zu verraten, dass all das real ist. Schon während des Bankraubs, fragt er Shadow, ob er an ihn glauben wird, wenn die Aktion glatt läuft. Am Ende der Folge wird das Thema Glaube wieder aufgegriffen.
Mr. Wednesday: "The only thing I'm scared of is being forgotten. I can survive most things but not that."
Die Episode endet damit, dass Shadow sein Hotelzimmer betritt und auf Laura (Emily Browning) trifft, die im Raum steht und ihn mit "Hey Puppy" begrüßt, als wäre es das normalste der Welt. Somit endet auch diese Folge relativ offen und steigert die Neugier auf die nächste Folge.

Fazit

Die dritte Folge hat noch immer Momente, die einen verwirrt zurücklassen, doch man kann der Handlung hier schon besser folgen. Man fühlt sich nicht mehr vollkommen erschlagen von all den Szenen und Charakteren. Die Episode konzentriert sich klarer auf bestimmte Figuren. Es gibt zudem Überschneidungen und Zusammenhänge einzelner Handlungsstränge. Somit fällt es deutlich leichter, der Geschichte zu folgen. In dieser Folge passiert nicht viel, das die Handlung voranzutreiben scheint. Dennoch kommt keine Langeweile auf, weil die Storylines mit tollen Charakteren und guten Dialogen überzeugen.


Eine Liste mit allen Rezensionen und einem Rückblick auf die gesamte Staffel "American Gods" findet ihr hier. Folgt uns auf Facebook, Twitter und Instagram, um weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle bisherigen Posts zum Thema "TV" findet ihr hier.


Donnerstag, 18. Mai 2017

Blindspot: Staffel 2, Folge 22 (Staffelfinale) - Rezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" season 2 finale "Lepers Rebel" (S02E22) is also available in English. Please scroll down for the English version.


Click here for the review of  the season 3 premiere.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

"Danger - Explosive Material" - weniger gut
Foto: Jeff Neumann/Warner Bros/NBC
Am Ende der vorherigen Folge "Mom" wurde Kurt Weller (Sullivan Stapleton), der Assistant Director des FBIs, mit den Chefs anderer wichtiger amerikanischer Regierungsorganisationen in einen Untergrundbunker gebracht. Vor seinen Augen fielen alle Puzzlestücke an ihren Platz und der wahre Zweck von Jane Does (Jaimie Alexander) Tattoos wurde offensichtlich. Damit jeder "Sandstorms" Tattoo-Masterplan nachvollziehen kann, erklärt Weller zu Beginn des Staffelfinales "Lepers Rebel" dem ebenfalls anwesenden CIA Deputy Director Jake Keaton (Chad Donella) noch einmal alles. Bereits in den ersten Minuten wirkt die Folge überhastet. Es wird gezeigt wie Weller und Keaton ein Telefon finden, um Kontakt zu Patterson (Ashley Johnson) aufzunehmen und danach einen "Sandstorm"-Wachmann überwältigen. Das nächste Mal sieht man die beiden beim Betreten des FBI-Büros. Es wird nicht thematisiert, wie sie es geschafft haben aus dem schwer bewachten Bunker, in den sicher noch mehr "Sandstorm"-Mitglieder eingeschleust waren, zu entkommen. Über den Verbleib der Dutzenden anderen Chefs wird ebenfalls kein Wort verloren. Auch der ultimative Masterplan ist ein wenig enttäuschend: Das Weiße Haus bombardieren und die aktuelle Regierung auslöschen. Da "Sandstorms" Anführerin Shepherd (Michelle Hurd) immer davon gesprochen hat, die Vereinigten Staaten neu aufleben zu lassen, ist dieser Zug wohl der mit Abstand offensichtlichste. Im Vergleich zu dem interessanten und gut durchdachten Plan der letzten Woche, ist dieser eher durchschnittlich.

Patterson fliegt ins All

Zeigt Shepherd wirklich Angst?
Foto: Jeff Neumann/Warner Bros/NBC
...nein, leider nicht wirklich. Auch wenn das einige Charaktere tatsächlich in Erwägung ziehen. Denn "Sandstorm" hat mit der Hilfe von Zach Riley (Mark McConville) einen Satelliten ins All geschossen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt feuert er eine Rakete ab, die auf Washington D.C. zusteuert. Am Boden befindet sich der radioaktive Sprengstoff, den Shepherd vor wenigen Folgen in Bangkok gekauft hat. Durch den Aufprall der Rakete explodiert er und löscht die Ostküste der U.S.A. aus. So lautet jedenfalls der Plan. Aber die Welt hat ja immer noch Patterson. In Sekundenschnelle überlegt sie sich einen Weg, um die Katastrophe zu verhindern und bekommt dabei sogar Unterstützung der NASA. Ich bin ein großer Fan von Patterson und begrüße es, wenn sie eine wichtige Rolle in einer Folge hat. Im Staffelfinale wirkt ihre Kompetenz jedoch deutlich überzogen. Gegen Ende der Folge hält Weller eine flammende Rede vor dem versammelten Büro: "We did it. We all. Every one of you. Everyone in this room made this possible." Das wirkt ziemlich lachhaft, da die Rolle der meisten Agents, besonders in dieser Episode, fast nur darin besteht Patterson beim Tippen zuzuschauen. Ohne sie wäre diese Folge sehr kurz geworden: Panik. Explosion. Ostküste weg. Besonders für die Agents Tasha Zapata (Audrey Esparza) und Edgar Reade (Rob Brown) gibt es nur wenig zu tun. Ihre Hauptaufgabe ist es Andeutungen zu machen, dass das Team in Zukunft getrennte Wege gehen könnte. Doch dazu später mehr.
Zuerst möchte ich noch auf den Showdown außerhalb Pattersons Computer eingehen. Jane und Weller sollen in Washington D.C. den Transporter mit dem radioaktiven Sprengstoff finden und so weit wie möglich von bewohnten Gebieten wegbringen. Dabei treffen sie auf Shepherd und den abtrünnigen Roman (Luke Mitchell). Tatsächlich verläuft diese Konfrontation weit weniger spannend als es sich anhört. Dafür, dass Shepherd in den letzten Wochen so intelligent und gerissen war, dementsprechend jeden austricksen konnte, lässt sie sich im Staffelfinale überraschend leicht festnehmen. Es scheint auch nicht so als sei ihre Festnahme Teil eines weiteren Plans. Selbst ihr Appell an Kurt wirkt ziemlich leblos, sodass es ihm nicht schwer fällt wegzuhören. In jeder Folge musste das FBI-Team ihren Sieg hart erkämpfen, besonders die vorherige Episode war in dieser Hinsicht gnadenlos. Da das Team im Staffelfinale fast die gesamte Zeit über die Oberhand behält, kommt nicht wirklich Spannung auf.

"Our Job gives us each other"

Roman hat sich gegen das Team entschieden
Foto: David Giesbrecht/Warner Bros/NBC
Was nicht zu kurz kommt, sind die vielfältigen Charaktere. Da wäre einmal Jake Keaton, mit dem das Team schon öfters aneinander geraten ist, der sie aber auch immer wieder bei Ermittlungen unterstützt hat. Es ist toll ihn wiederzusehen, auch weil es Spaß macht ihn im Schlagabtausch mit Zapata zu erleben. Es freut mich ebenfalls, dass aufgeklärt wird, was Zach Riley, den die Zuschauer bereits aus der Folge "Borrow or Rob" kennen, mit "Sandstorm" zu tun hat. Selbst eine neue Figur wird vorgestellt: FBI Direktor Hearst (Mary Stuart Masterson), die Nachfolgerin des in der letzten Woche verstorbenen Pellington. Ich hoffe, dass sie auch in der dritten Staffel auftritt, da sie sehr offen und kooperativ zu sein scheint - eine ideale Ergänzung für das bestehende Team. Und last, but not least: Der Cameo-Auftritt von Nas Kamal (Archie Panjabi). Gegen Ende wird Shepherd in denselben Lügendetektor gesetzt, in dem bereits ihre Kinder Jane und Roman vor etlichen Folgen saßen. Und niemand anderes als Nas verhört sie. Es ist höchst befriedigend zu sehen, dass die NSA-Agentin letztendlich ihr größtes Ziel erreicht hat. Auch Romans Storyline war sehr gut. Dass er sich nicht, wie ich es befürchtet hatte, auf eigene Faust als Maulwurf bei "Sandstorm" eingeschlichen hat, zeigt die Vielseitigkeit "Blindspots". Im Gegensatz zu Jane hat ihn sein Neuanfang (zumindest für diese Staffel) zurück in sein altes Leben geführt. Alle Charaktere sind völlig unterschiedlich und das macht sie realitätsnah und spannend.
Weller und Jane hingegen haben mich im Staffelfinale eher genervt. Das Will-they-won't-they zwischen den beiden hat mich noch nie wirklich interessiert. Den beiden Charakteren und ihren Schauspielern fehlt in meinen Augen die Chemie, die eine spannende Beziehung ausmacht. Das Knistern einer Liebesgeschichte findet man erst recht nicht. Alleine die Tatsache, dass Weller Jane die Idee ausreden möchte etwas Neues auszuprobieren, hat mich gestört. Denn wie Direktor Hearst es treffend sagt: "Everything has been decided for you." 
Das Team kann aufatmen - Doch wie lange?
Foto: Screenshot
Auf der anderen Seite beweist Patterson einmal mehr, dass sie die Freundin ist, die jeder braucht (vor allem wenn man sein Gedächtnis und jeglichen Halt verloren hat): "You deserve to do what you want." Sie selbst bricht gegen Ende der Folge langsam auseinander und offenbart Reade und Zapata, dass sie die Leidenschaft an ihrem Job verloren hat. Das war zu erwarten, nachdem viele ihrer Kollegen und zwei feste Freunde aufgrund der Ermittlungen gestorben sind und sie außerdem belogen, benutzt und gefoltert wurde. Reade, dem es nach seinem Absturz der letzten Wochen plötzlich wieder überraschend gut geht, versucht sie aufzumuntern und erinnert sie daran, dass das Team eine Familie ist. Die Szene war für mich die mit Abstand beste in dieser Folge. Patterson, Reade und Zapata (Die "Drei Amigos", wie Patterson sie mal genannt hat.) haben die Chemie, die Weller und Jane fehlt. Man zweifelt keine Sekunde daran, dass sie einander sehr viel bedeuten und alles füreinander tun würden. Die Tatsache, dass sie es selbst in den dunkelsten Stunden noch schaffen miteinander zu lachen, ist sehr sympathisch. Auch ihr letzter Auftritt in dieser Staffel ist ein lustiger. Das Team feiert zusammen bei Weller, wie so oft (Mal ehrlich: Bei den FÜNF Leuten kommen unter anderem Missbrauch, Drogen, Spielsucht, mörderische Familienmitglieder, Paranoia und Posttraumatische Belastungsstörung zusammen. Aber Alkoholiker scheint keiner von ihnen zu sein, obwohl ihr Privatleben zu einem großen Teil aus Saufabenden besteht?!?). Als die anderen erkennen, dass Jane und Weller Privatsphäre brauchen, verabschieden sie sich grinsend - Reade: "Err, sorry, my boy called. I gotta bail."; Zapata: "And err... He's my ride, so I just..."; Patterson: "I'm gonna go to err.... not here. Have fun (klopft Weller und Jane ermunternd auf die Schultern). I'm gonna see you guys.... when I see you!" 
Trotz der freudigen Stimmung am Ende, wird im Laufe der Folge mehrmals angedeutet, dass das Team eventuell getrennte Wege gehen wird. So steht Reades Versetzung nach Quantico aus, Keaton wirbt Zapata für das CIA an, Jane überlegt ein neues Leben zu beginnen und Patterson hadert mit ihrem Job. In der dritten Staffel werden die getroffenen oder nicht getroffenen Entscheidungen sicher eine wichtige Rolle spielen, auch wenn das Team höchstwahrscheinlich schnell wieder zusammenfinden wird. 

Blindspot goes Doctor Strange

Kurt ist erleichtert, dass alles vorbei ist
Foto: Jeff Neumann/Warner Bros/NBC
Wäre die Staffel nach Janes und Wellers "privatem Moment" zu Ende, hätte die Folge mir, trotz der fehlenden Spannung und der eher nervigen Liebesgeschichte, ganz gut gefallen. Allerdings geht es noch weiter.... zwei Jahre später. Und hier dachte ich kurz, ich sei im Film "Doctor Strange" gelandet, was nicht einmal so verwunderlich wäre. Denn gleich mehrere "Blindspot"-Schauspieler (so etwa Jaimie Alexander ("Jane"), Ashley Johnson ("Patterson"), Michelle Hurd ("Shepherd") und Luke Mitchell ("Roman")) sind Teil des "Marvel"-Universums. Zwei Jahre in der Zukunft klettert Jane, jetzt mit längeren Haaren, eine steile Felswand hinauf. Oben angekommen begegnet sie einem weiblichen, buddhistischen Mönch, der an "Die Älteste" aus der "Doctor Strange"-Verfilmung erinnert. Er rät Jane nach Hause zurückzukehren, doch sie behauptet: "I can never go back." Auch das wäre ein interessantes Ende, doch es geht noch weiter. Kurze Zeit später taucht Weller auf. Scheinbar haben er und Jane sich schon länger nicht mehr gesehen. Sie entschuldigt sich für "alles" (was auch immer das sein mag) und bemerkt: "You're still wearing your ring." Am wahrscheinlichsten ist natürlich die Vermutung, dass die beiden tatsächlich irgendwann während der zwei Jahre geheiratet haben und "Blindspot"-Erfinder Martin Gero antwortete in einem Interview auf diese Frage: "I think that would be a good assumption." Ich persönliche hoffe, dass der Ring Teil einer viel größeren Geschichte ist.
Mit wem hat es das Team in Staffel 3 zu tun?
Foto: Screenshot
Doch es geht immer noch weiter. Weller erklärt, dass Patterson, Reade und Zapata verschwunden sind. Meine Reaktion war exakt dieselbe wie Janes: "All of them?" Meine zweite Reaktion war: "Und warum zum Teufel suchst du dann nicht nach ihnen und schickst jemand anderen, um Jane zu holen?!?" Laut Kurt wurden die drei vermutlich entführt und nur Jane kann helfen sie zu finden. Denn es wurde eine Box gefunden, auf der "Jane Doe - FBI" steht - in demselben Schriftzug wie das "Kurt Weller - FBI"-Tattoo, das Janes Rücken ziert. Als beide die Box berühren, öffnet sich ein Fach an der Seite und enthüllt eine kleine Metallscheibe, die wiederum bei ihrer gemeinsamen Berührung ein Tattoo Janes zeigt. Als Weller das Plättchen an die entsprechende Tätowierung hält, beginnen neue Symbole und Linien auf ihrem Körper aufzuleuchten. So spektakulär das auch aussieht: "Blindspot" wirkt, trotz aller Patterson-Computer-Zaubereien und glücklicher Zufälle, nie wie eine Mystery- oder Science-Fiction-Show, sondern behält immer einen Funken Realität. Die letzte Sequenz dieser Staffel hat diesen Funken nicht mehr. Hoffentlich ändert sich das in der dritten Staffel wieder. Ich hoffe auch, dass die Entführung nicht in einem Jane-Weller-Alleingang endet, sondern sich eine große Möglichkeit für Patterson, Reade und Zapata bietet, zu zeigen, was in ihnen steckt.

Fazit

Da die großen Actionszenen, Emotionen und Auflösungen bereits in der vorletzten Folge der zweiten Staffel stattfanden, ist das Staffelfinale eher mittelprächtig. Wie immer bei "Blindspot", begeistern vor allem die Charaktere und ihre Vielschichtigkeit. Auch wenn in "Lepers Repel" zu viel von Pattersons Fähigkeiten abhängig ist und die Jane-Weller-Liebesgeschichte die ohnehin geringe Spannung immer wieder dämpft. Die Folge an sich wirkt sehr viel überhasteter als die letzte, obwohl dort deutlich mehr passiert ist. Das "Zwei Jahre später"-Ende wirkt leider nur wie ein Ausweg, um mit möglichst vielen Problemen und neuen Hintergrundgeschichten in die dritte Staffel zu starten. Auf der anderen Seite eröffnet das Finale auch interessante Entwicklungen, so zum Beispiel die neue FBI-Direktorin und die Tatsache, dass Jane Roman am Ende hat laufen lassen. 


Wie hat euch das Staffelfinale gefallen? Was wünscht ihr euch für die dritte Staffel? Was guckt ihr in der Zwischenzeit? Schreibt es in die Kommentare.
Weshalb "Blindspot" für mich eine wirklich außergewöhnliche Serie ist und was ich mir für die nächsten Folgen wünsche, habe ich hier zusammengefasst.
Klickt hier, um unsere Rezension der ersten Staffel-3-Folge zu lesen.

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English


- The following text contains spoilers -

"Danger - Explosive Material" - not so good
Photo: Jeff Neumann/Warner Bros/NBC
At the end of last week's episode "Mom" Kurt Weller (Sullivan Stapleton), Assistant Director of the FBI and the bosses of a bunch of other US-government agencies were send to an underground bunker. Before his eyes all the puzzle pieces startet to fit together revealing the true purpose of Jane Doe's (Jaimie Alexander) tattoos. So that everyone will understand "Sandstorm's" master plan, the season finale "Lepers Rebel" begins with Weller explaining everything to CIA Deputy Director Jake Keaton (Chad Donella), who is also in the bunker. Just a few minutes into the episode and it already feels overhasty. It is shown that Weller and Keaton find a telephone to contact Patterson (Ashley Johnson) and later overpower a "Sandstorm" guard. Next time the two are shown, they walk into the FBI office. It is not mentioned how they managed to escape the heavily secured bunker, which was probably full of "Sandstorm" members. What happened to the dozens of other bosses is not addressed either.  Also the ultimate master plan is a little disappointing: Bomb the White House and wipe out the current government. "Sandstorm's" leader Shepherd (Michelle Hurd) always talked about reviving the United Staates, therefore this move was pretty obvious. In comparison to last week's interesting and well-wrought plan, this is rather mediocre.

Patterson goes to space

Is Shepherd really showing fear?
Photo: Jeff Neumann/Warner Bros/NBC
...no, sadly not literally. Even though some characters really take that into consideration. "Sandstorm" launched a satellite into space with the help of Zach Riley (Mark McConville). At a certain time it will fire a rocket, that is heading for Washington D.C. The radioactive explosives, which Shepherd bought in Bangkok some episodes ago, are on the ground. When the rocket hits, they'll explode and wipe out the east coast. At least that's the plan. But the world still has Patterson. Within a few seconds she has figured out a way to prevent the catastrophe and even gets support from the NASA. I'm a huge fan of Patterson and appreciate when she has an important role in an episode. But in the finale her expertise is excessive. Weller emotionally addresses his colleagues in the end: "We did it. We all. Every one of you. Everyone in this room made this possible." That's pretty laughable considering the fact that most agents don't do anything except watch Patterson type - especially in this episode. Without her the story would have been very short: Panic. Explosion. East coast gone. Especially the agents Tasha Zapata (Audrey Esparza) and Edgar Reade (Rob Brown) really don't have anything to do. Their main task is to hint that the team may part ways sometime in the future. But more about that later.
First I want to talk about the showdown outside of Patterson's computer. Jane and Weller are supposed to find the van with the radioactive explosives in Washington D.C. and get it as far away as possible from populated areas. In the process they encounter Shepherd and disloyal Roman (Luke Mitchell). Actually this confrontation is a lot less thrilling than it sounds. Shepherd was so intelligent and cunning in the last few weeks, being able to trick everyone, but in the finale she's arrested quite easily. But it also doesn't seem like her detention is part of another plan. Even her speech towards Kurt is rather lifeless. It's not tough for him to ignore her. In every episode the FBI team had to fight hard in order to win, especially last week was intense in this regard. During the finale the team holds the upper hand most of the time, therefore it's not very suspenseful.

"Our Job gives us each other"

Roman has left the team.
Photo: David Giesbrecht/Warner Bros/NBC
The multifaceted characters are the backbone of this episode. There's Jake Keaton, who has had some rough encounters with the team, but was also a big help in some investigations. It is great to see him again and especially fun to watch his verbal exchanges with Zapata. I also liked that it was revealed how Zach Riley, who the viewers know from the episode "Borrow or Rob", was involved with "Sandstorm". They even introduced a new character: FBI Director Hearst (Mary Stuart Masterson), the successor of Pellington, who died last week. I hope she's going to appear in the third season. As a seemingly nice and open character, she'd be a great addition to the team. And last, but not least: The cameo of Nas Kamal (Archie Panjabi). In the end of the episode Shepherd has to take the same lie detector test, that her children Jane and Roman had to take several episodes ago. And it is Nas who interrogates her. It is satisfying to see the NSA agent achieving her biggest goal. Roman's storyline is interesting too. I feared he might have decided to join "Sandstorm" again, so he could become a mole. That this isn't the case shows "Blindspot's" versatility. Unlike Jane his fresh start brought him back into his old life - at least for this season. All characters are totally different, which makes them realistic and exciting.
Weller and Jane on the other hand really annoyed me. I was never interested in the will-they-won't-they. To my mind the two characters and their actors lack the chemistry needed for a gripping relationship. The spark of a romance is even less noticeable. It also really bugged me that Weller tried to talk Jane out of doing something new. Because like Director Hearst said: "Everything has been decided for you."
The team is relieved - But for how long?
Photo: Screenshot
On the other side Patterson proves once again that she's the friend everyone needs (especially if you lost your memory and your grip): "You deserve to do what you want." The brainiac starts to break during the end of the episode and reveals to Reade and Zapata that she's lost the passion for her job. That was expectable after a lot of her coworkers and two boyfriends died because of the investigations and her being lied to, used and tortured. Reade, who's suddenly okay after all that has happenend to him during the last weeks, tries to cheer her up and reminds her that they're a family. This was my favorite scene of the finale. Patterson, Reade and Zapata (The "Three Amigos" as Patterson called them once) have the chemistry that Weller and Jane lack. You don't doubt that they are close and mean a lot to each other. The fact they still have a laugh even in the darkest of times, is really likeable. Their last appearance this season is a funny one. The team celebrates at Weller's as they often do (Seriously: These FIVE people combine abuse, drugs, gambling addiction, murderous family members, paranoia and posttraumatic stress disorder to only name a few. But not a single one of them seems to be an alcoholic, even though their personal life is mostly boozing evenings?!?). When the others realize Jane and Weller need some privacy, they smirk and say good bye - Reade: "Err, sorry, my boy called. I gotta bail."; Zapata: "And err... He's my ride, so I just..."; Patterson: "I'm gonna go to err.... not here. Have fun (claps Weller and Jane encouragingly on the shoulders). I'm gonna see you guys.... when I see you!"
Despite the happy mood at the end, it is hinted a few times during the episode that the team will part ways. Reade's transfer to Quantico is pending, Keaton recruits Zapata for the CIA, Jane thinks about starting a new life and Patterson is uncertain about continuing her job. Their decisions will probably play an important role in the third season. But I'm sure no matter what the team will be together in no time.

Blindspot goes Doctor Strange

Kurt is happy that the fight is over
Photo: Jeff Neumann/Warner Bros/NBC
If the season ended after Jane's and Weller's "private moment", I would have liked the episode despite the lack of suspense and the annoying romance. However the story goes on... two years later. At this point I thought I might have switched to the movie "Doctor Strange" which is not that unlikely. Quite a few "Blindspot" actors (like Jaimie Alexander ("Jane"), Ashley Johnson ("Patterson"), Michelle Hurd ("Shepherd") and Luke Mitchell ("Roman")) are part of the "Marvel" universe. Two years from now Jane, now with longer hair, climbs a cliff. On top she meets a female Buddhist monk, who resembles "The Ancient One" from the "Doctor Strange" movie. The monk tells Jane to go home, but she claims: "I can never go back." This would have been an intense ending too, but the story goes on. Some time later Weller shows up. Apparently he and Jane haven't seen each other in some time. She apologises for "everything" (whatever that means) and notices: "You're still wearing your ring." The most likely explanation is they actually got married during those two years. "Blindspot" creator Martin Gero said during an interview "(...) that would be a good assumption." I hope that the ring is part of a much bigger story.
Who is the team's opponent in season 3?
Photo: Screenshot
But there's more. Weller explains that Patterson, Reade and Zapata are missing. My reaction was the same as Jane's: "All of them?" My second reaction was: "Then why are you not looking for them and send someone else to get Jane?!?" According to Kurt the three were probably kidnapped and only Jane can find them. Since a box was found with the phrase "Jane Doe - FBI" - the same lettering as the "Kurt Weller - FBI" tattoo on Jane's back. When both of them touch the box, a compartment opens, containing a small metall disc. They simultaneously touch it, revealing one of Jane's tattoos on the disc. When Weller presses the small plate against the respective tattoo, new glowing symbols and lines appear on Jane's body. It looks speactacular, but despite all Patterson-computer-magic and lucky coincidences, "Blindspot" never feels like a mystery or science fiction show. It always contains a bit of reality. This bit is not there during the last scence of the season. Hopefully this will change again in season three. I also hope the kidnapping is not going to be a Jane and Weller solo action, but a big opportunity for Patterson, Reade and Zapata to show their abilities.

Conclusion

The big action scenes, emotions and revelations happend in the second to last episode, therefore the finale is mediocre. Like always "Blindspot's" characters and their complexity are great. Even though "Lepers Repel" depends too much on Patterson's skills and the Jane-Weller-romance is stifling the slight suspense. This episode feels way more rushed than last week's, even though there was a lot more happening then. Sadly the "two years after" ending only feels like a means of getting as much problems and new backstories as possible into the next season. On the other hand the finale has interesting developments, for example the new FBI Director and the fact that Jane let Roman get away.


How did you like the season finale? What do you hope will happen in the third season? What are you going to watch in the meantime? Tell us in the comments.
Click here to find out why I love "Blindspot" and what I hope will happen in the next episodes.
Click here for our review of the first season three episode.

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