Dienstag, 16. Mai 2017

American Gods: Staffel 1, Folge 2 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler - 


Nachdem die erste Folge (hier kommt ihr zur Rezension) voll von verrückten Geschehnissen war, geht es ähnlich verwirrend in der zweiten Episode weiter. Es tauchen noch mehr Götter auf und man verlässt die normale Welt Stück für Stück. Shadow Moon (Ricky Whittle) weiß immer noch nicht, dass die skurrilen Personen um ihn herum in Wahrheit Götter sind. Eine der neuen Göttinnen will Shadow abwerben. Außerdem fängt man an, erste Schritte von Mr. Wednesdays (Ian McShane) Plan zu erkennen. Dafür setzt Shadow sogar sein Leben aufs Spiel.

Kurzer Ausstieg

Der Prolog der zweiten Folge spielt dieses Mal im Jahre 1697. Hier taucht ein weiterer Gott auf, der sich Mr. Nancy nennt und der afrikanische Gott des Schabernacks ist. Er erscheint Sklaven, die sich auf einem Schiff nach Amerika befinden. Der Gott bringt sie dazu, es nieder zu brennen, obwohl sie dabei selber sterben. Im Gegensatz zum Prolog der Pilotfolge erscheint dieser Gott auch in physischen Formen, während der Gott der Wikinger nie in Erscheinung getreten ist. Mr. Nancy wechselt dabei zwischen der Gestalt einer Spinne und der eines Menschen.
Shadow hat genug vom Wahnsinn
Foto: starz
Die Folge "The Secret of Spoons" bildet einen fließenden Übergang zum Ende der Pilotfolge. Dadurch kann man sich noch einmal das beunruhigende Ende ins Gedächtnis rufen, bei dem Shadow nur knapp mit dem Leben davongekommen ist. Nach der Konfrontation mit dem Gott der Technik (Bruce Langley) hat er verständlicherweise kein Interesse mehr daran, für Mr. Wednesday zu arbeiten. Der lässt ihn vorerst gehen und Shadow zieht sich zurück in sein - oder vielmehr Lauras - Haus, um ihre Sachen zusammenzupacken. Hier spürt man noch einmal seinen Verlust und seine Wut. Laura taucht in einer Vision auf und behauptet, sie wäre doch gar nicht tot. Wieder eine interessante Anspielung, die an die Szene auf dem Friedhof aus der letzten Folge anknüpft. 
Wie schon zu erwarten, lässt Mr. Wednesday Shadow nicht allzu lange in Ruhe. Er wartet vor dem Haus auf ihn und bringt ihn erneut dazu, für ihn zu arbeiten. Hier kommt es doch etwas überraschend, wie schnell Shadow wieder mit an Bord ist. Der alte Gott redet kurz mit ihm und in der nächsten Szene sieht man beide schon zusammen im Auto sitzen. 
Ein Detail in diesen Szenen: Shadow trägt ein T-Shirt, auf dem der Umriss eines Büffels zu erkennen ist. Das ist eine nette kleine Anspielung auf die Begegnung mit dem Büffel aus der ersten Episode.

Alle wollen Shadow

"Media" will Shadow überzeugen
Foto: starz
Als Shadow einige Besorgungen in einem Supermarkt macht, wird er von einer Fernsehfigur (Gillian Anderson) aus dem TV heraus angesprochen. Es handelt sich dabei um Lucy Ricardo, eine Figur aus der amerikanischen Sitcom "I Love Lucy", die tatsächlich existiert und keine Erfindung von "American Gods" ist. Sie erscheint auf allen Bildschirmen im Laden und redet mit ihm. Dabei gibt sie ihm vage Hinweise auf die Welt, in die Shadow gerade hineinrutscht und will ihn ebenso wie Mr. Wednesday anheuern. Sie wird einfach "Media" genannt und ist die Göttin des Fernsehens. Gillian Anderson als "Lucy" bzw. "Media" ist für mich eines der Highlights der Folge, weil sie diesen Charakter mit Eleganz und Lässigkeit gespielt hat. Ihr Gesichtsausdruck und die Art, wie sie redet, ist für diese Figur passend. Man hat ihr wirklich abgenommen, dass sie eine TV-Charakter aus den 50er Jahren ist. Auch die Art, wie "Media" als TV-Figur erscheint, ist interessant und gut gemacht. 
Shadow scheint also ziemlich beliebt zu sein. Die Frage ist: Warum? Warum versuchen beide Seiten ihn für sich zu gewinnen? Ist Shadow ganz bewusst von dem alten Gott angeheuert worden? Die fehlenden Antworten diese Fragen machen neugierig auf die weiteren Folgen. Nach dem "Besuch" von Media geht Shadow zurück zu Wednesday, der gerade ein Gespräch mit einem Dschinn (Mousa Kraish) beendet. Shadow will endlich Erklärungen für die merkwürdigen Ereignisse, doch der Gott macht weiterhin nur vage Andeutungen, die alles und nichts bedeuten können ("The world is either crazy or you are."). Somit ist der junge Protagonist weiterhin ahnungslos. Er weiß nicht, dass Götter existieren und er mittendrin in einem wachsenden Konflikt zwischen ihnen steht. Wann wird er endlich eingeweiht, wo er doch schon so einiges mit ansehen und erleben musste? 

Mr. Wednesday und die Mobiltelefone

In einer der lustigsten Szenen dieser Folge streiten Shadow und Mr. Wednesday über Handys. Shadow hat bei seinen Besorgungen eins für seinen Arbeitgeber gekauft. Doch der ist daran kein bisschen interessiert, er ist vielmehr empört, dass Shadow überhaupt auf diese Idee gekommen ist. Hier kann man sehr gut sehen, wie weit der Hass von Mr. Wednesday auf die neuen Götter reicht. Verständlich, denn ohne solche Geräte würde es die neuen Götter, die immer relevanter werden, gar nicht erst geben. Den Dialog zu verfolgen hat wirklich Spaß gemacht, denn es kommt zu einem richtigen Schlagabtausch zwischen beiden.
Mr. W.: "I don't want one."
S: "Well, you need one. What if someone wants to talk to you?"
Mr. W.: "Why the hell would I want to talk to anyone?"
S: "Okay, what if I need to talk to you?"
Mr. W.: "Try shouting. Or in a pinch .. a telegram."
Besonders gut wird es, als Mr. Wednesday das Handy zusammen mit Shadows Smartphone einfach aus dem Auto wirft, um seinen Standpunkt deutlich zu machen und danach eine leidenschaftliche Rede über alte Wege der Kommunikation hält. Diskussionen wie diese lockern die Stimmung auf und geben der Serie fast so etwas wie Normalität. Sie machen Lust auf die weiteren Folgen, in denen so etwas hoffentlich noch öfter vorkommt. 

Spiel um Leben und Tod

Der Gott und sein Bodyguard fahren nach Chicago, um den Gott des Bösen, Czernobog (Peter Stormare) zu treffen, den Wednesday für den kommenden Kampf gegen die neuen Götter mit auf seiner Seite haben will. Der Besuch gehört wieder zu den verrückten, aber auch interessanten Teilen der Serie. Man trifft zum einen auf den Gott des Bösen, der seine "Kunst" des Tötens ("To give a good death is art.") nur noch als Viehschlachter ausüben kann. Im Wohnzimmer hängt der Hammer, mit dem er zehntausende Menschen erschlagen hat, wie eine morbide Dekoration. Doch er lebt nicht allein, sondern mit "Familie". Es sind drei Schwestern, wovon man in dieser Folge nur zwei sieht. Hier gibt einem die Serie nicht viel, um zu verstehen, wer genau diese Schwestern sind. Einerseits weckt das die Neugier, anderseits lenkt es beim Anschauen immer wieder ab, weil man darüber nachdenkt, welche mythologischen Figuren man nun vor sich hat. 
Dieser Gott spielt gerne "Dame"
Foto: starz
Shadow ist mittlerweile an dem Punkt angelangt, an dem er den Wahnsinn um sich herum einfach hinnimmt. Doch er scheint es auch nicht mehr ernst zu nehmen ("[...] and if there's a world under a world ... f**k it."). Als der Gott des Bösen mit ihm um seinen Tod wettet, willigt er tatsächlich ein. Diese Szene, in der die beiden "Dame" gegeneinander spielen, ist voll von Anspannung. Man rechnet beinahe jeden Moment damit, dass Czernobog den Hammer einmal hebt und Shadow einfach an Ort und Stelle den Schädel einschlägt. Auch Shadows Unwohlsein ist an vielen Stellen sehr greifbar. Peter Stromare spielt hier wirklich gut den bösen Gott. Er wirkt vollkommen unberechenbar und beängstigend. Besonders viel Gänsehaut gab es bei mir, als er das Lied über das Geheimnis der Löffel singt und dabei lässig "Dame" spielt. 
Shadow verliert das "Dame"-Spiel und soll bei Sonnenaufgang mit dem Hammer erschlagen werden. Und genau an dieser Stelle begrüßt einen der Abspann. Die Serie weiß auf jeden Fall, wie sie einen beim Haken halten kann. Ich bin wirklich gespannt darauf, wie diese Szene in der nächsten Folge aufgelöst wird.

Fazit

Auch die zweite Folge bietet wieder viele kuriose Auftritte, aber auch einige spannende Momente. Die Liste mit Fragen wächst währenddessen stetig weiter, beantwortet wurde noch nicht wirklich etwas und Erklärungen gibt es ebenso wenig. Besonders die verschiedenen Götter werden in Szene gesetzt, ohne vorgestellt zu werden. Man muss nach jeder Folge schon selber recherchieren und sich mit der Mythologie auseinandersetzen, um zu wissen, welche Götter hinter den Figuren stecken. Selbst das ist nicht immer leicht, wie bei den Schwestern. Die Serie überzeugt dennoch weiterhin mit genau diesen Charakteren, die alles andere als normal sind. Und in den weiteren sechs Folgen werden hoffentlich einige Antworten gegeben.
Wer sich auch für diese Serie begeistern kann und findet, acht Episoden sind doch recht wenig, kann sich freuen: "American Gods" wurde schon jetzt für eine zweite Staffel erneuert!


Eine Liste mit allen Rezensionen zur Serie und einem Rückblick auf die gesamte Staffel "American Gods" findet ihr hier. 
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Sonntag, 14. Mai 2017

Polizeiruf 110: Muttertag - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei. 


Im polnischen Krzywy Las, dem "Krummen Wald", wird eine übel zugerichtete Leiche gefunden. Zeugen wollen ein Auto mit deutschem Kennzeichen in der Nähe des Tatorts beobachtet haben, was das deutsch-polnische Ermittlungsteam Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) auf den Plan ruft. Sie finden heraus, dass der Tote Janusz Kubiak kurz vor seinem Tod Geschlechtsverkehr hatte - jedoch nicht mit seiner Frau. Hat seine Geliebte ihn umgebracht? Auch Außenseiter Enrico Schoppe (Anton Spieker) gerät in den Fokus der Ermittlungen. Seine "Mutti" Heidi (Ulrike Krumbiegel) setzt alles daran, um ihn zu beschützen.

Mutti ist die Beste

Bei Enrico und "Mutti" hängt der Haussegen schief
Foto: rbb/Oliver Feis
Wie Name und Ausstrahlungstermin dieses "Polizeirufs" bereits dezent andeuten, spielen Mütter im dritten gemeinsamen Fall der deutsch-polnischen Ermittler eine große Rolle. Da wäre einmal Kommissarin Lenski selbst, die ihre vierjährige Tochter Alma im Schlafanzug mit aufs Revier bringt, da sie - überraschenderweise - um drei Uhr morgens keinen Babysitter gefunden hat. Im weiteren Verlauf ringt Lenski mit der Entscheidung, ob sie ihren Vertrag verlängern oder ihrer Tochter zuliebe in ihre Heimat Potsdam zurückkehren soll. Der Spagat zwischen Beruf und Kindern ist, besonders bei Alleinerziehenden, ein allgegenwärtiges Problem und die Szenen mit Alma sind durchaus niedlich und unterhaltend. Dennoch behindert die Nebenhandlung immer wieder die Ermittlungen - wortwörtlich, denn die Kleine hat das Talent immer genau dann anzurufen, wenn ihre Mutter kurz davor ist, einem Verdächtigen wichtige Informationen zu entlocken. 
Heidi Schoppe bildet die zweite zentrale Mutterfigur. Obwohl ihr Sohn Enrico bereits erwachsen ist, kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihn (Enrico: "Hast du Kohle? Hast du noch watt auf'm Konto?"; Heidi: "Ich bin doch schon mit 290 im Dispo. Ich krieg' erst morgen wieder watt!"; Enrico: "Morgen erst? Oh fuck!"). Das Drehbuch räumt den Schauspielern Ulrike Krumbiegel und Anton Spieker genug Sendezeit ein, um überzeugend darzustellen inwieweit sich die Mutter-Sohn-Beziehung und Hierarchie der beiden im Laufe der Ermittlungen immer weiter verändert. Sie amüsieren außerdem mit dem wohl stichhaltigsten Alibi aller Zeiten: "Wir haben Backgammon gespielt!" 
Justyna Kubiak (Justyna Pawlicka-Hamade), die Ehefrau des Toten und Mutter seiner beiden Kinder, sowie Liane Uhl (Kathleen Gallego Zapata), Mutter von Kubiaks Geliebter, tauchen jedoch nur am Rande auf. Eine Highlight-Szene gibt es dennoch, mit der sich wohl viele Serienfans identifizieren können. Während die Polizei zeitgleich nach ihrer Tochter sucht, setzt Liane Uhl Prioritäten: "Gucken wir jetzt "Sturm der Liebe"?"

"Willkommen in der Wüste - Wüsterow"

Besonderes Augenmerk liegt, wie bereits in den beiden vorherigen Fällen des Teams, auf der Umgebung. Die Verdächtigen stammen aus dem fiktiven Dorf "Wüsterow", das kaum trister und kleinbürgerlicher sein könnte. Es ist offensichtlich, dass die Macher des Films das Brandenburg zeigen wollen, das nicht mehr vom Berlin-Tourismus profitiert. Zum Teil wirkt diese Ambition jedoch etwas zu gewollt ("Sie haben 'ne Bar?"; "Ja, 'ne Gaststätte."; "Sowas gibt es hier?"). Wie in praktisch jedem Dorf-Krimi kennt jeder jeden und die Kommissare bekommen statt solider Zeugenaussagen vor allem Mutmaßungen und Gerüchten zu hören.
Auch ohne Leiche gespenstisch: Der "Krumme Wald"
Foto: Radek Dranikowski
Da die deutsch-polnische Zusammenarbeit ein essentieller Bestandteil dieses "Polizeiruf"-Teams ist, spielt auch in "Muttertag" ein Teil der Handlung in Polen. Dabei ist es ein kluger Schachzug, dass die polnischen Dialoge nicht untertitelt werden. So befinden sich die meisten Zuschauer in derselben Position wie Olga Lenski, die zwar ein paar Brocken Polnisch spricht, aber noch nicht sonderlich viel versteht. Das macht die Szenen realistischer und man kann sich gut mit der Kommissarin identifizieren. Positiv hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass die Charaktere aus Polen von polnischen Schauspielern gespielt werden. So wirken die Szenen authentisch und viel stimmiger als wenn deutsche Schauspieler mit falschem Akzent Polen mimen würden.
Ein besonderes Highlight stellt der Krzywy Las dar, in dem die Leiche gefunden wird. Die krummen Bäume haben einen ganz eignen, ungewöhnlichen Charme und sind eine nette Abwechslung zu den Innenstadt-Drehorten der meisten anderen Sonntagskrimis. Außerdem wirkt der Wald, besonders bei Dauergrau, sehr düster und trägt somit zur Spannung in einem sonst eher ruhigen Film bei.

Fremdschämen beim Zähneputzen

Lenski (l.) hat ihre Tochter mit zur Arbeit gebracht
Foto: rbb/Oliver Feist
Die Nebenhandlung hingegen, die sich mit der Annäherung des noch frischen Kommissarduos beschäft, stellt sich der aufkeimenden Spannung immer wieder in den Weg. Dass Lenski zum wiederholten Mal ihre Tochter mit zur Arbeit gebracht hat, sorgt für Reibereien zwischen ihr und Raczek. Anstelle die Beiden die ganze Folge über streiten und zicken zu lassen, wie es in vielen Teams üblich ist, versuchen die Drehbuchautoren Eoin Moore und Anika Wangard sie zu versöhnen. Der Plan sieht wie folgt aus: Lenski und Raczek wollen in Wüsterow übernachten, allerdings müssen sie sich ein Zimmer mit Doppelbett teilen, da alles andere ausgebucht ist. Vorher wurde mehrfach von verschiedenen Charakteren betont, wie klein, trist und unbedeutend das Dorf ist, wie kann es da sein, dass alle Betten in der Pension belegt sind? Die Ermittler stellen sich diese Frage seltsamerweise nicht, sondern akzeptieren ihr Schicksal. Sogar so sehr, dass sie brav nebeneinander in der Küchenzeile (Hat das Zimmer kein Bad?) stehen und Synchron-Zähneputzen. Diese Szene wirkt sehr gestelzt und unnatürlich, was nur noch von dem anschließenden Dialog im Doppelbett getoppt wird (Raczek: "Wenn das im Büro die Runde macht..."; Lenski: "Wird's eh, also können wir es eigentlich auch gleich tun, oder? Wissen Sie wie lange ich keinen Sex mehr hatte?"; Raczek (überlaut): "Gehen Sie mal davon aus, dass das nicht stattfinden wird."). 
Über Adam Raczek hat der Zuschauer bislang wenig erfahren und der Charakter wirkt dementsprechend noch etwas unausgereift. Seine Kollegin Lenski hingegen ist besser bekannt, da sie bereits seit 2011 im "Polizeiruf" ermittelt. Es bleibt also zu hoffen, dass sich das Team in den kommenden Episoden einspielt und die persönlichen Nebenhandlungen innovativer und natürlicher werden.

Fazit

"Muttertag" ist ein Durchschnittskrimi mit einem schaurig-spannenden Setting. Die Ermittler bleiben eher blass und ihre persönliche Geschichte ist nicht wirklich interessant. Dafür sind die Nebencharaktere umso spannender. Passend zum Muttertag treten die unterschiedlichsten Arten von Müttern und Kindern auf, die alle ihre eigene Geschichte zu erzählen haben. Leider bleiben dem Zuschauer aus Zeitmangel viele dieser Geschichten verwehrt, doch Enrico und seine Mutti sind derart ungewöhnliche Charaktere, dass man alle anderen beinahe vergisst. Wirklich vergessen kann man einige Dialoge, die weit weniger witzig rüberkommen, als es von den Drehbuchautoren vermutlich geplant war. 


In der nächsten Woche zeigt das Erste den einzigen "Tatort" in diesem Monat. Nur drei Wochen nach ihrem letzten Fall, wird das Münchener Team Ivo Batic und Franz Leitmayr mit einem Geflecht aus Liebesbeziehungen konfrontiert, in die ihr Mordopfer verwickelt war.
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Samstag, 13. Mai 2017

Eurovision Song Contest (ESC) 2017 - Liveticker

Der Eurovision Song Contest 2017 aus Kiew
Foto: Eurovision
Seit 1956 gibt es den "Eurovision Song Contest". So lange sind wir noch nicht dabei, wir sitzen jetzt zum dritten Mal gespannt auf dem Sofa - heute das erste Mal mit Blog.
Wir werden für euch im Laufe des Abends livetickern, also die Seite fleißig aktualisieren. ;)





Wem wir den Sieg wünschen:
jbu: Weißrussland, Niederlande, Österreich
kme: Weißrussland, Niederlande, Kroatien
lbr: Niederlande, Ukraine, Belgien

Auf welchen Platz wir Deutschland einschätzen:
jbu: 18
kme: 24
lbr: 23

Liveticker:

00:40 - Okay, wir verzichten darauf den portugiesischen Beitrag nochmal anzuhören und sind raus. Allen noch einen schönen Abend!

00:36 - "69% des deutschen Fernsehpublikums haben den deutschen Titel gewählt." Ja, wer hat denn da gewählt?!? -.- ^kme

00:34 - Es ist wirklich traurig, dass man vorher immer weiß wer gewinnt. ^kme

00:31 - Der Typ sitzt da immer noch im Affenkostüm! ^lbr

00:27 - Deutschland ist auf Platz 25, damit war kme am Nächsten dran.

00:22 - Das Kleid von der Dame aus Kroatien sieht aus wie das Sydney Opera House. ^kme

00:18 - Es wäre schön, wenn die mal nur die Punkte vergeben und nicht noch belanglose Sachen erzählen würden. ^lbr

00:14 - Die armen Spanier, jetzt sind sie alleine auf dem letzten Platz. ^kme

00:11 - Das einzige Gute am deutschen ESC - kein Fake-Hintergrund, sondern echte Stimmung. ^kme

00:07 - Bulgarien hat keinem der derzeitigen "Top 10"-Auftritte Punkte gegeben. Endlich mal jemand, der nicht dem Mainstream folgt! ^kme

00:06 - Ich höre gerade eine Stimme aus meiner Kindheit rufen: "Random Dancing!" ^kme

00:04 - Nicht wundern, jbu ist noch da, sie schläft nur.

00:01 - Peter Urban: "Immer noch keine Punkte für Deutschland." Als ob das überraschend wäre. :D ^lbr

23:54 - Der arme Typ muss jetzt den ganzen Abend im Gorilla-Kostüm auf dem Boden hocken. ^lbr

23:50 - 12 Punkte für Weißrussland: Yay! Zwei Mal 12 Punkte für Portugal: Buh! Daumen runter. ^kme

23:49 - Wieso müssen die alle noch reden? Gebt doch bitte einfach nur die Punkte. ^lbr.

23:42 - Den langen Weg aus Australien, nur um seinen Hintern zu zeigen... Traurig. ^kme

23:39 - WARUM KANN MAN FAST ALLE LIEDER BEI iTUNES NUR IM GANZEN ESC-ALBUM RUNTERLADEN?!? ^kme

23:36 - Ich bin müde. Wie lange dauert das noch? ^jbu

23:35 - Die Belgierin hätte die Energie und das Lächeln der kleinen Lady gebraucht. ^kme

23:27 - Warum sind die nicht für die Ukraine angetreten? Waren vermutlich schon zu bekannt... ^lbr

23:09 - Wo ist eigentlich die Gewinnerin des letzten Jahres? Da darf die nichts sagen oder singen? ^kme

23:03 - Auftritt von Frankreich
jbu: Nettes Lied, aber nicht Besonders.
kme: Das Lied klingt nicht sehr harmonisch, aber immerhin wird mal auf übertriebene Tanzeinlagen, Konfetti und ähnliches verzichtet.
lbr: Es war okay, aber die Einblendungen sind nervig.

22:59 - Auftritt von Bulgarien
jbu: Ist der 10? Mehr Drama als Lied.
kme: Der sieht aus als wäre er 11. Laaaangweilig.
lbr: Der sieht aus wie 12. Das Lied war nix. Nein.

22:55 - Auftritt von Schweden
jbu: Wenn man die Laufbänder schon gekauft hat, muss man sie auch einsetzen. Hatte mir von Schweden mehr erhofft.
kme: Das war doch der RTL-Bachelor, oder?!? Und was sollten die seltsam guckenden Typen auf den Laufbändern? So viele Fragen....
lbr: Man ist von Schweden mehr gewohnt. Die Laufbänder sind echt peinlich. Walk, walk, fashion, baby.

22:50 - Auftritt von Belgien
jbu: Schade, dass die Performance so langweilig war. Das Lied ist okay.
kme: Die 12 Punkte für die größte Emotionslosigkeit hat sie sicher. Der Gesichtsausdruck macht selbst das schönste Lied kaputt. Aber tolles Kleid.
lbr: Da kommen gar keine Emotionen rüber. Schade, denn der Song ist interessanter als die meisten anderen davor.

22:46 - Auftritt der Ukraine
jbu: Cool, dass es nicht nur Pop-Balladen gibt.
kme: War okay, aber trotz anderen Stils nicht sonderlich herausragend.
lbr: Ich mag es, wenn es beim ESC auch rockigere Auftritte gibt. Mir hat der Song und die Botschaft gefallen.

22:41 - Auftritt von Deutschland
jbu: Die Worte wiederholen sich immer wieder. Es gab aber schon schlimmere Beiträge.
kme: Der Refrain ist okay, aber sonst... Wir konnten zwei Lieder nennen, deren Einstieg GENAUSO klingt. Die gleiche Einheitsgrütze, mit der wir es seit Jahren versuchen.
lbr: Wir hatten schon schlimmere Auftritte.

22:38 - Auftritt von Rumänien
jbu: Wenigstens mal was Verrücktes. DAFÜR gucke ich den ESC.
kme: Das war witzig und seltsam. Aber immer noch besser als Portugal.
lbr: Rap, Jodeln, Pop... alles wurde zusammengeworfen, das passt immerhin zum ESC.

22:34 - Auftritt von Zypern
jbu: Der Tanz ist albern und das Lied ist schnell vergessen.
kme: Nette Stimme, aber komische Performance und langweiliger Song.
lbr: Ich mag die Stimme, aber irgendwie ist das Lied nichts Besonderes. Leider, am Anfang klang es cool.

22:28 - Auftritt des Vereinigten Königreichs
jbu: Gutes Gesamtbild, aber langweiliger Song.
kme: Tolle Stimme und tolle Haare. Aber das Lied war langweilig.
lbr: Schöne Stimme, aber kein Lied, das einen packt.

22:21 - Auftritt von Norwegen
jbu: Wenigstens mal ein Lied, wo ich mittanzen möchte,
kme: Die Einblendungen im Fernsehbild sind ultra peinlich. Und den Song macht es nicht besser.
lbr: Solche gewollten Bildstörungen sind einfach dämlich. Der Song ist auch nicht besonders. Norwegen hatte schon Bessere.

22:17 - Auftritt von Spanien
jbu: Dafür dass ich solche Musik mag und die Melodie ganz nett ist, ist das Lied ansonsten langweilig.
kme: Dafür dass sie so alternativ wirken, klingt es sehr 08/15.
lbr: Klingt wie ein Sommerhit aus den frühen 2000ern. 

22:13 - Auftritt von Griechenland
jbu: Ein weiterer typischer ESC-Song und nicht wirklich eingängig.
kme: Warum müssen die armen Typen putzen? Ansonsten eher naja.
lbr: Erst klang es wie eine Ballade und plötzlich ist es Pop. So oder so, es klingt nicht herausstechend.

22:07 - Auftritt von Australien
jbu: Zu viel Drama und er sah etwas traurig aus.
kme: Das wirkte irgendwie eingebildet.
lbr: Ganz schönes Lied. Aber das Laufband und der Wind war dann doch etwas übertrieben.

22:03 - Auftritt von Kroatien
jbu: Verwirrend, aber das Lied ist ganz gut.
kme: Schräg geht auch ohne Pferdekopf und Gorilla - nur mit Stimme(n). Aber das hier war witzig-schräg.
lbr: Der Refrain ist gut, aber irgendwann nerven die beiden Stimmen.

21:58 - Auftritt von Azerbaijan
jbu: Komisches Bühnenbild und komischer Song.
kme: Wozu die Leiter und der Pferdekopf?!?
lbr: Wirkt irgendwie zusammengewürfelt und ist nicht sehr eingängig.

21:54 - Auftritt von Portugal
jbu: Nicht meine Musik, aber ganz okay.
kme: Warum ist das der Favorit?!? Er hebt sich ab, aber das Lied ist langweilig und seine Stimme dünn.
lbr: Es ist was Besonderes, aber mir persönlich sagt es nicht zu. Toller Hintergrund.

21:50 - Auftritt von Dänemark
jbu: Eine typische ESC-Ballade.
kme: Woher kenne ich das Lied bloß? Egal, das Kleid ist cool.
lbr: Nicht wirklich eingängig und man hat das Gefühl, man hätte es schon mal gehört.

21:45 - Auftritt von Italien
jbu: Dafür, dass der Auftritt so komisch ist, klingt das Lied ganz gut.
kme: Da passt GAR NICHTS zusammen. Nur weil man dazu tanzen kann, ist es nicht automatisch gut.
lbr: Der Gorilla war das Highlight. Haha.

21:41 - Auftritt von Ungarn
jbu: Gutes Lied, aber der Rap hat nicht so gut gepasst.
kme: Die Sprache klingt cool und die Geschichte hinter dem Auftritt ist schön. Daumen runter für den unpassenden Rap.
lbr: An sich gefällt's mir, aber was soll der Rap?

21:37 - Auftritt von Moldau
jbu: Ich mag das Saxophon und die Geige. Schönes Partylied.
kme: Die Sonnenbrillen und der wackelnde Fuß erinnern mich an "Gangnam Style". Der Song war mal was anderes, aber so gar nicht meins!
lbr: Die machen gute Stimmung.

21:32 - Auftritt der Niederlande
jbu: Ich mag das Lied und die Botschaft.
kme: Die Harmonien klingen fantastisch!
lbr: Schöner Song mit einer tollen Botschaft.

21:29 - Auftritt von Armenien
jbu: Das Lied ist nicht so besonders.
kme: Erinnert mich an den Gewinnersong von letztem Jahr - zu viel Geschrei.
lbr: Ganz cooler Rhythmus, aber was soll das Geschrei?

21:25 - Auftritt von Österreich
jbu: Ist eher mittelmäßig, ein Durchschnitts-Popsong.
kme: Naja, geht so. Eins der Lieder, die man nach zwei Minuten vergessen hat.
lbr: Disco-Mond! Aber ansonsten hat man das alles irgendwie schon gehört. Nichts Besonderes.

21:20 - Auftritt von Weißrussland
jbu: Das ist ganz nett.
kme: Gefällt wirklich sehr gut! Das Lied klingt natürlich und macht gute Laune. Erinnert mich an Disney.
lbr: Weder typisch Ballade, noch zu poppig, ein Gute-Laune-Song.

21:16 - Auftritt von Polen
jbu: Es ist besser als Israel und das Kleid ist schön.
kme: Gute Stimme. war für die linke Seite ihres Kleids kein Stoff mehr da?
lbr: Der Refrain ist etwas aggressiv, aber gute Stimme.

21:13 - Auftritt von Israel
jbu: Nein. Bitte sing' nicht weiter.
kme: Ich wünschte ihr hättet mein Gesicht sehen können als er den ersten hohen Ton gesungen hat.
lbr: Wie ist der ins Finale gekommen?

21:10 - Jetzt glitzern die beiden Moderatoren da alleine rum. ^lbr

21:07 - Irgendeiner sollte den ganzen Leuten mal sagen, dass die Geste Daumen-und-Zeigefinger-formen-ein-"O" in vielen Sprachräumen "Arschloch" bedeutet. ^kme

21:04 - *Niederländerinnen treten auf und posen* Uuuu, Girlband-Move! *Moldawen treten auf und posen* Uuuu, Boyband-Move! ^lbr

21:02 - Ein Gorilla tritt auf? Mein Favorit steht fest! ^lbr

21:00 - Die Eurovisions-Melodie ist immer das schönste Lied! ^jbu & kme (tatsächlich gleichzeitig)

20:58 - Die synchron-hüpfen! :D ^kme

20:49 - Mir tun die armen Leute im Regen voll leid. ^jbu

20:43 - Nicole: "Das beste Lied gewinnt immer." Das gewinnt immer? Seit wann? ^lbr

20:38 - Die süßesten Schweden? Ich dachte gerade die meinen Abba. ^lbr

20:37 - Im Hintergrund läuft "Heroes". Vermutlich der einzige ESC-Titel, an den sich die Leute noch erinnern. ^kme

20:33 - Barbara Schöneberger: "Ich finde den Titel von Levina super." Ich nicht. ^jbu

20:26 - Unser Liveticker fängt jetzt an. Wir freuen uns. ^kme

Donnerstag, 11. Mai 2017

Blindspot: Staffel 2, Folge 21 - Rezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Mom" (S02E21) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Roman (3.v.l.) ist wieder bei "Sandstorm" 
Foto: David Giesbrecht/NBC
Am Ende der vorherigen Folge "In Words, Drown I" erinnerte sich Roman (Luke Mitchell) daran, dass nicht seine Terroristen-Mutter Shepherd (Michelle Hurd) seine Erinnerungen gelöscht hat, sondern seine Schwester Jane (Jaimie Alexander). Die aktuelle Episode "Mom" setzt an dieser Szene an. Roman geht mit einem Messer auf Jane los und die beiden Geschwister liefern sich ein heftiges Gefecht. Die Kampfszenen mit ebenbürtigen Kontrahenten sind in den meisten Fällen die spektakulärsten. Sie dauern nicht nur länger und sind sorgfältiger choreografiert, der Sieger steht auch nicht sofort fest. In diesem Fall ist es Jane, die sofort allen versichert: "He wasn't going to kill me!" Das FBI sieht das etwas anders und sperrt Roman zurück in seine alte Zelle. Stattdessen konzentriert sich das Team auf "Sandstorm"-Mitglied Parker Lewis (Jefferson White), den sie in der letzten Folge festgesetzt haben. Er schweigt, doch glücklicherweise stellt sich heraus, dass seine Freundin Devon schwanger ist. Parker tauscht einen Flug nach London für seine Freundin gegen Informationen zu einem geheimen "Sandstorm"-Lager ("If your location checks out, she lands in Heathrow. If you're lying to us, she lands in Guantanamo."). Zufälle wie diesen gibt es in "Blindspot" leider sehr häufig (Ich frage mich noch immer wie die Überwachung des FBI hätte klappen sollen, wenn Patterson im Mid-Season-Finale nicht zu Borden gefahren und letztendlich ohne ihr Wissen zum Maulwurf geworden wäre! Falls jemand dazu eine Idee hat, schreibt es gerne in die Kommentare.). Auch in dieser Folge bleiben viele Fragen unbeantwortet (Wie hat "Sandstorm" den Sprengstoff in mehrere Gebäude landesweit gebracht, ohne dabei beobachtet zu werden?) und viele Schachzüge basieren auf Zufällen. Auch die Tatsache, dass Roman auf einen Schlag fast alle seine essentiellen Erinnerungen zurückerlangt, ist fragwürdig. Dennoch ist die Folge aus meiner Sicht eine der aufregendsten dieser Staffel.

"Don't die." - "You too."

FBI-Direktor Pellington (l.) kann mehr als delegieren
Foto: David Giesbrecht/NBC
Besser kann man "Mom" wohl nicht zusammenfassen als mit dieser kurzen Konversation zwischen Jane und Kurt Weller (Sullivan Stapleton). Denn sie müssen feststellen, dass "Sandstorm" ihr ganzes FBI-Büro nachgebaut und dort für eine Konfrontation geübt hat. Auch hier lässt der Zufall grüßen: Das Set ist leer, da "Sandstorm" auf dem Weg zum FBI für ebenjene Konfrontation ist. Aber über diesen erneuten Zufall lässt sich hinwegsehen, da die Idee an sich wirklich kreativ ist. Sie ist ein weiteres Puzzlestück zur Erklärung, weshalb "Sandstorm" dem FBI immer einen Schritt voraus ist und auch in diesem Kampf die Oberhand hat. Spannend ist ebenfalls die Tatsache, dass das Team nicht geschlossen kämpft, sondern sich in kleinen Grüppchen an verschiedenen Orten durchschlägt. Diese Aufteilung hat mir schon in früheren Folgen gefallen, da die einzelnen Charaktere besser zeigen können, welche Fähigkeiten in ihnen stecken und die Sprünge zwischen den Handlungsorten zur Dynamik beitragen. Besonders der Showdown zwischen FBI-Direktor Pellington (Dylan Baker) und Shepherd ist extrem spannend. Pellington war bislang immer nur ein wenig beachteter Nebencharakter, in dieser Folge zeigt sich, dass hier Potenzial verschenkt wurde. Er ist nicht nur ein guter Agent, sondern zeigt als einziger der FBI-Agents keine Angst und selbst als er verletzt am Boden liegt, wendet er sich mit Würde an Shepherd: "Could you pass me my gun? You're under arrest." Schade, dass das sein letzter Auftritt war.
Shepherd erkennt, dass sie Patterson stoppen muss
Foto: David Giesbrecht/NBC
Auch an den weiteren Schauplätzen tun sich vor allem die Charaktere hervor. Jane und Weller kämpfen sich von draußen alleine ins Gebäude - Wieso sie nicht die mindestens ein Dutzend Agents mitnehmen, die mit ihnen unterwegs waren, bleibt wohl ein Geheimnis - und entschärfen mit "Doktor Bibber"-Kenntnissen zwei Bomben. Doch die wahre Heldin dieser Folge ist Fan-Liebling Patterson (Ashley Johnson). Sie vereitelt letztendlich einen großen Teil von Shepherds Plan, auch wenn sie dafür ihre heißgeliebten Computer opfern muss. Der Zuschauer erfährt auch welche Verantwortung und Macht in Pattersons Händen liegt. Sie hat als einzige digitalen Zugriff auf verschiedene Regierungsorganisationen, Geheimdienste und Ermittlungsorganisationen. Die Wichtigkeit von Patterson manifestiert sich nicht zuletzt dadurch, dass Shepherd sie als Problem bezeichnet und alles daran setzt, sie zu eliminieren. Da Patterson in der zweiten Hälfte dieser Staffel vor allem emotional und körperlich am Limit war, ist es toll sie wieder voll fokussiert und in ihrem Element zu erleben. 
Zwar wachsen ausnahmslos alle Schauspieler gegen Ende der Staffel nochmal über sich hinaus, doch besonders Ashley Johnson und Audrey Esparza ("Tasha Zapata") haben einen schweren Part, den sie sehr gut meistern. Denn Patterson und Zapata verfolgen "Sandstorms" Angriff eine ganze Weile auf Bildschirmen. Dementsprechend standen die Schauspielerinnen nur vor grünen Computerdisplays, dennoch versetzen sie sich so überzeugend in die Handlung, dass es nur minimale Mimik braucht, um ihren Terror und ihre Angst zu zeigen. 

Das Puzzle ist fast fertig

Angst ist berechtigt, denn das FBI-Team kann zwar einen Großteil von Shepherds Plan vereiteln, dennoch verlieren viele Agents ihr Leben und zwei Gebäude werden in die Luft gesprengt. Das ist ein Punkt, weshalb "Blindspot" sich von den vielen anderen amerikanischen Krimi-Serien abhebt: Das Team ist nicht unfehlbar. Obwohl die Agents alles geben, schaffen sie es selten jeden zu retten. So traurig das auch ist, es ist realistisch und hält die Spannung aufrecht, da theoretisch jeder jederzeit sterben kann (Okay, Jane, Weller und Patterson kann vermutlich nichts passieren.).
Kurt Wellers Team stehen noch viele Schlachten bevor
Foto: David Giesbrecht/NBC
Der spannendste Moment ist jedoch keine Kampfszene, kein Schusswechsel oder Showdown, sondern eine der wenigen ruhigen Szenen der Folge. Shepherd hat Roman, zumindest vorerst, wieder auf ihre Seite gezogen und ist mit ihm geflohen. Während sich die FBI-Agents langsam berappeln, wird Weller vom Secret Service abgeholt und in einen geheimen Bunker gebracht. Als er ihn betritt, fügen sich vor seinen Augen langsam alle Teile des "Sandstorm"-Masterplans zusammen und die Zuschauer bekommen worauf sie seit zwei Staffeln warten: Die Antwort darauf, welche Rolle die Tattoos auf Janes Körper spielen. Dabei ist es besonders faszinierend, dass in die Auflösung zahlreiche Momente aus vergangenen Folgen eingebunden werden und sich somit zeigt, dass es tatsächlich einen Masterplan gibt, der alle Tattoo-Fälle der beiden Staffeln miteinander verbindet. Ich hatte befürchtet, dass die Erklärung viel simpler ausfallen würde und habe mich dementsprechend sehr gefreut falsch zu liegen. Außerdem ist die gewählte Technik (viele kleine Rückblicke) clever, da die Zuschauer auf diese Weise selbst auf die Lösung kommen können, anstelle sie von einem Charakter erklärt zu bekommen.

Fazit

"Mom" ist eine der spannendsten und actiongeladensten "Blindspot"-Folgen bisher. Eine große Stärke liegt in den Dingen, die in dieser Form noch nicht oder schon länger nicht mehr passiert sind. Dazu zählen Pellington in Action, die direkte Konfrontation von "Sandstorm" und dem FBI, Pattersons digitaler Kampf gegen Shepherd und die Aufklärung, welcher Zweck hinter den Tattoos steckt. Dennoch werden auch nicht die Merkmale vergessen, die "Blindspot" so außergewöhnlich machen: Starke, dennoch verletzliche Charaktere; eine Prise Humor, selbst in den hoffnungslosesten Augenblicken und ein übermächtiger Gegner, der immer noch ein Ass im Ärmel hat.


Die nächste Folge ist auch schon das Staffelfinale. Aber es kann aufgeatmet werden: NBC hat es, passend zur Serie, bis zum (vor)letzten Augenblick spannend gemacht und gestern die 3. Staffel offiziell in Auftrag gegeben. Wir dürfen also gespannt sein, mit welchem Cliffhanger die Staffel endet und ob sich Edgar Reade (Rob Brown) tatsächlich versetzen lässt.
Als Vorgeschmack hier schonmal der Trailer für das Staffelfinale, der den "moment, you've all been waiting for" verspricht. Teilt uns in den Kommentaren gerne mit welcher Moment das für euch ist. 

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English


- The following text contains spoilers -


Roman (3.f.l.) is part of "Sandstorm" again
Photo: David Giesbrecht/NBC
At the end of last week's episode "In Words, Drown I" Roman remembered that it wasn't his terrorist mother Shepherd (Michelle Hurd), who erased his memory, but his sister Jane (Jaimie Alexander). This episode, called "Mom", picks up at exactly that point. Roman attacks Jane with a knife and the siblings start to battle. These fight scenes with equal opponents are the most spectacular. They last longer, are better choreographed and it is uncertain who will win. In this case it's Jane, who tells everyone: "He wasn't going to kill me!" The FBI doubts that and locks Roman away in his old cell. They concentrate on "Sandstorm" member Parker Lewis (Jefferson White) instead, who was captured in last week's episode. He refuses to talk to them, but luckily the team finds out that his girlfriend Devon is pregnant. Parker gives them information about a secret "Sandstorm" warehouse in exchange for a flight for his girlfriend to London ("If your location checks out, she lands in Heathrow. If you're lying to us, she lands in Guantanamo."). "Blindspot" sadly has a lot of coincidences like this (I still wonder how they would have monitored the FBI if Patterson hadn't gone to Borden's house in the mid season finale and become a mole without knowing! If you have a theory, please share in the comments.). In this episode there's also a lot of unanswered questions (How did "Sandstorm" get huge amounts of explosives into several buildings across the country without anyone noticing?) and moves that are only possible because of coincidences. The fact that Roman retrieves almost all of his important memories at the same time, is also questionable. However this episode is in my opinion one of the most exciting this season.

"Don't die." - "You too."

There is more to FBI director Pellington (l.) 
Photo: David Giesbrecht/NBC
This little conversation between Jane and Kurt Weller (Sullivan Stapleton) sums up "Mom" pretty well. They realize that "Sandstorm" built a replica of their FBI office and used it to practice a confrontation there. And again a coincidence: The location is empty, because "Sandstorm" is on its way to the FBI building for exactly that confrontation. But I'm more than willing to look past that, because building a replica is a pretty cool and creative idea. It's
another piece of the puzzle why "Sandstorm" is always one step ahead of the FBI and holding the upper hand in this battle.
It is also exciting, that the team is not fighting together, but they have to survive in small groups in different places. I liked this separation in previous episodes, because the characters have more possibilities to show what they're capable of and the jumps between different locations make the episodes more dynamic. Especially the showdown between FBI director Pellington (Dylan Baker) and Shepherd is thrilling. Until now Pellington was just a minor character, that the script didn't pay much attention to. This episode shows that he has a lot of potential, which was sadly not often used. He's not just a good agent, but also the only one to not show any fear. Even when he's hurt and lies on the floor, he addresses Shepherd with dignity: "Could you pass me my gun? You're under arrest." It's really sad that this was his last appearance. 
Shepherd realizes that she has to stop Patterson
Photo: David Giesbrecht/NBC
The other characters are excelling too. Jane and Weller are fighting their way into the building - Why they don't take the at least one dozen agents, who were at the warehouse with them, remains a secret - and use their "Operation" skills to defuse two bombs. But the true hero of this episode is fan-favorite Patterson (Ashley Johnson). She is the one to foil a big part of Shepherd's plans, event hough she has to sacrifice her beloved computers. The viewers also find out how much power and responsibility Patterson actually has as she is the only one to have digital access to various government organizations, secret services and intelligence agencies. The importance of Patterson manifests itself, when Shepherd calls her "a problem" and orders the "Sandstorm" terrorists to eliminate her. In the second half of this season Patterson was emotionally and pysically unstable, so it's nice to see her focussed and winning again.
All actors are really surpassing themselves at the end of this season, but especially Ashley Johnson and Audrey Esparza ("Tasha Zapata") have a tough part, which they master very well. Patterson and Zapata watch "Sandstorm's" attack on monitors. Therefore the actresses were just standing in front of green computer screens, but they still manage to empathize with their charatcers so well, that it only takes them minimalist facial expressions to show their terror and fear.

The puzzle is almost done

The fear ist reasonable, because even though the FBI team was able to foil a big part of Shepherd's plan, a lot of agents lost their lifes and two buildings were destroyed in explosions. That's one point why "Blindspot" stands out against a lot of other American crime series: The team is not impeccable. Although the agents do their best, they almost never manage to save everyone. That's sad, but it's also realistic and keeps the show tense, because in theory everyone can die anytime (Well okay, Jane, Weller and Patterson are probably save.).
Kurt Weller's team will have to fight many more battles
Photo: David Giesbrecht/NBC
However the most thrilling moment is not a fight scene, a shootout or a showdown, but rather one of the few calm scenes in this episode. Shepherd won Roman over to her side again, at least for now and escaped with him. While the FBI agents pull themselves together, the Secret Service escorts Weller to a secret bunker. When he enters, the pieces of "Sandstorm's" master plan start to fit together in front of his eyes and the viewers get what they've been waiting for since the first episode: The answer to what purpose Jane's tattoos actually have. It is especially fascinating, that there are many flashbacks of previous episodes, which show that all of the tattoo cases in both seasons were actually part of a huge master plan. I worried that the explanation would be much simpler and therefore I was pretty happy to be wrong. Furthermore the technique of showing small flashbacks is clever, because the viewers can discover the resolution themselves, without having a character explain everything.

Conclusion

"Mom" is one of the most thrilling and action-packed "Blindspot" episodes to date. One big strength lies in the moments, that we hadn't seen until now or hadn't seen in a while. Examples are Pellington in action, the direct confrontation between the FBI and "Sandstorm", Patterson digital fight against Shepherd and the resolution which purpose the tattoos have. The episode still has the features, that make "Blindspot" special: Great, but vulnerable characters; a pinch of humor, even in the most hopeless situations and an overpowering enemy, who always has an ace up his sleeve.


The next episode is already the season finale. But keep breathing: NBC just announced (second to) last minute - appropriate for this exciting show - that there will be a third season. So we can be curious about the cliffhanger at the end of the season and if Edgar Reade (Rob Brown) is really going to transfer to Quantico.
As a foretaste here's the promo for the season finale, which promises the "moment, you've all been waiting for". Tell us in the comments what moment that would be for you. 

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Dienstag, 9. Mai 2017

Doctor Strange - Watch.Read.Discuss. [D/E]

The following discussion of the movie "Doctor Strange" is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch

Stephen Strange erlernt mystische Fähigkeiten
Foto: Marvel Studios
Heute stellen wir euch unsere neue Reihe "Watch.Read.Discuss" vor, bei der wir drei Autoren uns mit demselben Medium beschäftigen und danach einige Fragen diskutieren. Im ersten Teil geht es um den 2016 erschienenen Film "Doctor Strange".

Wer ihn noch nicht gesehen hat: Die Handlung dreht sich um den talentierten Neurochirurgen Stephen Strange (Benedict Cumberbatch), der nach einem Autounfall seine Hände nicht mehr einwandfrei bewegen und dementsprechend nicht mehr operieren kann. Er will sich nicht mit seinem Schicksal abfinden und reist nach Kathmandu, wo er sich von einem Orden Heilung verspricht. Die Älteste (Tilda Swinton) lehrt ihm besondere magische Fähigkeiten, mit denen er die Realität verändern kann. Bald benötigen sie ihre vereinten Kräfte, um einen mächtigen Gegner zu besiegen.


Warum und in welchem Zusammenhang habt ihr den Film angesehen?

Katrin: Ich habe ihn im Kino geschaut. Normalerweise bin ich überhaupt kein Fan von Filmen mit Superhelden, aber der Trailer hat mich von der Optik total an "Inception" erinnert und da bin ich neugierig geworden.

Jessi: Ich habe ihn auch das erste Mal im Kino gesehen. Er hat mich wegen der Schauspieler interessiert und außerdem liebe ich "Marvel"-Filme. Dann habe ich ihn noch ein zweites Mal vor der Diskussion gesehen.

Laura: Normalerweise schaue ich mir jeden "Marvel"-Film im Kino an, doch "Doctor Strange" hat mich nicht wirklich angesprochen. Ich habe daher auf den Blu-ray Release gewartet. Schauen wollte ich ihn auf jeden Fall, weil er nun mal Teil des "Marvel"-Universums ist. 

Wie steht ihr zur titelgebenden Hauptfigur Stephen Strange?

Strange definiert sich über seinen beruflichen Erfolg
Foto: Marvel Studios
Jessi: Was mir spontan in den Kopf gekommen ist, als wir über den Film geredet haben, war wie unerträglich ich den Hauptcharakter fand. Ich würde Stephen Strange als arrogant, Ich-bezogen und unhöflich zu seinen Mitmenschen beschreiben. Auch andere Charaktere bemerken häufig, wie arrogant und egoistisch er ist. Beim zweiten Gucken habe ich mir seinen Charakter, vor dem Hintergrund dieser Frage, nochmal angeschaut und versucht positive Seiten an ihm zu finden. Was man ihm lassen muss, Strange gibt nie auf. Nicht wenn kein Arzt ihm helfen kann und auch nicht wenn der Kampf gegen Kaecilius aussichtslos erscheint.

Katrin: Ich mag ihn auch nicht. Ob als erfolgreicher Arzt, geschunden auf der Suche nach dem Sinn im Leben oder als Kämpfer - Strange ist arrogant und blendet andere völlig aus. Dass er damit durchkommt ist schade.

Laura: Er ist schon ziemlich eingebildet. Jemand der immer auf andere herabsieht und sich selbst in den Himmel lobt, ist mir nicht sympathisch. Mir war es die meiste Zeit tatsächlich relativ egal, was mit ihm passiert und das ist auch kein gutes Zeichen. Ich muss aber zugeben, dass er gegen Ende etwas erträglicher wird. Ich warte mal seinen Auftritt in "Thor: Ragnarok" ab. Hoffentlich macht er da nicht wieder eine komplette Kehrtwende.

Was hat euch noch am Film gestört?

Laura: Da gibt es keine spezielle Szene. Mich hat am meisten gestört, dass man alles einfach
hinnehmen muss. Es wird so gut wie nie erklärt, warum bestimmte Dinge passieren oder warum sie möglich sind.

Katrin: Ja, finde ich auch. Es ist nervig, dass es keine wirklichen Regeln für die Magie zu geben scheint. In jeder Szene sind die jeweiligen Kräfte und Fähigkeiten einfach so wie es gerade passt.

Jessi: Genau! Zu der Magie wird nicht viel erklärt. Mich hat auch  gestört, wie durch die Magie (ohne Regeln) alle nützlichen Sachen einfach zur Hand waren. Ein Böser greift an und man hat keine Waffe, mache dir einfach eine mit Magie.

Und jetzt mal die andere Seite: Welche Szene hat euch besonders gefallen?

Jessi: Für mich war der erste Kampf zwischen Kaecilius und Strange die beste Szene. Der Hintergrund mit den Relikten war cool und Kampfszenen haben meistens mehr Action als der Rest. Außerdem mochte ich, dass Strange als Anfänger dem ehemaligen Meister Kaecilius unterlegen war und der Held nicht, wie in anderen Filmen, von Anfang an unschlagbar ist. Wie immer war auch Stan Lees Auftritt sehr cool.

Laura: Als Stephen Dormammu ausspielt, indem er eine unendliche Zeitschlaufe erschafft. Das war mal eine ganz andere Art, einen Gegenspieler zu besiegen. Ich mag es, wenn es nicht nur um Stärke, sondern auch um Verstand geht. Er hat ihn ja quasi dazu gezwungen, den Handel mit ihm einzugehen und das war einfach genial.

Katrin: Als Strange ein Stück Papier mit dem W-Lan Passwort in die Hand gedrückt bekommt und es für eine magische Formel hält. Außerdem sehen die Kämpfe, bei denen sich Gebäude und Oberflächen verformen, spektakulär aus.

Was macht die Gegenspieler in diesem Film interessant?

Kaecilius kämpft gegen  Strange
Foto: Marvel Studios
Laura: Ich finde sie nicht wirklich interessant. Bis auf Kaecilius sind die menschlichen Gegenspieler blass und unscheinbar. Sie erfüllen nur den Zweck, die Unterstützung in den Kampfszenen zu sein. Kaecilius ist da etwas besser ausgearbeitet. Man kann verstehen, was ihn antreibt und er setzt Strange das ein oder andere Mal gut zu. Dafür, dass Dormammu so viel Macht haben soll, kann Strange ihn mit seinem Trick schnell ausspielen. Die Idee des "Endkampfs" ist wie gesagt toll, hat aber gleichzeitig die Spannung nicht nochmal angehoben. Strange kann ja nichts passieren und dadurch wirkt Dormammu in dieser Szene einfach nicht wie eine große Bedrohung.

Jessi: Ich finde die Bösewichte, wie Laura, auch nicht besonders spannend. Kaecilius ist ein typischer Bösewicht (traumatisches Erlebnis, erlernt gute Kraft, möchte mehr Macht und wird böse). Vor allem im Vergleich zu anderen Bösewichten im "Marvel Cinematic Universe", wie Loki oder Magneto, ist Kaecilius eher langweilig. Aufgewertet wurde er für mich nur durch Mads Mikkelsen, den ich als Schauspieler sehr mag. Dormammu wurde so spät vorgestellt und war dann zu schnell besiegt, um ihn richtig ansprechend zu machen. Auch dass es keine Hintergrundgeschichte zu ihm gab, macht ihn für mich uninteressant.

Katrin: Das "Bodenpersonal", also die Abtrünnigen wie Kaecilius, finde ich unspektakulär. Sie sind mir zu einfältig und eindimensional. Dormammu hingegen ist interessant, weil er nicht der typische Bösewicht ist, der irgendwann auf die schiefe Bahn kam. Außerdem folgt der "Kampf" zwischen ihm und Strange nicht demselben Muster wie 90% aller Fantasy-, Action-, Superhelden- und Abenteuerfilme, sondern ist sehr außergewöhnlich - auch dadurch, dass Benedict Cumberbatch sowohl Strange als auch Dormammu darstellt.

Last, but not least: Was versprecht ihr euch von einer Fortsetzung?

Katrin: Dass der magische Umhang eine größere Rolle bekommt!

Laura: Strange wird als nächstes in "Thor: Ragnarok" und bei den "Avengers" auftauchen. Ich halte mich daher mit Erwartungen erst mal zurück, bis ich die nächsten Filme im "Marvel"-Universum gesehen habe. Die hängen ja alle zusammen und können die Handlungen und Charaktere der anderen Filme beeinflussen.

Jessi: Eine Szene mit Strange und Loki in "Thor: Ragnarok", nicht nur weil Benedict Cumberbatch und Tom Hiddleston in einem Film auftauchen.  


Wie hättet ihr geantwortet? Teilt es uns in den Kommentaren mit. 


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English

Stephen Strange masters mystic powers 
Photo: Marvel Studios
Today we'd like to introduce our new segment "Watch.Read.Discuss", in which we three authors  deal with the same media and discuss some questions about it. In this part we talk about the movie "Doctor Strange", which was released in 2016.

For those of you who haven't watched it yet: The plot revolves around the talented neurosurgeon Stephen Strange (Benedict Cumberbatch), who can't operate anymore after his hands are ruined in a car crash. He doesn't want to except his fate and travels to Kathmandu, where he hopes to find curative treatment in an order. The Ancient One (Tilda Swinton) teaches him special magical skills, that can alternate reality. Soon they need all their powers to fight a powerful enemy.


Why and in which context did you watch the movie?

Katrin: I saw it at the movies. Usually I'm not a fan of superhero movies, but the trailer's visual effects reminded me of "Inception" and I became curious.

Jessi: I saw it at the movies too. I was interested, because of the actors and I love "Marvel"-movies. I watched it again before this discussion.

Laura: Usually I watch all "Marvel"-movies at the theatre, but "Doctor Strange" didn't appeal to me at all. So I waited for the Blu-ray release. I still wanted to watch it, because it's part of the "Marvel"-universe.

What do you think about the main character Stephen Strange?

Strange defines himself through his professional success
Photo: Marvel Studios
Jessi: The first thing that came to my mind, when we talked about the movie was how obnoxious the main character is. I would describe Stephen Strange as arrogant, self-centered and impolite towards his fellow human beings. The other characters also mention frequently how arrogant and selfish he is. When I watched the movie for the second time, I looked for some positive sides of his personality. For example he is really determined. Even if no doctor can help him and the fight against Kaecilius seems hopeless.

Katrin: I don't like him either. As successful doctor, maltreated looking for a purpose in his life or as a fighter - Strange is always arrogant and completely ignores others. That he still gets what he wants is a real shame.

Laura: He is really conceited. Someone, who looks down on others and praises himself, is not likeable. Most of the time I didn't care what happened to him and that is not a good sign. But I have to admit, that he gets more bearable towards the end. I hope he won't take a step backwards in "Thor: Ragnarok".

Was there anything else that annoyed you?

Laura: Not a specific scene, but it bothered me that you just had to except everything. Most of the times it was not explained why certain things happened and how they were possible.

Katrin: Same here. It is annyoing that there seem to be no rules for the magic at all. In every scene the powers and abilities are just the way you need them to be.

Jessi: Exactly! The magic is not explained. It also bothered me that through magic (without rules) all neccessary things were always at their fingertips. A bad guy attacks and you don't have a weapon, so you just make one with magic.

And now the other perspective: What scene did you especially like?

Jessi: For me it was the first fight between Kaecilius and Strange. The background involving the relicts was cool and the fights scenes usually have more action than the rest. I also liked that newbie Strange was inferior to the former master Kaecilius, because in a lot of movies the hero is invincible from the first moment on. And like always Stan Lee's cameo was cool.

Laura: When Stephen beats Dormammu by creating an infinite time loop. That was a different way of defeating an enemy. I like that it was not just about strength, but also about wits. He basically forced him into the deal and that was genius.

Katrin: When Strange is handed a piece of paper with the wifi password and he thinks it's a magical formula. And the fights, where buildings and surfaces deform, look spectacular.

What makes the antagonists interesting?

Kaecilius fights Strange
Photo: Marvel Studios
Laura: I don't think they are really intersting. Except Kaecilius all the human opponents are blank
and unremarkable. Their only purpose is to be a support in the fights. Kaecilius is a bit more elaborate. You understand his motivation and he gets Strange quite a few times. While Dormammu, eventhough he is supposed to be powerful, is quickly defeated by Strange's trick. Like I said the showdown is pretty cool, but it wasn't that suspenseful. Strange can't be hurt and therefore Dormammu doesn't seem like a big threat in this scene.

Jessi: Like Laura I didn't like the opponents that much. Kaecilius is your average bad guy (traumatic experience, learned good magic, wants more power and becomes evil). In comparison to other antagonists in the "Marvel Cinematic Universe", like Loki or Magneto, Kaecilius is pretty boring. But he is valorized by Mads Mikkelsen, who I like as an actor. Dormammu was introduced too late and defeated too fast to be interesting. Also the fact, that there is no backstory to him, makes him unappealing to me.

Katrin: The "ground staff", so the renegades like Kaecilius, are unspectacular. They are pretty simple and one-dimensional. Dormammu is more interesting, because he's not a typical antagonist, who became bad somehere along the way. Besides the "fight" between him and Strange is extraordinary and doesn't follow the same pattern as 90% of the fantasy-, action-, superhero- and adventure-movies. It is also funny, because Benedict Cumberbatch portrays both - Strange and Dormammu.

Last, but not least: What do you expect from the sequel?

Katrin: That the magical cape has a more important part!

Laura: Strange will appear in "Thor: Ragnarok" and "Avengers: Infinity War". Therefore I withhold my expectations until I've seen the next movies in the "Marvel"-universe. They are all connected and influence the plots and characters from the other movies.

Jessi: A scene with Strange and Loki in "Thor: Ragnarok", not just because  Benedict Cumberbatch and Tom Hiddleston are in the same movie.


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Sonntag, 7. Mai 2017

Polizeiruf 110: Nachtdienst - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei. 


Die 80-jährige Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz) steigt nachts im Bademantel vor dem Polizeipräsidium aus einem Taxi. Sie will einen Mord melden. Doch in ihrer Aussage verschwimmen die Fakten immer wieder. Während die diensthabenden Polizisten schnell mit den Nerven am Ende sind, hört sich der Münchener Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) die Geschichte in Seelenruhe an und fährt die Dame nach Hause. Das ist seit einiger Zeit das Altenheim "Johannishof". Hier soll laut Strauß auch der Mord geschehen sein. Die Pfleger klären von Meuffels jedoch schnell auf: Ein anderer Bewohner ist einige Stunden zuvor dort gestürzt und an einer Kopfverletzung gestorben. Die demente Frau Strauß hat die Geschichte vom Mord dazu phantasiert.
Doch von Meuffels ist neugierig und beginnt im Pflegeheim zu ermitteln.

Ermitteln gegen die Leere?

Hat die demente Frau Strauß einen Mord beobachtet?
Foto: BR/die film gmbh /Hendrik Heiden
Eigentlich hat er schon Feierabend und es gibt nicht einmal Anzeichen für ein Gewaltverbrechen, dennoch lässt von Meuffels nicht locker. Er stromert die ganze Nacht durch das Altenheim - befragt hier jemanden, läuft da in ein Zimmer... Es hat fast den Anschein als wolle er nicht nach Hause. Das könnte auch erklären weshalb er auf dem Gang plötzlich sich selbst begegnet - in einer ungewaschenen, ausgezehrten, älteren Version. Solche Szenen kennt man eigentlich nur von seinem Kollegen Murot aus dem Wiesbadener "Tatort". Dass Schauspieler Matthias Brandt angekündigt hat den "Polizeiruf" zu verlassen, passt in dieses Szenario und wird mehr als einmal angedeutet (Frau Strauß: "Warum machen Sie das eigentlich alles? (...) Sich tagtäglich mit diesen schrecklichen Verbrechern umgeben. Ich will Ihnen ja nicht zu Nahe treten, aber ein Mann mit Ihrem Aussehen, Ihrer Bildung, dem steht doch die Welt offen - New York, Rio, Tokio..."; Von Meuffels: "Ich hatte damals einfach das Gefühl, dass es das Richtige ist.")

Bewohner Claus Grübner und Pflegerin Marija
Foto: BR/die film gmbh /Hendrik Heiden
Ich war nie ein großer Fan des Münchener "Polizeirufs", aber nach dieser grandiosen Folge bedauere ich die Absetzung. Denn im Drehbuch gibt es vor allem eins: Realität. Während die bei einigen Sonntagskrimis in den letzten Wochen eher auf der Strecke blieb, sind die ersten 80 Minuten von "Nachtdienst" so lebensnah, dass es fast wehtut. So begegnen dem Hauptkommissar auf seinem nächtlichen Streifzug durch das Altenheim allerhand traurige Gestalten. Neben der dementen Elisabeth Strauß auch andere Bewohner, wie Claus Grübner (Ernst Jacobi), der früher beim SEK war und nun alles daran setzt die Notstände im Heim an die Öffentlichkeit zu bringen. Oder Marija Abramovich (Marina Galic), eine überarbeitete Pflegerin, die ihren kleinen Sohn Janni (Mika Ullritz) mit zur Arbeit bringt, damit er nicht alleine zu Hause ist. Während von Meuffels die Pfleger zuerst noch auf Schwierigkeiten aufmerksam macht, realisiert er bald, dass drei Leute in der Nachtschicht viel zu wenig sind, um eine angemessene Betreuung zu gewährleisten. Die Tristesse und Verzweiflung spiegelt sich dabei nicht nur in den Mienen der ausnahmslos glaubwürdig spielenden Darsteller, sondern auch im Setdesign. Graue Wände, kleine Räume, die dunkle Nacht hinter den Fenstern - das Ambiente des Altenheims schlägt schnell aufs Gemüt, besonders weil kaum Ortswechsel stattfinden. Das ist ein großer Pluspunkt, denn so lernt man nicht nur die Bewohner und die Situation vor Ort kennen, sondern merkt am eigenen Leib wie die grauen Wände immer trister und trister werden. Den einzigen Farbtupfer bilden die Schilder mit Obst und Gemüse, die anstelle von Nummern die Zimmer der Bewohner unterscheiden ("Kennst du den Herrn Urban aus der Gurke?").

Uns gibt es auch noch!

Hannah (Therese Hämer, l.) lernt ihre Mutter neu kennen
Foto: BR/die film gmbh /Hendrik Heiden
Die üblichen Krimi-Fragen ("Wo waren sie gegen 20 Uhr?") werden spärlich gestellt, es gibt keine Verfolgungsjagden, keine Ausflüge in die Rechtsmedizin oder das Computerlabor, keine Durchsuchungen und auch sonst nur wenig traditionelle Ermittlungsarbeit. Für diese Thematik ist das ein Glücksfall. Die Zustände in Altenheimen und der Umgang mit älteren Menschen werden nicht in jedem dritten Krimi angesprochen. Es ist so, wie es Bewohner Claus Grübner gegenüber von Meuffels bemängelt: Alte Leute werden von der Gesellschaft weitestgehend vergessen. Umso interessanter ist, dass "Nachtdienst" das Thema aufgreift und kein schickes Altbauvilla-Heim am helllichten Tag präsentiert, wo aufgeweckte Mitt-Siebziger mit geduldigen Pflegern in einem großen Garten Tee trinken. Neben Personalmangel und dem Stress, dem die Mitarbeiter ausgesetzt sind, beeindruckt besonders die Charakterisierung der Bewohner. Der noch völlig geistig gesunde Grübner, der im Heim langsam verzweifelt; Strauß, bei der die Demenz Vergangenheit und Gegenwart vermischt, die aber immer wieder Momente der absoluten Klarheit hat und letztendlich die Bewohner, die allein in ihren Betten liegend vor sich hin sterben. Diese Bilder haben mich deutlich mehr berührt als jede Mordszene bisher.
Besonders die letzten Minuten sind aufwühlend. Da die Folge mit einer der Schlussszenen beginnt und die Ermittlungen als Rückblick zeigt, kommt das Ende nicht überraschend. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es in dieser Form nötig gewesen wäre. "Nachtschicht" ist ein sehr guter Krimi, weil er lebensnah ist und berührt. Der brutale Showdown, der deutlich weniger realistisch ist als der Rest der Folge, mindert diesen Effekt . 

Fazit

"Nachtdienst" ist ein ruhiger Krimi, der mehr ans Herz als an die Nerven geht. Er punktet besonders durch die exzellenten Darsteller und die wenig beachtete Thematik, die realitätsnah und ungeschönt dargestellt wird. Da der einzige Ermittler angenehm im Hintergrund bleibt, hat das Drehbuch Zeit, die einzelnen Charaktere im Altersheim in Ruhe vorzustellen. Dadurch werden sie und ihr Schicksal für den Zuschauer greifbarer. Es ist toll, dass eine Fernsehreihe, der jede Woche Millionen von Zuschauern folgen, wichtige Themen so unverblümt darstellt. Es bleibt zu hoffen, dass Filme wie dieser nicht nur dafür sorgen, dass am Montag plötzlich alle Eltern und Großeltern im Altenheim besucht werden, sondern langfristig nachwirken und etwas verändern. 


In der nächsten Woche gibt es wieder einen "Polizeiruf 110". Dabei muss das deutsch-polnische Team Olga Lenski und Adam Raczek den Mord an einem Kleinunternehmer aufklären.
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