Sonntag, 4. März 2018

Tatort: Waldlust - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Die Sekretärin der Ludwigshafener Mordkommission Edith Keller (Annalena Schmidt) meint, dass ihr Team ein professionelles Coaching vertragen könnte. Sie bucht Zimmer im weit abgelegenen Hotel Lorenzhof und engagiert den Teambuilding-Trainer Simon Fröhlich (Peter Trabner, Rechtsmediziner im Dresdner "Tatort"). Im Laufe eines Wochenendes soll er die Kommunikation zwischen Keller, Rechtsmediziner Peter Becker (Peter Espeloer) sowie den Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) verbessern. Bei ihrer Ankunft wundern sich die Ermittler über das seltsame Verhalten der Hotelbesitzer. Bert "Humpe" Lorenz (Heiko Pinkowski) will die Polizisten so schnell es geht los werden. Seine sprunghafte Nichte Dorothee (Eva Bay) zeigt selbstzerstörerische Tendenzen. Während des Abendessens findet Fröhlich einen menschlichen Zehenknochen im vegetarischen Gemüseragout. Der kriminalistische Spürsinn der vier Ermittler ist geweckt. Bei einer Onlinerecherche stößt Stern auf die blutige Geschichte des Lorenzhofes. 1991 hatte Bert Lorenz dort seine Schwägerin getötet. Sein Bruder ist seit diesem Tag verschwunden. Nach einer 15-jährigen Haftstrafe kehrte "Humpe" zurück und übernahm das Hotel zusammen mit seiner verwaisten Nichte. Nach einer Reihe unheimlicher Geschehnisse sind sich die Kommissarinnen sicher: Jemand will verhindern, dass der alte Mordfall neu aufgerollt wird.


Konfuses Krimidinner mit Beigeschmack 

"Lena-Odenthal-Tatort" - Teamarbeit?
Foto: SWR
Im Februar 2017 wurde "Babbeldasch", der erste Improvisations-"Tatort", gesendet. Die Kritiken waren vernichtend - sowohl von Rezensenten als auch vom Publikum. Bei uns ist er ebenfalls unter den Top 6 der schlechtesten Sonntagskrimis im letzten Jahr gelandet (hier geht es zu unserem Rückblick der 2016/2017-Saison). Zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung war der Nachfolger "Waldlust" bereits abgedreht - wieder nur nach einem groben Ablaufplan, während alle Dialoge von den Schauspielern spontan improvisiert wurden. Die gute Nachricht zuerst: Der zweite Versuch ist signifikant besser als der erste. Im Vergleich zu den brillanten Fällen der letzten Wochen, "Déjà-vu" und "Tollwut" beispielsweise, wirkt "Waldlust" trotzdem nur wie ein billiges Krimidinner. Kein Wunder also, dass Lena Odenthal den Zehenknochen im Abendessen für den Einstieg in ein Krimi-Rollenspiel hält. In der ersten Hälfte ist das besonders deutlich zu merken. Die Schauspieler haben sichtlich Probleme damit, ein Gespräch interessant und relevant zu halten. Viele Dialoge drehen sich im Kreis, weil jeder nur das bestätigt, was die Person davor gesagt hat. Außerdem vergessen die Darsteller Rollennamen und können sich das Kichern zum Teil nicht verkneifen. Professionell ist das nicht, dafür ziemlich amüsant. Ich habe mich besser unterhalten gefühlt und deutlich häufiger gelacht, als beim Weimarer "Tatort: Der kalte Fritte" vor drei Wochen. Dazu kommt der Enthusiasmus der Hauptdarsteller. Ulrike Folkerts, Peter Espeloer und Lisa Bitter wirken gelöst und haben sichtlich Spaß an dem ungewöhnlichen Dreh. Letztere scheint nicht einmal zu schauspielern, sondern schlicht realistisch auf die Ereignisse zu reagieren. In der zweiten Hälfte des Krimis läuft das Improvisieren dann deutlich flüssiger und die Dialoge sind zielführender. 
Stern (l.) hat Alkohol für sich & die Kollegen geklaut 
Foto: SWR/Martin Furch
Von der Handlung kann das nicht gesagt werden. Sie ist völlig haltlos und konstruiert. Das zeigt sich am besten beim eigentlichen Kern der Geschichte (Odenthal: "Ich weiß nicht, was dieses Coaching bringen soll, muss ich mal ganz ehrlich thematisieren. (...) Warum sind wir hier?"). Es wird so oft hinterfragt, warum die vier Ermittler zum Lorenzhof gefahren sind, dass die Schauspieler wohl selbst verzweifelt nach einer logischen Erklärung gesucht haben. Im Seminar beschwert sich Frau Keller zwar leidenschaftlich über die Probleme im Team, von denen bekommt der Zuschauer aber nichts zu sehen. Die vier lachen und singen gemeinsam, teilen sich auf Sterns Hotelzimmer eine Flasche geklauten Schnaps und halten bei den Ermittlungen zusammen. Von fehlender Kommunikation oder Konflikten ist nichts zu spüren. Außerdem ist die Zusammensetzung realitätsfern: Zwei Ermittlerinnen, ihre Sekretärin und ein Rechtsmediziner sind innerhalb einer Mordkommission nicht wirklich ein geschlossenes Team. Es bleibt zudem ein ungelöstes Rätsel, wieso Frau Keller sich nicht gewundert hat, dass zwei fremde Menschen getrennt voneinander bei ihr anrufen: Der eine bietet ihrem Team ein Coaching an, der andere Hotelzimmer. Zudem ist der Mordfall sehr konstruiert. Spätestens, als Becker unter seiner Tür eine Schatzkarte findet und nachts oben ohne im Keller des Hotels buddelt, ist es mit der Seriosität definitiv vorbei. Den Ermittlern fallen alle Hinweise vor die Füße und es ist früh absehbar, wer hinter den unheimlichen Vorkommnissen steckt. Regisseur Axel Ranisch, der bereits "Babbeldasch" inszeniert hat, erzählte der BILD-Zeitung: "Die Schauspieler wussten nicht, wer der oder die Mörder sind. Eine Schauspielerin kam allerdings nach der Hälfte der Drehtage darauf wer der Mörder ist." Ich denke, dass die meisten Zuschauer schon vor 21 Uhr ahnen werden, was 1991 und 2018 im Lorenzhof geschehen ist.


Vom Zickenkrieg zur dicken Freundschaft

Vielleicht hält Tai Chi den freilaufenden Mörder fern
Foto: SWR/Martin Furch
Noch vor wenigen Folgen hätte das Team aus Ludwigshafen ein Coaching gut gebrauchen können. Lena Odenthal und Johanna Stern waren auf Krawall gebürstet, ihr Kollege Mario Kopper hielt sich nicht nur aus den Streitigkeiten, sondern auch aus den Ermittlungen heraus. In der letzten Folge "Kopper" ist er ausgestiegen, was überhaupt nicht auffällt. Ich habe sein Fehlen erst registriert, als während des Seminars die unbesetzte Stelle angesprochen wurde. Lena und Johanna harmonieren inzwischen so perfekt, dass der italienischstämmige Polizist wirklich nicht mehr in die Geschichte gepasst hätte. Das kleine Highlight von "Waldlust" ist jedoch Rechtsmediziner Becker. Seine knappen Oneliner sind klasse. Als vor ihm eine Leiche mit Brotmesser im Rücken liegt, bemerkt er trocken: "Mit dem Messer habe ich heut' Morgen noch a Brötchen aufgeschnitte'." Sekretärin Keller schafft es hingegen nicht, sich dem Tempo des Falls anzupassen - weder in den lustigen, noch den spannenden Szenen. Sie wirkt deplatziert und reagiert unglaubwürdig. In einer Sequenz macht sie draußen Tai Chi (Ist ja nicht so, als würde ein Mörder frei herumlaufen...), als Seminarleiter Fröhlich hinter ihr nackt in den Schnee springt und sich darin herumwälzt. Das ist an sich schon sehr seltsam und ziellos, aber ihre Antwort ist fast noch schräger. Anstelle ihn zu fragen, ob es ihm gut geht oder was das soll, verkündet sie: "Diese frisch verschneite Landschaft, gell, die lässt die Stille der Dinge erklingen." Die Episodencharaktere sind noch eine Spur verrückter. Bert und Doro Lorenz handeln überhaupt nicht rational, wodurch es unmöglich ist, sich in sie hineinzuversetzen. Viele Mysterien, die die beiden umgeben, werden nicht aufgeklärt. Ihr einziger Gast, mit Ausnahme der vier Ermittler, ist Lilo Viadot (Ruth Bickelhaupt, Großmutter des Regisseurs), die kaum etwas sagt und auch sonst keine wirkliche Rolle in der Geschichte einnimmt. Alle drei wirken nicht wie reale Menschen, sondern wie aus der Zeit gefallene Spukfiguren in einem Horrorfilm. Passend zu diesem Szenario: der Straßen blockierende Schnee, die durchtrennten Telefonleitungen und die ums Haus schleichenden Gestalten. Im Gegensatz zum Frankfurter "Tatort: Fürchte dich" ist "Waldlust" jedoch nicht wirklich gruselig - mit Ausnahme eines Jump Scares. Nur der Schnitt (Susanne Heller) ist wirklich unheimlich: Gegenstände werden plötzlich von einer anderen Person gehalten, Charaktere stehen innerhalb eines Wimpernschlags an der gegenüberliegenden Seite des Raums...

Fazit

"Waldlust" ist eine deutliche Verbesserung zum ersten Improvisations-Krimi "Babbeldasch". Dennoch rangiert dieser "Tatort" im unteren Mittelfeld. Das liegt hauptsächlich an der kruden Handlung, die sich nicht wirklich auf ein Genre festlegen kann und auf lauter Ungereimtheiten fußt. Die Episodencharaktere sind zu undurchschaubar und schräg, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen oder ihre Motivation nachvollziehen zu können. Das gilt ebenfalls für den Mörder, der zwar vorhersehbar ist, dessen Geschichte jedoch nur spärlich beleuchtet wird. Trotz der vielen Schwächen ist "Waldlust" dennoch unterhaltsam. Die Spielfreude der Hauptdarsteller ist ansteckend und die teils sehr schrägen Dialoge sind witzig - wenn auch ungewollt. Der Weggang von Kopper entpuppt sich als Vorteil, da die beiden Kommissarinnen ein wirklich gutes Team ergeben. Trotzdem reichen vorerst zwei Improvisations-Krimis.


In der nächsten Woche geht das Bremer Ermittlerteam auf Verbrecherjagd. In "Im toten Winkel" sehen sich die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) mit der harten Realität des deutschen Pflegesystems konfrontiert. Sie müssen herausfinden, inwieweit ein Rentner schuldfähig ist, der seine demenzkranke Frau getötet hat.

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Samstag, 3. März 2018

Blindspot: Staffel 3, Folge 13 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Warning Shot" (S03E13) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

In der zweiten Staffel war NSA-Agentin Nas Kamal (Archie Panjabi) ein festes Mitglied des FBI-Teams. Nach einer verpatzten Mission nahm sie die alleinige Schuld auf sich, um es ihren Kollegen zu ermöglichen, weiter gegen "Sandstorm" zu ermitteln. Plötzlich steht sie wieder bei Jane Doe (Jaimie Alexander) und Kurt Weller (Sullivan Stapleton) vor der Tür. Seit ihrem Rausschmiss arbeitet Nas heimlich für die CIA und hat erfahren, dass der NSA eine gefährliche Technologie gestohlen wurde. Eines von Janes Tattoos weist auf ebenjenes gestohlene Artefakt. Patterson (Ashley Johnson, Spooked) und Rich Dotcom (Ennis Esmer) finden heraus, wer es entwendet hat. Sie sind jedoch zu spät. Die potenzielle Waffe wurde bereits im Internet versteigert. Währenddessen versucht Blake Crawford (Tori Anderson), einen Erzfeind ihres Vaters zu einem Geschäft zu überreden.


Meine Meinung in drei Punkten

1. Der wirklich langweilige Fall

Nas (2.v.l.) ist leider nur in dieser einen Folge dabei
Foto: NBC
In den letzten Wochen musste das FBI-Team meistens die Detonation einer Bombe verhindern. In "Warning Shot" geht es im Vergleich relativ gemütlich zu. Die Ermittler jagen zwar einem gefährlichen Artefakt hinterher, doch sie müssen keinen kurz bevorstehenden Anschlag stoppen. Das ist zwar eine Abwechslung, aber auch relativ langweilig. Die meiste Arbeit erledigen Rich und Patterson in Sekundenschnelle am Computer - wobei die "Blindspot"-Macher sie mal wieder als unfehlbare Götter auf ihrem Gebiet darstellen (Reade: "Any idea what her [die Diebin der NSA-Technologie; Anm. d. Red.] real identity is?" Patterson: "Well, she's done some serious scrubbing to bury that. I mean, she's... good." Rich: "But she's no you." Patterson: "She's no me."). Die restlichen Ermittlungen konzentrieren sich dann auf einen Undercover-Einsatz bei einer Hacker-Party. Zum wiederholten Mal müssen FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown), Tasha Zapata (Audrey Esparza) und Patterson im Büro bleiben - obwohl Letztgenannte Hackerin ist - während Jane und Weller die Welt retten. Immerhin spielt die Beziehung der beiden in dieser Folge keine Rolle, was nach dem melodramatischen Liebes-Wirrwarr der letzten Wochen eine willkommene Abwechslung ist. Der Fall ist dennoch extrem langatmig und weit hergeholt, was vor allem an der Antagonistin liegt. Eine bekannte Hackerin (Molly Bernard) hat sich unter dem Pseudonym Betty Dupree bei der NSA eingeschlichen und die Waffe gestohlen. Zu Beginn der Episode sieht der Zuschauer, wie unglaublich clever und konzentriert sie das angestellt hat. Von dieser Selbstsicherheit und Intelligenz ist im weiteren Verlauf nichts mehr zu sehen. Sie wirkt total zerstreut, fast dümmlich und taucht bei der Party in einem Outfit auf, das aussieht, als wolle sie sich für eine Rolle in der "Rocky Horror Show" bewerben. Wie eine ernst zu nehmende Gefahr wirkt sie beim besten Willen nicht. Ihr cartoonhaftes Aussehen und Benehmen erinnern an Kathy Gustafson, die überzeichnete, unglaubwürdige Gegenspielerin in der dritten Folge dieser Staffel. 

2. Neuer Nachschub an Konflikten

"Blindspot" scheint die Devise zu vertreten, dass jeder Charakter mindestens ein schwerwiegendes Trauma oder Problem haben muss. In "Warning Shot" werden gleich mehrere Leichen aus dem Keller geholt. Zapata erfährt, dass Reades Freundin Megan Butani (Reshma Shetty) illegal in den Vereinigten Staaten ist und das Land daher nicht verlassen kann. Ich finde es gut, dass die Serie Position bezieht und klare Worte gegen die US-amerikanische Politik findet (Meg: "I've gone to College. I've paid taxes. I've worked at two high-profile newspapers without being discovered. But everything that I do, it's a roll of the dice." Zapata: "That's a horrible way to live." Meg: "But not as bad as the idea of being shipped off to a place that I barely remember. This is my home."). Es erklärt auch, wieso sich Meg so leidenschaftlich für Flüchtlinge engagiert. Allerdings ist es auch ein weiteres Drama, das sich wohl durch den Rest der Staffel ziehen wird - vor allem nachdem Reade am Ende der Folge um die Hand seiner Freundin angehalten hat. Es gibt schon mehr als genug von diesen Konflikten. Ein weiterer bahnt sich bei Zapata an. Zum einen muss sie die Verlobung ihres Schwarms verkraften, zum anderen ist sie in ein geheimes CIA-Projekt involviert, das sie, Nas zufolge, bei ihren FBI-Kollegen extrem unbeliebt machen wird. 


3. Blake ist nicht so naiv wie sie scheint

Blake behält beim Pokerspiel immer die Oberhand
Foto: NBC
Bislang war sie vor allem Romans (Luke Mitchell) Mittel zum Zweck, um ihrem Vater, dem omnipräsenten Bösewicht Hank Crawford (David Morse), nahe zu kommen. In dieser Folge nimmt sie erstmals eine größere Rolle ein als ihr Freund und zeigt, dass sie mehr ist, als eine hübsche, reiche Tochter. Blake handelt im Auftrag ihres Vaters und beherrscht es augenscheinlich, Menschen zu manipulieren - auch wenn sie dabei dem Klischee der schönen, sexy Verführerin aus einem Macho-Agentenfilm entspricht. Es wirft die wirklich interessante Frage auf, inwieweit sie über die Machenschaften ihrer Familie Bescheid weiß und zu welchem Grad sie darin verwickelt ist. Es wäre wirklich eine clevere Wendung, wenn Romans Endziel nicht Hank, sondern Blake wäre. Mit "Sandstorm"-Terroristin Shepherd und der durchtriebenen ehemaligen FBI-Direktorin Hirst hatte "Blindspot" immerhin schon zwei starke, weibliche Antagonisten. Es wäre ein noch besserer Twist, wenn Roman nicht das ultimative Mastermind wäre, sondern unwissentlich einem Plan der Crawford-Familie folgt - Blake spielt mit ihm, nicht anders herum.

Fazit

"Warning Shot" ist eine durchschnittliche Folge, die im Hinblick auf die episodenübergreifende Geschichte auf der Stelle tritt. Der Fall ist langatmig, unstimmig und wirkt durch die unglaubwürdige Antagonistin wie eine Parodie. Dabei wäre genug Zeit für eine solide Handlung, da angenehmerweise viele persönliche Konflikte nur kurz angesprochen werden und keine zentralen Rollen spielen. Allerdings kommen auf der anderen Seite gleich drei neue dramatische Themen dazu, die in den nächsten Wochen sicher noch breitgetreten werden. Zumindest eines davon ist jedoch vielversprechend. Hoffentlich wird diese Chance genutzt, um der ganzen Geschichte einen neuen Dreh zu geben. 


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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

Nas Kamal (Archie Panjabi) was a permanent member of the FBI team during the second season. After a messed up mission she took all the blame, allowing her colleagues to continue their "Sandstorm" investigation. Suddenly she shows up at Jane Doe's (Jaimie Alexander) and Kurt Weller's (Sullivan Stapleton) doorstep. After being fired she secretly started working for the CIA and found out that a dangerous technology was stolen from the NSA. One of Jane's tattoos points to the missing artifact. Patterson (Ashley Johnson, Spooked) and Rich Dotcom (Ennis Esmer) figure out who took it, but they're too late. The potential weapon has already been sold in an online auction. Meanwhile Blake Crawford (Tori Anderson) tries to win over an old rival of her father for a business deal.


My opinion in three points

1. The genuinely boring case of the week

Sadly Nas (2.f.l.) is only back for one episode
Photo: NBC
During the last few weeks the FBI usually had to prevent a bomb explosion. In comparison "Warning Shot" is pretty chill. The agents are hunting down a dangerous artifact, but they don't have to stop an imminent attack. That's a change, but pretty boring. Most of the work is done by Rich and Patterson within a few seconds - with the "Blindspot" creators once again illustrating them as impeccable Gods in their field (Reade: "Any idea what her [the thief of the NSA technology; editor's note] real identity is?" Patterson: "Well, she's done some serious scrubbing to bury that. I mean, she's... good." Rich: "But she's no you." Patterson: "She's no me."). The remaining investigation is focused on an undercover mission during a hacker party. FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown), Tasha Zapata (Audrey Esparza) and Patterson have to stay at the office once again - despite the latter being a hacker - while Jane and Weller save the world. At least their relationship isn't addressed, that's a nice change after all that melodramatic love muddle during the last weeks. Yet the case is very lengthy and far-fetched, mainly because of the antagonist. A famous hacker (Molly Bernard) has infiltrated the NSA by using the pseudonym Betty Dupree and stolen the weapon. At the beginning of the episode the viewer witnesses how she did it - incredibly clever and focused. Later there is nothing left of this self-confidence and intelligence. She seems totally absentminded, almost foolish and shows up at the party wearing an outfit which looks like she wants to audition for the "Rocky Horror Show". She definetly doesn't feel like a serious threat. Her cartoonish appearance and behavior reminds me of Kathy Gustafson, the exaggerated, implausible opponent who appeared in this season's third episode.

2. A new supply of conflicts

It seems to be "Blindspot's" motto that every character needs at least one serious trauma or problem. "Warning Shot" takes quite a few skeletons out of the closet. Zapata learns that Reade's girlfriend Megan Butani (Reshma Shetty) is illegally in the United States and therefore can't leave the country. I really like the series taking up position and having a strong opinion on US-American politics (Meg: "I've gone to College. I've paid taxes. I've worked at two high-profile newspapers without being discovered. But everything that I do, it's a roll of the dice." Zapata: "That's a horrible way to live." Meg: "But not as bad as the idea of being shipped off to a place that I barely remember. This is my home."). It also explains why Meg is so passionate about helping refugees. Nevertheless it's another drama, which will be dragged through the rest of the season - especially after Reade proposed to his girlfriend in the end of this episode. There are already more than enough conflicts like that. Another one is in the making: For one thing Zapata has to bear her crush's engagement to someone else, for another thing she's involved in a secret CIA project which will make her extremely unpopular amongst her FBI colleagues, according to Nas.

3. Blake is not as naive as she seems

Blake holds the upper hand during the poker game
Photo: NBC
So far she was mostly Roman's (Luke Mitchell) means to get close to her father, the ubiquitous bad guy Hank Crawford (David Morse). In this episode she has a larger role than her boyfriend for once and proves she's more than a pretty, rich daughter. Blake is acting on behalf of her father and evidently knows how to manipulate people - even though she matches the cliché of a beautiful, sexy temptress from a macho spy movie. It raises the interesting question how much she knows about her family's scheming and to what extent she's involved in it. It would be a clever twist if Roman's final goal wouldn't be Hank, but rather Blake. "Blindspot" already had two strong, female antagonists with "Sandstorm" terrorist Shepherd and the former FBI Director Hirst. It would be an even better turn if Roman wasn't the ultimate mastermind and instead unknowingly follows a plan by the Crawford family - Blake actually playing him, not the other way around.
 

Conclusion

"Warning Shot" is a mediocre episode, not making any progress in terms of the overlapping story arc. The case of the week is lengthy, inconsistent and feels like a parody due to the weird antagonist. There would have been enough time for a solid storyline, because fortunately most personal conflicts are just briefly mentioned and don't play a pivotal role. At the same time three new dramatic topics are added which will probably be flogged to death within the next few weeks. At least one of them is promising. Hopefully this opportunity will be used to give the entire story a new spin.


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Mittwoch, 28. Februar 2018

Das gestohlene Juwel (Catherine Coulter & J.T. Ellison) - Rezension

Temperaturen unter null Grad, Eis, Schnee... Was gibt es da Schöneres, als sich mit einem Buch und einer warmen Decke auf dem Sofa zu verkriechen? Meine Lesestoff-Wahl fiel diesmal auf "Das gestohlene Juwel", den Auftakt der "A Brit in the FBI"-Reihe von Catherine Coulter und J.T. Ellison. Der Thriller des Autorinnen-Duos ist in den Vereinigten Staaten bereits 2013 erschienen. In Deutschland folgte die Veröffentlichung erst fünf Jahre später - Mitte Februar 2018 bei Edition M. In der E-Book-Version ist der Roman 559 Seiten lang.

In New York City wird die Leiche von Elaine York im Hudson River gefunden. Die Scotland Yard-Polizistin gehörte einem Team an, das den Transport der britischen Kronjuwelen ins New Yorker Metropolitan Museum of Art organisiert hat. Die unbezahlbaren Kostbarkeiten sollen dort in einer einmaligen Sonderausstellung gezeigt werden. Elaines Ex-Freund und Scotland Yard-Kollege Nicholas Drummond macht sich auf den Weg nach New York, um die Ermittlungen des FBI zu unterstützen. Noch im Flugzeug erfährt er, dass der 108-karätige Koh-i-Noor-Diamant, der die Krone der Königinmutter schmückte, gestohlen wurde. Im Gegensatz zu seinen neuen Kollegen, glaubt Nicholas nicht, dass Elaine in den Raub verwickelt war. Er hält den ominösen international agierenden Kunstdieb "Fuchs" für den Täter. Gemeinsam mit FBI-Agentin Michaela "Mike" Caine und ihrem Team stürzt sich Nicholas in einen brisanten und lebensgefährlichen Fall, der sie durch halb Europa führt.


Spannender Thriller mit seltsamem Motiv

Cover ist kitschig, Buch nicht
Foto: Edition M
Eins direkt vorweg: Von all den Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, ist "Das gestohlene Juwel" definitiv eines der besten. Das liegt vor allem an der ungewöhnlichen Geschichte. Viele Krimis folgen einem strikten Muster: Es geschieht ein grausamer Mord unter abstrusen Umständen, der von Kommissaren aufgeklärt werden muss, die durch schwere Schicksalsschläge in ihrer Vergangenheit gezeichnet sind. Coulter und Ellison wählen jedoch einen ganz anderen Weg. Elaine Yorks Tod spielt nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen steht der Juwelenraub im Fokus der Ermittlungen. Diebstähle bilden selten den Kern von Krimis, da sie im Gegensatz zu Mord, Entführung und Vergewaltigung deutlich weniger emotional und spannend sind. Die Autorinnen bringen es jedoch fertig, die Handlung um den verschwundenen Diamanten aufregend und vielseitig zu erzählen. Es gibt viele verschiedene Sichtweisen, Rückblicke und Schauplätze, die im Laufe der Handlung langsam miteinander verknüpft werden, bis sich letztendlich ein klares Bild ergibt. Am Ende werden alle zentralen Fragen beantwortetet und es gibt kaum Unstimmigkeiten - ein wirklich großer Pluspunkt bei einem Krimi! Coulter und Ellison legen angenehmerweise auch keinen Wert darauf, zu schocken. Sie beschreiben nicht jede Verstümmelung bis ins kleinste Detail, geizen mit Blut und verzichten auf abartige Tötungsarten. Stattdessen erfährt der Leser viel über die Stimmung während des Falls. Im Laufe des Thrillers wird in zahlreichen Städten ermittelt, dabei lassen die Autorinnen Genf, Paris oder London vor dem geistigen Auge der Krimifans lebendig werden. 
Nur das Motiv des Drahtziehers verpasst der sonst sehr unterhaltsamen und interessanten Handlung einen Dämpfer. Das Autorinnen-Duo erzählt in 99 Kapiteln einen bodenständig Kriminalfall, in dem letztendlich jedes Puzzleteil an seinen Platz fällt und jeder Schritt logisch ist. Der völlig weltfremde Plan des Täters passt dabei überhaupt nicht zum Rest der Geschichte. Sein Grund, wieso er den Diamanten besitzen möchte, würde eher zu einem Science-Fiction- oder Fantasy-Roman passen ("Er würde es sein, der die Steine wieder vereinte. Die Macht des Steins würde ihm gehören, nur ihm alleine, und er würde die Welt nach seiner Vorstellung formen."). In einem ansonsten grundsoliden Krimi wirkt er einfach nur deplatziert und lachhaft. Der Leser erfährt innerhalb der Handlung und in einem informativen Zusatzkapitel am Ende viel über die wahren Hintergründe des Koh-i-Noor-Diamanten und die Sagen, die ihn umgeben. Seine Geschichte ist überaus tragisch und blutig. Es hätte daher genug Motive für verschiedene Privatpersonen und Länder gegeben, den Stein stehlen zu wollen. Es ist daher nicht verständlich, wieso die Autorinnen anstelle eines nachvollziehbaren Motivs, ausgerechnet Magie als Erklärung wählen. Vielleicht bringen sie auch deshalb "Harry Potter"-Referenzen ein ("Wenn sie Lady Pamela war, was mache das dann aus ihre Ehemann? War er Sir Nicholas? War das nicht eher dieser kopflose Geist aus... egal."). Der einzige andere Aspekt, der zu krass in die Fiktion abrutscht, ist die Figur Lacey Sherlock. Die FBI-Agentin hat die Gabe, mit einem Blick auf den Tatort zahlreiche Fakten und Details zu erkennen, die ansonsten erst nach langen Untersuchungen gefunden worden wären. Die Parallelen zu Sherlock aus der gleichnamigen BBC-Serie sind nicht gerade dezent. Außerdem funktioniert ihre Fähigkeit zu perfekt und effektiv, um noch als glaubwürdig durchzugehen.

Ermittler ohne Probleme, dafür mit Humor

Autorin Catherine Coulter
Foto: Charles Bush
Trotz ihres fast übernatürlichen Talents ist Lacey Sherlock ein bodenständiger Charakter - wie auch ihre Kollegen. In der letzten Zeit habe ich kaum einen Krimi gefunden, in dem nicht bereits im Klappentext auf das "dunkle Familiengeheimnis" oder die "dramatische Vergangenheit" des ermittelnden Beamten hingewiesen wurde. Die Protagonisten in "Das gestohlene Juwel" sind da eine willkommene Ausnahme. FBI-Agentin Mike Caine und Scotland Yard-Officer Nicholas Drummond haben intakte Familien, keine Mörder in ihrem Umfeld und auch keine lebensbedrohlichen Krankheiten. Zwar ist Letzterer durch den Mord an seiner Ex-Freundin emotional betroffen, doch er lässt sich nie von seinen Gefühlen ablenken. Die beiden Ermittler sind intelligent, menschlich und sympathisch. Sie ergänzen sich auch perfekt. Während Nicholas durch seine Vergangenheit als Spion gerne bereit ist, die Grenzen der Legalität zu überschreiten, ist Mike der Inbegriff von reinem Gewissen. Ihre Der-Zweck-heiligt-nicht-die-Mittel-Einstellung hat sie bereits im Auftaktband zu einem meiner liebsten Buch-Ermittler werden lassen ("Meine Regeln, wie du sie nennst, sind das, was mich von jenen unterscheidet, die ich jage."; "Wir werden nicht selbst kriminell werden, um Kriminelle zu fassen."). Ich freue mich darauf freue, die nächsten Teile der "A Brit in the FBI"-Reihe mit diesen starken Figuren zu lesen.
Autorin J.T. Ellison
Foto: Suzanne DuBose
Es ist auch angenehm, wie effizient und problemlos die Teammitglieder zusammenarbeiten, obwohl sie aus verschiedenen Abteilungen und zum Teil auch aus verschiedenen Ländern kommen. Auf interne Machtspielchen und Zickereien à la Dortmunder "Tatort" wird verzichtet - genauso wie auf arrogante Chefs, die ihre Untergebenen grundlos unter Druck setzen. Dadurch verliert sich die Handlung nie in Belanglosigkeiten und ermöglicht es, eine stringente und logische Geschichte zu erzählen. Die ist für einen Krimi auch überraschend humorvoll. Mike und Nicholas liefern sich einen witzigen Schlagabtausch nach dem anderen ("'Ich wüsste nicht, wen ich lieber an meiner Seite hätte.' 'Wenn wir beide deinetwegen sterben, nehme ich dir das ernsthaft übel.'") und haben selbst in stressigen Situationen immer einen amüsanten Spruch auf den Lippen ("'Erklärt mir doch bitte mal, wie ihr mit einem Auftragskiller auf dem Dach gelandet seid?' 'Mehr Bewegungsfreiheit als in der Lobby', winkte Nicholas ab."). Der Humor wird wohldosiert eingesetzt. Er lenkt nie von der Handlung ab, sondern bereichert sie, indem er die Stimmung auflockert und die menschliche Seite der FBI-Agenten zeigt. 

Fazit

"Der gestohlene Juwel" ist ein unterhaltsamer Thriller, dessen ungewöhnliches Thema ihn von anderen Büchern desselben Genres abhebt. Die Geschichte ist spannend und wirkt durch ihre originalgetreuen Schauplätze sowie die echten Sagen sehr realistisch. Einziges Manko ist das abstruse Motiv des Drahtziehers, da dem Leser suggeriert wird, dass in der ansonsten völlig normalen Welt Magie real sei. Dieses Szenario passt nicht zum logischen, bodenständigen Rest der Handlung. Ein großes Highlight ist das sympathische Ermittlerteam, allen voran die beiden Protagonisten. Die Charaktere werden nicht über persönliche Dramen definiert, sondern über ihre Fähigkeiten als Agenten. Sie sind humorvoll und haben immer wieder clevere Ideen, wie sie eine Situation zu ihren Gunsten drehen können. "Der gestohlene Juwel" ist ein vielversprechender Einstieg in eine Thriller-Reihe. Mit dem zweiten Band werde ich noch heute beginnen.


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Sonntag, 25. Februar 2018

Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren - Rezension

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Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) wird von seinem Chef Roland Schladitz (Thomas Kügel) auf die beschauliche Insel Suunholt geschickt, um die Todesumstände von Oliver Teuber (Beat Marti) aufzuklären. Der war vor einigen Monaten in einen Kieler Korruptionsskandal verwickelt, verschwand aber spurlos vor dem Prozess. Nun ist er wieder aufgetaucht: ertrunken in der Badewanne seiner neuen Lebensgefährtin Famke Oejen (Christiane Paul, Paranoid). Für die völlig aufgelöste Frau steht fest: Die Inselbewohner haben ihnen das Glück nicht gegönnt und daher ihren Liebsten umgebracht. Die potenziellen Verdächtigen, darunter ihre Ex-Affäre Torbrink (Yorck Dippe) und Schweinezüchter Iversen (Marc Zwinz), können über die Anschuldigungen nur müde lächeln. Im Dorf ist Famke aufgrund ihres hohen Männerverschleißes verschrien. Die lokalen Polizisten Maren Schütz (Anna Schimrigk) und Gunnar Peters (Jörn Hentschel) schenken den Theorien der Trauernden ebenfalls wenig Beachtung. Borowski wird jedoch in den Bann der Frau gezogen und lässt alle professionelle Distanz außer Acht.

Keine Erklärungen, dafür viele Klischees

Die ganze Handlung wirkt verloren
Foto: NDR
Nach dem letzten Fall aus Kiel "Borowski und das Fest des Nordens" ist Kommissarin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) sang- und klanglos ausgestiegen. Da die Reihenfolge der Erstausstrahlungen verändert wurde, war ihr Abschied für den Zuschauer nicht wirklich schlüssig. In dieser Folge gibt es auch keine Erklärung. Borowskis Partnerin ist einfach nicht mehr da und Kriminalrat Schladitz will, dass er sich einen Stapel Bewerbungen ansieht. Wer das Rennen macht, wird im "Tatort" nicht verraten, bekannt ist es aber sowieso schon: Demnächst wird Almila Bagriacik als Mila Sahin das Kieler Team unterstützen. Borowskis aktuelle Einsamkeit tut ihm jedenfalls gar nicht gut. Normalerweise ist er ein bodenständiger, gründlicher und manchmal etwas schlecht gelaunter Ermittler, der ohne viel Drama auskommt. In dieser Folge verhält er sich jedoch völlig untypisch. Er schleicht gelangweilt durch den Fall, überlässt den ortsansässigen Polizisten einen Großteil der Arbeit und unterwirft sich Famkes Charme (Borowski: "Ich hatte keinen Sex mit ihr. Ich habe nicht mit ihr geschlafen, nein, nein. Aber wir sind uns nah gekommen. [Schladitz brummt] Jetzt lenk' nicht ab, Roland!"). Nur Borowskis Verschlossenheit ist unverändert. Der Zuschauer erfährt nicht, wieso sich der Ermittler so seltsam verhält. Er wirkt weder traurig, noch nachdenklich, noch ehrlich verliebt. Das macht es schwer, seinen Sinneswandel ernst zu nehmen. Was genau er an Famke so faszinierend findet, wird ebenfalls nicht klar. Eine ähnlichen Handlungsstrang hat es vor wenigen Monaten im Bremer "Tatort: Zurück ins Licht" gegeben. Kommissar Stedefreund war damals auch einer verdächtigen Femme fatale verfallen. Während der aber beseelt war vor Liebe und Leidenschaft, verhält sich Borowski nicht emotionaler als sonst. Er kuschelt nachts mit Famke, die ganze Szene erscheint jedoch sehr steif und kühl. Das ist die Trauernde aber sowieso. Sie scheint viele Geheimnisse zu haben, von denen der Zuschauer allerdings mal wieder nichts erfährt. Wovon lebt sie beispielsweise? Sie jobbt als Aushilfe in der Bäckerei, geht dieser Tätigkeit aber nicht gerade sorgfältig nach (Famke: "Ich habe in der Bäckerei angerufen und Bescheid gesagt, dass ich nicht komme." Borowski: "Warum?" Famke: "Mir war nicht danach."). Sie gibt praktisch nichts über sich preis. Dadurch wirkt sie nicht mysteriös, wie es von den Drehbuchautoren Peter Bender, Ben Braeunlich und Sven Bohse vermutlich angedacht war, sondern einfach nur farblos.


Mehr Spannung? Noch ein paar Liter Blut!

Schade, dass Schütz nicht Borowskis neue Partnerin wird
Foto: NDR/Christine Schroeder
Alle anderen Charaktere entsprechen den Klischees, die jeder Insel-Krimi zeichnet, der nicht gerade auf Sylt spielt: Die Suunholter sind einfältig, engstirnig und weltfremd, tragen Wollkleidung in Naturfarben und verbringen ihre Freizeit in der einzigen Dorfkneipe. Nur Margot Hilse (Heike Hanold-Lynch) wird etwas differenzierter dargestellt. Dafür ist die streng religiöse Frau so stark überzeichnet, dass sie noch unglaubwürdiger erscheint als ihre Nachbarn. Sie hält flammende Reden über den Teufel - ihrer Auffassung nach Famke Oejen - und wirkt wie aus einem anderen Jahrhundert. Mich hat sie stark an Mary Lou Barebone erinnert, die ihre Mitmenschen im Film "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" zur Hexenverfolgung anstachelt. Deren wenig gesprächiger, gruseliger Sohn Credence ähnelt wiederum Hilses stummem, beunruhigenden Gehilfen Daniel (Leonard Carow). Bei den Charakteren gibt es nur einen Lichtblick: die Polizistin Maren Schütz. Sie ist als Einzige auf der Insel lebendig. Alle andere wirken lethargisch und gelangweilt. Sie stürzt sich währenddessen mit viel Enthusiasmus in die Ermittlungen und versucht erfolglos, die Menschen in ihrem Umfeld aufzuwecken (Schütz: "Was halten Sie denn von einer ersten Besprechung, so um 12? Dann lernen wir uns alle mal kennen." Borowski: "Das ist eine nette Idee, aber ich muss los. Ich habe eine Verabredung. Sagen Sie den Kollegen doch einfach 'Hallo'."). 
Oliver Teubers Tod ist qualvoll und dramatisch
Foto: NDR/Christine Schroeder
Vor dem Fernseher ist es zeitweise ebenfalls nicht leicht, wach zu bleiben. Bereits die Anfangsszene ist ein wahrer Kraftakt. Regisseur Sven Bohse lässt Famke aus dem Off die "Halligfahrt" von Theodor Storm rezitieren, unterlegt von Meeresrauschen. Nicht gerade ein Muntermacher. Der Rest des Krimis ist auch eher ruhig. Düsterer Himmel, Meer, Gespräche, schlafende Charaktere, Autofahrten... und zwischendurch jede Menge Blut! Obwohl "Borowski und das Land zwischen den Meeren" einer der verschlafensten Krimis der letzten Wochen ist, hat er dennoch einige wirklich abgebrühte Gewaltszenen. Oliver Teubers Todeskampf in der Badewanne wird beispielsweise komplett gezeigt. Seine strampelnden und schließlich erschlaffenden Beine stellen die Hilflosigkeit sehr anschaulich dar. Kleiner Spoiler: Er ist bei Weitem nicht der einzige Tote in diesem "Tatort" und die anderen sterben auf noch deutlich grausamere Weisen. Hier scheint das Motto wohl gewesen zu sein: Was hält den Krimifan besser wach als literweise Blut? In einer Szene liegen zwei geschundene Leichen mit gefalteten Händen in ihren eigenen Körperflüssigkeiten, während im Hintergrund ein Kirchenchor ein düsteres Lied schmettert. Die Szene hätte auch im Frankfurter Horror-Krimi "Fürchte dich" vorkommen können.

Fazit

"Borowski und das Land zwischen den Meeren" ist für Kieler Verhältnisse schwach. Das liegt vor allem an den blassen, lieblosen Charakteren, die sich wie Zombies durch die Handlung schleppen und keinen Einblick in ihre Gefühle geben. Der Zuschauer kann nur vermuten, was in ihren Köpfen vorgeht. Die Liebelei zwischen dem Kommissar und der trauernden Verdächtigen wirkt erzwungen und aus der Luft gegriffen, da keiner der beiden echte Emotionen zeigt. Der Kriminalfall ist ebenfalls sehr unmotiviert. Bis auf ein paar grafische Todesszenen gibt es so gut wie keine Spannung. Stattdessen wird die Laufzeit mit zahlreichen Landschaftsaufnahmen, schlecht animierten Traumsequenzen und Textstellen aus einer Novelle des 19. Jahrhunderts überbrückt. Diesen "Tatort" kann leider auch die erfrischende, witzige Dorfpolizistin nicht mehr retten. 


Nächste Woche läuft der Krimi, auf den vermutlich niemand gewartet hat. In "Waldlust" improvisiert das Ludwigshafener Team um Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) zum zweiten Mal einen "Tatort". Schauplatz ist ein Hotel im Schwarzwald, wo die Ermittler eigentlich ein Coaching-Wochenende verbringen sollen. Als sie aber einen menschlichen Knochen im vegetarischen Abendessen finden, begeben sie sich auf Spurensuche - ohne Drehbuch.

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Freitag, 23. Februar 2018

Beck is back! - Rezension

Seit Ende Januar zeigt RTL dienstags zwei eigenproduzierte Comedy-Serien. Auf "Sankt Maik" sind wir bereits in einem früheren Post eingegangen (hier geht es zu unserer Rezension). Nun geht es um "Beck is back!". Normalerweise rezensieren wir ausschließlich vollständige Staffeln, weil man nie sicher sein kann, ob die Folgen nicht qualitativ signifikant ab- oder zunehmen. Da RTL die Episoden allerdings nur 30 Tage nach Ausstrahlung gratis zur Verfügung stellt, haben wir uns entschlossen, eine Ausnahme zu machen und schon nach der ersten Hälfte der Staffel eine Kritik zu schreiben. Falls ihr die Serie also nicht kennt, könnt ihr sie momentan noch kostenlos von Anfang an gucken. 

Hannes Beck (Bert Tischendorf) hat zwar Jura studiert und beide Staatsexamen bestanden, aber nie als Anwalt gearbeitet. Stattdessen ist er glücklicher Hausmann und kümmert sich um seine vier Kinder Lena (Deborah Schneidermann), Luca (Louis Christiansen), Oskar (Oskar Weiss) und Emma (Jolina Uhrig), während seine Ehefrau Kirsten (Annika Ernst, ermittelt dienstags zeitgleich bei Sat.1 als Kommissarin in "Einstein") Karriere macht. Durch eine missglückte Überraschung erfährt Hannes, dass ihn seine Liebste mit ihrem Kollegen, dem Staatsanwalt Marius Wachta (René Steinke, Pastewka), betrügt. Der gehörnte Ehemann zieht mit allen vier Kindern in eine eigene Wohnung und beschließt, wieder arbeiten zu gehen. Als Pflichtverteidiger vertritt er nun Mandanten, die sich keinen Rechtsbeistand leisten können. Ernüchtert muss der frischgebackene Single jedoch feststellen: Seine Jura-Kenntnisse sind mittlerweile veraltet und ihm ist die fehlende Praxis deutlich anzumerken. Da trifft es sich gut, dass seine neue Putzfrau Jasmina Božic (Andreja Schneider) in ihrer Heimat Kroatien als Richterin gearbeitet hat. Fortan unterstützt sie Beck als Anwaltsgehilfin. Als erste Amtshandlung organisiert sie ihrem neuen Chef ein eigenes Büro - in der Abstellkammer eines Schnellimbisses.


- Die Rezension bezieht sich ausschließlich auf die ersten fünf "Beck is back!"-Folgen -

Tolle Protagonisten in dröger Handlung

Jasmina ist der nicht-so-heimliche Star der Serie
Foto: RTL
Vier Jahre ist es her, dass Danni Lowinski in der gleichnamigen Sat.1-Serie an einem Klapptisch gesessen und ihre Rechtsberatung für einen Euro pro Minute angeboten hat. Mit Hannes Beck gibt es nun wieder einen Anwalt, der für das Recht der kleinen Leute kämpft. Immerhin hat er es leichter als Danni: Durch Ehefrau und Studium kennt er bereits einige seiner neuen Kollegen und muss auch nicht um Mandanten kämpfen, da sie ihm vom Gericht zugeteilt werden. Dabei hat er stets großes Glück, denn seine Klienten sind grundsätzlich entweder unschuldig oder waren nicht in vollem Umfang am Verbrechen beteiligt. So gewinnt der Berufseinsteiger einen Fall nach dem anderen. Schön für ihn, langweilig für den Zuschauer, da die Folgen dadurch nicht wirklich spannend sind. Interessant sind lediglich Becks und Jasminas unorthodoxe Methoden, den Tathergang zu rekonstruieren. Die letztendliche Aufklärung ist dann nur eine Formsache, da bereits zu Beginn klar ist, dass der Mandant sowieso auf freiem Fuß bleibt. Das ist besonders schade, da Hannes Pflichtverteidiger im Bereich Strafrecht ist und damit die schweren Verbrechen wie Mord, Totschlag und Entführung betreut. Es gäbe dementsprechend viele Möglichkeiten, wie die Fälle ausgehen könnten, leider werden sie verschenkt. Während es bei den Fällen noch hapert, ist die persönliche Geschichte des Protagonisten deutlich interessanter.
Hannes (2.v.r.) bringt Familie & Job unter einen Hut
Foto: MG RTL D/Conny Klein
Hannes ist ein vielschichtiger, moderner Charakter, wie man ihn ihm Fernsehen noch viel zu selten findet. Er hat sich gegen die Karriere und für seine Kinder entschieden, ist mit der Wahl aber nie unzufrieden gewesen. Plötzlich muss er sich und vier Sprösslinge alleine ernähren, dazu noch Jasmina bezahlen. Dennoch will er von seiner Exfrau nicht mehr als den gesetzlich geregelten Unterhalt und den Rest selbst verdienen. Hausfrauen, die nach der Untreue ihres Mannes mit den Kindern alleine dastehen, gab es im Fernsehen schon häufiger. Die umgekehrte Rollenverteilung ist eine willkommene Abwechslung, vor allem da nicht auf ihr herumgeritten wird. Zwar bekommt Hannes zu Beginn ein paar schiefe Blicke, doch im Großen und Ganzen werden er als Vollblut-Papa und Kirsten als Karrierefrau von ihrem Umfeld akzeptiert. Selten habe ich familiäre Szenen gesehen, die so natürlich und ungezwungen wirken, wie die zwischen Hannes und seinen Kindern. Das liegt vor allem an Hauptdarsteller Bert Tischendorf. Er spielt seine Rolle als Vater so überzeugend, als würde es sich bei der Rasselbande tatsächlich um seine eigenen Sprösslinge handeln. Die tolle Chemie und der lockere Umgang zwischen ihm und den Nachwuchsschauspielern ist eine von zwei großen Stärken der Serie. Die andere ist Jasmina. Die kroatische Ex-Richterin ist mit ihrer sympathischen, resoluten Art und ihrem Charme das Highlight jeder Folge. Ihre spontanen Undercover-Einsätze sind sehr amüsant und hätten ein eigenes Spin-Off verdient. Obwohl die Figur aufgedreht und leicht überzeichnet ist, bewahrt sie sich trotzdem eine gewisse Bodenständigkeit, die vielen anderen Charakteren leider fehlt.

Verliebte Barbie trifft auf Klischee-Bösewicht 

Susanne (l.) und Wachta (r.) sind eindimensional
Foto: RTL
Zwei Negativbeispiele sind Kirstens neuer Freund, der Staatsanwalt Marius Wachta und Susanne (Julia Dietze), Becks Flamme aus Studienzeiten. Letztere ist schlicht und ergreifend langweilig. Ihre einzige Funktion ist es, das Objekt von Hannes' Begierde zu sein. Mit verträumter Stimme und glasigem Blick läuft sie durchs Gericht und wirkt beim besten Willen nicht wie eine erfolgreiche Familienanwältin. Die Rolle ist sehr unausgereift - als sei sie in letzter Sekunde ins Drehbuch geschrieben worden, um eine romantische Nebenhandlung zu erzwingen. Susanne hat nicht wirklich viel Persönlichkeit und über ihr Leben außerhalb der Schwärmerei für Beck erfährt der Zuschauer nur sehr wenig. Staatsanwalt Wachta ist sogar noch simpler und eindimensionaler. Er tut nichts anderes, als Beck vor Gericht das Leben schwer zu machen und den Fall schließlich kolossal zu verlieren. Eigentlich kann man ihn nur als Karikatur bezeichnen, da er sich einfach nicht wie eine echte Person verhält. Bei Gerichtsverhandlungen erinnert er Beck stets daran, dass er mit dessen Frau schläft. Seine hämischen Kommentare sind in keinster Weise lustig, sondern einfach nur dumm und platt. Damit der Zuschauer versteht, dass die Sprüche eigentlich amüsant sein sollten, lacht der Staatsanwalt selbst übertrieben laut und künstlich. In einer Szene wiegt er sich dabei vor und zurück - als sei er der Bösewicht in einem Kinderfilm. Für eine Comedy-Serie ist "Beck is back!" tatsächlich nicht sehr lustig. Die Stellen, an denen ich herzhaft gelacht habe, kann ich an einer Hand abzählen. Das ist nicht unbedingt schlecht, da die Sendung viele ernste Themen, wie beispielsweise Vergewaltigung, behandelt und Humor in diesen Szenen fehl am Platz wäre. Leider gibt es jedoch viele Versuche amüsant zu sein, die mehr oder weniger scheitern. Wachta und seine peinlichen Sprüche sind ein Beispiel. Ein anderes sind die ewigen Running Gags, die schnell langweilig werden. So wird gefühlt in jeder Episode ein halbes Dutzend Mal darüber gewitzelt, dass Beck und Jasmina nach Grillhähnchen riechen. Außerdem bricht Hannes in jeder Folge nachts in ein Schwimmbad ein und zerreißt sich dabei seine Kleidung. Nach der fünften oder sechsten Wiederholung ist der Humor einfach ausgelutscht. Situationskomik wie bei "Sankt Maik" gibt es leider auch nur begrenzt - die meisten Szenen bei "Beck is back!" eignen sich wegen der ernsten Themen einfach nicht dafür. Auch hier ist Jasmina ein Lichtblick. Sie schafft es, selbst die vermeintlich alltäglichste oder tiefgründigste Situation durch eine witzige Anmerkung oder eine kecke Bemerkung in Richtung Hannes aufzulockern.

Fazit - nach fünf von zehn Folgen

"Beck is back!" ist die schwächere der beiden neuen RTL-Eigenproduktionen am Dienstag. Das liegt vor allem an den einseitigen, überzeichneten Nebencharakteren. Den meisten von ihnen fehlt es an Substanz und Glaubwürdigkeit, sodass es für den Zuschauer schwierig ist, eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Außerdem will der teils sehr platte und simple Humor der Serie nicht zu den ernsten Themen passen, um die es im Strafgericht geht. Die persönliche Geschichte der titelgebenden Hauptfigur und die Beziehung zu seinen Mitarbeitern und seinen Kindern sind deutlich bodenständiger. Die besten Szenen sind mit Abstand die, in denen sich die beiden vielschichtigen und ungewöhnlichen Protagonisten Paroli bieten. Während sich "Sankt Maik" zu sehr auf seinen Hauptcharakter und zu wenig auf das Ensemble konzentriert, ist es bei "Beck is back!" genau umgekehrt. Hier wäre es wünschenswert, einige Nebenfiguren zu streichen und den Fokus stattdessen stärker auf Beck, seine Familie und seine Mitarbeiter zu legen.


Habt ihr "Beck is back!" schon gesehen? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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Mittwoch, 21. Februar 2018

Kinderserien der 2000er Teil 7 (Realserien) - Watch.Read.Discuss.

In unserem siebten Teil der Reihe "Kinderserien der 2000er" werden wir erneut einen Blick auf verschiedene Realserien werfen, die wir in unserer Kindheit angeschaut haben. Die vorherigen Beiträge, in denen wir über Sendungen wie "Disneys Große Pause", "Powerpuff Girls" oder "H2O - Plötzlich Meerjungfrau" diskutieren, findet ihr hier. Dieser Post gehört zur Rubrik "Watch.Read.Discuss.", bei der wir Autoren uns mit demselben Thema beschäftigen. 
Klickt auf die Titel, um euch die Intros anzuschauen.


Katrin

Zoey 101

Zoey selbst mochte ich nie
Foto: Nickelodeon
Im Fokus der Nickelodeon-Serie steht die "Pacific Coast Academy", kurz PCA, ein Internat in Kalifornien: Kaum Unterricht, tolle Zimmer, weitläufiges Areal, direkt am Strand und viele coole Aktivitäten - der Traum aller 2000er-Teenies. Zoey Brooks (Jamie Lynn Spears) ist eins der ersten Mädchen, die auf der vormals reinen Jungenschule angemeldet werden. Ihr Bruder Dustin (Paul Butcher) ist dort bereits Schüler und gar nicht glücklich darüber, dass seine große Schwester ihn vor seinen Kumpels bloßstellt. Zoey schließt schnell Freundschaft mit Dana Cruz (Kristin Herrera), Nicole Bristow (Alexa Nikolas), Chase Matthews (Sean Flynn), Michael Barret (Christopher Massey), Logan Reese (Matthew Underwood) und Quinn Pensky (Erin Sanders) - später kommen noch Lola Martinez (Victoria Justice) und James Garret (Austin Butler) dazu. Sie haben nicht viel gemeinsam, halten aber stets zusammen, wenn es um Schulstress, Liebeleien, Probleme oder Kummer geht.
"Zoey 101" war eine der Serien, die praktisch jeder geguckt hat. Sie zählt nicht zu meinen allerliebsten, aber ich habe sie wirklich gerne verfolgt. Dabei fand ich die meisten der PCA-Schüler unglaublich nervig. Ich kann Charaktere nicht leiden, deren Haupteigenschaft es ist, alles perfekt zu machen und alle anderen "auf den richtigen Weg zu führen". Zoey ist der Inbegriff dessen: Sie wird in mehrere Sportteams geholt, obwohl sie vorher nie trainiert hat; alle Mädchen wollen ihre Freundinnen sein; alle Jungs wollen sie daten; die Erwachsenen auf dem Campus wenden sich regelmäßig hilfesuchend an sie und sie macht alle Probleme zu ihren eigenen. So viel Perfektion ist langweilig und unglaubwürdig. Der einzige Charakter, der sie in diesen Punkten noch übertrifft, ist Chase. Seine einzige Funktion in der Serie ist es, bis über beide Ohren verliebt in Zoey zu sein. Dabei haben die beiden null Chemie und wirken auch sonst sehr blutleer. Cool fand ich hingegen Quinn, die sich mit ihrer Leidenschaft für die MINT-Fächer und ihrer "Mir-ist-egal-was-die-anderen-denken"-Einstellung deutlich von anderen weiblichen Figuren in Teenie-Sendungen abhebt. Die Probleme der PCA-Schüler spielen zwar manchmal in einer eigenen Liga (In einer Folge werden die Hauptcharaktere von einem Geist verfolgt und in einer anderen gibt es einen Wettbewerb, bei dem die Kinder einen Flug im Privatjet gewinnen können.), aber sind in den meisten Fällen nachvollziehbar, sodass man sich als Zuschauer mit den Figuren identifizieren kann.

Laura: "Zoey 101" habe ich damals super gerne geschaut. Ich fand das Setting auch immer richtig cool. Wer würde denn nicht an so einer coolen Schule unterrichtet werden? Allerdings ging es mir bei den Charakteren ähnlich wie Katrin. Zoey zählte nie zu meinen Lieblingsfiguren und die Liebesgeschichte mit ihr und Chase hat sich definitiv zu oft im Kreis gedreht, ohne sich ansatzweise weiterzuentwickeln. Deshalb war ich davon irgendwann nur noch genervt. Ansonsten haben mir die meisten anderen Charaktere aber gefallen. Außerdem mochte ich den Humor der Serie, auch wenn er manchmal etwas übertrieben war. 


Die Pfefferkörner

Das Original: Cem, Jana, Vivi, Fiete & Natascha (v.l.)
Foto: NDR/KiKA
Ende Dezember 1999 wurde die erste Folge der populären KiKA-Sendung ausgestrahlt. Es geht um eine Gruppe junger Detektive, die regelmäßig in Kriminalfälle verwickelt werden und diese selbstständig aufklären. In den ersten Episoden bestanden "Die Pfefferkörner" aus Anführer Fiete Overbeck (Julian Paeth), seiner kleinen Schwester Vivi (Aglaja Brix), seiner Freundin Natascha (Vijnessa Ferkic) sowie den späteren Stiefgeschwistern Jana Holstein-Coutré (Anna-Elena Herzog) und Cem Gülec (İhsan Ay). Mittlerweile ermitteln Mia Goldman (Marleen Quentin), ihre Schwester Alice (Emilia Flint), Johannes von Wied–Litzow (Luke Matt Röntgen), Bennet Jansen (Ruben Storck) und Lisha Schulze (Emma Roth) in der vierzehnten Staffel. Sie sind die neunte Generation Junior-Detektive und wurden zum ersten Mal nicht in der Serie, sondern in einem dazugehörigen Kinofilm vorgestellt.
Beim Recherchieren ist mir bewusst geworden, dass die aktuellen "Pfefferkörner" noch gar nicht geboren waren, als die erste Folge ausgestrahlt wurde - zum Teil waren sie erst bei der fünften Staffel auf der Welt. Einerseits fühle ich mich bei dem Gedanken wirklich alt, andererseits ist es cool, dass sich die Serie so lange gehalten hat und noch immer Millionen von Kindern begeistert. Einer der Gründe dafür ist, dass sich die Geschichten weiterentwickeln. Die Sendung hat immer Themen angesprochen, mit denen viele junge Zuschauer sonst nicht oder selten in Berührung gekommen sind - schon gar nicht im KiKA-Programm. In meiner Generation gab es zum Beispiel eine Folge, in der Fietes Eltern ihn und Natascha im Bett erwischt haben, in einer anderen wurde nach Pflegeeltern für ein verwaistes Mädchen gesucht. 2017 gab es Themen wie das Mobbing einer Transgender-Schülerin und die Situation von unbegleiteten Minderjährigen in Flüchtlingsheimen. Ich finde es klasse, dass sich die Sendung über all die Jahre hinweg an der Lebenssituation der Zuschauer orientiert hat und immer realistisch geblieben ist. Zwar wurden nie so krasse Szenarien angesprochen wie bei der anderen KiKA-Reihe "Krimi.de", aber "Die Pfefferkörner" richten sich auch an eine etwas jüngere Zielgruppe. Ich habe die Serie jedenfalls geliebt, da ich mich gut mit den Hauptcharakteren identifizieren konnte und es immer toll fand, wie sie aus ihrer eigenen Motivation, Kraft und Intelligenz heraus Fälle gelöst haben.

Laura: Diese Sendung habe ich damals richtig gerne geschaut und mir persönlich hat sie auch immer besser gefallen als "Krimi.de". Das lag wahrscheinlich daran, dass ich die Charaktere sehr sympathisch fand und die Fälle immer spannend. Ich kann mich jedenfalls noch daran erinnern, dass ich keine Folge verpassen wollte. Als es doch mal passiert ist, war ich ziemlich traurig - damals gab es schließlich noch nicht die Möglichkeit, die Episoden einfach so im Internet anzuschauen. 


Laura

Clarissa

Clarissa ist bekannt für ihren bunten Kleidungsstil
Foto: Nickelodeon
In dieser Sendung geht es um das Leben der 14-jährigen Clarissa Darling (Melissa Joan Hart). Hauptthemen sind die üblichen Probleme eines Teenagers, aber auch die Verrücktheiten von Clarissas Familie. Dabei spielt sich die Handlung die meiste Zeit nur innerhalb von ihrem Zuhause ab, wo sie auch regelmäßig Besuch von ihrem besten Freund Sam (Sean O'Neal) bekommt. Die Serie lief zwar in Deutschland erstmals 1995 auf Nickelodeon, doch ich habe sie auf Super RTL gesehen, wo sie in den 2000ern ausgestrahlt wurde. Deshalb taucht sie hier in unserem Post auf. 
Clarissa mochte ich sehr gerne, weil sie cool und lässig war. Ihre Figur war sehr nahbar, weil sie weder abgehoben noch vollkommen überdreht war. Außerdem hat sie die Zuschauer immer direkt angesprochen und ihre Gedanken und Gefühle mit ihnen geteilt. Dabei hatte sie auch noch einen tollen Humor mit viel Ironie. Sie war außerdem ein Fan von Videospielen und hat auf ihrem Computer sogar selber welche programmiert. Das fand ich richtig cool und rückblickend war die Serie da doch echt fortschrittlich. Vielleicht hat sie sogar bei manchen Mädchen Interesse an Informatik geweckt? Ich mochte außerdem die leicht schrägen Einfälle der Serie, zum Beispiel, dass Sam statt der Haustür eine Leiter nimmt, um Clarissa in ihrem Zimmer zu besuchen. Oder ihr ausgefallenes Haustier: Ein Alligator namens Elvis, den die Zuschauer nur gehört, nie gesehen haben. Es wurde zwar über Probleme des Erwachsenwerdens, gesprochen, aber es gab kein typisches Teenie-Drama, das man aus vielen anderen Sendungen kennt, was mir ebenfalls positiv im Gedächtnis geblieben ist. Ich konnte mich bei der Sendung meist super entspannen. Außer wenn Ferguson (Jason Zimbler), Clarissas schrecklicher kleiner Bruder, auftauchte und Chaos stiftete. Ich habe zwar keine kleinen Geschwister, aber trotzdem sehr mit der Protagonistin mitgefühlt. Was den Unterhaltungswert angeht, kann diese Serie mit jüngeren Nickelodeon-Serien wie "Drake & Josh" oder "iCarly" locker mithalten. Das finde ich schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Sendung vor fast 30 (!!) Jahren ihre Premiere feierte. 


Wie erziehe ich meine Eltern?

Der Hund war immer super!
Foto: MDR
In dieser Serie geht es um die zwei Kinder Felix Wolkenfuß (Maximilian Seidel) und Johanna "Johnny" Freytag (Sina Tkotsch), deren Wege sich auf sehr chaotische Weise kreuzen: Felix' Vater (Heinrich Schafmeister), ein Psychiater, und Johnnys Mutter (Amina Gusner), eine Zahnärztin, haben ohne es zu wissen dieselbe Doppelhaushälfte gekauft. Nun müssen sich die Familien irgendwie mit der Situation arrangieren. Damit ist das Chaos schon vorprogrammiert. In dieser Serie sind die Rollen quasi vertauscht. Während sich die Eltern kindisch und albern benehmen, sind die Kinder deutlich vernünftiger und versuchen immer, den Frieden im Haus aufrechtzuerhalten. Unterstützung bekommen sie von der manchmal etwas verwirrten Nachbarin Asta Engel-Butz (Ursula Staack). Außerdem gibt es noch Hund Rollo, dessen unterhaltsame Gedanken die Zuschauer über eine Stimme aus dem Off mitbekommen. 
Ich weiß noch, dass ich die Serie regelmäßig geschaut habe, aber trotzdem sind mir keine der Folgen wirklich im Gedächtnis geblieben. Es war für mich eine typische Sendung für zwischendurch, die weder superdramatisch noch vollkommen langweilig war. Die Episoden folgten auch keinem roten Faden, sondern waren in sich abgeschlossen. Ich weiß aber noch, dass mich vor allem die Eltern hin und wieder genervt haben. Der Rollentausch wurde teilweise etwas überstrapaziert. Das Verhalten des Psychologen und der Zahnärztin war manchmal so drüber, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, wie sie überhaupt noch Patienten haben können. Frau Engel-Butz hat für den ein oder anderen witzigen Moment gesorgt, war aber durch ihre übertriebene Neugier auch etwas anstrengend. Die Kinder waren zwar deutlich angenehmer, aber ihr rationales Handeln und ihre Vernunft haben sie als Charaktere auch nicht wirklich interessant gemacht. Ich konnte mich nie wirklich mit ihnen identifizieren. Insgesamt fand ich die Idee, den Spieß mal umzudrehen, aber ganz lustig und auch der Humor war in Ordnung. Das Intro fand ich allerdings immer etwas nervig. 

Katrin: "Wie erziehe ich meine Eltern?" ist mir nicht wirklich im Gedächtnis geblieben. Ich habe zwar ein paar Folgen geguckt, aber eigentlich erinnere ich mich nur an das Intro, das ich, genau wie Laura, furchtbar nervig fand und... gab es da nicht so einen Spiegel im Bad, durch den die beiden Familien miteinander geredet haben?


Welche Serien habt ihr in eurer Kindheit gerne geguckt? Teilt es uns in den Kommentaren mit. Wir planen weitere Diskussionsbeiträge zum Thema Kindersendungen (alle bisherigen Posts dazu gibt es hier), vielleicht wird euer Favorit in einem zukünftigen Post thematisiert.

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Sonntag, 18. Februar 2018

Tatort: Meta - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Als der Berliner Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) am Morgen in sein Büro kommt, erwartet ihn eine böse Überraschung: Auf seinem Schreibtisch steht ein Paket, in dem er den abgetrennten Finger einer jungen Prostituierten findet. Gemeinsam mit seiner Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) verfolgt Karow den Absender zurück zu einem Lagerhaus. Dort wird noch eine Kiste aufbewahrt, in der die neunfingrige Leiche in Formaldehyd schwimmt. Die Standfläche wurde von einer Produktionsfirma angemietet, deren bisher einziger Film "Meta" auf der gerade eröffneten Berlinale Premiere feiert. Rubin und Karow sind geschockt, als sie den Trailer anschauen: Es geht um zwei Kommissare, die einen Finger zugeschickt bekommen, in einem Lagerhaus die dazugehörige Leiche finden und feststellen, dass es einen Film gibt, der dieselbe Geschichte erzählt. Bei der Premiere befragen die Ermittler Regisseur Michael Schwarz (Isaak Dentler), der zugibt, das Drehbuch nicht selbst verfasst zu haben. Es stammt von Eigenbrötler Peter Koteas, der darauf geachtet hatte, dass sich der Film akribisch an seine Vorlage hält. Karow wird hellhörig: In "Meta" gibt es einen Charakter namens Peter Koteas (Simon Schwarz), der ein Drehbuch über seinen Auftragsmord an einer jungen Prostituierten geschrieben hat.

Klingt kompliziert, ist es auch!

Leider nur eine Berlinale-Szene
Foto: rbb
Um eins vorwegzunehmen: Dieser "Tatort" ist nur den Zuschauern zu empfehlen, die sich vollkommen auf die Handlung konzentrieren wollen und nicht vorhaben, nebenher Candy Crush zu spielen, zu stricken oder ein Ikea-Regal zusammenzubauen. Denn wer denkt, die Inhaltsangabe oben sei komplex, der wird spätestens um 20:30 Uhr feststellen, dass "Meta" noch um einiges komplexer ist. Eine vollständige Zusammenfassung ist praktisch gar nicht möglich, da der Fall auf drei Ebenen stattfindet: Zum einen Rubins und Karows Ermittlungen im Todesfall der jungen Prostituierten; dann die Handlung des Films, in dem die fiktiven Kommissare Rolf Poller (Ole Puppe) und Felix Blume (Fabian Busch) ihren Prostituiertenmord aufklären und als letztes der fiktive Film im fiktiven Film, den Poller und Blume für das Geständnis ihres Mörders halten. Da jede Ebene einen Film mit derselben Handlung enthält, gibt es theoretisch eine unendliche Kette von Kommissaren, die anderen Kommissaren beim Ermitteln zusehen. Visuell kommt das in einer Szene besonders gut zur Geltung. Karow sitzt in einem leeren Kinosaal und schaut sich "Meta" an. An einer Stelle im Film setzt sich der fiktive Kommissar Poller ebenfalls vor eine Leinwand und sieht in seiner Version von "Meta" die Szene, in der sich der fiktive Ermittler auf einen Kinosessel fallen lässt. Zum Glück belässt es der echte "Tatort"-Drehbuchautor Erol Yesikaya bei diesen drei Ebenen, ansonsten hätte er vielleicht ein Loch ins Raum-Zeit-Kontinuum gerissen (Damit kennt sich Karow-Darsteller Mark Waschke ja aus. In der "Netflix"-Serie Dark spielt er den mysteriösen Zeitreisenden Noah.). So verrückt dieses Konzept auch sein mag, neu ist es beim Sonntagskrimi nicht. 2015 traf Kommissar Felix Murot im Wiesbadener "Tatort: Wer bin ich?" auf seinen Darsteller Ulrich Tukur, der am Rande der Dreharbeiten in einen Mordfall verwickelt wurde. Im Gegensatz zu der damaligen Folge macht "Meta" nicht den Fehler, sich in zu abstrusen und wirren Wendungen zu verstricken. Obwohl die Handlung vielschichtig ist, steht die Mordermittlung immer im Fokus. Karow spinnt sich immer mehr in die fiktive Welt hinein ("Der Film führt uns zur Wahrheit!"). Rubin bleibt währenddessen am Boden und versucht eine logische Erklärung für die Vorkommnisse zu finden. Diese verschiedenen Sichtweisen erleichtern es dem Zuschauer, sich nicht wie der Kommissar völlig in der Geschichte zu verlieren und stattdessen alles kritisch zu hinterfragen. Dadurch bleibt der "Tatort" immer noch im Kern ein Krimi und rutscht nicht völlig in die experimentelle Schiene ab, wie beispielsweise der Frankfurter "Fürchte dich".

Auf jeden Fall den Abspann gucken!

Die drei zentralen Ebenen des Films in einem Bild
Foto: Screenshot
Stimmig und spannend ist "Meta", realistisch dafür überhaupt nicht. Ständig verschwimmen die Grenzen zwischen Film und Wirklichkeit. Das stellt Regisseur Sebastian Marka auch visuell sehr eindrucksvoll nach, indem er Karow eins zu eins dieselben Schritte tun lässt wie sein fiktives Vorbild Kommissar Poller. Dabei wird immer wieder zwischen den beiden Männer hin- und hergeblendet. Das funktioniert leider nur noch durch eine Menge Zufälle und erinnert stark an die BBC-Serie "Sherlock". Deren titelgebende Hauptfigur weiß ebenso wie Peter Koteas ganz genau, wie sich ihm unbekannte Personen verhalten werden. Rubin und Karow folgen blind dem für sie geplanten Muster - alles funktioniert und geschieht genau wie in "Meta". Das ist einfach unrealistisch. Jede noch so kleine Abweichung in den Ermittlungen hätte verhindern können, dass der Film Realität wird. Durch die vielen Zufälle wirkt die Handlung sehr konstruiert. Das ist zwar schade, spielt aber keine große Rolle, da der "Tatort" ansonsten unterhaltsam ist. Die wohl beste Szene bleibt den Zuschauern vorbehalten, die bis zur letzten Sekunde vor dem Bildschirm hängen. Im Abspann schlägt "Meta" nämlich noch einen wirklich kreativen und cleveren Haken, durch den die mangelnde Auflösung am Ende sofort vergessen ist.
Die Kommissare halten notgedrungen zusammen
Foto: rbb/Reiner Bajo
Trotz des extrem komplexen Falls bleibt Zeit, um Rubins familiäre Probleme zu thematisieren, die seit der ersten Folge bestehen und wohl auch noch bis zur letzten durchgekaut werden. Im vorherigen Berliner "Tatort: Dein Name sei Harbinger" hat Rubin ihren älteren Sohn Tolja zu seinem Vater abgeschoben, nachdem er ihr zu anstrengend geworden war. In "Meta" kämpft sie nun darum, ihren jüngeren Sprössling Kaleb (Louie Betton) bei sich zu behalten, denn der möchte zu seinem Vater und seinem Bruder ziehen. Wie auch in den letzten Episoden ist der Konflikt langatmig und kommt zu keinem nennenswerten Ergebnis. Außerdem zeigt er, was für ein seltsamer Charakter die Kommissarin ist. In jedem "Tatort" verhält sie sich anders und trifft wichtige Entscheidungen so schnell und haltlos, dass sie für den Zuschauer nicht nachvollziehbar sind. Anstelle sich jedoch konsequent auf Kaleb zu fokussieren, hat es sich Nina nun nach sieben gemeinsamen Fällen in den Kopf gesetzt, Karow näher zu kommen (Rubin: "Kriegen wir das hin, nicht nur Kollegen zu sein? Sondern Kumpels oder sowas? Irgendwann?" Karow: "Sicher, gerne, aber heute, glaube ich, nicht mehr, oder?"). Diese Nebengeschichten wären besser in einem "Tatort" mit klassischer Mordermittlung aufgehoben gewesen. In "Meta" gibt es zu viele Ebenen, zu viel Erklärungsbedarf und zu viele interessante Details, um Platz für platte Standard-Konflikte zu machen. Die groß angekündigten Szenen bei der Berlinale 2017 fallen beispielsweise leider sehr kurz aus. Die Kommissare laufen über den roten Teppich und das war es dann auch schon fast. Ein so spannender und außergewöhnlicher Schauplatz hätte definitiv mehr Beachtung verdient!

Fazit

Seit einigen Jahren scheinen viele "Tatort"-Zuschauer zu denken, dass ein "Experiment" automatisch für schlechte Qualität steht. "Meta" ist der Gegenbeweis. Die Handlung ist zwar nicht realistisch, aber dafür vielschichtig, kreativ und aufregend. Dabei gerät der Kriminalfall nie in Vergessenheit, er wird nur durch eine ungewöhnliche Perspektive erzählt. Die Metaebene ist hier deutlich besser gelungen als 2015 beim Wiesbadener Team. Das liegt vor allem an der tollen optischen Darstellung und der Tatsache, dass sich die Geschichte nie vollkommen in der Fiktion verliert. Zu entscheiden, was nun eigentlich Realität und was filmische Dichtung ist, bleibt dem Zuschauer selbst überlassen. Das zeigt spätestens die grandiose Extra-Szene im Abspann. Lediglich Rubins langweiliges Familiendrama, der verschenkte Schauplatz Berlinale und die vielen Zufälle schmälern das Fernseherlebnis ein wenig.


Nächste Woche muss der Kieler "Tatort"-Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) nach dem Weggang seiner langjährigen Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) alleine ermitteln. "Borowski und das Land zwischen den Meeren" führt ihn nach Suunholt, eine kleine Nordseeinsel in der Nähe von Dänemark. Dort wurde ein Mann ermordet, der vor Jahren die Schlüsselfigur in einem Korruptionsskandal war. Dessen exzentrische und leidenschaftlich trauernde Freundin zieht Borowski in ihren Bann.

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