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Donnerstag, 12. Juli 2018

Lauras Top 10 Buchreihen

Bücher begleiten mich schon seit meiner Kindheit und seitdem habe ich nicht nur jede Menge Einzelbände gelesen, sondern auch einige Buchreihen. Daher stelle ich euch in der heutigen "Watch.Read.List." meine zehn Favoriten vor. Es gibt viele Reihen, die ich begonnen habe, aber entweder nach dem ersten Teil abgebrochen, irgendwo mittendrin beendet oder noch nicht komplett gelesen habe. All diese habe ich natürlich nicht mit einbezogen. Es war nicht leicht, die Zehn für mich Besten in eine Rangfolge zu bringen. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die über einen Platz entschieden haben und ich kann jede der erwähnten Reihen wirklich empfehlen. 
Falls ihr manche der Reihen nicht kennt, klickt einfach auf die Titel, dann gelangt ihr zur Inhaltsbeschreibung. 


10. Der magische Zirkel (Lisa J. Smith) 

Foto: Random House
Diese Geschichte gehört zu einer der ersten, die ich als Teenager gelesen habe und die mir noch sehr prägnant im Gedächtnis geblieben ist. Andere Romane aus dieser Zeit habe ich vollkommen vergessen. Mir hat bei dieser Reihe die Mischung aus ganz normalem Schulalltag und den Erlebnissen des geheimen Zirkels sehr gefallen. Die ganze Stimmung hat etwas Mystisches. Ich mochte diese Reihe auch deutlich lieber als die "Tagebuch eines Vampirs"-Reihe der Autorin. Mittlerweile wurden bzw. werden nachträglich neue Bände  der Hexengeschichte veröffentlicht. Die habe ich nie gelesen, weil die Trilogie, die in den 90ern herausgebracht wurde, für mich sehr gut abgeschlossen ist und auch eigentlich nie weitergeführt werden sollte. Würde ich sie heute noch mal lesen, würde sie mir vielleicht nicht mehr ganz so gut gefallen wie damals, aber als Jugendliche war es für mich eine wirklich tolle, unterhaltsame Reihe.

9. Das Tal (Krystyna Kuhn)

Foto: Arena Verlag
Ich mag die mysteriöse, bedrohliche Stimmung in dieser Reihe unglaublich gerne. Auch die meisten der Hauptcharaktere sind mir sympathisch. Da jeder über die acht Bände mal im Vordergrund steht, hat man wirklich das Gefühl, sie alle gut kennenzulernen. Jeder von ihnen trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das erst im Laufe der Zeit offenbart wird, was auch den Figuren etwas Mysteriöses gibt. Die meist lebensbedrohlichen Situationen, in die die Jugendlichen im Tal geraten, sind immer sehr spannend und mitreißend erzählt. Der Schreibstil ist locker und flüssig, sodass ich sogar an einem Tag gleich zwei Teile hintereinander verschlungen habe, weil ich mich nicht von der Geschichte losreißen konnte. Warum diese Reihe nur auf Platz neun gelandet ist, liegt an dem Finale und der Auflösung, was denn nun das große Geheimnis ist, das das Tal und das College umgibt. Da habe ich definitiv mehr erwartet und war enttäuscht, weil es sehr zusammengewürfelt wirkt und nicht zu einhundert Prozent stimmig und schlüssig erscheint. 

8. Die Erben der Nacht (Ulrike Schweikert)

Foto: Random House
Im Vergleich zu den größtenteils romantischen Vampirgeschichten, wie "Twilight" oder "Tagebuch eines Vampirs", hat die Reihe von Ulrike Schweikert eine ganz andere Stimmung, die mir sehr gut gefällt. Beim Lesen kommt das Gefühl auf, eine Abenteuergeschichte zu erleben. Es macht einfach Spaß, die jungen Vampire auf ihrem Weg zu begleiten. Dadurch, dass jeder der fünf Bände ein Schuljahr repräsentiert und sie immer neue Fähigkeiten erlernen, ist eine deutliche Entwicklung erkennbar und es wird nie langweilig oder eintönig. Ich finde besonders die verschiedenen Settings sehr faszinierend. Mit jedem Band lernt der Leser eine andere Stadt im 19. Jahrhundert kennen, z.B. Rom, Wien oder London. Mir hat es unheimlich gut gefallen, diese Orte in der Vergangenheit zu "besuchen". Ein Highlight sind zudem die "Gastauftritte" berühmter Persönlichkeiten. So begleitet der Leser unter anderem Bram Stoker oder Oscar Wilde. Die Idee, sie Teil dieser fiktiven Geschichte werden zu lassen, finde ich genial. Ebenfalls positiv ist, dass die Reihe nie den roten Faden verliert. Insgesamt gibt es aber Reihen, die mich noch etwas mehr begeistern konnten. 

7. Skulduggery Pleasant (Derek Landy)

Foto: Loewe Verlag
Obwohl es diese diese Reihe, die mittlerweile bereits zehn Teile umfasst, schon relativ lange gibt, habe ich sie erst sehr spät für mich entdeckt. Ich bin aber letztendlich wirklich froh, dass ich sie noch gelesen habe! Die Geschichte ist definitiv etwas Besonderes und sticht aus der großen Masse an Kinder- und Jugendbüchern heraus. Wobei ich finde, dass diese Romane nicht nur für diese Altersgruppe gemacht sind. Ich war schon über 18 Jahre alt, als ich damit begonnen habe und ich liebe den cleveren Humor, die temporeichen Abenteuer, die abgedrehten und zugleich liebenswerten Charaktere sowie die fantasievolle Idee hinter "Skulduggery Pleasant". Der Grund, warum diese Reihe "nur" auf dem siebten Platz ist: Es gibt zwar auch ein paar emotionalere Momente und die Figuren sind mir über die Zeit ans Herz gewachsen, aber im Vergleich zu anderen Reihen hat mich Derek Landys Geschichte nicht ganz so sehr berührt. Trotzdem ist es eine spannende, witzige und unterhaltsame Geschichte, die genau deshalb in meiner "Top 10" nicht fehlen darf.

6. Die Sieben Königreiche (Kristin Cashore)

Foto: Carlsen Verlag
Diese Reihe mag ich vor allem wegen der vielen tollen Charaktere, die man während der Trilogie kennenlernt. In jedem der drei Bände gibt es unterschiedliche Protagonisten und alle von ihnen sind sehr liebenswerte und vielschichtige Persönlichkeiten. Nach Beenden des ersten Teils war ich skeptisch, ob die Figuren der kommenden Bände mit denen aus "Die Beschenkte" mithalten können. Doch letztendlich haben sie mir ebenso gut gefallen. Alle von ihnen sind wirklich sympathisch und haben einen Wiedererkennungswert. Darüber hinaus liebe ich die geheimnisvolle, komplexe Welt, die Cashore erschaffen hat. Erst nachdem man alle drei Teile gelesen hat, wird wirklich deutlich, wie gut und sorgfältig die Königreiche und ihre historische Geschichte entwickelt wurden. Diese Trilogie ist nicht weiter oben in der Liste, weil die jeweiligen Handlungen zwar schon spannend sind, aber mich teilweise nicht zu einhundert Prozent begeistern konnten. Manche Stellen sind einfach etwas zu lang gezogen. 

5. Legend (Marie Lu)

Foto: Loewe Verlag
Diese dystopische Trilogie überzeugt vor allem durch die dreidimensionalen, sympathischen Hauptcharaktere. Außerdem erzählt sie eine aufregende, mitreißende Geschichte über eine Revolution. Was mir dabei besonders gut gefällt: Die Handlungen und Entscheidungen der Figuren sind durchdacht und strategisch. Sie rennen nicht einfach blindlings in Kämpfe, sondern gehen wirklich bedacht und clever vor, was die ganze Geschichte sehr rund und stimmig macht. Positiv ist für mich auch die Beziehung zwischen den Protagonisten. Diese Liebesgeschichte ist eine der wenigen aus Jugendbüchern, die ich absolut gelungen finde. Sie ist bedeutend, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen oder den Fokus von den wirklich wichtigen Problemen zu lenken. Beide Figuren stehen für sich und sind nicht vom anderen abhängig, doch als Team sind sie noch besser. Trotzdem ist nicht alles perfekt, aber es gibt nie unnötiges Drama. Wenn es Streit und Auseinandersetzungen gibt, sind die sehr verständlich und keiner der beiden reagiert über. Allerdings sind da immer noch ein paar Reihen, die mir einen Hauch besser gefallen haben; besonders eine aus dem Dystopie-Genre mag ich noch mehr.

4. Die Jette-Thriller (Monika Feth)

Foto: Random House
Diese Reihe begleitet mich schon sehr lange! Ich habe den ersten Teil damals mit 14 gelesen und seitdem bin ich ein großer Fan dieser Thriller. Ein großer Pluspunkt sind hier die Charaktere, die man während der Zeit kennenlernt. Als Leser sieht man dabei zu, wie sie älter werden (im ersten Teil sind sie gerade mit der Schule fertig) und sich verändern. Außerdem kommen immer neue Figuren hinzu. Sie alle wirken immer sehr greifbar und wie reale Personen. Auch der Kommissar, der ebenfalls Kapitel aus seiner Sicht bekommt, ist eine sehr dreidimensionale Figur, die mit jedem Band interessanter wird. Zudem gefällt mir, dass die Autorin sich in diesen Geschichten auch mit ernsten Themen auseinandersetzt, zum Beispiel psychischen Krankheiten - sowohl bei Tätern als auch bei manchen der Hauptfiguren. Mittlerweile ist es einfach ein sehr vertrautes Gefühl, diese Bücher zu lesen. Das Einzige, was mich ab und zu stört: Auch nach vielen durchlebten (lebens-)gefährlichen Situationen (So viel Unglück wie die Protagonisten muss man erst einmal haben ...), begeben sich die jungen Leute immer wieder aufs Neue in bedrohliche Lagen. Einerseits trägt das natürlich zur Spannung bei, aber manchmal ist es wiklich nervig. Diese Reihe ist außerdem nur auf Platz vier gelandet, weil es zwei der mittlerweile sechs Teile gibt, die ich nicht ganz so überzeugend finde. Der schlechteste ist dabei für mich "Der Bilderwächter", weil er sehr schleppend verläuft und erst spät für Nervenkitzel sorgt.

Es gibt übrigens eine neuere Reihe (bis jetzt sind drei Teile erschienen, der erste Band lautet "Teufelsengel"), die so etwas wie ein Spin-Off ist und die ich auch empfehlen kann.

3. Riley Blackthorne - Die Dämonenfängerin (Jana Oliver)

Foto: S. Fischer Verlag
Riley ist eine meiner liebsten weiblichen Hauptcharaktere überhaupt! Sie muss so viel Schlechtes durchleben und kommt dabei immer wieder an ihre Grenzen, aber kämpft sich trotzdem immer wieder durch. Sie wirkt sehr echt und glaubwürdig. Mir war sie von Anfang an sympathisch und ich bin ihr gerne durch die Geschichte gefolgt. Ich liebe außerdem die Idee der Reihe. Ich bin ein Fan der Serie "Supernatural" und kann mich für alles, was mit Übernatürlichem und Dämonen zu tun hat, begeistern. Besonders der Aspekt, dass die Menschen in der Zukunft von der Existenz der Dämonen wissen und man in die Lehre gehen kann, um sie zu fangen, gefällt mir sehr gut. Der gesamte Aufbau der Geschichte und die Welt wirken sehr strukturiert und schlüssig. Neben Riley gibt es außerdem noch weitere tolle Charaktere, beispielsweise ihr bester Freund, der zur Abwechslung mal nicht heimlich in die Heldin verliebt ist und deren Freundschaft wirklich glaubwürdig dargestellt wird. Daneben gibt es auch noch Beck, der zwar oft das Klischee "Harte Schale, weicher Kern" bedient, aber trotzdem ein sehr liebenswürdiger, tiefgründiger Charakter ist. Obwohl ich Beck sehr gerne mag, war mir das Drama zwischen ihm und Riley manchmal allerdings etwas zu viel und übertrieben. Das ist aber auch der einzige Störfaktor. Ich war wirklich traurig, als ich die Reihe beendet habe. Am liebsten hätte ich noch vier weitere Teile! 

2. Das Verbotene Eden (Thomas Thiemeyer)

Foto: Droemer Knaur Verlag
Diese Trilogie erzählt eine sehr spannende, ergreifende Geschichte. Zuerst einmal finde ich das Zukunftsszenario sehr ausgefallen und interessant. Nicht nur die Idee, dass Männer und Frauen getrennt leben, auch das Setting der stark zerstörten Version der Erde ist wirklich gelungen. Hinzu kommen die tollen Figuren, die ich alle sofort in Herz geschlossen habe. In jedem Band geht es um ein anderes Paar, was die Reihe sehr abwechslungsreich macht. Die Sechs könnten nicht unterschiedlicher sein und haben alle sehr einprägsame Merkmale, die sie auszeichnen. Warum mich diese Reihe aber besonders überzeugt hat: Die Liebesgeschichten nehmen einen großen Teil der Handlung ein, aber sie alle sind so wundervoll und glaubhaft erzählt, dass sie nie überzogen, kitschig oder nervtötend wirken. Während des letzten Teils musste ich mehrere Male fast weinen, weil mich die Geschichte so berührt hat. Es gibt wirklich nichts, was mich gestört hat. Daher ist es wirklich eine rein emotionale Entscheidung, warum dieser Reihe auf dem zweiten Platz gelandet ist, weil es noch eine andere Trilogie gibt, die mich ein kleines bisschen mehr gefangen nehmen konnte.

Ich habe übrigens auch die "Evolution"-Trilogie des Autors gelesen, die es zwar nicht in die Liste geschafft hat, aber trotzdem wirklich gut ist! Meine Rezensionen dazu findet ihr hier


1. Die Tribute von Panem (Suzanne Collins)

Foto: Oetinger Verlag
Ich habe den ersten Teil als Hörbuch gehört und die Geschichte hat mich so begeistert und berührt, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. Deshalb habe mir dann noch am selben Tag die englischen Ausgaben von Band 2 und 3 bestellt. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich sie beide durchgesuchtet. Die Geschichte hat mich nicht losgelassen und auch hier bin ich sehr emotional mit den Charakteren verbunden gewesen. Während dieser drei Bände habe ich beinahe alles empfunden: Trauer, Wut, Angst, Freude, Anspannung. Es gibt einige Stellen, die mich so aufgewühlt haben, dass ich das Buch kurz zur Seite legen musste und andere, die mich zu Tränen gerührt haben. Suzanne Collins hat eine bedrückend düsterere und überzeugende Zukunftsversion erschaffen, die mich auch noch lange nach Beenden der Trilogie beschäftigt hat - das schaffen nicht viele Bücher! Erst vor Kurzem habe ich die Reihe erneut gelesen und sie konnte mich wieder genauso fesseln - auch deshalb ist sie ganz knapp auf dem ersten Platz gelandet.


Das waren meine Top 10 Buchreihen. Welche mögt ihr am liebsten? War euer Favorit vielleicht auch in meiner Liste dabei? Schreibt es gerne in die Kommentare


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Alle Beiträge zum Thema Buch findet ihr hier.


Montag, 9. April 2018

Ready Player One - Buch vs. Film

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Am 5. April ist der Film "Ready Player One" in den deutsche Kinos erschienen, der auf dem gleichnamigen Roman von Ernest Cline basiert. Ich habe das Buch aus dem Jahr 2010 kurz vor dem Kinostart gelesen und werde in diesem "Buch vs. Film" beide Versionen miteinander vergleichen. 

Im Jahr 2045 ist die Erde ein ziemlich trostloser Ort. Viele Menschen flüchten daher in die virtuelle Welt, die OASIS. Dessen Erfinder James Halliday (Mark Rylance) starb fünf Jahre zuvor. Vor seinem Tod hat er in der OASIS mehrere Schlüssel versteckt. Löst man die Aufgaben, erwartet den glücklichen Gewinner ein goldenes Ei, Hallidays "Easter Egg". In seinem Testament hat er veranlasst, dass die Person, die das Ei findet, sein gesamtes Vermögen erhält und außerdem Eigentümer seiner virtuellen Welt wird. Nicht nur leidenschaftliche Gamer nehmen am Rennen um das Ei teil. Die IOI (Innovative Online Industries), ein globales Firmenkonglomerat und größter Internetanbieter der Welt, will den Wettbewerb mit allen Mitteln gewinnen, um die OASIS und alle Nutzer kommerziell auszubeuten. Nach fünf erfolglosen Jahren gelingt es dem 18-jährigen Wade Watts (Tye Sheridan), als erste Person den Schlüssel zu bekommen. Als sein Avatar Parzival erlangt er nun nicht nur in der virtuellen Welt Berühmtheit, sondern wird auch von der IOI in der echten Welt verfolgt. Doch er ist nicht allein, da die Schlüssel nicht einzigartig sind, sondern nach jedem Fund wieder an der gleiichen Stelle auftauchen. Vier weitere Spieler teilen bald Wades Schicksal: sein Online-Freund Aech (Lena Waithe), die Brüder Daito (Win Morisaki) und Shoto (Philip Zhao) sowie Art3mis (Olivia Cooke), in deren virtuelle Persönlichkeit Wade schon lange verknallt ist. Sie alle wollen verhindern, dass der arrogante und gefährliche IOI-Vorsitzende Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) das Ei vor ihnen findet.


Eine knifflige Suche wird zum flachen Actionkampf

Der Film überzeugt vor allem optisch
Foto: Warner Bros. Pictures
Die virtuelle Realität der OASIS können sich Leser bereits im Buch durch die detailreichen Beschreibungen gut bildlich vorstellen. Da ein Großteil der Handlung an diesem Ort spielt, war ich wirklich gespannt darauf, wie er für den Film visualisiert wurde. Ich wurde definitiv nicht enttäuscht. Alles ist optisch toll umgesetzt. Die OASIS wird grandios zum Leben erweckt. Es wird veranschaulicht, wie viele unterschiedliche Welten in ihr existieren und dass jeder so aussehen kann, wie er will. Als Zuschauer taucht man wirklich in dieses kleine Universum ein und es macht Spaß, es zu erkunden. Die verschiedenen Avatare sehen ebenfalls klasse aus. Aber auch die Realität wird ansprechend übernommen. Die Kulisse passt perfekt zu der Atmosphäre einer heruntergekommenen Erde. In der ersten Szene wird Wades Zuhause in den "Stacks" gezeigt. Dieser Ort, an dem sich gigantische Türme von aufeinandergestapelten Wohnwagen befinden, klingt schon im Buch interessant. Auf der Leinwand wirkt er wirklich sehr beeindruckend. Das alles konnte mich während des Films beeindrucken. Neben der Optik kommt allerdings noch ein weitaus wichtigerer Aspekt hinzu: der Inhalt. Leider konnte der mich nicht wirklich überzeugen. Jeder, der das Buch gelesen hat, wird beim Film schnell merken, dass er anders ist. Sehr anders. Ich habe den Roman einen Tag vor meinem Kinobesuch beendet. Die Geschichte hatte ich also noch gut im Gedächtnis. Aber selbst Leser, die früher zum Original gegriffen haben, werden wohl die Veränderungen bemerken. Für mich wirkt es so, als wäre nur die Grundidee eines virtuellen Wettbewerbs genommen worden, um daraus einen reinen Actionfilm zu machen. Die Suche nach den drei Schlüsseln und das Meistern der Aufgaben ist reine Nebensache und hat im Gegensatz zum Buch auch kaum noch etwas mit der Popkultur der 80er Jahre zu tun. Im Roman erwacht dieses Jahrzehnt regelrecht zum Leben. Als Leser kann man die Liebe (und teilweise auch leichte Obsession) dazu auf jeder Seite spüren. Im Film ist von alldem kaum etwas zu merken. Keine einzige der Aufgaben, die Wade im Roman löst, wurde für die Adaption übernommen. Dass nicht alle vorkommen können, macht Sinn. Dafür sind sie zu komplex und langwierig und die Laufzeit des Films soll ja nicht fünf Stunden sein. Aber ich finde es schade, dass nicht mal eine der Aufgaben eingebaut wurde. 
Wade in der Realität, während sein Avatar Abenteuer erlebt
Foto: Warner Bros. Pictures
Insgesamt wirkt das ganze Spiel weniger anspruchsvoll. Im Buch vergehen Monate zwischen Wades Fund des ersten Schlüssels und dem Ende des Wettkampfs. Im Film scheint alles in wenigen Stunden, vielleicht Tagen zu passieren. Das macht den Sieg deutlich unspektakulärer. Das liegt aber wohl auch daran, dass die Rätsel relativ simpel gestaltet sind, während sie im Buch viel Wissen und Können verlangen. In einem Teil des Spiels muss Wade in die Rolle des Protagonisten aus dem Film "WarGames" schlüpfen und jede Szene exakt nachspielen. In einer anderen Aufgabe geht es darum, den Highscore von "Pac-Man" zu knacken, was fast unmöglich ist. Für so etwas muss man wirklich ein echter Nerd sein. In der Adaption landet die Gruppe beispielsweise in einer Simulation des Horrorfilms "Shining", wo ein Schlüssel versteckt liegt. Statt Wissen über den Film anzuwenden, kämpfen sie gegen Zombies, die im Original nicht mal vorkommen und tanzen am Ende mit einer virtuellen Version von Kira (Perdita Weeks), Hallidays Schwarm aus Jugendzeiten. Der Zuschauer erfährt übrigens fast gar nichts über diese Frau und es wird nicht verständlich, wieso sie eine so große Rolle im Spiel bekommen hat. Noch komischer ist aber das abgedrehte Autorennen um den ersten Schlüssel. In fünf Jahren hat es keiner geschafft, das Rennen zu beenden. Die Lösung: Man muss beim Start rückwärts fahren. Dadurch gelangt man auf eine unterirdische Fahrbahn ganz ohne Hindernisse. Es ist extrem unglaubwürdig, dass auf diese Idee in FÜNF JAHREN niemand gekommen ist! Mal abgesehen davon, dass dafür kein Wissen über irgendetwas gebraucht wird. Nachdem es also Jahre gedauert hat, um das erste Rätsel zu lösen, soll der Zuschauer ernsthaft glauben, dass alle anderen Aufgaben innerhalb kürzester Zeit machbar sind? Das ergibt nicht wirklich Sinn. 

Charaktere begeistern im Buch, aber enttäuschen im Film

Wades Alter Ego Parzival
Foto: Warner Bros. Pictures
Die Glaubwürdigkeit der Hauptpersonen ist im gesamten Film ein Problem für mich. Im Roman brennen die Figuren für die Popkultur und vergöttern Halliday und sein Lebenswerk. Das ist teilweise etwas übertrieben und manchmal war ich definitiv genervt, wenn Wade den Lesern sein endloses Wissen präsentiert hat. Aber gerade das macht diese Charaktere so glaubwürdig! Ich habe ihnen zu hundert Prozent geglaubt, dass sie Nerds und perfekt für die Suche nach dem Ei sind. Es macht Sinn, dass sie letztendlich so weit kommen. Im Film hingegen sind die Figuren nicht wirklich herausragend. Besonders Aech, Daito und Shoto bleiben sehr eindimensional. Ich finde es schwierig, sie als leidenschaftliche Geeks wahrzunehmen, weil sie eher wie typische Charaktere in einem Actionfilm wirken und kaum Persönlichkeit haben. So ist Aech beispielsweise nur dafür da, hier und da ein paar coole Sprüche rauszuhauen.
Samantha (alias Art3mis) ist genau bis zu dem Zeitpunkt interessant, als sie und Wade in der realen Welt aufeinandertreffen. Als ihr Avatar erscheint sie sehr stark, clever und geheimnisvoll. In der Realität sieht der Zuschauer davon nicht mehr wirklich viel und sie wird schnell in die Rolle des Love Interests gedrängt. Die Liebesgeschichte finde ich in beiden Versionen nicht wirklich gut gelungen, weil die zwei einfach keine Chemie haben. Im Film entwickelt sich die Beziehung allerdings viel zu schnell und wird dadurch noch unglaubwürdiger. Was mich aber besonders stört, ist die merkwürdige "Rebellion", der die junge Gamerin angehört. Sie spielt für ungefähr fünf Minuten eine Rolle, nur um dann nie wieder erwähnt zu werden. Beim ersten Zusammentreffen mit der IOI werden alle gefasst. Was auch immer mit ihnen passiert, der Zuschauer erfährt es nicht und hat sie sicher nach zehn Minuten bereits vergessen. Was ist das bitte für eine Rebellion? So etwas existiert im Buch überhaupt nicht. Die Charaktere bleiben für sich und sträuben sich sogar, als Team zu spielen. In der Verfilmung werden sie quasi ab der ersten Sekunde zu Freunden und meistern die Aufgaben als Team. Diese Änderung ist die einzige, die ich nachvollziehen kann. Es wäre wahrscheinlich weniger interessant gewesen, über ein Drittel des Films nur Wade als handelnde Figur zu sehen, so wie es im Buch der Fall ist. Trotzdem finde ich es etwas unglaubwürdig, wie schnell diese eigentlich sozial eher unangepassten Nerds sich bei der ersten Gelegenheit zusammentun. 
Samantha und Wade treffen in der echten Welt aufeinander
Foto: Warner Bros. Pictures
Im Roman punktet Wade durch sein kluges Handeln. Nach der verheerenden Explosion, durch die Sorrento ihn umbringen wollte, legt er sich eine neue Identität an. Er lässt IOI weiter im Glauben, er sei tatsächlich gestorben. Im Film wird er kurze Zeit nach der Explosion von Sorrento entdeckt. Sein Verhalten wirkt einfach sehr viel unüberlegter. Leider fehlt ein bestimmter Teil, der mir im Original so ziemlich am besten gefallen hat, weil er zeigt, wie durchdacht Wade gegen IOI vorgeht, komplett. Das Unternehmen ist die einzige bekannte Autorität und hat enormen weltweiten Einfluss. Menschen, die sich verschuldet haben, werden festgenommen, als Zwangsarbeiter eingesetzt und rund um die Uhr überwacht. Sie werden bis zu ihrem Lebensende ausgebeutet. Im Roman lässt Wade sich mit Absicht von der IOI festnehmen. Er schafft es, belastendes Material zu sammeln und wieder zu fliehen. Erstens fand ich diese Wendung richtig gut, weil sie nochmal viel Spannung erzeugt. Außerdem wird dadurch veranschaulicht, wie böse IOI und wie dystopisch die Welt wirklich ist. Der Film lässt diesen gesamten Handlungsstrang aus. Der dystopische Aspekt ist zwar immer noch erkennbar, als das Unternehmen Samantha festnimmt, wird aber deutlich oberflächiger behandelt.
Immerhin gibt es zum Schluss noch eine Übereinstimmung. Wie in der Vorlage geht es um die Botschaft, dass keine noch so gute virtuelle Realität das echte Leben ersetzen kann. Im Gegensatz zum Roman geht der Film sogar noch einen Schritt weiter und gibt einen kurzen Ausblick darauf, was nach Wades Sieg geschieht. Samantha und er sorgen unter anderem dafür, dass die OASIS zweimal pro Woche "geschlossen" ist, damit die Menschen wieder mehr in der Realität leben. So etwas fehlt im Buch, da es kurz nach dem Finden des Eis endet. Doch auch das kann die Adaption für mich nicht mehr retten. 

Fazit

Die Verfilmung von "Ready Player One" nimmt zwar die Grundidee des Romans, ändert aber quasi alle Elemente, die die Geschichte ausmachen. Statt die Popkultur zum Leben zu erwecken, wird sie vielmehr als platte Kulisse für einen Actionfilm genommen. Die Suche nach dem Ei hat kaum noch etwas mit Wissen über Filme, Serien und Spiele der 80er Jahre zu tun. Auch die Charaktere unterscheiden sich stark von ihren Vorbildern aus dem Buch. Es sind keine antisozialen Nerds mehr, sondern Teamspieler, denen ich das Nerdsein nicht wirklich glauben kann. Zwar kann die Adaption optisch überzeugen, doch wenn es um den Inhalt geht, greife ich lieber wieder zum Original. 


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