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Donnerstag, 12. Juli 2018

Lauras Top 10 Buchreihen

Bücher begleiten mich schon seit meiner Kindheit und seitdem habe ich nicht nur jede Menge Einzelbände gelesen, sondern auch einige Buchreihen. Daher stelle ich euch in der heutigen "Watch.Read.List." meine zehn Favoriten vor. Es gibt viele Reihen, die ich begonnen habe, aber entweder nach dem ersten Teil abgebrochen, irgendwo mittendrin beendet oder noch nicht komplett gelesen habe. All diese habe ich natürlich nicht mit einbezogen. Es war nicht leicht, die Zehn für mich Besten in eine Rangfolge zu bringen. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die über einen Platz entschieden haben und ich kann jede der erwähnten Reihen wirklich empfehlen. 
Falls ihr manche der Reihen nicht kennt, klickt einfach auf die Titel, dann gelangt ihr zur Inhaltsbeschreibung. 


10. Der magische Zirkel (Lisa J. Smith) 

Foto: Random House
Diese Geschichte gehört zu einer der ersten, die ich als Teenager gelesen habe und die mir noch sehr prägnant im Gedächtnis geblieben ist. Andere Romane aus dieser Zeit habe ich vollkommen vergessen. Mir hat bei dieser Reihe die Mischung aus ganz normalem Schulalltag und den Erlebnissen des geheimen Zirkels sehr gefallen. Die ganze Stimmung hat etwas Mystisches. Ich mochte diese Reihe auch deutlich lieber als die "Tagebuch eines Vampirs"-Reihe der Autorin. Mittlerweile wurden bzw. werden nachträglich neue Bände  der Hexengeschichte veröffentlicht. Die habe ich nie gelesen, weil die Trilogie, die in den 90ern herausgebracht wurde, für mich sehr gut abgeschlossen ist und auch eigentlich nie weitergeführt werden sollte. Würde ich sie heute noch mal lesen, würde sie mir vielleicht nicht mehr ganz so gut gefallen wie damals, aber als Jugendliche war es für mich eine wirklich tolle, unterhaltsame Reihe.

9. Das Tal (Krystyna Kuhn)

Foto: Arena Verlag
Ich mag die mysteriöse, bedrohliche Stimmung in dieser Reihe unglaublich gerne. Auch die meisten der Hauptcharaktere sind mir sympathisch. Da jeder über die acht Bände mal im Vordergrund steht, hat man wirklich das Gefühl, sie alle gut kennenzulernen. Jeder von ihnen trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das erst im Laufe der Zeit offenbart wird, was auch den Figuren etwas Mysteriöses gibt. Die meist lebensbedrohlichen Situationen, in die die Jugendlichen im Tal geraten, sind immer sehr spannend und mitreißend erzählt. Der Schreibstil ist locker und flüssig, sodass ich sogar an einem Tag gleich zwei Teile hintereinander verschlungen habe, weil ich mich nicht von der Geschichte losreißen konnte. Warum diese Reihe nur auf Platz neun gelandet ist, liegt an dem Finale und der Auflösung, was denn nun das große Geheimnis ist, das das Tal und das College umgibt. Da habe ich definitiv mehr erwartet und war enttäuscht, weil es sehr zusammengewürfelt wirkt und nicht zu einhundert Prozent stimmig und schlüssig erscheint. 

8. Die Erben der Nacht (Ulrike Schweikert)

Foto: Random House
Im Vergleich zu den größtenteils romantischen Vampirgeschichten, wie "Twilight" oder "Tagebuch eines Vampirs", hat die Reihe von Ulrike Schweikert eine ganz andere Stimmung, die mir sehr gut gefällt. Beim Lesen kommt das Gefühl auf, eine Abenteuergeschichte zu erleben. Es macht einfach Spaß, die jungen Vampire auf ihrem Weg zu begleiten. Dadurch, dass jeder der fünf Bände ein Schuljahr repräsentiert und sie immer neue Fähigkeiten erlernen, ist eine deutliche Entwicklung erkennbar und es wird nie langweilig oder eintönig. Ich finde besonders die verschiedenen Settings sehr faszinierend. Mit jedem Band lernt der Leser eine andere Stadt im 19. Jahrhundert kennen, z.B. Rom, Wien oder London. Mir hat es unheimlich gut gefallen, diese Orte in der Vergangenheit zu "besuchen". Ein Highlight sind zudem die "Gastauftritte" berühmter Persönlichkeiten. So begleitet der Leser unter anderem Bram Stoker oder Oscar Wilde. Die Idee, sie Teil dieser fiktiven Geschichte werden zu lassen, finde ich genial. Ebenfalls positiv ist, dass die Reihe nie den roten Faden verliert. Insgesamt gibt es aber Reihen, die mich noch etwas mehr begeistern konnten. 

7. Skulduggery Pleasant (Derek Landy)

Foto: Loewe Verlag
Obwohl es diese diese Reihe, die mittlerweile bereits zehn Teile umfasst, schon relativ lange gibt, habe ich sie erst sehr spät für mich entdeckt. Ich bin aber letztendlich wirklich froh, dass ich sie noch gelesen habe! Die Geschichte ist definitiv etwas Besonderes und sticht aus der großen Masse an Kinder- und Jugendbüchern heraus. Wobei ich finde, dass diese Romane nicht nur für diese Altersgruppe gemacht sind. Ich war schon über 18 Jahre alt, als ich damit begonnen habe und ich liebe den cleveren Humor, die temporeichen Abenteuer, die abgedrehten und zugleich liebenswerten Charaktere sowie die fantasievolle Idee hinter "Skulduggery Pleasant". Der Grund, warum diese Reihe "nur" auf dem siebten Platz ist: Es gibt zwar auch ein paar emotionalere Momente und die Figuren sind mir über die Zeit ans Herz gewachsen, aber im Vergleich zu anderen Reihen hat mich Derek Landys Geschichte nicht ganz so sehr berührt. Trotzdem ist es eine spannende, witzige und unterhaltsame Geschichte, die genau deshalb in meiner "Top 10" nicht fehlen darf.

6. Die Sieben Königreiche (Kristin Cashore)

Foto: Carlsen Verlag
Diese Reihe mag ich vor allem wegen der vielen tollen Charaktere, die man während der Trilogie kennenlernt. In jedem der drei Bände gibt es unterschiedliche Protagonisten und alle von ihnen sind sehr liebenswerte und vielschichtige Persönlichkeiten. Nach Beenden des ersten Teils war ich skeptisch, ob die Figuren der kommenden Bände mit denen aus "Die Beschenkte" mithalten können. Doch letztendlich haben sie mir ebenso gut gefallen. Alle von ihnen sind wirklich sympathisch und haben einen Wiedererkennungswert. Darüber hinaus liebe ich die geheimnisvolle, komplexe Welt, die Cashore erschaffen hat. Erst nachdem man alle drei Teile gelesen hat, wird wirklich deutlich, wie gut und sorgfältig die Königreiche und ihre historische Geschichte entwickelt wurden. Diese Trilogie ist nicht weiter oben in der Liste, weil die jeweiligen Handlungen zwar schon spannend sind, aber mich teilweise nicht zu einhundert Prozent begeistern konnten. Manche Stellen sind einfach etwas zu lang gezogen. 

5. Legend (Marie Lu)

Foto: Loewe Verlag
Diese dystopische Trilogie überzeugt vor allem durch die dreidimensionalen, sympathischen Hauptcharaktere. Außerdem erzählt sie eine aufregende, mitreißende Geschichte über eine Revolution. Was mir dabei besonders gut gefällt: Die Handlungen und Entscheidungen der Figuren sind durchdacht und strategisch. Sie rennen nicht einfach blindlings in Kämpfe, sondern gehen wirklich bedacht und clever vor, was die ganze Geschichte sehr rund und stimmig macht. Positiv ist für mich auch die Beziehung zwischen den Protagonisten. Diese Liebesgeschichte ist eine der wenigen aus Jugendbüchern, die ich absolut gelungen finde. Sie ist bedeutend, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen oder den Fokus von den wirklich wichtigen Problemen zu lenken. Beide Figuren stehen für sich und sind nicht vom anderen abhängig, doch als Team sind sie noch besser. Trotzdem ist nicht alles perfekt, aber es gibt nie unnötiges Drama. Wenn es Streit und Auseinandersetzungen gibt, sind die sehr verständlich und keiner der beiden reagiert über. Allerdings sind da immer noch ein paar Reihen, die mir einen Hauch besser gefallen haben; besonders eine aus dem Dystopie-Genre mag ich noch mehr.

4. Die Jette-Thriller (Monika Feth)

Foto: Random House
Diese Reihe begleitet mich schon sehr lange! Ich habe den ersten Teil damals mit 14 gelesen und seitdem bin ich ein großer Fan dieser Thriller. Ein großer Pluspunkt sind hier die Charaktere, die man während der Zeit kennenlernt. Als Leser sieht man dabei zu, wie sie älter werden (im ersten Teil sind sie gerade mit der Schule fertig) und sich verändern. Außerdem kommen immer neue Figuren hinzu. Sie alle wirken immer sehr greifbar und wie reale Personen. Auch der Kommissar, der ebenfalls Kapitel aus seiner Sicht bekommt, ist eine sehr dreidimensionale Figur, die mit jedem Band interessanter wird. Zudem gefällt mir, dass die Autorin sich in diesen Geschichten auch mit ernsten Themen auseinandersetzt, zum Beispiel psychischen Krankheiten - sowohl bei Tätern als auch bei manchen der Hauptfiguren. Mittlerweile ist es einfach ein sehr vertrautes Gefühl, diese Bücher zu lesen. Das Einzige, was mich ab und zu stört: Auch nach vielen durchlebten (lebens-)gefährlichen Situationen (So viel Unglück wie die Protagonisten muss man erst einmal haben ...), begeben sich die jungen Leute immer wieder aufs Neue in bedrohliche Lagen. Einerseits trägt das natürlich zur Spannung bei, aber manchmal ist es wiklich nervig. Diese Reihe ist außerdem nur auf Platz vier gelandet, weil es zwei der mittlerweile sechs Teile gibt, die ich nicht ganz so überzeugend finde. Der schlechteste ist dabei für mich "Der Bilderwächter", weil er sehr schleppend verläuft und erst spät für Nervenkitzel sorgt.

Es gibt übrigens eine neuere Reihe (bis jetzt sind drei Teile erschienen, der erste Band lautet "Teufelsengel"), die so etwas wie ein Spin-Off ist und die ich auch empfehlen kann.

3. Riley Blackthorne - Die Dämonenfängerin (Jana Oliver)

Foto: S. Fischer Verlag
Riley ist eine meiner liebsten weiblichen Hauptcharaktere überhaupt! Sie muss so viel Schlechtes durchleben und kommt dabei immer wieder an ihre Grenzen, aber kämpft sich trotzdem immer wieder durch. Sie wirkt sehr echt und glaubwürdig. Mir war sie von Anfang an sympathisch und ich bin ihr gerne durch die Geschichte gefolgt. Ich liebe außerdem die Idee der Reihe. Ich bin ein Fan der Serie "Supernatural" und kann mich für alles, was mit Übernatürlichem und Dämonen zu tun hat, begeistern. Besonders der Aspekt, dass die Menschen in der Zukunft von der Existenz der Dämonen wissen und man in die Lehre gehen kann, um sie zu fangen, gefällt mir sehr gut. Der gesamte Aufbau der Geschichte und die Welt wirken sehr strukturiert und schlüssig. Neben Riley gibt es außerdem noch weitere tolle Charaktere, beispielsweise ihr bester Freund, der zur Abwechslung mal nicht heimlich in die Heldin verliebt ist und deren Freundschaft wirklich glaubwürdig dargestellt wird. Daneben gibt es auch noch Beck, der zwar oft das Klischee "Harte Schale, weicher Kern" bedient, aber trotzdem ein sehr liebenswürdiger, tiefgründiger Charakter ist. Obwohl ich Beck sehr gerne mag, war mir das Drama zwischen ihm und Riley manchmal allerdings etwas zu viel und übertrieben. Das ist aber auch der einzige Störfaktor. Ich war wirklich traurig, als ich die Reihe beendet habe. Am liebsten hätte ich noch vier weitere Teile! 

2. Das Verbotene Eden (Thomas Thiemeyer)

Foto: Droemer Knaur Verlag
Diese Trilogie erzählt eine sehr spannende, ergreifende Geschichte. Zuerst einmal finde ich das Zukunftsszenario sehr ausgefallen und interessant. Nicht nur die Idee, dass Männer und Frauen getrennt leben, auch das Setting der stark zerstörten Version der Erde ist wirklich gelungen. Hinzu kommen die tollen Figuren, die ich alle sofort in Herz geschlossen habe. In jedem Band geht es um ein anderes Paar, was die Reihe sehr abwechslungsreich macht. Die Sechs könnten nicht unterschiedlicher sein und haben alle sehr einprägsame Merkmale, die sie auszeichnen. Warum mich diese Reihe aber besonders überzeugt hat: Die Liebesgeschichten nehmen einen großen Teil der Handlung ein, aber sie alle sind so wundervoll und glaubhaft erzählt, dass sie nie überzogen, kitschig oder nervtötend wirken. Während des letzten Teils musste ich mehrere Male fast weinen, weil mich die Geschichte so berührt hat. Es gibt wirklich nichts, was mich gestört hat. Daher ist es wirklich eine rein emotionale Entscheidung, warum dieser Reihe auf dem zweiten Platz gelandet ist, weil es noch eine andere Trilogie gibt, die mich ein kleines bisschen mehr gefangen nehmen konnte.

Ich habe übrigens auch die "Evolution"-Trilogie des Autors gelesen, die es zwar nicht in die Liste geschafft hat, aber trotzdem wirklich gut ist! Meine Rezensionen dazu findet ihr hier


1. Die Tribute von Panem (Suzanne Collins)

Foto: Oetinger Verlag
Ich habe den ersten Teil als Hörbuch gehört und die Geschichte hat mich so begeistert und berührt, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. Deshalb habe mir dann noch am selben Tag die englischen Ausgaben von Band 2 und 3 bestellt. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich sie beide durchgesuchtet. Die Geschichte hat mich nicht losgelassen und auch hier bin ich sehr emotional mit den Charakteren verbunden gewesen. Während dieser drei Bände habe ich beinahe alles empfunden: Trauer, Wut, Angst, Freude, Anspannung. Es gibt einige Stellen, die mich so aufgewühlt haben, dass ich das Buch kurz zur Seite legen musste und andere, die mich zu Tränen gerührt haben. Suzanne Collins hat eine bedrückend düsterere und überzeugende Zukunftsversion erschaffen, die mich auch noch lange nach Beenden der Trilogie beschäftigt hat - das schaffen nicht viele Bücher! Erst vor Kurzem habe ich die Reihe erneut gelesen und sie konnte mich wieder genauso fesseln - auch deshalb ist sie ganz knapp auf dem ersten Platz gelandet.


Das waren meine Top 10 Buchreihen. Welche mögt ihr am liebsten? War euer Favorit vielleicht auch in meiner Liste dabei? Schreibt es gerne in die Kommentare


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Alle Beiträge zum Thema Buch findet ihr hier.


Dienstag, 29. August 2017

Aquila (Ursula Poznanski) - Rezension

Ursula Poznanski präsentiert mit "Aquila" ihren neuesten Jugendthriller. Der Roman erschien am 14. August im "Loewe"-Verlag und umfasst 425 Seiten.
Ich habe schon andere Werke der Autorin gelesen ("Erebos" und "Elanus"), die mich mit einer aufregenden, ausgefallenen Handlung begeistern konnten. Daher war ich schon sehr gespannt auf ihre jüngste Geschichte.

Die 19-jährige Studentin Nika macht gerade ein Auslandssemester in Siena. Eines Morgens wacht sie in ihrer Wohnung auf und weiß nicht mehr, was in letzten 48 Stunden geschehen ist. Zu allem Überfluss kann sie Handy, Wohnungsschlüssel sowie Pass nicht finden. Auch von ihrer Mitbewohnerin fehlt jede Spur. Dann findet Nika einen Zettel und darauf eine Liste mit merkwürdigen Botschaften, geschrieben in ihrer Handschrift:
„Das Blut ist nicht deines.
Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist.
Halte dich fern von Adler und Einhorn.“
Das sind nur einige der mysteriösen Hinweise. Nika kann mit ihnen nichts anfangen, erkennt aber bald, dass sie die Rätsel lösen muss, um herauszufinden, was in den vergangenen zwei Tagen passiert ist. Und die Zeit rennt, denn jemand hat die Studentin im Visier und scheint mit allen Mitteln verhindern zu wollen, dass Nika die Wahrheit erfährt. 

Tolle Kulisse und keine Lovestory

Aquila bedeutet Adler
Foto: Loewe Verlag
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut. Ein Grund dafür war, dass die Geschichte in Italien spielt, weil ich dieses Land als Handlungsort interessant und faszinierend finde. Poznanski schafft es, die Leser mitten in die Stadt Siena zu ziehen. Sie beschreibt die Umgebung detailliert, ohne dabei zu langweilen. Ich habe das Gefühl gehabt, den Ort dadurch richtig gut kennenzulernen. Das liegt auch daran, dass Nika viele verschiedene Gegenden aufsucht, um herauszufinden, was passiert ist. Am spannendsten war für mich ihr Abstieg in die Bottini, die Unterwasserstraßen Sienas. Eine tolle Kulisse, die dazu beigetragen hat, die düstere, fast unheimliche Stimmung der Szenen zu unterstreichen. Durch die Schilderungen der Autorin ist die Angst der Protagonistin förmlich greifbar.
Generell ist Poznanskis Schreibstil angenehm und flüssig zu lesen, sodass ich von Anfang an in die Geschichte hineingezogen wurde. Dazu trägt zudem die Hauptfigur bei, die mich zumindest teilweise auf ihre Seite bringen konnte. Vor allem Nikas Ausgangssituation ist ein ziemlich beunruhigendes Szenario, so dass ich anfangs automatisch ihre Sorgen und Ängste mitgefühlt habe. Die Lage wird außerdem sehr bald ernst, als die Leiche der Mitbewohnerin gefunden wird. Besonders die Konfrontationen mit der Polizei haben mich auf die Seite der Protagonistin gezogen. Der Ermittler glaubt, ihr Gedächtnisverlust sei nur vorgespielt. Er beschuldigt sie sogar unterschwellig, etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben ("'[...] Ich kann mich nicht erinnern.' Es war Fiorese (Kommissar) anzusehen, dass er sich um innere Ruhe bemühte. 'Sehr bequem, nicht wahr? Einfach so tun, als wäre nichts passiert?' […] 'Nein, das ist überhaupt nicht bequem', fuhr sie ihn an. 'Es ist ein Albtraum. […]'"). In diesen Situationen wird den Lesern Nikas Frustration sehr gut nahegebracht, sodass ich mich richtig mit ihr geärgert habe.
Die Protagonistin wurde für mich besonders dadurch sympathisch, dass sie selbst in beängstigenden Situationen oftmals Sarkasmus oder schwarzen Humor einbringt ("Die schwere Erkältung war vorprogrammiert. Der Gedanke ließ sie beinahe auflachen. Diese Erkältung musste sie erst einmal erleben."; "'Es gibt Probleme.' 'Oh. Etwas ganz Neues.'"). Was mir ebenfalls wirklich gut gefallen hat: Die junge Studentin lernt den Italiener Stefano kennen und das schreit fast nach einer Liebesgeschichte. Doch Nika sagt klar, dass sie in ihrer Situation keinen Kopf für sowas hat ("Unter anderen Umständen hätte sie ihn vermutlich interessant gefunden […], aber so wie die Dinge standen, gab es kaum etwas, das sie weniger interessierte als irgendwelche romantischen Verwicklungen."). Endlich mal eine realistische Einstellung! Ich habe wirklich kurz das Lesen unterbrochen und "Danke" gesagt.


Was machst du denn?

Im Laufe der Geschichte gibt es dann allerdings einige Entscheidungen der Protagonistin, die ich fragwürdig fand. So hat mich ihr Charakter dann doch zwiegespalten zurückgelassen. Die Frage oben ist mir tatsächlich immer wieder in den Sinn gekommen, während ich Nikas Aktionen und Gedankengänge verfolgt habe. Gerade zu Beginn wirkt die junge Studentin sehr sprunghaft, was ihre Einstellung zur ganzen Geschichte angeht. In der einen Sekunde ist sie fest davon überzeugt, dass die verschlüsselten Botschaften eine wichtige Bedeutung haben müssen. In der anderen glaubt Nika plötzlich an keinen tieferen Sinn mehr, obwohl zu diesem Zeitpunkt schon in ihre Wohnung eingebrochen wurde! Dieses Hin und Her geht noch eine Weile weiter. Das war etwas anstrengend mitzuverfolgen. Ich habe mich ebenfalls darüber geärgert, dass sie ständig die Fakten verdrängt. Zu Beginn verdächtigt die Studentin längere Zeit ihre verschwundene Mitbewohnerin als diejenige, die sie terrorisiert. Dabei weiß Nika, dass ein Mann nachts in ihrer Wohnung war und zudem liegt ein blutiges Männershirt in ihrem Badezimmer. Für mich war ihre Schlussfolgerung daher sehr unlogisch.
Mit der Zeit hat es auch gestört, wie viele Dinge die Protagonistin der Polizei verheimlicht, da es dafür oftmals keinen wirklich guten Grund gibt. Durch dieses Verhalten wird leider auch schnell ziemlich offensichtlich, was als nächstes passiert: Natürlich kommen im Laufe der Geschichte alle Details ans Licht, die von ihr verschwiegen wurden, was Nika nur noch verdächtiger dastehen lässt. Sie reitet sich selbst immer tiefer in den Schlamassel. Da fiel es mir teilweise schwer, noch mit ihr zu fühlen. Was aber am schlimmsten ist: Ihr unvorsichtiges Verhalten. So geht die Hauptfigur beispielsweise einer Spur nach, läuft, ohne sich auch nur mal umzudrehen, zu einem Haus und in den dortigen Keller. Im nächsten Moment ist Nika dann vollkommen geschockt, als jemand die Tür verriegelt. Auch hier war es schwierig, Mitleid mit ihr zu haben, weil ich wusste, wie unvernünftig sie zuvor gehandelt hat. 

Rätselraten bis zum Schluss

Mir hat die Idee mit den versteckten Botschaften, die von der Protagonistin selbst als Gedächtnisstütze geschrieben wurden, grundlegend gut gefallen. Die Leser wissen genauso wenig wie Nika und begleiten sie beim Versuch, die Hinweise zu entschlüsseln. Die mysteriösen Rätsel haben definitiv dafür gesorgt, dass mich das Buch gefesselt hat. Es dauert fast den gesamten Zeitraum der Handlung, bis wirklich jede Bedeutung offenbart wird. Die Hauptfigur selbst kann lange Zeit keinen Sinn hinter den Worten erkennen, was alles sehr glaubhaft erscheinen lässt. Leider war es somit recht schwierig, die meisten Rätsel irgendwie mit aufzulösen. Teilweise kommen der Studentin die Erleuchtungen sehr plötzlich, sodass man als Leser gar nicht nachvollziehen kann, wie sie den Hinweis knacken konnte. Dadurch wurde ich aber noch mehr von der Geschichte gepackt, weil ich unbedingt wissen wollte, was hinter allen mysteriösen Botschaften steckt.
Das letzte Drittel des Buches wird dann nochmal richtig spannend, als Stück für Stück endlich alles aufgedeckt wird, was in den 48 Stunden passiert ist. Dabei gerät Nika außerdem in eine gefährliche Situation, die so lebendig beschrieben wird, dass ich vollkommen gepackt wurde. Nikas Angst und Panik wurde glaubhaft und eingängig von Poznanski geschildert. Die Leser können zudem bis zum Schluss rätseln, was genau vorgefallen ist. Nika erfährt immer nur einzelne Teile der ganzen Wahrheit, entweder durch andere oder durch ihre eigenen Erinnerungen, die langsam zurückkommen. Die Auflösung war dann allerdings so überhaupt nicht das, was ich vermutet habe. Es hat letztendlich aber alles Sinn ergeben und die offenen Fragen wurden geklärt. Trotzdem wirkte es etwas unbefriedigend. Ich hatte mit einer ausgefalleneren Erklärung gerechnet, die mich richtig schockt. Letztendlich müssen die Leser auch einfach glauben, dass die verantwortliche Person zu so einer Tat imstande war. Das ist mir etwas schwergefallen, da es im Buch nicht wirklich überzeugende Stellen gibt, die dafür sprechen. 

Fazit

Ursula Poznanski präsentiert mit ihrem neuen Jugendthriller "Aquila" einen spannenden Roman, der durch eine tolle Kulisse besticht. Durch den lebendigen Schreibstil der Autorin habe ich schnell in die Handlung hineingefunden und war bis zum Ende von der Geschichte gefesselt. Auch wenn die Protagonistin oft undurchdacht handelt, war es dennoch aufregend und interessant, sie bei der Suche nach den verlorenen Erinnerungen zu begleiten. Die cleveren Rätsel haben dazu beigetragen, dass die Handlung durchweg mysteriös und packend blieb. Zwar wird zum Schluss alles mit einer logischen Erklärung aufgelöst, dennoch hatte ich am Ende auf eine außergewöhnlichere Idee gehofft.


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