Donnerstag, 12. Juli 2018

Lauras Top 10 Buchreihen

Bücher begleiten mich schon seit meiner Kindheit und seitdem habe ich nicht nur jede Menge Einzelbände gelesen, sondern auch einige Buchreihen. Daher stelle ich euch in der heutigen "Watch.Read.List." meine zehn Favoriten vor. Es gibt viele Reihen, die ich begonnen habe, aber entweder nach dem ersten Teil abgebrochen, irgendwo mittendrin beendet oder noch nicht komplett gelesen habe. All diese habe ich natürlich nicht mit einbezogen. Es war nicht leicht, die Zehn für mich Besten in eine Rangfolge zu bringen. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die über einen Platz entschieden haben und ich kann jede der erwähnten Reihen wirklich empfehlen. 
Falls ihr manche der Reihen nicht kennt, klickt einfach auf die Titel, dann gelangt ihr zur Inhaltsbeschreibung. 


10. Der magische Zirkel (Lisa J. Smith) 

Foto: Random House
Diese Geschichte gehört zu einer der ersten, die ich als Teenager gelesen habe und die mir noch sehr prägnant im Gedächtnis geblieben ist. Andere Romane aus dieser Zeit habe ich vollkommen vergessen. Mir hat bei dieser Reihe die Mischung aus ganz normalem Schulalltag und den Erlebnissen des geheimen Zirkels sehr gefallen. Die ganze Stimmung hat etwas Mystisches. Ich mochte diese Reihe auch deutlich lieber als die "Tagebuch eines Vampirs"-Reihe der Autorin. Mittlerweile wurden bzw. werden nachträglich neue Bände  der Hexengeschichte veröffentlicht. Die habe ich nie gelesen, weil die Trilogie, die in den 90ern herausgebracht wurde, für mich sehr gut abgeschlossen ist und auch eigentlich nie weitergeführt werden sollte. Würde ich sie heute noch mal lesen, würde sie mir vielleicht nicht mehr ganz so gut gefallen wie damals, aber als Jugendliche war es für mich eine wirklich tolle, unterhaltsame Reihe.

9. Das Tal (Krystyna Kuhn)

Foto: Arena Verlag
Ich mag die mysteriöse, bedrohliche Stimmung in dieser Reihe unglaublich gerne. Auch die meisten der Hauptcharaktere sind mir sympathisch. Da jeder über die acht Bände mal im Vordergrund steht, hat man wirklich das Gefühl, sie alle gut kennenzulernen. Jeder von ihnen trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das erst im Laufe der Zeit offenbart wird, was auch den Figuren etwas Mysteriöses gibt. Die meist lebensbedrohlichen Situationen, in die die Jugendlichen im Tal geraten, sind immer sehr spannend und mitreißend erzählt. Der Schreibstil ist locker und flüssig, sodass ich sogar an einem Tag gleich zwei Teile hintereinander verschlungen habe, weil ich mich nicht von der Geschichte losreißen konnte. Warum diese Reihe nur auf Platz neun gelandet ist, liegt an dem Finale und der Auflösung, was denn nun das große Geheimnis ist, das das Tal und das College umgibt. Da habe ich definitiv mehr erwartet und war enttäuscht, weil es sehr zusammengewürfelt wirkt und nicht zu einhundert Prozent stimmig und schlüssig erscheint. 

8. Die Erben der Nacht (Ulrike Schweikert)

Foto: Random House
Im Vergleich zu den größtenteils romantischen Vampirgeschichten, wie "Twilight" oder "Tagebuch eines Vampirs", hat die Reihe von Ulrike Schweikert eine ganz andere Stimmung, die mir sehr gut gefällt. Beim Lesen kommt das Gefühl auf, eine Abenteuergeschichte zu erleben. Es macht einfach Spaß, die jungen Vampire auf ihrem Weg zu begleiten. Dadurch, dass jeder der fünf Bände ein Schuljahr repräsentiert und sie immer neue Fähigkeiten erlernen, ist eine deutliche Entwicklung erkennbar und es wird nie langweilig oder eintönig. Ich finde besonders die verschiedenen Settings sehr faszinierend. Mit jedem Band lernt der Leser eine andere Stadt im 19. Jahrhundert kennen, z.B. Rom, Wien oder London. Mir hat es unheimlich gut gefallen, diese Orte in der Vergangenheit zu "besuchen". Ein Highlight sind zudem die "Gastauftritte" berühmter Persönlichkeiten. So begleitet der Leser unter anderem Bram Stoker oder Oscar Wilde. Die Idee, sie Teil dieser fiktiven Geschichte werden zu lassen, finde ich genial. Ebenfalls positiv ist, dass die Reihe nie den roten Faden verliert. Insgesamt gibt es aber Reihen, die mich noch etwas mehr begeistern konnten. 

7. Skulduggery Pleasant (Derek Landy)

Foto: Loewe Verlag
Obwohl es diese diese Reihe, die mittlerweile bereits zehn Teile umfasst, schon relativ lange gibt, habe ich sie erst sehr spät für mich entdeckt. Ich bin aber letztendlich wirklich froh, dass ich sie noch gelesen habe! Die Geschichte ist definitiv etwas Besonderes und sticht aus der großen Masse an Kinder- und Jugendbüchern heraus. Wobei ich finde, dass diese Romane nicht nur für diese Altersgruppe gemacht sind. Ich war schon über 18 Jahre alt, als ich damit begonnen habe und ich liebe den cleveren Humor, die temporeichen Abenteuer, die abgedrehten und zugleich liebenswerten Charaktere sowie die fantasievolle Idee hinter "Skulduggery Pleasant". Der Grund, warum diese Reihe "nur" auf dem siebten Platz ist: Es gibt zwar auch ein paar emotionalere Momente und die Figuren sind mir über die Zeit ans Herz gewachsen, aber im Vergleich zu anderen Reihen hat mich Derek Landys Geschichte nicht ganz so sehr berührt. Trotzdem ist es eine spannende, witzige und unterhaltsame Geschichte, die genau deshalb in meiner "Top 10" nicht fehlen darf.

6. Die Sieben Königreiche (Kristin Cashore)

Foto: Carlsen Verlag
Diese Reihe mag ich vor allem wegen der vielen tollen Charaktere, die man während der Trilogie kennenlernt. In jedem der drei Bände gibt es unterschiedliche Protagonisten und alle von ihnen sind sehr liebenswerte und vielschichtige Persönlichkeiten. Nach Beenden des ersten Teils war ich skeptisch, ob die Figuren der kommenden Bände mit denen aus "Die Beschenkte" mithalten können. Doch letztendlich haben sie mir ebenso gut gefallen. Alle von ihnen sind wirklich sympathisch und haben einen Wiedererkennungswert. Darüber hinaus liebe ich die geheimnisvolle, komplexe Welt, die Cashore erschaffen hat. Erst nachdem man alle drei Teile gelesen hat, wird wirklich deutlich, wie gut und sorgfältig die Königreiche und ihre historische Geschichte entwickelt wurden. Diese Trilogie ist nicht weiter oben in der Liste, weil die jeweiligen Handlungen zwar schon spannend sind, aber mich teilweise nicht zu einhundert Prozent begeistern konnten. Manche Stellen sind einfach etwas zu lang gezogen. 

5. Legend (Marie Lu)

Foto: Loewe Verlag
Diese dystopische Trilogie überzeugt vor allem durch die dreidimensionalen, sympathischen Hauptcharaktere. Außerdem erzählt sie eine aufregende, mitreißende Geschichte über eine Revolution. Was mir dabei besonders gut gefällt: Die Handlungen und Entscheidungen der Figuren sind durchdacht und strategisch. Sie rennen nicht einfach blindlings in Kämpfe, sondern gehen wirklich bedacht und clever vor, was die ganze Geschichte sehr rund und stimmig macht. Positiv ist für mich auch die Beziehung zwischen den Protagonisten. Diese Liebesgeschichte ist eine der wenigen aus Jugendbüchern, die ich absolut gelungen finde. Sie ist bedeutend, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen oder den Fokus von den wirklich wichtigen Problemen zu lenken. Beide Figuren stehen für sich und sind nicht vom anderen abhängig, doch als Team sind sie noch besser. Trotzdem ist nicht alles perfekt, aber es gibt nie unnötiges Drama. Wenn es Streit und Auseinandersetzungen gibt, sind die sehr verständlich und keiner der beiden reagiert über. Allerdings sind da immer noch ein paar Reihen, die mir einen Hauch besser gefallen haben; besonders eine aus dem Dystopie-Genre mag ich noch mehr.

4. Die Jette-Thriller (Monika Feth)

Foto: Random House
Diese Reihe begleitet mich schon sehr lange! Ich habe den ersten Teil damals mit 14 gelesen und seitdem bin ich ein großer Fan dieser Thriller. Ein großer Pluspunkt sind hier die Charaktere, die man während der Zeit kennenlernt. Als Leser sieht man dabei zu, wie sie älter werden (im ersten Teil sind sie gerade mit der Schule fertig) und sich verändern. Außerdem kommen immer neue Figuren hinzu. Sie alle wirken immer sehr greifbar und wie reale Personen. Auch der Kommissar, der ebenfalls Kapitel aus seiner Sicht bekommt, ist eine sehr dreidimensionale Figur, die mit jedem Band interessanter wird. Zudem gefällt mir, dass die Autorin sich in diesen Geschichten auch mit ernsten Themen auseinandersetzt, zum Beispiel psychischen Krankheiten - sowohl bei Tätern als auch bei manchen der Hauptfiguren. Mittlerweile ist es einfach ein sehr vertrautes Gefühl, diese Bücher zu lesen. Das Einzige, was mich ab und zu stört: Auch nach vielen durchlebten (lebens-)gefährlichen Situationen (So viel Unglück wie die Protagonisten muss man erst einmal haben ...), begeben sich die jungen Leute immer wieder aufs Neue in bedrohliche Lagen. Einerseits trägt das natürlich zur Spannung bei, aber manchmal ist es wiklich nervig. Diese Reihe ist außerdem nur auf Platz vier gelandet, weil es zwei der mittlerweile sechs Teile gibt, die ich nicht ganz so überzeugend finde. Der schlechteste ist dabei für mich "Der Bilderwächter", weil er sehr schleppend verläuft und erst spät für Nervenkitzel sorgt.

Es gibt übrigens eine neuere Reihe (bis jetzt sind drei Teile erschienen, der erste Band lautet "Teufelsengel"), die so etwas wie ein Spin-Off ist und die ich auch empfehlen kann.

3. Riley Blackthorne - Die Dämonenfängerin (Jana Oliver)

Foto: S. Fischer Verlag
Riley ist eine meiner liebsten weiblichen Hauptcharaktere überhaupt! Sie muss so viel Schlechtes durchleben und kommt dabei immer wieder an ihre Grenzen, aber kämpft sich trotzdem immer wieder durch. Sie wirkt sehr echt und glaubwürdig. Mir war sie von Anfang an sympathisch und ich bin ihr gerne durch die Geschichte gefolgt. Ich liebe außerdem die Idee der Reihe. Ich bin ein Fan der Serie "Supernatural" und kann mich für alles, was mit Übernatürlichem und Dämonen zu tun hat, begeistern. Besonders der Aspekt, dass die Menschen in der Zukunft von der Existenz der Dämonen wissen und man in die Lehre gehen kann, um sie zu fangen, gefällt mir sehr gut. Der gesamte Aufbau der Geschichte und die Welt wirken sehr strukturiert und schlüssig. Neben Riley gibt es außerdem noch weitere tolle Charaktere, beispielsweise ihr bester Freund, der zur Abwechslung mal nicht heimlich in die Heldin verliebt ist und deren Freundschaft wirklich glaubwürdig dargestellt wird. Daneben gibt es auch noch Beck, der zwar oft das Klischee "Harte Schale, weicher Kern" bedient, aber trotzdem ein sehr liebenswürdiger, tiefgründiger Charakter ist. Obwohl ich Beck sehr gerne mag, war mir das Drama zwischen ihm und Riley manchmal allerdings etwas zu viel und übertrieben. Das ist aber auch der einzige Störfaktor. Ich war wirklich traurig, als ich die Reihe beendet habe. Am liebsten hätte ich noch vier weitere Teile! 

2. Das Verbotene Eden (Thomas Thiemeyer)

Foto: Droemer Knaur Verlag
Diese Trilogie erzählt eine sehr spannende, ergreifende Geschichte. Zuerst einmal finde ich das Zukunftsszenario sehr ausgefallen und interessant. Nicht nur die Idee, dass Männer und Frauen getrennt leben, auch das Setting der stark zerstörten Version der Erde ist wirklich gelungen. Hinzu kommen die tollen Figuren, die ich alle sofort in Herz geschlossen habe. In jedem Band geht es um ein anderes Paar, was die Reihe sehr abwechslungsreich macht. Die Sechs könnten nicht unterschiedlicher sein und haben alle sehr einprägsame Merkmale, die sie auszeichnen. Warum mich diese Reihe aber besonders überzeugt hat: Die Liebesgeschichten nehmen einen großen Teil der Handlung ein, aber sie alle sind so wundervoll und glaubhaft erzählt, dass sie nie überzogen, kitschig oder nervtötend wirken. Während des letzten Teils musste ich mehrere Male fast weinen, weil mich die Geschichte so berührt hat. Es gibt wirklich nichts, was mich gestört hat. Daher ist es wirklich eine rein emotionale Entscheidung, warum dieser Reihe auf dem zweiten Platz gelandet ist, weil es noch eine andere Trilogie gibt, die mich ein kleines bisschen mehr gefangen nehmen konnte.

Ich habe übrigens auch die "Evolution"-Trilogie des Autors gelesen, die es zwar nicht in die Liste geschafft hat, aber trotzdem wirklich gut ist! Meine Rezensionen dazu findet ihr hier


1. Die Tribute von Panem (Suzanne Collins)

Foto: Oetinger Verlag
Ich habe den ersten Teil als Hörbuch gehört und die Geschichte hat mich so begeistert und berührt, dass ich sofort wissen musste, wie es weitergeht. Deshalb habe mir dann noch am selben Tag die englischen Ausgaben von Band 2 und 3 bestellt. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich sie beide durchgesuchtet. Die Geschichte hat mich nicht losgelassen und auch hier bin ich sehr emotional mit den Charakteren verbunden gewesen. Während dieser drei Bände habe ich beinahe alles empfunden: Trauer, Wut, Angst, Freude, Anspannung. Es gibt einige Stellen, die mich so aufgewühlt haben, dass ich das Buch kurz zur Seite legen musste und andere, die mich zu Tränen gerührt haben. Suzanne Collins hat eine bedrückend düsterere und überzeugende Zukunftsversion erschaffen, die mich auch noch lange nach Beenden der Trilogie beschäftigt hat - das schaffen nicht viele Bücher! Erst vor Kurzem habe ich die Reihe erneut gelesen und sie konnte mich wieder genauso fesseln - auch deshalb ist sie ganz knapp auf dem ersten Platz gelandet.


Das waren meine Top 10 Buchreihen. Welche mögt ihr am liebsten? War euer Favorit vielleicht auch in meiner Liste dabei? Schreibt es gerne in die Kommentare


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Dienstag, 10. Juli 2018

Katrins Flop 5 Sonntagskrimi-Teams

Sie sind gern gesehene Gäste in Millionen von deutschsprachigen Haushalten: die Sonntagskrimi-Ermittler. Laut ARD-Homepage sind derzeit 22 "Tatort" und vier "Polizeiruf 110" Teams im Einsatz. Allerdings waren nicht alle während der 2017/2018-Saison zu sehen (klickt hier für unseren Rückblick auf die vergangen 12 Monate Sonntagskrimi). Die Meinungen, welche Kommissare mehr und welche weniger (oder gar keine) Fälle bekommen sollten, gehen sehr weit auseinander. Nachdem ich euch vor Kurzem bereits meine Top 5 Teams vorgestellt habe (hier geht es zum Post), geht es diesmal um die fünf, die ich am wenigsten mag.
Zur Info: In dieser Liste bewerte ich NICHT die schauspielerischen Leistungen, sondern ausschließlich die Charaktere selbst und ihr Verhältnis zueinander und zu ihren Fällen.


5. Stellbrink und Marx, Tatort Saarbrücken

Teamarbeit gibt es bei Stellbrink schon lange nicht mehr
Foto: dpa/Manuela Meyer
Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück) haben seit 2013 sieben Fälle in Saarbrücken gelöst. 2019 ist Schluss, da sich Striesow entschieden hat, die Sonntagskrimi-Familie zu verlassen.  
Ich werde diesen "Tatort" nicht vermissen. Mal abgesehen davon, dass seit 2013 nur unterdurchschnittliche und schlechte Folgen aus Saarbrücken kamen, mochte ich das Team nie. Wie ihr im weiteren Verlauf dieser Liste feststellen werdet, gibt es eine Sache, die mich wirklich stört: Wenn ein Krimi dazu benutzt wird, um einen Ermittler (zufälligerweise fast immer ein sehr bekannter deutscher Schauspieler beziehungsweise sehr bekannte Schauspielerin) zu inszenieren. Der Kommissar, seine ungewöhnlichen Eigenarten und seine Probleme stehen immer im Mittelpunkt. Der Kriminalfall, die anderen Hauptcharaktere (wenn es überhaupt welche gibt) und die Logik gehen dabei völlig unter. Ganz nach dem Motto: Es ist nicht schlimm, wenn die Geschichte keinen Sinn ergibt und die Figuren platt sind, Hauptsache der einsame Held wirkt möglichst cool. Das ist auch der Fall beim Saarbrückener "Tatort". Obwohl Marx und Stellbrink offiziell gleichberechtigt sind, war die Kommissarin in den letzten Folgen kaum noch zu sehen. Auch die restlichen, wiederkehrenden Figuren sind eigentlich Fpnur Statisten, deren einzige Aufgabe es ist, Stellbrink zu unterstützen oder ihn zurückzuhalten - je nachdem, was ihn gerade besser dastehen lässt. Auf meiner "Top 5 Ermittler"-Liste ging der fünfte Platz an das vermutlich harmonischste Duo. Bei den Flops ist es das, was am wenigsten als "Team" bezeichnet werden kann. Dazu kommt noch die Tatsache, dass ich Stellbrink mit seiner treudoofen und naiven Art nicht wirklich ernst nehmen kann.


4. Voss, Ringelhahn, Goldwasser, Fleischer und Schatz, Franken-Tatort 

Viele Köche, äh Ermittler verderben den Brei
Foto: dpa/Daniel Karmann
Das einzige Sonntagskrimi-Quintett ermittelt seit 2015 in Nürnberg und dem Rest des Frankenlandes. Vier Fälle haben Felix Voss (Fabian Hinrichs), Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt), Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) und Michael Schatz (Matthias Egersdörfer) mittlerweile gelöst.
Vor ihrem jüngsten Fall "Ich töte niemand" wäre das Nürnberger Team auf keiner meiner Listen aufgetaucht. Ganz einfach, weil sie so farblos waren und so wenig Persönlichkeit hatten, dass ich beim besten Willen nicht gewusst hätte, wie ich die Ermittler hätte bewerten sollen. Goldwasser, Fleischer und Schatz sind fast genauso sehr Statisten wie Marx aus Saarbrücken. Auch Voss und Ringelhahn, die deutlich mehr Screentime haben als ihre drei Kollegen, hatten praktisch keine Vorgeschichte, keine individuellen Merkmale - schlicht keine Persönlichkeit. In "Ich töte niemand" wurde dann in Bezug auf die zwei eine Kehrtwendung gemacht: Voss war plötzlich ein herumschreiender und emotional instabiler Choleriker, für dessen Sinneswandel keinerlei Erklärung genannt wurde. Für Ringelhahns Gefühlsausbrüche gab es zwar einen Anlass, doch sie passten überhaupt nicht zu der Figur, die der Zuschauer in den vorherigen Folgen kennengelernt hatte. Kurz gesagt: Die beiden wurden mal eben schnell mit der Holzhammermethode charakterisiert. Ihre drei Mitstreiter laufen allerdings weiterhin als blasse Statisten im Hintergrund herum. Beim Franken-Team entsteht einfach der Eindruck, als hätten die Macher nicht die geringste Ahnung, was sie mit den Ermittlern tun sollen. 


3. Berlinger und Rascher, Tatort Mainz

Unsympathisch, aber nicht auf charmante Weise
Foto: SWR/Julia Terjung
2016 ermittelte Ellen Berlinger (Heike Makatsch) in einem einmaligen Event-"Tatort" in Freiburg. Dabei blieb es jedoch nicht. Seit 2018 bildet sie gemeinsam mit Martin Rascher (Sebastian Blomberg) das Team in Mainz.
Bislang war Berlinger nur in zwei Folgen zu sehen und dennoch sind sie und Rascher bereits in meinen Top 3 der schlechtesten Teams. Mir war die Vorgeschichte der Kommissarin schon in der ersten Folge zu albern und melodramatisch: Hochschwanger kehrt sie nach 15 Jahren in ihre Heimatstadt zurück und trifft dort erstmalig ihre mittlerweile 16-jährige Tochter, die sie nach der Geburt bei ihrer Mutter zurückgelassen hat. Für eine Soap oder ein Familiendrama-Fernsehfilm mag das passen, bei einem Krimi ist das einfach nur übertrieben und unpassend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Berlinger-"Tatort" damals noch als einmalige Ausgabe geplant war. Eine so umfassende, verstrickte und dramatische Charakterisierung für eine Figur, die der Zuschauer nur 88 Minuten lang begleitet, ist einfach unnötig. Anstelle sich dann nach der Verlängerung auf diese Geschichte zu konzentrieren, wurde Berlingers ältere Tochter im zweiten Fall "Zeit der Frösche" sang- und klanglos herausgeschrieben und durch ihre mittlerweile geborene jüngere Tochter ersetzt. Zudem spielen ihr Liebesleben und ihre schlechte Balance zwischen Privatleben und Beruf eine noch größere Rolle. Für einen Krimi definitiv zu viel, vor allem da Berlinger eine der unsympathischsten Sonntagskrimi-Ermittlerinnen ist. Sie ist unfair, ungehobelt und behandelt die Menschen um sich herum schlecht. Nicht gerade ideale Voraussetzungen, um den Zuschauer für ihr übertrieben dramatisches Privatleben zu interessieren. Ihr neuer Mainzer Kollege scheint auch kein spannender, engagierter und individueller Charakter zu werden. In seinem bislang einzigen Fall wurde er ausschließlich als trübsinniger und lethargischer Jammerlappen gezeigt.


2. Lindholm, Tatort Hannover

Nach 16 Jahren ist Lindholm einfach auserzählt
Foto: NDR
25 Fälle hat Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schon auf dem Buckel. Seit 2002 wird sie vom Landeskriminalamt Niedersachsen in Dörfer und Städte rund um Hannover geschickt, um dort Verbrechen aufzuklären.
Wenn Berlinger auf dieser Liste auftaucht, dann muss auch Kommissarin Lindholm draufstehen, denn die beiden Frauen sind sich in vielen Punkten sehr ähnlich. Beide suhlen sich gründlich in ihren selbst verursachten Problemen, jammern in Dauerschleife und wissen nicht so recht, wohin mit ihren Kindern. Bei der Mainzer Ermittlerin besteht aber immerhin noch die Chance, dass sie sich im Laufe der Zeit und im Zusammenspiel mit ihrem Kollegen weiterentwickeln wird. Lindholm tritt seit Jahren auf der Stelle. Die Drehbuchautoren werfen immer wieder irgendwelche Liebschaften oder berufliche Probleme ein, doch der Charakter selbst verändert sich nicht. Ihr trübsinniges, schroffes und unorganisiertes Auftreten stört mich schon lange. Das fällt vor allem negativ auf, da sie für die meisten Fälle einen einmaligen Partner zugewiesen bekommt, der fast immer deutlich sympathischer, aufgeweckter und ein besserer Ermittler ist als sie selbst. Wie Frauke Schäfer (Susanne Bormann) im jüngsten Krimi "Der Fall Holdt". Häufig wirkt es so, als sei Lindholm selber die Antagonistin in ihren Geschichten, da sie grobe Fehler macht, voreilige Schlüsse zieht und sich mit ihren Vermutungen verrennt. Einige langjährige Kommissare, wie beispielsweise das Münchener Team, entwickeln sich stetig weiter und passen sich an neue Gegebenheiten an. Bei der Hannoveraner LKA-Ermittlerin werden hingegen in jeder Folge dieselben Problemchen aufgewärmt und dem Zuschauer lustlos vorgesetzt. Hoffentlich schafft es ihre neue Kollegin - die offenbar länger als einen Fall bleibt - Anaïs Schmitz ("Marvel"-Star Florence Kasumba) frischen Wind in den Lindholm-"Tatort" zu bringen.

1. Murot, Tatort Wiesbaden

Sinnlose Ballerei: Bei Tschiller gehasst, bei Murot geliebt
Foto: HR/Philip Sichler
Seit 2010 ermittelt Felix Murot (Ulrich Tukur) in Wiesbaden. Der beim Landeskriminalamt Hessen arbeitende Kommissar war bislang in sechs Folgen zu sehen. 
Wie ich bereits oben geschrieben habe, finde ich nichts schlimmer, als einen Krimi, dessen einziges Ziel es ist, einen Ermittler zur Ikone zu stilisieren. Ein treffenderes Beispiel als den Wiesbadener "Tatort"-Kommissar Felix Murot gibt es schlicht und ergreifend nicht. Selbst sein Hamburger Kollege Nick Tschiller (Til Schweiger) passt besser in einen Krimi als Murot. Das Ziel dieser Folgen scheint nämlich immer zu sein, noch abgedrehter, verstrickter und unlogischer zu werden, als die vorherige. Dabei liegt der Fokus immer auf dem seltsamen Ermittler, der sich auf keine wirklichen Charaktereigenschaften festlegen lässt. Das ist auch sein größtes Problem: Alle Sonntagskrimi-Ermittler, selbst die Münsteraner Ulknudeln und die psychischen Wracks aus Dortmund, fühlen sich zumindest ein wenig wie echte Personen an. Murot ist der einzige, der immer wie eine Kunstfigur wirkt. Er hat keine weltlichen Probleme, ist unbesiegbar und scheint sich durch nichts Bestimmtes auszuzeichnen - das lässt ihn eher wie eine Comicfigur und nicht wie einen handfesten Charakter erscheinen. Sein exaltiertes Verhalten und der ungeheure Zwang, dass sich im Wiesbadener "Tatort" alles um ihn drehen muss, machen Murot zum mit Abstand unsympathischsten und unausgereiftesten Sonntagskrimi-Ermittler. Er versucht so hart künstlerisch, geheimnisvoll und cool zu sein, dass es genau das Gegenteil bewirkt. Ich kann ihn einfach nicht ernst nehmen.


Das waren meine Flop 5 der Sonntagskrimi-Teams. Wie ihr gemerkt habt, waren es nur "Tatort"-Teams. Ich mag die "Polizeiruf"-Ermittler aus München und Magdeburg zwar nicht sonderlich, aber unter den unrühmlichen fünf sind sie dann doch nicht gelandet. Welche Kommissare guckt ihr nicht sonderlich gerne? Schreibt es in die Kommentare.
Falls ihr jetzt auch wissen wollt, welche fünf Teams ich am besten finde, gelangt ihr hier zu meinem Top 5-Post.

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Sonntag, 8. Juli 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 6 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Nachdem Tandy (Olivia Holt) herausgefunden hat, dass Mina Hess (Ally Maki), die als Umweltingeneurin bei "Roxxon" arbeitet, die Tochter des ehemaligen Ingenieurs Ivan Hess (Tim Kang) ist, gibt sie sich ihr gegenüber als Praktikantin aus. Da ihr eigener und Minas Vater gemeinsam an einem Projekt für das Unternehmen gearbeitet haben, erhofft sie sich, Antworten zu finden. Tyrone (Aubrey Joseph) will ebenfalls an Informationen kommen. Er hat Duane (Dalon J. Holland), einen Freund seines ermordeten Bruders Billy, dabei beobachtet, wie er sich mit Connors (J. D. Evermore) getroffen hat. Da er sich sicher ist, dass es dabei um die Drogengeschäfte des korrupten Polizisten geht, will er sich bei Duane als Drogenkurier "bewerben", um Beweise gegen Connors zu finden. Währenddessen sucht Evita (Noëlle Renée Bercy) ihre Tante und Voodoopriesterin Chantelle (Angela Davis) auf, die ihr etwas Schwerwiegendes über die Zukunft von Ty offenbart. 


Es wird wieder interessanter

Tandy (l.) und Mina verstehen sich auf Anhieb gut
Foto: Screenshot
Obwohl größtenteils wieder wenig Temporeiches passiert, ist diese Folge im Vergleich zu den letzten beiden (hier geht's zu den Rezensionen von Episode 4 und Episode 5) wieder deutlich spannender. Das liegt vor allem daran, dass neue Charaktere mit ins Spiel kommen, von denen der Zuschauer bis jetzt so gut wie nichts gesehen hat. Die Szenen zwischen Tandy und Mina haben mir richtig gut gefallen. Die beiden haben von Anfang an eine tolle Chemie. Mina macht einen sympathischen Eindruck und ihr scheint die Umwelt wirklich am Herzen zu liegen. So begeistert und leidenschaftlich, wie sie über die Pflanzen im Sumpf spricht, wird man gleich mitgerissen. Mir ist sie mit ihrer aufgeweckten Art jedenfalls schnell ans Herz gewachsen. So wie die Situation im Moment aussieht, könnten die beiden noch Freunde werden. Besonders gut hat mir gefallen, dass Mina das Schauspiel durchschaut. Sie schließt es aus dem Alter, Aussehen und den vielen Fragen, die ihre "Praktikantin" ihr über "Roxxon" sowie ihren Vater stellt und konfrontiert sie sehr direkt damit. Tandy hat gar keine Chance, sich herauszureden. Statt ihr deshalb eine Szene zu machen, hört Mina sich an, was Tandy wirklich von ihr möchte und verzeiht ihr. Sie fragt sie dann auch noch, warum sie es nicht von Anfang an mit der Wahrheit versucht hat. Das ist eine interessante Szene, da Tandy ihr entgegnet, dass es ihr nicht einmal in den Sinn gekommen ist. Sie lügt sich mittlerweile seit Jahren durchs Leben und ihre Antwort macht deutlich, wie sehr sie das geprägt hat. Hoffentlich ist Minas verständnisvolle Reaktion ein Beweis für Tandy, dass es manchmal besser ist, ehrlich zu sein. Es könnte ein wichtiger Moment für die weitere Entwicklung ihres Charakters sein. Ich würde mich freuen, wenn die Umweltingenieurin auch in den kommenden Episoden wieder auftaucht und vielleicht sogar herausfindet, dass Tandy und Tyrone Superkräfte besitzen. Dank der gemeinsamen Szenen ist jetzt auch etwas klarer, was bei "Roxxon" vor sich geht. Es wird endlich offenbart, wie der Unfall damals passiert ist. Die Firma hat nicht nach Öl gebohrt, sondern nach etwas anderem, einem Rohstoff "that burned ten times better than oil, gets twice as hot". Dadurch ist es zur Explosion gekommen. 
Ty gibt vor, mit ins Drogengeschäft einsteigen zu wollen
Foto: Screenshot
Tyrone braucht noch etwas Hilfe, um sich bei Duane einzuschleusen. Wieder einmal zeigt ihre gemeinsame Szene, wie gelassen und natürlich sie miteinander umgehen, so als würden sie sich schon seit Jahren gut kennen. Während Ty Tandy dafür bewundert, dass sie ihre Fähigkeit schon so sicher benutzen kann, versucht sie ihm Tipps zu geben, wie er bei dem früheren Freund seines Bruders am besten Nachforschungen betreiben kann. Diese Hilfe nimmt Tyrone dann auch tatsächlich an. Zwischen ihnen besteht bereits eine gewisse Vertrauensbasis. Schon solche kleinen Momente zeigen, was für ein tolles Superheldenteam sie später sein könnten. Doch trotz Tandys Tipps fliegt auch Ty am Ende auf und konfrontiert Duane damit, dass er ihn und Connors zusammen gesehen hat. In dieser Szene lässt er all die Wut und Enttäuschung heraus, die sich seit seiner Entdeckung angestaut hat (Ty: "You were there when Billy got shot. [...] You're working with a cop who killed Billy. He was your friend." Duane: "And he's dead. I'm not. What was I supposed to do?" Ty: "You knew. All these years. You know my parents think I'm a liar? Think I'm crazy? I thought I was crazy." Duane: "You are if you playin' me just to bust some cop." Ty: "Use what you got right? Well, I see what you used." Duane: "Yeah, to build a business." Ty: "My dead brother built this business. His blood's in your mill and you could've changed everything."). 
Tandy hilft Ty beim Lügen
Foto: Screenshot
Dieser Dialog ist schon sehr bewegend, da der Zuschauer merkt, wie sehr Tyrone der unaufgeklärte Mord an seinem Bruder noch immer belastet. Da es die ganze zeit einen weiteren Zeugen gegeben hätte, ist seine Wut sehr gut nachvollziehbar. Doch am Ende der Episode wird es dann noch richtig emotional. Zuerst erschießt O'Reilly (Emma Lahana) Duana. Ty, der das mit ansehen musste und sich durch einen Aufschrei verraten hat, flieht vor Connors. Die Szene, als der Polizist in der Gasse auf den rennenden Tyrone schießt, ist toll gemacht. Tyrones Fähigkeit erwacht in der lebensbedrohlichen Situation wieder von allein, doch nicht sofort. Bevor er sich komplett wegteleportieren kann, "flackert" er mehrmals. Einerseits zeigt es, dass er seine Kräfte immer noch nicht gezielt einsetzen kann und scheinbar weiterhin in gefährlichen Situationen sein muss, um sie zu aktivieren. Andererseits ist diese Verfolgungsjagd sehr aufregend, weil Connors immer dann schießt, wenn Tyrone für eine Sekunde verschwindet und dann wieder auftaucht. Als Zuschauer kann man da erst einmal nicht erkennen, ob er ihn getroffen hat oder nicht. Als Ty sich dann endlich richtig teleportieren kann und körperlich unverletzt bei Tandy landet, folgt die wohl berührendste Szene. Aubrey Joseph spielt den aufgelösten, trauernden Jungen unglaublich überzeugend. Zuerst steht er bloß stumm da und dann verzerrt sich seine Mimik ganz langsam, als er anfängt, leise zu weinen und seine zitternden Hände vor sein Gesicht hält. Seine Schmerzen sind so greifbar, dass es fast wehtut, hinzuschauen. Als wäre das nicht schon traurig genug, kann Tandy ihn nicht einmal trösten. Als sie bestürzt zu ihm läuft und ihn umarmen will, sorgen ihre Kräfte dafür, dass sie von ihm weggestoßen wird. Genauso wie der Zuschauer kann sie also nur mit ansehen, wie Tyrone leidet. Das ist ein sehr eindrucksvoller, ergreifender Moment. 

Gibt es eine Prophezeiung?

Chantelle (r.) sieht eine düstere Zukunft in den Karten
Foto: Screenshot
In dieser Folge gibt es eine Nebenhandlung, die ein wenig die Richtung teasert, in die die Geschichte verlaufen wird: Evita besucht ihre Tante und diese erzählt ihr, was in der Zukunft passieren wird. Ich fand es gut, dass die Voodoo-Geschichte wieder aufgegriffen wird und der Zuschauer mehr über die "Puppe" von Tyrone erfährt, die Chantelle angefertigt hat. Außerdem war es eine nette Abwechslung, Evita in ihrer eigenen Nebengeschichte zu sehen und nicht immer nur als Tys Freundin. In diesen Szenen wirkt sie ehrlich besorgt um ihn und sein mögliches Schicksal. Allerdings finde ich diese "Einer muss leben, einer muss sterben, um eine Katastrophe zu verhindern"-Prophezeiung etwas uninteressant. Erstens wird weder Tandy noch Tyrone wirklich sterben, da sie die Hauptcharaktere sind. Sie sind noch nicht einmal ein Team und haben ihre Kräfte in vollen Zügen eingesetzt. Da wird bestimmt nicht schon nach so kurzer Zeit einer von ihnen gehen. Sollte es doch dazu kommen, wird die Person wahrscheinlich danach wieder zum Leben erweckt. In anderen Superheldengeschichten ist dieser Fall schon öfter eingetreten, daher wäre es nicht überraschend, wenn es hier auch so passiert. Daher ist diese Offenbarung nicht wirklich schockierend oder beängstigend. Zweitens ist diese Art der Vorhersehung nichts Außergewöhnliches. Es gab schon etliche Filme, Serien und Bücher, in denen eine große Katastrophe passieren wird und nur eine Person oder eine Gruppe das aufhalten kann - und dabei vielleicht noch sterben muss. Ich hätte mir eine etwas interessantere Idee gewünscht, die noch nicht so oft benutzt wurde. Abgesehen davon bleibt die Vorhersage natürlich vollkommen vage ("But once the wheel's turning only the divine pairing can stop it from crushing us all under it."). Trotzdem trägt es dazu bei, die Spannung der Serie aufrechtzuerhalten. Denn der Zuschauer weiß jetzt zumindest, dass irgendeine Art von großem Desaster passieren wird. Also wird man wohl nicht nur zu sehen bekommen, wie Tandy und Ty ihre Kräfte für "kleine" Probleme und Gegner einsetzen müssen. Stattdessen werden sie wohl eine deutlich wichtigere Rolle spielen. Da frage ich mich aber auch, wie lange die beiden noch Zeit haben. Laut Chantelle wird es bald passieren. Doch während Tandy ihre Kräfte langsam kontrollieren kann, hat Tyrone noch deutlich mehr Probleme. Ich hoffe, dass er sich bald etwas intensiver mit seinen Fähigkeiten auseinandersetzt und wirklich lernt, sie gezielt einzusetzen. Langsam ist es doch etwas unglaubwürdig, dass er sie weiterhin ignoriert und nicht endlich versucht, sie wirklich in den Griff zu bekommen. Immerhin hat er sie in dieser Folge das erste Mal mit einem Ziel benutzt: Als ihn Kev (Tanner Ellis), einer von Duanes Arbeitern, verfolgt, weil er seinen Rucksack voller Drogen geklaut hat, taucht er in dessen Ängste ein und setzt sie gegen ihn ein. Dass er dazu imstande ist, war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Bis jetzt machte es immer den Eindruck, als würden nur Tandy und Ty die Hoffnungen bzw. Albträume der Personen sehen, die sie berühren, ohne dass es einen Einfluss auf die "Berührten" hat. Doch scheinbar kann zumindest Ty seinem Gegenüber diese Albträume sogar durchleben lassen, denn Kev haut danach erschrocken und verstört ab. Es ist definitiv ein interessanter, neuer Aspekt, dass er dieses Talent sogar als eine Art Waffe einsetzen kann. 
Durchschaut Connors seine Kollegin?
Foto: Screenshot
Weiterhin bedeutend für die Geschichte ist wohl auch Connors, da er nun sogar Zeuge von Tyrones Fähigkeiten wird. Mit jeder Episode, in der man mehr von ihm sieht, wirkt er bedrohlicher und kaltblütiger. Im Vergleich zu "Roxxon" und dem CEO Peter Scarborough (Wayne Péré) ist er als Gegenspieler schon deutlich greifbarer. Als er Duane dazu anstiftet, die neugierige O'Reilly zu erschießen, bin ich mir fast sicher, dass die Waffe, die er ihm gegeben hat, nicht geladen war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Polizistin einfach umbringen lässt. Selbst wenn er schon einen Verdacht haben könnte, dass sie seine Drogengeschäfte auffliegen lassen will, würde er wahrscheinlich noch nicht so weit gehen und sie töten. Das könnte zu viel Aufsehen erregen. Viel logischer erscheint es da, Duane von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Somit könnte der Fall für O'Reilly abgeschlossen sein oder aber erschwert werden, da sie ohne Duane als Anhaltspunkt wieder von vorne anfangen müsste. Er selbst musste sich die Hände dabei nicht einmal schmutzig machen. Das passt viel besser zu seinem Charakter und zu den Worten, mit denen ein anderer Polizist O'Reilly zu Beginn der Folge warnt: "Connors is flamable. Don't play with fire." Ich bin jedenfalls gespannt, wie die jeweils weiteren Schritte der beiden aussehen werden. Noch gefährlicher wird Connors aber, weil er mit eigenen Augen Tyrones Kräfte beobachtet hat. Auch wenn er es sich nicht erklären kann, wird er vielleicht nach Antworten suchen und sie womöglich sogar finden. Diese Ausgangssituation könnte sich ebenfalls noch interessant weiterentwickeln. 

Fazit

Die sechste Folge "Funhouse Mirrors" (dt.: "Zurück in die Vergangenheit") ist insgesamt wieder etwas spannender als die Vorherige. Zwar ist das Tempo größtenteils immer noch eher ruhig, doch der Zuschauer lernt dafür neue, interessante Charaktere kennen. Gegen Ende wird es dann richtig nervenaufreibend und es gibt einen sehr gelungenen Cliffhanger. Diese Episode hält außerdem ein paar wirklich emotionale Szenen bereit, die vor allem durch tolle schauspielerische Leistungen ergreifend sind. Zudem wird angeteastert, wie bedeutend die Protagonisten noch sein werden, was Neugierde auf die weiteren Folgen weckt.


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Freitag, 6. Juli 2018

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen (Teil 5)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" stellen wir regelmäßig drei davon vor und fassen zusammen, ob sich das Angucken lohnt. Dabei rezensieren wir sowohl Serien als auch Filme und das Querbeet durch alle Genre hindurch. Diesmal geht es wieder um Filme. In der Vergangenheit haben wir uns bereits Horrorstreifen wie "Little Evil" und Romanzen wie "When We First Met", aber auch Actionfilme wie "Spectral" und Dramen wie "Kodachrome" gewidmet. 


Tau

Die Grafik ist nicht immer so gut
Foto: Netflix
Julia (Maika Monroe) wohnt in einer dreckigen Absteige und verdient ihr Geld damit, Menschen in billigen Nachtclubs zu bestehlen. Eines Abends wird sie in ihrer Wohnung überfallen und betäubt. Als sie aufwacht, ist sie an eine Liege gefesselt, geknebelt und verkabelt. Später wird sie in einen dunklen Käfig gebracht, in dem bereits zwei andere, ebenfalls gefesselte und geknebelte, Menschen (Fiston Barek, Ivana Zivkovic) eingesperrt sind. Julia realisiert, dass sie alle drei ein Implantat in ihrem Nacken eingesetzt bekommen haben. Mit einer List gelingt es Julia, das Labor und den Käfig zu zerstören und mit ihren Mitgefangenen abzuhauen. Die beiden werden jedoch während der Flucht von einem aggressiven Roboter getötet. Bevor er auch Julia umbringen kann, wird er von ihrem Entführer (Ed Skrein) davon abgehalten. Sein Name ist Alex. Er ist Leiter eines großen Technikunternehmens und entwickelt künstliche Intelligenzen. Eine davon ist Tau, die in seinem Haus integriert ist und auch den Killer-Roboter steuert. Alex hat Julia und mehrere andere Menschen, die aufgrund ihrer niedrigen sozialen Stellung von niemandem vermisst werden, gekidnappt, um ihre Hirnaktivitäten aufzuzeichnen. Da das Labor zerstört ist, kann sich Julia nun etwas freier bewegen, wird aber weiterhin gezwungen, bestimmte Tests zu absolvieren. Bald erfährt sie, dass Alex Tau von der Außenwelt abschottet und die sehr neugierige künstliche Intelligenz so gut wie nichts weiß. Im Gegenzug für Informationen, bittet sie Tau um die Hilfe bei ihrer Flucht.

Zu Beginn ähnelt "Tau" einem Horrorfilm
Foto: Netflix
Diese Inhaltsangabe mag klingen, als hätte ich damit schon den ganzen Film verraten. Zum Teil stimmt das auch, denn es geschieht nur sehr, sehr wenig. Es gibt ein paar Sequenzen (zum Beispiel Gespräche zwischen Julia und Tau, Aufnahmen von leuchtenden, digitalen Anzeigen...) und Sätze, die immer wiederholt werden. Nur zu Beginn und gegen Ende kommt ein bisschen mehr Leben in die träge Handlung. Andererseits muss die Geschichte ausführlich erklärt werden, da sie zwar simpel klingt, aber dennoch ziemlich verstrickt ist. Denn "Taus" ganz große Schwachstelle ist das Nicht-beantworten sämtlicher aufkommender Fragen. Der Zuschauer erfährt nicht, was Alex eigentlich genau erreichen will, weshalb er seine Forschung geheim hält und was Julia so besonders für das Experiment macht. Als Tau Julia mit Fragen zur Außenwelt löchert, habe ich ihn jedenfalls sehr gut nachvollziehen können. Nichts ist nerviger, als keine Antworten zu bekommen. "Tau" hat dadurch keinerlei Substanz, da nicht klar ist, wie die Handlung oder die Charaktere einzuordnen sind. Der Science-Fiction-Streifen hat mich in dieser Hinsicht und von der Geschichte her an "The OA" erinnert - die schlechteste "Netflix"-Serie, die ich je gesehen habe
Tau (hinten) weiß nicht mehr, wem er gehorchen soll 
Foto: Netflix
So grottig ist der Ende Juni 2018 erschienene Film nicht, da die Schauspieler deutlich besser sind als bei "The OA" und er einige beachtenswerte Themen aufwirft. Es gibt unzählige Handlungen über künstliche Intelligenz. In den meisten entwickelt die Technologie ein Eigenleben und wendet sich gegen die Menschen oder wird durch einen Funktionsfehler "böse". Hier wird ein viel spannenderer Aspekt angegangen: Tau verhält sich wie ein kleines Kind. Er ist neugierig, stellt Fragen und ist sich nicht über die Folgen seines Handelns bewusst. Dadurch wächst er sowohl Julia als auch dem Zuschauer ans Herz, obwohl er noch kurz zuvor zwei Menschen getötet hat. Dieses moralische Dilemma ist spannend und ungewöhnlich, da die KI-Technologie nicht einfach verteufelt, sondern von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Es ist auch interessant zu sehen, wie die junge Frau versucht, völlig alltägliche Dinge, wie Bäume oder Häuser, zu erklären, sodass der völlig unwissende Tau sie verstehen kann. Dasselbe gilt für die aufgeworfenen Fragen, wie "Schuldet man den Menschen, die einen `erschaffen´ haben etwas?" oder "Was macht eine Person zu einer Person?" Besonders eindrucksvoll ist in dieser Hinsicht eine Szene, in der Tau einen Tobsuchtsanfall bekommt - wie ein kleines Kind - und immer wieder schreit, dass er eine Person sei. Es ist deutlich zu merken, wie viel Angst die künstliche Intelligenz vor der Frage nach der eigenen Existenz hat. All das ist hochspannend, verläuft sich aber vollkommen, um Platz für übertrieben blutige Actionszenen zu machen. "Tau" hat sehr großes Potenzial, das leider größtenteils verschenkt wird. Hier wäre es deutlich sinnvoller gewesen, die Geschichte in einer Serie zu verarbeiten, um genug Zeit zu haben, um Lösungsvorschläge für die gestellten Fragen zu finden und dem Zuschauer die menschlichen Charaktere näher zu bringen.


Ihr Motto ist Widersprechen 
Foto: Netflix
Lona Skinner (Sami Gayle) und Bennett Russell (Jacob Latimore) haben nur wenig gemeinsam: Sie besuchen dieselbe exklusive Schule, sind die einzigen Mitglieder des dortigen Debattierclubs und können sich nicht sonderlich leiden. Ansonsten sind die beiden grundverschieden. Bennett ist der Sohn der erfolgreichen Politikerin Julia Russell (Uzo Aduba), die ihren guten Freund Barack Obama gebeten hat, Bennett eine Empfehlung für Yale zu schreiben. Lona wächst nach dem frühen Tod ihres Vaters bei ihrer Mutter Amy (Christina Hendricks) auf und muss immer aufs Geld schauen. Durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz hat sie ein Stipendium für die Schule bekommen und hofft nun, es so auch nach Harvard zu schaffen. Um ihre Chancen für die Aufnahme an den Elite-Universitäten zu verbessern, wollen die zwei Debattierchampions eine weitere Meisterschaft gewinnen. Allerdings können sie diesmal nicht individuell antreten, sondern müssen ein Team bilden. Da beide Einzelkämpfer sind, gestaltet sich das als schwierig, zumal auch ihre Mütter mitmischen, die sich schon in der Schulzeit nicht leiden konnten. Lediglich Vertrauenslehrerin Kathy (Helen Hunt) versucht zwischen Lona und Bennett zu vermitteln.

Die Mütter wollen helfen, wissen aber nicht wie
Foto: Netflix
Ich hatte "Candy Jar" schon eine ganze Weile auf meiner Liste, habe aber lange gebraucht, um mir den Film tatsächlich anzusehen. Die Beschreibung und der Trailer ließen darauf schließen, dass es sich dabei um einen typischen, klischeehaften Teeniestreifen handelt, in dem zwei gegensätzliche Jugendliche gezwungen sind, zusammenzuarbeiten und sich dann ineinander verlieben. Die Geschichte um Lona und Bennett geht zwar grob in diese Richtung, unterscheidet sich aber dennoch stark von Streifen mit einer ähnlichen Ausgangssituation. Zum einen fehlen die ganzen typischen Charaktere, die normalerweise in einem Jugendfilm vorkommen. Es gibt keine arroganten Sportler, keine egoistische Homecoming-Königin, keine altkluge beste Freundin oder einen albernen Klassenclown. Um genau zu sein, kommen so gut wie keine Teenager vor. Zwischendurch treten zwei Zwillingsbrüder dem Debattierclub bei. Deren einzige Funktion ist es jedoch, Fragen zum wettkampfmäßigen Debattieren zu stellen, damit es der Zuschauer nicht googlen muss. Ansonsten reden Lona und Bennett nur mit dem jeweils anderen oder mit ihren erwachsenen Bezugspersonen. Eine sehr akkurate Darstellung eines "Nerds", die in Filmen normalerweise eher verzerrt wird. Aber das kommt in "Candy Jar" so gut wie gar nicht vor. Zwar überlegen die beiden Protagonisten zwischenzeitlich, ob sie eine "normale" Zeit auf der High School hatten, aber sie ändern sich deswegen nicht. Sie sind einfach arbeitswütig, ehrgeizig und auf ihre Zukunft fixiert. Das wird aber nicht als verwerflich oder falsch dargestellt und die Charaktere haben auch keinen Sinneswandel am Schluss. Stattdessen endet der Film mit einer ähnlichen Szene, wie es sie schon zu Beginn gab, die zeigt, dass Lona und Bennett mit sich selbst im Reinen sind. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so realistische und wertfreie Darstellung von intelligenten Jugendlichen gesehen zu haben, die sich willentlich gegen ein "normales" Teenieleben entschieden haben.
Lona und Bennett stehen zu ihren Eigenarten
Foto: Netflix
Auch die anderen Themen des Films sind deutlich fundierter und erwachsener als in den meisten anderen dieses Genres. Das Debattierthema bei den Wettbewerben ist, ob Collegebildung umsonst oder weiterhin kostenpflichtig sein sollte. Dabei werden einige interessante Aspekte aufgeworfen, vor allem, als die Protagonisten gegen zwei Mädchen antreten, die nicht mit Fakten um sich werfen, sondern ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Die Tatsache, dass Lona aus ärmlichen Verhältnissen stammt, wird in diesem Zusammenhang leider ein wenig vernachlässigt. Zwar erzählt ihre Mutter ständig, dass es ihnen an Geld mangelt und das Haus nicht so schön sei, aber ansonsten ist dieser Aspekt nicht wirklich bemerkbar. Hier wäre das Prinzip "Show don't tell" angebracht gewesen. Mein zweiter und tatsächlich schon letzter Kritikpunkt ist ein Logikloch: Obwohl vor jedem Debattierduell festgelegt wird, wer welche Seite vertritt, sind die beiden oben erwähnten Mädchen bis ins Finale gekommen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie kein einziges Mal für Studiengebühren argumentieren mussten. Aber wie hätten sie das bewerkstelligt, wenn sie keine Fakten, sondern nur eigene Erfahrungen mit den negativen Konsequenzen von teurer Bildung parat hatten? Mal abgesehen von diesen beiden Punkten ist "Candy Jar" ein unterhaltsamer Film. Das liegt unter anderem daran, dass nicht nur auf die üblichen Klischees, sondern auch fast vollständig auf die typische Liebesgeschichte verzichtet wird. Es gibt zwar Gefühle zwischen Lona und Bennett, doch die spielen nie eine zentrale Rolle und wirken immer angenehm unterschwellig. Stattdessen hat "Candy Jar" einige dramatische Elemente. Besonders eine Szene ist herzzerreißend und zeigt eindrücklich, wieso dem titelgebenden Süßigkeitenglas so viel Bedeutung beigemessen wird. Mehr kann ich leider nicht verraten, ohne eine wichtige Wendung zu spoilern. Denn die kommt wirklich überraschend - im Gegensatz zu der am Ende. Ich habe mir bereits am Anfang gedacht, dass das Universitäten-Szenario so aufgelöst werden würde. Alles in allem ist "Candy Jar" ein wirklich sehenswerter Film!


Set It Up

Lauter langweilige Charaktere
Foto: Netflix
Die 25-jährige Harper (Zoey Deutch) arbeitet als persönliche Assistentin für Kirsten (Lucy Liu), die Chefredakteurin eines Online-Sportmagazins. Von morgens bis abends muss sie die Launen ihrer Chefin ertragen und häuft Berge an Überstunden an. Eines Nachts begegnet sie ihrem männlichen Pendant Charlie (Glen Powell). Der 28-Jährige ist Assistent des Risikokapital-Anlegers Rick (Taye Diggs) und muss ein ähnliches Arbeitsklima wie Harper ertragen. Beide machen ihren Job nur, um später von der Stellung und den Kontakten ihres jeweiligen Bosses zu profitieren. Im Spaß schlägt Charlie vor, dass sie Kirsten und Rick verkuppeln könnten, da diese dann weniger Zeit im Büro verbringen würden. Nach einer Weile willigt Harper ein und die zwei schmieden allerhand Pläne, damit sich ihre Chefs ineinander verlieben. Dazu zählen ein gemeinsames Feststecken im Aufzug, ein Kisscam-Kuss bei einem Baseball-Spiel und zahlreiche Geschenke, die Harper und Charlie für ihren jeweiligen Boss aussuchen. Schließlich beginnen Rick und Kirsten tatsächlich eine Beziehung, wodurch ihre Assistenten mehr Freizeit haben. Eine Weile lang sind alle vier zufrieden, doch dann häufen sich die Probleme.

Rick und Kirsten haben absolut keine Chemie
Foto: Netflix
Romantische Komödien gehören zu den Genre, die ich am wenigsten mag. Sie sind mir zu albern, zu absehbar und zu eintönig. Der ähnlich gelagerte "Netflix"-Film "When We First Met" hat mich jedoch gut unterhalten und zu "Set It Up" hatte ich einige positive Kommentare gelesen, daher habe ich ihn mir angesehen. Im Gegensatz zu "Candy Jar", von dem ich mir wenig versprochen hatte und angenehm überrascht wurde, hat mich der neue Streifen extrem enttäuscht. Die Geschichte ist so langweilig, dass ich mehrere Anläufe gebraucht habe, um den Film überhaupt zu Ende zu gucken. Er ist klischeehaft und vorhersehbar wie fast alle romantischen Komödien, hat aber auch sonst keinerlei interessante Wendungen oder frische Ideen, die der Handlung irgendwie Schwung verleihen. Eine Stunde und 45 Minuten Laufzeit wäre mehr als genug gewesen, um irgendein Alleinstellungsmerkmal zu finden, mit dem sich die Geschichte von ähnlichen abgehoben hätte. Stattdessen passiert nicht viel mehr als das, was bereits im knapp über zwei Minuten langen Trailer zu sehen ist. Letztendlich dreht sich "Set It Up" überhaupt nicht um das titelgebende Verkuppeln, sondern um Charlies und Harpers fruchtlose Versuche, die große Liebe und einen Sinn in ihrem Leben zu finden. 
Harper und Charlie sind ganz nett, mehr auch nicht
Foto: Netflix
Das wäre noch tragbar, wenn zumindest die Charaktere charmant und sympathisch wären. Das ist aber nicht der Fall. Die beiden Assistenten sind das wandelnde Klischee eines hart arbeitenden Millenials, der Karriere machen möchte, aber durch einen ignoranten Boss daran gehindert wird. Diese Chefs haben natürlich keinen Funken Menschlichkeit in sich und werden regelmäßig körperlich wie verbal ausfallend. Dazu kommen noch der beste Freund (Pete Davidson) des Protagonisten und die beste Freundin (Meredith Hagner) der Protagonistin, die nichts weiter tun, als treudoof zu sein, außer es geht darum, die Verliebtheit ihres Gegenübers zu erkennen. Natürlich darf auch die obligatorische gefühlskalte, egoistische Freundin (Joan Smalls) des Hauptcharakters nicht fehlen, die nur auf dessen Geld und Ansehen aus ist. Harper und Charlie agieren relativ geschmeidig miteinander und wirken besonders in einer Szene, in der sie sich eine Pizza teilen, erfrischend realistisch. Alle anderen Figuren und ihre Beziehungen untereinander wirken nur steif und erzwungen. Die vermeintliche große Liebe zwischen Kirsten und Rick ist für den Zuschauer beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehbar, da die beiden kaum gemeinsam zu sehen sind. Charaktere und Handlungen erscheinen so herzlos zusammengewürfelt, dass der Film einfach keinen Spaß macht. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend an Seele und Substanz.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Mittwoch, 4. Juli 2018

Kiss Me First (Serie) - Rezension

Leila Evans (Tallulah Haddon) ist leidenschaftliche Spielerin des Virtual Reality Game "Azana". Nach dem Tod ihrer Mutter zieht sie sich komplett in die virtuelle Welt zurück. Als sie dem Avatar eines Mädchens (Simona Brown) folgt, das Leilas Alter Ego Shadowfax schon eine Weile aus der Ferne beobachtet, stößt sie auf eine unsichtbare Mauer und wird aus dem Spiel gerissen. Beim zweiten Versuch kann sie die Grenze durchschreiten und landet in der versteckten Welt "Red Pill". Dort trifft sie unter anderem die geheimnisvolle Spielerin wieder, die sich ihr als Mania vorstellt - und kurze Zeit später als Tess im echten Leben. Ein Spieler namens Adrian (Matthew Beard) hat diesen friedlichen Ort erschaffen und lädt Leute dorthin ein, die im echten Leben Probleme haben und dort für ein paar Stunden vergessen können. Was im ersten Moment wie ein Paradies aussieht, entpuppt sich bald als Albtraum. Denn Adrian verfolgt böse Ziele, die weit über die Grenzen von "Azana" hinausgehen. Leila scheint die Einzige zu sein, die ahnt, dass etwas mit ihm und "Red Pill" nicht stimmt.


Viel mehr als eine Serie über Virtual Reality

Ist die virtuelle Welt von "Azana" sicher?
Foto: Netflix
Im April kam der Film "Ready Player One" in die Kinos (hier kommt ihr zu meinem Post, in dem ich den Film mit der Romanvorlage vergleiche), eine Buchadaption über eine virtuelle Realität. Auch "Kiss Me First" basiert auf einem Roman und spielt zwischen Realität und Computerspiel. Doch die beiden Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Ersterer vor allem ein rasanter Actionfilm ist, geht es in der "Netflix"-Serie nur zweitrangig um das dort vorgestellte Game "Azana". Tatsächlich bleibt diese Welt größtenteils komplett außen vor. Das fand ich etwas schade, da ich mir eine Einführung gewünscht hätte. Zwar muss man das Online-Spiel für die Handlung nicht kennen, aber es wäre zumindest interessant gewesen, zu wissen, wie genau die Hardware funktioniert. Es gibt beispielsweise eine Art Halsband, durch das der Spieler die Dinge, die sein Avatar erlebt, selber spüren kann. Wenn also jemand einen Schlag ins Gesicht bekommt, würde man das auch fühlen. Da habe ich mich allerdings gefragt, ob es wirklich genau das gleiche Gefühl ist und wie so ein Halsband überhaupt Schmerzen im kompletten Körper erzeugen kann. In "Ready Player One" wird das durch einen Ganzkörperanzug gelöst, was meiner Meinung nach mehr Sinn macht, als das Gadget in "Kiss Me First". Das liegt vor allem daran, dass es nicht erklärt wird. Statt "Azana" kennenzulernen, wird größtenteils "Red Pill" gezeigt (Der Name ist übrigens eine Anspielung auf den Film "Matrix". Dort kann der Protagonist zwischen einer blauen und roten Pille wählen; die Blaue lässt einen weiter in Unwissenheit leben über das, was die Matrix wirklich ist, während man sich durch die rote Pille über die Wahrheit der Matrix bewusst wird.). Aber auch das ist nicht der Hauptfokus der Serie. Es geht nicht darum, ein Spiel zu gewinnen oder etwas in der virtuellen Welt zu machen, sondern vielmehr um die Auswirkungen auf die Realität.
Leila ist Adrians neueste Auserwählte für "Red Pill"
Foto: Screenshot
Die sechs Episoden sind dabei überraschend tiefgründig und emotional. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in das Leben verschiedener Kinder und junger Erwachsener, die von sich selbst behaupten, dass sie "fucked up" sind. Die Serie nähert sich dabei sehr vorsichtig an sensible Themen wie Depressionen, Missbrauch oder Selbstmord. Dabei schaffen es die Schauspieler auf beeindruckende Weise, ihre Charaktere auf emotionaler Ebene greifbar zu machen. Auch wenn man als Außenstehender nur erahnen kann, was sie durchmachen, wird durch bedeutungsschwere Blicke und lange Momente der Stille deutlich, wie sehr sie leiden. Einer von ihnen ist Calumny (George Jovanovic), der im echten Leben Cyryl heißt. Er muss täglich mitbekommen, wie sein Vater seine Mutter anbrüllt und vermutlich auch schlägt. Auf ihm lastet ein schweres Schuldgefühl, weil er glaubt, er sei der Grund dafür, dass sein Vater so ist. Es ist schmerzhaft mit anzusehen, wie er mit resigniertem, hoffnungslosem Blick in seinem Zimmer sitzt und im Hintergrund die Wutausbrüche zu hören sind. Ich habe sehr mit den Charakteren mitempfunden. Obwohl manche nur ein paar Szenen bekommen, transportieren die Darsteller so viel, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, einen tiefen Einblick in ihr Innenleben zu erhalten. Durch diese Nähe hatten die schrecklichen Dinge, die ihnen im Laufe der Geschichte passieren, eine starke Wirkung auf mich. Wer übrigens beim Titel vermutet, dass hier eine Liebesgeschichte im Vordergrund steht: Das ist nicht der Fall, auch wenn die Sendung nicht ganz ohne romantische Nebenhandlung auskommt, die sich aber nicht in den Vordergrund drängt.

Packend bis zum Schluss

Tess hat gerade eine gute Zeit in der virtuellen Realität
Foto: Screenshot
Statt mit "Ready Player One" würde ich "Kiss Me First" im Hinblick auf den "Virtual Reality"-Aspekt mit der Serie "Black Mirror" vergleichen. Zwar gibt es dort mit jeder Folge eine neue, unabhängige Handlung, aber in den Episoden taucht ebenfalls oft moderne Technik auf, die für unmoralische Zwecke missbraucht wird. Ähnlich wie bei "Black Mirror" erzählt auch "Kiss Me First" eine unheimliche, schockierende, aber auch mitreißende Geschichte. Das liegt vor allem an der Unberechenbarkeit des Gegners, Adrian. Nicht nur, weil seine Motive, Pläne und Aktionen im Dunkeln bleiben und man als Zuschauer dadurch nie weiß, was sein nächster Schritt ist. Sondern auch, weil seine Taten abgrundtief böse wirken: Er sucht sich Leute, denen es schlecht geht und die beeinflussbar sind und bringt sie dazu, das zu tun, was er will. Er benutzt sie und macht sie zu Marionetten. Dafür muss er sie nicht einmal im echten Leben treffen, er benutzt "Red Pill" als sein "Medium" und ist als sein Avatar überzeugend genug, dass die anderen ihm glauben. Damit stellt er eine sehr perfide Art von Antagonist da, dessen Vorgehensweise beängstigend realistisch erscheint. Er ist außerdem durch seine Anonymität so unheimlich. Der Zuschauer kennt nur seinen Avatar, nicht die echte Person. In der Realität ist er nur durch Telefonanrufe oder Tonbandaufnahmen präsent. Die Frage danach, wer Adrian ist, hat mich lange nicht losgelassen. Ich habe die ganze Zeit mitgerätselt, ob es jemand ist, den man schon gesehen hat und ob es jemand aus dem nahen Umfeld der Protagonistin ist oder nicht. Dadurch bekommt die Serie einen Sogeffekt und lässt die Spannung auf die Auflösung nie abklingen. 
Selbst Adrians Avatar sieht irgendwie unheimlich aus
Foto: Screenshot
Ein weiterer Faktor, der für Nervenkitzel sorgt, sind die anderen Charaktere, die von Adrian manipuliert werden. Auch hier ist unklar, wie genau er ihre Gedanken und Handlungen beeinflusst, was sie - obwohl sie gleichzeitig Opfer sind - genauso unberechenbar macht. Das wird besonders in einer Folge deutlich, in der einige Charaktere so wirken, als würden sie tatsächlich ihren Verstand verlieren. Sie handeln vollkommen unvorhersehbar und irrational, sodass ich kurzzeitig sogar das Gefühl hatte, ich schaue gerade einen Horrorfilm. So taucht eine der von Adrian manipulierten Personen beispielsweise plötzlich mit einem Messer vor einer anderen auf und redet in schauriger Stimme. Es kann alles passieren und niemand ist sicher, wodurch keine Langeweile aufkommt. Besonders die letzte Folge hält Hochspannung bis zum Schluss bereit. Ich wusste nie, was als Nächstes kommen wird. Besonders toll wird es auch dadurch, dass die Hauptfigur Leila sehr aktiv handelt. Sie lässt Dinge nicht einfach geschehen, sondern tut selber etwas, lässt sich nicht unterkriegen und bietet dem Antagonisten die Stirn. Zwischendurch hat auch sie ihre schwachen Momente, die sie insgesamt aber als Charakter nur noch vielschichtiger und menschlicher machen. Durch den starken Willen der Hauptfigur wird das "Spiel" zwischen ihr und Adrian erst so richtig gut. 
Die einzigen Dinge, die mich wirklich gestört haben, waren ein paar Logikfehler und Unstimmigkeiten. Dazu zählt auch das bereits erwähnte Halsband, aber mir sind noch andere Dinge aufgefallen. Leila kann zum Beispiel in einer Szene einfach auf das Smartphone ihres Mitbewohners zugreifen. Als ob er keine PIN-Nummer oder etwas Ähnliches hat, um sein Handy zu schützen? Was mich besonders gestört hat, ist die fehlende Logik hinter den Avatar-Namen. Leila sucht mehrmals nach Personen, die alle sehr simple Nutzernamen ohne zusätzliche Zahlen- oder Buchstabenkombinationen haben. Da immer genau ein Treffer erscheint, ist klar, dass jeder Name einzigartig ist. Dabei ist "Azana" ein weltweit nutzbares Online-Spiel. Wie kann es da sein, dass von all den Spielern, die sie sucht, keiner einen ellenlangen, mit Zahlen oder Sonderzeichen erweiterten Namen hat? Das sind nur ein paar der Unstimmigkeiten, die das Gesamtbild etwas kaputt gemacht haben. Darüber kann ich aber hinwegsehen, da die Serie ansonsten wirklich gelungen ist und mich auch nach dem Ende der letzten Folge nicht losgelassen hat. Sollte es eine zweite Staffel geben, werde ich sie mir auf jeden Fall anschauen.

Fazit

Die Serie "Kiss Me First" überzeugt durch ihre Mischung aus spannenden, mysteriösen, unheimlichen und emotionalen Elementen. Der Zuschauer wird sehr nah an die Charaktere und ihre Situationen herangelassen. Vor allem durch das überzeugende Schauspiel der Darsteller bekommt man Einblicke in ihre Gefühlswelt. Packend ist die Geschichte besonders durch die Unberechenbarkeit der Charaktere und Handlungen. Bis zum Schluss ist die Serie spannend und bietet ein aufregendes Finale voller Nervenkitzel. Die Sendung präsentiert eine interessante und zugleich beängstigende Idee, wie ein Virtual Reality Spiel in den falschen Händen zu einer gefährlichen Waffe wird.


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