Samstag, 23. Juni 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 4 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -


Tandy (Olivia Holt) und Tyrone (Aubrey Joseph) treffen in dieser Folge endlich aufeinander, um über ihre Fähigkeiten und ihre Verbindung zu reden. Beiden wird schnell klar, dass "Roxxon" etwas mit ihren Kräften und dem Unfall damals zu tun haben muss. Tandy versucht über Greg (Gary Weeks), den Anwalt und Freund ihrer Mutter (Andrea Roth), mehr über die Firma und ihre Geheimnisse herauszufinden. Tyrone hat verstanden, dass sein Plan, sich an Connors (J. D. Evermore), dem Polizisten und Mörder seines Bruders, zu rächen, nicht der richtige Weg ist. Auf Tandys Vorschlag hin sucht er unter einem Vorwand das Polizeirevier auf, um sich mit Detective Brigid O'Reilly (Emma Lahana) zu treffen und sich ihr anzuvertrauen.


Es geht weiterhin langsam voran

Tandy und Ty testen ihre Fähigkeiten aus
Foto: Screenshot
Auch in der vierten Folge "Call/Response" (dt.: "Angst und Hoffnung") nimmt die Serie sich Zeit, die Geschichte immer noch sehr ruhig aufzubauen. Im Gegensatz zur vorherigen Episode, wo dieser Weg sehr gelungen eingeschlagen wurde, sind hier doch die ein oder anderen Längen bemerkbar. Während ich bei "Stained Glass" (hier geht's zur Rezension) wirklich positiv überrascht war, wie viel Vielschichtigkeit und Tiefgang den Charakteren in den unaufgeregten 40 Minuten gegeben wurde, habe ich nun gehofft, dass mehr passiert. Zwar werden die Figuren durch den langsamen Verlauf weiter aufgebaut und der Zuschauer lernt sie noch besser kennen, doch nicht auf so eine eindrückliche Weise wie zuvor. Jetzt geht es eher darum, dass sie gemeinsam über die Dinge sprechen, die der Zuschauer schon gesehen hat und kennt. Dabei kommen einfach nicht viele neue Aspekte auf, wodurch die Handlung ins Stocken gerät. Zum Glück gibt es insgesamt drei Handlungsstränge: Tandys und Tys Treffen und jeweils eine eigene Nebenhandlung für beide. Die individuellen Szenen werden dabei immer in die gemeinsame eingebaut. Dieses Hin- und Herspringen sorgt für die meiste Abwechslung, obwohl viele Momente spannungstechnisch nicht allzu viel hergeben. Positiv anzumerken ist aber, dass beide Hauptfiguren gleich viel Screen Time bekommen. Keiner steht mehr im Vordergrund als der andere. Das gefällt mir sehr gut, da ich mich nie gefragt habe, wann denn wieder der jeweils andere auftaucht. Durch die ausgeglichen Aufteilung kommt es zu diesem Problem nicht. 
Ist Evita wirklich nur für Liebesdrama da?
Foto: Screenshot
Eine der unnötigsten Szenen ist die zwischen Evita (Noëlle Renée Bercy) und Tyrone, in der sie für ein paar Sekunden miteinander rummachen. Abgesehen davon, dass sie so gut wie keine Chemie haben, war das Evitas einziger Auftritt! Ich habe ja schon befürchtet, dass ihre Rolle genau das sein wird: der langweilige Love Interest (die vielleicht noch für Probleme sorgen wird). Ich hoffe, dass ich mich irre und ihre Figur noch vielfältiger wird. Immerhin gibt es ein paar Lichtblicke. Die Geschichte um die Firma "Roxxon" läuft langsam an. Greg, der als Anwalt und Freund von Tandys Mutter bisher eher keine besondere Rolle gespielt hat, rückt in den Vordergrund. Die kurzen Szenen, in denen Tandy und er gemeinsam am "Roxxon"-Fall ihres Vaters, der bei dem Unfall der Firma gestorben ist, arbeiten, haben mir gut gefallen. Die Dynamik zwischen ihnen ist toll und es ist eine angenehme Überraschung, dass der Anwalt wirklich in Ordnung zu sein scheint. Dass er dann vor Tandys Augen erschossen wird - mit ziemlicher Sicherheit ist Roxxon involviert - lässt einen als Zuschauer mitfühlen. Das hat vor allem einen Grund: Tandy hat langsam angefangen ihn zu mögen und seine Beziehung zu ihrer Mutter akzeptiert. Mit nur ein paar Momenten hat es die Serie geschafft, einen Charakter, der mir vorher ziemlich egal war, so sympathisch zu machen, dass sein Tod mich mitgenommen hat. Jetzt ist außerdem wirklich klar, dass die Firma etwas zu verbergen hat und dafür über Leichen geht. Zudem gibt es Andeutungen, dass der Unfall, bei dem Tandys Vater gestorben ist, geplant gewesen sein könnte. Das weckt langsam definitiv die Neugier, was es mit "Roxxon" auf sich hat und wer die Frau ist, die Greg umgebracht hat. Daneben endet die Handlung auch mit tollen Cliffhangern: Ty will mit O'Reilly über Connors sprechen und Tandy hat nicht nur den Mord am Anwalts-Freund ihrer Mutter beobachtet, sie kann zum Schluss endlich ihre Kraft kontrollieren. Das sind vielversprechende Ausgangssituationen, die hoffentlich etwas mehr Tempo in die kommenden Handlungen bringen werden.

Das Treffen eskaliert

Tandy will mit Greg mehr über "Roxxon" herausfinden
Foto: Screenshot
Das Gespräch zwischen Tandy und Tyrone ist nur deshalb interessant, weil der Zuschauer einen erfährt, was sie übereinander denken, nachdem sie sich in ihren Gedanken begegnet sind und die Gefühlwelt des anderen kennegelernt haben. Für die Charaktere und den Aufbau ihrer Beziehung ist das wichtig. Das ist der einzige Grund, warum ich den langsamen Verlauf dieser Episode nicht vollkommen unnötig fand. Außerdem schaffen es die beiden Schauspieler weiterhin, eine tolle Dynamik zwischen ihren Figuren zu erschaffen. Bis jetzt hat der Zuschauer immer nur kurze gemeinsame Szenen mit ihnen gesehen, in denen ihre Chemie gut zu erkennen war. In denen ist aber auch deutlich mehr passiert als bloß ein ruhiges Gespräch wie in dieser Folge. Dass diese Dynamik auch hier vorhanden ist, beweist erst recht, was für eine gute Arbeit Holt und Joseph leisten. Genau deshalb war ich sehr enttäuscht davon, wie sie am Ende der Episode auseinandergehen. Als Tandy andeutet, dass sie öfter darüber nachgedacht hat, sich das Leben zu nehmen, greift Tyrone sie mit einer Aussage über Privileg an (Ty: "Let me check your privilege." Tandy: "My privilege? I was just dropped off by a cop that told me that I can't press charges against a guy who almost...[Anm. d. Red.: Hier bezieht sich Tandy auf die Fast-Vergewaltigung] I've had a lot of things taken from me. And everything I have I had to steal, because-" Ty: "'Cause you can! You can walk into any room in this world and never be questioned. Try walking into a department store looking like me. [...] This whole country's trying to kill me every day."). Ich bin hier wirklich zwiegespalten. Die Serie schreckt nicht davor zurück, ernste Themen anzusprechen, was im Grunde wirklich gut und lobenswert ist. Tyrones Standpunkt ist nachvollziehbar und spiegelt die Realität sehr genau wider. Allerdings entwickelt sich das Gespräch äußerst negativ weiter. Denn indem Ty sein "schlechtes" Leben präsentiert, macht er Tandys Probleme irrelevant, so als wären sie unberechtigt. Diese typische "Stell dich nicht so an, du hast es doch gut"-Aussage ist vollkommen unnötig und unangebracht. Dem Ganzen wird aber noch die Krone aufgesetzt, als Tyrone ihr ins Gesicht sagt, dass sie sich doch einfach umbringen solle, wenn es ihr so schlecht gehe. Das ist so ungefähr das Letzte, was man einer suizidgefährdeten Person sagen sollte. Ich frage mich wirklich, was die Serienmacher damit bezwecken, außer Tyrone ziemlich scheiße darzustellen. Es passt überhaupt nicht zu seinem sonst eher ruhigen und empathischen Charakter, dass er etwas so Ignorantes von sich gibt. Wenn solche sensiblen Themen eingebunden werden, sollten doch alle Seiten beleuchtet werden. Stattdessen entsteht der Eindruck, als wäre es vollkommen okay, was Tyrone sagt, weil er in bestimmten Aspekten weniger privilegiert ist als sie und es ihn deshalb "schlechter" getroffen hat.
Tandy und Ty tauschen sich über ihre Fähigkeiten aus
Foto: Screenshot
Noch problematischer ist dann die darauffolgende Szene, in der Tandy tatsächlich versucht, sich das Leben zu nehmen: Mit schweren Eisenketten an ihren Füßen, gefesselten Händen und einem leeren Blick springt sie ins Wasser. Da das komplett kommentarlos gezeigt wird, ist dieser Moment nicht nur wirklich bedrückend. Sie könnte auf Zuschauer, die selbst damit zu kämpfen haben, negative Auswirkungen haben (Was auch bei der "Netflix"-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" von Zuschauern heftig kritisiert wurde). Ihre Kraft in Form des leuchtenden Dolchs, der sich in ihrer Handfläche materialisiert, rettet sie letztendlich (Was niemanden überrascht, weil sie als Hauptfigur natürlich nicht sterben wird...) und nach diesem Vorfall kann sie ihn auf Befehl erscheinen lassen. Was genau sendet das für eine verdrehte Botschaft? Die Verbindung zwischen ihrem Suizidversuch und der Kontrolle ihrer Fähigkeiten ist viel zu extrem. Selbstmord sollte nie die Lösung sein, aber hier wird es so dargestellt, als wäre dieser Weg nötig gewesen, um ihre Superheldengeschichte weiterzuentwickeln. Dass so ein ernstes Thema lediglich für fünf Minuten Dramatik benutzt wird, ist wirklich fragwürdig. Ich hoffe, dass es in der nächsten Folge zu einer weiteren Aussprache zwischen den Protagonisten kommt und diese Themen dabei besser angegangen und wirklich besprochen werden. Sollten sie tatsächlich nur für ein paar dramatische Szenen eingesetzt worden sein und dann fallen gelassen werden, wäre das sehr schade. 

Fazit

Die vierte Folge ist die bisher schwächste. Anders als in der vorherigen Episode tut das ruhigere Tempo der Handlung nicht gut, da sie sich merkbar in die Länge zieht. Der Zuschauer lernt die Charaktere dabei nicht wirklich weiter kennen, weil die meisten Aspekte schon bekannt sind. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass die Screen Time der beiden Protagonisten sehr gerecht aufgeteilt und keiner in den Vordergrund gerückt wird. Enttäuschend ist hingegen, dass ernstere Themen ungeschickt und achtlos in den Raum geworfen werden. Grundlegend ist es zwar toll, dass die Serie so etwas einbindet, doch die Umsetzung ist fragwürdig.


Alle bisherigen Rezensionen zu "Cloak and Dagger" findet ihr hier.

Folgt uns auf Twitter, Facebook und Instagram, um weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle Beiträge zum Thema "Marvel" findet ihr hier und alle zum Thema "TV" hier. 


Freitag, 22. Juni 2018

Lifelines - Rezension

Seit Beginn des Jahres zeigt RTL dienstags neue, eigenproduzierte Serien. Im Januar liefen "Sankt Maik" und "Beck is back!" an. Im April folgte dann die Anwaltsserie "Jenny - echt gerecht!". Mit "Lifelines" ist vorige Woche die vierte und letzte neue Sendung zu Ende gegangen. Ihr könnt sie aber in der Mediathek momentan noch kostenlos von Anfang an gucken. Bislang steht noch nicht fest, ob "Lifelines" verlängert wird, da die Quoten noch deutlich niedriger waren, als bei den drei anderen Serien. In unseren Augen nachvollziehbar, warum, das erfahrt ihr in dieser Rezension.

Dr. Alex Rode (Jan Hartmann) ist Arzt bei der Bundeswehr und gerade auf Heimaturlaub, als ihm ein schwer verletzter Mann buchstäblich vor die Füße fällt. Mit einem Militärhubschrauber fliegt Alex den Patienten ins Kölner Hubertus Krankenhaus. Dort erwartet den Mediziner eine unerwartete Überraschung in Form von Oberärztin Dr. Laura Seifert (Susan Hoecke). 15 Jahren zuvor hatten sich die beiden gegenseitig vor dem Altar stehen lassen. Alex freut sich riesig, seine einstige Liebe wiederzusehen, auch wenn die mittlerweile glücklich mit dem Restaurantbesitzer Richard Kirchhoff (Marc Oliver Schulze) liiert ist. Nachdem Alex auch die quirlige Assistenzärztin Dr. Carolin Diehl (Jytte-Merle Böhrnsen), den großherzigen Pfleger Elias Wadowski (Oliver Bröcker) und die schlagfertige Krankenschwester Annika Baumgartner (Tina Amon Amonsen) kennengelernt hat, entschließt er sich, eine Stelle als Chirurg im Hubertus Krankenhaus anzunehmen. Mit seinen unkonventionellen Methoden eckt Alex jedoch nicht nur bei seiner Ex-Flamme und neuen Chefin Laura, sondern auch bei Klinikleiterin Sofia Reuter (Idil Üner) an.

Unkonventionell? Eher unverantwortlich!

Alex und Laura sind nicht wirklich sympathisch
Foto: RTL
...so hat es ein Kollege von einer großen, deutschen Fernsehzeitschrift zusammengefasst, als wir uns über "Lifelines" unterhalten haben. Damit hat er absolut Recht! Prinzipiell unterscheidet sich die RTL-Serie kaum von all den anderen Medical Dramas, die es zu Dutzenden im Fernsehen gibt: Ein Team aus Ärzten und Schwestern muss sich im stressigen Klinikalltag und im noch viel stressigeren Privatleben behaupten. Dabei begegnen ihnen reihenweise Patienten mit ungewöhnlichen Krankheitsbildern und traurigen Geschichten. Dr. Rodes unkonventionelle Art soll das altbackene Genre wohl etwas auflockern. Das gelingt aber so gar nicht. Die Serie versucht dem Zuschauer weiszumachen, dass Alex ein charismatischer, lockerer Typ ist, der als einziger weit genug über den Tellerrand blickt, um wirklich etwas zu bewegen. Tatsächlich sind seine Aktionen in den meisten Fällen aber schlicht und ergreifend gefährlich, unnötig und dumm. So lässt er die junge Assistenzärztin im OP stehen, um sich stattdessen einem anderen Fall außerhalb des Klinikgeländes zu widmen. Als Dr. Diehl ihm sichtlich verängstigt sagt, dass sie diese Operation noch nie alleine durchgeführt habe, erwidert er lapidar, sie würde das schon hinkriegen. Da Rode der Serienheld ist, behält er natürlich Recht. Ein anderes Mal schickt er zwei minderjährige Risikopatienten zu seinem Bruder Tobias (Ben Blaskovic), um dort Videospiele zu spielen. Ein Faustschlag ins Gesicht als Narkoseersatz und mit offener Bisswunde selbst operieren, geht für Rode auch in Ordnung. Mal abgesehen davon, dass das natürlich völlig unrealistisch ist, wirken diese Versuche, den Mediziner als "unkonventionell" darzustellen, einfach nur verkrampft.
Sehr subtile Szene - was Alex wohl gerade denkt?
Foto: MG RTL D/Frank Dicks
Das liegt vor allem daran, dass er über alles erhaben ist und keine der anderen Figuren auch nur die leiseste Chance hat, ihm das Wasser zu reichen. Rodes Methoden funktionieren immer und lassen die anderen fähigen Ärzte stets langweilig und überkorrekt wirken. Dabei sind sie ebenfalls erfolgreich, nur auf weniger spektakuläre Art und Weise. Egal, was Alex tut, es muss stets extrem dramatisch sein. Das wohl deutlichste Beispiel: In der letzten Folge versucht er, rechtzeitig zum Standesamt zu kommen, um Lauras Hochzeit mit Richard zu verhindern. Auf dem Weg dorthin kommt er an einem brennenden Haus vorbei, vor dem eine weinende Frau steht, deren kleiner Sohn noch im Gebäude ist. Sofort sprintet der Mediziner ins Haus, rettet das Kind, lehnt keuchend die Hilfe der Notärztin ab und schwingt sich rußverschmiert aufs Fahrrad, um zum Standesamt zu fahren. Die ganze Sequenz ist einfach furchtbar melodramatisch und übertrieben. Außerdem ist Alex nicht einmal ein sympathischer Held. Seine Vorgänger Maik, Beck und Jenny hatten alle eins gemeinsam: Sie sind mit einer großen Portion Herz, Charme und Bauernschläue ans Ziel gekommen. Rode hat nichts von alledem. Er ist einfach von Natur aus geil und ein Gewinner. Dadurch ist er sehr eindimensional und langweilig. Sein weibliches Pendant Laura ist auch nur unwesentlich besser. Sie ist nett, intelligent und erfolgreich, aber nicht ganz so perfekt wie Alex. Mehr kann nicht wirklich über sie gesagt werden. Damit passt sie jedoch super zu ihrem Freund Richard. Der hat auch nicht wirklich Persönlichkeit. Seine einzige Lebensaufgabe scheint zu sein, für die Belegschaft der Klinik zu kochen. Das Essen bringt er dann auch gleich noch selbst vorbei und stört sich nicht daran, dass er stets sofort wieder weggeschickt wird.

Es geht auch ohne Drama und Tamtam!

Team Rot ist klasse, bitte ein Spin-Off
Foto: MG RTL D/Frank Dicks 
Leider dreht sich die Handlung von "Lifelines" größtenteils um Alex' Heldentum und das Liebesdreieck zwischen ihm, Laura und Richard. Die anderen Charaktere bekommen zwar deutlich weniger Screen Time, dafür aber auch deutlich mehr Persönlichkeit. Pfleger Elias, Schwester Annika und Assistenzärztin Carolin haben einen Charme, der den Protagonisten komplett fehlt. Da die Figuren weder dramatische Hintergrundgeschichten mit sich herumschleppen, noch zwanghaft in eine bestimmte Rolle gedrängt werden, fühlen sie sich deutlich natürlicher und lockerer an. Im Gegensatz zu den Hauptcharakteren haben sie auch mal einen witzigen Spruch auf den Lippen. Die drei sind ein bisschen verschroben und eigenwillig, das macht sie so sympathisch - vor allem im Vergleich zu den drei "perfekten" Protagonisten ohne Ecken und Kanten. Im Zusammenspiel mit ihren Kollegen wirken die sogar ein bisschen menschlicher. Annika bringt mit ihrer freundlich-ruppigen Art ein bisschen Persönlichkeit in Laura zum Vorschein und während deren Beziehung zu Alex sehr holprig wirkt, stimmt zwischen ihm und Dr. Diehl die Chemie. Sollte "Lifelines" um eine weitere Staffel verlängert werden, was angesichts der schlechten Einschaltquoten zu bezweifeln ist, wäre es ratsam, den Fokus auf die derzeitigen Nebencharaktere zu legen. Denn "Halbgötter in Weiß" sind deutlich weniger interessant als witzige, leicht verschrobene Sympathieträger.

Fazit

"Lifelines" ist eine enttäuschende Serie, was vor allem an dem unfehlbaren, allwissenden Protagonisten liegt. Ein Großteil der Sendezeit wird darauf verwendet, dem Zuschauer zu beweisen, wie grandios und einfallsreich der Mediziner ist. Tatsächlich ist er aber unglaubwürdig, verantwortungslos und langweilig. Auch die anderen beiden zentralen Figuren können aufgrund fehlenden Charmes und kaum vorhandener Persönlichkeit nicht wirklich überzeugen. Dasselbe gilt für die Handlung, die unnötig dramatisiert und ausgeschmückt wird, anstelle glaubwürdig zu erzählen. Der einzige Lichtblick sind die amüsanten und liebenswerten Nebencharaktere, die die Serie jedoch auch nicht mehr retten können.


Habt ihr "Lifelines" schon gesehen? Wenn ja: Was haltet ihr von dem unfehlbaren Arzt und seinen Kollegen? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

Folgt uns auf Facebook, Twitter und Instagram, um weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle bisherigen Posts zum Thema "TV" findet ihr hier.



Dienstag, 19. Juni 2018

Falk - Rezension

In TV-Formaten gibt es einige Berufsgruppen, die überproportional häufig vertreten sind. Darunter fallen vor allem Polizisten und Ärzte, aber auch Juristen. RTL brachte mit "Beck is back!" und "Jenny - echt gerecht!" innerhalb weniger Monate gleich zwei neue Anwaltsserien auf den Markt. Auch bei der ARD gab es jetzt Nachschub in diesem Genre: Seit Mai zeigt der Sender "Falk", eine eigenproduzierte Sendung über einen schrägen Juristen. Heute läuft das Staffelfinale, also höchste Zeit für eine Rezension. Falls ihr die Serie übrigens noch nicht kennt, könnt ihr sie in der ARD-Mediathek kostenlos von Anfang an gucken.

Der exzentrische Falk (Fritz Karl) ist gelernter Anwalt, konnte aber seinen Beruf und vor allem die Mandanten nie leiden. Eines Tages stand er während einer Gerichtsverhandlung einfach auf, verließ den Saal und kündigte seinen Job bei der renommierten Kanzlei "Offergeld & Partner". Stattdessen folgte er seinem eigentlichen Lebenstraum: ein eigenes Restaurant. Da Falk zwar einen ausgezeichneten Geschmack, aber keinerlei Ahnung von Geld hat, geht das Lokal zu Beginn der Serie bankrott und wird von seinem ehemaligen Chef Richard Offergeld (Peter Prager) übernommen. Der bietet ihm einen Deal an: Wenn Falk für eine Weile die ungewöhnlichen Fälle der Kanzlei übernimmt, gibt ihm Offergeld das Restaurant zurück. Widerwillig kehrt der erfolglose Gastronom mit seiner Assistentin Trulla (Alessija Lause, Jenny - echt gerecht!) an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Noch weniger begeistert von der Situation ist Offergelds Tochter Sophie (Mira Bartuschek), die mittlerweile die Leitung der Kanzlei übernommen hat. Falks direktes Auftreten, seine emotionalen Ausbrüche und seine unorthodoxen Methoden stellen in Sophies Augen eine Gefahr für den guten Ruf des Familienunternehmens dar. Die ungleichen Anwälte können es kaum erwarten, bis sich ihre Wege wieder trennen.

Was genau bedeutet eigentlich "exzentrisch"?

Lieber Restaurant als Kanzlei?
Foto: ARD
Diese Frage habe ich mir bei jeder der sechs "Falk"-Folgen gestellt. Denn so ungewöhnlich, verrückt und genial, wie der Hauptcharakter von seinem Umfeld dargestellt wird, ist er eigentlich gar nicht. Er trägt knallbunt gemusterte Socken zum Dandy-Style, lässt seine Schildkröte im Kühlschrank der Kanzlei überwintern und prügelt sich mit einer Mandantin, um ihre Schuld zu beweisen. In den Augen der älteren Zuschauer mag das vielleicht ein schockierendes Verhalten für einen Anwalt sein. Im Vergleich zu den meisten anderen aktuellen Serienhelden erreicht Falk aber nur das Mittelfeld der "Verrücktheits-Skala". Simple Hauptfiguren ohne Macken, seltsame Angewohnheiten, private Dramen oder (vermeintlich) übermenschliche Fähigkeiten findet man im Fernsehen nämlich kaum noch. Irgendeine Art von Tick oder schräger Individualität muss ein Hauptcharakter haben, damit die Serie in dem Meer von Programmen auffällt. Bei Falk geht dieser Plan nicht wirklich auf, da er die meiste Zeit über relativ normal, sogar ein bisschen langweilig, wirkt. Einen neuen "Sherlock" hat die ARD jedenfalls nicht ins Leben gerufen, obwohl die beiden eins gemeinsam haben: einen lädierten Körper. Während sich der britische Serienheld mit Drogen kaputt macht, ist Falk passionierter Hypochonder. Sein Vater starb qualvoll an einer nicht genannten Krankheit, vermutlich Alzheimer. Der Anwalt hat daher ständig Angst, dasselbe Schicksal vor sich zu haben. Fast täglich steht er vor der Tür seiner genervten Ärztin Dr. Kranzow (Sonja Baum) und glaubt, Symptome zu zeigen (Kranzow: "Alles bestens - so wie sonst auch." (...) Sprechstundenhilfe: "Neuer Termin?" Falk: "Alles gut! Brauche ich nicht." Sprechstundenhilfe: "Kein neuer Termin?" Kranzow: "Doch, doch, der ist morgen wieder da."). Obwohl mir Falk generell ziemlich unsympathisch ist, hat mich diese Nebenhandlung am meisten gestört, da sie die komplette Staffel über auf der Stelle tritt. Dem Zuschauer ist klar, dass der Anwalt nicht erkranken wird, weil die Serie sonst nicht mehr funktionierten würde. Die ganze Geschichte wirkt wie pure Zeitverschwendung, da sich die Situation nie verändert. Trullas ständige Vorträge, dass Falk sich nicht einreden solle, er würde demnächst sterben, steuern nur unnötige Melodramatik bei.
Falk hat regelmäßig seltsame Visionen von sich selbst
Foto: ARD/Kai Schulz
Genauso wechselhaft wie der Hauptcharakter ist auch die restliche Serie, die ihre Linie noch nicht ganz gefunden zu haben scheint. Das zeigt beispielsweise die ungewöhnliche Wahl der Episodendarsteller: auf der einen Seite ein bei Teenies beliebter YouTube-Star wie Joyce Ilg, auf der anderen Seite ein eher beim älteren Publikum bekannter Schlagersänger wie Roberto Blanco - beide spielen sich selbst. Weiterhin scheinen sich die Verantwortlichen der Sendung noch nicht entschieden zu haben, ob Falk nun eher ein infantiler Spinner oder ein eloquenter, hochnäsiger Anzugträger ist und wie wichtig die anderen Charaktere sein sollen. Wie viele andere Serien, darunter die bereits erwähnte BBC-Produktion "Sherlock", aber auch "Sankt Maik" oder "Pastewka", konzentriert sich "Falk" fast ausschließlich auf die männliche Hauptfigur. Neben ihr sehen alle anderen Charaktere unscheinbar und etwas einfältig aus. Falks Assistentin Trulla ist das wandelnde Klischee einer bauernschlauen, frivolen Lebenskünstlerin. Sophies Tochter Marie (Sinje Irslinger) hat ausschließlich zwei Gemütszustände: genervter Teenager, der glaubt, alles besser zu wissen und einfühlsamer Teenager, der tatsächlich alles besser weiß. Kanzleikollege Bitz (Moritz Führmann) scheint währenddessen nur zu existieren, damit Falk und Sophie ihn konsequent ignorieren können. Die Rolle von Letzterer bleibt derweil völlig im Dunklen. Schon nach zwei Folgen scheint sie sich in Falk verliebt zu haben, was aber nie angesprochen wird. Stattdessen darf Sophie nur eingeschnappt auf alles reagieren, was ihr unfreiwilliger Kollege tut und eifersüchtig sein, wenn er sich mit der verheirateten Sabine Schmidt (Marie-Lou Sellem) trifft. Im Staffelfinale hat Falk dann die Chance, sein Restaurant sofort zurückzubekommen, zögert aber - ob wegen Sophie oder aus einem anderen Grund, kann nur gemutmaßt werden.

Etwas weniger Klischees und mehr 2018, bitte!

Sophie und Falk funktionieren gut ohne den anderen
Foto: ARD/Kai Schulz
Die Charaktere sind unterhaltsam, da sie konsequent übertrieben agieren und die Schauspieler dabei sichtlich Spaß haben. Es ist jedoch schade, dass der Zuschauer rein gar nichts über das Seelenleben der Figuren erfährt. Mit Ausnahme von Falks Angst vor einer möglichen Erkrankung, wird überhaupt nicht über Gedanken, Gefühle oder Vergangenes gesprochen. Es wird beispielsweise nie abschließend erklärt, weshalb Falk seinen Job so abrupt gekündigt hat. In Bezug auf Sophie kommt noch dazu, dass die Serie ständig so tut, als würde sie ohne ihren exzentrischen Kollegen nichts zustande bekommen. Tatsächlich arbeiten die beiden aber praktisch nie zusammen und helfen einander auch nur selten. Es passt aber ins generell nicht sehr moderne Frauenbild der Serie. Sophie erzählt, dass sie nur wegen ihres Vaters Anwältin geworden sei und muss sich ständig gegen seine ungefragte Einmischung in die Kanzlei und die Erziehung ihrer Tochter zur Wehr setzen. Das gegensätzliche Beispiel ist Falks Affäre Sabine, die ihm erst ihren Ehemann und die Kinder verschweigt und ihn dann abserviert, als sie merkt, dass sie lieber unabhängig von allen sein will ("Ich wollte dir danken - für die gemeinsame Zeit. Es war schön. Ich habe mich lebendig gefühlt. Ich hätte ohne dich nie den Mut gehabt, überhaupt über eine Trennung von Thomas [ihr Ehemann, Anm. d. Red.] nachzudenken."). Ein noch eindeutigeres Beispiel ist einer der Fälle, die Falk behandelt: Tina (Caroline Maria Frier) und Hanno (Dirk Borchardt) wollen sich scheiden lassen, doch der Anwalt denkt, es gebe eine andere Lösung. Schließlich diagnostiziert er, dass sich Hanno seiner Männlichkeit beraubt fühle, weil Tina vermögend und somit finanziell unabhängig ist. Sie finde ihn wegen seines Komplexes weniger attraktiv. Also lässt Falk den Ehemann mit einem Hammer eine Mauer einschlagen, damit ist seine Männlichkeit wiederhergestellt und seine Frau fällt über ihn her. Das ist definitiv ein sehr antiquiertes Bild beider Geschlechter und eine ziemlich dämliche "Lösung" des Problems. Falks und Sophies andere Fälle sind glücklicherweise weniger klischeehaft und deutlich amüsanter - sei es ein Rechtsstreit wegen eines anzüglich gecoverten Songs, das Schlichten eines Rechtsstreits in der Sauna oder eine Erwachsenenadoption wegen eines Adelstitels.

Fazit

"Falk" ist eine witzige, kurzweilige Serie, die aber noch hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Das liegt vor allem am unstetigen Konzept, den altbackenen Klischees und den unnötigen Nebenhandlungen. Auch der Hauptcharakter ist noch nicht richtig ausgereift, da er extrem wechselhaft und kein wirklicher Sympathieträger ist. Die anderen Figuren sind deutlich charmanter, bleiben aber stets in seinem Schatten. Außerdem erfährt der Zuschauer so gut wie nichts über das Seelenleben der Beteiligten, was die Geschichte platt wirken lässt. Durch die Spielfreude der Darsteller und die amüsanten Fälle ist "Falk" jedoch durchaus sehenswert. Ich hoffe jedenfalls, dass die ARD eine weitere Staffel bestellen wird.


Habt ihr "Falk" schon gesehen? Wenn ja: Wie findet ihr den exzentrischen Anwalt? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

Folgt uns auf Facebook, Twitter und Instagram, um weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle bisherigen Posts zum Thema "TV" findet ihr hier.


Samstag, 16. Juni 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 3 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -


Die letzte Folge "Suicide Sprints" (dt.:"Tandys Flucht") endete damit, dass Tyrone (Aubrey Joseph) kurz davor war, Connors (J. D. Evermore) zu erschießen. Doch während er den Abzug gedrückt hatte, wurde er vor Tandy (Olivia Holt) teleportiert. Die wollte gerade mit einem gestohlenen Wagen die Stadt verlassen, da sie befürchtete, von der Polizei gesucht zu werden, nachdem sie ihren Fast-Vergewaltiger lebensgefährlich verletzt hatte. Die Situation endete in einem Unfall, als die Jugendliche das Steuer herumriss und beim Aufprall aus dem Wagen geschleudert wurde. An dieser Stelle setzt die dritte Episode "Stained Glass" (dt.: "Voodoo-Zauber") an. Ihr Zusammentreffen an der Unfallstelle dauert nicht lange, denn Tandy verschwindet trotz möglicher Gehirnerschütterung sofort wieder. Während sie einen Bus stadtauswärts nimmt, versucht Tyrone seine Fähigkeiten, die er als Fluch sieht, mit Hilfe seiner Mitschülerin Evita (Noëlle Renée Bercy) und der Voodoo-Priesterin Aunte Chantelle (Angela M. Davis) unter Kontrolle zu bringen. Es dauert nicht lange, bis sie sich wieder begegnen, allerdings auf eine indirekte Art: in ihren Gedanken. Dabei lernen sie einiges übereinander. 


Ruhiges Tempo, aber keine Langeweile

Tyrone sieht Tandy in seiner düsteren Vision
Foto: Freeform/Marvel
Die Serie erzählt Tandys und Tyrones Geschichte unerwartet langsam weiter. Ich hatte damit gerechnet, dass die Handlung nach dem Autounfall immer mehr an Fahrt aufnimmt, weil die beiden Hauptfiguren auf sehr extreme Art aufeinandertreffen. Doch das Gegenteil ist der Fall und diese Vorgehensweise gefällt mir wirklich gut. Der Fokus in dieser Episode liegt nicht auf Ereignissen in der echten Welt. Stattdessen bekommt der Zuschauer interessante Einblicke in die Gedanken der Charaktere und lernt sie dadurch noch besser kennen. Es ist wirklich erfrischend, eine Superheldenserie zu sehen, in der nicht von Anfang an heftige Konfrontationen und Kämpfe die Handlung bestimmen. Diese "ruhigere" Art ist eine tolle Abwechslung. Am Anfang der Folge habe ich noch gehofft, dass man beide sofort zusammen sieht, doch jetzt bin ich froh, dass dieses Treffen erst noch kommt. Denn während der Episode erfährt nicht nur der Zuschauer mer über die Charaktere, sie lernen sich auch selbst gegenseitig besser kennen und das ohne sich zu begegnen. Nur in ihrer Gedankenwelt erhalten sie einen tiefen Einblick in das, was den jeweils anderen bewegt. Ihre Verbindung durch den Unfall in ihrer Kindheit ist also noch stärker als vorher angenommen. Das macht ihre Beziehung deutlich spannender und es ist toll, dass so viel Zeit genutzt wird, um sie ordentlich aufzubauen. Hier wieder ein großes Lob für die Erzählweise. Wie schon in den ersten Folgen wird nichts direkt durch Worte erklärt. Die Bilder sprechen für sich und lassen den Zuschauer die tiefe Verbindung der Charaktere auf diese Weise erkennen. Dem Zuschauer ist beispielsweise bereits bekannt, dass Tyrone plant, den Mörder seines Bruders umzubringen. Tandy allerdings nicht - sie weiß weder, dass er einen Bruder hatte noch wer für seinen Tod verantwortlich ist. Trotzdem beobachtet sie ihn in ihrer Vision dabei, wie er seine verschiedenen Rachepläne ausführt und hilft ihm, zu erkennen, dass sein Weg der falsche ist. Da wird schnell klar, dass die beiden irgendeine übernatürliche Bindung zueinander haben. 
Tandy ist in ihren Gedanken gelandet und verwirrt
Foto: Screenshot
Außerdem lässt dieses Szenario des "gedanklichen Treffens" viele Interpretationen offen. Ich vermute, dass sie sich nicht tatsächlich gegenseitig in ihrem Kopf geholfen haben, sondern nur einer "Vision", die aber die Gedanken und Emotionen der anderen Person widerspiegelt. Sie könnten also Zugriff auf die Gefühlswelt haben, ohne dass es die andere Person beeinflusst oder sie davon weiß. Doch es zeigt dem Zuschauer schon, wie viel sie sich gegenseitig geben können und dass sie sich auch im echten Leben helfen können. Was ich allerdings etwas unnötig fand, war die Dopplung der Szene kurz nach dem Unfall: Erst sieht der Zuschauer sie aus Tandys Sicht und etwas später aus Tyrones. Im ersten Moment dachte ich, es würde mehr Einblicke geben, doch letztendlich ist es fast exakt derselbe Aufbau und Ablauf mit sehr unbedeutenden Änderungen. So wird beispielsweise eine etwas andere Kameraperspekive benutzt, die aber nicht wirklich mehr zeigt als die vorherige. Dass sich Tyrone nach dem Ertönen der Polizeisirenen panisch im Wald versteckt, habe ich mir schon vorher gedacht. Dafür hätte nicht noch einmal die komplette Szene gezeigt werden müssen. Das hätte auch in eine gepackt werden können. 

Die Protagonisten machen die Folge sehenswert

Tandy haut wieder ab und lässt Tyrone stehen
Foto: Screenshot
Es passiert nicht oft, dass mir Charaktere so schnell ans Herz wachsen. Aber Tandy und Tyrone können wirklich schon früh mit ihren Persönlichkeiten überzeugen und das ist auch gut so. Denn ohne spannende Figuren, wie sie es sind, wäre die Handlung mit Sicherheit deutlich schleppender verlaufen. Diese Folge lebt von Olivia Holts und Aubrey Josephs Schauspiel. Sie können den Zuschauer richtig fesseln. Die wenigen "echten" Interaktionen wecken die Vorfreude auf weitere. Sie begegnen einerseits mit einer gewissen Distanz - immerhin kennen sie sich überhaupt nicht. Andererseits lassen sie darunter hindurchblitzen, dass zwischen ihnen schon etwas vorhanden ist, das sie selbst noch nicht greifen und verstehen können. Das passiert weniger mit Worten als mit Blicken und Emotionen in ihren Augen. Als Tandy Tyrone wiedererkennt, ist unter der Verwirrung und der Angst auch so etwas wie Neugierde bemerkbar. Besonders bei ihrem Charakter ist die Vielschichtigkeit deutlich vorhanden. Sie kann einerseits sehr zynisch und hart sein (an Tyrone gerichtet: "Don't take this the wrong way. But I hope I never see you again."), dann sieht man aber, wie fürsorglich sie in ihrer "Gedankenwelt" mit dem jungen Tyrone umgeht, der weinend vor ihr sitzt. Doch auch Tyrone hat eindrückliche Szenen. Die emotionalste ist wohl die Kirchenszene. Im ersten Moment habe ich geglaubt, er spricht zu Gott ("Are you doing this? 'Cause I don't understand and I can't control it. And I can't control myself"). In seiner Stimme ist die Verzweiflung deutlich erkennbar. Doch dann sagt er plötzlich "I miss you so much, Billy". Erst in diesem Augenblick wird klar, dass er zu seinem verstorbenen Bruder spricht. Dadurch wird die Szene deutlich ergreifender. Mit Momenten wie diesem beweist die Serie, wie gut sie den Zuschauer auf emotionaler Ebene erreichen kann.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass Evita auf Tyrone steht
Foto: Screenshot
Es gibt allerdings noch etwas, das mich gestört hat: die ganze Voodoo-Handlung. Ich kann mir vorstellen, dass diese Thematik noch eine Rolle spielen könnte, weil ihr sonst nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre. Besonders als am Ende zu erkennen ist, dass Aunte Chantelle eine kleine Figur von Tyrone mit einem 3D-Drucker angefertigt hat und auf ihr Regel neben andere Puppen und Figuren setzt. Allerdings ist die Handlung selbst die langweiligste in dieser Folge. Die Szenen haben sich sehr gezogen. Das Interessanteste daran ist, zu sehen, wie Tyrone seine Fähigkeiten einordnet. Er zieht wirklich in Betracht, ein Fluch könnte Schuld daran sein. Das ist der erste Moment, der veranschaulicht, was die Protagonisten über ihre plötzlichen Kräfte denken und was es ihrer Meinung nach sein könnte. Deshalb ist die Nebenhandlung hinsichtlich seines Charakters aufschlussreich, aber ansonsten langweilig. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass Evita nicht bloß als Figur für ein zukünftiges Teenager-Drama eingesetzt wird. Ich bin noch etwas skeptisch, was sie betrifft. Sie ist in Tyrone verliebt und das scheint im Moment auch ihr einziger prägnanter Charakterzug zu sein. Die beiden haben sich außerdem bereits geküsst. Da das so früh passiert und außerdem nicht besonders emotional aufgebaut wird, könnte es bedeuten, dass die Beziehung vor allem dazu genutzt wird, um Probleme zu produzieren. Dass es wirklich dazu kommt, ist eine meiner größten Sorgen, die ich vor Beginn der Serie hatte. Bis jetzt macht die Sendung einen erwachsenen Eindruck, daher fände ich es schade, wenn sie plötzlich in die "Teen Drama"-Schiene abrutschen würde. 

Fazit

Die dritte Folge lässt es etwas ruhiger angehen, kann aber trotzdem fesseln. Damit geht die Serie einen ausgefallenen Weg für eine Superheldensendung: Statt sich auf Action und Kämpfe zu konzentrieren, liegt der Fokus erst einmal auf den Hauptcharakteren und dem Aufbau ihrer Beziehung. Das ist spannend, was vor allem daran liegt, dass die Figuren so komplex und interessant sind. Zwar gibt es ein paar Stellen, die sich zu sehr ziehen und Nebenfiguren, die weitaus weniger vielschichtig sind. Doch insgesamt kann die Episode überzeugen und weckt die Neugier auf die kommende Folge. 


Folgt uns auf Twitter, Facebook und Instagram, um weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle Beiträge zum Thema "Marvel" findet ihr hier und alle zum Thema "TV" hier. 


Donnerstag, 14. Juni 2018

Rückblick: Die Sonntagskrimi-Saison 2017/2018

In der 2017/2018-Saison liefen insgesamt 40 neue Sonntagskrimis, davon 36 "Tatorte" und vier Mal "Polizeiruf 110". Wir haben alle rezensiert (hier gelangt ihr zu den Posts) und waren wieder begeistert, wie vielfältig die Krimis sind - trotz einiger Themendopplungen. Dementsprechend werfen wir auch in diesem Jahr wieder einen Blick auf die komplette Saison und sprechen über die Folgen, die uns besonders gut oder überhaupt nicht gefallen haben. Leider muss gesagt werden, dass bei unserer Vorauswahl, aus der wir dann die Top 6 und Flop 6 ausgesucht haben, die Liste der schlechten deutlich länger war, als die der guten Folgen. Wenn ihr auf den Titel der jeweiligen Episode klickt, gelangt ihr zu unserer ausführlichen Rezension und Inhaltsangabe.
Den Rückblick zur 2016/2017-Staffel findet ihr hier.


Wieder eine spannende Krimi-Saison vorbei
Foto: ARD/bearbeitet


Meine Top-Krimis

Tatort: Stau (Stuttgart - Lannert, Bootz; September 2017)

Ein Großteil wurde vor einem Bluescreen gedreht
Foto: SWR/Andreas Schäfauer
Ein 14-jähriges Mädchen wurde in einer Wohnsiedlung totgefahren. Für den Täter gab es nur einen möglichen Fluchtweg: über die Stuttgarter Weinsteige. Dort ist wegen eines Wasserrohrbruchs ein langer Stau. Den Kommissaren Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) bleibt nicht viel Zeit, um herauszufinden, welcher der Autofahrer für den tödlichen Unfall verantwortlich ist. Denn sobald die Straße wieder frei ist, sind hunderte Verdächtige über alle Berge. 

Produktionstechnisch gesehen ist "Stau" die faszinierendste Folge der Saison. In einer Freiburger Lagerhalle wurde ein 80 Meter langes Stück Straße nachgebaut, auf dem ein Großteil der Handlung gedreht wurde. Szenerie und Wetterbedingungen wirken so realistisch, es ist kaum zu glauben, dass sie am Computer oder durch Kameratricks entstanden sind. Außerdem ist die Handlung wirklich clever. Sie findet genau den richtigen Mittelweg zwischen innovativem Experiment und klassischen Krimi: Während Lannert im Stau ermittelt und die wachsende Revolte beobachtet, bleibt Bootz am Tatort und versucht dem dreijährigen Zeugen eine Aussage zu entlocken. Der Krimi ist atmosphärisch dicht erzählt, spannend, ungewöhnlich und toll gespielt. Eines der ganz großen Highlights der Saison!


Tatort: Goldbach (Schwarzwald - Tobler, Berg; Oktober 2017)

Tobler (l.) und Berg (r.) mit ihrer Chefin am Tatort
Foto: SWR/Johannes Krieg
Die elfjährige Frieda liegt erschossen im Wald. Einer ihrer gleichaltrigen Begleiter ist verschwunden. In ihrem ersten gemeinsamen Fall müssen Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) also nicht nur einen Mord, sondern auch das Verschwinden eines Kindes aufklären. Dabei stehen die Kommissare drei verzweifelten Elternpaaren gegenüber, die sich zunehmend untereinander beschuldigen und bekriegen. 

Es ist in den letzten Jahren schon fast zur Tradition geworden, dass der erste Fall eines neuen Teams eher mittelmäßig ausfällt. Tobler und Berg haben damit gebrochen. Anstelle die Kommissare und ihre persönlichen Probleme langatmig vorzustellen, liegt der Fokus stattdessen auf dem Fall. Der ist durch die karge, düstere Atmosphäre und das "Wettlauf gegen die Zeit"-Gefühl äußerst spannend. Trotz der ländlichen Umgebung und den Ü45-Ermittlern wirkt der Krimi modern, jung und authentisch. Letzteres auch durch das lebensnahe Verhalten der verzweifelten Eltern und die simpel gestrickten, aber dennoch sehr sympathischen Kommissare. 


Tatort: Déjà-vu (Dresden - Sieland, Gorniak; Januar 2018)

Der kleine Oscar (l., Finley Berger) schwebt in Gefahr
Foto: MDR
Für Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach, Das Leben danach) bricht eine Welt zusammen, als der neunjährige Rico tot in einer Sporttasche aufgefunden wird. Vor einigen Jahren hatte er einen ähnlichen Fall nicht aufklären können. Die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, Allein gegen die Zeit) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) tappen lange im Dunklen. Sie ahnen noch nicht, dass der Mörder bereits ein neues Opfer im Visier hat.

Spätestens mit "Déjà-vu" hat sich der Dresdner "Tatort" endgültig in die Oberliga der Ermittlerteams katapultiert. Die Folge hat alles, was einen guten Krimi ausmacht: eine stringente Handlung, fokussierte Ermittler, gesellschaftliche Relevanz, Emotionen, Nervenkitzel und einen spannenden Showdown, bei dem man die Augen kaum vom Bildschirm nehmen kann. Dass der Zuschauer früh weiß, wer der Mörder ist, macht den Fall umso besser, da neben den Ermittlungen auch sein Leben gezeigt wird. Es geht an die Nieren, zu sehen, wie er sich auf spielerische Art und Weise an sein nächstes Opfer heranmacht. Trotz der bedrückenden Thematik rutscht der Krimi nie in Melodramatik, übertriebene Betroffenheit oder Effekthascherei ab. Stattdessen behalten die Kommissarinnen stets einen kühlen Kopf, ohne aber emotionslos zu wirken. In "Déjà-vu" stimmt einfach alles!


Tatort: Tollwut (Dortmund - Faber, Bönisch, Dalay; Februar 2018)

Zum ersten Mal ermitteln die Dortmunder nur zu dritt
Foto: WDR/Thomas Kost
Markus Graf (Florian Bartholomäi), der Mörder von Peter Fabers (Jörg Hartmann) Familie, hat dem Kommissar einen Brief geschrieben. Wenig später werden Faber und seine Kolleginnen Martina Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) in die Dortmunder Justizvollzugsanstalt gerufen, in der Graf einsitzt. Einer der Häftlinge ist an Tollwut gestorben. Bei der Behandlung hat sich Gefängnisarzt Jonas Zander (Thomas Arnold, Tatort: Schlangengrube), ein alter Kollege der Ermittler, ebenfalls mit dem tödlichen Virus angesteckt.

Zugegeben, "Tollwut" gehört nicht zu den allerbesten Fällen des fantastischen Dortmunder Teams, dennoch ist auch diese Folge ein Highlight der 2017/2018-Saison. Das liegt wieder einmal vor allem an den Kommissaren, die nur so vor Zynismus und schwarzem Humor sprühen. Das kommt hier durch Zanders tödliche Infizierung umso besser zur Geltung. Ihre unterschiedlichen Reaktionen auf die schlimme Nachricht sorgen für spannendes Konfliktpotenzial und einige tragikomische Szenen. Durch die Enge im Gefängnis und die Angst vor der Ansteckung bekommt der Fall zudem eine fesselnde Eigendynamik, die sich im Verlauf des Krimis immer weiter zuspitzt. Faber und sein Team beweisen in "Tollwut" erneut, dass sie zu den besten Ermittlerteams im deutschen Fernsehen gehören.


Tatort: Meta (Berlin - Rubin, Karow; Februar 2018)

Ein Film im Film im Film - kompliziert, aber gut
Foto: rbb/Reiner Bajo
Kommissar Robert Karow (Mark Waschke, Dark) und seine Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) finden in einem Lager die Leiche einer jungen Prostituierten. Der Raum wurde von einer Produktionsfirma angemietet, die erst einen Film herausgebracht hat. Als die Ermittler den Trailer ansehen, stellen sie geschockt fest, dass er ihren Fall bis ins kleinste Detail nacherzählt - die Leinwand-Kommissare sind unter den gleichen Umständen auf die Leiche einer jungen Prostituierten gestoßen und realisieren, dass es einen Film gibt, der ihre Geschichte erzählt.

Ich bin kein Fan des Berliner Teams, da mir die Charaktere zu affektiert und übertrieben sind. "Meta" ist allerdings ein so ausgesprochen interessanter und ungewöhnlicher Fall, dass das künstliche Verhalten der Kommissare kaum ins Gewicht fällt. Vor einigen Jahren gab es bereits einen Wiesbadener "Tatort" mit verschiedenen Metaebenen, der war jedoch ziemlich albern. Diesen Fehler begeht der Berliner Fall nicht. Trotz der komplexen, experimentellen Handlung behält er immer ein gewisses Maß an Bodenständigkeit und Stringenz. Durch clevere Bilder wird die Geschichte auch optisch lebendig und zeigt dem Zuschauer eindrücklich, in welcher Ebene sie sich gerade befinden. Obwohl dem Fall jeglicher Realismus fehlt, ist er wirklich unterhaltsam und unglaublich kreativ.


Tatort: Alles was Sie sagen (Bundespolizei - Falke, Grosz; April 2018)

Arbeiten Grosz (M.) und Falke (r.) gegeneinander?
Foto: NDR/Christine Schroeder
Eigentlich sollten die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) nur die Identität eines Flüchtlings überprüfen. Kurze Zeit später ist dessen Schwester tot und Falke steht mit gezückter Waffe über ihr. In getrennten Verhören versucht Kriminalrat Joachim Rehberg (Jörn Knebel) herauszufinden, was geschehen ist. Dabei gehen die Schilderungen der beiden Ermittler immer weiter auseinander und sie belasten sich gegenseitig.

Genau wie "Stau" und "Meta" beweist auch "Alles was Sie sagen", dass ein Krimi nicht überdreht oder vermeintlich künstlerisch wertvoll sein muss, nur weil er einen experimentellen Charakter hat. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die beiden gegensätzlichen Bundespolizisten verschiedene Situationen wahrnehmen und wie sie mit ihren Erzählungen deutlich machen, was sie am anderen stört. Der Kriminalfall und die interne Ermittlung werden geschickt miteinander verwoben, sodass die Handlung durch wechselnde Perspektiven und Zeitsprünge nicht behindert, sondern belebt wird. Trotz der früh vorhersehbaren Auflösung, wird die Geschichte nicht langweilig und fesselt bis zur letzten Sekunde.



Meine Flop-Krimis

Tatort: Zurück ins Licht (Bremen - Lürsen, Stedefreund; Oktober 2017)

Lürsen, Selb und Stedefreund (vorne, v.l.) am Tatort
Foto: RB/Michael Ihle
In einem Auto finden die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) mehrere Monate altes Blut und einen abgetrennten Finger. Der Wagen ist auf den Chef eines Pharmahandels zugelassen. Die Ermittlungen ergeben, dass er sich vor seinem Verschwinden mit Pharmareferentin Maria Voss (Nadeshda Brennicke) getroffen hat. Stedefreund verguckt sich sofort in die Verdächtige, dabei hat er gerade erst eine Affäre mit BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram) begonnen.

In dieser Folge spielt die Krimihandlung nur eine untergeordnete Rolle. Der Fokus liegt auf der vermeintlich schillernden Femme fatale Maria Voss. Deren Charakter ist jedoch so verschroben, verklärt und künstlich angelegt, dass es für den Zuschauer nicht nachvollziehbar ist, was Stedefreund an ihr so fasziniert. Ihre verklärt-süßliche Stimme raubt ihr auch noch das letzte bisschen Ernsthaftigkeit und Sexappeal. Statt einen spannenden Fall zu präsentieren, folgt die Handlung größtenteils Voss bei ihren seltsamen Freizeitbeschäftigungen, für die es genauso wenig Erklärungen gibt, wie für Stedefreunds Begeisterung. Seine Kollegin Lürsen scheint sich hingegen bereits mit ihrer Krimi-Rente im Jahr 2019 abgefunden zu haben, so lustlos schleppt sie sich durch den langatmigen Fall mit seinen melodramatischen Dialogen. Wer kann es ihr verübeln?


Tatort: Böser Boden (Bundespolizei - Falke, Grosz; November 2017)

Grosz steht einer Horde Zomb... äh, Bauern gegenüber
Foto: NDR/Christine Schroeder
Die Bundespolizisten Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) sollen den Mord an einem Mitarbeiter des Gasförderunternehmens Norfrac aufklären. In dem angrenzenden Dorf registriert Grosz bei vielen Bewohnern Hautausschläge und Wesensveränderungen. Die Betroffenen glauben, dass ihre Erkrankungen mit dem Fracking zu tun haben. Auf einer Versammlung muss sich Grosz alleine gegen mehrere Dutzend aufgebrachte "Öko-Nazis" zur Wehr setzen.

Ein halbes Jahr bevor plötzlich jeder zweite Sonntagskrimi die militante, konservative Landbevölkerung thematisierte, musste sich das Team der Bundespolizei bereits mit aufgebrachten, radikalen Bauern auseinandersetzen. Allerdings werden die nicht wie Menschen dargestellt, sondern eher wie Zombies. Mit von Ausschlag verzerrten Gesichtern und schleppendem Schritt wanken sie stumm ihren "Opfern" hinterher und wirken dabei eher wie Statisten in einem Low-Budget-Horrorfilm. Wie es der kindlich klingende Titel "Böser Boden" bereits vermuten lässt, scheint die Folge das Thema Fracking und giftige Substanzen in der Natur nicht ernst zu nehmen. Der ganze Krimi erinnert mehr an eine Parodie als an ein aufrüttelndes Ökö-Drama oder zumindest einen normalen "Tatort". Zahlreiche Szenen ohne klaren Bezug zur Handlung, Falkes aufgesetzt wirkende private Handlung und ein unpassender musikalischer Gastauftritt verstärken den Eindruck der lieblos zusammengeschusterten Geschichte nur noch.


Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren (Kiel - Borowski; Februar 2018)

Borowski gerät in den Bann der sonderbaren Famke
Foto: NDR/Christine Schroeder
Der Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) wird auf die Insel Suunholt geschickt, um die mysteriösen Todesumstände eines Mannes aufzuklären, der nach einem Korruptionsskandal spurlos verschwunden ist. Seine neue Lebensgefährtin Famke Oejen (Christiane Paul, Paranoid) verdächtigt die Inselbewohner des Mordes. Doch weder die Beschuldigten, noch die örtlichen Polizisten nehmen Famkes Vermutungen ernst. Borowski ist hingegen fasziniert von ihr und hört zu.

Dieser Fall macht denselben Fehler wie "Zurück ins Licht". Anstelle sich auf die Krimihandlung oder zumindest die Ermittler zu konzentrieren, wird eine den Zuschauern völlig fremde Person in den Mittelpunkt gestellt, die zu undurchsichtig und realitätsfern ist, um eine Beziehung zu ihr aufbauen zu können. Weshalb der Kommissar sie so toll findet, wird auch hier nicht klar. Zudem kommt beim Inselfall noch hinzu, dass das Verhalten völlig untypisch für Borowski ist und irgendeine Art von Erklärung somit wirklich nötig gewesen wäre. Die anderen Charaktere bleiben nur dadurch im Gedächtnis, dass sie das wandelnde Klischee der weltfremden, einfältigen Inselbevölkerung darstellen. Weiterhin besteht der Krimi größtenteils aus zwei Extremen: den schier endlosen, langweiligen Szenen, in denen ein Gedicht von Theodor Storm zitiert wird und den extrem blutigen Momenten, wo verschiedene Charaktere auf unnötig detaillierte und abartige Art getötet werden. Alles in allem einer von Borowskis schlechtesten Fällen.


Tatort: Mitgehangen (Köln - Ballauf, Schenk; März 2018)

Die Kommissare sehen sich am Fundort der Leiche um
Foto: WDR/Thomas Kost
In einem Baggersee wird ein versenktes Auto gefunden. Im Inneren liegt die Leiche eines Mannes. Er war Teilhaber eines Reifenhandels und durch sein selbstherrliches Verhalten wenig beliebt bei seinen Kollegen. Besonders der Inhaber des kleinen Familienbetriebs hatte unter dem Mobbing des Toten zu leiden. Die Kölner Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) beginnen die Familie des Inhabers auseinanderzunehmen.

Statt sich auf den Kriminalfall zu konzentrieren, dreht sich dieser Fall vor allem um die scheinbar glückliche Familie, die durch eine polizeiliche Ermittlung entzweit wird. Prinzipiell eine spannende Sichtweise, doch die Umsetzung ist derart misslungen, dass "Mitgehangen" einer der großen Flops der Saison ist. Es fehlt der Folge an absolut allem - Spannung, interessante Themen, nachvollziehbaren Charaktere und Glaubwürdigkeit. Die ganze Handlung wirkt so konstruiert, dass es dem Zuschauer kaum möglich ist, Mitleid mit den Betroffenen zu entwickeln. Die Geschichte bekommt noch zusätzliche, unnötige Melodramatik durch Ballaufs aus der Luft gegriffene Sinnkrise. Alles in allem ein langweiliger, völlig überfrachteter Krimi, der höchstens wegen seines nervtötenden Soundtracks (negativ) in Erinnerung bleiben wird.


Tatort: Ich töte niemand (Nürnberg - Ringelhahn, Voss, Goldwasser, Fleischer, Schatz; April 2018)

Ringelhahn ist befangen, ermittelt aber trotzdem
Foto: BR /Hager Moss Film GmbH/Luis Zeno Kuhn
Ein unauffälliges, gut integriertes, libysches Geschwisterpaar wurde brutal erschlagen. Von ihrem Ziehsohn fehlt jede Spur. Der Teenager hatte vor Kurzem bei einem wichtigen Gerichtsprozess ausgesagt. Derweil trauert Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) um einen ehemaligen Kollegen und Freund, der beim Autofahren an einer Wechselwirkung verschiedener Antidepressiva gestorben ist. Hatte er etwas mit den Morden zu tun? Ringelhahns Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs) ermittelt hartnäckig.

Scheinbar haben die Verantwortlichen des Nürnberger "Tatorts" realisiert, dass blasse Kommissare ohne viel Persönlichkeit ziemlich langweilig sind und schnell vergessen werden. Die Folge steht jedenfalls in krassem Gegensatz zu den bisherigen. Voss schreit in fast jeder seiner Szenen grundlos aggressiv herum und verhält sich wie ein Irrer. Seine Kollegin geht so in ihrer Trauer um eine dem Zuschauer unbekannte Figur auf, dass sie kaum zu gebrauchen ist. Während die beiden plötzlich mit schlecht gemachter Charakterzeichnung übergossen werden, bleiben die drei anderen Ermittler im Team weiterhin farblos. Dazu kommt noch ein undurchsichtiger, verworrener Fall, der weder spannend ist, noch zum Weitergucken ermuntert. Das Ganze wird garniert mit vermeintlich künstlerisch wertvollen Spielereien, wie melancholischer Musik und Standbilder, die aber peinlich auffallen, anstelle nahtlos in die Geschichte überzugehen.


Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis (deutsch-polnisches Team - Lenski, Raczek; April 2018)

Lenski (r.) entwickelt Gefühle für ihren Gastgeber
Foto: rbb/Christoph Assmann
Olga Lenski (Maria Simon) und ihre Tochter werden nachts heimlich von Einbrechern gefilmt. Die Kommissarin fühlt sich nicht mehr wohl in ihren eigenen vier Wänden und will Urlaub auf einem abgelegenen Bauernhof machen. Besitzer Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel, Tatort: Der wüste Gobi) bereitet sich und seine Familie stets auf einen Ernstfall vor - sei es durch gebunkerte Lebensmittel oder eigene Stromversorgung. Lenski kommt ihrem Gastgeber näher, doch dann wird plötzlich dessen Frau tot aufgefunden. Lenskis Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) nimmt die Ermittlungen auf.

Die Folge beginnt vielversprechend: Es ist wirklich beklemmend zu sehen, wie Fremde durch Lenskis Wohnung schleichen und ihr ganz nah kommen. Doch dieser Fall wird später in einem Nebensatz gelöst. Stattdessen geht es um den "Prepper"-Hof und die aufflammenden Gefühle der Kommissarin. Beides ist ziemlich öde. Dazu kommt noch die Tatsache, dass auch bei Lenski - wie schon bei ihren Kollegen aus Bremen und Kiel - nicht ersichtlich ist, was genau sie an ihrem Gegenüber so anziehend findet. Er und seine Kinder wirken einfach nur sehr schräg, beunruhigend und auch nervig. Ihre pseudo-philosophischen Unterhaltungen am Abendbrottisch wirken realitätsfremd und aufgesagt. Zudem will der "Polizeiruf" dem Zuschauer weismachen, dass bereits nach wenigen Stunden ohne Strom völlige Anarchie ausbricht. Inmitten dieses irren Chaos wirken die beiden Ermittler heillos überfordert und verwirrt - wie viele Menschen vor dem Fernseher vermutlich auch.


Das waren die sechs Sonntagskrimis, die mir in der vergangenen Saison am besten und am wenigsten gefallen haben. Wie sieht es bei euch aus? Welche Folgen sind euch positiv oder negativ im Gedächtnis geblieben? Und mit welchen Serien überbrückt ihr die Sommerpause? Schreibt es gerne in die Kommentare.


Wir machen keine Sommerpause. Bei uns gibt es weiterhin Rezensionen und Posts zu verschiedenen Filmen, Büchern und Serien. 
Folgt uns auf Facebook, Twitter und Instagram, um weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle bisherigen Posts zum Thema "TV" findet ihr hier.


Dienstag, 12. Juni 2018

Marvel's Cloak & Dagger: Staffel 1, Folge 1 & 2 - Rezension

Seit dem 7. Juni gibt es eine neue Serie aus dem Hause "Marvel". "Cloak & Dagger" ist Teil des "Marvel Cinematic Universe" und spielt somit in der gleichen Realität wie die Kinofilme und Sendungen, wie "Marvel's The Defenders" oder "Agents of S.H.I.E.L.D.". In den USA läuft die neue Comicadadaption auf dem Sender "Freeform", während sie in Deutschland bei "Amazon Prime Video" als "Prime Exclusive" angeboten wird. Die Episoden sind dort immer einen Tag nach der amerikanischen Erstausstrahlung verfügbar. Zur Premiere gab es direkt zwei Folgen: "First Light" und "Suicide Sprints".


Die Teenager Tandy Bowen (Olivia Holt) und Tyron Johnson (Aubrey Joseph) verbrindet ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Kindheit. Bei der Explosion einer Ölbohrinsel der Firma "Roxxon" in New Orleans bekommen sie Superkräfte verliehen. Beide sind zu dem Zeitpunkt des Unglücks im Wasser. Tandy ist mit ihrem Vater Nathan (Andy Dylan), einem Mitarbeiter von "Roxxon", unterwegs. Er wird beim Autofahren abgelenkt, steuert den Wagen ins Wasser und stirbt schon beim Aufprall. Tyrone muss mit ansehen, wie sein Bruder Billy (Marqus Clae) von einem Polizisten erschossen wird und springt dessen leblosem Körper in den Fluss hinterher. Einige Jahre später haben sie noch immer mit den Ereignissen und Folgen dieser Nacht zu kämpfen. Als sie sich eines Abends durch Zufall auf einer Party begegnen, wissen beide nicht, dass sie der Unfall von damals verbindet. Tandy klaut Tyrones Brieftasche und will damit abhauen. Als er sie stellt und sie sich dabei berühren, bekommen sie einen heftigen Schlag. Dabei erwecken sie die übernatürlichen Fähigkeiten zum Leben, die seit dem Unfall in ihnen geschlummert haben. 


Ein überraschend überzeugender Start

Tandy und Tyron werden bald ein Team
Foto: Freeform/Marvel
Die ersten zwei Folgen bieten dem Zuschauer eine gelungene Einführung in diese Comicverfilmung. Ich muss zugeben, dass ich wirklich erstaunt war, wie gut sie mir gefällt. Denn ich hatte die Sorge, die Serie könnte zu sehr ins Teenie-Drama abrutschen. Schließlich sind die Protagonisten 16 oder 17 Jahre alt. Doch glücklicherweise gibt es in den ersten Folgen überhaupt kein kindisches und künstlich aufgebauschtes Drama. Die Serie macht insgesamt einen sehr "erwachsenen" Eindruck, was vor allem an den tollen Hauptfiguren liegt. Beide sind von Anfang an sehr spannende und starke Persönlichkeiten. Schon jetzt ist zu erkennen, dass sie Ecken und Kanten haben. Die Charaktere sind weder perfekt noch entsprechen sie typischen Klischees aus Teenie-Serien. Dadurch möchte man beiden als Zuschauer gerne durch die Handlung folgen, weil man ihnen von Anfang an auf einer emotionalen Ebene begegnet. Tandys Familie ist nach dem Tod ihres Vaters zu Bruch gegangen. Seitdem schlägt sie sich durch, indem sie sich mit ihrem Freund Liam (Carl Lundstedt) als Gast auf edle Partys schleicht und die Leute geschickt beklaut. Doch ansonsten führt sie ein sehr trostloses, einsames Leben. Wenn sie doch zwischendurch "nach Hause" kommt, trifft sie auf ihre zugedröhnte Mutter Melissa (Andrea Roth). Tyrone hat auf den ersten Blick ein relativ normales Leben, doch der Tod seines älteren Bruders verfolgt ihn und seine Eltern (Gloria Reuben & Miles Mussenden) noch immer. Die Rückblicke zu diesem schrecklichen Ereignis sind traurig und bewegend, da sie auch zeigen, wie nah sich die Geschwister standen. Dadurch ist Tyrones Verlust auch für den Zuschauer deutlich spürbar. Man erlebt den Jugendlichen schon bald dabei, wie er in der Gegenwart an dem Mörder Rache ausüben will. Obwohl beide fragwürdige Entscheidungen treffen, sind sie durchaus nachvollziehbar und wirken nicht überzogen. Denn die Schauspieler erwecken ihre jeweilige Rolle sehr überzeugend zum Leben und bringen ihre Eigenarten - beispielsweise Tandys zynisches Verhalten - authentisch rüber. Das Erstaunlichste ist für mich, dass ihre gemeinsame Dynamik schon spürbar ist, obwohl sie gerade einmal ein paar kurze Szenen miteinander hatten. Als sie sich auf einer Party begegnen, wirkt ihre Interaktion ab der ersten Sekunde sehr natürlich und es zeigt das Potenzial, dass sie als Duo haben können. Daher freue ich mich schon, wenn sie sich näher kennenlernen und mehr Screen Time als Team haben. Was mögliche Gegenspieler für die neugeborenen Superhelden angeht: Noch ist nicht klar, wer das sein könnte. Ich finde es aber gut, dass sich zu Beginn mehr auf die Protagonisten konzentriert wird. Die Serie lässt sich Zeit, um die Handlung erst einmal aufzubauen und ihre Figuren ordentlich einzuführen. Dadurch wirkt die Geschichte nicht gehetzt, sondern hat insgesamt ein sehr angenehmes Tempo. 

Die ersten Folgen machen Lust auf mehr...

Die Superkräfte bringen ihre Leben durcheinander
Foto: Freeform/Marvel
...das liegt vor allem daran, dass die gesamte Stimmung sehr mysteriös ist. Vor allem im Hinblick auf "Roxxon" sowie die Kräfte der zwei Jugendlichen. Über die Firma ist noch so gut wie gar nichts bekannt: Wofür genau war sie zuständig? Wer hat dort gearbeitet, außer Tandys Vater? Womit wurde experimentiert und wie konnte es zum Unfall kommen? Was hatten sie zu verbergen? All diese Fragen bleiben vorerst ungeklärt und das weckt die Neugier auf die nächsten Folgen, in denen hoffentlich einige davon beantwortet werden. Wie Tandy und Tyrone zu ihren Fähigkeiten kommen, ist erst einmal nichts vollkommen Außergewöhnliches: Wie in vielen Superheldengeschichten fängt alles mit einem Unfall an, bei dem sie mit unbekannten Substanzen in Berührung kommen. Was "Cloak & Dagger" aber besonders macht, ist die Art, wie die Jugendlichen langsam mit ihren Kräften konfrontiert werden. In anderen Fällen, beispielsweise "Spider Man" oder "Captain America", wird schnell klar, wozu Peter Parker oder Steve Rogers fähig sind, weil es ganz konkret vorgestellt wird. In der neuen "Marvel"-Serie hingegen ist das noch überhaupt nicht klar. Es gibt sehr viele Interpretationsmöglichkeiten. So wacht Tyrone mehrmals nach dem Einschlafen an anderen Orten auf. Ist das jetzt wirklich Teleportation oder etwas anderes? Wieso geschieht es im Schlaf? Später passiert es auch im Wachzustand. Somit kann der Zuschauer vorerst nur erahnen, was die Charaktere können, ohne genaue Regeln und Grenzen zu kennen. Das macht es umso interessanter. 
Tandy kommt mit ihren Fähigkeiten überhaupt nicht klar
Foto: Freeform/Marvel
Besonders fesselnd sind die Momente, in denen sie so etwas wie Visionen haben, wenn eine andere Person sie berührt. Während Tandy positive, hoffnungsvolle Visionen hat, sieht Tyrone deutlich düsterere Bilder vor seinem geistigen Auge. Wie intensiv und erschreckend sich diese Augenblicke für beide anfühlen, veranschaulichen Holt und Joseph durch eindrückliche Gestik und Mimik. Diese Fähigkeit bleibt genauso im Dunkeln wie  die anderen, da nicht ganz klar ist, was genau es damit auf sich hat. Es sorgt aber definitiv dafür, dass die Stimmung schön mysteriös ist und der Zuschauer Lust bekommt, die Geschichte weiter zu verfolgen. Dazu tragen auch die sichtbaren Teile ihrer Kräfte bei: In Tandys Hand erscheint ein strahlendes Leuchten, während aus Tyrones Körper schwarzer Nebel wabert. Da sie so viele verschiedene Dinge tun können, lässt es außerdem die Möglichkeit offen, dass mehr in ihnen schlummert, was sie bloß noch nicht entdeckt haben. Somit ist insgesamt sehr viel Potenzial vorhanden, das hoffentlich auch genutzt wird. Mir hat außerdem gefallen, dass beim "Vorstellen" der Fähigkeiten das "Show don't tell"-Prinzip sehr gut umgesetzt wird, sprich: Es wird wenig erzählt, sondern Dinge werden dem Zuschauer besonders durch Bilder nahegebracht. Weil sie alleine damit konfrontiert werden und sich niemandem anvertrauen, finden keine Gespräche statt. Auch sonst gibt es keine zusätzlichen Anhaltspunkte für den Zuschauer. Er ist dadurch mittendrin und erlebt auf eindrückliche Weise die ersten Situationen mit, in denen die Protagonisten von ihren Kräften quasi überrumpelt werden. Das Erstaunen und die Verwirrung der Charaktere ist auf diese Weise noch greifbarer. Eine Szene, die ich besonders gelungen finde, ist Tyrones Erwachen auf dem Dach des "Roxxon"-Gebäudes, auf das er sich das erste Mal "aus Versehen" teleportiert hat. Er steht auf, nur mit seiner Bettdecke bei sich und ist vollkommen verwirrt, weil er nicht weiß, was passiert ist. Als er langsam über das Dach läuft, weht die leichte Decke im Wind und sieht tatsächlich aus wie ein Umhang. Jedem wird spätestens da klar werden, wer von den beiden "Cloak" sein wird. Mit eindrücklichen Bildern wie diesen kann die Serie definitiv auch optisch überzeugen.  

Fazit

Der Start von "Cloak & Dagger" ist sehr vielversprechend. Die neue "Marvel"-Serie bietet dem Zuschauer interessante, vielschichtige Hauptcharaktere und eine Superheldengeschichte, die insgesamt durch ihre mysteriöse, düstere Stimmung überzeugt. Besonders die Fähigkeiten der Protagonisten bleiben noch so weit im Dunkeln, dass es die Neugierde auf die kommenden Folgen weckt. Obwohl die Figuren Teenager sind, bleibt bis jetzt unnötiges Drama außen vor. Stattdessen macht die Sendung einen überraschend erwachsenen Eindruck. Die Serie hat definitiv das Potenzial dazu, eine tolle, packende Geschichte zu erzählen. 


Ich werde auch die nächsten Folgen wöchentlich rezensieren. Im Gegensatz zu dieser Rezension werden meine Posts ab Episode 3 ("Stained Glass") nicht mehr spoilerfrei sein.

Folgt uns auf Twitter, Facebook und Instagram, um diese und weitere Rezensionen nicht zu verpassen. Alle Beiträge zum Thema "Marvel" findet ihr hier und alle zum Thema "TV" hier.