Samstag, 20. Januar 2018

Blindspot: Staffel 3, Folge 10 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Balance of Might" (S03E10) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

Journalistin Megan Butani (Reshma Shetty) wird von Akol (Hubert Point-Du Jour), einem sudanesischen Flüchtling, angerufen. Er und seine Geschwister Winnie (Emma Claye) und Jaden (Ronald Peet) sind in einem kenianischen Flüchtlingslager aufgewachsen und kürzlich von Wohltäter John Saya (Jim True-Frost) nach New York geholt worden. Megans Freund Assistant FBI Director Edgar Reade (Rob Brown) erinnert sich daran, dass eines von Jane Does (Jaimie Alexander) Tattoos auf eben jenes Flüchtlingscamp deutet. Saya benutzt die verzweifelten Menschen dort für terroristische Anschläge in westlichen Ländern. Roman (Luke Mitchell) hatte Akol Megans Visitenkarte gegeben, um das FBI Team darauf aufmerksam zu machen.

Meine Meinung in vier Punkten

1. Der relevante Fall der Woche

Reade (l.) & Megan (2.v.l.) helfen den Geschwistern
Foto: NBC 
Mittlerweile läuft fast jede "Blindspot"-Folge nach demselben Prinzip ab: Terroristen wollen eine Bombe in New York City zünden - exakt an dem Tag, an dem das Team auf sie aufmerksam wird. In letzter Sekunde können Jane und Kurt Weller (Sullivan Stapleton) oder Reade und Tasha Zapata (Audrey Esparza) eine schwere Explosion verhindern. In "Balance of Might" ist das nicht anders. Durch das Schicksal der Flüchtlinge hat die Geschichte jedoch einen realistischen und vor allem relevanten Kern. Am besten hat mir in diesem Zusammenhang gefallen, dass die Serie darauf eingeht, wie die Flüchtlingssituation ausgenutzt wird, um die Wirtschaft anzukurbeln  (Jane: "There's a ton of money in the refugee and aid industry." Patterson (Ashley Johnson, Spooked): "It really shouldn't be an industry." Jane: "Well, it is and it is worth billions."). Ich finde es gut, wenn "Blindspot" reale Konflikte thematisiert, da es die Handlung erdet. Außerdem lassen sich die Charaktere so besser definieren, da man sich selbst mit ihnen vergleichen kann  - Reades Freundin zum Beispiel. 

2. Megan - ein toller Neuzugang

Der Zuschauer hatte sie bislang nur einmal beim ersten Zusammentreffen zwischen ihr und Tasha gesehen. In dieser Folge hat sie nun ihren großen Auftritt und mich persönlich gleich von sich überzeugt. Denn Megan passt sehr gut zum Team. Genau wie Patterson, Reade, Jane und Tasha ist sie ehrgeizig, durchsetzungsfähig, intelligent und brennt für ihren Job. Ziemlich cool fand ich die Szene, in der die Sudanesen einen Anwalt wollen und das Team schlussfolgert, dass die drei von Saya auf eine mögliche Polizeibefragung vorbereitet wurden. Doch es war Megan die ihnen notiert hat, dass sie sich auf das sechste Amendment (u.a. Recht auf einen Anwalt) berufen sollen - ich habe mich gleich gewundert, wieso die Handschrift feminin aussah. Megan stellt gegenüber dem Team gleich klar, dass es sich bei Akol, Winnie und Jaden um ihre Informanten handelt und sie sie beschützen wird. Ich finde es super, dass sie nicht nur dem Zweck dient, Tasha eifersüchtig zu machen. Megan mag das Team und umgekehrt, dennoch ist sie bereit, sich für ihren Job mit dem FBI anzulegen. Das macht sie zu einem wirklich coolen, vielschichtigen und spannenden Charakter. Endlich wird ein Journalist im Fernsehen mal nicht als skrupelloser Aasgeier oder naiver Idiot dargestellt, sondern als jemand, der durch seine Geschichten auf Missstände aufmerksam machen möchte. Ich hoffe, dass sie von nun an häufiger zu sehen sein wird!

3. Alle halten zusammen - außer Weller

Trotz Ehe-Aus ist Jane nicht allein
Foto: NBC
Abgesehen von Megan gibt es noch einen weiteren wichtigen Neuzugang in dieser Folge: Clem (Steve Kazee). Jane hatte mit ihm während ihrer Flucht zwischen der zweiten und dritten Staffel einige Missionen durchgezogen. Er war mir ebenfalls gleich sympathisch, da er charmant, humorvoll und lässig ist. Im Gegensatz zu Megan wird er jedoch augenscheinlich vor allem als "Liebeshindernis" herhalten müssen, denn er und Jane hatten eine Affäre, die sie nun vielleicht wiederaufleben lassen. Es ist lächerlich, dass die Autoren nach der unglaubwürdigen Geschichte um Avery (Kristina Reyes) nun auch noch eine Liebschaft aus dem Hut zaubern, nur um noch mehr Drama zu erzeugen. Da es offensichtlich ist, dass Jane und Weller sowieso am Ende wieder problemlos miteinander glücklich sein werden, sind diese unnötigen Nebenhandlungen einfach nur nervig. Vor allem, weil Clem ein vielversprechender Charakter ist, der deutlich mehr Persönlichkeit hat als Kurt. Außerdem behandelt er Jane auch deutlich besser. Überhaupt ist in dieser Folge niemand so wirklich gut auf den ehemaligen Assistant Director zu sprechen, der nicht einmal weiß, dass sein Freund Reade eine Freundin hat und mit ihr zusammenlebt. Als Weller Patterson bittet, möglichst viel über Avery herauszufinden, damit seine Frau Abschied nehmen kann, sagt sie ihm schonungslos die Wahrheit: "That's a terrible idea. (...) I know this isn't what you wanna hear, but I think you should leave Jane alone." Meine Lieblingsszene in dieser Folge war jedoch die Unterhaltung zwischen Zapata und Jane. Die normalerweise eher rationale Tasha gesteht ihrer Kollegin in einem emotionalen Augenblick, dass sie sie vermissen würde, sollte sich Jane noch einmal zur Flucht entscheiden. In ihrer gewohnt witzigen, trockenen Art hat sie schon eine Option parat (Zapata: "Stay at my place. I promise I won't make you talk about your feelings. I hate feelings, we can just drink."). Die Sequenz ist berührend und zeigt, wie sich die Charaktere im Laufe der Geschichte verändert haben, denn Tasha hat ihrer gedächtnislosen Kollegin noch weit bis in die zweite Staffel hinein misstraut. 

4. Und wieder ein vorhersehbarer Avery-Twist!

In fast jeder Episode der dritten Staffel gab es bislang am Ende eine große, überraschende Erkenntnis in Bezug auf Janes Tochter. Jedenfalls scheint es von den Drehbuchautoren so geplant zu sein. Mich konnte jedenfalls noch keiner dieser Twists verblüffen, da sie alle so offensichtlich sind, dass selbst jemand, der die Serie überhaupt nicht kennt, sie erraten könnte. "Balance of Might" ist keine Ausnahme. Diesmal stellt sich heraus: Roman hat seine vermeintliche Nichte auf Weller angesetzt und ihr Treffen in Berlin nicht zufällig war. Als ob wirklich irgendein Zuschauer das gedacht hätte! In der ersten Staffel haben es Patterson und ihr Team nicht geschafft, herauszufinden, wer Jane ist. Aber Avery, eine scheinbar völlig normale 18-Jährige, soll es geschafft haben, alle drei Identitäten ihrer Mutter (Alice Kruger, Remi Briggs und Jane Doe) aufzudecken... Die Autoren scheinen nicht einmal zu versuchen, ihre falschen Fährten glaubwürdig zu legen! Die einzige Nebenhandlung, die für mich in dieser Hinsicht noch ein bisschen Spannung bietet, ist Romans. Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass er Blake Crawford (Tori Anderson) zwar mag, sie aber fallen lassen wird, sobald es seine Mission erfordert. Dennoch glaube ich, dass es die einzige Geschichte sein könnte, die anders läuft als erwartet.

Fazit

"Balance of Might" ist eine kleine Verbesserung im Vergleich zur vorherigen Folge, dennoch steuert die Serie in eine Richtung, die mir persönlich nicht gefällt. Die Erzählung um Jane, Weller und Avery verstrickt sich immer mehr in vorhersehbaren Wendungen. Anstelle Fragen zu beantworten und die Gefühle der Charaktere glaubwürdig darzustellen, wird die Geschichte in jeder Woche unter noch mehr Dramatik begraben. Neue, aufgeweckte Figuren wie Megan und Clem bringen frischen Wind in die öde Handlung, werden aber vermutlich in den nächsten Episoden nicht präsent genug sein, um auch weiterhin nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Dafür ist es schön zu sehen, dass das Jane-Weller-Drama nicht dazu geführt hat, dass das Team auseinanderbricht. Der Fall der Woche ist durch sein aktuelles Thema ebenfalls ein großer Pluspunkt, besonders weil Aspekte der Flüchtlingsthematik angesprochen werden, die sonst eher selten Platz in den Medien finden.


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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

Journalist Megan Butani (Reshma Shetty) gets a call from Akol (Hubert Point-Du Jour), a Sudanese refugee. He and his siblings Winnie (Emma Claye) and Jaden (Ronald Peet) grew up in a refugee camp in Kenya and were recently brought to New York by benefactor John Saya (Jim True-Frost). Megan's boyfriend Assistant FBI Director Edgar Reade (Rob Brown) remembers that one of Jane Doe's (Jaimie Alexander) tattoos is pointing to the camp. Saya is using the desperate people living there for terrorist attacks in Western countries. Roman (Luke Mitchell) wanted the FBI to know about it and gave Megan's business card to Akol.

My opinion in four points

1. The relevant case of the week

Reade (l.) & Megan (2.f.l.) are helping the siblings
Photo: NBC 
Most "Blindspot" episodes have a pretty similar plot: Terrorists want to detonate a bomb in New York City - exactly on the same day the FBI became aware of their plan. At the last second Jane and Kurt Weller (Sullivan Stapleton) or Reade and Tasha Zapata (Audrey Esparza) manage to prevent a huge explosion. "Balance of Might" being no exception. But by including the refugee's fates the story gets a more realistic and relevant core. I appreciate that the series talked about how the refugee crisis is used to boost the economy (Jane: "There's a ton of money in the refugee and aid industry." Patterson (Ashley Johnson, Spooked): "It really shouldn't be an industry." Jane: "Well, it is and it is worth billions."). I really enjoy when "Blindspot" addresses real conflicts, because it grounds the story. Furthermore it makes it easier to define the characters, because it's possible to compare them to yourself - Reade's girlfriend for example.

2. Megan - a great addition

Until now the viewer only saw her once when she met Tasha for the first time. In the latest episode she is finally properly introduced and I liked her immediately, because she fits in well with the team. Just like Patterson, Reade, Jane and Tasha she's ambitious, assertive, intelligent and passionate about her job. I thought one scene was pretty cool: The Sudanese want a lawyer and the team concludes that Saya must have prepared the three in case they'd ever get interrogated by the police. But it was Megan who wrote down that they should appeal to their sixth Amendment right (to have a lawyer) - I wondered right away why the hand writing looked so feminine. Megan makes it clear to the team that Akol, Winnie and Jaden are her sources and that she'll protect them. I think it's great that she wasn't just introduced to make Tasha jealous. Megan likes the team and vice versa, but she still puts her work first and is ready to tangle with the FBI. In this way she's a really cool, complex and exciting character. Finally there's a journalist who is not portrayed as a ruthless vulture or a naive idiot, but as someone who uses his stories to draw attention to nuisances. I hope she is going to be in a lot more episodes!

3. Everyone sticks together - except for Weller

Jane isn't alone despite her break up 
Photo: NBC
Apart from Megan there's another important new character in this episode: Clem (Steve Kazee). During Jane's getaway between the second and the third season she went on a few missions with him. I immediately liked him too, because he's charming, funny and chill. Though unlike Megan he will apparently be serving as a "love obstacle", because he and Jane had an affair which they might revive soon. After the implausible story about Avery (Kristina Reyes), it's just ridiculous that the writers pull a fling out of the hat to create even more drama. It's obvious that Jane and Weller will get back together in the end, so these unnecessary subplots are just annoying. Especially because Clem is a promising character with a lot more personality than Kurt. He also treats Jane better. Generally everyone in this episode seems to be out of sorts with the former Assistant Director. He doesn't even know his friend Reade has a girlfriend and that the pair shares an apartment. When Weller asks Patterson to find out more about Avery, so his wife can have closure, she tells him the truth bluntly: "That's a terrible idea. (...) I know this isn't what you wanna hear, but I think you should leave Jane alone." But my favorite scene in this episode is the talk between Zapata and Jane. During an emotional moment Tasha, who is mostly very rational, admits to her coworker that she'd miss her if Jane would ever decide to run away again. In her usual funny, dry way she offers a solution (Zapata: "Stay at my place. I promise I won't make you talk about your feelings. I hate feelings, we can just drink."). This sequence is touching and shows how much the characters have grown throughout the story, because Tasha didn't trust her amnesic colleague until way into the second season.

4. And another predictable Avery twist!

There has been a big, surprising realization about Jane's daughter at the end of almost every season three episode so far. At least that seems to be the writers' plan. Not a single one of those twists was able to astonish me, because all of them were so obvious that even people who don't know the show could have guessed them. "Balance of the Might" continues the trend. This time it turns out that Roman met with his alleged niece in Berlin and that her encounter with Weller was not a coincidence. As if there was a single viewer who actually believed that! In the first season Patterson and her team couldn't find out who Jane is. Yet Avery, an apparently totally normal 18-year-old girl, managed to uncover all three of her mother's identities (Alice Kruger, Remi Briggs and Jane Doe)... The writers don't even seem to try to make their red herrings believable! Roman's subplot is the only one, which is still a little thrilling in this regard. I'm 99 percent sure he actually likes Blake Crawford (Tori Anderson), but will drop her as soon as his mission requires him to. However I'm hopeful that this story might be the only one to follow a different track than expected.

Conclusion

"Balance of Might" is an improvement in comparison to the previous episode, still I don't like the direction the show is heading. The plot concerning Jane, Weller and Avery gets tangled up more and more in predictable twists. Instead of answering questions and portraying the characters' feelings genuinely, the plot is buried under more drama every week. Fresh, brisk people like Megan and Clem breath new life into the dull story, but I fear they won't have enough screen time in the next episodes to actually have a lasting impact. However I'm glad the Jane-Weller drama didn't break the team apart. Due to it's current theme the case of the week gets a big bonus point, especially because it highlights some aspects of the refugee situation, which are not frequently talked about in the media.


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Donnerstag, 18. Januar 2018

Böses Geheimnis (B.C. Schiller) - Rezension

Das anhaltend schlechte Wetter der letzten Tage war ein guter Anlass, um mal wieder ein bisschen zu schmökern. Bei meiner Suche nach neuem Lesestoff wurde ich auf den Thriller "Böses Geheimnis" von B.C. (Barbara und Christian) Schiller aufmerksam. Das Buch ist am 1. Januar 2018 erschienen und eignet sich mit seiner Länge von nur 251 Seiten als Lektüre für zwischendurch.

Nach einer Schussverletzung musste der Wiener Inspektor Levi Kant aus dem Dienst ausscheiden.  Ihn quält noch immer der Gedanke, dass er seinen letzten Fall nie lösen konnte: Den Mord an der 14-jährigen Lisa Manz. Etwas widerwillig arbeitet Kant nun als Dozent an der Polizeiakademie. Mit dem langweiligen Alltag ist es schlagartig vorbei, als sich der psychisch labile Jonathan Stade umbringt. Seine Abschiedsnotiz werten die Ermittler als Geständnis im Mordfall Lisa. Jonathans Psychologin Olivia Hofmann ist jedoch davon überzeugt, dass ihr Patient getötet wurde, weil er etwas über den wahren Täter wusste. Ex-Inspektor Kant hegt ebenfalls Zweifel an der Theorie seiner Kollegen. Die beiden beginnen selbst Nachforschungen anzustellen.

Gefühlskälter als eine Leiche

Das Cover ist eher nichtssagend
Foto: Shutterstock
Im Gegensatz zu den meisten Krimis ermitteln in "Böses Geheimnis" weder Detektive noch Polizisten noch Journalisten. Prinzipiell finde ich diesen Weg interessant und abwechslungsreich, allerdings werden Levis und Olivias Besonderheiten nicht wirklich hervorgehoben. Letztere ist zwar Psychologin, doch davon bekommt der Leser wenig mit. Es werden zwar mehrfach ihre Praxis und ihre Schicht in einer Klinik erwähnt, zur Geschichte trägt ihre Profession jedoch so gut wie gar nichts bei. Es böte sich an, dass sie Verdächtige, Opfer oder die vermeintlich untätigen Polizisten evaluieren könnte. Doch Olivia ist nur bei einer Befragung dabei, in der sie sich gegenüber der Mutter der toten Lisa unprofessionell verhält anstelle sie genau zu beobachten. Levi bringt die Ermittlungen durch seine Erfahrungen bei der Polizei immerhin ein bisschen weiter, doch auch er bleibt sehr eindimensional. Keiner der beiden hat großen Einfluss auf die Handlung. Die meisten Spuren und Beweise fallen ihnen einfach in den Schoß. So bekommt die Psychologin beispielsweise einige von Lisas Tagebuchseiten zugeschickt und später findet sie bei ihrem Vater ein entscheidendes Indiz, das ihre Theorie stützt. Ein paar Schritte tun die zwei Hauptfiguren auch selbst, wie ein Einbruch in das Archiv der Klinik, in der Lisa zuletzt therapiert wurde. Doch das sind alles keine Aktionen, die die beiden in irgendeiner Form unentbehrlich machen. Jeder andere Charakter in "Böses Geheimnis" hätte genauso gut die Rolle des Ermittlers einnehmen können, so sind Oliva und Levi austauschbar. Anstelle sie durch ihre Handlungen, Eigenarten oder Fähigkeiten interessant zu machen, definieren B.C. Schiller ihre Protagonisten hauptsächlich über ihre Schicksale - Kants Schussverletzung, die ihn den Job und beinahe das Leben gekostet hat und das Verschwinden von Olivias Mann Michael und der gemeinsamen Tochter Juli. Viel mehr erfährt der Leser sonst nicht über die beiden, was sehr schade ist, da die Konstellation Potenzial bietet. 
Die anderen Charaktere sind ebenfalls sehr einseitig. Natürlich ist es in einem nur 251 Seiten langen Buch kaum möglich jede Figur zu ergründen und ihr Profil zu geben. Allerdings ist die Geschichte dementsprechend emotionslos. Die Autoren versuchen das auszugleichen, indem sie die handelnden Personen ihre Gefühle in Worte fassen lassen. Allerdings klingt das meist sehr künstlich und wirkt dadurch erst recht kalt und teilnahmslos ("Wenn du dich jetzt wieder einmischst, verfalle ich in eine große Traurigkeit."). Am auffälligsten ist in dieser Hinsicht Theresa Manz, die Mutter der ermordeten Lisa. Genau wie die beiden Ermittler ist auch sie nur auf eine einzige Eigenschaft festgelegt: Sie ist Schauspielerin und muss jedem mitteilen, wie erfolgreich sie vor der Geburt ihrer Tochter war. Allerdings fühlt sich Theresa dabei nicht wie ein greifbarer Charakter an, dessen Wut und gebrochener Stolz lebendig werden. Stattdessen kreischt sie immerzu die gleichen drei oder vier Sätze. In Bezug auf ihre Tochter beispielsweise: "[zu Lisa, Anm. d. Red.] Ich war gerade dabei, von meiner letzten großen Rolle zu erzählen. Du hast mich unterbrochen. Du hast wieder einmal alles kaputtgemacht."; "Ich war gerade dabei, die Medea einzustudieren, da platzte sie in mein Zimmer und vorbei war es mit der Konzentration. Sie war so ein anstrengendes Mädchen."; "[zu Lisa, Anm. d. Red.] Was bist du nur für ein anstrengendes Mädchen. Du kannst wirklich gar nichts." Immer wieder die gleichen Phrasen zu hören, teils sogar im selben Wortlaut, ist langweilig und besonders bei einem extrovertierten, redseligen Charakter unpassend. Außerdem klingen ihre Sätze so lächerlich, dass Theresa als nichts anderes als eine Karikatur bezeichnet werden kann. Da das offenbar nicht beabsichtigt ist, stellt sie einen der großen Schwachpunkte des Buchs dar. 

"Ich war sehr traurig."

Die einzige Figur, die der Leser ein bisschen näher kennenlernt, ist Lisa. Ihre Tagebucheinträge machen es möglich, sich in sie hineinzuversetzen. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, da sie vor allem Situationen und Dialoge nacherzählt anstelle ihre Gedanken festzuhalten. Dennoch spürt der Leser, wie einsam und verzweifelt das Mädchen ist. Die Rückblenden auf die Wochen vor Lisas Tod fand ich gut, da sie mich im Gegensatz zum kompletten Rest des Buchs tatsächlich berührt haben und deutlich mehr zum Verständnis des gesamten Falls beitragen als Levis und Olivias Ermittlungen. So halten sich die Autoren zumindest im Bezug auf die Tote an den Rat ihres Protagonisten Levi Kant: "[...] in die Opfer einfühlen müssen. Sie sollen das Leid und die Schmerzen dieser armen Menschen spüren." Wie bereits oben beschrieben, gibt es einiges, was mich am Schreibstil gestört hat. Zu den ständigen Wiederholungen ganzer Satzteile und der seltsamen Ausformulierung von Gefühlen kommt auch noch Lisas Sprache hinzu. Im Gegensatz zu Cara Delevingne in ihrem Roman "Mirror Mirror" und Yrsa Sigurðardóttir in ihrem Thriller "Sog" gelingt es B.C. Schiller nicht, das junge Mordopfer altersgemäß klingen zu lassen. Ihre Ausdrucksweise ist nicht die einer 14-Jährigen. Sie redet teilweise sehr unnatürlich förmlich und erklärt es selbst damit, die Sprache durch die Drehbücher ihrer Mutter gelernt zu haben. Auf der anderen Seite drückt sie sich kindlich aus, was vielleicht daran liegen könnte, dass die Misshandlung durch ihre Eltern sie in diesem Bereich psychisch beeinflusst hat. Da der Leser aber so gut wie nichts über ihr Leben zu Hause oder die Zeit vor ihrem 14. Geburtstag erfährt, fehlen wichtige Informationen, um das nachvollziehen zu können. So klingt Lisas Ausdrucksweise einfach nur sehr holprig.
Ebenso holprig ist die Auflösung des Mordfalls. Olivia und Levi glauben, dass sie den Täter überführt haben, doch dann erinnert sich die Psychologin einige Wochen später an ein Beweisstück, das sie völlig vergessen hatte. Das führt sie auf den letzten paar Seiten noch schnell zum richtigen Mörder - es war schlussendlich die Person, die von Anfang mein Hauptverdächtiger war. Es ist schade, dass der Thriller sehr viel Zeit auf das Privatleben der beiden Protagonisten und die stagnierenden Ermittlungen verwendet, nur um die Auflösung dann hastig abzuhaken. Vor allem bleiben viele Fragen ungelöst, auf die ich hier nicht genauer eingehen werde, um Täter und eventuelle Beteiligte nicht zu spoilern. Da der Showdown völlig unspektakulär abläuft und es auch auf den über 200 Seiten davor nicht viel Nervenkitzel und Action gibt, würde ich persönlich "Böses Geheimnis" auch nicht als Thriller, sondern als Krimi bezeichnen. Positiv überrascht hat mich am Ende die Tatsache, dass das Verschwinden von Olivias Mann und Tochter nicht aufgeklärt wurde. In Krimis ist es normalerweise Standard, dass zwei vermeintlich unterschiedliche Fälle letztendlich zusammengehören. Hier wäre es ein großes Gesamtbild sogar äußert denkbar gewesen, da mehrere Tragödien vor fünf Jahren stattfanden: Lisa Manz' Ermordung, Levis Schussverletzung, das Verschwinden von Olivias Familie und die Alzheimer-Diagnose ihres Vaters. Es ist eine nette Abwechslung, dass diese Dinge nicht gezwungenermaßen zusammenhängen - jedenfalls noch nicht, denn die Geschichte wird vermutlich fortgeführt werden ("Er kannte Olivia gut und wusste, dass sie die Suche nach ihrem Mann und ihrer Tochter niemals aufgeben würde.").

Fazit

"Böses Geheimnis" ist mehr Krimi als Thriller, da es dem Buch an Action, Spannung und Nervenkitzel mangelt. Das liegt vor allem an den ereignislosen Ermittlungen, bei denen den Protagonisten die meisten wichtigen Beweisstücke einfach in die Hände fallen. Ein großer Teil der Handlung konzentriert sich auf die privaten Probleme der beiden Hauptfiguren, die dennoch eindimensional bleiben. Die Nebencharaktere werden ebenfalls auf eine Eigenschaft reduziert, die immer wieder aufgewärmt wird, indem ganze Dialogzeilen oder Beschreibungen in sehr ähnlichem oder sogar gleichem Wortlaut wiederholt werden. Da das Buch über gerade einmal 251 Seiten verfügt, fällt das besonders auf. Lediglich das Mordopfer öffnet sich dem Leser ein bisschen mehr und gibt Einblick in sein Seelenleben. Alle anderen Charaktere sprechen ihre Gefühle knapp und emotionslos aus, was überaus unnatürlich klingt. Für einen verregneten Nachmittag war "Böses Geheimnis" ein passabler Zeitvertreib, weitere Geschichten der Ermittler Levi Kant und Olivia Hofmann werde ich jedoch nicht lesen.


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Sonntag, 14. Januar 2018

Blindspot: Staffel 3, Folge 9 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Hot Burning Flames" (S03E09) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

Ein Tag ist seit den Ereignissen der letzten Folge "City Folk Under Wraps" vergangen. FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown), Tasha Zapata (Audrey Esparza) und Patterson (Ashley Johnson, Spooked) überlegen, wie sie den Drahtzieher hinter ihrer ehemaligen Chefin Eleanor Hirst (Mary Stuart Masterson) zu Fall bringen können. Jane Doe (Jaimie Alexander) muss währenddessen verarbeiten, dass ihr Ehemann Kurt Weller (Sullivan Stapleton) ihre Tochter Avery (Kristina Reyes) erschossen hat. Ein neues Tattoo führt Reade und Zapata zu einem geheimen Regierungslager, aus dem zwei Atombomben gestohlen wurden. Das Team muss sie so schnell wie möglich finden, da die Zündung innerhalb der nächsten 24 Stunden erfolgen wird.

Meine Meinung in drei Punkten

1. Der melodramatische Konflikt zwischen Jane und Weller

Weller entschärft lieber Bomben als zu reden
Foto: NBC
In meiner vorherigen Rezension habe ich bereits beklagt, dass alle "spannenden Twists" in "Blindspot" schon mehrere Wochen vorher offensichtlich sind. Wie ich und gefühlt 90 Prozent der Social Media User schon vermutet haben, ist Janes Tochter Avery nicht tot. In Rückblenden erfährt der Zuschauer, wie Kurt sie in Berlin getötet hat (Für die deutschen Charaktere wurden leider keine deutschen Schauspieler gecastet, was am holprigen Satzbau und der seltsamen Aussprache deutlich zu hören ist.). Am Ende der Folge ist sie jedoch quicklebendig. Jane und Weller wissen das jedoch nicht. In einer schier endlosen Sequenz, die hektisch zwischen der Gegenwart und seinem Aufenthalt in Berlin hin und her springt, offenbart Kurt seiner Frau, wie ihre Tochter gestorben ist. Jane reagiert zum Glück angemessen und konfrontiert ihn damit, dass er die Wahrheit nicht vertuscht habe, um sie zu schützen, sondern sich selbst. Das wäre ein guter Aufhänger, um die toxische Beziehung zu beenden - doch sobald Avery wieder da ist, werden sich alle Probleme hundertprozentig in Luft auflösen, obwohl bei den beiden noch vieles falsch läuft und sie keinerlei Chemie haben. Immerhin ist es das erste Mal, dass mich Sullivan Stapleton schauspielerisch überzeugen konnte. In den vorherigen 53 Folgen hatte er praktisch nur einen Gesichtsausdruck und wirkte immer sehr steif. In dieser Szene taut er auf und zeigt seinen sonst eher einseitigen, groben Charakter sehr verletzlich. Dennoch haben mich Kurts und Janes Krokodilstränen nicht ansatzweise berührt - was vor allem daran liegt, dass ich zu keinem Zeitpunkt geglaubt habe, dass Avery tatsächlich tot ist. So schien die ganze Sequenz völlig unnötig und einfach nur dem Zweck zu dienen, wieder einmal Zwietracht im Team zu säen, nachdem die fünf im Herbstfinale Hand in Hand zusammengearbeitet hatten. Denn leider bleibt Janes und Kurts Konflikt nicht privat. Die beiden erscheinen einfach nicht zur Arbeit, ohne sich bei ihren Kollegen zu melden. Das ist eine sehr dumme Aktion, nachdem es nun schon mehrfach vorgekommen ist, dass FBI-Agenten zu Hause entführt oder getötet wurden. Kein Wunder also, dass Reade ein Team zur Weller-Wohnung schickt. Daraufhin entscheiden sich Jane und Kurt doch zu arbeiten, nur um sich bei ihrer Mission unprofessionell zu verhalten und die ganze Zeit kindisch anzugiften. Bei dieser nervigen Nebenhandlung hat mir nur eine Szene gefallen: Auf dem Weg zu einem Einsatz berichtet Kurt Reade im trockenen Tonfall, dass seine Frau sauer auf ihn sei, weil er ihre Tochter getötet habe. Der Blick seines Mitfahrers ist wirklich amüsant - genau wie Zapatas, die von Jane zeitgleich dasselbe erfährt. Ja, die Probleme dieses Teams sind nicht alltäglich...

2. Eine Bombenattacke verhindern - mal wieder!

Durch das ganze Drama zwischen Weller und Jane wird der Fall der Woche zu einer Randnotiz. Terroristin Lana (Julia Crockett) hat der Defense Intelligence Agency (DIA) zwei Atombomben gestohlen und benutzt sie als Druckmittel gegen FBI, CIA und US-Regierung. Ihre Forderungen: Alle amerikanischen Truppen sollen aus der Türkei abgezogen werden und die CIA muss ihren Bruder Anton freilassen. Lana wirkt wie aus einem Setzkasten für Bösewichte zusammengebastelt: Osteuropäerin, blond, böses Lachen, skrupellos und ein undurchsichtiger Plan. Es wird beispielsweise nicht klar, was Lana mit der Türkei verbindet und wieso sie ihren Bruder freipressen will, obwohl sie weiß, dass er tot ist (CIA-Direktor Jake Keaton (Chad Donella): "His heart gave out during an interrogation."). Die Antagonistin ist genauso austauschbar wie der Plan selbst - kaum eine "Blindspot"-Folge vergeht, in der das Team nicht die Detonation einer Bombe in New York verhindern muss. Immerhin gibt es am Ende einen kreativen Twist: Das Entschärfen ist in diesem Fall deutlich leichter als sonst (DIA-Chef Dave Kirkpatrick (Peter Oldring): "Hit the disarm button."), allerdings muss Weller dafür aus einem Flugzeug springen. Natürlich ist es völlig unrealistisch, dass er einen passenden Fallschirm findet, auch noch weiß, wie er ihn bedienen muss und die Bombe zufällig genau in den Hudson River fällt. Die Action in der Luft sieht jedoch ziemlich cool aus und ist eine interessante Abwechslung zum häufig vorkommenden "Welchen-Draht-sollen-wir-durchschneiden?". Ein Highlight ist definitiv DIA-Chef Dave Kirkpatrick, der die sonst eher lahme Folge durch seinen überschwänglichen Enthusiasmus und seine witzigen Sprüche aufmuntert (Kirkpatrick: "Well here's hoping you guys are around the next time something like this happens." Weller: "What do you mean 'next time'?" Kirkpatrick: "It's not the first time the Department of Energy has misplaced a nuke and I can promise you, it won't be the last.")

3. FBI und CIA gegen den neuen Super-Bösewicht

Die Stimmung im Team ist mal wieder angespannt 
Foto: NBC
Im Herbstfinale konnte das Team FBI-Direktorin Hirst aus dem Verkehr ziehen, doch auch sie war nur Marionette eines mächtigeren Hintermanns. Dessen Identität haben Patterson und Zapata zu Beginn von "Hot Burning Flames" bereits aufgedeckt - da weniger als 24 Stunden seit Hirsts Festnahme vergangen sind, kann das ja nicht wirklich schwer gewesen sein. Wie der Zuschauer bereits seit letzter Folge weiß, handelt es sich dabei um Hank Crawford (David Morse), dessen Tochter Blake (Tori Anderson) seit einigen Folgen von Roman (Luke Mitchell) bezirzt wird. Zapata und ihr Chef Keaton wollen Crawford gründlich organisiert zu Fall bringen, während Reade kurzen Prozess machen möchte. Diese Unstimmigkeit wird leider nur knapp thematisiert, da das Jeller-Drama und der Fall die meiste Sendezeit einnehmen, doch in Zukunft wird sie wohl eine größere Rolle spielen. Am Ende der Folge sichert Tasha Keaton zu, sie sei auf seiner Seite und überredet Reade, dem Plan der CIA zuzustimmen (Zapata: "Do you trust me?" Reade: "With my life."). Ich freue mich auf diesen vorprogrammierten Gewissenskonflikt, da die Drehbuchautoren ursprünglich geplant hatten, Zapata zum Sandstorm-Maulwurf in der zweiten Staffel zu machen. Vielleicht bekommt sie ja doch noch eine "böse" Seite. Außerdem mag ich Keaton mittlerweile gerne. Er ist zwar skrupellos, aber dennoch eine große Hilfe für das Team, weil er deutlich rationaler denkt als die fünf Protagonisten. Diese Nebengeschichte kann jedenfalls nur besser werden als die Melodramatik zwischen Weller und Jane. 

Fazit

Nach zwei wirklich guten Folgen ist "Hot Burning Flames" leider eher unterdurchschnittlich. Der Fall der Woche ist solide und wird durch einen ungewöhnlichen Showdown und einen witzigen Episodencharakter aufgepeppt. Die Nebenhandlung um Zapatas Loyalität gegenüber ihrem neuen Arbeitgeber und ihren alten Freunden ist vielversprechend, wird in dieser Folge jedoch nur oberflächlich behandelt. Viel zu viel Sendezeit widmet sich hingegen dem Konflikt zwischen Jane und Weller. Da der Ausgang der Geschichte von Anfang an klar ist, berühren die Emotionen der Charaktere nicht. Die dazugehörigen Rückblicke sind sehr langatmig, sodass trotz Bombendrohung in der Folge keine Spannung aufkommt.


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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

The current episode is set one day after the fall finale "City Folk Under Wraps". FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown), Tasha Zapata (Audrey Esparza) and Patterson (Ashley Johnson, Spooked) are thinking of a plan to bring down the mastermind behind their former boss Eleanor Hirst (Mary Stuart Masterson). In the meantime Jane Doe (Jaimie Alexander) has to process that her husband Kurt Weller (Sullivan Stapleton) killed her daughter Avery (Kristina Reyes). A new tattoo leads Reade and Zapata to a secret government warehouse where two nuclear bombs have been stolen. The team has to be quick, because they're going to be launched within the next 24 hours.

My opinion in three points

1. The melodramatic conflict between Jane and Weller

Weller likes defusing bombs more than talking
Photo: NBC
In my last review I already talked about how "Blindspot's" "surprising twists" are always predictable weeks earlier. Like I and about 90 percent of social media users assumed correctly, Jane's daughter Avery is not dead. Through flashbacks the viewer learns how Kurt killed her in Berlin (Sadly they didn't cast German actors to play the German characters, which is pretty obvious due to the odd sentence structure and the mispronunciation.). At the end of the episode it turns out she is very much alive. But Jane and Weller don't know that. Kurt tells his wife how her daugther died during a sheer endless sequence, which frantically switches between the present and his stay in Berlin. Thankfully Jane reacts appropriately and confronts him with the fact he didn't keep that secret in order to protect her, but to protect himself. This would be the perfect time to end the toxic relationship - but as soon as Avery is back all problems will probably vanish into thin air, even though there's a lot going wrong between the two and they have zero chemistry. At least this is the first time I thought Sullivan Stapleton's acting was convincing. During the past 53 episodes he basically only had one facial expression and always appeared to be very stiff. In this scene he relaxes a bit and shows a more vulnerable side of his otherwise very one-dimensional and crude character. Still Kurt's and Jane's crocodile tears didn't touch me at all - the main reason is because I never believed Avery was actually dead. Therefore the entire sequence was unnecessary and its only purpose seemed to be breeding discord between the team after the five protagonists worked hand in hand during the fall finale. Because sadly Jane's and Weller's conflict doesn't stay privately. They don't show up for work, without telling their colleagues. That is incredibly dumb considering quite a few FBI agents have been kidnapped or killed at home. Unsurprisingly, Reade sends a team to the Weller apartment. As a result Jane and Kurt decide to go to work after all, only to act unprofessionally during an operation and behave childishly the entire time. There was only one scene I liked about that annoying subplot: On their way to a mission Kurt tells Reade dryly that his wife is angry at him, because he killed her daughter. The look on his car passenger's face is very funny - just like Zapata's who was told the same story by Jane. Yes, the team's problems are special...

2. Stop a bomb explosion - again!

Due to the drama between Jane and Weller the case of the week becomes a marginal note. Terrorist Lana (Julia Crockett) stole two nuclear bombs from the Defense Intelligence Agency (DIA) and uses them as leverage against FBI, CIA and US government. Her demands: All American troops have to be withdrawn from Turkey and the CIA has to release her brother Anton. Lana is a very stereotypical villain: East European, blonde, evil laugh, ruthless and obscure plan. For example it doesn't become clear what Lana has to do with Turkey and why she wants to obtain her brother's release even though she knows he's dead (CIA Director Jake Keaton (Chad Donella): "His heart gave out during an interrogation."). The plan is just as replaceable as the antagonist - there's almost no "Blindspot" episode in which the team doesn't have to stop a bomb explosion in New York. At least there's a creative twist in the end: The defusing is much easier than usual (DIA boss Dave Kirkpatrick (Peter Oldring): "Hit the disarm button."), but Weller has to jump out of a plane to do it. Of course it's totally unrealistic he found a suitable parachute, knows how to use it and that the bomb coincidentally fell into the Hudson River. However the air action looks pretty cool and it's a nice change to see something else than "What-wire-should-we-cut?". DIA boss Dave Kirkpatrick is definitely a great guest character, because he lightens up the pretty lame case with his exuberant enthusiasm and funny lines (Kirkpatrick: "Well here's hoping you guys are around the next time something like this happens." Weller: "What do you mean 'next time'?" Kirkpatrick: "It's not the first time the Department of Energy has misplaced a nuke and I can promise you, it won't be the last.").

3. FBI and CIA against the new mastermind

The team's mood is pretty tense again 
Photo: NBC
During the fall finale the team managed to take down FBI Director Hirst, but she turned out to be a puppet of someone way more powerful. At the beginning of "Hot Burning Flames" Patterson and Zapata have already uncovered his identity - that was apparently pretty easy considering not even 24 hours have passed since Hirst's arrest. The viewer already learned in the last episode that the mastermind is Hank Crawford (David Morse) whose daughter Blake (Tori Anderson) is currently dating Roman (Luke Mitchell). Zapata and her boss Keaton want to slowly take down Crawford while Reade is planning to strike as soon as possible. Sadly this disagreement is just addressed briefly as most of the running time is filled with Jeller drama and the case of the week, but it's likely to play a bigger role in the future. At the end of the episode Tasha assures Keaton that she is on his side and convinces Reade to agree with the CIA's plan (Zapata: "Do you trust me?" Reade: "With my life."). I'm looking forward to this inevitable moral conflict, because originally the writers planned to make Zapata the "Sandstorm" mole in the second season. Maybe she will get a "bad side" after all. Meanwhile I started to like Keaton. He's unscrupulous, but a great help for the team and he thinks a lot more rationally than the five protagonists. This subplot can only be better than the melodramatics between Weller and Jane.

Conclusion

The last two episodes were really good. Unfortunately "Hot Burning Flames" is rather below average. The case of the week is okay and pepped up by an extraordinary showdown and a funny guest character. The subplot about Zapata's allegiance to her new employer and her old friends is promising, but only briefly mentioned in this episode. Way too much running time is spend on the conflict between Jane and Weller. The characters' emotions are not touching, because it's obvious from the beginning how the story is going to end. The corresponding flashbacks are very lengthy resulting in no suspension during the entire episode, despite the bomb threat.


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Freitag, 12. Januar 2018

Tatort: Die Faust - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Ein Serienmörder geht in Wien um. Innerhalb von wenigen Tagen tötet er drei Menschen und stellt ihre zerschundenen Körper an öffentlichen Plätzen zur Schau. Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Major Bibi Fellner (Adele Neuhauser) tappen im Dunkeln, denn der Täter hinterlässt keine Spuren. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Manfred Schimpf (Thomas Stipsits) suchen sie nach einer Verbindung zwischen den Opfern. Doch der tätowierte Serbe Dušan Savić (Faris Rahoma), der georgische Gärtnereimitarbeiter Davit Nosadse (Sebastian Pass) und die junge Mutter Nataliya Lomatschenka (Marie Monier) aus Litauen scheinen nichts gemeinsam zu haben. Die stressigen Ermittlungen werden durch ein internes Gerangel noch erschwert. Oberst Ernst Rauter (Hubert Kramar) will eine zweite Mordkommission ins Leben rufen und sucht nach einem geeigneten Leiter. Bibi spielt mit dem Gedanken sich zu bewerben, doch ihr ehrgeiziger Kollege Clemens Steinwendtner (Dominik Maringer) will den Job selbst und Moritz möchte seine Kollegin nicht verlieren.

(K)ein Ritualmörder in Wien

Krimi? Thriller? Drama? 
Foto: ORF
Zu Beginn erinnert dieser "Tatort" an eine Geschichte des "Da Vinci Code"-Bestsellerautors Dan Brown. Der erste Tote wurde gekreuzigt. Seine Leiche ist mit Nägeln an einer Wand befestigt worden, auf die der Täter ein orthodoxes Kreuz gemalt hat (Fellner: "Sieht es nach einem religiösen Opferritual aus?" Eisner: "Christlich-orthodoxer Ritualmord, ich bitte dich!"). Beim erhängten zweiten Opfer finden die Ermittler 30 Silbermünzen. Kriminalpsychologin Henriette Cerwenka (Erika Mottl) vermutet daraufhin, dass der Mörder die biblische Geschichte von Judas erzählen will. Der "Tatort" wäre jedoch nicht der "Tatort", wenn die Handlung mal tatsächlich komplett fiktiv und abgehoben wäre. Statt Eisner und Fellner einen psychopathischen Ritualmörder mit religiösen Wahnvorstellungen gegenüberzustellen, besinnt sich Drehbuchautor Mischa Zickler auf die osteuropäische Bürgerrechtsbewegung vor einigen Jahren. So stellen sich die Ermittler bald nicht mehr die Frage, wer die Morde begangen, sondern wer sie in Auftrag gegeben hat - Russland oder die CIA (Eisner: "Mord ist ja nie die optimale Lösung.")? Dieser plötzliche Umschwung tut der Geschichte nicht gut. Sie wird dadurch unnötig verkompliziert und verpasst die Chance einen innovativen Schritt zu tun. Ein Ritualmörder ist zwar nicht besonders realistisch, wäre aber eine nette Abwechslung zu all den "Tatort"-Folgen, die sich bitterernst und mit erhobenem Zeigefinger in die Gesellschaftskritik stürzen. Wie der RAF-Fall "Der rote Schatten", dreht sich nun auch "Die Faust" um einen vergangenen politischen Konflikt und versucht mit einem aktuellen Mord die damaligen Probleme wiederaufleben zu lassen. Zwar ist dieser Krimi deutlich spannender und unterhaltsamer als der Stuttgarter, dennoch wurde hier eine große Chance vertan. Im Gegensatz zu einem Dan-Brown-Thriller ist die Identität des Täters nicht wirklich überraschend und sein Motiv gewöhnlich. Weshalb die Leichen so umständlich und abstoßend inszeniert wurden, wird nicht abschließend aufgeklärt.
Eisner (2.v.l.) und Fellner (r.) am ersten Fundort
Foto: ARD Degeto/ORF/E&A Film/Hubert Mican
Die Aufmachung des Mörder allein würde schon genug Stoff für einen packenden Thriller liefern. In seinem Ganzkörperanzug, mit Mundschutz und Nachtsichtgerät, wirkt er auch ohne Waffe bedrohlich. Sein Outfit erinnert an "Virus", den vorherigen Fall des Wiener Teams, bei dem der Ebola-Virus ein ganzes Dorf in Atem hielt. Das plötzliche Auftauchen des dreifachen Ritualmörders ist ebenfalls beunruhigend. In einer Szene schleicht er durch die Wohnung seines dritten Opfers und beobachtet die unbedarfte junge Mutter. Dabei erinnert er ein wenig an Kai Korthals (Lars Eidinger), den mittlerweile legendären "stillen Gast" aus dem Kieler "Tatort", der unbemerkt in die Wohnungen von Frauen einbrach und ihre Sachen durchwühlte. In "Die Faust" endet die Szene jedoch damit, dass der Mörder sein Opfer brutal erschlägt. Der Zuschauer sieht davon nicht viel - hört aber alles, was den Grusel umso schlimmer macht. Den Mörder selbst bekommen die Krimi-Fans ebenfalls nicht viel zu Gesicht. Mit seiner bedrohlichen Verkleidung, seiner Brutalität und seiner Unberechenbarkeit hätte sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel mit Eisner und Fellner entfalten können. So beschränken sich die Ermittlungen leider größtenteils auf Verhöre mit Standardfragen nach Alibis und Motiven.

"Ich hätte schon auf uns aufgepasst!"

Die Bingo-Idee hätte ich in der Uni gebraucht!
Foto: Screenshot
Eisner und Fellner sind jedoch auch mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Zu Beginn des "Tatorts" sitzen die beiden in einer Pressekonferenz, in der ihr Chef Rauter eine Umstrukturierung der Kriminalpolizei bekannt gibt. Moritz streicht dabei fleißig die salbungsvollen Begriffe (darunter "Must have", "beste Köpfe", "Effizienzsteigerung" und "Synergien") auf einem selbst gemalten Bingozettel ab. Die Szene ist wirklich genial und mein absoluter Favorit in diesem "Tatort". Das liegt vor allem am witzigen Schlagabtausch zwischen Bibi und Moritz, die wetten, ob alle Worte in der Rede fallen werden. Die neue Stelle als Leiter der zweiten Mordkommission sorgt dann für ein freundschaftliches und dennoch hartnäckiges Machtgeplänkel zwischen den beiden Ermittlern. Bibi gefällt es beispielsweise gar nicht, dass Eisner ihrem direkten Konkurrenten Steinwendtner zustimmt und den offiziellen Weg anstelle ihres fast schon normalen Alleingangs wählt (Fellner: "Es ist ja nicht so, als würde ich die Vorschriften nicht kennen..." Eisner: "Aber?" Fellner: "Aber bis jetzt waren die uns ja auch wurscht!"). Letztendlich wird diese Nebenhandlung jedoch ziemlich billig aufgelöst. Natürlich war von Anfang an klar, dass Bibi und Moritz nicht getrennt werden würden. Der "Tatort" hat jedoch auch nicht den Mut, den realistischen Pfad zu nehmen und den Job einem weniger qualifizierten Mann zu geben. Daher konstruiert Drehbuchautor Zickler ein wenig schlüssiges und lahmes Ende. Immerhin besteht so die Chance auf noch mehr lustige Bingo-Runden.


Fazit

"Die Faust" ist eine deutliche Verbesserung zum vorherigen Fall des Wiener Ermittlerteams. Der skrupellose, gruselig aussehende Mörder und seine ungewöhnliche Inszenierung der Leichen sind interessant, werden aber im Verlauf des Krimis leider zu wenig thematisiert. Der Umschwung in eine völlig andere Richtung nimmt dem Fall sowohl Schwung als auch Spannung. Die politischen Verwicklungen der osteuropäischen Bürgerbewegung passen einfach nicht zu den aufwändigen Ritualmorden. Dennoch ist dieser "Tatort" unterhaltend, was vor allem an den witzigen Dialogen zwischen Eisner und Fellner sowie dem originellen, Neugierde weckenden Grundkonzept des Ritualmords liegt.


In der nächsten Woche ermittelt das Kölner Team. In "Bausünden" müssen Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) herausfinden, wer eine Hotelangestellte vom Balkon gestoßen hat. Was hat ein Bauprojekt in Katar anlässlich der Fußball WM 2022 mit ihrem Tod zu tun?

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Dienstag, 9. Januar 2018

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen (Teil 4)

"Netflix" bringt jeden Monat mehrere neue Eigenproduktionen heraus. Nur wenige schlagen ein wie eine Bombe - zum Beispiel "Stranger Things" (hier geht es zu unserer Rezension der zweiten Staffel). Die meisten Serien haben zwar eine solide Fanbase, sind dem größeren Publikum aber höchstens vom Namen her bekannt. In unserer Reihe "Kurzrezensionen" legen wir daher besonders Wert darauf, "Netflix"-Eigenproduktionen vorzustellen, die nicht mit großen Werbeplakaten in allen deutschen Städten beworben werden. In den vergangenen drei Teilen  haben wir bereits über Sendungen wie "Paranoid", "The Killing", "Greenhouse Academy" und "The OA" gesprochen (hier kommt ihr zu allen bisherigen Beiträgen - auch zum Thema Filme). Nun widmen wir uns zwei neuen Serien - und einer bereits rezensierten. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen. 

An dieser Stelle gehe ich auf Sendungen ein, die "Netflix" selbst als "Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle englischsprachigen Serien in der Originalversion angesehen habe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Travelers 

Carly, Marcy, Grant, Philip & Trevor
Foto: Netflix
"Travelers" ist eine kanadische Co-Produktion von "Netflix" und "Showcase", deren zweite Staffel vor zwei Wochen veröffentlicht wurde. In der Serie geht es darum, die Fehler der Menschheit auszubügeln - bevor sie begangen werden. In der Zukunft ist es technisch möglich, das Bewusstsein einer Person auszulöschen und durch das einer anderen zu ersetzen. Teams von Freiwilligen werden trainiert und ihre Seele anschließend ins 21. Jahrhundert geschickt, wo sie vom Körper eines sterbenden Menschen Besitz ergreifen. Die Traveler (Reisende) verhindern den Tod ihres Gast-Körpers und führen sein Leben so unauffällig wie möglich weiter. Nebenbei müssen sie Aufträge aus der Zukunft erfüllen, die den Verlauf der Geschichte zum Positiven hin verändern sollen. Dazu gehören das Verhindern einer Epidemie, das Aufhalten von Terroranschlägen oder der Schutz von Kindern, die später einmal wichtige Führungspositionen einnehmen werden. Im Fokus der Serie steht ein fünfköpfiges Traveler-Team: Der verheiratete FBI-Agent Grant MacLaren (Eric McCormack), die junge, alleinerziehende Mutter Carly Shannon (Nesta Cooper, #realityhigh), die geistig behinderte Marcy Warton (MacKenzie Porter), der High-School-Schüler Trevor Holden (Jared Abrahamson) und der drogenabhängige Student Philip Pearson (Reilly Dolman). 

Das Leben im 21. Jahrhundert ist schwerer als gedacht
Foto: Netflix
"Travelers" ist eine der Serien, bei denen ich froh war, dass ich mich nach der mittelmäßigen ersten Staffel dazu durchgerungen habe, mir trotzdem die zweite anzugucken. Die Handlung ist zu Beginn sehr konfus und verstrickt, was auch daran liegt, dass jede der fünf Hauptfiguren ein völlig anderes Leben führt, zu dem unterschiedliche Menschen gehören und in dem unterschiedliche private Probleme gelöst werden müssen. Mit der Zeit pendelt sich die Geschichte jedoch ein und die Zahl der Nebenhandlungen wird reduziert, sodass die Serie deutlich unverkrampfter und ruhiger wird. Leider bleibt sie dennoch relativ unüberschaubar, da der Zuschauer nur wenig über die Zukunft und den Master Plan erfährt. Wie in den meisten Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten werden die Regeln der übernatürlichen Phänomene, in diesem Fall das "traveln", nur sporadisch erklärt und regelmäßig verbogen, damit sie zur Handlung passen. So lautet eins der sechs Traveler-Protokolle, dass sie kein Leben nehmen dürfen, außer sie bekommen einen Auftrag, der das Gegenteil verlangt. Tatsächlich töten die Reisenden aber ständig irgendjemanden - auch außerhalb ihrer Missionen, werden dafür aber nie bestraft oder ermahnt. Auch an anderen Stellen widerspricht sich die Serie selbst. Mehrmals wird deutlich gemacht: Jeder Traveler bekommt eine intensive Vorbereitung, um im Beruf und seinem sozialen Umfeld keinen Verdacht zu erregen. Dennoch ist Carlys erster Schritt im 21. Jahrhundert zu googlen, wie man sich um ein Baby kümmert und MacLaren weiß nicht, dass seine Frau Kathryn (Leah Cairns) nur "Kat" genannt wird.
Trotz High-School-Alter fällt Trevor fast nie auf
Foto: Netflix
Die Logiklöcher und Unstimmigkeiten in der Zeitachse sind nervig, aber nichts Neues. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Geschichte gesehen oder gelesen zu haben, in der Zeitreisen tatsächlich konsequent und stringent durchgezogen wurden, ohne sich irgendwann selbst zu widersprechen. Auch in der deutschen "Netflix"-Serie "Dark (hier geht es zu unserer Diskussion), die in drei verschiedenen Jahrzehnten spielt, gab es viele Stellen, an der die Handlung keinen Sinn ergeben hat. Trotz der Fehler hat mich "Travelers" in der zweiten Staffel gut unterhalten. Das lag vor allem daran, dass die Charaktere sich endlich mit ihrer Situation arrangiert hatten und der Fokus dementsprechend nicht mehr ständig zwischen Mission und fünf privaten Handlungssträngen hin und her gesprungen ist. Außerdem sind die Folgen abwechslungsreicher. Eine besteht beispielsweise nur daraus, immer und immer wieder dasselbe Szenario durchzuspielen, um zu verhindern, dass die fünf Hauptcharaktere am Ende erschossen werden. Gestört hätte mich dieses Ergebnis aber weniger, da sie mir nicht sonderlich sympathisch sind. Carly mag ich beispielsweise überhaupt nicht, da sie blind das tut, was ihr aus der Zukunft diktiert wird und sich keine Gedanken macht, warum sie einige Katastrophen und tragische Todesfälle nicht verhindern dürfen. Nur Philip denkt von Anfang an selbstständig und trifft auch eigene Entscheidungen.


Project MC2

"Smart is the new cool!"
Foto: Netflix
Die US-amerikanische "Netflix"-Show "Project MC2" richtet sich an ein jugendliches Publikum und besteht aus sechs Mini-Staffeln. In der Sendung geht es um eine Gruppe von intelligenten Schülerinnen, die sich mit Technik, Wissenschaft und Ingenieurswesen beschäftigen. McKeyla McAlister (Mika Abdalla) ist neu in der kleinen kalifornischen Stadt Maywood Glen. Durch ihr teils seltsames Verhalten weckt sie die Neugierde von drei Mitschülerinnen. Die kulinarische Chemikerin Adrienne Attoms (Victoria Vida), die Technik- und Social-Media-Verrückte Bryden Bandweth (Genneya Walton) sowie die hochintelligente Erfinderin Camryn Coyle (Ysa Penarejo) schnüffeln McKeyla nach. Die bemerkt es und offenbart ihnen, dass sie eine Agentin der rein weiblichen Geheimorganisation NOV8 ist. McKeylas Mutter (Danica McKellar) und Chefin von NOV8 bietet Adrienne, Bryden und Camryn an, probeweise bei einem Auftrag zu helfen. Ab der zweiten Staffel bekommen die vier Jung-Agentinnen zudem Hilfe von zwei weiteren Mitschülerinnen, der cleveren Botanikerin Ember Evergreen (Belle Shouse) und der vorlauten Graffiti-Künstlerin Devon D'Marco (Staffel 2-4: Alyssa Lynch; Staffel 5: Maddie Phillips).

Ideale Outfits für eine Kostümparty in der Schule!
Foto: Netflix
"Project MC2" habe ich 2015 entdeckt, kurz nachdem die erste Staffel erschienen ist. Ich habe sie dann immer laufen lassen, wenn ich bei meinen Hobbys oder beim Essen Hintergrundgeräusche brauchte. Tatsächlich fand ich die Sendung ganz witzig. Handlung und Charaktere sind sogar für eine Teenie-Serie ungewöhnlich bunt, schräg und überdreht. Dabei rutschen sie nur selten ins Lächerliche ab - zum Beispiel jedes Mal, wenn die Mädchen sich für eine Party oder ein Event schick machen müssen. Dann liefern sich die Kostümbildner einen Kampf darum, wer die seltsamste Mixtur aus Farben, Stoffen, Perücken, Effekten und unnötigen Schichten entwerfen kann. Ansonsten konzentriert sich die Serie zum Glück größtenteils auf die Talente der Mädchen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). McKeyla hat einen Freund, den sie ständig zugunsten der Arbeit vernachlässigt. Ansonsten beschäftigt sich "Project MC2" nur sehr selten mit den Themen, die in Teenie-Sendungen normalerweise eine wichtige Rolle spielen. Die Fähigkeiten der Mädchen sind außergewöhnlich - zu außergewöhnlich, um noch nachvollziehbar oder glaubwürdig zu sein. Dennoch finde ich es toll, dass es auch Sendungen gibt, in denen die Heldinnen ihr Ziel alleine durch ihre Intelligenz und ihren Ehrgeiz erreichen - ohne magische Kräfte oder anderweitige Hilfe.
An den Haarfarben kann man sie unterscheiden
Foto: Netflix
Allerdings ist die Serie sehr unübersichtlich. Von den sechs Staffeln bestehen zwei aus sechs Folgen, zwei aus fünf Folgen, eine aus drei Folgen und eine aus nur einer Folge. Dazu kommt die Tatsache, dass sich die Anzahl der Hauptfiguren stetig erhöht. Neben Adrienne, Bryden, Camryn, Devon, Ember und McKeyla kommt irgendwann auch noch deren ältere Schwester Maddy dazu. Zu den besten Zeiten sind also sieben junge Agentinnen gleichzeitig im Einsatz. Harmonieren tun sie jedoch nicht, da einige deutlich sinnvollere Fähigkeiten und Talente haben als die anderen. Daher stehen häufig zwei oder drei von ihnen tatenlos herum. Viel gibt es auch nicht zu tun, denn die Antagonisten entsprechen allesamt der Bilderbuchversion eines Bösewichts: Sie haben ein fieses Lachen und stumme, grobe Handlanger, schmieden umständliche, zum Scheitern verurteilte Pläne und unterschätzen die Agentinnen völlig und lassen sie alleine gefesselt zurück. Ein zweites Mal werde ich mir "Project MC2" nicht angucken, aber für Zwischendurch war die Serie ganz nett und die intelligenten Heldinnen sind begrüßenswert!


Berlin Station - Staffel 2

Deutlich besser als Staffel 1!
Foto: Epix
In meinem vorherigen Kurzrezensionen-Post habe ich bereits über "Berlin Station" gesprochen (hier geht es zum Beitrag). Damals war die zweite Staffel noch nicht erschienen und ich habe nur die erste bewertet. Da zwischen den beiden aber Welten liegen, habe ich mich entschlossen, noch einmal darauf einzugehen. In der zweiten Staffel kehrt CIA-Agent Daniel Miller (Richard Armitage) nach Berlin zurück. Er soll sich in eine Neonazi-Zelle einschmuggeln, in der Otto Ganz (Thomas Kretschmann) und seine Tochter Lena (Emilia Schüle) einen Anschlag planen. Die CIA vermutet, dass die rechte Politikerin Katerina Gerhardt (Natalia Wörner) und ihre Partei PfD (Perspektive für Deutschland) die Attacke in Auftrag gegeben haben, um kurz vor der Bundestagswahl Angst und Unmut im Land zu wecken. Während seines Undercover-Einsatzes trifft Daniel auf seinen alten Kollegen Hector DeJean (Rhys Ifans), der sich nach den Ereignissen der letzten Staffel in Spanien versteckt. Derweil gibt es in der Station zwei neue Gesichter: BB Yates (Ashley Judd), die die Leitung übernommen hat und April Lewis (Keke Palmer), eine junge, ambitionierte Agentin. Beim deutschen Verfassungsschutz steht mittlerweile Esther Krug (Mina Tander) an der Spitze.

Agentin Edwards (r.) lernt die PfD-Spitze kennen
Foto: Epix
Die zweite Staffel "Berlin Station" macht genau die Dinge richtig, die ich an der ersten bemängelt habe. Ich mochte vor allem die verstrickte Geschichte nicht. Sie hatte keinen erkennbaren roten Faden und war wenig spannend, da von Anfang an feststand, wer der gesuchte Whistleblower war. Außerdem fand ich es schade, dass die Handlung nicht so viel Bezug zu Berlin hatte. Die Geschichte hätte überall spielen können. Das ist in den neuen Folgen anders. Im Fokus steht die fiktive PfD und ihre zentralen politischen Figuren Katerina Gerhardt und Joseph Emmerich (Heino Ferch). Es ist mehr als offensichtlich, dass die AfD hier als Vorbild gedient hat. Doch das ist ein Vorteil. Die Geschichte wirkt realistisch, bedrückend und ist dennoch (vor allem für amerikanische Verhältnisse) sehr sachlich. CIA-Agentin Valerie Edwards (Michelle Forbes, The Killing) lässt sich mit dem rechten Politiker Emmerich ein, im Verlauf der Affäre erfahren sie und der Zuschauer mehr über ihn. Dabei wird schnell klar, dass er kein rassistisches Monster ist, sondern ein freundlicher, eloquenter, korrekter Mann, der sich Sorgen um die Zukunft seines Landes macht. Genau diese Rechten sind am gefährlichsten - werden in Filmen, Büchern und Serien aber häufig durch grobschlächtige, Hassparolen schreiende Nazis ersetzt. Otto und Lena Ganz passen hingegen in diese stereotype Vorstellung. Die beiden wirken wie aus der Zeit gefallen und wollen weder zu allen anderen Charakteren, noch in die Handlung passen. Die Folge, bei der sie im Vordergrund standen, war mit Abstand die schlechteste und langweiligste der Staffel.
April ist deutlich disziplinierter als ihre Kollegen
Foto: Epix
Mit Ausnahme von den beiden haben mir auch die Charaktere deutlich besser gefallen als beim letzten Mal. Die CIA-Agenten sind lockerer geworden, deutlich sympathischer und agieren viel mehr mit ihrer Umgebung. Anstelle von langen Gesprächsrunden im Büro und nächtlichen Verfolgungsjagden durch Berliner Hinterhöfe, stürzen sie sich nun mitten ins Geschehen - sei es eine Parteikundgebung oder eine spontane Undercover-Aktion. Während die Verbundenheit/Liebe/Abhängigkeit zwischen Esther Krug und Daniel Miller in der ersten Staffel fast das einzige war, das die amerikanische Seite mit der deutschen verbunden hat, sind die meisten beruflichen und privaten Konstellationen nun international. Mit April Lewis ist zudem ein Charakter dazugekommen, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann. Ich hatte erst Bedenken, ob ein junger, ehemaliger Nickelodeon-Star als CIA-Agentin durchgehen kann, doch die Sorge war unbegründet. Im Gegensatz zu ihren älteren Kollegen reflektiert sie ihre Arbeit noch bevor sie handelt. So steht sie in einer Folge vor der Frage, ob es jemand wie Katerina Gerhardt verdient hat, zu sterben. Diesen inneren Konflikt stellt Keke Palmer sehr authentisch und nachvollziehbar dar. Überhaupt ist es schön, einen Millenial-Charakter im Fernsehen zu sehen, der frei von Stereotypen ist und nicht auf sein Alter reduziert wird. Ich freue mich schon riesig auf die dritte Staffel, die im Dezember in Auftrag gegeben wurde.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein. Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier.

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Sonntag, 7. Januar 2018

Tatort: Kopper - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Kommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) trifft auf der Straße zufällig seinen alten Kumpel Sandro Giangreco (Michele Cuciuffo). Die beiden verbringen den Abend gemeinsam in einer Bar und lassen ihre Jugend Revue passieren, als ein bewaffneter Mann auf Sandro losgeht. In Notwehr erschießt Mario den Angreifer und wird von seinem Freund überredet, sich nicht zu stellen. Während die Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) in dem Tötungsdelikt ermitteln, erfährt Kopper mehr über das Leben seines alten Freundes. Er war Teil der Mafia und möchte nun gegen den in Ludwigshafen lebenden Antonio Primavera (Ciro de Chiara), Drahtzieher mehrerer Morde, aussagen. Oberstaatsanwalt Benninger (Andreas Leupold) schmettert Sandros Aussage jedoch ab und verweigert ihm den Zeugenschutz. Daraufhin dreht der Ex-Mafioso durch und bringt Kopper in Lebensgefahr.


Ciao, Mario! Wer war das gleich nochmal?

Kopper - zum ersten Mal seit Langem in Action
Foto: SWR/Roland Suso Richter
Seit 1996 ermitteln Kopper und Odenthal zusammen - fast genauso lange wie ich auf der Welt bin. Nach 22 Jahren ist beim Ludwigshafener "Tatort" die Luft raus. Sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern konnten die Fälle schon lange nicht mehr punkten. Besonders für die letzte Folge namens "Babbeldasch" gab es vernichtende Kritik. Der Krimi hatte kein herkömmliches Drehbuch, sondern wurde größtenteils improvisiert. Dazu kamen Laiendarsteller, eine krude Geschichte und seltsame Traumsequenzen, in denen das Mordopfer Lena Odenthal anfeuerte, ihren Mörder zu finden. In der Folge hatte Kommissar Kopper nur eine kleine Rolle und war deutlich seltener zu sehen als die meisten Laiendarsteller. Auch in den Fällen davor spielte er hinter seiner langjährigen Partnerin und ihrer neuen Kollegen Stern die dritte Geige. Selbst in seiner nach ihm benannten Abschiedsfolge steht er nicht wirklich im Mittelpunkt. Während die Kommissarinnen ermitteln, beschränkt sich Koppers Aufgabe größtenteils darauf, Sandros anonymer Video-Zeugenaussage zu lauschen und zwischendurch eine Frage zu stellen. Damit ist seine Stimme auf der Aufnahme zu hören, obwohl er eigentlich verheimlichen will, dass er seinem ehemaligen Freund hilft. Nicht sein einziger Fehler, denn in der ganzen Folge wirkt Kopper sehr unorganisiert, unüberlegt und naiv (Stern zu Odenthal: "Hier werden Freundschaften ausgenutzt - die von Kopper, deine. So funktioniert die Mafia."). 
Einen richtigen Abschied von Lena gibt es nicht
Foto: SWR/Roland Suso Richter
Zwar bekommt Kopper letztendlich sein Happy End, doch der Zuschauer sieht davon wenig. Zwei eingeblendete Sätze erklären Marios Verbleib nach der Aufklärung des Falls, dazu ein paar Aufnahmen des lächelnden Kommissars... Damit ist seine Geschichte zu Ende erzählt. Das wirkt eher wie ein Laien-Krimi aus dem Nachmittagsprogramm der privaten Sender als ein würdiger Abschied nach 22 Dienstjahren beim "Tatort". Koppers Verlobte Maria, die von der Mafia bedroht wird, darf nicht einmal einen einzigen Satz sagen - aber Hauptsache, der Zuschauer erfährt, dass Revier-Assistentin Edith Keller (Annalena Schmidt) einen Tai-Chi-Kurs belegt! Drehbuchautor Patrick Brunken gewährt Mario nicht einmal eine Abschiedsszene mit seinen Kollegen. Ich mochte den Ludwigshafener "Tatort" und auch Kopper als Charakter nie, aber das trostlose Ende hat mich dennoch enttäuscht. Die Auflösung des Falls ist ebenfalls schlicht. Obwohl gleich mehrere Polizeiwagen und das SEK auftauchen, gibt es keinen Showdown. Die Situation entschärft sich nach wenigen Sekunden von selbst und die Frage, wie Kopper letztendlich einer Strafe entgangen ist, wird einfach unter den Tisch fallen gelassen. 



Mafia-Krieg in Rheinland-Pfalz

Zwei ganz coole Gangster: Sandro (l.) und Mario
Foto: SWR/Roland Suso Richter
Dabei ist der Kriminalfall für Ludwigshafener Verhältnisse sogar recht spannend. Gleich zu Beginn bringt sich ein Mafia-Kronzeuge im Gefängnis um. Wie er sich splitternackt auszieht (Gibt es dafür einen Grund?) und am Gitter seines Fensters aufhängt, zeigt Regisseur Roland Suso Richter detailliert und in Großaufnahme. Das zusätzliche Aufschneiden der Pulsadern muss der Zuschauer dann nicht mehr mitansehen. Die Kommissare bekommen ebenfalls einiges ab. Kopper opfert seinen geliebten Fiat, um Sandro von der Flucht abzuhalten, Sterns Zwillingsmädchen werden bedroht und Odenthal muss ihre Kollegen belügen, um Mario zu schützen. Wie realistisch der Fall letztendlich ist, steht zur Diskussion. Laut dem "Tatort" ist Ludwigshafen scheinbar eine Hochburg der sizilianischen Mafia (Karin Manz (Saskia Vester): "Noch töten die keine deutschen Polizisten. Das ist auch gar nicht nötig."). Meine kurze Internetrecherche hat ergeben, dass es 1993 im nah gelegenen Mannheim einen Mord gab, der vermutlich von der Mafia verübt wurde. Ansonsten wirkt Ludwigshafen, immerhin 2000 Kilometer von Sizilien entfernt, nicht wirklich wie das deutsche Corleone. Das hält den "Tatort" allerdings nicht davon ab, so zu tun, als wäre er ein Gangsterfilm: Die Ermittler finden Drohungen vor ihren Haustüren; Mafiosi sind Besitzer edler italienischer Restaurants, in denen Justiz und Politik freundschaftlich ein- und ausgehen; in Ungnade gefallene Mitglieder beider Seiten verstecken sich in Hotelzimmern, von denen aus sie ihre Rache oder das Reinwaschen ihres Namens planen... Wie in einem waschechten Hollywood-Streifen werden Szenen, die die Logiklöcher aufdecken würden, auch einfach ausgelassen. So hält Kopper ohne Waffe und Dienstausweis ein Auto an, in der nächsten Sekunde sitzt er auf dem Fahrersitz. Wie hat er den Halter davon überzeugt, seinen Wagen aufzugeben?!? Auch soll Odenthals Team das einzige sein, das im Einsatz ist. Gut, dass die beiden anfänglichen Todesfälle zusammenhängen, sonst wäre ziemlich viel Arbeit auf die Ermittler zugekommen! Ignoriert man jedoch die inhaltlichen Schwächen, ist der Fall ganz passabel, auch wenn es keine klassische Mordermittlung ist.

Fazit

Im Vergleich zu allen "Tatort"-Folgen ist "Kopper" ein durchschnittlicher Krimi, gemessen an den vorherigen Folgen des Ermittlerteams jedoch eine deutliche Steigerung - wie "Mord Ex Machina" in der letzten Woche. Der Fall um die Mafia-Strukturen in Ludwigshafen hat zwar einige Logikschwächen, ist aber unterhaltsam. Die Kommissare arbeiten so effizient wie seit Jahren nicht mehr und wirken deutlich engagierter als sonst. Dem scheidenden Kopper wird die Folge allerdings nicht gerecht. Er hat eine größere Rolle als in den vergangen Episoden. Allerdings trägt er wenig zur Auflösung des Falls bei und über sein Gefühlsleben erfährt der Zuschauer so gut wie nichts. Koppers Leben im Ruhestand wird am Ende in wenigen Sekunden halbherzig erzählt, seine spätere Ehefrau nicht einmal richtig vorgestellt. Für Ludwigshafen ist es ein ungewöhnlich guter "Tatort", für den scheidenden Mario leider nur ein müdes Winken zum Abschied.


Nächste Woche jagen die Wiener Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in "Die Faust" einen Serienmörder, der seine geschändeten Opfer an öffentlichen Plätzen zur Schau stellt.

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