Sonntag, 7. Januar 2018

Tatort: Kopper - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalkdabei.


Kommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) trifft auf der Straße zufällig seinen alten Kumpel Sandro Giangreco (Michele Cuciuffo). Die beiden verbringen den Abend gemeinsam in einer Bar und lassen ihre Jugend Revue passieren, als ein bewaffneter Mann auf Sandro losgeht. In Notwehr erschießt Mario den Angreifer und wird von seinem Freund überredet, sich nicht zu stellen. Während die Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) in dem Tötungsdelikt ermitteln, erfährt Kopper mehr über das Leben seines alten Freundes. Er war Teil der Mafia und möchte nun gegen den in Ludwigshafen lebenden Antonio Primavera (Ciro de Chiara)Drahtzieher mehrerer Morde, aussagen. Oberstaatsanwalt Benninger (Andreas Leupold) schmettert Sandros Aussage jedoch ab und verweigert ihm den Zeugenschutz. Daraufhin dreht der Ex-Mafioso durch und bringt Kopper in Lebensgefahr.


Ciao, Mario! Wer war das gleich nochmal?

Kopper - zum ersten Mal seit Langem in Action
Foto: SWR/Roland Suso Richter
Seit 1996 ermitteln Kopper und Odenthal zusammen - fast genauso lange wie ich auf der Welt bin. Nach 22 Jahren ist beim Ludwigshafener "Tatort" die Luft raus. Sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern konnten die Fälle schon lange nicht mehr punkten. Besonders für die letzte Folge namens "Babbeldasch" gab es vernichtende Kritik. Der Krimi hatte kein herkömmliches Drehbuch, sondern wurde größtenteils improvisiert. Dazu kamen Laiendarsteller, eine krude Geschichte und seltsame Traumsequenzen, in denen das Mordopfer Lena Odenthal anfeuerte, ihren Mörder zu finden. In der Folge hatte Kommissar Kopper nur eine kleine Rolle und war deutlich seltener zu sehen als die meisten Laiendarsteller. Auch in den Fällen davor spielte er hinter seiner langjährigen Partnerin und ihrer neuen Kollegen Stern die dritte Geige. Selbst in seiner nach ihm benannten Abschiedsfolge steht er nicht wirklich im Mittelpunkt. Während die Kommissarinnen ermitteln, beschränkt sich Koppers Aufgabe größtenteils darauf, Sandros anonymer Video-Zeugenaussage zu lauschen und zwischendurch eine Frage zu stellen. Damit ist seine Stimme auf der Aufnahme zu hören, obwohl er eigentlich verheimlichen will, dass er seinem ehemaligen Freund hilft. Nicht sein einziger Fehler, denn in der ganzen Folge wirkt Kopper sehr unorganisiert, unüberlegt und naiv (Stern zu Odenthal: "Hier werden Freundschaften ausgenutzt - die von Kopper, deine. So funktioniert die Mafia."). 
Einen richtigen Abschied von Lena gibt es nicht
Foto: SWR/Roland Suso Richter
Zwar bekommt Kopper letztendlich sein Happy End, doch der Zuschauer sieht davon wenig. Zwei eingeblendete Sätze erklären Marios Verbleib nach der Aufklärung des Falls, dazu ein paar Aufnahmen des lächelnden Kommissars... Damit ist seine Geschichte zu Ende erzählt. Das wirkt eher wie ein Laien-Krimi aus dem Nachmittagsprogramm der privaten Sender als ein würdiger Abschied nach 22 Dienstjahren beim "Tatort". Koppers Verlobte Maria, die von der Mafia bedroht wird, darf nicht einmal einen einzigen Satz sagen - aber Hauptsache, der Zuschauer erfährt, dass Revier-Assistentin Edith Keller (Annalena Schmidt) einen Tai-Chi-Kurs belegt! Drehbuchautor Patrick Brunken gewährt Mario nicht einmal eine Abschiedsszene mit seinen Kollegen. Ich mochte den Ludwigshafener "Tatort" und auch Kopper als Charakter nie, aber das trostlose Ende hat mich dennoch enttäuscht. Die Auflösung des Falls ist ebenfalls schlicht. Obwohl gleich mehrere Polizeiwagen und das SEK auftauchen, gibt es keinen Showdown. Die Situation entschärft sich nach wenigen Sekunden von selbst und die Frage, wie Kopper letztendlich einer Strafe entgangen ist, wird einfach unter den Tisch fallen gelassen. 



Mafia-Krieg in Rheinland-Pfalz

Zwei ganz coole Gangster: Sandro (l.) und Mario
Foto: SWR/Roland Suso Richter
Dabei ist der Kriminalfall für Ludwigshafener Verhältnisse sogar recht spannend. Gleich zu Beginn bringt sich ein Mafia-Kronzeuge im Gefängnis um. Wie er sich splitternackt auszieht (Gibt es dafür einen Grund?) und am Gitter seines Fensters aufhängt, zeigt Regisseur Roland Suso Richter detailliert und in Großaufnahme. Das zusätzliche Aufschneiden der Pulsadern muss der Zuschauer dann nicht mehr mitansehen. Die Kommissare bekommen ebenfalls einiges ab. Kopper opfert seinen geliebten Fiat, um Sandro von der Flucht abzuhalten, Sterns Zwillingsmädchen werden bedroht und Odenthal muss ihre Kollegen belügen, um Mario zu schützen. Wie realistisch der Fall letztendlich ist, steht zur Diskussion. Laut dem "Tatort" ist Ludwigshafen scheinbar eine Hochburg der sizilianischen Mafia (Karin Manz (Saskia Vester): "Noch töten die keine deutschen Polizisten. Das ist auch gar nicht nötig."). Meine kurze Internetrecherche hat ergeben, dass es 1993 im nah gelegenen Mannheim einen Mord gab, der vermutlich von der Mafia verübt wurde. Ansonsten wirkt Ludwigshafen, immerhin 2000 Kilometer von Sizilien entfernt, nicht wirklich wie das deutsche Corleone. Das hält den "Tatort" allerdings nicht davon ab, so zu tun, als wäre er ein Gangsterfilm: Die Ermittler finden Drohungen vor ihren Haustüren; Mafiosi sind Besitzer edler italienischer Restaurants, in denen Justiz und Politik freundschaftlich ein- und ausgehen; in Ungnade gefallene Mitglieder beider Seiten verstecken sich in Hotelzimmern, von denen aus sie ihre Rache oder das Reinwaschen ihres Namens planen... Wie in einem waschechten Hollywood-Streifen werden Szenen, die die Logiklöcher aufdecken würden, auch einfach ausgelassen. So hält Kopper ohne Waffe und Dienstausweis ein Auto an, in der nächsten Sekunde sitzt er auf dem Fahrersitz. Wie hat er den Halter davon überzeugt, seinen Wagen aufzugeben?!? Auch soll Odenthals Team das einzige sein, das im Einsatz ist. Gut, dass die beiden anfänglichen Todesfälle zusammenhängen, sonst wäre ziemlich viel Arbeit auf die Ermittler zugekommen! Ignoriert man jedoch die inhaltlichen Schwächen, ist der Fall ganz passabel, auch wenn es keine klassische Mordermittlung ist.

Fazit

Im Vergleich zu allen "Tatort"-Folgen ist "Kopper" ein durchschnittlicher Krimi, gemessen an den vorherigen Folgen des Ermittlerteams jedoch eine deutliche Steigerung - wie "Mord Ex Machina" in der letzten Woche. Der Fall um die Mafia-Strukturen in Ludwigshafen hat zwar einige Logikschwächen, ist aber unterhaltsam. Die Kommissare arbeiten so effizient wie seit Jahren nicht mehr und wirken deutlich engagierter als sonst. Dem scheidenden Kopper wird die Folge allerdings nicht gerecht. Er hat eine größere Rolle als in den vergangen Episoden. Allerdings trägt er wenig zur Auflösung des Falls bei und über sein Gefühlsleben erfährt der Zuschauer so gut wie nichts. Koppers Leben im Ruhestand wird am Ende in wenigen Sekunden halbherzig erzählt, seine spätere Ehefrau nicht einmal richtig vorgestellt. Für Ludwigshafen ist es ein ungewöhnlich guter "Tatort", für den scheidenden Mario leider nur ein müdes Winken zum Abschied.


Nächste Woche jagen die Wiener Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in "Die Faust" einen Serienmörder, der seine geschändeten Opfer an öffentlichen Plätzen zur Schau stellt.

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Freitag, 5. Januar 2018

Greatest Showman - Watch.Read.Discuss. [D/E]

The following discussion of the movie "The Greatest Showman" is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -


Voller fantastischer Bilder!
Foto: 20th Century Fox
"Greatest Showman" (Originaltitel: "The Greatest Showman") war der erste Titel auf unserer Worauf-wir-uns-2018-freuen-Liste. Aus diesem Grund sind wir in eine der ersten Vorstellungen gegangen, als der Film am 04. Januar in den deutschen Kinos anlief. "Greatest Showman" verbindet eine reale, ungewöhnliche Biographie mit Golden-Globe-nominierter Musik, tollen Schauspielern und einer emotionalen Botschaft. Also mehr als genug Gründe, um dem Film einen "Watch.Read.Discuss."-Beitrag zu widmen. 

Phineas Taylor "P.T." Barnum (Hugh Jackman) wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sein Vater stirbt, muss sich der Junge alleine durchschlagen. Trotz seines schlechten Standes heiratet er viele Jahre später seine Jugendfreundin Charity Hallett (Michelle Williams), die aus sehr gutem Haus stammt und bekommt mit ihr zwei Töchter (Austyn Johnson, Cameron Seely). Während Charity mit ihrem einfachen Leben zufrieden ist, träumt P.T. von mehr. Durch einen Trick wird ihm ein Bankkredit bewilligt und er kauft ein Museum mit kuriosen Artefakten. Als der Erfolg ausbleibt, stellt er lebendige Kuriositäten ein, darunter eine bärtige Frau (Keala Settle), einen Kleinwüchsigen (Sam Humphrey) und zwei afro-amerikanische Trapezkünstler (Yahya Abdul-Mateen II, Zendaya). Der Zirkus wird ein großer Hit und mithilfe von Barnums neuem Partner Phillip Carlyle (Zac Efron) auch international bekannt. Doch P.T. will nicht nur das einfache Volk erfreuen, sondern von der Oberschicht akzeptiert werden. Seine kuriose Zirkus-Crew passt jedoch nicht in diese Weltvorstellung.


Wie seid ihr auf den Film aufmerksam geworden und warum wolltet ihr ihn gucken?

Katrin: Ich habe den "Greatest Showman"-Trailer mehrmals im Kino vor anderen Filmen gesehen und wusste sofort, dass ich den gucken muss. Trailer fesseln mich selten, aber hier hatte ich die ganze Zeit Gänsehaut und habe mir beim ersten Mal direkt den unglaublich berührenden, gewaltigen Song "This Is Me" heruntergeladen. 

Laura: Mir ging es ähnlich. Ich habe den Trailer nur einmal gesehen, doch schon da konnte er mich positiv überraschen und ist mir im Gedächtnis geblieben. Das hat meine Neugier auf den Film geweckt. 

Inwieweit hat euch "Greatest Showman" berührt?

P.T. Barnum in seinem Element: Dem Rampenlicht
Foto: 20th Century Fox
Laura: Der Film erzählt darüber, die eigenen Träume trotz großer Hürden wahr werden zu lassen. Das war berührend, aber noch weitaus ergreifender ist die Geschichte über die Außenseiter, die von der Gesellschaft ausgestoßen werden, weil sie anders sind. Doch sie finden Stärke und Halt untereinander, was ihnen hilft, weiterzukämpfen. Dank dem Einsatz toller Songs und guter Schauspieler konnte mich der Film wirklich mitreißen.

Katrin: Es geht um verschiedene Menschen, die irgendwie ihren Platz in der Welt finden müssen. Obwohl die Geschichte in einer bunten Glitzerwelt spielt, liegt hinter den Kulissen vieles in Scherben. Die meisten Zuschauer werden sich in ihrem Leben irgendwann einmal allein und unverstanden gefühlt haben - es ist leicht den Schmerz und die Sorgen der Charaktere nachzuvollziehen. Besonders hat mir gefallen, dass kaum ein Problem beim Namen genannt wird. Es steht einfach im Raum und der Zuschauer muss es selbst erkennen.

Es geht unter anderem um Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus. Findet der Film einen guten Zugang zu diesen Themen?

Katrin: Rassismus ist eins dieser Probleme, die nicht beim Namen genannt werden. Die beiden afroamerikanischen Trapezkünstler Anne und W.D. Wheeler weisen Barnum darauf hin, dass er Schwierigkeiten bekommen werde, wenn er sie anstelle. Als Phillip sich später mit Anne an seiner Seite zeigt, sehen alle, inklusive seiner eigenen Eltern, auf ihn herab. Es spricht jedoch niemand aus, was ihn oder sie an Anne stört. Diese Herangehensweise des Films finde ich sehr gut, da Totschweigen in Verbindung mit Ausgrenzung ein deutlich beklemmenderes Gefühl auslöst, als Hassparolen. Dieser gebrochene Blick der Charaktere, wenn ihnen klar wird, was geschieht, trifft mitten ins Herz. Das gilt nicht nur für Anne und W.D., sondern auch für die anderen Artisten, die sich aufgrund ihrer Herkunft oder körperlicher Merkmale von der Masse abheben.

Laura: Das Beispiel von Katrin ist wirklich gut, um zu zeigen, wie der Film mit den Themen umgeht. Er bringt den Zuschauer auf emotionaler Ebene nah an die Charaktere und ihre Probleme heran. Es gibt eine ganze Menge Figuren, die alle wegen verschiedener Gründe von der Gesellschaft ausgegrenzt und mit Hass oder Gewalt konfrontiert werden. Die Schauspieler sind gut darin, die Gefühle ihrer Figuren greifbar zu machen, was diesen Themen deutlich mehr Gewicht gibt, ohne sie dabei konkret zu benennen. Ich fand es leicht, den Schmerz, die Trauer sowie die Wut und Enttäuschung der Charaktere nachzuempfinden und zu verstehen.

"Greatest Showman" wurde für drei Golden Globes nominiert. Gerechtfertigt?

Daumen sind gedrückt für die Awards Season!
Foto: 20th Century Fox
Katrin: Jein. Der Film ist toll und hat seine Nominierungen in den Sparten "Bester Film - Musical oder Komödie" und "Bester Original Song" wirklich verdient, auch wenn ich befürchte, dass er aufgrund sehr starker Konkurrenz leer ausgehen wird. Die dritte Nominierung für Hugh Jackman als "Bester Schauspieler - Musical oder Komödie" ist meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Er stellt seine Rolle wirklich gut dar, aber er hat mich nicht vom Hocker gerissen. Andere Schauspieler in "Greatest Showman", darunter Zendaya und Keala Settle, hätten eine Würdigung ihrer Leistung noch mehr verdient.

Laura: Der Film konnte mich bis zum Schluss berühren und unterhalten. Dabei behandelt er wichtige Themen und kann auch mit Tiefgründigkeit punkten. Hier finde ich vor allem, dass die schauspielerische Leistung viel dazu beiträgt, dem Zuschauer einen guten Einblick in das Innere der Figuren zu geben. Hugh Jackman konnte mich überzeugen, aber auch viele der anderen Darsteller waren toll. Mir hat Zendaya ebenfalls mit am besten gefallen. Zusätzlich gibt es tolle Songs, die von den Darstellern fabelhaft präsentiert werden. Daher hat der Film die Nominierungen meiner Meinung nach verdient. 

Die Nominierung für den besten Song ist eurer Meinung nach also angemessen. Wie hat euch der Rest des Soundtracks gefallen?

Laura: Die Songs haben die Stimmung des Films toll unterstützt, besonders die ersten zwei Lieder sind mir neben "This Is Me" am stärksten im Gedächtnis geblieben. Ich fand es außerdem schön, dass manche Songs im Laufe des Films mehrmals von verschiedenen Figuren gesungen wurden, wie beispielsweise Charitys und P.T.s Lied, das später ihre Kinder ebenfalls kurz singen.

Katrin: Die Solo-Stücke waren mir zu dialoglastig und zu wenig eingängig. Ansonsten mochte ich die Musik sehr gerne. Besonders die Ensemblestücke sind unglaublich mitreißend und kraftvoll. Das bereits genannte "This Is Me", aber auch "The Greatest Show", "Rewrite The Stars" und "From Now On" sind toll. Bei letzterem überspringe ich zugegebenermaßen meistens den Balladen-Teil von Hugh Jackman und springe direkt zum rockig-poppigen "We will come back home"-Refrain des Ensembles. Die Lebensfreude der Gruppe überträgt sich durch die Lieder und weckt das dringende Bedürfnis zu singen, zu tanzen und einfach glücklich zu sein. Das macht einen tollen Soundtrack aus.

Welche Szene hat euch am wenigsten gefallen?

Charity ist bei allem ultra verständnisvoll 
Foto: 20th Century Fox
Laura: Die Versöhnung zwischen Charity und P.T. am Meer. Die war mir erstens viel zu kitschig und außerdem viel zu einfach. Dafür, dass vorher sein Absturz und die Trennung so dramatisiert wurde, konnte seine Frau ihm dann doch ganz schnell verzeihen. Dafür muss er nur vor ihrer Haustür auftauchen und zwei Sätze sagen.

Katrin: Stimmt, die Versöhnung war albern und fehl am Platz. Mir hat auch die finale, völlig übertriebene Zirkus-Sequenz am Ende nicht gefallen. Elefanten, Löwen, fliegende Artisten... ich wusste überhaupt nicht, wo ich hingucken sollte. Das hat leider von den kuriosen Menschen abgelenkt, die bei der Show eigentlich im Vordergrund stehen sollten und auf die der Film aufmerksam machen wollte. 

Und welche am besten?

Laura: Die, in der die Artisten von Barnum abgewiesen werden und daraufhin "This Is Me" singen. Nicht nur der Song, auch die Charaktere brodeln über vor Emotionen, sodass ich gar nicht weiß, wie man davon nicht mitgerissen werden kann. Die Gefühle sind alle wirklich greifbar. Einerseits der Schmerz, andererseits aber auch die Stärke, sich nicht unterkriegen zu lassen oder zu verstecken. Das alles kam so toll rüber. Da hatte ich Gänsehaut pur. 

Katrin: Die Szene, in der das Zirkus-Gebäude in Flammen aufgeht, war großartig. Zugegeben das Feuer sieht nicht sonderlich echt aus, aber die Schauspieler gleichen das durch ihr fantastisches Spiel aus. Die Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit in ihren Augen wirken so real, als würden sie tatsächlich dabei zusehen, wie ihr Zuhause verbrennt. Besonders Zendaya und Cameron Seely haben mich in der Szene berührt. Die ersten Minuten des Films stechen ebenfalls heraus - der visuelle und akustische Übergang von Barnums Traum zu seiner Realität ist toll!

Was hättet ihr an der Geschichte verändert? 

Phillip verzichtet für Anne auf seinen sozialen Stand
Foto: 20th Century Fox
Katrin: Ich hätte mich am Ende stärker auf die kuriosen Artisten und weniger auf P.T. Barnum konzentriert, da sie für mich den Sieg der Menschlichkeit und der Akzeptanz verkörpert haben. Die meisten von ihnen wurden nicht einmal namentlich vorgestellt. Außerdem hätte ich dem Zuschauer irgendwie gezeigt, in welcher Zeitspanne der Film spielt. Barnums schneller Aufstieg und schneller Fall wäre deutlich eindrucksvoller gewesen, wenn klar gewesen wäre, ob die Handlung innerhalb einiger Monate oder einiger Jahre spielt. 

Laura: Ich schließe mich Katrins erstem Punkt an. Ich hätte den Fokus etwas weniger auf Jenny Lind (Rebecca Ferguson) gelegt und dafür den Zirkusdarstellern mehr Screentime gegeben, weil ich mir für sie mehr Hintergrund gewünscht habe. Das ist aber wirklich Meckern auf höchstem Niveau, weil mir die Geschichte selbst richtig gut gefallen hat. 

Last, but not least: Würdet ihr euch eine Fortsetzung von "Greatest Showman" ansehen?

Katrin: Vermutlich nicht. Der Film war atemberaubend und ich bezweifele, dass ein zweiter Teil denselben Effekt haben würde.

Laura: Geht mir ähnlich. Der Film müsste schon etwas völlig Neues im Vergleich zu "Greatest Showman" bieten, um mich genauso mitreißen zu können und ich glaube, das ist schwierig.


Habt ihr "Greatest Showman" schon gesehen? Wie hättet ihr geantwortet? Teilt es uns in den Kommentaren mit. 

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English


- The following text contains spoilers -

So many wonderful images!
Photo: 20th Century Fox
We were really looking forward to "The Greatest Showman". That's why we went to one of the first screenings when the movie came out in Germany on the 4th of January. It combines a true, unusual biography with Golden Globe nominated music, great actors and an emotional message. More than enough reasons to dedicate a "Watch.Read.Discuss." post to the movie.

Phineas Taylor "P.T." Barnum (Hugh Jackman) grows up under poor circumstances. After his father dies, the young boy is struggling. Years later he marries his wealthy childhood friend Charity Hallett (Michelle Williams) despite his low social class. The pair has two daughters (Austyn Johnson, Cameron Seely). While Charity is happy with her simple life, P.T. wants more. He tricks his bank into granting him a credit and buys a museum with peculiar artifacts. The ticket sales are very low, so he hires living curiosities like a bearded lady (Keala Settle), a little man (Sam Humphrey) and two African-American trapeze artists (Yahya Abdul-Mateen II, Zendaya). The circus becomes a big hit and internationally known thanks to Barnum's new partner Phillip Carlyle (Zac Efron). However P.T. doesn't plan to please the common folk anymore, he wants to be accepted by the upper class. But his curious circus crew doesn't fit in this view of the world.


When did you become aware of the movie and why did you want to watch it?

Katrin: I saw the "Greatest Showman" trailer a few times before other movies at the theater and instantly knew I had to watch it. I'm usually not captivated by trailers, but this one gave me goosebumps and I immediately downloaded the touching, powerful song "This Is Me" after the first time.

Laura: Same here. I only watched the trailer once and was pleasantly surprised. It lingered in my memory and excited my curiosity. 

To what extent did "The Greatest Showman" touch you?

P.T. Barnum in his element: The spotlight
Photo: 20th Century Fox
Laura: The movie tells about making your dreams come true despite all obstacles. That's moving, but the story about the outcasts who are abandoned by society due to them being different is even more touching. They find strength and stability in each other which helps them to keep fighting. The movie really carried me along thanks to the great songs and the good actors.

Katrin: It's about different people trying to find their place in the world. Even though the story is set in a colorful glitz world, there are a lot of broken parts behind the curtains. Most viewers have been at a point in life where they felt lonely and misunderstood - it's very easy to relate to the characters' pains and worries. I especially liked how most problems were not called by their names. They're just there and the viewer has to realize them.

The narrative is about exclusion, discrimination and racism among other things. Does the movie find a good approach to these topics?

Katrin: Racism is one of the problems which are not called by their names. The African-American trapeze artists Anne and W.D. Wheeler tell Barnum that it would cause him trouble if he hired them. Later Phillip's parents and others look down at him after he goes out with Anne. Yet no one actually says what they don't like about Anne. I really like the movie's approach here. Keeping dead quiet in combination with exclusion feels way more oppressive than hate speech. It really pierces the heart to see the broken look in the characters' eyes after they realize what is happening. That doesn't only apply to Anne and W.D., but also to all the other artists who stand out from the crowd due to their origin or physical features.

Laura: Katrin's example is really great to show how the movie handles those topics. It brings the viewer closer to the characters and their problems on an emotional level. There are many who are casted out by society due to different reasons and confronted with hate or violence. It's great how the actors manage to make their character's feelings tangible. This makes the topics more substantial without clearly labeling them. I thought it was easy to understand and relate to the characters' pain, grief, anger and disappointment.

"The Greatest Showman" was nominated for three Golden Globes. Justified?

Fingers crossed for the awards season!
Photo: 20th Century Fox
Katrin: Yes and no. The movie is great and really deserves its nominations for "Best Movie - Musical or Comedy" and "Best Original Song", even though I fear it will come back empty-handed due to strong competition. Hugh Jackman's nomination as "Best Actor - Musical or Comedy" is not justified in my opinion. He's convincing in his role, but didn't knock me off my feet. Other "The Greatest Showman" actors like Zendaya or Keala Settle deserve the recognition of their performance more.

Laura: The movie touched and entertained me till the very end while addressing important topics and being profound. The actors' performance has a great impact on providing the viewer insight into the character's feelings. I thought Hugh Jackman was convincing, but there were a lot of really good performers. Zendaya was one of my favorites too. Additionally there are amazing songs which the actors showcase perfectly. That's why the movie deserves all its nominations in my opinion.

So you think the nomination for "Best Original Song" is justified. How did you like the rest of the soundtrack?

Laura: The songs support the movie's atmosphere perfectly. Especially the first two tunes and "This Is Me" are lingering in my memory. I really liked how some songs were sung multiple times throughout "The Greatest Showman" - like Charity's and P.T.'s song which is performed by their kids later.

Katrin: I thought the solos weren't catchy enough and had too much dialogue. Apart from that I really liked the music, especially the group numbers, because they're incredibly infectious and powerful. The previously mentioned "This Is Me" as well as "The Greatest Show", "Rewrite The Stars" and "From Now On" are amazing. Though I have to admit that I skip the latter's ballad part sung by Hugh Jackman and only play the rock-pop "We will come back home" chorus performed by the ensemble. The group's vitality is displayed through the music and arouses the desire to sing, dance and simply be happy. That's what an amazing soundtrack should do.

Which scene did you like the least?

Charity is really sympathetic no matter what
Photo: 20th Century Fox
Laura: Charity's and P.T.'s reconciliation at the ocean. I thought it was way too cheesy and simple. His fall and their separation was heavily dramatized and then his wife forgives him in a matter of seconds. The only thing he had to do was show up at her doorstep and say two sentences.

Katrin: Right, the reconciliation was silly and out of place. I also didn't like the exaggerated final sequence in the circus. Elephants, lions, flying artists... I didn't know where to look. Sadly this distracted from the peculiar people who were supposed to be the center of attention.

Which scene did you like best?

Laura: The one where Barnum rejects the artists and they start to sing "This Is Me". The song and the characters are boiling over with emotions. I really can't imagine someone not being thrilled by it. All the feelings are tangible - on one hand the pain, but also their strength to keep going and refuse to hide. That was portrayed beautifully - I had goose bumps all over.

Katrin: The scene in which the circus building is going up in smoke was amazing. Admittedly the fire looks pretty fake, but the actors even that out with their fantastic performance. The despair, fear and hopelessness in their eyes looks so real - as if they would actually watch their home burn. Especially Zendaya and Cameron Seely moved me in this scene. I also really enjoyed the first minutes of the movie - the visual acoustic transition from Barnum's dream to his reality is great!

What would you have changed about the story?

Phillip leaves his social class for Anne
Photo: 20th Century Fox
Katrin: In the second half of the movie I would have concentrated more on the curious artists and less on P.T. Barnum, because for me they represent the victory of humanity and acceptance. Most of them weren't even introduced by name. In addition I would have shown the viewer in what timeframe the movie is set. Barnum's quick rise and quick fall would have been way more impressive if it would have been clear if it happenend during a few months or a few years. 

Laura: I agree with Katrin's first point. I would've focused less on Jenny Lind (Rebecca Ferguson) and instead given the circus artists more screen time, because I wanted to know more about their background. But this is whining at a high standard, because I really liked the story.

Last, but not least: Would you watch a sequel of "The Greatest Showman"?

Katrin: Probably not. The movie was stunning, but I doubt a second part would have the same effect.

Laura: I agree. The movie would need something entirely different in comparison to "The Greatest Showman" in order to appeal to me and I think that's difficult.


Have you seen "The Greatest Showman" yet? What would have been your answers? Tell us in the comments.

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Mittwoch, 3. Januar 2018

Katrins Top 50 Musical Songs [D/E]

WICHTIG: Da in diesem Post 50 Videos verlinkt sind, kann es eine Minute dauern, bis die Seite vollständig geladen ist. 

IMPORTANT: There are 50 videos in this post, so it can take a minute until the entire page has loaded.

German

Mein erstes Musical war Aida im Alter von 10 Jahren
Foto: Katrin Mertens
Wie ich schon in meiner Rezension zu "Ghost - Das Musical" verraten habe, durfte ich mittlerweile genau 50 verschiedene Musicals ansehen. Um das zu feiern, präsentiere ich euch heute in einer neuen Watch.Read.List. meine Top 50 Musical-Lieder. Wie bereits in meinem "Top 50 Disney Songs"-Beitrag werde ich keine Erklärungen zu meiner Reihenfolge geben, sondern stattdessen die Musikvideos posten, damit ihr selbst urteilen könnt. 
Zur Info: Es stehen auch Stücke auf der Liste, die nicht explizit für das jeweilige Musical geschrieben wurden, sie kommen aber darin vor. Ich habe nur Songs genommen, in denen gesungen wird. Außerdem sind alle Lieder in Englisch, außer die Originalsprache ist Deutsch.

English

I recently watched "Ghost" which was my 50th individual musical. In celebration of this I will present my top 50 favorite musical songs in a new Watch.Read.List. today. Like in my "Top 50 Disney Songs" post I won't explain my chronological order, but instead show you the music videos so you can judge for yourself.
For your information: There are some songs on this list, which were not written especially for the musical, but are a part of it. I only chose tunes with singing in them. Additionally all songs are in English, except the ones from German musicals.


50. Raise You Up - Kinky Boots



49. Solidarity - Billy Elliot



48. King Of New York - Newsies



47. Positive - Legally Blonde



46. Spread The Love Around - Sister Act



45. One Moment In Time - Bodyguard



44. Wahres Glück - Rocky



43. We Will Rock You - We Will Rock You



42. Everything I Am - Tarzan



41. It's A Hard Knock Life - Annie



40. Time Warp - Rocky Horror Show



39. Hinterm Horizont Geht's Weiter - Hinterm Horizont 



38. Fight From The Heart - Rocky



37. Jellicle Songs - Cats



36. You Can't Stop The Beat - Hairspray



35. Popular - Wicked



34. Revolting Children - Matilda



33. Ich gehör' nur mir - Elisabeth



32. Ireland - Legally Blonde 



31. Tomorrow - Annie



30. Rebecca - Rebecca



29. Radio Gaga - We Will Rock You



28. One Day More - Les Misérables



27. The Bells of Notre Dame - Hunchback of Notre Dame



26. I Will Always Love You - Bodyguard



25. Think Of Me - Phantom Of The Opera



24. Unchained Melody - Ghost



23. Finale/Die Vampire bitten zum Tanz - Tanz der Vampire 



22. Good For You - Dear Evan Hansen



21. I Want It All - We Will Rock You



20. Finale - Les Misérables



19. As Long As You're Mine - Wicked



18. Memory - Cats



17. Wait For It - Hamilton



16. Phantom Of The Opera - Phantom Of The Opera



15. He Lives In You - The Lion King



14. Do You Hear The People Sing - Les Misérables



13. Written In The Stars - Aida



12. Who Wants To Live Forever - We Will Rock You



11. Journey To The Past - Anastasia



10. Will I - Rent

(Movie version, because the pictures really count here)


09. Don't Stop Believin - Rock Of Ages



08. You'll Be In My Heart (Reprise) - Tarzan



07. Seize The Day - Newsies



06. Circle of Life - The Lion King

(This is a 360° video - so amazing!)


05. You Will Be Found - Dear Evan Hansen



04. Two Worlds - Tarzan



03. For Good - Wicked



02. Defying Gravity - Wicked






Da kann ja jetzt nur noch ein Lied kommen. ;) Der Musicalsong, den jedes Theater Kid im Schlaf kann, der für den Broadway steht wie kein anderer.

There can only be one song after this. ;) The musical tune every theater kid knows by heart - the one that's more Broadway than anything else.





01. Seasons Of Love - Rent 



Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Hören meiner Top 50 Musical-Songs. Welche mögt ihr am liebsten?

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Montag, 1. Januar 2018

Tatort: Mord Ex Machina - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalkdabei.

Sebastian Feuerbach (Nikolai Kinski), der Justiziar einer mit Daten handelnden Firma, stirbt, als sein selbstfahrendes Auto von einem Parkdeck fährt. Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) und seine Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) glauben nicht an Selbstmord und finden bald heraus, dass der Wagen gehackt wurde. Gleich mehrere Personen haben ein Motiv, darunter Sebastians Ehefrau Susa (Judith Sehrbrock), sein Geschäftspartner Victor Rousseau (Steve Windolf) und die durchtriebene Hackerin Natascha (Julia Koschitz). Im Laufe der Ermittlung erfährt Stellbrink am eigenen Leib, wie leicht persönliche Informationen online in die falschen Hände geraten können.

Und wieder eine schöne neue Welt 

Kommissar Stellbrink (l.) in seinem vorletzten Fall
Foto: SR
Kaum ein Themenbereich war in den letzten zwei Jahren im "Tatort" so angesagt, wie Digitalisierung, Internet und Datenschutz. Beispiele hierfür sind der Frankfurter "Wendehammer", in dem es um Überwachung in der Nachbarschaft ging, "Borowski und das dunkle Netz" aus Kiel mit einem online buchbaren Mörder sowie der Dresdner YouTube-Krimi "Level X". Da die Thematik mittlerweile sehr ausgelutscht ist, habe ich nicht damit gerechnet, dass es möglich ist, noch einen interessanten, neuen Dreh zu finden. Doch ausgerechnet der immer schwächelnde Saarbrückener "Tatort" hat es geschafft. Anstelle einfach nur vom Horror-Szenario der totalen digitalen Überwachung zu erzählen, lassen die Drehbuchautoren Hendrik Hölzemann und David Ungureit den Kommissar selbst zum Opfer werden. Stellbrink ist ein bisschen naiv im Umgang mit dem Internet ("Scheiß Computer! Wie soll man denn da irgendwas herausfinden, wenn keiner irgendwo irgendwas wirklich macht? Wenn alle nur noch auf irgendwelche Buttons klicken!"). Dennoch ist er nicht ansatzweise so planlos und unwissend wie viele seiner Krimi-Kollegen. So artet dieser "Tatort" zum Glück nicht wieder in eine Erklärstunde bezüglich Internetsicherheit aus, sondern bietet ein spannendes Beispiel zu diesem Thema. Die Hackerin Natascha beweist Stellbrink, wie leicht es ist, an bestimmte Informationen zu kommen. Unter falschem Namen chattet sie mit ihm und erhält über eine virenverseuchte Datei Zugang zu seinem Computer. Die Szene, in der Natascha dem geschockten Kommissar das Ergebnis ihrer Hackerattacke präsentiert, ist schlicht, aber beunruhigend realistisch. In nüchternem Tonfall zählt sie einige sehr private Informationen auf, die sie über ihn herausgefunden hat, während Stellbrink langsam die Gesichtszüge entgleisen. "Mord Ex Machina" beweist, dass es für Gänsehaut und Grusel nicht unbedingt Geister oder Zombies braucht, sondern manchmal einfach einen genaueren Blick auf die Tatsachen. Ich finde diesen Ansatz wirklich gut und war angenehm überrascht, wie wenig das Thema Digitalisierung aufgebauscht und künstlich skandalisiert wurde. Stattdessen ist der "Tatort" sachlich, ohne belehrend zu wirken.

Aufwachen, bitte!

Dubois (l.) und Emmrich (M.) haben wenig zu tun
Foto: SR/Manuela Meyer
Die altbekannten Charaktere des Saarbrückener "Tatorts" hinken der soliden Handlung leider noch hinterher. Lisa Marx ist seit dem zweiten Fall des Teams nur noch Komparsin und sicherlich jedes Jahr die Sonntagskrimi-Kommissarin mit der geringsten Screentime und dem wenigsten Text. In den ersten Minuten von "Mord Ex Machina" spricht sie mehr, als in den letzten paar Folgen zusammen - nur um dann für den Rest der Folge wieder schweigsam im Büro zu sitzen oder gar nicht erst da zu sein. Stattdessen bettelt Stellbrink um die Hilfe von Kommissaranwärterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider), aber auch sie ist mehr Requisit als Ermittlerin. Diese Entwicklung fand ich beim Saarbrückener "Tatort" schon immer schade. Stellbrink ist nicht charismatisch und durchsetzungsfähig genug, um 88 Minuten alleine zu stemmen. Daher werden ihm seit der ersten Folge mehr oder weniger nutzlose weibliche Charaktere zur Seite gestellt, neben denen sogar er pfiffig und aufgeweckt wirkt. Allen voran Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach), die noch in keinem Fall mehr getan hat, als den Ermittlern keifend klar zu machen, dass sie jeden mächtigen, einflussreichen Verdächtigen mit Samthandschuhen anfassen sollen.
Zeit für Kaffee und Smothies hat Stellbrink immer
Foto: SR/Manuela Meyer
Kommissar Stellbrink selbst hat sich ein wenig gebessert. Den bunt gekleideten, pflanzenliebenden Hippie mit knallroter Vespa gibt es nicht mehr. Er trägt jetzt gedeckte Farben und fährt Motorrad. Äußerlich wirkt er nun deutlich mehr wie ein echter Kriminalbeamter, aber vom Wesen her kann ich ihn immer noch nicht ganz ernst nehmen. In "Mord Ex Machina" zeichnet sich der Ermittler vor allem durch seine extrem laute Sprechweise aus. Die Hälfte seiner Texte schreit er mehr als dass er sie spricht. Das ist ziemlich nervig und lässt den Kommissar einiges an Glaubwürdigkeit einbüßen. Er wirkt so konzentriert, als sei er im Schultheater und wolle sicherstellen, dass auch die hinteren Reihen alles verstehen. Der Versuch, Stellbrink in seinem vorletzten Fall noch ein wenig interessanter zu machen, erscheint ebenfalls sehr bemüht. Innerhalb weniger Minuten erfährt der Zuschauer von der verheimlichten Epilepsie-Erkrankung des Kommissars (Die ehemalige Kieler "Tatort"-Kommissarin Sarah Brandt lässt grüßen!) und dass er seinem Mentor Sterbehilfe geleistet hat. Außerdem ist Stellbrink weiterhin in Online-Dating-Portalen unterwegs ("Ich arbeite viel! Ich komme deswegen selten raus und ich möchte deshalb trotzdem nicht allein sein!") - obwohl er sich dadurch in einer der letzten Folgen versehentlich mit seiner Kollegin Marx verabredet hatte. Bei so viel Digitalisierung und Charakterzeichnung gerät der Mordfall schnell in Vergessenheit. Dementsprechend zaubern die Drehbuchautoren in den letzten Minuten das in Krimis berühmt-berüchtigte Video hervor, das den gesamten Mord inklusive des Mörders zeigt, aber leider erst sehr spät gefunden wird. In Stellbrinks Fall ist dieser erzählerische Ausweg sogar doppelt albern, da der entscheidende Beweis die ganze Zeit in seiner Nähe war.


Fazit

"Mord Ex Machina" ist für Saarbrückener Verhältnisse ein solider Film. Die relativ ausgelutschten Themen Digitalisierung, Datenspeicherung sowie Privatsphäre werden realitätsnah und informativ dargestellt, ohne dabei in einen Lehrfilm abzurutschen. Dieser Fall ist einer der wenigen, in denen das persönliche Involvieren eines Ermittlers tatsächlich Nährwert hat. Stellbrink wirkt nicht verloren in der digitalen Welt, wie viele seiner "Tatort"-Kollegen, doch er ist auch kein Spezialist. So tappt er leicht in die Falle eines Hackers. Damit repräsentiert er die Mehrheit der Zuschauer und ist ein beunruhigendes, reales Beispiel für die Gefahren des Internets. Als Charakter kann er jedoch aufgrund seiner affektierten Art noch immer nicht überzeugen - genauso wenig wie seine weiblichen Kolleginnen, die allesamt blass und im Hintergrund bleiben. Der eigentliche Krimi kommt insgesamt zu kurz. Stellbrink ermittelt nicht wirklich, er unterhält sich eher nett mit den Verdächtigen. Den Täter fasst er letztendlich nur, da er durch einen arg konstruierten Twist in den Besitz eines Videos gelangt, das den Mord zeigt.


Der erste reguläre "Tatort" im Jahr 2018 kommt aus Ludwigshafen. Kommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) gerät in seinem letzten Fall in den Fokus der Mafia. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) fragen sich, was mit ihrem Kollegen los ist.

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