Sonntag, 12. November 2017

Tatort: Auge um Auge - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalkdabei.


Heiko Gebhardt (Alexander Schubert), Abteilungsleiter der Versicherungsfirma ALVA wird von einem Scharfschützen in seinem Büro getötet. Schnell merken die Dresdner Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, Allein gegen die Zeit) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski), dass der Ermordete in seinem Unternehmen nicht sonderlich beliebt war. Besonders sein interner Konkurrent Rainer Ellgast (Arnd Klawitter) profitiert von Gebhardts Tod. Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach, Das Leben danach) versteht sich auf Anhieb gut mit dem Verdächtigen und will, dass die Ermittlerinnen statt ihm die Versicherten unter die Lupe nehmen. Denn waren die erst einmal krank und arbeitsunfähig, hat ALVA alles darangesetzt, keinen Cent zahlen zu müssen. Wie im Fall von Harald Böhlert (Peter Schneider), der nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselt ist und dessen Firma dadurch zu Grunde geht.


Ernstes Thema, langweilige Umsetzung

Geballte Frauenpower!
Foto: MDR
Nach dem schlechten Hannoveraner "Tatort: Der Fall Holdt" letzte Woche kommt nun zum zweiten Mal in Folge ein grundsolider Kriminalfall. Das Thema Versicherungsbetrug ist durchaus spannend: Auf der einen Seite sind mächtige Konzerne, die immer wieder Schlupflöcher finden, um kranken Menschen nichts zahlen zu müssen. Auf der anderen Seite stehen Verzweifelte, die durch Arbeitsunfähigkeit am Existenzminimum leben. Aber auch Simulanten, die sich mit dem Geld in die Frührente absetzen wollen. Leider wird dieser Kontrast nicht wirklich thematisiert, sondern blitzt nur kurz durch, als Schnabel bei einem Mann, der angeblich durch eine Knieverletzung nicht mehr arbeiten kann, Radlershorts findet. Bis auf ihn und Harald Böhlert lernt der Zuschauer auch sonst keine Geschädigten kennen. Es wird nur zwischendurch kurz angemerkt, dass alle Alibis haben und damit ist das Thema abgehakt, bevor es überhaupt richtig angesprochen wurde. Den Täter werden geübte "Tatort"-Gucker schnell überführt haben, da er dem typischen Krimi-Klischee "Hat-scheinbar-keine-Funktion-im-Fall-wird-aber-trotzdem-öfter-genannt-als-nötig" entspricht. Die Motive des Mörders werden noch schnell am Ende erläutert. Da der Zuschauer bis dahin aber wenig über ihn erfahren hat, ist die traurige Hintergrundgeschichte nicht mehr sonderlich bewegend. 
Sieland und Schnabel sind unterschiedlicher Ansicht
Foto: Screenshot
Deutlich präsenter sind stattdessen die internen Streitigkeiten. Das Grundkonzept des Dresdner "Tatorts" ist ein erzkonservativer Chef mit rassistischen, homophoben und sexistischen Tendenzen, der auf zwei jüngere, weibliche Kollegen trifft, die deutlich weltoffener, technikaffiner und toleranter sind. Zwischen Schnabel und Sieland hat es in den vergangenen Folgen schon einige Male gekracht. In "Auge um Auge" artet das in einen handfesten Streit aus, als Henni den aussortierten Computer ihres Vorgesetzten der jungen Syrerin Alima (Selin Kavak) schenkt. Einerseits finde ich dieses gegensätzliche Denken sehr gut, da es auch die verschiedenen Ansichten in der Bevölkerung, vor allem in Städten wie Dresden, widerspiegelt. Andererseits nervt das ständige hin und her schnell. Das liegt vor allem daran, dass die Drehbuchautoren Ralf Husmann und Peter Probst beide Parteien als nicht voll zurechnungsfähig darstellen. Henni hat Probleme mit ihrem Freund Ole (Franz Hartwig), nachdem die beiden gerade erst wieder zusammengekommen sind und schluchzt plötzlich bei der Arbeit los. Währenddessen wird Schnabel wie immer als lernresistenter Idiot porträtiert, der überfordert ist, sobald es um moderne Themen geht (Kriminaltechniker Ingo Mommsen (Leon Ullrich): "Der schreibt noch SMS - in ganzen Sätzen, mit Kommas." (...) Schnabel: "Was haben sie denn jetzt gegen Kommas? Stattdessen überall Zwinker-Smileys reinfriemeln, das ist dann Fortschritt oder was?"). Kommissarin Gorniak steht die meiste Zeit nur genervt neben den Streithähnen und will nicht wirklich Position beziehen. Vielleicht hat sie es auch schon und der Zuschauer hat das einfach nicht mitbekommen. Denn Karin wird mehrmals unterbrochen und kann eigentlich nur dann frei sprechen, wenn sich Schnabel und Sieland abreagiert haben.

Ingo, die gute Seele des Reviers

Gorniak und Ingo suchen nach digitalen Hinweisen
Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Gordon Muehle
Trotz der vielen ernsten und gesellschaftskritischen Töne in diesem Krimi gibt es dennoch eine ordentliche Portion Humor. Da der "Stromberg"-Erfinder am Drehbuch mitgeschrieben hat, sind einige Witze auch eine Spur bissig (Ellgast: "Früher durfte man überall rauchen und man dachte, Schwulsein ist abartig, heute ist es genau umgekehrt."; Gorniak über Schnabel: "Was hast du denn erwartet? Dass er in seiner Freizeit Klamotten für Flüchtlinge sammelt? So wie der rumläuft, ist es eher umgekehrt!"). In den letzten Folgen aus Dresden war Rechtsmediziner Falko Lammert (Peter Trabner) ein Garant für lustige Sprüche. In "Auge um Auge" hat er nur einen sehr kurzen Auftritt - bekam dafür aber auch sein eigenes Mini-Spin-Off "Lammerts Leichen", das online abrufbar ist. Doch mit Kriminaltechniker Ingo Mommsen gibt es einen würdigen Nachfolger. Er war bereits in anderen Folgen dabei, in denen er vor allem durch "Nerd-Fachwissen" und seine nicht ganz so heimliche Schwärmerei für Sieland aufgefallen ist. Diesmal ist seine Rolle deutlich größer angelegt und von mir aus kann das gerne so bleiben! Er ist super witzig und sympathisch. Im Gegensatz zu vielen anderen männlichen Charakteren im Fernsehen drängt er sich seiner Angebeteten nicht auf, nimmt Zurückweisungen kommentarlos hin und unterstützt sie trotzdem so gut er kann - selbst wenn er sich Schnabel in den Weg stellen muss. Die letzten Sekunden dieses "Tatorts" könnten für ihn entweder Hoffnung auf ein Happy End oder doch die "Friendzone" bedeuten. Neben der vielen humorigen Szenen im Drehbuch, gibt es auch unfreiwillige Komik. In einer Szene fahren die Kommissarinnen zu einer Dönerbude, um ein Alibi zu überprüfen. Derselbe Laden war, da bin ich mir sehr sicher, im zweiten Fall des Teams ("König der Gosse") noch ein sehr teures Edelrestaurant, in dem Gorniak und Sieland damals ebenfalls ein Alibi bestätigen mussten.

Fazit

"Auge um Auge" ist ein eher mittelmäßiger "Tatort". Der Kriminalfall ist solide und auch das Thema Versicherungsbetrug wurde noch nicht Dutzendfach durchgekaut. Leider wird es nur sehr oberflächlich behandelt, sodass der Zuschauer wenig Zugang zum Schicksal der Betroffenen findet. Die internen Probleme der Ermittler werden hingegen deutlich ausführlicher besprochen. Die ständigen Streitereien nerven. Dennoch sind die Gegensätzlichkeit der Charaktere und der Grundkern ihrer Diskussion wirklich interessant und prinzipiell gute Alleinstellungsmerkmale des Dresdner Teams. Die witzigen, teils bissigen, Sprüche lockern diesen sonst eher wenig spannenden Krimi deutlich auf. Vor allem Kriminaltechniker Ingo ist eine echte Bereicherung.


Nächste Woche ist das Klamauk-Team aus Münster an der Reihe. In ihrem Fall "Gott ist auch nur ein Mensch" müssen die Kommissare Frank Thiel (Axel Prahl) und Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) herausfinden, wer eine Leiche in eine Kunstinstallation integriert hat. Hilfe bekommen sie dabei wie immer von Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers).

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Samstag, 11. November 2017

Blindspot: Staffel 3, Folge 3 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Upside Down Craft" (S03E03) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

Das Team nimmt einen hochrangigen Wall Street-Lobbyisten fest. Doch schnell stellt sich heraus, dass die belastenden E-Mails, die ihn mit Terrorismus in Verbindung bringen, in seinen Computer eingeschleust wurden. Bei den Tätern soll es sich um die legendäre Gruppierung "The Three Blind Mice" handeln, die regelmäßig Unternehmen und sogar Regierungen hackt. Was Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown) und die Agents Tasha Zapata (Audrey Esparza), Jane Doe (Jaimie Alexander) und Kurt Weller (Sullivan Stapleton) nicht wissen: Zwei der drei "Blind Mice" sind beim FBI, Patterson (Ashley Johnson) und der neue Berater Rich Dotcom (Ennis Esmer). In den letzten Monaten hatten sie gemeinsam mit der ihnen bis dato unbekannten Kathy Gustafson (Heather Burns) als digitale Robin Hoods für Gerechtigkeit gekämpft - mit illegalen Mitteln. Patterson wurde die Sache zu gefährlich und sie stieg zusammen mit Rich aus. Nun will sich Kathy rächen.

Meine Meinung in drei Punkten

1. Die Figurenkonstellationen

Patterson und Rich sind das neue Dreamteam
Foto: NBC
Es tut der Folge wirklich gut, dass Jane und Weller mal nicht im Mittelpunkt stehen. Ausnahmsweise hat mich keiner der beiden genervt und auch ihre Beziehung wirkt dieses Mal halbwegs authentisch, einfach weil sie sich im Hintergrund halten und kein künstliches Drama geschaffen wird. Leider ändert sich in der dritten Episode der neuen Staffel noch immer nichts an Reades und Zapatas Situation. Die beiden haben weiterhin nichts zu tun und sind in "Upside Down Craft" fast ausschließlich für den Comic Relief zuständig. Beispielsweise versteht sich Tasha bestens mit Reades neuer Freundin und gibt ihm den Tipp: "Put a ring on that, before I do!" Außerdem kabbeln sich die beiden, wer besser Pattersons "Wizardville" spielen kann - nachdem sie den Namen des Games in der letzten Folge (hier geht es zur Rezension) angeblich nicht einmal kannten. Ich mag Tasha und Reade sehr und finde es wirklich schade, dass sie nur noch schmückendes Beiwerk sind und als Charaktere nicht mehr ernst genommen werden. Gut gefallen hat mir hingegen die Freundschaft zwischen Rich und Patterson. Die zwei habe eine tolle Dynamik und liefern sich witzige Schlagabtausche. Allerdings konnte ich schwer glauben, dass niemand ihr sehr konspiratives und auffälliges Verhalten bemerkt haben soll und dass sich beide in dieselbe dumme Falle haben locken lassen.

2. Kathy und ihr Racheplan

Ich glaube, diese irre Hackerin war bislang die mit Abstand schlechteste Antagonistin, die "Blindspot" je hatte! Ich konnte sie zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen. Besonders wegen ihrer extrem unnormal und affektiert klingenden Stimme, die mich fast wahnsinnig gemacht hat. Sie hat mich sehr an die Mörderin aus dem "Tatort: Zurück ins Licht" erinnert, die wirkte durch ihre seltsame Art zu reden ebenfalls überzeichnet und unglaubwürdig. Auch sonst ist die Hackerin überhaupt kein gruseliger Bösewicht. Zusätzlich zu ihrer unecht klingenden Singsang-Stimme hat sie noch einen irren Blick drauf, wie ihn höchstens "Verrückte" in Sitcoms für Kinder haben. Ihre Racheaktion wirkte wie eine Lightversion von "Saw", trotzdem fühlte sich Kathy in keiner Sekunde wirklich bedrohlich an, da sie einfach zu verpeilt und zu cartoonhaft ist. Da der Zuschauer nicht wirklich viel über Kathy erfährt, ist es auch schwer nachzuvollziehen, wie sie auf Richs Trick hereinfallen konnte und wie eng die Beziehung der "Three Blind Mice" tatsächlich war. Alles in allem ein sehr enttäuschender Showdown - in meinen Augen der schlechteste, den "Blindspot" je hatte. Vor allem, wenn man ihn mit fantastischen Szenen wie der zwischen Patterson  Borden und Shepherd in der zweiten Staffel vergleicht.

3. Der moralische Kompass

Reade braucht mehr Screentime - Zapata auch!
Foto: NBC
Das Einzige, was ich an Kathy mochte, war ihre Beobachtung im Bezug auf Patterson: "Your moral compass not once wavered." Ich mag das IT-Genie genau deswegen am liebsten. Egal, wie viel illegalen Mist ihre Kollegen bauen, sie bleibt auf dem moralischen Pfad. Aus diesem Grund hat mir die Idee der "Three Blind Mice" sehr gut gefallen. Denn Patterson möchte immer helfen und Gutes tun, egal wie. Sie nutzt illegale Systeme und Überwachungen, hackt sich überall ein, aber würde freiwillig nie jemandem weh tun. Sogar nachdem ihr Borden in der zweiten Staffel so viel Leid angetan hatte, hat sie ihn nicht erschossen, als sie die Chance dazu bekam. Denn sie ist moralisch und selbst Rache kann nichts daran ändern. Schön, dass diese Charaktereigenschaft wieder durchdringt, nachdem sich Patterson in den ersten beiden Folgen so unfair und arrogant verhalten hat. Auch die anderen Charaktere zeigen langsam wieder ihre guten Seiten. Beispielsweise Reade, der im Gegensatz zu seinen Kollegen ahnt, wieso Kathy ausgerechnet Patterson und Rich entführt hat, die beiden aber nicht zur Rechenschaft zieht. Ich hoffe die "Blindspot"-Macher werden den Zuschauern weiterhin beweisen, dass Reade das Können, die Intelligenz und die Menschlichkeit hat, um ein guter Assistant Director zu sein. 

Fazit

"Upside Down Craft" ist eine sehr durchwachsene Folge. Es gibt viele Verbesserungen im Vergleich zu den ersten beiden Episoden der neuen Staffel. Dazu gehört, dass Jane und Weller nicht im Fokus stehen. Dadurch wirken sowohl sie als auch ihre Beziehung viel ungezwungener und natürlicher. Es ist auch gut, dass die Protagonisten langsam zu ihren persönlichen Stärken und ihrer alten Teamdynamik zurückkehren. Patterson und Rich beweisen: Sie sind ein tolles, witziges Power-Duo, das hoffentlich auch in den nächsten Folgen nicht nachlässt. Mit Kathy wurde ihnen jedoch eine unglaublich schlechte, karikative Antagonistin gegenübergestellt. Sie wirkte mehr wie ein verrückter Wissenschaftler aus einer Kindersendung als eine durchtriebene, intelligente Hacktivistin, die auf die schiefe Bahn gekommen ist.


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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

The team arrests a high-level Wall Street lobbyist. They soon discover that the incriminating evidence, which links him to terrorism, was planted in his computer. The culprits are supposedly "The Three Blind Mice", a group that hacks companies and even governments. But there is something Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown) and agents Tasha Zapata (Audrey Esparza), Jane Doe (Jaimie Alexander) and Kurt Weller (Sullivan Stapleton) don't know: Two of the three "Blind Mice" are part of the FBI: Patterson (Ashley Johnson) and the new consultant Rich Dotcom (Ennis Esmer). Along with Kathy Gustafson (Heather Burns), whose identity was unknown to them until now, they fought for justice. But the digital Robin Hoods' work was illegal. Patterson worried about the consequences and backed off along with Rich. Now Kathy wants revenge.

My opinion in three points

1. The character set-up

Patterson and Rich are the new dream team
Photo: NBC
The episode really benefits from Jane and Weller not being the center of attention. For once neither one of them annoyed me and even their relationship seems partly authentic, because they stay one the sidelines and no fake drama is created. Sadly there is no change in Reade's and Zapatas's situation. They have nothing to do and their only job in "Upside Down Craft" is to be the comic relief. For example: Tasha is getting along well with Reade's new girlfriend and suggests: "Put a ring on that, before I do!" They're also squabbling over who is better at Patterson's "Wizardville" - after supposedly not knowing the game's name in the last episode (click here for the review). I really like Tasha and Reade, so I think it's pretty sad they're just embellishment and not taken seriously as characters. On the other hand I really liked the friendship between Rich and Patterson. They have great dynamics and really funny verbal exchanges. However I highly doubt no one noticed their conspirative and conspicuous behavior and that they were both lured into a dumb trap. 

2. Kathy and her scheme of revenge

I think the crazy hacker was the worst antagonist "Blindspot" had to date! I couldn't take her seriously for one minute. Especially because of her totally abnormal and affectedly sounding voice, which really annoyed me. She didn't seem to be a scary bad guy in other ways as well. In addition to her fake sounding singsong-voice she also has a mad expression on her face, that makes her look like a "lunatic" in a sitcom for children. Her plan of revenge seems like a light version of "Saw", but doesn't feel scary once, because she's just too dopey and cartoon-ish. Because the viewer doesn't know much about Kathy, it's hard to understand how she fell for Rich's trick and how close the "Three Blind Mice" really were. Alltogether a really disappointing showdown - in my opinion one of the worst "Blindspot" ever had. Especially if you compare it with fantastic scenes like the one between Patterson, Borden and Shepherd in the second season.

3. The moral compass

Reade needs more screen time - Zapata too!
Photo: NBC
The only thing I liked about Kathy was her observation regarding Patterson: "Your moral compass not once wavered." That's why the IT genius is my favorite. No matter how many illegal things her colleagues do, she stays on the moral path. That's why I really enjoyed the "Three Blind Mice" idea. Patterson always wants to help and do good, no matter how. She uses illegal systems and surveillance, hacks everything, but would never voluntarily hurt someone. After Borden harmed her badly in the second season, she didn't shoot him when she had the chance to, because she has a good heart and even revenge won't change that. It's great those character traits are coming through again, after Patterson acted pretty unfairly and arrogantly in the first two episodes. The other characters are finally showing their upsides too. For example Reade who, unlike his colleagues, suspects why Kathy chose to kidnap Rich and Patterson, but still doesn't hold them accountable for it. I really hope the "Blindspot" creators will contine to prove to the viewers that Reade has the skills, the intelligence and the philanthropy to be a great Assistant Director.

Conclusion

"Upside Down Craft" is a very patchy episode. There are a lot of improvements in comparison to the first two episodes of the new season. That includes Jane and Weller not being the center of attention, which contributes to them and their relationship feeling a lot more natural and less forced. It's also great that the characters are returning to their personal strengths and their team dynamics. Patterson and Rich prove that they're a great, funny power duo, which hopefully doesn't cease during the next episodes. However they're confronted with an incredibly bad and caricatural antagonist. Kathy seems more like a mad scientist from a kids' TV show than a scheming, intelligent hacktivist, who went down the wrong path.


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Donnerstag, 9. November 2017

Katrins Top 15 Disney Filme

Ich liebe "Disney"-Filme, denn die meisten sind unglaublich kreativ, einzigartig und begeistern durch liebenswerte Charaktere, tolles Design und fantastische Soundtracks (hier kommt ihr zu meiner Top 50 "Disney"-Lieder Liste). Laura hat euch bereits ihre 15 Lieblingsfilme aus dem Hause "Disney" vorgestellt (hier geht es zum Beitrag). Ich fand ihre Auswahl wirklich interessant, denn in einigen Punkten stimme ich 1:1 mit ihr überein und in anderen nicht einmal ansatzweise. Daher präsentiere ich euch nun meine Top 15 "Disney"-Filme. Es werden dabei nur Zeichentrick- bzw. Animationsfilme miteinbezogen, also keine Titel wie "Tron: Legacy" oder Ähnliches. Ausnahmen sind Filme, in denen sowohl Schauspieler als auch Zeichentrickelemente vorkommen.


15. Aristocats

Foto: Walt Disney Studios
Der einzige Punkt, in dem Lauras und meine Liste deckungsgleich sind. "Aristocats" war in meiner Kindheit mein absoluter Lieblingsfilm von "Disney" und ich mag ihn bis heute sehr. Besonders die coolen Kätzchen mit ihren witzigen Eigenarten haben es mir angetan, aber auch die wunderschönen Zeichnungen. Die Geschichte finde ich auch clever und mit Edgar gibt es einen Bösewicht, dessen Intentionen gut nachvollziehbar und irgendwie auch ein bisschen verständlich sind.


14. Die Monster AG

Foto: Pixar Animation Studios/Disney
Dieser Film zählt auch zu meinen absoluten Kindheits-Favoriten. Die Geschichte ist genial, wirklich kreativ und versucht nicht krampfhaft, irgendeine Art von positiver Botschaft zu übermitteln. Was mir besonders gefällt: Die Monster sind sowohl süß als auch furchterregend, wodurch man gut nachvollziehen kann, weshalb die Kinder im Film Angst haben, die Kinder vor dem Fernseher aber keine haben müssen. Durch den Humor (zum Beispiel die panische Angst der Monster vor einer Kindersocke) und die tollen Charaktere gucke ich mir den Film auch als Erwachsene noch gerne an.


13. Der König der Löwen 2 & Bärenbrüder 2

Foto: Walt Disney Studios
Foto: Walt Disney Studios




















Diese beiden Filme teilen sich ausnahmsweise den Platz, denn es sind die einzigen beiden Fortsetzungen, die es unter meine Top 15 geschafft haben und ich mag sie gleich gerne. "König der Löwen 2" hat einen guten Soundtrack, allerdings fand ich die Geschichte relativ langweilig. Bei "Bärenbrüder 2" ist es das Gegenteil. Ich liebe die Handlung, aber die Lieder sind überhaupt nicht mein Fall. Dennoch finde ich beide Filme toll, da sie der Essenz ihres Vorgängers gerecht werden und den emotionalen Tiefgang haben, der vielen "Disney"-Fortsetzungen fehlt.


12. Rapunzel 

Foto: Walt Disney Studios
Rapunzel ist cool, talentiert, tough und hat wunderschöne Haare. Flynn Rider ist witzig, der bestaussehenste "Disney"-Prinz und einer der wenigen Charaktere im Maus-Universum, der realistisch reagiert, wenn Andere plötzlich anfangen zu singen oder etwas Übernatürliches passiert. Zusammen mit zwei Sidekicks, die alleine durch Gestik und Mimik super witzig sind, ensteht ein kurzweiliger Film mit tollen Aufnahmen (die leuchtenden Laternen am Himmel).


11. Verwünscht

Foto: Walt Disney Studios
Robert ist der einzige "Disney"-Charakter, der noch weniger mit spontanem Gesang, tierischen Freunden und Happyends anfangen kann als Flynn Rider. Alleine für seinen völlig perplexen Gesichtsausdruck, wenn plötzlich der halbe Central Park singt und die Frage, woher denn alle denselben Song kennen, lohnt sich der Film schon. Er ist einfach ein großer Spaß für alle Altersgruppen, auch weil "Verwünscht" die üblichen "Disney"-Klischees parodiert, ohne auf billige Lacher aus zu sein oder den eigenen Charme zu verlieren. 2018, elf Jahre nach dem ersten Teil, kommt die Fortsetzung. Ich freue mich jetzt schon.


10. Vaiana

Foto: Walt Disney Studios
Tolle Animation, anrührende Geschichte, toughe Heldin und eingängige Musik. Alleine die Szene, in der sich der Ozean vor der kleinen Vaiana teilt und die Meerestiere an ihr vorbei schwimmen, hätte schon einen Preis verdient. Genauso die Vorstellung, dass Vaianas tote Großmutter als Stachelrochen weiterlebt und die wunderschöne Darstellung der polynesischen Kultur. Doch der Film landet trotzdem "nur" auf meinem zehnten Platz, denn ich mag viele Teile der Handlung nicht. Die Riesenkrabbe Tamatoa und ihr Song "Glänzend" waren für mich DER "Disney"-Tiefpunkt der letzten Jahre. Auch die Kokomorra wirkten fehl am Platz. Weiterhin war ich kein Fan von Maui und einem Großteil der deutschen Synchronstimmen. Trotzdem ist "Vaiana" ein toller Film und verdient es, noch knapp in die Top 10 zu rutschen.


9. Ralph reicht's

Foto: Walt Disney Studios
Dieser Film ist für mich einer der kreativsten Filme, die "Disney" je herausgebracht hat. Die Handlung ist einfach einmalig und strotzt vor cleveren Einfällen. Hier passt wirklich alles zusammen und die Macher haben eine wunderschöne und vielfältige Welt erschaffen, die für jede Altersklasse kleine Refernzen und Easter Eggs bietet. Mit Ralph und Vanellope hat die Geschichte zudem zwei vielseitige und liebenswerte Hauptcharaktere, die dennoch wissen, was sie wollen und tolle Vorbilder sind. Ich hoffe sehr, dass die Fortsetzung dem ersten Teil gerecht wird. Dass neun "Disney"-Prinzessinnen vorkommen werden und in den U.S.A. alle Original-Synchronstimmen verpflichtet wurden, ist schon einmal ein sehr gutes Zeichen!


8. Die Eiskönigin

Foto: Walt Disney Studios
Zuerst einmal: Ich liebe den Soundtrack! Schon in der ersten Szene, in der der norwegischen Chor "Cantus" singt, während langsam Schneeflocken vom Himmel fallen, hatte ich Gänsehaut. Der Film hat mich einfach gepackt - auch, weil er im Gegensatz zu vielen anderen "Disney"-Streifen nicht bunt und laut ist, sondern die meiste Zeit über eher ein bisschen trüber gestimmt und in harten Farben gehalten ist. Besonders mochte ich, dass bei diesem Film die Grenzen zwischen "gut" und "böse" verschwimmen. Ich muss zugegen: Den Twist am Ende habe ich tatsächlich nicht kommen sehen. Außerdem mag ich die rustikale Art von Kristoff, der so gar nicht dem Prinzen-Klischee entspricht (Im Abspann steht übrigens, dass Kristoffs Aussage, alle Männer würden ihre Popel essen, alleine seine Meinung ist und nicht die der Walt Disney Company wiederspiegelt. :D). Natürlich sind da noch Sven und Olaf.... Ich liebe die beiden. Besonders Olaf. Olaf ist toll!


7. Ratatouille

Foto: Pixar Animation Studios/Disney
Ich fand als Kind Ratten und Mäuse ganz furchtbar eklig. So dämlich das auch klingen mag, aber seit ich "Ratatouille" im Kino gesehen habe, bin ich "geheilt" - trotz der Sequenz mit der einbrechenden Decke und den Hunderten herunterfallenden Ratten. Die sind aber auch süß! Remy ist ein Charakter, in den man sich gut hineinversetzen kann und bei dem man wirklich hofft, dass er seinen Traum verwirklichen kann. Sein menschlicher Kumpel Linguini ist echt witzig, wenn auch manchmal ein bisschen zu tölpelhaft, um glaubwürdig zu sein.


6. Küss den Frosch

Foto: Walt Disney Studios
Tiana ist meine liebste "Disney"-Prinzessinnen, weil sie cool und intelligent ist, außerdem hart für ihren Traum kämpft und nichts geschenkt haben will. Sie ist ein tolles Vorbild! Außerdem finde ich die Geschichte sehr schön und clever - man denkt, man kennt die Handlung und dann wird es doch ganz anders. Der Schattenmann ist außerdem der mit Abstand gruseligste Bösewicht! Ich habe noch in keinem anderen "Disney"-Film einen Antagonisten gesehen, der so beunruhigend und hintertrieben dargestellt wurde. Der Tod von Ray und das Auftauchen eines neuen Sterns neben "Evangeline" gehören im Gegenzug zu den emotionalsten "Disney"-Momenten aller Zeiten! Der einzige Grund, weshalb es "Küss den Frosch" nicht in meine Top 5 schafft: Die Musik! Der Soundtrack ist schön und unterscheidet sich durch seine Jazz- und R&B-Einschläge auch von anderen, aber es gibt einfach keinen Hit, der mich so richtig packt und den ich auch außerhalb des Films ständig anhören würde.


5. Susi und Strolch

Foto: Walt Disney Studios
Erst einmal: HUNDE! Zweitens: Die Geschichte ist wunderschön und die Charaktere wirklich liebenswert (Außer Tante Klara und ihre verfluchten Katzen!). Die Geschichte fühlt sich zudem sehr viel echter an als die der meisten anderen "Disney"-Filme. Mal abgesehen davon, dass die Tiere sprechen können und Spaghetti mögen, ist alles sehr realistisch. Das macht Szenen wie die Ratte, die das Baby angereift und die Angst vor der Tür im Hundezwinger "hinter der alles zu Ende ist" umso emotionaler und packender. Durch die schönen Zeichnungen, die stimmige Musik und das originalgetreue Setting im Jahr 1909 ist "Susi und Strolch" nicht nur ein wunderschöner Film, sondern auch wie eine kleine Reise in die Vergangenheit.


4. Findet Nemo

Foto: Pixar Animation Studios/Disney
Mein absoluter Lieblingsfilm von "Pixar"! Ich bin mir ziemlich sicher, dass "Findet Nemo" der erste Animationsstreifen war, den ich im Kino gesehen habe und dass ich auch davor keinen auf VHS besessen habe. Jedenfalls war ich total fasziniert von der schillernden Unterwasserwelt und bin es heute noch. Auch die Charaktere sind fantastisch. Bis in die kleinsten Nebenfiguren (Nemos Klassenkameraden und ihre Eltern zum Beispiel) hat jeder seine Eigenarten und sein eigenes Design. Außerdem liebe ich Dorie! Man möchte sie zwar ständig gehörig schütteln, aber sie ist so gutherzig und so witzig - spätestens seit ich sie als mega süßes Baby in "Findet Dorie"gesehen habe, ist sie definitiv einer meiner liebsten "Disney"-Charaktere. Trotz der vielen witzigen Momente gibt es auch viele ernste und diesen Kontrast mag ich sehr gerne. Eins hat der Film auf jeden Fall erreicht: Bis zum Ende meines Lebens werde ich niemals vergessen, dass P. Sherman in Sydney im 42 Wallaby Way zu finden ist (Ja, als ich in Sydney war, hatte ich immer ein Auge auf die Straßenschilder...).


3. Der König der Löwen

Foto: Walt Disney Studios
"Der König der Löwen" ist vermutlich der einzige Streifen in der Filmgeschichte, bei dem man ab der allerersten Sekunde eine Gänsehaut hat. Kein Wunder, wenn Legenden wie Hans Zimmer, Tim Rice und Elton John gemeinsam am Soundtrack gearbeitet haben. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie fantastisch die Musik ist! Doch nicht nur das macht den Film so gut. Die Charaktere sind toll, es gibt Witz und mitreißende, emotionale Momente. "Der König der Löwen" ist so kraftvoll und episch, dass man es kaum in Worte fassen kann. Er sticht einfach aus der Masse aller Filme heraus. 


2. Zoomania

Foto: Walt Disney Studios
Ich habe "Zoomania" in der Sneak Preview gesehen. Es wusste also niemand in dem vollen Kino sicher, welcher Film kommen würde. Vor mir saß eine Gruppe Teenager, die gestöhnt haben, als das "Disney"-Logo erschien und laut hörbar diskutiert haben, ob sie gehen sollten, weil "Kinderfilme scheiße und langweilig" seien. Sie sind sitzen geblieben - bis zur allerletzten Sekunde des Abspanns. Danach haben sich nicht mehr eingekriegt, wie "geil" der Film war. Besser kann man "Zoomania" wohl nicht beschreiben. Es ist einfach ein fantastisches Meisterwerk für alle Altersgruppen. Judy Hopps ist mein liebster "Disney"-Charakter, weil sie wirklich realistische Probleme hat und alles daransetzt, sie zu meistern. Außerdem werden Themen wie Rassismus und Mobbing deutlich dargestellt und angeprangert. Trotz der bunten Welt und der niedlichen Tiere ist der Film düster und enthält sehr viel Wahrheit. Die Geschichte ist unglaublich kreativ - genau wie das Design. Jede winzige Nebenfigur hat ihren ganz eigenen Stil und die Macher haben sich für jede Tierart genau überlegt, wie sie in der Stadt leben und sich fortbewegen. Einfach unglaublich! Es ist auch toll, wie man denkt, der Film sei zu Ende und dann überrascht feststellt, dass es erst richtig losgeht. Außerdem ist der Song "Try Everything" von Shakira klasse! Ich wünsche mir nichts sehnlicher von "Disney" als eine Cop-Show mit Nick und Judy, in der sie als Polizisten Fälle lösen müssen!


1. Bärenbrüder

Foto:Walt Disney Studios
Ich liebe "Zoomania" sehr, aber es gibt einen Punkt, der "Bärenbrüder" für mich noch besser macht. Denn hier ist der Held gleichzeitig auch der Bösewicht. Das gibt es so in keinem anderen klassischen "Disney"-Film und auch sonst eher selten. Hauptfigur Kenai tötet zu Beginn einen Bären - nicht aus Notwehr, sondern aus purer Rache und Blutlust. Anstelle, dass er also gegen einen Antagonisten kämpft, muss er sich mit seiner eigenen Schuld auseinandersetzen. Obwohl ich den Film schon oft gesehen habe, bricht mir eine Szene bis heute das Herz: Die, in der Kenai realisiert, dass der Bär, den er getötet hat, die Mutter seines kleinen Kumpanen Kodas ist und er ihm sagen muss, seine Mama wird nicht zurückkommen. Die Szene wird nur mit Musik untermalt, man hört nicht, was die Charaktere sagen, sondern sieht nur den Schmerz in ihren Augen. Das ist unglaublich gut dargestellt! Genau wie die Geister der Vergangenheit, die wie Nordlichter aussehen und in Tierform erscheinen, sodass Koda seine Mutter ein letztes Mal sehen kann. Das Design ist einfach wunderschön. Auch die anderen Charaktere sind toll - sei es die Schamanin des Stammes oder die beiden unglaublich witzigen Elche Björn und Benny. Weiterhin ist auch "Bärenbrüder" einer der "Disney"-Filme, die durch einen fantastischen Soundtrack begeistern - in diesem Fall haben Phil Collins, Mark Mancina und Tina Turner zusammengearbeitet. Genau wie in "Der König der Löwen" oder "Vaiana" fließen auch in diesem Film Elemente der lokalen Musik ein, wodurch er umso einmaliger und epischer klingt.


Das waren meine 15 liebsten "Disney"-Filme. Welche gehören zu euren absoluten Favoriten? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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Dienstag, 7. November 2017

Scythe - Die Hüter des Todes (Neal Shusterman) - Rezension

"Scythe – Die Hüter des Todes" ist der Auftakt von Neal Shustermans neuester Trilogie. Das Buch ist im September im Fischer Verlag erschienen und umfasst 528 Seiten. 

Citra und Rowan leben in einer perfekten Welt: Es gibt keinen Hunger, keine Kriege, keine Krisen und vor allem keinen Tod. Die Menschen leben ewig, können sich sogar verjüngen lassen. Sollten sie sterben, werden sie mithilfe fortschrittlichster Technologie in "Revival Zentren" zurückgeholt. Doch die Population muss trotzdem in einem gewissen Rahmen gehalten werden, um eine Überbevölkerung zu verhindern. Dafür sind die Scythe zuständig, die als offizielle Hüter des Todes entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Citra und Rowan werden unfreiwillig für die Lehre auserwählt und müssen sich nun der Frage stellen, ob sie Menschen töten können. Zu Beginn schweißt sie ihr gemeinsames Schicksal noch zusammen, doch schon bald stehen die beiden Lehrlinge auf unterschiedlichen Seiten. Denn Rowan findet Gefallen an den dunklen Scythe, die die Regeln des Scythetums nur bedingt befolgen.

Mich hat das Buch sofort angesprochen, als ich gelesen habe, worum es geht. Die Idee hörte sich auf Anhieb interessant an. Da es besonders im Bereich der Jugendbücher oft Geschichten gibt, die ähnliche Einfälle haben, war ich unheimlich gespannt, ob sich dieser Roman von der Masse anheben kann. Er kann, zumindest teilweise. 

Auch in einer perfekten Welt existiert der Tod

Ein ziemlich eindrucksvolles Cover
Foto: S. Fischer Verlag
Tatsächlich konnte mich die Grundidee, die sich im Klappentext schon so vielversprechend angehört hat, auch beim Lesen wirklich begeistern. Die Themen Tod und (Un-)Sterblichkeit werden hierbei nämlich interessant und ausführlich behandelt. Der Leser wird dazu gebracht, sich über diese Thematiken selbst Gedanken zu machen. Vor allem die Denkanstöße zu der Diskussion, ob Unsterblichkeit tatsächlich so erstrebenswert ist, fand ich besonders spannend. Denn in "Scythe" wird auch gezeigt, dass es Menschen gibt, die quasi "aufgehört" haben zu leben, denn wofür lebt man, wenn man ohnehin unsterblich ist? Wo ist der Anreiz? Gerade aus diesem Grund ist Shustermans Roman tiefgründiger als manch anderes Jugendbuch, das ich gelesen habe. Insgesamt erschafft der Autor mit dieser Geschichte ein ansprechendes Gedankenspiel, das gut auf die Frage eingeht, was passiert, wenn der Mensch das Altern und den Tod überwunden hat. So durchdachte, wie die Geschichte an diesen Stellen ist, so flach bleibt sie leider hinsichtlich der räumlichen Welt. Die Gesellschaft und wie sie funktioniert, konnte ich mir recht gut vorstellen, da es an vielen Stellen veranschaulicht wird. Es ist eine Utopie, so viel ist schnell klar. Auch das System der Scythe hat der Autor bildhaft und einprägsam vorgestellt. Es ist beispielsweise ziemlich politisch und die Todeshüter kommen regelmäßig zusammen, um über wichtiges und weniger wichtiges zu diskutieren (Ein Beispiel für Anträge, die besprochen werden: "Etwa ob man einen Scythe-Ring an der linken oder rechten Hand tragen oder ob es erlaubt sein sollte, Reklame für kommerzielle Produkte wie Joggingschuhe oder Frühstücksflocken zu machen.") Dieser Aspekt hat mir gut gefallen, da das Scythentum dadurch auch glaubwürdiger erscheint. Dennoch ist die Welt selbst für mich insgesamt einfach zu blass geblieben, weil es wenige Beschreibungen der Umgebung gibt. Auch die Erklärung, wie diese neue tolle Welt entstanden ist und wie der Übergang von der alten zu dieser abgelaufen ist, bleibt eher im Dunkeln. Das ist schade, da mich dieser Punkt wirklich interessiert hat. 
Das Buch nimmt sich insgesamt viel Zeit, um in Fahrt zu kommen. Gerade deshalb fällt die blasse Welt noch mehr auf, weil das langsame Tempo sich eigentlich perfekt anbietet, um diese als Ganzes einzuführen. Dafür lernt der Leser in dieser Zeit vor allem die Charaktere und Konflikte gut kennen, was mir wiederum sehr positiv aufgefallen ist. Der Autor gibt den Figuren eine glaubwürdige Zeitspanne, um sich zu entwickeln. So dauert das Training der Lehrlinge mehrere Monate und der Leser kann ihren Weg gut verfolgen. Daher ist ihre Entwicklung nachvollziehbar und erscheint glaubwürdiger als in anderen Geschichten, bei denen die Charaktere sich so schnell Fähigkeiten antrainieren, dass es unrealistisch wirkt. Auf der anderen Seite passiert dadurch aber lange Zeit nur wenig wirklich Aufregendes. Mich persönlich hat das nicht gestört, da ich mich über den Fokus auf die Entwicklung der Figuren und den Aufbau des Konflikts gefreut habe. Das ist eine gute Basis, auf der die zwei Folgebände aufbauen können. Zum Ende hin wird es dann auch noch recht spannend und es gibt zwei kleinere Wendungen, die mich überraschen konnten. Besonders den Schluss dieses ersten Teils mochte ich. Einerseits ist er abgeschlossen und hat zudem einen vielversprechenden Ausgang, der sehr spannend weitergehen könnte. 

So nah und doch so fern

Für ein Jugendbuch hat "Scythe" angenehm wenig Klischees und alle, die es gab, wurden nicht überstrapaziert. So gibt es beispielsweise den Klassiker, dass die Protagonisten sich zu Beginn nicht ausstehen können, dann aber doch Gefühle füreinander entwickeln. Doch der Fokus lag vielmehr auf der Entwicklung der Figuren als darauf, was mich persönlich gefreut hat. Dennoch hatte ich gerade im Hinblick auf die Charaktere und die Liebesgeschichte das Problem, dass die Figuren relativ undurchsichtig bleiben. Citra und Rowan bekommen, wie oben bereits erwähnt, zwar recht viel Zeit und der Leser sieht, wie sie sich im Laufe des Romans verändern und an ihren Aufgaben wachsen, aber irgendwie fehlte ihnen dennoch das gewisse Etwas, das sie für mich richtig interessant gemacht hätte. Selbst in emotional belastenden Momenten fühlte sich vor allem Rowan irgendwie zu "weit weg" an. Ich hatte oftmals das Gefühl, die beiden nur von außen zu beobachten, ohne zu wissen, was in ihrem Inneren vorgeht. Daher konnte ich mich insgesamt einfach nicht gut genug in sie hineinversetzen, um mit ihnen richtig mitzufühlen. Anders als bei "Caraval" (hier kommt ihr zu meiner Rezension) haben mich die Protagonisten allerdings nicht pausenlos genervt, sie waren an sich ganz angenehm. Es gab kaum Momente, in denen die Zwei typische Jugendbuchklischees verkörpert haben und das hat mich positiv überrascht. Die Liebesgeschichte zwischen ihnen war definitiv nicht zu aufdringlich. Ich glaube, das Problem lag sogar eher darin, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Ich konnte überhaupt nicht nachvollziehen, was Citra und Rowan so toll am jeweils anderen finden, abgesehen davon, dass sie das gleiche Schicksal teilen. Über einen großen Zeitraum des Romans leben die Hauptfiguren auch getrennt voneinander. Besonders Citra bekommt Zweifel, was Rowan betrifft. Am Ende sind diese Zweifel aber kaum noch relevant, was für mich ebenfalls etwas plötzlich kam und unglaubwürdig wirkte. Insgesamt gibt die Lovestory der Handlung sowie den Figuren kaum etwas Bedeutendes und ohne sie hätte nichts gefehlt. Das spricht meiner Meinung nach nicht für sie.
Die zwei jugendlichen Scythe-Anwärter bleiben in diesem ersten Band noch etwas undurchsichtig, dafür gibt es andere Charaktere, die durch ihre gut ausgearbeiteten Eigenschaften die Geschichte spannender machen, vor allem Scythe Curie. Sie geht ihrer Aufgabe schon sehr lange und ist eine der ersten Scythe. Von ihr gibt es regelmäßig Tagebucheinträge, die ihre Persönlichkeit gut offenlegen. Darüber hinaus erscheint sie aber auch im restlichen Buch vielschichtiger als die Protagonisten. Ein weiterer interessanter Charakter ist der Antagonist, der ebenfalls ein Scythe ist: Er ist von seinen Taten nicht nur voll und ganz überzeugt, sondern glaubt zudem, dass er das Richtige tut und ein Visionär unter den Scythe ist. Außerdem ist er wirklich böse, kann sich aber gut verstellen. Er hat viele Bewunderer und wird sogar von vielen Menschen geliebt. Auch von ihm erfährt der Leser einiges durch Tagebucheinträge, die seine überhebliche Einstellung noch verdeutlichen ("[...] wie können die Scythe der alten Garde es wagen, mein Verhalten bestimmen zu wollen? Sollen sie sich alle miteinander selbst nachlesen [...]"). Somit wird auch er dem Leser näher gebracht als die Protagonisten. Trotz allem habe ich nach Beenden des Romans das Gefühl, dass Citra und Rowan noch Potenzial haben, um zu spannenden Charakteren zu werden, weshalb ich Band zwei definitiv eine Chance geben werde. Mich hat der Schluss sehr neugierig darauf gemacht, wie die Geschichte von ihnen weitergehen wird.


Fazit

"Scythe – Die Hüter des Todes" hat eine wirklich interessante Grundidee, die mich vor allem durch die tiefgründige Auseinandersetzung mit der Thematik Leben und Tod überzeugen konnte. Leider fehlt es dem Buch an einer soliden Ausarbeitung der Welt, die insgesamt etwas blass bleibt. Positiv ist hingegen, dass die Handlung nicht überstürzt erzählt wird, sondern sowohl die Charakterentwicklung als auch der Konflikt genug Zeit bekommen, um gut nachvollziehbar zu sein. Die Geschichte sticht insgesamt aus der Masse an Jugendbüchern heraus, nicht nur durch die Tiefgründigkeit, sondern auch durch angenehm wenig Klischees. Die Protagonisten konnten mich leider nicht komplett mitreißen, weshalb ich hoffe, dass sie im Folgeband mehr von ihren Persönlichkeiten zeigen können.


Unsere Rezension zum zweiten Teil findet ihr hier.

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Sonntag, 5. November 2017

Tatort: Der Fall Holdt - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalkdabei.


Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) feiert abends ausgelassen in einem Club. Da ihr die Schlange vor der Frauentoilette zu lang ist, pinkelt die Hannoveraner Kommissarin draußen auf die Straße, dabei wird sie von drei Männern verspottet und gefilmt. Als Lindholm die Gaffer angeht, verprügeln sie sie. Am nächsten Morgen wird die lädierte Ermittlerin in ein Haus mitten im Wald gerufen. Bewohnerin Julia Holdt (Annika Martens) wurde auf dem Weg zu ihrem Reitstall gekidnappt. Ihr Mann Frank (Aljoscha Stadelmann) wollte auf Geheiß der Entführer nicht die Polizei einschalten, doch sein Schwiegervater Christian Rebenow (Ernst Stötzner) hat es dennoch getan. Lindholm hat schnell den Verdacht, dass Frank selbst hinter der Tat steckt und sich so seiner Ehefrau entledigen und das Lösegeld einstecken wollte. Ihre Kollegin Frauke Schäfer (Susanne Bormann) ist anderer Ansicht, doch Charlotte handelt nicht mehr rational.

Bitte alle Aufmerksamkeit auf Lindholm!

Beide blond mit Schal: Fast Klone!
Foto: NDR
Gute Nachricht für alle Krimi-Konservativen! Nach den Experimenten der letzten vier Wochen - dem verkappten Porno aus München, der historischen Neuerzählung aus Stuttgart, der seltsamen Psycho-Inszenierung aus Bremen und dem Horrorfilm aus Frankfurt kommt nun endlich wieder ein solider Krimifall. Jedenfalls fast, denn ähnlich der Stuttgarter RAF-Geschichte, hat auch dieser "Tatort" ein reales Vorbild: Den Mordfall Maria Bögerl. Die Bankiersgattin wurde 2010 aus ihrem Haus entführt und sollte nach einer Lösegeldzahlung in Höhe von 300.000 Euro freigelassen werden. Doch die Übergabe scheiterte und nach drei Wochen wurde ihre Leiche gefunden. Mehr werde ich nicht verraten, da die Handlung von "Der Fall Holdt" genauso verläuft wie die Ermittlungen bei der realen Vorlage. Allerdings ist es auch nicht wirklich notwendig, sich darauf zu konzentrieren, denn im Mittelpunkt steht ganz klar Charlotte Lindholm. Sie ist von den Vorkommnissen ihrer Partynacht noch körperlich und geistig angeschlagen, was ich als Rahmenhandlung wirklich gut finde. Allerdings suhlt sich Drehbuchautor Jan Braren dermaßen im Schicksal der Kommissarin, dass man sie den ganzen Film über einfach nur schütteln möchte. Denn sie schläft ständig ein, gefühlt schaut man Lindholm insgesamt 10 Minuten nur beim Nickerchen machen zu - sogar auf dem Seitenstreifen der Autobahn! Außerdem kommandiert sie alles und jeden herum, trägt aber selbst kaum zu den Ermittlungen bei. Was mich am meisten geärgert hat: Sie steht nicht einmal für ihre Fehler gerade. Als sie den Mann der Toten körperlich angreift, bittet sie ihre neue Kollegin Schäfer darum, den Vorfall für sich zu behalten. "Ich habe kein Problem damit, hier die zweite Geige zu spielen, aber ich werde nicht länger zusehen, wie diese Frau die Ermittlungen gegen die Wand fährt. Ich muss hier mal die Notbremse ziehen. (...) Das Ganze gleich mittlerweile nicht mehr einer kriminalistischen Untersuchung, sondern einem persönlichen Racheakt", eröffnet die junge Ermittlerin später und hat damit völlig Recht. Dennoch wird Lindholm konsequent als armes, übermüdetes Opfer dargestellt und Schäfer als die junge Gefahr, die ihr den Job streitig machen will und auf der Toilette über die Ältere lästert ("Ich habe schon überlegt, ob die ein Alkoholproblem hat!"). Scheinbar soll der Zuschauer trotzdem das Gefühl haben, dass die engagierte Kollegin Charlotte in jungen Jahren darstellt. Zu diesem Zweck werden beide gleich eingekleidet und wem die Parallele noch immer nicht auffällt, wird praktisch mit der Nase darauf gestoßen, als Schäfer bemerkt: "Schöne Bluse..."

Fall? Welcher Fall?

Eltern & Ehemann (M.) sorgen sich um die Vermisste
Foto: NDR/Marion von der Mehden
In dieser Lindholm-inszeniert-sich-selbst-Show bleibt nur wenig Platz für den Fall. Viel erfährt der Krimigucker sowieso nicht darüber, da die Ergebnisse mehr zufällig in den Raum geschmissen, als tatsächlich ermittelt werden. Vermutlich erhoffen sich die Macher hier, dass ein Großteil der Zuschauer noch die Berichterstattung über den Mord an Maria Bögerl im Gedächtnis hat. Doch es kommt nicht nur der Kriminalfall zu kurz, auch die Charaktere kommen in der One-Woman-Show kaum unter. Bis auf Frank Holdt, der als Lindholms Boxsack herhalten muss und an dem sie ihren persönlichen Frust auslässt, lernt der Zuschauer kaum eine Figur wirklich kennen. Da wäre beispielsweise Julia Holdts Vater, der sich sehr auffällig verhält und den Verdacht auf seinen Schwiegersohn lenken möchte. Er wird genauso wenig unter die Lupe genommen wie seine Frau, sein Enkel, von dem der Zuschauer erst spät überhaupt erfährt, der neugierige Nachbar oder die Affäre der Vermissten. All diese Personen sind nur Statisten in einem Fall, der sich nur um Lindholm dreht. Die einzigen beiden anderen Charaktere von Bedeutung, Frank Holdt und Frauke Schäfer, sind bloß dafür da, sich von der aufbrausenden Kommissarin fertig machen oder sie noch mehr als Opfer dastehen zu lassen. Traurig, wenn man bedenkt, dass diesem Fall ein realer Mord zugrunde liegt.

Suri ist der Anti-Lindholm: Nett und Fröhlich
Foto: Screenshot
Während die Menschen alle hinter Lindholm verschwinden, gibt es dennoch einen kleinen Break-out-Star, einer der wenigen Lichtblicke in diesem langweiligen und nervigen Krimi: Hund Suri. Er gehört den Holdts und steht zu Beginn der Folge mehr im Fokus als das spätere Mordopfer und ihr Mann. Vielleicht wollte Regisseurin Anne Zohra Berrached den Zuschauer mit niedlichen Hundetricks und -küsschen noch ein bisschen unterhalten, bevor er in die depressive Geschichte um Lindholm gezogen wird. Natürlich wird schnell klar, dass dieser glückliche Lichtblick nicht von langer Dauer sein kann. Sagen wir es einfach so: Die letzte Szene zwischen Holdt und seinem Suri ist ergreifender als alles andere in diesem "Tatort". Selbst die Mutter der Vermissten bemerkt noch in ihrer Panik: "Wo ist denn Suri?" Man muss halt Prioritäten setzen!

Fazit

"Der Fall Holdt" ist zwar mal kein Experiment, dafür aber ein langweiliger Standard-Krimi, der bestimmt eine halbe Stunde kürzer wäre, wenn man alle Zickereien und Nickerchen der Kommissarin herausschneiden würde. Anstelle das Thema Gewalt gegen Frauen deutlich anzusprechen, wird Lindholm lieber beim Herumkommandieren ihrer Kollegen oder beim Weinen in den Armen ihres Freundes gezeigt. Dadurch gerät nicht nur der Fall, sondern auch die anderen Charaktere aus dem Fokus. Deshalb ist es schwierig, eine Beziehung oder Meinung zu den einzelnen Personen aufzubauen. Da außer dem Ehemann niemand verdächtigt wird und das Ende durch die reale Vorgabe auch schon bekannt ist, verläuft der Krimi schleppend und spannungslos. Selbst ein niedlicher Hund kann da nichts mehr ausrichten.


In der nächsten Woche ermittelt wieder das Team aus Dresden. Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) müssen in "Auge um Auge" den Mord am Abteilungsleiter einer Versicherungsfirma aufklären, der von einem Scharfschützen getötet wurde. Dabei stoßen sie auf Mobbing und Schikane in dem Unternehmen. 

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Blindspot: Staffel 3, Folge 2 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Enemy Bag of Tricks" (S03E02) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

Es wird eng, lass' uns ein paar Leute umbringen
Foto: NBC
FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown) hat sich entschieden, eine Task Force zu gründen, um die Rätsel hinter Jane Does (Jaimie Alexander) neuen Tattoos zu ergründen und ihren Bruder Roman (Luke Mitchell) aufzuhalten. Der erpresst Kurt Weller (Sullivan Stapleton) und gab ihm am Ende der letzten Folge (hier geht es zur Rezension) einen Hinweis, um das erste Tattoo-Rätsel zu lösen. Er führt sie auf einen Acker, auf dem plötzlich ein Satellit abstürzt. Augenblicke später wird seine Blackbox von bewaffneten Angreifern gestohlen. Patterson (Ashley Johnson), Tasha Zapata (Audrey Esparza) und Stuart (Jordan Johnson-Hinds) finden heraus, dass Nordkorea einen Nuklearangriff plant. Der Satellit war einer von 100, die zu einem Abwehrsystem gehören. Sollte die Blackbox den falschen Menschen in die Hände fallen, könnte der Schutz deaktiviert werden und die U.S.A. einem Angriff schutzlos ausgeliefert sein. Das Team muss dieses Szenario verhindern und gleichzeitig ihre persönlichen Streitigkeiten beilegen. 

Meine Meinung in vier Punkten

1. Die Handlung

Im Gegensatz zur Staffelpremiere gibt es in er zweiten Folgen einen Fall, an dem alle gemeinsam arbeiten. Zwar haben die Charaktere noch ihre persönlichen Baustellen, wie Pattersons Eifersucht auf Stuarts Job, Kurts Eifersucht auf Reades Job und Janes Unehrlichkeit über ihren Verbleib in den letzten Monaten. Dennoch ist deutlich spürbar, wie ein gemeinsames Projekt die einzelnen Figuren wieder zusammenbringt. So wirkt die Folge auch deutlich strukturierter als die letzte, in der jeder sein eigenes Ding gemacht hat. Natürlich ist die Geschichte um die gestohlene Blackbox, die einen Atomkrieg auslösen könnte, nicht sonderlich glaubhaft. Wie immer bei "Blindspot" spielen unzählige Zufälle den Ermittlern in die Hände, beispielsweise kennt Jane die Identität des Hauptverdächtigen und weiß sogar, wo er sich aufhält. Aber diese Episode und die letzten beiden Staffeln zeigen deutlich, dass die Serie am besten funktioniert, wenn alle Protagonisten gemeinsam den Tattoos nachgehen, aus diesem Grund stört es mich wenig, wenn die Fälle unglaubwürdig sind.

2. Die zickenden Charaktere

Bei Patterson (l.) und Stuart hapert es noch
Foto: NBC
In "Enemy Bag of Tricks" werden die Probleme der Charaktere deutlich besser und flüssiger in die Geschichte einbaut als in der letzten Folge, dennoch sind sie auch diesmal ein großes Thema. Ich persönlich hoffe, dass sich die meisten bald klären, denn es wird auf Dauer ziemlich langweilig und nervig, den Ermittlern dabei zuzusehen, wie sie einander anschnauzen, sich misstrauen und nur das Nötigste erzählen. Es erscheint mir noch immer unglaubwürdig, wie fremd sich das Team in zwei Jahren geworden ist, sodass keiner von Reades fester Freundin weiß, mit der sie sogar zusammenwohnt oder wie Pattersons Hit-App heißt (Stuart: "(...) when you left to create your 'Elftown' app." Zapata: "Don't do that, Stuart, you know it's called 'Elfville'." Patterson: "Okay, it's called 'Wizardville', you both would know that, it was number one in the app store for seven weeks."). In den letzten beiden Staffeln wurde es immer so dargestellt, als hätten die fünf Protagonisten kaum Kontakt zu irgendjemandem außerhalb ihres Teams und nun, als würden sie sich überhaupt nicht füreinander interessieren. Sonderlich sympathisch macht das die FBI-Ermittler nicht. Patterson hat mich in dieser Folge besonders gestört. Normalerweise ist sie mein Lieblingscharakter, aber hier war ihr Gekeife und die Rumhackerei auf Stuart einfach nur nervig und völlig unnötig, da er ihr freie Hand lässt, obwohl er mittlerweile das Sagen im Labor hat. 

3. Stuarts Ermordung

Wenigstens einer meiner Wünsche für die dritte Staffel ist wahr geworden - das Stuart wieder dabei ist. Was passiert? Zuerst wird er von Patterson fertig gemacht und dann erschossen. Toll! Er war momentan der einzige wirklich sympathische und gutherzige Charakter. Leider ist es bei "Blindspot" mittlerweile Standard, dass die Figuren, die den Protagonisten im Weg stehen, einfach umgebracht werden. Bethany Mayfair (Mir fällt gerade erst auf, dass Kurt seine Tochter nach ihr benannt hat!) musste Platz für Kurts Karriere und Oscar für Kurts Liebe machen, Borden wurde gar nicht erst als "Böser" etabliert, um Roman nicht die Position streitig zu machen und nun kann Patterson wieder die Leitung des Labors übernehmen, weil Stuart aus dem Weg ist. Mal abgesehen davon, dass es immer die Personen trifft, die ich am liebsten mag, ist es auch nicht gerade kreativ, ständig Charaktere umzubringen. Der Schockeffekt ist dabei schon lange verpufft. Um Stuart tut es mir aber wirklich leid. Im Zweifelsfall wiederholen sich die Borden-und-David-Geschichten aus den ersten beiden Staffeln und Patterson wird nun obsessiv daran arbeiten, Stuarts Mörder zu finden und alles andere vergessen. 

4. Romans Nebengeschichte in Sydney

Roman hatte nie Freunde - warum wohl?
Foto: Screenshot
Ich mochte Janes Bruder noch nie und finde es wirklich schade, dass er Shepherd als "böser Endgegner" ersetzt. Sie hatte diese ganz besondere Eigenschaft, grausam, hochintelligent und durchtrieben zu sein, aber dennoch nett und mütterlich auftreten zu können, wie ein Wolf im Schafspelz. Roman wirkt weder so furchteinflössend wie sie, noch kann er sich so überzeugend freundlich stellen. In dieser Folge ist er in Sydney und schließt Freundschaft mit Tom (Daniel Lissing), der an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Die beiden betrinken sich und erzählen einander ihre Lebensgeschichten bis Roman seinem neuen Kumpel eröffnet, dass er ihm eine Droge verabreicht hat, die einen die Wahrheit sagen lässt, um an sein Geld zu kommen. Lächelnd gesteht er Tom auch, dass er ihn umbringen wird. Hier wirkte der Ex-"Sandstorm"-Terrorist auf mich zum ersten Mal ein wenig böse und psychopathisch. Es macht ihn jedenfalls langweilig, dass der Zuschauer ihn in den meisten Folgen verfolgt und relativ viel über seine Pläne weiß. Shepherd und ihre Terrororganisation waren bis kurz vor Ende der zweiten Staffel von einer "mysteriösen Aura" umgeben, weil man nie viel von ihnen gesehen oder erfahren hat. Ehrlich gesagt interessiert es mich wirklich nicht, was Romans Plan ist oder was er gegen Kurt in der Hand hat. Hoffentlich wird er in den nächsten Folgen noch zu einem besseren, überzeugenderen Bösewicht.

Fazit

"Enemy Bag of Tricks" ist definitiv besser als die Staffelpremiere. Dadurch, dass die Protagonisten alle zusammenarbeiten und wie in früheren Episoden dem Rätsel eines Tattoos auf der Spur sind, ist die Handlung strukturierter und spannender. Zwar spielen die persönlichen Probleme noch eine Rolle, jedoch eine deutlich kleinere als in der ersten Folge, die zudem noch mit knapp einem Dutzend Charakteren heillos überladen war. Dennoch werden die Geheimnisse, das Misstrauen und das Kräftemessen sehr schnell langweilig - hoffentlich sind diese Probleme bald gelöst. Stuarts Tod war definitiv unnötig und wirkte nur wie ein einfallsloses Stilmittel, um einen Schockeffekt zu erzielen und Pattersons Weg zurück ins Labor einfacher zu gestalten. 


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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

It's geting crowded, let's kill someone
Photo: NBC
FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown) put together a task force to solve the mysteries behind Jane Doe's (Jaimie Alexander) new tattoos and stop her brother Roman (Luke Mitchell), who blackmails Kurt Weller (Sullivan Stapleton) and gave him a clue how to decrypt the first tattoo-riddle at the end of the last episode (click here for the review). The hint leads them to a field, where a satellite suddenly crashes. Moments later armed robbers steal the black box. Patterson (Ashley Johnson), Tasha Zapata (Audrey Esparza) and Stuart (Jordan Johnson-Hinds) find out that North Korea is planning a nuclear missile launch. The satellite was one of a hundred belonging to a defense system. If the black box falls into the wrong hands, it could be used to deactivate the protection, leaving the U.S.A. vulnerable to attacks. The team has to stop this from happening and settle its differences.

My opinion in four points

1. The plot

In the second episode there's a case, which everyone is working on - unlike in the season premiere. The characters are still working on their personal problems, like Patterson being jealous of Stuart's Job, Kurt being jealous of Reade's job and Jane being dishonest about her whereabouts during the last months. Still it is noticeable how the joint project is getting everyone together. Therefore the episode seems much more structured than the last, where everyone was doing their own thing. Of course the story about the stolen black box, which could lead to a nuclear war, is not very believable. As always on "Blindspot" there are lots of coincidences, which play into the agents' hands - like Jane knowing the identity and the hiding spot of their main suspect. But this episode and the last two seasons show, that the series is at its best, when all the protagonists are investigating the tattoos together, therefore I don't care much about the cases being implausible.

2. The bitching characters

Patterson (l.) and Stuart have some differences
Photo: NBC
The protagonists' personal problems fit way better and smoother into "Enemy Bag of Tricks" than the last episode, even though they're still a big issue. I hope most of them get resolved fast, because it's going to get boring and annoying watching the investigators fight, distrust and keep secrets from each other. I still think it's weird how distant the team has become in two years - to the extent that no one knows about Reade's girlfriend, even though they live together or what Patterson's hit app is called (Stuart: "(...) when you left to create your 'Elftown' app." Zapata: "Don't do that, Stuart, you know it's called 'Elfville'." Patterson: "Okay, it's called 'Wizardville', you both would know that, it was number one in the app store for seven weeks."). In the last two seasons it was always portrayed as if the five main characters rarely have contact to anyone outside the team and now it seems like they don't really care about each other. It's currently pretty hard to find them sympathetic. Especially Patterson really bugged me this episode. Usually she is my favorite character, but her current bitching and nagging at Stuart is just annoying and totally unnecessary, because he gives her free rein, even though it's his lab now.

3. Assassination of Stuart

At least one of my wishes for the third season came true - Stuart being back. What happens? First he is being bullied by Patterson and later shot. Great! Right now he was really the only sympathetic and kindhearted character. Sadly it seems to be the "Blindspot's" standard to kill off the people standing in the protagonists' ways. Bethany Mayfair (I just realized Kurt named his daughter after her!) had to make way for Kurt's career and Oscar for Kurt's love, Borden wasn't really introduced as a "bad guy", so he wouldn't challenge Roman for his position and now Patterson is in full control of the lab again, because Stuart is out of the way. Apart from them always killing of the characters I like the most, it is not very creative. The shock effect is long gone. But I feel really bad for Stuart. They'll probably reuse the Borden-and-David-story lines from the first two seasons and Patterson will obsessively focus on finding Stuart's murderer while forgetting about everything else.

4. Roman's subplot in Sydney

Roman never had any friends - I wonder why?
Photo: Screenshot
I never really liked Jane's brother, so I think it's pretty sad he replaces Shepherd as "evil final enemy". She had the really cool feature, that she was cruel, highly intelligent and cunning, but also managed to seem nice and motherly, a wolf in sheep's clothing. Roman is not as scary as her neither he is persuasive as a friendly person. In this episode he is in Sydney and befriends Tom (Daniel Lissing), who has a posttraumatic stress disorder. They have a few drinks and tell each other their stories until Roman informs his new buddy he gave him a drug, which makes him tell the truth in order to steal his money. With a smile on his face he reveals, he's also going to kill Tom. For the first time the ex "Sandstorm" terrorist seemed a little evil and psychopathic. The fact, that the viewer always follows him around and knows a lot about his plans, is pretty boring. Shepherd and her organization were surrounded by a "mysterious aura" until almost the end of the second season, because you never saw and knew much about them. I have to admit: I don't care what Roman's plan is an what kind of leverage he has against Kurt. I really hope he becomes a better, more convincing villain in the next episodes

Conclusion

"Enemy Bag of Tricks" is definitely better than the season premiere. The plot is more structured and exciting, because all the protagonists work together and solve the tattoo-puzzles like before. The personal problems are still relevant, but less than in the first episode, which was also cluttered with about a dozen characters. Still the secrets, the distrust and the fights are getting very boring - I hope they'll be resolved fast. Stuart's death was definetly unnecessary and felt like a unimaginative stylistic device to create a shock effect and make Patterson's way back into the lab easier.


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