Donnerstag, 14. September 2017

Katrins Top 50 Disney Songs [D/E]

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German

Die Musik von "Disney" ist unglaublich vielfältig
Quelle: Walt Disney Company
Kaum etwas hat mich so geprägt wie "Disney". Aus diesem Grund geht es im heutigen Post um das, was die meisten klassischen Disneyfilme ausmacht: Die Musik. Ich bin alle Soundtracks durchgegangen und habe meine persönlichen Top 50 Lieder rausgesucht. Es ist allerdings keine Standard-"Watch.Read.List.", da ich meine Reihenfolge hier nicht begründen werde. Diese Liste soll einfach jedem, der sie anklickt, Freude bereiten. Aus diesem Grund: Keine langen Reden, sondern die jeweiligen Musikvideos, damit ihr mithören und die Magie von "Disney" erleben könnt.
Zur Info: Es kommen nur "klassische" Disney-Kinderfilme und Disney/Pixar Filme vor (also kein "Fluch der Karibik" oder ähnliches), ausschließlich Lieder, in denen gesungen wird und die für den jeweiligen Streifen geschrieben wurden (außer "Try Everything", das MUSSTE einfach rein). Ich habe immer die englische Version genommen, da sie in fast allen Fällen besser klingt als die deutsche Übersetzung.
Viel Spaß beim Hören! 

English

There is basically nothing that has shaped me as much as "Disney" has. Therefore today's post is about one of the most important part of classical "Disney" movies: The music. I went through all soundtracks and put together my personal top 50 songs. This is not a usual "Watch.Read.List.", because I am not going to justify my order this time. This list is just supposed to make everyone happy. For that reason: No long explanations, instead I will post the music videos, so you can listen and experience the magic of "Disney" yourself.
For your information: I just considered "classic" "Disney" kids movies and Disney/Pixar movies (so no "Pirates of the Caribbean" and such), just songs with singing in them and which were made for the film (except for "Try Everything", that HAD to be included).) All Songs are in English.
Have fun listening! 

50. Bella Notte - Susi & Strolch



49. He Mele No Lilo - Lilo & Stitch



48. Step In Time - Mary Poppins



47. We Are One - Der König der Löwen 2



46. Chim Chim Cher-ee - Mary Poppins



45. I See The Light - Rapunzel



44. Why Should I Worry - Oliver & Co.



43. Hakuna Matata - Der König der Löwen



42. On My Way - Bärenbrüder



41. Dig A Little Deeper - Küss den Frosch



40. Love Is An Open Door - Die Eiskönigin



39. Eye To Eye - A Goofy Movie



38. Dig A Tunnel - Der König der Löwen 1 1/2



37. Virgina Company - Pocahontas



36. When Somebody Loved Me - Toy Story 2



35. I'm Still Here - Der Schatzplanet



34. Beauty And The Beast - Die Schöne und das Biest



33. Look Through My Eyes - Bärenbrüder



32. Someday - Der Glöckner von Notre Dame 

(Musical version, as the song is only in the end credits of the movie)


31. Superfragilisticexpialidocious - Mary Poppins



30. Steady As The Beating Drum - Pocahontas



29. The Bells Of Notre Dame - Der Glöckner von Notre Dame



28. I Just Can't Wait To Be King - Der König der Löwen



27. He Lives In You - Der König der Löwen 2



26. Know Who You Are - Vaiana



25. Ever Ever After - Verwünscht



24. First Time in Forever - Die Eiskönigin



23. Son Of Man - Tarzan



22. When Will My Life Begin - Rapunzel



21. A Whole New World - Aladdin



20. Part Of Your World - Arielle, die Meerjungfrau



19. Vuelie - Die Eiskönigin



18. Feed The Birds - Mary Poppins



17. How Far I'll Go - Vaiana



16. Go The Distance - Hercules



15. So Close - Verwünscht



14. Can You Feel The Love Tonight - Der König der Löwen




13. Colors Of The Wind - Pocahontas



12. Touch The Sky - Merida



11. Great Spirits - Bärenbrüder



10. Not One Of Us - Der König der Löwen 2



09. I'll Make A Man Out Of You - Mulan



08. I Am Vaiana - Vaiana



07. Transformation - Bärenbrüder



06. Let It Go - Die Eiskönigin

(This video alone has 1.1 billion views on YouTube; the end credits version by Demi Lovato currently has another 531 million)


05. We Know The Way - Vaiana



04. Try Everything - Zoomania



03. You'll Be In My Heart - Tarzan



02. Two Worlds - Tarzan






Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr schon wisst, welches mein "Disney" Lieblingslied ist!

I'm pretty sure you can guess what my favorite "Disney" song is! 





01. Circle Of Life - Der König der Löwen



Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Hören meiner Top 50 "Disney"-Songs. Welche mögt ihr am liebsten?

Ich überlege noch mehr Soundtrack-Listen zusammenzustellen. Folgt uns auf Facebook, Twitter und Instagram, um deren Veröffentlichung nicht zu verpassen. Alle bisherigen Posts zum Thema "Disney" findet ihr hier ("Marvel", Musicals, "Disney Channel" TV-Shows und mehr).


I hope you had fun listening to my top 50 "Disney" songs. What are your favorites?

I plan to create more soundtrack lists. Follow us on Facebook, Twitter and Instagram to be notified when they are published. Click here for all our English posts and here for everything related to "Disney" ("Marvel", musicals, "Disney Channel" tv shows and more).


Mittwoch, 13. September 2017

Netflix Original Filme - Kurzrezensionen

Mittlerweile gibt es nicht nur Filme, die für Kino und Fernsehen produziert werden. Der Streaming-Anbieter "Netflix" hat vor einigen Jahren ebenfalls damit begonnen, Eigenproduktionen zu veröffentlichen. Somit beschränkt sich das Angebot nicht nur auf Serien, die als "Netflix Original" gekennzeichnet sind. In früheren Posts haben wir schon "Okja", das Drama "To the Bone" und die Dokumentation "Casting JonBenet" vorgestellt. Außerdem gibt es einen Beitrag zur "Death Note"-Adaption, die leider eine ziemliche Enttäuschung war. Das ist aber noch lange nicht alles, was "Netflix" in diesem Bereich zu bieten hat. Im folgenden Post werde ich daher drei weitere Filme rezensieren. 


Little Evil

Wenn Blicke töten könnten...
Foto: Netflix
Der Immobilienmakler Gary Bloom (Adam Scott) ist seit kurzem mit Samantha (Evangeline Lilly) verheiratet, was ihn gleichzeitig zum Stiefvater ihres Sohnes Lucas (Owen Atlas) macht. Alles könnte perfekt sein, doch er findet einfach keinen Zugang zu dem Fünfjährigen, der ihm nur mit Schweigen und (sehr!) bösen Blicken begegnet. Letztendlich endet er sogar in einer Therapiegruppe für überforderte Stiefväter. Als sich merkwürdige Ereignisse häufen und er erfährt, dass die Samanthas vorherige Freunde auf grausame Weisen ums Leben gekommen sind, stößt der Immobilienmakler auf eine unglaubliche Theorie: Lucas ist der Antichrist. Gary soll ihn töten, um die Apokalypse zu verhindern. 
Zuerst einmal finde ich die Idee genial, die Grundlage des Horrorfilmklassikers "Das Omen" zu nehmen, um eine Horrorkomödie daraus zu machen. Mich hat dieser Film durchweg gut unterhalten. Vor allem der Humor war nicht zu albern oder aufdringlich, sondern wurde immer in den richtigen Momenten eingesetzt. Besonders witzig waren die Szenen zwischen Gary und Lucas, die Horrorfilm-Flair hatten, aber nie zu gruselig wurden. Hierbei müssen die Zuschauer generell keine Angst haben, ständig erschreckt zu werden. Der Fokus liegt stärker auf dem Humor als dem Horror. Die wenigen "Erschrecker" sind recht klassisch: In einer Szene geht Samanthas Ehemann nachts in die dunkle Küche, schaltet das Licht an, geht zum Kühlschrank. Beim Schließen der Tür sieht er plötzlich Lucas malend auf dem Tisch sitzen. Er saß demnach die ganze Zeit in völliger Dunkelheit dort. Der Junge starrt ihn nur schweigend an. Die Zuschauer können Garys Unwohlsein und Verwirrung gut mitverfolgen, während er langsam an seinem Stiefsohn vorbeiläuft. Er fragt leicht perplex, ob er das Licht wieder ausschalten solle, was Lucas mit einem Nicken bejaht. Diese Szene beginnt mit unheimlicher Stimmung, wird durch die bizarre Interaktion zwischen ihnen aber immer komischer. Ich musste daher in vielen dieser Situationen lachen, was definitiv für diese Horrorkomödie spricht.
Ich war ebenfalls sehr überrascht, wie gut Owen Atlas die Rolle des bösen Kindes rübergebracht hat. Sein teuflischer Blick war genial, gleichzeitig hat er in anderen Szenen gezeigt, wie süß er schauspielern kann. Hier haben die Filmemacher eine wirklich tolle Besetzung für die Figur gefunden. Die Therapiegruppe der überforderten Stiefväter hat ebenfalls für einige unterhaltsame Momente gesorgt. Wie einige ihre eigenen Horrorgeschichten über ihre schrecklichen Stiefkinder erzählen, war einfach nur lustig. Genauso genial fand ich, wie sie Gary letztendlich bei seiner Mission zur Seite standen. Was mir zum Ende hin besonders gut gefallen hat, war die überraschende Wendung genauso wie der darauffolgende Showdown. Der hatte genau die richtige Mischung aus Spannung und Witz. Wer Lust auf einen kurzweiligen Film mit gutem Humor sowie einer etwas ausgefalleneren Geschichte hat, sollte "Little Evil" definitiv eine Chance geben.


The Incredible Jessica James

Cool und selbstbewusst: Jessica James
Foto: Netflix
Karriere und Liebe, das sind zwei Dinge im Leben der 25-jährigen Jessica James (Jessica Williams), die nicht recht klappen wollen. Mit den Absageschreiben für ihre Theaterstücke hat sie schon ihre halbe Wand tapeziert. Zu allem Überfluss muss sie auch noch die Trennung von ihrem Ex-Freund Damon (Keith Stanfield; spielt übrigens L in "Death Note") überwinden. Dann überredet ihre Freundin Tasha (Noël Wells) sie zu einem Blind Date mit ihrem Bekannten Boone (Chris O'Dowd). Nach einem eher holprigen ersten Date, bahnt sich zwischen ihnen langsam etwas an. Auch ihren Traum vom Theater verfolgt Jessica weiterhin mit Mut und Leidenschaft.
"The Incredible Jessica James" wird als romantische Komödie bezeichnet. Die Zuschauer müssen hier aber keine Angst haben, einen klischeebeladenen Film zu sehen. Überzeugt hat mich diese Produktion vor allem durch die starke Protagonistin. Jessica ist eine super coole, charmante Frau, die sehr lebensecht wirkt. Ihre direkte und ehrliche Art ("Honesty is like the only thing that matters to me.") ist eine tolle Abwechslung zu Protagonistinnen anderer Liebeskomödien, sodass ich ihre Geschichte gerne verfolgt habe.  Egal ob bei ihrer Suche nach der Liebe, dem Streben nach Erfolg oder dem Familienwahnsinn. Hier wird das ganz normale Leben einer jungen Frau auf eine unheimlich erfrischende Art dargestellt. "Jessica James" wird außerdem durch die peppige, beschwingte Musikauswahl zu einem runden Erlebnis. Die Songs passen immer richtig gut in die jeweiligen Situationen. Als Zuschauer nimmt man sie außerdem wirklich bewusst wahr, weil sie nicht nur als Hintergrundmusik laufen.
Schön ist hier außerdem, dass der Fokus nicht ausschließlich auf der Liebesgeschichte liegt. Es gibt ebenfalls Szenen, die Jessicas Leidenschaft rund um das Theater behandeln. Die junge Frau bringt Kindern das Schreiben und Produzieren eigener Stücke bei. Die Interaktion zwischen ihr und den jungen Schülern war nicht nur unterhaltsam, sondern teilweise wirklich emotional. Toll dargestellt war auch der Umgang mit einem Beziehungsende. Sowohl Jessicas als auch Boones Verarbeitung ihrer jeweiligen Trennung wird auf eine ehrliche, glaubwürdige Weise dargestellt ohne kitschig oder dramatisch zu wirken. Auch ihre Liebesgeschichte wirkt realitätsnah, weil sie nicht überstürzt dargestellt wird. Stattdessen sehen die Zuschauer, wie sich beide nach dem eher chaotischen ersten Date langsam anfreunden und darauf aufbauen. Im Film passiert nicht unglaublich viel, trotzdem zeigt er eine erfrischende Geschichte mit sympathischen Charakteren. Passend für einen entspannten Filmabend auf der Couch.


#realityhigh

v.l.: Alexa, Dani und Cameron
Foto: Netflix
Vor einigen Jahren wurde Dani Barnes (Nesta Cooper, Travelers) von ihrer besten Freundin Alexa Medina (Alicia Sanz) im Sommercamp mit einem fiesen Scherz vor allen Leuten blamiert. Heute ist die Highschool Schülerin eine Außenseiterin, während ihre Ex-BFF als Social Media Star mit eigener Show Karriere macht. Das ändert sich jedoch, als Dani ihren Schwarm, den Schwimm-Champion Cameron (Keith Powers), näher kennenlernt. Der ist eigentlich mit Alexa zusammen. Als die jedoch mit ihm Schluss macht, bahnt sich zwischen ihnen etwas an. Zuerst blind vor Eifersucht, möchte Alexa nun Danis Freundschaft zurückgewinnen. Plötzlich ist sie beliebt und angesagt, doch ist das wirklich alles, was zählt?
Hier reiht sich tatsächlich Klischee an Klischee. Unbeliebtes Mädchen wird plötzlich beliebt, ist mit dem heißesten Typen zusammen, vergisst, wer ihre wahren Freunde sind und verrät sich selbst. Das ändert sich natürlich, als sie merkt, dass Beliebtsein nicht wichtig ist und man zu sich selbst stehen sollte. Der gesamte Film ist vollkommen vorhersehbar, es gibt keine einzige Überraschung, keine einzige neue Idee. Besonders genervt war ich von dem typischen besten Freund, Freddie Myers (Jake Borelli), der heimlich auf Dani steht. Ein weiteres verhasstes Klischee: Der Schwarm ist erfolgreicher Sportler, hat allerdings andere Zukunftspläne, doch sein Vater hat etwas dagegen. Außerdem ist der Typ der Ansicht, "genug heiße Mädchen" gedatet zu haben und möchte eine Freundin, die "mehr ist als nur heiß" - sympathisch. Generell benehmen sich die meisten Charaktere eher so, als wären sie schon im College. Wäre vielleicht passender gewesen, wenn man sich mal das Alter der Schauspieler anschaut – jeder von ihnen ist weit über 20.
Zu Beginn hatte ich noch Hoffnung, dass die Geschichte der Protagonistin nicht nach dem typischen Schema abläuft und ihr Charakter mal etwas ausgefallener oder tiefgründiger ist. Leider wurde ich schnell enttäuscht. Wirklich schade, hier hätte man doch mehr draus machen können. Besonders traurig: Dani will Tierärztin werden. Sie hat sogar ein wichtiges Gespräch für ein Stipendium, das sie brillant meistert. Doch das ist vollkommen irrelevant, als Cameron sie auf ein Date einlädt. Weil es natürlich viel wichtiger ist, einen heißen Freund zu haben. Träume? Lebensziele? Wen interessiert's! Ich fand es zudem schade, dass die negativen Aspekte von Social Media kaum thematisiert wurden. Da hätte ich mir doch eine klarere Message gewünscht, dass Followerzahlen und digitaler Fame nicht alles sind. Wer einen guten Film für zwischendurch sucht, der eine ausgefallenere Handlung oder interessantere Charaktere hat, sollte lieber zu den vorherigen zwei greifen. "#realityhigh" ist keine Empfehlung, die Zeit kann man für sinnvollere Dinge nutzen.


Ja, Social Media ist definitiv nicht alles im Leben. Wir freuen uns aber trotzdem, wenn ihr uns auf Twitter, Facebook und Instagram folgt. Dort informieren wir euch immer über neue Posts. 
Alle Beiträge zum Thema Film findet ihr hier.


Sonntag, 10. September 2017

Tatort: Stau - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.


Das zerstrittene Ehepaar, die alleinerziehende Mutter mit keifender Tochter auf dem Rücksitz, der von seinem Chef im Feierabend als Kurier missbrauchte Arbeitnehmer... Alle haben eins gemeinsam: Sie stehen wegen eines Wasserrohrbruchs im Stau auf der Stuttgarter Weinsteige. Einer von ihnen hat kurz zuvor ein 14-jähriges Mädchen totgefahren. Doch wer von ihnen war es? Das müssen die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) herausfinden. Während Lannert im Stau von Auto zu Auto geht und die zunehmend genervten Fahrer verhört, ermittelt sein Kollege rund um den Unfallort. Sie müssen sich beeilen, denn sobald die Autos wieder fahren, ist ihr Täter über alle Berge. Leider ist der einzige Zeuge erst drei Jahre alt.

Innovativ und richtig spannend

So sieht es im fertigen Film aus...
Foto: SWR
In den letzten Jahren hat der "Tatort" viele Experimente gewagt, wie beispielsweise den improvisierten Ludwigshafener Fall "Babbeldasch" oder den Wiesbadener Meta-Krimi "Wer bin ich?". Ich finde es toll, wenn vom üblichen "Klischee-Krimi" abgewichen wird, war allerdings meistens enttäuscht vom Ergebnis. Diesmal nicht. Die Idee hinter "Stau" ist so simpel wie genial: Die Ermittler wissen, dass es vom Unfallort weg nur eine einzige befahrbare Straße gibt und die ist derzeit abgesperrt. Durch Zeugen können sie die Verdächtigen auf einige Autos eingrenzen. Von dort an gibt es nur noch zwei Schauplätze: Bootz, der am Unfallort herauszufinden versucht, was sein dreijähriger Zeuge Luis weiß und Lannert, der mit einigen Streifenpolizisten die Autos im Stau abklappert. Ein spannendes Kammerspiel, das mich bis kurz vor Ende gefesselt hat. Dabei konzentriert sich Daniel Bickermann, der gemeinsam mit Regisseur Dietrich Brüggemann das Drehbuch schrieb, auf die einzelnen Charaktere, ohne ihre privaten Probleme zu detailliert darzustellen. Das macht den Reiz des Krimis aus. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe unterschiedlicher Menschen, die nur deshalb unter Verdacht geraten, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort im Stau stehen. Je länger es kein Vorwärtskommen gibt, desto erhitzter werden die Gemüter. 
... und so beim Dreh in einer Lagerhalle
Foto: SWR/Alexander Kluge
Besonders spannend ist hier die Tatsache, dass die Weinsteige in einer Freiburger Halle nachgebaut wurde - 80 Meter Straße und dahinter ein Blue Screen. Die flackernden Lichter Stuttgarts und die Wetterbedingungen wirken sehr realistisch. Es fällt tatsächlich nicht auf, dass beide durch Effekte entstanden sind. Doch nicht nur die Szenen im Stau sind interessant. Auch Bootz' relativ normale Ermittlungen am Tatort unterhalten. Das liegt vor allem an seiner guten Chemie mit Luis' Mutter Sophie Kauert (Amelie Kiefer). Mit Engelsgeduld versuchen die beiden dem Dreijährigen eine brauchbare Zeugenaussage zu entlocken. Die Sequenz, in der Kauert auf die Eltern der toten Gudrun (Lannert: "Wer nennt sein Kind heute noch 'Gudrun'?" - Anm. d. Red.: Habe ich auch direkt gedacht!) trifft, sind berührend. Ihr kleiner Sohn fragt, wieso die Frau traurig ist und sie antwortet ihm ehrlich und kindgerecht, während sie nebenbei versucht die fremde Mutter zu trösten. Ein großes Lob vor allem an den kleinen Jungen, der Luis darstellt! Für ein Kind, das gerade mal so sprechen kann, hat er überraschend viele Textzeilen, die er (süß!) rüberbringt, ohne, dass sie aufgesagt klingen.


Charaktere top, Auflösung flop

Miris (Mitte) treibt ihre Mama in den Wahnsinn
Foto: SWR/Alexander Kluge
An den Nebenpersonen habe ich nichts auszusetzen. Sie alle wirken sehr realitätsnah und decken ein breites Spektrum an Altersklassen und Lebensumständen ab. Vermutlich wird sich jeder Zuschauer mit einer der im Stau stehenden Figuren identifizieren können und kennt die anderen Typen aus seinem nahen Umfeld. Mir hat besonders gefallen, dass alle Autos ihren eigenen Soundtrack haben. Als sie in den Stau fahren, spielt in jedem Fahrzeug ein anderes Lied, die sich vom Stil her deutlich unterscheiden. So kann man die vielen Gesichter auch akustisch zuordnen. Das hat mich an den aktuellen Kinofilm "Baby Driver" erinnert. Nur, dass in diesem Fall die Musik nicht zum Fahrstil, sondern zum Charakter der Insassen passt. So nervt die kleine Miris (Anastasia C. Zander) alle anderen, indem sie dasselbe Lied in Endlosschleife hört. Die Alternative wäre jedoch, dass sie begeistert die furchtbaren Todesqualen aufzählt, die die nur wenige Jahre ältere Gudrun vermutlich durchleben musste: "Vielleicht ist sie 50 Meter weit geflogen und dann von einem Verkehrsschild aufgespießt worden! Oder das Auto ist ihr über den Kopf drübergefahren und dann kam das Gehirn raus. Da war dann nur noch Brei übrig." Ja, sympathisch sind die Charaktere bei Weitem nicht alle, dafür aber lebensecht.

Der einzige Zeuge Luis (l.) ändert seine Aussage ständig
Foto: SWR/Alexander Kluge
Wirklich enttäuscht hat mich an "Stau" nur eins: Das Ende. Erst wenige Sekunden vor dem Abspann erfährt der Zuschauer, wer für den Tod der 14-jährigen Gudrun verantwortlich ist. Also vermutlich, denn für ein Geständnis oder eine Erklärung scheint keine Zeit mehr gewesen zu sein. So bleiben nach diesem "Tatort" noch eine Menge Fragen. Leider ist es nämlich ohne Auflösung nicht wirklich schlüssig, wie der Unfall geschehen sein soll. Im Laufe des Falls zieht Lannert einige Schlüsse, um den Kreis der Verdächtigen zu verkleinern. Der letztendliche Täter will aber so gar nicht in die Ergebnisse der Ermittlung passen. Besonders ärgerlich ist die Tatsache, dass der Zuschauer nicht einmal erfährt, wie der Kommissar den Fall schließlich gelöst hat. Nachdem sein Hauptverdächtiger ihm glaubhaft erklären konnte, dass er nicht Schuld ist, setzt sich Lannert einfach zu einem anderen ins Auto und erzählt der Person lediglich, wie qualvoll Gudruns Tod gewesen sein muss. Er gibt keinen einzigen Hinweis, wieso er an die Täterschaft dieses Fahrers glaubt. Nach einem so spannenden und kreativen Fall, hat mich dieses lieblose, unlogische und überstürzte Ende wirklich enttäuscht. Auch bei Bootz hat mich eine Sache gestört: Er bekommt ständig Anrufe, weil irgendein Zeuge eines anderen Falls unauffindbar ist und er ihn suchen soll. Natürlich ist es realistisch, dass Kriminalbeamte an mehr als einem Fall gleichzeitig arbeiten. Aber hier ist es einfach nur langweilig, da der Zuschauer die Zusammenhänge nicht kennt und nur die Wortfetzen auf Bootz' Seite mitbekommt. Da dieser Fall nicht in einem vorherigen Stuttgarter "Tatort" thematisiert wurde, war es mir auch dementsprechend egal, ob der Zeuge gefunden wird. Die Zeit, die mit dieser völlig aus der Luft gegriffenen Nebenhandlung verschwendet wird, hätte ideal in eine schlüssige Auflösung am Ende investiert werden können.

Fazit

Das interessante und ungewöhnliche Setting eines Staus macht diesen gleichnamigen "Tatort" zu etwas ganz Besonderem. Dennoch werden auch eher konservative Krimigucker nicht enttäuscht werden, da die Ermittlungsarbeit zwar auf einer Straße stattfindet, sich aber ansonsten nur geringfügig vom Standard unterscheidet. So schafft "Stau" den Spagat zwischen Innovation und Tradition. Die Charaktere sind alle realistisch und nachvollziehbar, sodass man sich leicht in ihre Situation hineinversetzen kann. Der vielschichtige Soundtrack und der überzeugende Nachbau der Stuttgarter Weinsteige tragen ebenfalls maßgeblich zu diesem wirklich guten Krimi bei. Leider kann das hohe Niveau nicht bis zum Ende gehalten werden. So ist es weder ersichtlich, wie sich die Tat abgespielt hat, noch wie Lannert den Täter letztendlich identifizieren konnte. 

Ich habe übrigens neulich einen "Tatort"-Pressetermin wegen eines mehrstündigen Staus verpasst und konnte die Frustration der Wartenden in diesem Krimi gut nachvollziehen - obwohl deren "Revolte" schon sehr übertrieben war!


Nächste Woche läuft der Schweizer "Tatort". In "Zwei Leben" müssen die Luzerner Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) den Mord an einem unbekannten Mann aufklären, der von einer Brücke gestoßen wurde.

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Donnerstag, 7. September 2017

Caraval (Stephanie Garber) - Rezension

Stephanie Garbers Roman "Caraval" ist im März 2017 bei "ivi", einem Imprint des Piper Verlags erschienen. Es handelt sich um ein Jugendbuch mit Fantasy-Elementen und hat einen Umfang von 400 Seiten.
Mich hat hier besonders das tolle Cover sofort angesprochen. Auch der Klappentext hörte sich spannend und mysteriös an. Daher habe ich mich auf eine fesselnde Geschichte voller Magie gefreut. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht.

Scarlett Dragma fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt. 


Fremde Welt ohne Substanz

Was ist echt und was nur Illusion?
Foto: Piper Verlag
Die ersten Seiten beginnen recht vielversprechend. Die Leser lernen Scarlett und ihre Schwester kennen. Die Situation auf Trisda ist für beide bedrückend und beängstigend, Caraval wird wie ein Funke Hoffnung dargestellt. Die Protagonistin weiß nicht viel von diesem Spiel, doch es hört sich in ihrer Vorstellung sehr zauberhaft an. Ich war wirklich gespannt, die unbekannte Welt zu erkunden und mehr darüber zu erfahren. Doch leider bleibt eine Einführung aus: Es wird nicht aufgeklärt, wo die Charaktere leben oder wieso ihre Zeit die "Elanastische Dynastie" genannt wird. Es gibt überhaupt keine Hintergrundgeschichte. Dadurch entsteht kein authentisches Grundgerüst des Fantasyromans. Ich habe wirklich nicht verstanden, wieso eine eigene Welt erfindet, ihr aber keine Substanz gibt. 
Auch Caraval bleibt bis zum Ende ein Mysterium. Ich habe es mir vorgestellt wie eine Art Wanderzirkus, nur mit Magie. Dort existieren Läden, eine Taverne, Hotels und eben auch das Spiel. Letztendlich wird aber nicht einmal deutlich, ob dieser Name für den Ort selbst steht oder nur für das Spiel. Die Leser bekommen jedenfalls nur Halberklärungen, die alles und nichts bedeuten können: "Dies ist die großartigste Vorstellung an Land und auf dem Meer. Ihr könnt Magie aus einer Tasse trinken und Träume in Flaschen kaufen. Doch bevor ihr gar in unsere Welt eintaucht, erinnert euch daran, dass alles nur ein Spiel ist." Jeder, den Scarlett nach Informationen fragt, hat entweder genauso wenig Ahnung oder verschweigt sein Wissen. Somit spart sich die Autorin die Arbeit, sinnvolle Erläuterungen zu geben. Leider wird Caraval dadurch nicht wirklich mysteriös oder faszinierend, sondern unglaubwürdig und willkürlich. Jeder Teilnehmer muss verschiedene Rätsel lösen, wer zuerst am "Ziel" ist, bekommt einen Wunsch erfüllt. Schwierig soll es dadurch werden, dass Realität und Täuschung sehr nahe beieinander liegen. Das hört sich erstmal ganz interessant an und hätte sicherlich Potential dazu, ein spannender Wettbewerb zu sein. Gerade der Aspekt, dass man nie weiß, was echt ist, hat mich neugierig gemacht. Leider wurde es einfach nicht so toll umgesetzt, dass es mich gepackt hätte. Die Täuschungen waren oftmals einfach nur Lügen oder Schauspiel. In Caraval gibt es extra dafür dutzende Darsteller, die sehr überzeugende Vorführungen geben. So begegnet Scarlett einem jungen Mann, der nur im Spiel auftaucht, um sie zu verführen. Ich hatte gehofft, dass die Illusionen spektakulärer und magischer erscheinen. Zusätzlich hat der Wettstreit vollkommen gefehlt. Die Leser verfolgen Scarlett dabei, wie sie die Rätsel ohne wirkliches Zutun errät. Die Hauptfigur muss sich dabei nicht einmal gegen die anderen Mitspieler durchsetzen. Sie errät beispielsweise den ersten Hinweis, der sie zu einem Palast führt, sekundenschnell und nur durch einen Zufall. An diesem Ort angelangt ist außer ihr und Julian niemand anderes, der ihnen Konkurrenz machen könnte. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Lösungen die Protagonistin dem Ziel nicht näher gebracht haben. Alles wirkte einfach nur vollkommen willkürlich und hatte für mich keinen tieferen Sinn. Die Geschichte hat sich dadurch im Kreis gedreht ohne voranzugehen. So kam überhaupt keine Spannung auf. Am Ende gibt es tatsächlich Erklärungen zu den meisten Ereignissen, nur leider sorgen die dafür, dass man vom eigentlichen Spiel Caraval quasi fast genauso wenig weiß wie am Anfang. Ein weiteres Problem: Auch wenn es viele Täuschungen gibt, scheint Magie hier tatsächlich zu existieren. Doch die folgt keinen Regeln und taucht immer passend zu jeweiligen Situationen auf. Durch dieses beliebige Einsetzen, kann alles möglich sein, womit es sich die Autorin ziemlich einfach gemacht hat. 

Flache Charaktere und kitschige Liebesgeschichte

Die Welt konnte mich nicht mitreißen, doch wie sieht das bei den Charakteren aus? Leider nicht viel besser. Die Protagonistin Scarlett bleibt sehr eindimensional und hat keine Ecken und Kanten. Ich finde es rückblickend sehr lustig, dass auf der Rückseite des Buchs steht, ihre Figur würde von der Insel Trisda fliehen. Das impliziert, die junge Frau würde aktiv ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. In Wahrheit wird sie gegen ihren Willen mitgenommen, weil sie selbst zu viel Angst hat, vor ihrem Vater zu flüchten und Caraval aufzusuchen. Während der gesamten Geschichte gibt es kaum Situationen, in denen Scarlett eigenständige Entscheidungen trifft. Entweder macht sie das, was andere ihr sagen oder wird in Gefahrensituationen von anderen gerettet. Angeblich will die Protagonistin auch alles dafür tun, um ihre entführte Schwester wiederzufinden. Davon wird zwar immer wieder gesprochen, doch ihre Handlungen unterstützen diese Worte überhaupt nicht. Scarlett scheint sich deutlich mehr darum zu sorgen, rechtzeitig zu ihrer Hochzeit zurück auf Trisda zu sein. Außerdem landen ihre Gedanken ständig bei Julian: Kann sie ihm trauen oder nicht? Ist er ein Lügner? Empfindet sie am Ende doch mehr für ihn? Das alles ist ermüdend und so ziemlich das, was man in vielen anderen Jugendbüchern findet. Scarlett sticht da in keiner Weise heraus. Besonders erstaunt war ich, als Scarlett ihrer Schwester vorwirft, dass man sich in niemanden verlieben kann, den man kaum kennt. Die Protagonistin selbst hat sich aber in weniger als fünf Tagen unsterblich in ihren mysteriösen Begleiter verliebt. 
Julian ist keinen Deut besser. Er entspricht ebenfalls einem typischen Klischee aus "Young Adult"-Romanen : Ein Kerl mit dunklen Geheimnissen, der auf Bad Boy macht, aber in Wahrheit ja ganz anders ist. Natürlich stellt er das Leben der Protagonistin ganz schnell über sein eigenes, weil er sie so sehr liebt. Mehr Tiefe bekommt seine Figur nicht. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist passenderweise genauso oberflächlich: Anfangs können sich beide nicht ausstehen, doch dann zeigt er immer offensichtlicher Interesse. Auf einmal ist sich Scarlett über ihre Gefühle unklar und im nächsten Moment auch schon voll in ihn verschossen. Und Julian begehrt sie natürlich, weil sie anders ist als andere Mädchen - der Klassiker. Das alles passiert in weniger als fünf Tagen – geht es noch unrealistischer oder kitschiger? Ein Beispiel: "Sie hatte geglaubt, sich in ihn zu verlieben wäre so, als würde man sich in die Dunkelheit verlieben, doch jetzt glich er für sie eher einer Sternennacht." Als Leser ist es zudem schwierig, die großen Gefühle zwischen ihnen in irgendeiner Weise nachzuvollziehen, eben weil alles so gehetzt ist. Letztendlich hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus viel mehr auf dem mysteriösen Spiel liegt und Scarletts Suche nach ihrer Schwester. Die Liebesgeschichte hat mich ziemlich kaltgelassen.

Fazit

Die Idee hinter "Caraval" klang zu Beginn vielversprechend. Leider konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Die fremde Welt wird den Lesern nicht vorgestellt oder erklärt. Somit fehlt der Geschichte ein wichtiges Grundgerüst. Zusätzlich bleibt das Spiel ziemlich vage. Es beinhaltet zudem Magie, die scheinbar keinen Regeln folgt und so eingesetzt wird, wie es gerade passt, um die Handlung voranzubringen. Die Charaktere fallen bei mir aufgrund ihrer fehlenden Vielschichtigkeit sowie den klischeehaften Persönlichkeiten durch. "Caraval" bekommt mindestens einen Folgeband, doch ich werde diese Reihe nicht weiterverfolgen. 

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Dienstag, 5. September 2017

Der Glöckner von Notre Dame (Musical) - Rezension

"Der Glöckner von Notre Dame" war das erste "Disney"-Musical, das seine Premiere nicht in den Vereinigten Staaten feierte. Die Uraufführung fand am 05. Juni 1999 im "Theater am Potsdamer Platz" in Berlin statt, wo es bis Juni 2002 lief. In den letzten Jahren wurde das Stück mehrfach wiederbelebt und unter anderem in San Diego, Tokio und Kopenhagen aufgeführt. Vom 09. April bis zum 04. November 2017 ist "Der Glöckner von Notre Dame" zurück in Berlin - diesmal im "Theater des Westens". Ab dem 12. November wird es im "Deutschen Theater" in München laufen. Nach "Mary Poppins" (hier geht es zur Rezension) ist das nun mein zweites "Disney"-Musical in diesem Jahr.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass sich meine Rezension ausschließlich auf die Vorstellung am 30. August 2017 und deren Besetzung bezieht. Die Bilder im folgenden Post sind offizielle Promofotos und zeigen nicht zwangsläufig die Berliner Produktion oder die Besetzung, die ich gesehen habe.

Anders. Düster. Eindrücklich.

Nach 15 Jahren wieder in Berlin!
Foto: Stage Entertainment
Der "Disney"-Film "Der Glöckner von Notre Dame" basiert auf einem Roman des französischen Autors Victor Hugo. Er erzählt die Geschichte des entstellten Quasimodos, der im Dom Notre Dame lebt und vom herrischen Domprobst Claude Frollo aufgezogen wird. Der junge Mann arbeitet als Glöckner und erträumt sich ein Leben außerhalb der Kirchmauern. Eines Tages wagt er tatsächlich den Schritt nach draußen. Dort er bekommt den Hohn und Spott der Menschen zu spüren, verliebt sich aber auch in die hübsche Zigeunerin Esmeralda. 
Vor dem Glöckner hatte ich bereits fünf andere "Disney"-Musicals gesehen. Bei allen hat sich die Handlung sehr stark an der jeweiligen Filmvorlage orientiert oder war zumindest "Disney-gerecht" modifiziert worden. Hier ist das nicht der Fall. Es gibt einige große Unterschiede. Am deutlichsten merkt man das in den letzten Minuten. Ich finde, "Der Glöckner von Notre Dame" ist für einen "Disney"-Film schon ziemlich düster und zweideutig, aber das Musical toppt beide Aspekte. Am Ende sterben gleich zwei Hauptcharaktere, einer davon erlebt in der Verfilmung ein Happy End und der Tod des anderen wird auf ziemlich drastische Weise dargestellt. Hier hat sich Bühnenautor James Lapine an der Buchvorlage orientiert. Auch Frollos (Felix Martin) Liebe zu Esmeralda (Sarah Bowden) ist deutlich weniger subtil und einige Anspielungen sind für ein "Disney"-Musical sehr direkt (Florika (Kristina Love) zu Frollo: "Ich sehe doch in deinen Augen, dass du es auch willst." (drückt sich an ihn, lacht) "Und ich spüre es auch."). Obwohl "Der Glöckner von Notre Dame" einige brutale Szenen und derbe Sprüche präsentiert, ist das Stück ab 4 Jahren freigegeben - genauso wie "Der König der Löwen". Ich fand es auch sehr befremdlich, dass die Charaktere an den Bühnenrand treten und die Geschichte erzählen, anstelle das bildliche Geschehen für sich sprechen zu lassen.
Einer der selten fröhlichen Momente
Foto: Stage Entertainment
Auch die Musik hebt den Glöckner von anderen "Disney"-Musicals ab. Während sich in den meisten Stücken fröhliche Ensemble-Nummern und dramatische Solos abwechseln, ist auch hier die Stimmung deutlich gedämpfter. Dasselbe gilt für den Film. Ansteckende Rhythmen, die zum Mitsingen und Mittanzen einladen, gibt es bei beiden nicht. Stattdessen finden sich viele berührende Lieder wie Esmeraldas musikalischer Appell an Gott "Hilf den Verstoß'nen". Außergewöhnlich finde ich - im Hinblick auf die oft kritisierten Personalsparmaßnahmen der "Stage Entertainment GmbH" - dass ein 24-köpfiger Chor der "Choral Society Berlin" die gesamte Zeit über im Bühnenbild sitzt und einige Ensemble-Stücke begleitet. Besonders beeindruckend ist das Intro "Die Glocken Notre Dames", das schon im Film mein Lieblingsstück ist. Die Stimmen des Chors und des Musicalensembles verschmelzen zu einem eindrücklichen Gesang, der beinahe genauso imposant klingt wie die Glocken der berühmten Kirche. Ich bekomme schon eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Dasselbe gilt für das Lied "Einmal", das mit seiner Anti-Krieg-Botschaft ("Einmal nach tausend Kriegen, nach Blut und Tränen, lernen wir doch. Dann wird man leben statt hassen und leben lassen.") zeigt: Die Geschichte spielt zwar im 15. Jahrhundert, doch wir haben leider auch heute, knapp 600 Jahre später, noch dieselben gesellschaftlichen Probleme. 

Beunruhigend. Wahr. Offen.

Frollo sieht in Esmeralda die verkörperte Sünde
Foto: Stage Entertainment
Die Aktualität ist an einigen Stellen fast schon beängstigend. Die hitzigen Monologe des Kirchenmannes Frollo, in denen er die Zigeuner und ihren Lebensstil verteufelt, könnten fast zu 100% einer AfD-Rede entnommen worden sein. Diese Abneigung gegenüber allem Fremden, das dennoch eine fast magische, verbotene Anziehung hat, wird von Felix Martin als Frollo fantastisch dargestellt. Man möchte ihn würgen, man möchte seine Hand von Esmeraldas Arm schlagen und man will ihm ordentlich die Meinung sagen. Martin verleiht der Rolle sowohl Charisma als auch Wahnsinn, das macht sie so beunruhigend realistisch. David Jakobs als Quasimodo bleibt ebenfalls nachdrücklich im Gedächtnis. Ich habe mich gefragt, ob er nicht furchtbare Rückenschmerzen haben muss. Denn in seiner Rolle geht er ständig gebückt und trägt in dieser Haltung sogar Esmeralda. Weiterhin hat Jakobs eine angenehm klare Musical-Stimme, die sich deutlich von der nuschelnden Sprechweise des Quasimodo absetzt. Es scheint fast so, als würde ihm die Musik eine neue Stimme geben. Noch interessanter finde ich allerdings die Umsetzung des Musicals in Sacramento (Kalifornien) letztes Jahr: Dort ist Quasimodo durch die lauten Schläge der Glocken ertaubt und wird von dem gehörlosen Schauspieler John McGinty verkörpert, der mit Gebärdensprache kommuniziert. Die Gesangsparts des Glöckners übernimmt ein Ensemblemitglied. In der Berliner Version wird diese Thematik zum Teil angerissen, in dem sich Quasimodo kurz durch Zeichen verständigt.
Alle Szenen spielen in derselben Kulisse
Foto: Stage Entertainment
Es gibt noch einen Aspekt, durch den sich "Der Glöckner von Notre Dame" deutlich von anderen Musicals abhebt: Das Design. Während andere Stücke, besonders aus den Produktionshäusern "Disney" und "Stage Entertainment", opulente Bühnenbilder und aufwendige Kostüme bieten, wurde hier ein völlig anderer Ansatz gewählt. Es gibt nur eine Kulisse, die durch verschiedene Requisiten in unterschiedliche Orte verwandelt wird. Die Umbauten werden dabei nicht von beinah unsichtbaren Stagehands oder technischen Mechanismen durchgeführt, sondern von den Darstellern selbst. Sie schieben Treppen in die Mitte der Bühne, bauen ein Zelt auf oder tragen Bänke hin und her. Bei großen deutschen Musicalproduktionen habe ich so etwas selten gesehen. Was ich noch nie erlebt habe, ist das Umziehen im Sichtfeld der Zuschauer. So betritt beispielsweise Quasimodo bei seinem ersten Auftritt aufrecht die Bühne und wird vor den Augen aller mit Buckel und Schminke versehen. Das live Umbauen hat mir gut gefallen. Man kann so gut nachvollziehen, wie viel Arbeit in einer Produktion steckt und wie viel der Zuschauer davon häufig nicht sieht. Außerdem passt es zu dem rustikalen Setting. Quasimodos Verwandlung hingegen mochte ich nicht. Es hat die Ernsthaftigkeit aus der Geschichte genommen ihn zu Beginn und auch in der letzten Szene ohne Buckel zu sehen. Weiterhin fand ich sein "entstelltes" Gesicht unpassend. Die schwarzen Streifen, aus mehr besteht die "Maske" nicht, sahen eher aus wie Kriegsbemalung. Das wirkte sehr lieblos und deplatziert.

Fazit

"Der Glöckner von Notre Dame" ist sowohl für "Disney"- als auch für "Stage Entertainment"-Verhältnisse ein ungewöhnliches Musical. Das Bühnenbild ist eher karg, Umbauten passieren nicht geräuschlos im Hintergrund und die Erzählweise ist erstaunlich direkt. Dennoch ist es ein empfehlenswertes Stück, vor allem wegen der Musik. Die fantastischen Chorstücke bereiten Gänsehaut und der gesamte Berliner Cast spielt berührend. Das Musical ist noch einmal deutlich düsterer als der Film und hebt sich damit klar von vergleichbaren Stücken ab. So ist es vielleicht eine ideale Produktion, um skeptische Erwachsene in den Bann der "Disney"-Musicals zu ziehen.


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Für alle Interessierten, hier noch der Trailer:

                                

Sonntag, 3. September 2017

The Mist (Serie) - Watch.Read.Discuss. [D/E]

The following discussion of the "Netflix" TV show "The Mist" is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -


Wir (Laura und Katrin) waren ziemlich gespannt auf die neue "Netflix"-Serie "The Mist" ("Der Nebel"). Während des Binge Watchings haben wir uns immer wieder ausgetauscht und generell ziemlich viel über die Sendung gesprochen. Also ein perfektes Thema für unsere Reihe "Watch.Read.Discuss.", in der wir Autoren einige Fragen zum selben Medium diskutieren (die bisherigen Beiträge - zu "Doctor Strange", "Wonder Woman" und den Serien unserer Kindheit - findet ihr hier).

Im Nebel wartet das Grauen
Foto: Spike/Netflix
"The Mist" basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte des Horror-Autors Stephen King. Die Serie wurde für den TV-Sender "Spike" produziert und dort Ende Juni 2017 ausgestrahlt. Seit dem 25. August ist sie als "Netflix Original" bei dem Streaming-Anbieter zu sehen. 
Die Handlung spielt in der Kleinstadt Bridgeville im US-Bundestaat Maine. Eines Tages wird das verschlafene Örtchen von einem mysteriösen, dichten Nebel heimgesucht. Während die Einwohner zuerst nur leicht überrascht von dem ungewöhnlichen Wetterumschwung sind, stellen sie schnell fest, dass er tödlich ist. Der trübe Dunst verursacht Halluzinationen, die deutlich massiver sind, als man denken könnte. Außerdem beherbergt er allerhand gruselige Monster. Die Handlung konzentriert sich hauptsächlich auf zwei Schauplätze: Eine Kirche, in der ein paar Menschen Zuflucht gesucht haben und das Einkaufszentrum der Stadt, in dem gleich mehrere Dutzend festsitzen. Außerdem ist da noch eine bunt zusammengewürfelte Vierergruppe, bestehend aus Familienvater Kevin Copeland (Morgan Spector), Teenager Adrian Garff (Russell Posner), dem an Amnesie leidenden Soldaten Bryan Hunt (Okezie Morro) und der drogenabhängigen Mia Lambert (Danica Curcic), die sich zum Einkaufszentrum durchschlagen, um Kevins Frau Eve (Alyssa Sutherland) und seine Tochter Alex (Gus Birney) zu finden.


Wie seid ihr auf die Serie aufmerksam geworden und warum wolltet ihr sie gucken?

Laura: Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass aus der Kurzgeschichte eine Serie gemacht wird. Allerdings habe ich das nicht weiter verfolgt und wurde erst wieder darauf aufmerksam, als Katrin mir den Trailer geschickt hat. Ich mochte die gleichnamige Filmadaption aus dem Jahre 2007, daher war ich sehr interessiert daran, wie die Sendung die Vorlage umgesetzt hat.

Katrin: "Netflix" kündigt Ende jeden Monats in einem Video an, welche neuen Serien und Filme in den nächsten 30 Tagen erscheinen. Im Video für August war auch "The Mist" dabei. Die Serie sah interessant aus und nachdem ich von Laura erfahren habe, dass die Vorlage von Stephen King stammt, habe ich mir fest vorgenommen, sie anzusehen. Denn "Haven", eine meiner Lieblingsfernsehserien, beruht ebenfalls auf einer Kurzgeschichte von King ("The Colorado Kid").

Wurden eure Erwartungen erfüllt?

Weiß Mrs. Raven, was sich im Nebel verbirgt?
Foto: Spike/Netflix
Laura: Nicht einmal ansatzweise! Die ganze Serie hat sich unendlich gezogen und die meiste Zeit ging es um die Probleme und Konflikte der Charaktere. Der Nebel wurde ziemlich schnell zu einer Nebensache und es gab nur wenige Szenen, in denen die Charaktere durch ihn angegriffen oder umgebracht wurden. 

Katrin: Da ich die Buchvorlage nicht kannte und mich auch nicht wirklich über die Serie informiert habe, bin ich ohne Erwartungen an sie herangegangen. Während der gesamten zehn Folgen habe ich jedoch gehofft, dass am Ende alles zufriedenstellend aufgeklärt wird. Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt.

Laura, du hast die Kurzgeschichte gelesen, auf der die Serie basiert. Inwieweit unterscheiden sich die beiden?

Laura: In Stephen Kings Werk wird den Lesern klarer geschildert, was im Nebel lauert. Dort sind es ausschließlich verstörende Monster, die an manche Lebewesen aus unserer Welt erinnern, aber deutlich größer und tödlicher sind. In der Serie existieren viele verschiedene Dinge, die alle sehr vage sind: Halluzinationen, Insekten (allerdings in normaler Größe), eine Schlange aus Nebel und noch mehr. Theoretisch könnte einfach alles auftauchen und es gibt keine Erklärungen für irgendetwas. Warum eines der Monster Alex nicht angegriffen hat, ist eine weitere merkwürdige Abänderung. Bei Stephen King machen die Geschöpfe keine Ausnahmen, sondern greifen an und töten. Sie fressen ihre Beute dann auch tatsächlich und lassen die Leichen nicht einfach liegen. Außerdem sind die zwischenmenschlichen Konflikte in der Kurzgeschichte zwar vorhanden, allerdings bei Weitem nicht so nervtötend dramatisiert und stark im Fokus wie in der Serie. Das ist wohl das Problem, wenn man eine Erzählung von ca. 50.000 Wörtern nimmt und eine ganze Sendung daraus macht. Die Kreaturen sind in der Kurzgeschichte ganz klar das Entscheidende und eine wirklich greifbare Bedrohung. In der Serie überleben hingegen ständig Menschen im Nebel und die Zuschauer erfahren nicht einmal wie. 

In "The Mist" kommen unglaublich viele Charaktere vor. Konnten sie sich, eurer Meinung nach, von ähnlichen Formaten absetzen?

Bryan und Mia lernen sich im Polizeiarrest kennen
Foto: Spike/Netflix
Katrin: Nein, überhaupt nicht! Man trifft dieselben Figuren wie in -zig anderen Formaten, in denen eine Gruppe unterschiedlicher Menschen abgeschnitten von der Welt überleben muss. Da wäre einmal der tolle, mutige Vater, der sich heldenhaft allem in den Weg wirft, um seine Familie zu retten und selbst den stärksten Gegner bezwingt, obwohl er nicht einmal eine Kampfsportart beherrscht. Teenagerdrama und Aufsichtspersonen, denen ihre Macht schnell zu Kopf steigt, kennt man auch zur Genüge. Wären diese Charaktere wenigstens sympathisch, könnte man über die fehlende Individualität hinwegsehen, doch fast ausnahmslos alle Figuren werden so unnahbar, gefühlskalt und steif dargestellt, dass es mir unmöglich war, sie irgendwie zu mögen. Die einzige Ausnahme sind der Soldat Bryan und die Drogensüchtige Mia. Erst einmal legen die beiden Darsteller (Okezie Morro und Danica Curcic) deutlich mehr Schwung und Feuereifer an den Tag als ihre Schauspielkollegen. Weiterhin stechen die beiden Charaktere durch ihre Vielschichtigkeit und ihre mysteriöse Vergangenheit unter dem Einheitsbrei der anderen Figuren hervor.

Laura: Ich sehe das ähnlich wie Katrin. Die meisten der Figuren sind eindimensional und langweilig. Vor allem Kevin hat mich irgendwann richtig genervt, weil er so ein klischeebeladener Charakter ist: Der Familienvater, der alles tut, um zu seinen Lieben zu gelangen und natürlich immer das richtige machen will. Das ist so berechenbar und ausgelutscht. Auch mir waren Mia und Bryan noch am sympathischsten, da sie vielschichtiger erschienen und etwas interessantere Hintergrundgeschichten hatten. Leider waren sie die einzigen soliden Figuren und das ist bei einer so hohen Anzahl an Charakteren schlecht. Ohne ansprechende Individuen, mit denen man mitfiebert, wird die Handlung automatisch weniger packend, weil die Schicksale einen kaum kümmern. Ich musste oft an "The Walking Dead" denken. Die Serie hat grundlegend die gleiche Idee: Menschen müssen in einer lebensgefährlichen Umgebung überleben. Dort gibt es auch viele verschiedene Figuren, die allerdings tiefgründiger und glaubwürdiger sind. 

Welche Szene hat euch am wenigsten gefallen?

Lügen und jammern nonstop: Alex (l.) und Eve
Foto: Spike/Netflix
Laura: Sich da auf eine einzige zu beschränken ist schwer. Ich denke, es war vor allem eine der letzten Szenen, die mich vollkommen wahnsinnig gemacht hat. Alex wird von einer ominösen "Nebelschlange" angegriffen, die in ihren Mund eindringt. Das dauert mindestens eine halbe Minute, in der die Augen der Jugendlichen langsam weiß werden. Plötzlich taucht dann ihr Schwarm Jay (Luke Cosgrove) auf. Natürlich hat er draußen überlebt – wie auch immer – und findet das Mädchen auf Anhieb, obwohl er nicht einmal wissen konnte, dass sie dort ist. Alex kann wegen des Monsters in ihrem Mund ja nicht einmal schreien. Was aber das unglaublichste ist: Sie überlebt den Angriff - wie und wieso auch immer. Die "Schlange" lässt dann von ihr ab und stürzt sich auf Jay, der nach ungefähr fünf Sekunden tot ist. Ernsthaft??? 

Katrin: Absolut jede Szene, in der Kevin, Eve oder Alex Copeland involviert waren. Was gingen die drei mir auf die Nerven! Nur eine Auto- oder Glastür (Der Nebel zieht übrigens nicht durch Ritzen, sonst wäre die Staffel wohl auch nicht zehn Folgen lang, weil vorher alle sterben.) trennt sie vom todbringenden Nebel, dennoch haben sie nichts besseres zu tun, als ständig ihre nicht sonderlich aufregende Familiengeschichte aufzuarbeiten und eine dämliche Entscheidung nach der anderen zu treffen. Die ständigen Diskussionen über Gott und das völlig verstörende Verhalten von Mrs. Raven (Frances Conroy) hätte ich auch am liebsten übersprungen - wenn ich nicht die (unbegründete) Sorge gehabt hätte, ein paar Antworten zu verpassen. 

Und welche am besten?

Laura: Als Mia in ihr altes Zuhause fährt und dort einer Halluzination begegnet. Das war endlich mal eine richtige "Konfrontation" zwischen einem Charakter und der Bedrohung aus dem Nebel, die länger angedauert hat als ein paar Augenblicke. Die Szene war wirklich spannend und Mias Überlebenskampf hat ihre Figur noch interessanter gemacht.

Katrin: Stimmt, Laura, die Szene hatte ich schon fast vergessen! Die war richtig gut gemacht! Vor allem, weil Mia im Gegensatz zu allen anderen Figuren nicht physisch angegriffen wird, sondern überredet werden soll, freiwillig zu sterben. Ansonsten mochte ich noch die Sequenz im Krankenhaus, in der Bryan Mia beim kalten Entzug hilft. Ich fand es eindrucksvoll, wie sie ans Bett gefesselt nach seiner Hilfe schreit und er hin und her gerissen ist, weil Mia ihm noch einige Stunden zuvor eingeschärft hat, sie unter keinen Umständen loszubinden. 

Was hättet ihr an der Geschichte verändert?

Cool rumstehen im tödlichen Nebel: Tolle Idee!
Foto: Spike/Netflix
Katrin: Erstmal hätte ich die Anzahl der Charaktere signifikant reduziert. Es gibt etwa zehn Haupt- und noch einmal dieselbe Anzahl an Nebenfiguren. Dazu kommen noch viele Episodencharaktere. Folge 5 war für mich eine der besten, weil die Handlung dort ausschließlich auf einen Schauplatz fokussiert ist und man so viel besser in die Geschichte hineinfinden und eine Beziehung zu den agierenden Personen aufbauen kann. In allen anderen Episoden wird ständig zwischen den verschiedenen Orten hin und her gesprungen. So geht auch das Zeitgefühl verloren. An einer Stelle wird davon gesprochen, dass fünf Tage vergangen seien. Ich dachte, es wären einige Stunden gewesen. Solche wichtigen Eckdaten hätte ich deutlicher definiert. Weiterhin wäre es mir wichtig gewesen, die zentralen Fragen (Wer war der Mann am Funkgerät? Warum wollte das Nebelmonster Alex nicht? Was genau hat man Bryan angetan? Weshalb haben sich die Soldaten umgebracht? Um nur ein paar zu nennen...) am Ende zu beantworten. 

Laura: Ich hätte den Fokus zum einen viel mehr auf den Nebel mit all seinen Gefahren gelegt und wie die Charaktere aktiv gegen ihn ankämpfen müssen. Außerdem wäre es für mich wichtig gewesen, die Bedrohung, die in ihm existiert, zu präzisieren. Idealerweise hätte ich einfach die Monster aus der Kurzgeschichte als Vorlage genommen, denn die sind viel beängstigender als so ziemlich alles, was in der Serie auftaucht. Außerdem wäre ich, genauso wie Katrin, dafür gewesen, weniger Hauptcharaktere einzuführen, damit mehr Zeit vorhanden ist, um die einzelnen Figuren ordentlich auszubauen.

Last, but not least: Was versprecht ihr euch von einer zweiten Staffel?

Laura: Eine Menge Erklärungen für den ganzen Unsinn, der den Zuschauern gezeigt wurde. Ich möchte zu gerne erfahren, wie das alles auch nur im Entferntesten Sinn ergeben kann.

Katrin: Ich hoffe erstmal, dass es überhaupt eine zweite Staffel geben wird, weil ich noch sehr viele offene Fragen habe. Da die letzte Szene ziemlich dämlich war (Woher will Kevin wissen, dass die Gefangenen nach Bridgeville gebracht wurden, um irgendetwas zu füttern? Er weiß nicht, was genau dort draußen ist und bislang wurde keiner der Toten angeknabbert!), hoffe ich, dass schnell eine plausible Erklärung für den Nebel und die verschiedenen Kreaturen darin gefunden wird. Außerdem würde ich mir wünschen, dass sich die nächste Staffel auf das Überleben der verbleibenden Charaktere fokussiert, nicht auf irgendwelche anderen Dramen. Ferner soll Bryan (jetzt Jonah) zu den anderen zurückkehren. Was sollte sein komisches Verhalten in der letzten Folge?


Habt ihr "The Mist" schon gesehen? Wie hättet ihr geantwortet? Teilt es uns in den Kommentaren mit. 

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English


-The following text contains spoilers -

We (Laura and Katrin) were really curious about the new "Netflix" show "The Mist". While we were binge-watching we kept communicating with each other, generally talking a lot about the series. So it is a perfect topic for our segment "Watch.Read.Discuss.", where we authors deal with the same media and discuss some questions about it (you can find our previous posts in English - about "Doctor Strange" and "Wonder Woman" - here).

Dread is lurking inside the mist
Photo: Spike/Netflix
"The Mist" is based on a short story by horror author Stephen King. The series was produced for the TV station "Spike", where it premiered at the end of June 2017. Since the 25th of August it is available on "Netflix" as an "Original".
The story is set in the small town Bridgeville, Maine. One day the drowsy village gets haunted by a mysterious, thick mist. At first the town people are a bit surprised by the sudden change of weather, but soon they discover it is deadly. The dull haze is causing hallucinations, which are way more massive than one might expect. Furthermore it contains a variety of gruesome monsters. The story concentrates on two settings: A church, where a handful of people has found shelter and the local mall, where dozens of people are stranded. Additionally there is a ragtag quartet - family man Kevin Copeland (Morgan Spector), teenager Adrian Garff (Russell Posner), the amnesic soldier Bryan Hunt (Okezie Morro) and the drug-addicted Mia Lambert (Danica Curcic), who are struggling to get to the mall in order to find Kevin's wife Eve (Alyssa Sutherland) and his daugther Alex (Gus Birney).

When did you become aware of the series and why did you want to watch it?

Laura: Some time ago I read that the short story is being made into a series. But I forgot about it until Katrin sent me the trailer. I liked the 2007 movie adaptation, so I was curious what the show would do with the material.

Katrin: Every month "Netflix" publishes a video, which advertises all new shows and movies airing within the next 30 days. "The Mist" was part of the video for August. The series looked interesting and I got pretty excited, when Laura told me, that it was based on a short story by Stephen King, because one of my favorite shows "Haven" is also premised on one of his stories ("The Colorado Kid").

Did the show live up to your expectations?

Does Mrs. Raven know what is inside the mist?
Photo: Spike/Netflix
Laura: Not even close! The series seemed to last an eternity and most of the time it was about the characters' problems and conflicts. The mist became a side issue pretty quickly and there were just a handful of scenes, in which it attacked or killed people.

Katrin: I did not know the short story or research the series, so I had no expectations. But during the entire ten episodes I hoped all questions would be answered in the end. That was not the case.

Laura, you read the story the series is based on. What are the differences?

Laura: In Stephen King's novel it is explained to the readers what is lurking inside the mist: Disturbing monsters, who resemble creatures from our world, but are much bigger and deadlier. The show is much more vague about this issue: Hallucinations, insects (but normal-sized ones), a snake made out of mist and many more. Theoretically everything is possible and there are no explanations whatsoever. It is a weird alteration, that one of the monsters spares Alex. The creatures in Stephen King's story do not make exceptions, they just attack and kill. They also eat their victims afterwards instead of leaving the bodies all over the floor. Futhermore even though the short story contains interpersonal conflicts, they are not nearly as unnerving and dramatic as in the series. Additionally the show focuses way more on those dramas than the original. That is the challenge when you take a 50.000 word story and make an entire series out of it. King's monsters are the centerpiece and a tangible threat, while there are many people surving the mist in the show and the viewers are not even told how.

There are so many characters in "The Mist". Are they able to differentiate themselves from similar shows?

Bryan and Mia meet in a detention cell
Photo: Spike/Netflix
Katrin: No, absolutely not! You meet exactly the same charcters, you can find in any other series about a group of people, who are cut off from the outside world and struggle to survive. Like the great, brave dad, who goes on a heroic quest to find his family, winning every fight along the way, although he does not even know martial arts. I have also heard enough of teen drama and supervisors whose power goes to their heads. If those characters were sympathetic, I would have been able to ignore the lack of individuality, but almost all of the people are so inapproachable, frigid and stiff, that it was impossible for me to like them. The only exception are the soldier Bryan and drug addict Mia. First of all Okezie Morro and Danica Curcic have much more spark and eagerness than their fellow actors. Furthermore the two characters stand out from the mishmash of the others due to their mysterious past and their complexity.

Laura: I agree with Katrin. Most characters are one-dimensional and boring. Especially Kevin really annoyed me, because he is a walking stereotype: The family man, who struggles to get to his loved ones and wants to do everything right. That is so predictable and stale. I also think Mia and Bryan were the most sympathetic people, because they are multilayered and have more interesting back stories. It is quite sad there are only two interesting characters, considering how many are introduced. A story is less thrilling when there is a lack of great characters, because you simply do not care about them. I often thought about "The Walking Dead". This series has a similar idea: A group of people has to survive in a dangerous environment. It also has a lot of different characters, but they are deeper and more credible.

Which scene did you like the least?

Lie and complain nonstop: Alex (l.) and Eve
Photo: Spike/Netflix
Laura: It is hard to only name one. But I think the most annoying one was at the end. Alex is attacked by a "mist snake", which enters her mouth. This goes on for about half a minute, while Alex' eyes slowly turn white. Suddenly her crush Jay (Luke Cosgrove) appears. Of course he survived outside on his own - howsoever - and finds the girl immediately although he did not know she was there. Alex cannot even scream due to the monster in her mouth. What is really unbelievable: She survives the attack somehow. The "snake" releases her and tackles Jay, who dies after about five seconds. Seriously???

Katrin: Definitely every scene, that includes Kevin, Eve or Alex Copeland. Those three are so annoying! Only a car or glass door (By the way the mist is not moving through gaps, probably because otherwise the season would not be ten episodes long due to everyone dying quickly.) separates them from the deadly mist, but they have nothing better to do than to look back on their boring family history and make stupid decisions. I wanted to skip Mrs. Ravens's disturbing behavior and the constant discussions about God too, but was worried I might miss some answers (Turned out I would not have missed anything.). 

Which scene did you like best?

Laura: When Mia enters her old home and meets a hallucination. Finally a real "confrontation" between a character and a threat from the mist, which lasts longer than the blink of an eye. This scene was really intense and Mia's struggle for survival made her character even more interesting.

Katrin: I almost forgot that scene, but Laura is right! It was very well made! Especially because all the other characters were physically attacked, while Mia was supposed to be talked into dying voluntarily. Apart from that I liked the sequence inside the hospital, when Bryan helps Mia to get off drugs quickly. I thought it was powerful how she is tied to her bed and screams for his help, while he ist torn, because Mia made him promise earlier not to untie her no matter what.

What would you have changed about the story?

Cool poses inside the deadly mist: Great idea!
Photo: Spike/Netflix
Katrin: Most importantly I would have reduced the number of characters significantly. There are around ten main characters and about as many minor ones. Plus a lot of episode characters. Episode 5 was one of the best in my opinion, because the plot focuses on one setting. This way it was easier to get into the story and establish a connection with the characters. During the other episodes the focus constantly changes. Because of this I lost track of time within the story. At one point it is mentioned, that five days have passed. I was sure it had only been a few hours. Basic information like this would have been clearly defined, if I were the director. Answering all the key questions (Who was the man with the radio? Why did the mist monster spare Alex? What exactly happened to Bryan? Why did the soldiers commit suicide? To name just a few...) would have been important to me too. 

Laura: I would have focused more on the mist with all its threats and the characters fighting actively against it. Also it would have been important to me to specify the actual danger - for example taking the monsters from the short story, because they are scarier than all the creatures from the TV series. Like Katrin I would have introduced less main characters and spent more time on developing them.

Last, but not least: What do you expect from a second season?

Laura: A lot of explanations for all the baloney shown to the viewers. I would like to know how all of this is supposed to make sense.

Katrin: As a start I hope there is going to be a second season, because I have a lot of unanswered questions. The last scene was pretty stupid (How would Kevin know that the prisoners taken to Bridgeville are being used to feed something? He does not know what is inside the mist and none of the dead were nibbled on!), so hopefully there will be a plausible explanation for the mist and the different creatures inside of it. Another wish would be to focus on the survival of the remaining characters, not on more drama. Plus Bryan (now Jonah) has to come back to the others! What was the deal with his weird behavior in the last episode?


Have you seen "The Mist" yet? What would have been your answers? Tell us in the comments.

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