Donnerstag, 13. Juli 2017

Kinderserien der 2000er Teil 2 (Realserien) - Watch.Read.Discuss.

Dies ist der vierte Teil unserer Serie "Watch.Read.Discuss.", bei der wir Autoren uns mit demselben Thema beschäftigen. Es ist außerdem der zweite Teil unserer Diskussion über Serien der 2000er, die wir in unserer Kindheit gesehen haben. Im ersten Teil ging es um Zeichentrickserien. In diesem Post besprechen wir verschiedene Live-Action-Sendungen, die in den 2000er Jahren in Deutschland gelaufen sind.
Klickt auf die Titel, um euch die Intros anzuschauen.


Laura

Der Sleepover Club

Tolle Mädchen-Clique
Foto: Nine Network
In dieser australischen Sendung geht es um die Freundinnen Frankie, Rosie, Fliss, Kenny und Lyndz. Sie haben ihren eigenen Club gegründet und treffen sich einmal in der Woche zu einer gemeinsamen Übernachtung. Unter der Woche erleben sie aber auch einiges. So verfolgt der Zuschauer sie in der Schule, bei ihren Hobbys oder beim Kleinkrieg gegen die Jungsclique "M&Ms".
Jedes der Mädchen hat sehr individuelle Charaktermerkmale und Interessen, somit kann man sich gut in einzelnen Figuren wiederfinden. Die Streiche und Rachepläne der Clique gegen die Jungs oder ihre anderen "Rivalinnen" Sara und Alana sind lustig und unterhaltsam. Es hat mir immer gut gefallen, dass sich der "Sleepover Club" von den "M&Ms" nichts gefallen lässt. Da kam gerne Schadenfreude auf, wenn die Mädchen am Ende triumphiert haben. Dieser "Geschlechter-Kampf" war für mich zwar manchmal etwas überzogen, dafür ist die Freundschaft zwischen den fünf sehr realistisch. Das liegt vor allem daran, dass die Freundinnen sich nicht immer super gut verstehen. Es gibt Streit und Uneinigkeiten, aber am Ende werden diese gelöst und es kommt zur Versöhnung. Dieser Zusammenhalt vom "Sleepover Club" hat mir immer gut gefallen. Die Clubmitglieder haben zudem mit lebensnahen Problemen und Ängsten des Erwachsenwerdens zu kämpfen. Daher konnte ich mich immer wieder mit ihnen identifizieren. Es gibt leider nur eine Staffel über die Freundinnen und ihren Club, was ich damals schade fand, weil ich so gerne noch mehr von ihren Abenteuern miterlebt hätte. Die zweite Staffel, in der es um eine neue Mädchengruppe geht, hat mich nicht mehr angesprochen. Sie wirkte einfach wie eine schlechtere Version des ersten Clubs.

Katrin: Beim "Sleepover Club" habe ich immer gerne eingeschaltet. Ich bin zwar mit keiner der fünf Freundinnen wirklich warm geworden (Besonders Fliss übertriebenes Gehabe hat mich genervt.), aber ich fand die Club-Idee toll. Besonders schön waren die thematisierten Übernachtungspartys. In Erinnerung ist mir der "griechische Sleepover" geblieben, bei dem die Mädchen alles im Stil Griechenlands dekoriert und griechisches Essen gegessen haben. Außerdem ist der Titelsong klasse!


Lizzie McGuire

Lizzies innere Stimme ist eine Cartoon-Figur
Foto: Disney Channel
In dieser Serie geht es um das Leben der 13-jährigen Schülerin Lizzie McGuire. Das läuft eigentlich ziemlich normal ab: Freunde, Familie, Schule, Schwärmereien und alles, was ein Teenie eben so durchlebt.
Diese Serie ist allerdings nicht zu 100 Prozent Live-Action, denn es gibt eine kleine Besonderheit: Eine kleine Zeichentrick-Version von Lizzie, die für die inneren Gedanken und Gefühle der Hauptfigur steht. Ihre Kommentare und Reaktionen in bestimmten Augenblicken fand ich immer richtig cool und einzigartig. Man hat sich der Protagonistin dadurch auch viel näher gefühlt. Lizzie hat zudem ein Talent dafür, sich in peinliche Situationen zu manövrieren, wodurch die Serie zusätzlich einen komödiantischen Faktor besitzt. Dazu zählen auch ihre Eltern, wobei ich mich vor allem an die Mutter erinnere. Sie ist einerseits ziemlich schrill und verrückt, hat aber gleichzeitig immer gute Tipps und Ratschläge, die für die Zuschauer manchmal genauso hilfreich sein können. Die besten Freunde, Miranda und Gordo, mochte ich ebenfalls sehr gerne. Ich fand es allerdings immer etwas unnötig, dass Letzterer heimlich in Lizzie verliebt ist. Die Serie hätte sicherlich genauso gut funktioniert, wenn dieser Aspekt nicht vorhanden gewesen wäre. Insgesamt ist mir die Sendung als sehr bodenständig im Gedächtnis geblieben. Lizzie McGuire ist ein ganz normales Mädchen, mit dem man sich schnell identifizieren kann. Ihre Erlebnisse und Probleme wirken nie übertrieben oder vollkommen fernab von der Realität. Zusätzlich zur Serie gibt es einen Film ("Popstar auf Umwegen"), in dem es um einen Schultrip nach Rom geht und Lizzie in die Rolle eines Popstars schlüpft. Definitiv eine nette Ergänzung, aber die Sendung hat mir deutlich besser gefallen.

Katrin: Im Gegensatz zu Laura, habe ich die Lizzie-Zeichentrickfigur nie gemocht. Ihre Kommentare waren unnötig, da sie meist genau das gesagt hat, was man sowieso schon wusste. Wieso die innere Lizzie und die reale Lizzie unterschiedliche Stimmen hatten, habe ich auch nie verstanden. Ansonsten mochte ich die Serie, obwohl ich die Hauptfigur und ihren kleinen Bruder manchmal ganz schön nervig fand. Die armen Eltern!


Katrin

Total genial

Toby und Elisabeths Fähigkeiten trotzen der Natur
Foto: Jonathan M. Shiff Productions/ZDF
Bei der australischen Serie "Total genial" geht es um Toby, einen durchschnittlichen Schüler. Gemeinsam mit Streberin Elisabeth bereitet er nach der Schule ein Experiment vor, doch dabei geht etwas schief und die beiden werden von einem mysteriösen Flash getroffen. Von da an haben sie regelmäßig wissenschaftliche Geistesblitze und sind fähig Dinosaurier zu klonen, farbwechselndes Make-up oder einen Schrumpfstrahl zu erfinden. Während Toby mit seinen Fähigkeiten herumspielt und nach kurzer Zeit beschließt sie geheim zu halten, nutzt Elisabeth ihre, um Macht auszuüben und sich zu profilieren. Dabei bringt sie dauernd die Schule in Gefahr und benötigt Tobys Hilfe, um ihre wissenschaftlichen Projekte im Zaum zu halten.
Was mich an der Serie besonders fasziniert hat, waren die Spezialeffekte, die es ermöglichen, dass ein Dinosaurier durch die Schule läuft oder Rasenmäher fliegen. Mal davon abgesehen, dass so etwas Anfang der 2000er eher selten in Kinder- und Jugendsendungen zu finden war, sehen die, selbst aus heutiger Sicht, ziemlich cool aus. Mit Elisabeth gibt es ausnahmsweise mal einen weiblichen Antagonisten. Das fand ich klasse, auch wenn sie ständig von Toby gerettet werden muss. Einige Einfälle der beiden sind ziemlich kreativ und es ist witzig zu sehen, wie sie ihre Genialität im Alltag einsetzen, um relativ normale Probleme zu lösen. Zwei Dinge stören mich an der Serie aber bis heute. Erstens: Woher bekommen die beiden ihre Materialien? Sie sind zwar Genies, scheinen aber kein Geld damit zu verdienen. Woher kommen die nötigen Utensilien für ihre Projekte? Elisabeth hat später sogar ein riesiges geheimes Labor in der Schule. Wie finanziert sie das? Zweitens habe ich bis heute nicht verstanden, was genau das strubbelige Serienfinale sollte. Warum passiert in der Folge dasselbe mit demselben Experiment wie in einer früheren Folge? Außerdem: Was geschieht danach mit Toby und Elisabeth?

Laura: Ich habe "Total genial" auch gerne und regelmäßig geschaut. Die Experimente und Erfindungen fand ich immer toll, besonders als Elisabeth einen Dinosaurier klont! Ich mochte vor allem die Momente der Geistesblitze von Toby und Elisabeth. Da wurde immer super schnell an ein Auge rangezoomt und man hat quasi einen Einblick ins Gehirn bekommen. Die Charaktere haben mich hingegen nie so richtig angesprochen, denn ich fand keinen von ihnen besonders interessant oder sympathisch.


Krimi.de

Leipziger Team mit "Tatort"-Kommissar Ehrlicher
Foto: KiKA
Zur Abwechslung noch eine deutsche Serie. "Krimi.de" lief von 2005 bis 2013 im KiKA. Die Krimi-Reihe wurde mit der Warnung ausgestrahlt, dass sie jüngere Zuschauer gruseln könnte. Wie beim "Tatort" und "Polizeiruf" für Erwachsene, gibt es auch bei "Krimi.de" verschiedene Teams, die in unterschiedlichen Städten bundesweit ermitteln. Eine Einheit besteht immer aus zwei bis vier jugendlichen Detektiven und einem erwachsenen Kommissar bei der Polizei, der ihnen in brenzligen Situationen zur Seite steht (darunter auch "Tatort"-Schauspieler in ihren jeweiligen Rollen). Zwar werden keine Morde aufgeklärt, dennoch spricht die Reihe regelmäßig harte Themen wie Missbrauch, Nationalsozialismus, streng durchgesetzte Familienehre, Mobbing oder Drogen an. Im Laufe der Jahre ist die Sendung mehrfach für verschiedene Folgen ausgezeichnet worden.
Nach "Disneys Fillmore!" war "Krimi.de" meine nächste große Krimi-Leidenschaft. Was mich an der Serie damals wie heute begeistert, ist vor allem der unverblümte Umgang mit vermeintlich "erwachsenen" Themen. In meinen Augen zählt die Reihe zum Besten, was das Fernsehen für Kinder und Jugendliche zu bieten hat. Im Titel habe ich die Folge "Missbraucht" verlinkt, da ich kein separates Intro gefunden habe. Falls ihr Zeit habt, schaut euch die Episode an und ihr werdet verstehen, wenn ich sage, dass "Krimi.de" harte Bilder (in diesem Fall der sexuelle Missbrauch eines Mädchens durch ihren älteren Bruder) selten zeigt. Stattdessen wird das Thema subtil angedeutet, sodass unmissverständlich klar ist, was passiert, ohne irgendetwas bildlich darzustellen oder auszusprechen. Tatsächlich habe ich auch heute bei vielen Folgen "Krimi.de" Gänsehaut, da sie, anders als Krimis für Erwachsene, statt Blut und Gewalt auf subtilen Horror und menschliche Schicksale setzen. Die Ermittler sind ganz normale Kinder und Jugendliche, die in der Schule oder beim Sport mit ihren Fällen konfrontiert werden. Während beispielsweise "Die Pfefferkörner", eine andere Sendung mit jungen Detektiven, ständig in groß angelegte Raubüberfälle oder Schmuggelgeschäfte hineinstolpern, sind die Themen bei "Krimi.de" alle nachvollziehbar und könnten sich so an jeder Schule Deutschlands abspielen. Viele der Folgen haben mich noch lange beschäftigt und ich denke bis heute, dass die Absetzung der Jugend-Krimireihe ein großer Verlust für die Fernsehlandschaft - auch die der Erwachsenen - war.

Laura: Diese Serie habe ich nur sehr sporadisch geschaut, wenn ich durch Zufall beim KiKA gelandet bin. Doch die wenigen Folgen, die ich davon kenne, haben auch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Genauso wie Katrin, fand ich, dass die Fälle nah an der Realität und auf subtile Weise beklemmend waren. Ich wusste das mit den "Tatort"-Kommissaren übrigens gar nicht. Eine wirklich coole Idee!


Welche Serien habt ihr in eurer Kindheit gerne geguckt? Teilt es uns in den Kommentaren mit. Wir planen weitere Diskussionsbeiträge zum Thema Kindersendungen (alle bisherigen Posts dazu gibt es hier), vielleicht wird euer Favorit in einem zukünftigen Post thematisiert.

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Sonntag, 9. Juli 2017

American Gods: Staffel 1 - Rückblick

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

Die erste Staffel von „American Gods“ ist vor drei Wochen mit der finalen achten Episode zu Ende gegangen. Um die Zeit zu überbrücken, bis die Geschichte rund um die Götter und Shadow Moon (Ricky Whittle) weitergeht, blicke ich auf die erste Staffel zurück und bespreche in diesem Post unter anderem Besonderheiten der Sendung, meine Lieblingsfolge sowie Wünsche für die nächste Staffel. Die Produktion der nächsten Staffel soll übrigens im September dieses Jahres beginnen.

Eine Serie der besonderen Art

Eine empfehlenswerte Serie
Foto: starz
„American Gods“ unterscheidet sich von allen Sendungen, die ich bisher gesehen habe. Jede neue Folge hat mich überrascht, weil es oft nie so weitergegangen ist, wie ich es erwartet hätte. Das liegt vor allem an den Rückblicken. Ob die Vergangenheit eines gegenwärtigen Charakters wie Laura Moon (Emily Browning) oder der Figur Essie MacGowan (Emily Browning) aus dem 18. Jahrhundert. Teilweise nehmen diese Erzählungen ganze Episoden ein. Das war gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt kein Grund, warum ich eine Folge nicht gemocht hätte. Egal ob sie in der Vergangenheit spielen oder in der Gegenwart, ich habe sie alle gerne angeschaut und somit ist "American Gods" eine Serie, die mich positiv überrascht hat und auf jeden Fall eine Empfehlung ist.
Generell finde ich die Idee interessant, dass die Götter durch die Einwanderung der Menschen und ihres Glaubens nach Amerika gekommen sind. Das erfährt der Zuschauer durch die Prologe, beispielsweise beim afrikanischen Gott Mr. Nancy, der auf einem Sklavenschiff auftaucht. Genauso spannend ist die Erklärung zur Existenz der Götter: Wie wichtig Verehrung und Glaube für sie sind und dass sie ohne Gläubige schnell vergessen werden und im schlimmsten Fall sogar sterben können. Die neuen Götter sind durch die Verehrung der Menschen für Medien oder Technik entstanden, weil sich die Interessen der Leute verschoben haben. Diese Idee gefällt mir wirklich gut.
Die Sendung bietet darüber hinaus viele visuell schön ausgearbeitete Szenen. Schon das Intro ist toll gestaltet und ich habe es trotz der Länge von 90 Sekunden selten übersprungen. Ebenso ansehnlich sind die Traumsequenzen von Shadow Moon, beispielsweise als er durch einen Wald voller Menschenknochen läuft und auf einen Büffel mit Flammenaugen trifft. Die Szene im Finale, als Ostara das Land und die Pflanzen sterben lässt, sieht ebenfalls beeindruckend aus. Die Serienmacher haben zudem ein Faible für Aufnahmen in Zeitlupe. Dazu zählen bedeutende Momente, unter anderem als Shadow die Goldmünze auf Lauras Grab wirft. Der Fokus liegt dabei auf dem Goldstück, wodurch man als Zuschauer sofort aufmerksam wird und das zurecht: Diese Münze hat im weiteren Verlauf noch eine große Bedeutung. Weniger wichtige Ereignisse werden aber genauso detailliert gezeigt. So sieht man in einer Folge, wie eine Schachtel Zigaretten den Weg aus dem Inneren des Automaten zurücklegt, bis sie im Fach zur Entnahme landet. Das ist zwar vollkommen unnötig, wirkt optisch aber trotzdem richtig toll. Es ist mir sogar sehr prägnant in Erinnerung geblieben, weil ich so etwas noch nie in einer anderen Serie gesehen habe.

Tolle Figuren - egal ob göttlich oder menschlich 

Stehen den Göttern in nichts nach: Laura und Shadow
Foto: starz
Was mir besonders gut an "American Gods" gefällt, sind die Charaktere. Die Götter haben alle ihre besonderen Eigenarten, die zu ihrem jeweiligen mythologischen Ursprung passen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei Czernobog (Peter Stromare), der Gott des Bösen. Stromare spielt ihn als eine sehr unangenehme und beängstigende Figur, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Dann gibt es natürlich noch Mr. Wednesday (Ian McShane), der sich später als der Gott Odin herausstellt. Er ist gut darin, Menschen mit seinen Worten und Taten zu manipulieren. So spielt er in der ersten Folge am Flughafen den verwirrten alten Mann und bekommt dadurch einen Sitzplatz im Flugzeug - in der ersten Klasse. Er wirkt außerdem sehr weise und erfahren. Zusätzlich dazu hat er einen ganz besonders Charme, den Ian McShane ihm durch sein lässiges Schauspiel verleiht. Ich mochte vor allem, wie er mit Shadow umgeht und ihm seine Weisheiten vermittelt. Bei den neuen Götter hat mich vor allem Media (Gillian Anderson) beeindruckt, da sie jedes Mal als eine andere Person aus den Medien aufgetreten ist (z.B. Marilyn Monroe oder David Bowie). Dadurch hat sie immer andere Charakterzüge und Eigenarten, die zu dem medialen Vorbild passen. Mr. World (Crispin Glover), der Anführer der neuen Götter, ist ebenfalls eine sehr spannende Figur, gerade weil man kaum etwas über ihn weiß. Seine Art ist dabei undurchschaubar und er wirkt in seinen wenigen Szenen sprunghaft und unberechenbar: In der einen Sekunde ist er vollkommen ruhig, in der nächsten gerät er in Ekstase und
brüllt herum. Das steigert die Spannung auf weitere Auftritte von ihm. Neben den übernatürlichen Figuren gibt es noch einige menschliche und diese haben mir durchweg gefallen. Shadow Moon, den ich von Beginn an mochte, bietet durch seine ruhige, bedachte Art eine gute Abwechslung zu den Göttern. Gerade in den ersten Folgen ist es toll, ihn dabei zu verfolgen, wie er Schritt für Schritt in die Welt der Götter gedrängt wird. Auch seine Frau Laura Moon wurde mir mit der Zeit sympathischer. Vor allem ihre direkte, teilweise schroffe Art, finde ich toll, genauso wie ihr unbändiger Wille, Shadow zurückzugewinnen. Wer allerdings mein Lieblingscharakter der Serie ist, erzähle ich in einem späteren Absatz.

Wer ist es?

Nur ein klein wenig beunruhigend: Czernobog
Foto: starz
Neben diesen positiven Aspekten gibt es aber auch etwas, das gerade zu Beginn gestört hat. In den ersten Episoden war ich teilweise ziemlich überrumpelt von den vielen Charakteren, deren mythologische Ursprünge kaum vorgestellt wurden. Besonders verwirrend war die zweite Folge „The Secret of Spoons“, in der Czernobog und die drei Zorya Schwestern auftauchen. Alles, was man an Informationen über sie bekommt, sind vage Andeutungen auf die Mythen, denen sie entspringen. So habe ich die meiste Zeit damit verbracht, mich über diese Figuren zu wundern und das hat teilweise von der Episode selbst abgelenkt. Anfangs war ebenfalls die stockende Handlung irritierend. Immer dann, als sie in Fahrt kam, wurde sie wieder durch Rückblick-Folgen ausgebremst. Das ist im Gegensatz zu anderen Serien sehr außergewöhnlich und war einfach ungewohnt. Mit der Zeit habe ich mich aber einfach darauf eingelassen und es als eine Besonderheit von „American Gods“ gesehen. Sobald ich nicht mehr ständig damit gerechnet habe, dass in der nächsten Folge die alte Handlung sofort aufgegriffen wird, konnte ich die Sendung vollkommen genießen.

„A Prayer for Mad Sweeney“

Eine Reise ins 18. Jahrhundert
Foto: starz
Die siebte ist meine Lieblingsfolge aus der ersten Staffel. Obwohl die Lebensgeschichte von der Irin Essie für die Handlung in der Gegenwart keine wirklich Rolle spielt, habe ich sie trotzdem sehr gerne angeschaut. "A Prayer for Mad Sweeney" hat ein ganz spezielles Feeling, da die meisten Ereignisse im 18. Jahrhundert spielen und besonders die Szenen in Irland einfach magisch sind. Man verfolgt in dieser Episode fast das gesamte Leben von Essie. Davon war ich so gefesselt, dass die Folge wie im Flug vorbeigegangen ist. Überraschend war für mich, dass die junge Irin von Emily Browning (Schauspielerin von Laura Moon) gespielt wird. Sie hat es aber geschafft, dass man in ihr nicht die untote Frau gesehen hat. Sie hat Essie vollkommen anders gespielt, als eine sanfte und freundliche Figur, und ihre Vielfältigkeit als Schauspielerin bewiesen. Außerdem taucht in diesem Rückblick Mad Sweeney (Pablo Schreiber) auf und man erfährt noch einiges über seine Vergangenheit. Die wenigen Szenen mit dem Kobold und Laura in der Gegenwart sind auch interessant. Ich liebe die Chemie zwischen ihnen und daher gefällt mir diese Folge besonders, weil sie der Beziehung der beiden noch mehr Tiefe gibt. Vor allem Sweeney zeigt durch diese Episode bisher unbekannte Charakterzüge. Dadurch wurde er für mich zu einer noch interessanteren und besseren Figur. (Die ausführliche Rezension zu dieser Folge könnt ihr hier nachlesen.)

Der Kobold mit Herz (und Pechsträhne)

Mad Sweeney ist tiefgründiger als man anfangs glaubt
Foto: starz
Es kommt jetzt vielleicht nicht wirklich überraschend, aber mein liebster Charakter in „American Gods“ ist: Der Kobold Mad Sweeney! Ich liebe es, wie seine Figur mit jeder weiteren Episode vielschichtiger wird. Am Anfang ist er nur ein Typ mit großer Klappe, der sich mit Shadow prügelt. Doch er zeigt im weiteren Verlauf noch andere Facetten an sich. So erfährt man, dass er in dem Krieg der Götter mitkämpfen will, um eine alte Schuld auszugleichen. Als Sweeney von seiner damaligen Flucht vor einer Schlacht erzählt, wirkt er plötzlich sehr viel ruhiger und verletzlicher. Vor allem im Umgang mit Laura wird immer wieder eine weichere Seite an ihm sichtbar. So hätte er nach dem Autounfall in Folge sieben die Glücksmünze haben und ihren endgültig toten Körper zurücklassen können. Stattdessen setzt er sie zurück in Lauras Brustkorb, um Shadows Frau wieder zum untoten Leben zu erwecken. Es wird deutlich, dass der Kobold ihr nicht nur dabei hilft, unter die Lebenden zu kommen, um seine Münze zurückzubekommen. Man merkt, dass ihm an dieser Mission wirklich etwas liegt und wie schuldig er sich fühlt, weil er Lauras Tod verursacht hat. Das lässt er erneut in der finalen Folge durchscheinen, als klar ist, dass eine Wiederauferstehung für die Untote erst einmal nicht möglich ist. Ich mochte ihn schon seit seinem zweiten Auftritt, bei dem er auf Laura trifft. Dort überzeugt er vor allem durch seine tollen Sprüche und lustigen Momente (dazu gleich noch mehr). Danach hat er mir mit jeder Folge mehr gefallen und ich habe immer gehofft, dass er mehr Szenen bekommt. Daher war ich wirklich froh über die siebte Episode, die einen Teil seiner Vergangenheit behandelt und ihm gleichzeitig durch die Ereignisse in der Gegenwart neue Facetten gibt. Nach dieser Folge ist er schließlich zu meinem Favoriten der Serie geworden. 

Ein Göttlicher Bankraub und ein Kampf zwischen Zombie und Kobold

Wednesday (l.) und Shadow - ein tolles Team
Foto: starz
Hier möchte ich kurz auf zwei meiner Lieblingsszenen eingehen. Bei einer geht es um den Bankraub von Wednesday und Shadow in Folge drei „Head full of Snow“. Ich habe es geliebt, wie der alte Gott ständig in Rätseln gesprochen und seinen Bodyguard damit immer wieder verwirrt hat. Shadow ist fast ununterbrochen genervt und überhaupt nicht begeistert von der Idee, eine Bank auszurauben und hat das auf eine beinahe verzweifelte Art und Weise gezeigt, die mich zum Schmunzeln gebracht hat. Als Wednesday beispielsweise vollkommen entspannt einen Kakao für Shadow holt und ihn fragt, ob er Marshmallows darin mag, kann er gar nicht fassen, dass der alte Gott in diesem Moment solche Prioritäten setzt. Allerdings hat Wednesday einen ziemlich genialen Plan, um an das Geld zu kommen und das fand ich wirklich unterhaltsam. Ich habe in diesem Moment das erste Mal gemerkt, dass sie als Duo toll miteinander agieren und habe gehofft, dass das nicht die letzte Szene dieser Art gewesen ist. Das war glücklicherweise nicht der Fall: In den weiteren Folgen gibt es ähnlich tolle Momente zwischen den Beiden. 
Wie vorhin schon erwähnt, habe ich Mad Sweeney seit seinem zweiten Auftritt gemocht. Diese Szene ist mein zweiter Favorit. Es ist das erste Treffen von Sweeney und Laura in Folge fünf, als der Kobold die Untote ausfindig macht und seine Glücksmünze zurückverlangt. Shadows Frau denkt aber gar nicht daran, die Münze abzugeben und macht ihn richtig fertig. Das ist besonders lustig, weil sie superstark ist und ihn mit Leichtigkeit abwehren kann. Der Kobold bekommt also einiges ab, was für ihn schmerzhaft ist, für den Zuschauer aber pure Unterhaltung. Besonders das Ende des Kampfes, als die Polizei ins Zimmer kommt und Laura sich tot stellt, ist nochmal ein kleines Highlight. Als Sweeney abgeführt wird, ruft er ihr noch die Worte "You're an asshole!" zu, was die Untote mit einem kleinen Lächeln aufnimmt. Man hat auch hier schnell gemerkt, dass mögliche weitere Szenen der beiden viel Potential dazu haben, die Serie aufzulockern, da sie ein sehr dynamische Duo sind. Und die weiteren gemeinsamen Momente mit ihnen, die es zum Glück (!) gegeben hat, haben das mehr als bestätigt. Zur Rezension von „Lemon Scented You“ kommt ihr hier.

Wünsche für Staffel zwei

Bitte mehr Szenen mit Sweeney und Laura!
Foto: starz
Das Finale "Come to Jesus" hat mit einigen Cliffhangern geendet. Für die Fortsetzung hoffe ich daher, dass alle diese offenen Fragen behandelt werden. Vor allem natürlich die Frage, wie der Krieg der Götter letztendlich ausgetragen wird. Es wäre toll, wenn es hierbei nicht "nur" zu einem Kampf kommt, sondern dass die Serie mich dabei mit unerwarteten Ereignissen und Wendungen überrascht. Dabei erhoffe ich mir auch, dass man erfährt, wer genau Mr. World ist und vor allem wozu er fähig ist. Ein weiterer Wunsch meinerseits ist natürlich, dass Mad Sweeney noch eine größere Rolle spielt. Das kann ich mir aber gut vorstellen, da er an Wednesdays Seite im Krieg kämpfen will. Außerdem ist das Problem der Glücksmünze noch immer nicht geklärt: Er hat sie noch nicht zurück und Laura muss erst auferstehen, damit er das Goldstück an sich nehmen kann. In diesem Zusammenhang hoffe ich ebenfalls, dass Laura wieder unter die Lebenden kommt und nicht am Ende einfach zerfällt, so wie Sweeney es schon früh vorhergesagt hat. Beide Charaktere zusammen sehe ich einfach unglaublich gerne und daher fände ich es schade, wenn einer der beiden nicht mehr dabei sein würde. Shadow hat für mich in einigen Folgen eine sehr passive Rolle eingenommen und daher würde ich mir für die nächste Staffel wünschen, dass er einen aktiveren Part bekommt und sich dadurch wieder mehr wie der Protagonist der Sendung anfühlt. Auch seine gemeinsamen Szenen mit Mr. Wednesday haben mir immer sehr gut gefallen und daher würde ich mich freuen, wenn man davon ebenfalls noch mehr zu sehen bekommt. 
Vielleicht werden sogar noch weitere Götter, neu oder alt, eingeführt. Das fände ich definitiv spannend, denn im Verlauf der ersten Staffel habe ich mit jedem neu eingeführten Gott gemerkt, wie mein Interesse an der jeweiligen Mythologie gestiegen ist. Ich habe dadurch von Gottheiten gelesen, die ich vorher überhaupt nicht kannte. Wenn also noch mehr dazukommen, wäre das toll. Auf der anderen Seite wünsche ich mir außerdem, dass die bisher erschienenen Götter noch weiter thematisiert werden und man mehr von ihnen und ihrer Vergangenheit erfährt. Denn das fand ich sowohl bei der Liebesgöttin Bilquis oder auch beim Kobold Mad Sweeney wirklich spannend.

"American Gods" ist eine gelungene Serie, die in der ersten Staffel leider nur acht Folgen hatte. Bis zur nächsten Staffel heißt es nun warten und hoffen, dass es bald neue Informationen geben wird. Mir hat es viel Spaß gemacht, die Serie zu verfolgen und rezensieren. (Alle  meine Rezensionen zur ersten Staffel könnt ihr hier finden.)


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Donnerstag, 6. Juli 2017

Netflix Original Serien - Kurzrezensionen

Momentan ist Sommerpause im deutschen Fernsehen und nicht nur da, auch die meisten Serien aus anderen Ländern liegen in den warmen Monaten auf Eis. Wie gut, dass es Streaming-Anbieter gibt, deren Eigenproduktionen immer bereit stehen und die uns regelmäßig mit neuem Material versorgen. Ich habe mich in der letzten Zeit an einige "Netflix"-Serien herangewagt. Nun möchte ich euch einen kleinen Überblick über drei davon geben (Klickt hier für den zweiten Teil der "Netflix"-Kurzrezensionen.). Vielleicht findet der ein oder andere ja eine Sendung, die er während des langen Flugs in den Urlaub oder an einem verregneten Sommertag "bingewatchen" kann. Klickt auf die Titel, um euch die Trailer anzuschauen.

An dieser Stelle gehe ich auf Serien ein, die "Netflix" selbst als "Netflix Original" bezeichnet, obwohl sie teilweise auch im Fernsehen ausgestrahlt oder von Drittanbietern produziert wurden. Da ich alle englischsprachigen Serien in der Originalversion angesehen habe, kann ich keine Aussagen zu der Qualität der deutschen Synchronisation treffen.


Paranoid

v.l.: Detectives Bobby, Nina und Alec
Foto: Netflix
Hierbei handelt es sich um eine britische Krimi-Serie, die von "Netflix" mitproduziert wurde. Darum geht es: Eine Frau wird am helllichten Tag auf dem Spielplatz der kleinen Stadt Woodmere erstochen. Die Ermittler Nina Suresh (Indira Varma), Alec Wayfield (Dino Fetscher) und Bobby Day (Robert Glenister) werden auf den Fall angesetzt, der bald große Wellen schlägt. Eine Spur führt nach Deutschland, woraufhin die Kommissare Linda Felber (Christiane Paul) und Walti Merian (Dominik Tiefenthaler) ebenfalls in die Ermittlungen miteinbezogen werden. 

Fokussiert man sich auf den Kriminalfall, ist die Handlung durchaus sehr spannend. Es gibt viele Verdächtige, Verfolgungsjagden und actionreiche Sequenzen. Leider spielen zusätzlich die privaten Probleme der Ermittler eine wichtige Rolle. Normalerweise finde ich es gut, wenn es in Krimis auch Nebenhandlungen gibt, das ist realistisch, doch in "Paranoid" ist das nicht der Fall. Während die Verhöre und Ermittlungen völlig normal wirken, sind die Dialoge in den privaten Szenen zum Fremdschämen. 
"I can kiss you whenever I want!" Auch am Tatort.
Foto: Netflix
Bobby Day verliebt sich beispielsweise in eine schräge Verdächtige, die von Sprechweise und Verhalten her an "Luna Lovegood" aus den "Harry Potter"-Filmen erinnert. Kommissarin Linda Felber stellt ihren Kollegen Walti Merian (Was ist das bitte für ein Name?) direkt im ersten Satz lachend als schwul vor und auch ansonsten kann man sie und ihren überdrehten Humor nicht ernst nehmen. Walti hingegen ist klasse und er spricht angenehm fließend Englisch. Am schlimmsten verhält sich Nina Suresh. Ich habe selten eine TV-Ermittlerin erlebt, die ich weniger leiden konnte. Sie schwankt ständig zwischen hochnäsiger Emanze und weinerlichem Bündel Elend. Ihr Freund hat sie verlassen, woraufhin die Polizistin ihn weinend bekniet, sie zurückzunehmen. Im nächsten Augenblick kommandiert Suresh eine ihr untergebene Kollegin herum. Ja, der Drehbuchautor ist männlich. Danach wirft Nina sich übrigens ziemlich schnell ihrem jüngeren Kollegen Alec an den Hals. In Serien kommt es eher selten vor, dass bei einem Pärchen der Mann deutlich jünger ist (15 Jahre Altersunterschied zwischen den Darstellern). Es ist schön, dass hier mal nicht der Verjüngungswahn herrscht, doch die Dialoge zwischen den beiden sind so zum Fremdschämen, dass man sich zwischendurch noch ein paar Morde herbeiwünscht.
Modebewusst sind die Ermittler auf jeden Fall!
Foto: Netflix
Mal abgesehen von ihren privaten Problemen, verhalten sich die Detectives auch beim Ermitteln nicht gerade wie Vollprofis. So verfolgt Day einen ehemaligen FBI-Agenten, indem er sich in der Straßenbahn einige Reihen hinter ihn setzt, ihn anstarrt und jedes Mal hochzuckt, wenn der Mann Anstalten macht, aufzustehen. Wichtige Arbeitsschritte werden für private Unterhaltungen, Bekenntnisse und Kussszenen unterbrochen.... Diese Detectives möchte man nicht unbedingt vor der Tür stehen haben, wenn ein geliebter Mensch verstorben ist. Die deutschen Figuren sind weniger problembelastet, dafür allesamt etwas schräg und im Verhalten stereotypisch-deutsch. Wer spannende Krimifälle mag, die sich über eine ganze Staffel ziehen, wird "Paranoid" sicher mögen. Die völlig irrational handelnden Charaktere schmälern das Sehvergnügen jedoch immens. Ich habe Hochachtung vor jedem, der alle Folgen am Stück ansieht und sich kein einziges Mal bei den Dialogen fremdschämt.


Sense8

Die acht Protagonisten halten zusammen
Foto: Netflix 
"Sense8" stand lange auf meiner Liste. Ich habe mich aber erst daran gewagt, als die zweite Staffel schon online war. Ich hatte gerade mal fünf oder sechs Folgen angesehen, da wurde die Sendung bereits abgesetzt. Den darauffolgenden weltweiten Shitstorm hat wohl jeder mitbekommen, der "Netflix" in den sozialen Medien folgt. Aber ehrlich gesagt: Ich verstehe den Hype nicht. Bei "Sense8" geht es um acht junge Menschen: Transgender-Bloggerin Nomi aus San Francisco (Jamie Clayton), Schauspieler Lito aus Mexico City (Miguel Ángel Silvestre), Polizist Will aus Chicago (Brian J. Smith), die in London lebende DJane Riley aus Reykjavík (Tuppence Middleton), den Kriminellen Wolfgang aus Berlin (Max Riemelt), Busfahrer Capheus aus Nairobi (Staffel 1: Aml Ameen; Staffel 2: Toby Onwumere), Pharmazeutin Kala aus Mumbai (Tina Desai) und Geschäftsfrau Sun aus Seoul (Bae Doona). Sie sind "Sensates". Sie teilen nicht nur ihren Geburtstag, sondern seit kurzem auch ihre Gefühle, Fähigkeiten, Erinnerungen und Sprachen. Sie können einander "besuchen" und auf alle Eigenschaften der anderen zurückgreifen. So sind sie beispielsweise dank Wills Polizeiausbildung gute Schützen. 

Sieben der "Sensates" in Amsterdam
Foto: Netflix
Es ist genauso kompliziert, wie es klingt, da die "Sensate"-Fähigkeit nie wirklich erklärt wird. Die fehlende Logik hat mich an der Serie am meisten gestört. Das fängt schon damit an, dass nur Will auf die Idee kommt zu verifizieren, ob es die Menschen in seinem Kopf tatsächlich gibt. Alle anderen akzeptieren es einfach relativ gelassen und stellen sich einander nicht einmal wirklich vor. Natürlich gibt es auch böse Gegenspieler. Deren Motivation ist ähnlich schwammig wie die Fähigkeiten der acht Protagonisten. Sie fürchten, dass "Sensates" in Zeiten von Terrorismus und Co. eine Gefahr für Staatsgeheimnisse und Hoheitsgewalt darstellen. Denn sie teilen ihre Gedanken automatisch mit anderen "Sensates", die meistens in anderen Ländern leben. Dieser Grund ist ziemlich lächerlich, wenn man die Hauptfiguren kennenlernt, da sie ihre Fähigkeiten größtenteils dazu verwenden, sich gegenseitig aus der Patsche zu helfen. Jeder von ihnen ist nämlich irgendwie in kriminelle Machenschaften oder Fehden verwickelt, sei es aus eigenem Antrieb oder durch Familienmitglieder und Freunde. 
Dreharbeiten in Berlin mit Max Riemelt
Foto: Netflix
Dennoch gibt es auch Lichtblicke. Am besten hat mir gefallen, dass die Serie tatsächlich in allen Ländern gedreht wurde, in denen sie spielt und die meisten Schauspieler auch von dort kommen. Das lässt die Szenerie lebendig und echt erscheinen. Fast jeder kennt Serien und Filme, die in Land X spielen sollen, dabei aber beim Akzent, der Landschaft und so ziemlich allem anderen voll ins Fettnäpfchen treten. Das kommt bei "Sense8" praktisch nicht vor. Man sieht sowohl eine traditionelle indische Hochzeit über den Dächern Mumbais, als auch ein Fußballspiel in den dreckigen Hinterhöfen Berlins und die von Gangs bevölkerten Straßen Chicagos. Weiterhin hat die Serie einen charmanten Humor. Mir bleibt besonders eine Folge der zweiten Staffel in Erinnerung, in der Lito Trübsal bläst und plötzlich bei den anderen "Sensates" auftaucht. Er liegt beispielsweise lustlos auf Kalas Couch, stopft sich Popcorn in den Mund und beobachtet den Streit zwischen ihr und ihrem Mann. Später steht er weinend bei Nomi in der Küche und mixt sich einen Drink. Klingt in der Nacherzählung nicht so lustig, ist es aber. Generell scheinen sich die Hauptdarsteller für nichts zu schade zu sein - ob komplett nackt, in peinlichen Kostümen oder völlig verheult, sie singen laut und schief, tanzen noch wilder und haben sichtlich Spaß an ihren Rollen. "Sense8" ist für mich dennoch nur eine mittelmäßige "Netflix"-Serie, was vor allem daran liegt, dass die Handlung erst zu den Staffelenden hin interessant wird. Vorher geht es in den meisten Folgen um die persönlichen Probleme der acht Hauptfiguren, die aber nicht interessant und verständlich (man erfährt immer nur das aus ihrer Vergangenheit, was unbedingt notwendig ist) genug sind, um die Episoden zu füllen. Auch die Fähigkeiten der "Sensates" sind wenig nachvollziehbar, sodass ich immer das Gefühl hatte, dass die Geschichte nicht "rund" ist.


3%

Es ist ein langer Weg bis ins Paradies
Foto: Netflix
Hierbei handelt es sich um eine "Netflix"-Serie, die in Brasilien produziert wird und von der Grundidee an "Die Tribute von Panem" erinnert. In einer dystopischen Welt leben 97% der Einwohner in ärmlichen Slums und müssen tagtäglich ums Überleben kämpfen. Die restlichen 3% befinden sich auf einer Insel, auf der es neben ausreichend Lebensmitteln und Arbeit, auch moderne Technologie und ein harmonisches Miteinander gibt. Jedes Jahr findet ein kompliziertes Auswahlverfahren statt, an dem alle Slumbewohner im Alter von 20 Jahren teilnehmen können. Gehören sie zu den 3%, die alle Aufgaben bewältigen, dürfen sie für den Rest ihres Lebens auf die Insel. Die Handlung der ersten Staffel begleitet verschiedene Protagonisten. Darunter mehrere Kandidaten im Prozess, wie die naive Michele (Bianca Comparato), Rollstuhlfahrer Fernando (Michel Gomes) oder den skrupellosen Rafael (Rodolfo Valente), aber auch Ezequiel (João Miguel), den Chef des Auswahlverfahrens. Er und seine Mitarbeiter vermuten Spione einer Revolutionsbewegung unter den jungen Leuten.

Merke: Auch zukünftig ist zerrissene Kleidung "in"
Foto: Netflix
Nach der ersten Folge habe ich eine Weile überlegt, ob ich weitergucken werde. Sowohl das Auswahlzentrum, das fast nur aus weißer Farbe und Glas besteht, als auch die Slums, in denen alle kunstvoll zerrissene, bunte Kleidung tragen, wirken sehr künstlich. Zu Beginn erinnert die Serie auch zu stark an bekannte dystopische Teenie-Geschichten. Weiterhin bietet "Netflix" bislang ausschließlich die portugiesische Originalversion, sowie eine englische und spanische Synchronisation an. Ich habe die Sendung in Englisch geguckt und leider wirkt die Tonspur, besonders in den ersten Folgen, als wäre sie zeitlich verzögert - der Text passt selten zur Mundbewegung. Da ich aber denke, dass man nach einer Folge schlecht urteilen kann, habe ich die Serie weitergeguckt und es nicht bereut. An die unpassende Lippen-Text-Abstimmung gewöhnt man sich irgendwann und schon in der zweiten Folge geht die Handlung in eine individuelle Richtung, sodass man sie nicht mehr mit anderen Dystopien vergleichen kann. Vor allem, da "3%" im Gegensatz zu "Die Tribute von Panem" oder "Die Bestimmung - Divergent" für ein erwachsenes Publikum gedacht ist. "Netflix" hat die Sendung mit dem entsprechenden Hinweis "Nicht für Kinder" gekennzeichnet. Die Tests, die die Kandidaten meistern müssen, sind aber in den wenigsten Fällen gruselig oder tödlich, sondern eher langweilig und das ist auch mein größter Kritikpunkt: Es wird nie offensichtlich, nach welcher Art Mensch Ezequiel und seine Kollegen eigentlich suchen. Die Aufgaben wirken alle zusammenhangslos und sind meist schnell vorbei. Hier wurde leider Potenzial verschenkt.
v.l.: Marco, Michele, Fernando, Ágata, Rafael und Joana
Foto: Netflix
Doch für mich überwiegen deutlich die positiven Aspekte der Serie. Die Charaktere sind sehr vielschichtig und fast jeder hat es geschafft mich bis zum Staffelfinale zu überraschen. Es wird wirklich mit dem Spruch "Der erste Anschein trügt" gespielt, was die Spannung deutlich anzieht. Auch dadurch, dass immer wieder Kandidaten bei Tests ausscheiden, von denen man erwartet hatte, dass sie bis zum Ende durchhalten. Die Schauspieler haben allesamt ein breites Spektrum an Facetten und bringen die Emotionen ihrer Figuren auch ohne Worte rüber. Ich freue mich sehr, dass "3%" um eine zweite Staffel verlängert wurde. Die interessanten Charaktere und die Ausgangssituation nach dem Staffelfinale versprechen weitere spannende Geschichten. Hoffentlich mit besserer Kostümabteilung und einer genaueren Synchronisation.


Das waren meine "Netflix"-Kurzrezensionen. Da der Streaming-Anbieter immer wieder neue Serien und Staffeln herausbringt, wird es sicher nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema sein (klickt hier, um zum zweiten Teil zu gelangen).
Alle Posts zum Thema "Netflix" findet ihr hier. Momentan schaue ich "The Killing". Bislang kann ich die Sendung auf jeden Fall empfehlen!

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Dienstag, 4. Juli 2017

Die Bestimmung des Bösen (Julia Corbin) - Rezension

"Die Bestimmung des Bösen" ist ein Thriller der Autorin und Biologin Kerstin Pflieger, die hier unter dem Pseudonym Julia Corbin schreibt. Das Buch hat insgesamt 412 Seiten und wurde im Juni 2017 vom Diana Verlag veröffentlicht.

Die Mannheimer Kommissarin Alexis Hall verschweigt ihren Freunden und Kollegen seit Jahren ein großes Geheimnis: Ihre Eltern waren Serienmörder und sind im Kugelhagel der Polizei gestorben. Später wurde sie von einem Wissenschaftler adoptiert, dessen Forschung sich mit der Frage befasst, ob es ein "kill:gen" gibt, das die Gewalttätigkeit und Skrupellosigkeit der Träger fördert.
Bei ihrem aktuellen Fall wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ein Serienkiller geht um. Sein Ziel: Beste Freundinnen. Er entführt sie, quält sie und zwingt die eine, der anderen beim Sterben zuzusehen. An einem Tatort findet Kommissarin Hall das Markenzeichen ihrer Eltern: Nagelkronen und weiße Anemonen. Nach weiteren beunruhigenden Vorkommnissen muss sie sich fragen, ob das Böse auch in ihr ist.

Der Unterschied zwischen DNA und RNA

Ganz schön blutig
Foto:  Random House
Eins muss man definitiv wissen, bevor man "Die Bestimmung des Bösen" liest: Man merkt deutlich, dass Autorin Julia Corbin Biologin ist. Alexis Hall wird bei ihren Ermittlungen von der Kriminalbiologin Karen Hellstern unterstützt, die sich vor allem auf Insekten spezialisiert hat. Sie kann anhand des Mageninhalts einer Stechmücke Mörder überführen, was wirklich spannend ist. Allerdings geht sie bei Erklärungen zu DNA und verschiedenen biologischen Techniken zu sehr ins Detail. Ich hatte das Fach im Abitur und habe mich immer gerne mit dem Thema Genetik beschäftigt, daher konnte ich den Ausführungen größtenteils folgen. Allerdings leidet die Spannungskurve darunter, wenn Prozesse wie die Polymerase-Kettenreaktion zu ausschweifend erklärt werden, da viele Absätze wie Auszüge aus Schulbüchern klingen ("RNA unterscheidet sich nur in wenigen Punkten von DNA. Bei dem Zucker, der das Phosphatrückgrat bildet, handelt es sich um Ribose, und eine der Basen, die die beiden Einzelstränge miteinander verbinden, wird durch Uracil ersetzt."). Mir persönlich gefallen diese Ausflüge in die Biologie. Man kann die Arbeit der Ermittler besser nachvollziehen und sie wirkt deutlich realistischer als in vielen anderen Krimis, in denen die Grenzen der Wissenschaft und Technik beliebig ausgelegt werden. Dennoch sind sie teilweise ermüdend zu lesen. Da die Kapitel nur aus wenigen Seiten bestehen, ist es jedoch einfach diese Szenen zu überspringen, ohne Teile der Handlung zu verpassen.

Das wäre auch schade, denn die Geschichte hat mich gefesselt. Bereits die Ausgangssituation ist spannend. Alexis Hall kämpft seit Jahren gegen die Dämonen der Vergangenheit und lebt in ständiger Angst, dass ihre Kollegen erfahren wer ihre Eltern sind und was sie getan haben. Obwohl die Familiengeschichte im Laufe des Buches immer weiter in den Vordergrund rückt, bringt Corbin es fertig, dass ihre Protagonistin dennoch weitestgehend normal wirkt und erspart den Lesern einen gebrochenen Ermittler, der sich in Selbstmitleid suhlt. Hall behält meistens einen kühlen Kopf und geht den Geschehnissen auf die Spur, anstelle in völlige Panik zu verfallen, obwohl das durchaus berechtigt wäre ("Dreckige, barfüßige Fußspuren führten zu ihrem Bett. Ihre Schuhgröße. Verzweifelt versuchte sie sich zu erinnern, aber sie wusste nur noch, wie sie nach einem langen, erschöpfenden Tag zu Hause angekommen war."). Ich finde die Kommissarin sehr menschlich und sympathisch, auch wenn es wünschenswert gewesen wäre, dass sie ihren Kollegen früher die Wahrheit gesagt hätte. Die ständigen Bedenken, dass ihr Partner Oliver Zagorny und Kriminalbiologin Karen Hellstern sie mit Abscheu oder Angst ansehen werden, sind eintönig. Der Leser kennt die beiden Charaktere gut genug, um zu wissen, dass sie fest hinter Alexis stehen und deren Angst unbegründet ist. Obwohl Karen für meinen Geschmack zu viel und Oliver zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird, sind beide bodenständige und interessante Figuren, die den Fall bereichern und die zunehmend verunsicherte Kommissarin stützen.

Liebevolle Monster

Immer wieder gibt es Rückblenden, in denen man in Alexis Halls Vergangenheit eintaucht und ihre kindliche Sicht geschildert wird. Dieser Aspekt gibt der ganzen Vorgeschichte Tiefe, da die kleine Alexis nichts von den Machenschaften ihrer Eltern weiß. Die Beschreibung der Morde lässt die beiden als grausame Monster erscheinen, doch in den Beobachtungen ihrer kleinen Tochter sind sie liebevolle Menschen, die sich mit Hingabe um sie kümmern ("'Keine Angst, Lil'Be. Daddy ist da.' Sie sah ihn an, den Riesen, der sie so leicht in die Luft werfen konnte, dessen Hände sie sanft kitzelten, wenn sie abends im Bett lag. Sie wollte ihm glauben."). Ich kann mich spontan an keinen Krimi erinnern, in dem der Mörder Kinder hatte, die mit dem furchtbaren Erbe leben mussten. Dabei ist dieser Aspekt nicht nur spannend, sondern auch realistisch, da es diese Situation im wahren Leben leider oft gibt.

Der einzige größere Makel an "Die Bestimmung des Bösen" ist für mich das Ende, da ich es leider wenig überraschend fand. Meine erste Eingebung stellte sich als richtig heraus. Zwar gibt es danach noch einen Twist, doch der wirkte auf mich übertrieben - als sollte diese Auflösung die vorherige an Brutalität und Wahnsinn noch übertreffen. Hier hätte ich mir einen ruhigeren, dafür intensiveren Showdown gewünscht, der sich mehr Zeit lässt, da er fast so schnell endet, wie er begonnen hat. Ansonsten hatte ich an der Geschichte nichts auszusetzen und hoffe, dass dieser Krimi der Auftakt zu einer Reihe mit den Kommissaren Hall und Zagorny ist. Die Ermittler sind kompetent und sympathisch, daher kann ich mir gut vorstellen, dass eine Geschichte mit ihnen auch ohne Verbindungen zu Halls Vergangenheit funktionieren kann. Da sie auch am Ende von "Die Bestimmung des Bösen" nicht zu hundert Prozent davon überzeugt zu sein scheint, dass sie selbst und nicht das "kill:gen" über ihre Taten entscheidet, sehe ich auch hier großes Potenzial für zukünftige Geschichten.

Fazit

"Die Bestimmung des Bösen" ist ein spannender Thriller, bei dem ein engagiertes und sympathisches Team einen gruseligen, kreativ mordenden Serienkiller jagt. Die Vorgeschichte der Protagonistin Alexis Hall ist fesselnd und beleuchtet einen Aspekt, den man nur in wenigen Krimis findet. Julia Corbin zeigt anschaulich, dass jeder vermeintlich "gute" Mensch auch schlechte Seiten und jeder vermeintlich "böse" Mensch auch herzliche Seiten haben kann. Das verleiht den Charakteren Tiefe und Lebendigkeit. Auch die kriminalistischen Untersuchungen sind nachvollziehbar. Das Fachwissen der Autorin lässt die Ermittlungen sehr bodenständig und realitätsnah erscheinen. Durch ihre ausführlichen Schilderungen hat man zudem das Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben. Leider wird der Showdown dem Rest des Buches nicht gerecht. Er wirkt gehetzt und die Auflösung war für mich wenig überraschend. Da die Charaktere, die Vorgeschichte, der Schreibstil und der Fall überzeugend sind, konnte ich jedoch über das schwache Ende hinwegsehen und hoffe, dass dies nicht der letzte Krimi mit Alexis Hall sein wird.


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Samstag, 1. Juli 2017

Kinderserien der 2000er (Zeichentrick) - Watch.Read.Discuss.

Dies ist der dritte Teil unserer Reihe "Watch.Read.Discuss.", bei der wir Autoren uns mit demselben Thema beschäftigen. Heute stellen wir euch einige Zeichentrickserien vor, die wir in unserer Kindheit gerne gesehen haben. Dabei konzentrieren wir uns auf Sendungen, die in den 2000er Jahren in Deutschland gelaufen sind. Die weiteren Teile der Reihe “Kinderserien der 2000er“ findet ihr hier.
Klickt auf die Titel, um euch die Intros anzuschauen.


Katrin

Disneys Fillmore!

Ingrid und Fillmore sind ein tolles Team
Foto: Screenshot
Eine meiner liebsten Kinderserien ist "Fillmore!". Leider hat sie nur 26 Folgen, aber ich habe jede genossen. Es geht um Cornelius Fillmore und Ingrid Third, die Schüler an der "X Middle School" und Officers des dortigen "Security Teams" sind. Gemeinsam mit ihrer fünfköpfigen Truppe (Durch die titelgebende dunkelhäutige Hauptfigur, einen Hispanier und ein japanischstämmiges Mädchen deutlich vielfältiger als die meisten Sendungen für Erwachsene.) klären die beiden Verbrechen an ihrer Schule auf. Die ganze Serie ist eine Parodie auf amerikanische Krimis - die Fälle sind hier Schultoiletten-Vandalismus, Diebstahl von Maskottchen und Stinkbombenanschläge anstelle von Mord, Banküberfällen und Terrorismus. Spurensuche, Verhöre und nervende Vorgesetzte gibt es bei "Fillmore!" daher auch.
Die Kriminalfälle sind alle äußerst clever und laden zum Miträtseln ein. An der "X Middle School" gibt es allerlei schräge Schüler, die die kreativsten Verbrechen begehen. Auch die Protagonisten Ingrid und Fillmore sind keine braven Lehrerlieblinge, sondern haben eine Vergangenheit als Störenfriede. Ich finde, dass die Serie Kindern ein sehr differenziertes Bild von "gut" und "böse" vermittelt. Die "Täter" haben meist menschlich nachvollziehbare Gründe für ihre Fehltritte und die "Officers" legen die Schule bei Verfolgungsjagden regelmäßig in Schutt und Asche. Dabei beweist die Serie einen bissigen, aber kindgerechten Humor, wie man ihn nur selten findet. Für mich hat "Fillmore!" den Grundstein für eine lebenslange Liebe zu Krimis gelegt.

Laura: Ich habe "Fillmore!" auch immer super gerne geschaut. An einige der Fälle erinnere ich mich sogar heute noch. Obwohl ich mich manchmal wirklich gefragt habe, wie die Zwei überhaupt Zeit für sowas wie Unterricht und Hausaufgaben hatten, haha. 


Disneys Große Pause


v.l.: Vince, Spinelli, Mikey, T.J., Gretchen und Gus
Foto: Walt Disney Company
Gleich noch ein weiterer "Disney"-Hit. Diese Serie dreht sich um eine Gruppe aus sechs Freunden, die gemeinsam die vierte Klasse einer Grundschule besuchen. Die Hauptcharaktere sind völlig unterschiedlich, weswegen es einfach ist, jemanden zu finden, mit dem man sich identifizieren kann: T.J. ist der vorlaute Anführer, Vince das coole Sport-Ass, Spinelli die taffe Wrestlerin, Gretchen das technikaffine Genie, Mikey der verträumte Poet und Gus der schüchterne Militärfan. Die Folgen spielen weitestgehend während der großen Pause, in der die Freunde auf dem Schulhof allerlei Probleme bewältigen. Dabei kommen immer wieder dieselben schrägen Mitschüler vor, wie die beiden Buddler, die auf dem Gelände tiefe Löcher und Stollen graben.
Früher mochte ich die Serie vor allem, weil sie so bodenständig ist. Die Kinder haben keine magischen Fähigkeiten und erleben keine halsbrecherischen Abenteuer. Sie sind ziemlich normal und müssen sich mit alltäglichen Situationen auseinandersetzen, die ihrem Alter (und dem ihrer Zuschauer) angemessen sind. Vor Kurzem habe ich angefangen die Serie noch einmal von Anfang an zu gucken - diesmal auf Englisch (Ashley Johnson - Patterson aus Blindspot - spricht übrigens Gretchen). Mit älterer Sichtweise fallen mir jetzt die ganzen cleveren Anspielungen auf. Ähnlich wie bei "Fillmore!" werden auch bei "Disneys Große Pause" zahlreiche Themen für Kinder aufbereitet - beispielsweise Mobbing, Krieg, Sucht, Kapitalismus und Demonstrationen. Doch nicht aufdringlich. Im Fokus steht immer die Clique um T.J., die trotz ihrer Differenzen unzertrennlich ist. Damals wie heute macht es Spaß ihnen beim Erwachsenwerden zuzusehen und gemeinsam Randall, die fiese Petze, zu hassen.

Laura: Die Serie habe ich richtig oft geschaut und selbst als ich manche Folgen zum zehnten Mal gesehen habe, wurden sie immer noch nicht langweilig. Mir hat es auch gefallen, dass die Kinder so normal waren und mit alltäglichen Problemen zu kämpfen hatten.


Laura

Digimon

Wahre Freundschaft zwischen Kindern & ihren Digimon
Foto: Toei Animation
In diesem japanischen Anime geht es um die Kinder Tai, Matt, T.K., Sora, Izzy, Joe und Mimi. Sie sind in einem Sommercamp, als sie plötzlich in eine andere Welt, die Digiwelt, transportiert werden. Dort findet jeder ein Digimon (digitales Monster), das fortan ihr jeweiliger Partner ist. Sowohl die Digiwelt als auch die Menschenwelt schweben in Gefahr, weil ein mächtiges Digimon sie vereinen und regieren will. Die Kinder müssen das mithilfe ihrer Partnermonster verhindern. Diese Geschichte der ersten Generation enthält insgesamt 54 Episoden. Mit "Digimon 02" wurde eine neue Gruppe von Kindern eingeführt. Diese Folgen habe ich allerdings nicht mehr verfolgt. 
"Digimon" zählt zu den absoluten Lieblingsserien meiner Kindheit. Die Abenteuer der sieben Freunde und ihrer Digimon waren für mich immer etwas Besonderes. Die Serie hat sich dadurch abgehoben, dass sie eine fortlaufende Geschichte erzählt. Außerdem bietet sie viel mehr als nur Spannung, Action und kämpfende Monster. Es geht um Freundschaft und Vertrauen. Dabei steht nicht nur die Beziehung der Kinder im Fokus, sondern auch die zu ihren Digimon. Diese können, anders als Pokémon, sogar richtig sprechen. Die sieben Protagonisten durchleben aber ebenfalls ganz normale Probleme des Erwachsenwerdens, machen Fehler, müssen sich Ängsten stellen oder zerstreiten sich. Deshalb gibt einem dieser Anime sehr viel mit und vermittelt wichtige Werte. Zusätzlich zu den inhaltlichen Aspekten liebe ich das erste Intro der Serie und es macht mich auch heute noch emotional. Wer sich ein Wiedersehen mit den Charakteren wünscht, sollte unbedingt die Filmreihe "Digimon Adventure tri" schauen. Seit 2015 wird dort die Geschichte der Kinder, die mittlerweile sechs Jahre älter sind, weitergeführt. 


Typisch Andy

Andy, der selbsternannte "Meister der Scherze"
Foto: Screenshot
Die Idee hinter dieser Kinderserie ist schnell erklärt: Der Schüler Andy interessiert sich nur für Streiche und hat es sich zum Ziel gemacht, seine Mitmenschen mit den verrücktesten Scherzen zu nerven. Unterstützung bekommt er dabei oft von seinem besten Freund Danny. Zwar gelingen ihm seine Streiche so gut wie immer, doch das beschert ihm am Ende jede Menge Ärger.
Auch diese Serie habe ich als Kind geliebt. Es hat immer Spaß gemacht, Andy bei seinen skurrilen Scherzen und Albernheiten zu beobachten. Viele davon sind wirklich kreativ und raffiniert. Ich habe als Kind bei dieser Serie ziemlich oft gelacht, nicht nur wegen der Streiche, sondern auch der Probleme, in die sich Andy dabei immer wieder manövriert. In Erinnerung geblieben sind mir dabei vor allem die Momente, in denen er quasi die Zeit anhält, um einen albernen Kommentar zu machen oder zu erklären, wie er in diese Situation geraten ist. Dieses Ansprechen "durch den Bildschirm" hat mir gefallen, weil es eine Besonderheit war, die viele andere Kinderserien nicht hatten. Tatsächlich sind mir sogar einige Folgen im Gedächtnis geblieben, beispielsweise als er wegen einer Wette einen ganzen Tag nur in Reimen redet. Ich werde dadurch nie vergessen, was sich auf Orange reimt: Melange. Einprägsam ist außerdem das Intro, das ich immer richtig cool fand, als Kind aber kaum mitsingen konnte, weil es zu schnell für mich war.

Katrin: Ich fand den Titelsong vor allem furchtbar nervtötend, genauso wie den unsympathischen Protagonisten. Vielleicht war ich auch einfach zu brav, um seine Scherze lustig zu finden...


Welche Serien habt ihr in eurer Kindheit gerne geguckt? Teilt es uns in den Kommentaren mit. Wir planen weitere Diskussionsbeiträge zum Thema Kindersendungen (alle bisherigen Posts dazu gibt es hier), vielleicht wird euer Favorit in einem zukünftigen Post thematisiert.

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Donnerstag, 29. Juni 2017

Mary Poppins (Musical) - Rezension

2004 feierte das "Disney"-Musical "Mary Poppins" Weltpremiere am Londoner West End. Seit Oktober 2016 läuft es nun erstmalig in Deutschland im Stuttgarter "Apollo Theater". Als eingefleischter Musicalfan wollte ich das Stück schon eine ganze Weile lang sehen. Am 25. Juni war es endlich soweit. Wer ebenfalls Interesse an "Mary Poppins" hat, kann sich freuen. Es läuft zwar gerade in Stuttgart aus, doch danach zieht es direkt weiter in Deutschlands Musical-Metropole Hamburg. 
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass sich meine Rezension ausschließlich auf die Nachmittagsvorstellung am 25. Juni 2017 und deren Besetzung bezieht. Die Bilder im folgenden Post sind offizielle Promofotos und zeigen nicht zwangsläufig die Stuttgarter Produktion oder die Besetzung, die ich gesehen habe.

Zwischen Buch und Film

Momentan noch in Stuttgart, bald in Hamburg
Foto: Katrin Mertens
Mary Poppins ist ein Kindermädchen, das eines Tages bei der Londoner Familie Banks auftaucht. Die Eltern sind mit der Erziehung ihrer beiden Kinder Jane und Michael überfordert und nehmen gerne die Hilfe der Nanny an, nachdem etliche Vorgängerinnen bereits gekündigt haben. Schnell bemerken Jane und Michael, dass Mary Poppins kein gewöhnliches Kindermädchen ist. Sie hat magische Fähigkeiten und kennt allerlei ungewöhnliche Menschen. 
Die Geschichte hat sich die australische Autorin P. L. Travers ausgedacht. Zwischen 1934 und 1988 veröffentlichte sie mehrere Bücher mit ihrer außergewöhnlichen Protagonistin. 1964 brachte "Disney" einen Spielfilm heraus, der lose auf den Geschehnissen des ersten Romans beruht. Travers war mit dem Ergebnis nicht zufrieden und weigerte sich die Filmrechte der anderen Bücher zu verkaufen.

v.l.: Jane, Bert, Michael und Mary auf dem Dach
Foto: Stage Entertainment
Das Musical folgt größtenteils der Handlung des "Disney"-Films, enthält jedoch auch Teile der Originalgeschichte, die es nicht in die Verfilmung geschafft haben. Am besten hat mir hier gefallen, dass Mary Poppins deutlich strenger ist. Travers hat am Film vor allem bemängelt, dass ihr striktes, eitles und uneinsichtiges Kindermädchen viel zu süßlich und lieb gewesen sei. Im Musical hat die Protagonisten einen großen Teil ihrer Strenge zurück erlangt. Sie verschwindet beispielsweise einfach, als sie das Gefühl hat, dass Jane und Michael undankbar sind und nimmt das Spielzeug der beiden mit. Als Kind habe ich den Film gerne geguckt, fand es aber immer seltsam, dass die Nannys in Scharen vor den Banks-Geschwistern geflohen sind. Die wirkten immer so brav und niedlich. Im Musical sind sie das auf gar keinen Fall. Michael ist frech und vorlaut, während Jane jeden herumkommandiert und auf Menschen herabsieht, die einer niedrigeren sozialen Schicht angehören.
Tanzszene in der "Gesprächsstoffhandlung"
Foto: Stage Entertainment
Es wird ebenfalls auf die Jugend der Banks-Eltern eingegangen, wodurch die Probleme der Familie im Musical deutlicher und greifbarer werden als im Film. Dennoch gibt es auch Änderungen, die mich gestört haben. So ist Mrs. Banks keine Suffragette, also Frauenrechtlerin, mehr, sondern eine ehemalige Schauspielerin, die sich nur noch ihrem Mann und dem Haushalt widmet. Das ist leider ein Schritt in die falsche Richtung - hin zu einer veralteten Denkweise, gegen die im Film von 1964 noch protestiert wurde. Diese altmodische Entwicklung ist auch seltsam, da die restlichen Szenen sehr bunt und überdreht sind. Die Sequenz mit den Karussellpferden wurde beispielsweise durch eine Erzählung aus dem Buch ersetzt, in der Mary Poppins mit den Kindern die "Gesprächsstoffhandlung" von Mrs. Corry besucht. In einer farbenfrohen Tanzsequenz bilden die drei hier das berühmte Wort "Supercalifragilisticexpialigetisch" aus Buchstaben, die sie in dem Laden gekauft haben. Ich persönlich hatte das Gefühl, dass die einzelnen Szenen zum Teil etwas zusammenhangslos sind und die eigentliche Kernhandlung aus dem Fokus gerät. Besonders das Ende wirkt eher gehetzt. Das Verhalten der Hauptcharaktere dreht sich viel zu schnell und ohne Erklärung um 180 Grad. Das ist nicht sonderlich glaubhaft und schwächt die Moral der Geschichte, da nicht deutlich herausgearbeitet wird, was die einzelnen Mitglieder der Familie Banks zum Umdenken bewegt hat.

"Völlig ohne Fehler"

Mary Poppins ist vollkommen perfekt
Foto: Stage Entertainment
So heißt das Lied, mit dem sich Mary Poppins bei den Kindern vorstellt. Darin bezeichnet sie sich mehrfach als "völlig ohne Fehler", "perfekt" und "anständig". Dass Jane und Michael ihr hochmütiges Verhalten bald nachäffen, kann man ihnen kaum verdenken. Obwohl Mary eigentlich die Hauptperson der Geschichte ist, habe ich das Gefühl, dass sie nur sporadisch im Fokus steht. Die Familie Banks und auch Bert scheinen deutlich präsenter zu sein. An den Darstellern liegt das jedoch nicht. Ausnahmslos alle haben in meinen Augen tolle, passende Stimmen und stellen ihre Rollen mit großer Freude dar. Allen voran Masha Karell als Miss Andrew, das eiskalte, ehemalige Kindermädchen von George Banks, das nun auf dessen Kinder aufpassen soll. Karell spielt die grausame Nanny so herrlich böse und gruselig, dass man die Angst der anderen Charaktere gut nachvollziehen kann. Besonders spannend ist die Szene, in der Miss Andrew Mary Poppins begegnet. Die jüngere Frau jagt ihre bösartige Konkurrentin mit Magie aus dem Haus. Hier zeigt sich eine andere Facette der titelgebenden Hauptfigur. Denise Jastraunig, Darstellerin von Mary Poppins, lässt ihre Rolle beinahe so unheimlich und gnadenlos wirken wie Gegenspielerin Miss Andrew. Außerdem hat sie eine angenehme Gesangsstimme, die sowohl herrisch ("Spielt euer Spiel") als auch sanft ("Die Vogelfrau") und gelöst ("Supercalifragilisticexpialigetisch") klingen kann. Dasselbe gilt für David Boyd ("Bert"), Livio Cecini ("George Banks") und Jennifer van Brenk ("Winifred Banks"). 
Mit Gesang macht das Aufräumen mehr Spaß
Foto: Theatre Royal Plymouth
Besonders in Erinnerung bleiben die beiden Kinderdarsteller: Namira Reber als Jane und Zinedine Strasser als Michael Banks. In den meisten Musicals wird auf minderjährige Rollen verzichtet. In den wenigen, die es gibt, fungieren Kinder meist nur als schmückendes, vorwiegend stummes Beiwerk, das nur für einige große Ensemblenummern auf die Bühne geholt wird (beispielsweise "Florian" in "Ich war noch niemals in New York") oder als junge Version der Hauptcharaktere, die gänzlich verschwindet, sobald die Rolle erwachsen ist (beispielsweise "kleine Nala" und "kleiner Simba" in "Der König der Löwen"). Jane und Michael Banks sind jedoch in vielen Szenen und Tanznummern dabei und haben eigene Songs. Namira und Zinedine wirken sehr sicher und harmonieren toll mit ihren älteren Kollegen. Obwohl sie lieb und niedlich wirken, spielen sie die verwöhnten, hochnäsigen und frechen Seiten ihrer Figuren so überzeugend, dass man sie in diesen Szenen gerne maßregeln möchte. Ein großes Lob auch für die bunte, internationale Zusammensetzung des ganzen Ensembles, das man dennoch ohne jegliche Probleme verstehen kann.


Tolles Bühnendesign trifft auf mittelmäßigen Soundtrack

Noch ohne Requisiten: Das Haus der Familie Banks
Foto: Disney Video
"Mary Poppins" besticht vor allem durch die Optik. Neben den farbenfrohen Kostümen, fällt besonders das Bühnenbild ins Auge. Das Stück beginnt mit einem atemberaubenden Sternenhimmel und den Schornsteinen auf Londons Dächern. Danach wechselt das Setting vor allem zwischen dem Park, der mit lediglich einem Metalltor und einer Statue relativ unspektakulär aussieht und dem Zuhause der Familie Banks. Das ist ein großes, aufklappbares Puppenhaus, das sich drehen lässt und verschiedene Räume offenbart. Alles ist liebevoll detailliert gestaltet und passt vom Stil her perfekt zu den 1910er Jahren, in denen die Geschichte spielt. Auch die Effekte sind toll. Der Kamin im Kinderzimmer katapultiert jeden, der in ihn hineinklettert, sofort aufs Dach und das Küchenequipment kann in wenigen Sekunden kaputt gehen und sich wieder selbst reparieren. Besonders die Szene, in der Mary Poppins Miss Andrew eine Lektion erteilt, ist toll choreografiert. Die Bühne nimmt verschiedene Farben an, je nachdem welche der Frauen gerade die Oberhand hat. Weiterhin lässt Mary ihre Gegenspielerin durch die Gegend wirbeln und zwingt sie mit Magie in einen Käfig. Die Effekte sind herrlich unheimlich, weshalb es verständlich ist, dass das Musical ab einem Alter von 7 Jahren empfohlen wird und Kinder unter 3 Jahren keinen Zutritt haben. 
Mary (r.) erteilt Miss Andrew eine Lektion
Foto: Pacific Conservatory Theatre
Was mich am Stück deutlich gestört hat, war der Soundtrack. Die meisten Songs aus dem "Disney"-Film wurden zwar übernommen, aber etwas abgeändert. Der Text von "Supercalifragilisticexpialigetisch" besteht beispielsweise zu einem großen Teil aus dem Buchstabieren des Wortes, was nach der vierten oder fünften Wiederholungen langweilig wird. Auch die Position der Songs ist anders. Das Stück "Drachensteigen" wird beispielsweise am Ende des Films von der endlich vereinten Familie Banks gesungen. Im Musical kommt es bereits zu Beginn des zweiten Akts vor und ist hier ein Duett zwischen Bert und den Kindern, was dem Lied den emotionalen Kontext der glücklichen Familie nimmt. Da ein Bühnenmusical aus deutlich mehr Songs besteht, als ein Film, wurden etliche neue Lieder, darunter "Völlig ohne Fehler" und Miss Andrews Solo "Krautsaft und Fischöl", geschrieben. Für mich war davon leider keins auch nur annähernd so berührend oder eingängig wie die Musikstücke aus dem Film. Da einige Handlungsstränge im Musical fehlen, sind auch die dazugehörigen Lieder gestrichen worden, darunter "Wir sind die Kämpfer fürs Frauenrecht" und "Ich lach so gern". Ich habe mich daher gefreut, dass mein Lieblings-"Mary Poppins"-Stück "Die Vogelfrau" weitestgehend unangetastet blieb. 

Fazit

"Mary Poppins" ist ein farbenfrohes, verrücktes und familienfreundliches Musical. Fans des "Disney"-Films sollten sich bewusst sein, dass das Stück kein eins zu eins Remake ist, sondern sich nur im Kern an der Verfilmung orientiert. Liebhaber der Originalgeschichten werden sich hingegen freuen, dass das Musical deutlicher auf P. L. Travers Vorstellungen eingeht als der Film. Die Handlung ähnelt dem Aufbau der "Mary Poppins"-Bücher: Einige kurze Erzählungen anstelle eines einzigen Abenteuers mit rotem Faden. Das ist schade, da man so wenig über die Charaktere und ihre Entwicklung erfährt. Sie bleiben einseitig - genau wie der Soundtrack. Viele der bekannten Lieder aus dem "Disney"-Film wurden leider verändert, um vom Stil her zu den neuen zu passen. Dennoch bleiben Melodie und viele Refrains gleich, sodass man noch immer mitsingen kann. Vor allem visuell besticht das Musical - durch tolle Projektionen, eine übers Publikum fliegende Protagonistin, wunderschöne Bühnenbilder und allerhand magische Effekte. Letztendlich ist "Mary Poppins" nicht das beste Musical aus dem Hause "Disney": Nicht so berührend wie "Der König der Löwen" und nicht so ein schöner Soundtrack wie bei "Tarzan", doch mit Stücken wie "Aladdin" und "Die Schöne und das Biest" hält es durch seine tolle Optik, den Humor, die bekannten Kindheits-Melodien und den ansteckenden Enthusiasmus der talentierten Darsteller locker mit.


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Für alle Interessierten, hier noch der Trailer: