Dienstag, 20. Juni 2017

Wonder Woman - Watch.Read.Discuss. [D/E]

The following discussion of the movie "Wonder Woman" is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Endlich eine starke Frau!
Foto: Warner Bros. Pictures
Dies ist der zweite Teil unserer Reihe "Watch.Read.Discuss", bei der wir Autoren uns mit demselben Medium beschäftigen und danach einige Fragen diskutieren. Heute geht es um den Mitte Juni erschienenen Film "Wonder Woman".

Wer ihn noch nicht gesehen hat: Diana (Gal Gadot) lebt abgeschottet von der Welt der Menschen auf einer Insel. Die Bewohnerinnen sind Amazonen, starke Kriegerinnen, die sich auf eine Konfrontation mit Ares, dem Gott des Krieges vorbereiten. Er hatte einst alle anderen Götter getötet und Zwietracht zwischen den Menschen gesät. Der geschwächte Zeus konnte ihn verwunden und den Amazonen den "Gottestöter" überlassen, die Waffe, die es vermag Ares zu besiegen. Eines Tages sieht Diana wie ein Flugzeug vor der Insel ins Meer stürzt. Sie rettet den Piloten, einen britischen Spion namens Steve Trevor (Chris Pine), vor dem Ertrinken. Er wird von deutschen Soldaten verfolgt, die ihm in das Reich der Amazonen folgen. Sie können die Männer besiegen, doch Diana erfährt, dass zeitgleich Millionen von Menschen im Ersten Weltkrieg sterben. Gemeinsam mit Steve verlässt sie das Inselparadies. Ihr Ziel: Ares finden, ihn töten und dadurch den Frieden wiederherstellen.


Warum und in welchem Zusammenhang habt ihr den Film angesehen?

Laura: Jeder Superheldenfilm weckt erstmal mein Interesse, da war auch "Wonder Woman" keine Ausnahme. Die bisherigen Filme aus dem "DC Extended Universe" konnten mich zwar nicht wirklich überzeugen, doch als ich Gal Gadot als "Wonder Woman" in "Batman vs Superman" gesehen habe, war ich sofort von ihrem Charakter begeistert. Der Trailer hat mein Interesse nochmal gesteigert, daher war der Film ein Muss. Ich habe die englische Originalversion angeschaut, weil ich diese in den meisten Fällen bevorzuge. 

Katrin: Ich bin kein Fan von Superheldenfilmen und habe von "DC Comics" noch keinen einzigen gesehen. "Wonder Woman" klang aber interessant - vor allem durch das Setting im Ersten Weltkrieg und die weibliche Superheldin. Also habe ich mich nach "Doctor Strange" an die nächste Comic-Verfilmung gewagt. Bei diesem furchtbar heißen Wetter gibt es sowieso keinen besseren Ort als ein kühles, leeres Kino.

"Wonder Woman" hat für viel Aufregung gesorgt, da es nur selten weibliche Superhelden, starke Hauptdarstellerinnen oder Regisseurinnen in Hollywood-Blockbustern gibt. Wie steht ihr zu dieser Diskussion?

Selbst "Wonder Woman" geht Klamotten shoppen
Foto: Warner Bros. Pictures
Katrin: Ich finde es unglaublich schade, dass Filmstudios grundsätzlich davon auszugehen scheinen, dass Produktionen, an denen Frauen maßgeblich mitgearbeitet haben, Flops werden. In der Vergangenheit gab es nur ein paar lieblose Versuche wie "Catwoman" und auch der "Wonder Woman"-Film hing seit Jahren immer wieder in verschiedenen Produktionsschritten fest. Hoffentlich bietet der Erfolg dieses Blockbusters eine große Chance für viele talentierte Filmemacherinnen. Aber vor allem wäre es toll, wenn die jüngsten Kinogängerinnen demnächst ein breiteres Spektrum an Vorbildern im Abenteuer-, Action- und Superhelden-Genre hätten. Gal Gadot ist ein tolles Beispiel: Sie war bei den Nachdrehs im 5. Monat schwanger und hat trotzdem gekämpft - mit Greenscreen vor dem Bauch!

Laura: Es nervt mich mittlerweile wirklich, wie wenig Chancen solche Filme bekommen und von Anfang an schon schlecht geredet werden. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass "Wonder Woman" so viel Aufmerksamkeit und Lob bekommen hat. Ich denke, das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bei "Marvel"-Fans gibt es schon seit langer Zeit den Wunsch nach einem Film zur russischen Agentin Natasha Romanoff alias "Black Widow". Vielleicht wird dieser Verfilmung nach dem Erfolg von "Wonder Woman" endlich eine Chance gegeben.

Ist der Film dem gerecht geworden?

Die Amazonen beschützen die Welt vor Ares
Foto: Warner Bros. Pictures
Laura: Auf jeden Fall! Zuerst einmal: Kämpfende Amazonen! Die waren der Hammer. Was für mich aber ganz entscheidend ist: Diana, aber auch alle anderen Frauen, werden nicht auf irgendeine Weise sexualisiert, indem sich der Fokus auf ihre Körper richtet. Das liegt sicherlich auch an der Regisseurin Patty Jenkins, die weibliche Figuren hier als Personen darstellt, genauso wie die männlichen Charaktere. Das ist toll und sollte eigentlich immer der Fall sein. Der Film zeigt außerdem eine unglaublich starke Protagonistin, die verdammt gut kämpfen und auf sich selbst aufpassen kann. Gleichzeitig hat Diana aber auch ihre schwachen Momente, in denen sie Verletzlichkeit zeigt. "Wonder Woman" hat diesen Balance-Akt super hinbekommen und dadurch wird die Hauptperson zu einem tollen Vorbild für Mädchen und Frauen.

Katrin: Ich sehe das anders: In einigen Punkten ist der Film dem gerecht geworden, in anderen nicht. Auf der einen Seite fand ich die Kampfszenen mit den Amazonen großartig, ebenso wie die Tatsache, dass die Rollen von Profisportlerinnen und -kämpferinnen übernommen wurden. Mir hat auch gefallen, dass Diana bis zum Ende des Films immer die Oberhand hatte und nicht doch irgendwann von einem heldenhaften Mann auf spektakuläre Art und Weise gerettet wurde. Eine Kleinigkeit, die ich dennoch sehr gut fand, ist die Tatsache, dass an Gal Gadot kleinere "Makel" nicht wegretuschiert wurden. Man sieht mal einen Pickel und oberhalb ihres Korsetts sind kleine Speckpolster. Es ist toll, dass man sie nicht zwanghaft perfekt gemacht hat. Allerdings gab es auch viele Schwachstellen. Dianas Outfit zum Beispiel: Warum kann eine Superheldin nicht auch einen praktischen Anzug oder ein Set à la "Kim Possible" tragen? Wieso muss es ein Korsett (ZUM KÄMPFEN!) sein, das weniger bedeckt als ein normaler Badeanzug? Dianas Erkenntnis am Ende, dass sie für die Liebe kämpft, hätte definitiv auch nicht sein müssen. Ein männlicher Superheld hätte sich Gerechtigkeit oder Frieden auf die Fahne schreiben dürfen.

Was haltet ihr von der männlichen Hauptperson Steve Trevor?

Diana hört eher selten auf Steve
Foto: Warner Bros. Pictures
Laura: Seine stetige Faszination von Diana und ihren Fähigkeiten hat mich immer zum Schmunzeln gebracht. Genauso wie seine Versuche ihr bestimmte Dinge, wie beispielsweise das Heiraten, zu erklären. Ich fand es gut, dass nicht zu viel Fokus auf ihn gelegt wurde und er oftmals "nur" der Begleiter war. "Wonder Woman" erzählt Dianas Geschichte und natürlich ist Steve ein wichtiger Teil davon, was auch deutlich wird. Wenn er allerdings mehr Screentime bekommen hätte, wäre es mehr zu ihrer gemeinsamen Geschichte geworden. Dadurch wäre meiner Meinung nach der Schwerpunkt von Diana weggerückt worden. Von daher war es für mich nicht so schlimm, dass sein Charakter weniger ausgearbeitet ist. Tatsächlich war ich bei seinem Tod eher traurig wegen Dianas Verlust und weniger weil er gestorben ist. 

Katrin: Er war ziemlich einseitig und auch ein wenig langweilig. Ich hätte mir gewünscht, dass er nicht in dieselbe halb-untätige und halb-naive Rolle gezwängt wird, wie viele weibliche Charaktere in Filmen mit männlichen Helden. Wieso kann es nicht einmal einen Held und eine Heldin geben, die gleichberechtigt Seite an Seite kämpfen? Wirklich mutig fand ich jedoch die Entscheidung ihn am Ende sterben zu lassen. Ich finde es immer langweilig, wenn man weiß, dass den Hauptpersonen sowieso nichts geschehen kann.

Welche Szene hat euch besonders gefallen?

Katrin: Wie bereits gesagt, die Kampfszene Amazonen-gegen-deutsche-Soldaten sah spektakulär aus, auch da es ungewöhnlich ist, dass mit altertümlichen Waffen auf der einen und modernen auf der anderen Seite gekämpft wird. Die Sequenzen mit der 8-jährigen Diana (Lilly Aspell) haben mir auch gefallen. Die Kleine hatte ein Feuer und eine Begeisterung in den Augen, die ansteckend war.

Laura: Als sich die Gruppe um Diana und Steve im englischen Schützengraben vor dem Niemandsland befindet und "Wonder Woman" sich alleine hinauswagt. Die Aufnahmen in Zeitlupe, wie sie die Kugeln abfängt und sich immer weiter nach vorne arbeitet, sahen toll aus. Es war eine Szene, die einfach in einen Superheldenfilm passt, denn Diana schafft das Unmögliche und gibt den Soldaten neuen Mut. Die Euphorie über das Erfolgserlebnis am Ende der Szene überträgt sich auf einen selbst, zumindest erging es mir so. 

Was hat euch gestört?

Laura: Dass dieses "stärkende Gas" für Ludendorff (Danny Huston) und wieso er es nimmt, überhaupt nicht erklärt wird. Es hat für mich nicht wirklich Sinn ergeben, vor allem weil es keinen Einfluss auf die Handlung hatte, außer den Zuschauer auf die Fährte zu locken, er könnte Ares sein. 

Katrin: Die Diskussion auf dem Boot war einfach zum Fremdschämen. Aber besonders hat mich die zwiespältige Einstellung von Diana gestört. Sie glaubt fest daran, dass alle Menschen gut sind und nur durch Ares (David Thewlis) Einfluss einen falschen Weg einschlagen haben. Warum hat sie dann keine Skrupel ständig zu töten? Generell wirkte sie zum Teil sehr naiv und festgefahren im Hinblick auf ihre selbstauferlegte Mission. Wirklich schlecht fand ich, dass der Film am Ende tatsächlich angedeutet hat, dass die Menschen nur durch Ares Einfluss Kriege geführt haben. Denn das ist unglaubwürdig, naiv und bietet keine Grundlagen für DC-Filme, die nach dem Ersten Weltkrieg spielen. Und wieso waren die deutschen Rollen nur sporadisch mit Deutschen besetzt?

Der Film spielt zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Wie fandet ihr die verschiedenen Antagonisten?

Ludendorff  (l.) und Dr. Maru wollen den Krieg
Foto: Warner Bros. Studios
Laura: Ludendorff und Dr. Maru (Elena Anaya) haben ja quasi mithilfe von Ares' Einfluss ihre Taten ausgeführt. Trotzdem hatten sie genug Böses in sich, um aus den Eingebungen Realität zu machen und waren daher beide beängstigende Charaktere. Allerdings hatten sie fast keinen direkten Zusammenstoß mit Diana, weshalb sie für mich nicht die Antagonisten waren, sondern Ares. Der Showdown, bei dem sie gegeneinander kämpfen, war für mich viel interessanter. Ares schafft es, dass Diana alles hinterfragt, was sie gelernt hat und woran sie glaubt. Der Endkampf zwischen ihnen war recht ausgeglichen und Diana muss einiges einstecken, bevor sie ihn besiegt. Insgesamt war der Gott des Krieges aber kein Gegenspieler, der sich von denen anderer Superheldenfilme abhebt. 

Katrin: Ares war eine einzige Lachnummer - vor allem in seiner peinlichen Rüstung. Ich hatte keine Sekunde lang das Gefühl, dass von ihm eine echte Gefahr ausgeht. Schade war außerdem, dass die wahre Identität des Gottes relativ früh klar war. Viel spannender waren Ludendorff und Dr. Isabel Maru, da sie tatsächlich von Grund auf bösartig und skrupellos wirkten. Zwar sind es fiktive Personen, aber im Kontext mit dem Setting im Ersten Weltkrieg wirkten sie viel realer und daher unheimlicher als Ares. Generell denke ich aber, dass der Film darauf abgezielt hat, dass Krieg und Hass die wahren Antagonisten waren.

Last, but not least: Was versprecht ihr euch von einer Fortsetzung?

Laura: Ich bin jetzt erst einmal gespannt auf "Wonder Womans" Auftritt in "Justice League", der im November erscheint. Darin erhoffe ich mir viele coole Kampfszenen mit ihr, freue mich aber auch schon darauf, wie sie mit den anderen Mitgliedern der League interagieren wird. Ich erwarte, dass Diana als ebenbürtig dargestellt wird, da sie ja die einzige weibliche Teilnehmerin ist. 

Katrin: Eine Erklärung, wieso Diana plötzlich nicht mehr altert und wie sie das geheim hält, wo sie als Kuratorin des Louvre sicher oft fotografiert und wiedererkannt wird. Außerdem hätte ich gerne eine fiese und skrupellose Gegenspielerin, sowie ein weniger sexy, dafür praktischeres Outfit. Ich hoffe auch, dass klar gestellt wird, dass Menschen von sich aus schlechte Entscheidungen treffen und nicht nur durch den Einfluss von Ares.


Wie hättet ihr geantwortet? Teilt es uns in den Kommentaren mit. 


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English


- The following text contains spoilers -

Finally a strong woman!
Photo: Warner Bros. Pictures
This is part two of our segment "Watch.Read.Discuss", in which we authors deal with the same media and discuss some questions about it. This time we talk about the newly released movie "Wonder Woman".

For those of you who haven't watched it yet: Diana (Gal Gadot) lives on an island - separated from the human world. The inhabitants are Amazons, strong female warriors, who are preparing for a confrontation with Ares, the god of war. He killed all the other gods a long time ago and breeded discord between humans. Zeus, already very weak, was able to wound him and leave the Amazons the "Godkiller", a weapon capable of defeating Ares. One day Diana sees an airplane crash into the ocean. She saves the pilot, a British spy namend Steve Trevor (Chris Pine), from drowning. He is being chased by German soldiers, who follow him to the Amazons' island. They're able to defeat the men, but Diana is shocked to hear, that millions of people are currently dying in the First World War. She leaves the paradisaic island with Steve to find Ares, kill him and thereby restore the peace in the world.


Why and in which context did you watch the movie?

Laura: I'm interested in every superhero movie, "Wonder Woman" was no exception. I wasn't a fan of the previous "DC Extended Universe" movies, but when I saw Gal Gadot as "Wonder Woman" in "Batman vs Superman" I immediately liked her character. The trailer increased my interest even more, so I just had to see the movie - in English, because it's usually better than the dubbing.

Katrin: I'm not a fan of superhero movies and haven't watched a single "DC Comics" one. But "Wonder Woman" sounded pretty interesting - most notably because of the setting in the First World War and the female superhero. So I dared to watch the next comic book adaptation after "Doctor Strange". During this awfully hot weather there's no better place than a cool, empty movie theatre anyway.

"Wonder Woman" caused a stir, because there are only a few female superheroes, strong leading ladies and female directors in Hollywood blockbusters. What do you think about this discussion?

Even "Wonder Woman" goes shopping for clothes
Photo: Warner Bros. Pictures
Katrin: It's a great pity film studios seem to think all productions, which were essentially influced by women, are going to be box office bombs. There have only been halfhearted tries like "Catwoman" in the past and the "Wonder Woman" movie had been stuck in different production stages over the years. Hopefully the blockbuster's success will give a lot of young, talented female filmmakers a chance. It would be great to have new and cool heroines in the adventure, action and superhero genre, that young moviegoers can look up to. Gal Gadot is a great example: She was five months pregnant during the pickup shots and still fought - with a greenscreen in front of her stomach.

Laura: I'm fed up with people not giving movies like this a chance and badmouthing them early. So I was excited, when "Wonder Woman" got a lot of attention and praise. I think it's an important step in the right direction. "Marvel" fans have been asking for a movie about the Russian agent Natasha Romanoff alias "Black Widow" for quite some time. Maybe this wish will finally come true after the success of "Wonder Woman".

Did the movie live up to these expectations?

The Amazons protect the world from Ares
Photo: Warner Bros. Pictures
Laura: Definetly! First of all: Fighting Amazons! They were awesome. But the most important aspect for me: Diana and the other women are not being sexualized by focussing on their bodies. Director Patty Jenkins portrays the female characters as people, just like the male ones. That's great and should be standard. The movie also features an incredibly strong female protagonist, who's great at fighting and able to look after herself. But Diana also has weak moments, in which she shows vulnerability. "Wonder Woman" does a great job at balancing boths sides and thereby creating a great role model for girls and women.

Katrin: I see it differently: The movie lived up to some expectations, but not all. On one hand the fight scenes with the Amazons were brilliant, especially because they cast professional sportswomen and fighters. I also loved the fact, that Diana always held the upper hand and didn't need to be saved by some heroic man. There was one detail I especially liked: They didn't retouch Gal Gadot's tiny "flaws". You can spot a zit and she has small love handles at the top of her corset. It's great they didn't make her completely perfect. However there were some weaknesses, for example Dianas Outfit. Why can't a female superhero wear a handy suit too or a set à la "Kim Possible"? Why does it have to be a corset (FOR FIGHTING!), which covers less than a normal bathing suit? I also thought it was pretty weak that Diana realized she was fighting for love. A male superhero would have taken up the cause of justice or peace.

Your thoughts on the male protagonist Steve Trevor?

Diana rarely listens to Steve
Photo: Warner Bros. Pictures
Laura: His fascination with Diana and her powers made me smirk constantly. Just like his attempts to explain stuff like marriage to her. The story didn't focus on him too much. He was mainly a companion and I liked that. "Wonder Woman" tells the story of Diana and Steve is an important part of that. But if he would have had more screentime it would have been their joint narrative and taken the focus away from Diana. Therefore I didn't mind his character being less elaborate. In the end I was sad because of Diana's loss rather than his death. 

Katrin: He was pretty one-dimensional and a little boring. I had hoped he would not be pushed into the same semi-passive and semi-naive role as many female characters are in movies with male heroes. Why can't there be a hero and a heroine with equal rights fighting side by side? But I thought it was very bold to kill him off in the end. It's always boring when you know the protagonists are going to be safe no matter what.

Which scene did you like best?

Katrin: As I said before, the fight scene between the Amazons and the German soldiers was spectacular. Especially because it's not common to have ancient weapons on one side and modern ones on the other. I also liked the sequences with 8-year-old Diana (Lilly Aspell). The little girl had so much fire and excitement in her eyes, that it was contagious

Laura: When Diana's and Steve's group is inside the British trench near the no-man's-land and "Wonder Woman" ventures out on her own. It looks spectacular how she repels the bullets in slow motion and just keeps going. This scene fits perfectly into a superhero movie, because Diana manages the impossible and gives the soldiers new courage. The euphoria at the end of the scene was contagious.

What annoyed you?

Laura: That there is no explanation what the "strengthening gas" is and why Ludendorff (Danny Huston) takes it. It didn't make sense to me, especially because it doesn't influence the story at all. It's just supposed to set the viewers on the wrong track and make them believe he is Ares.

Katrin: The discussion on the boat was cringeworthy. But what really bothered me was Diana's ambivalent attitude. She firmly believes all humans are good and only make bad choices under Ares' (David Thewlis) influence. But why does she keep killing without scruple? Generally she seems to be pretty naive and gridlocked about her self-imposed mission. I hated the fact they implied in the end, that the humans actually only had a war because of Ares' influence on them. Because that's implausible, naive and gives all DC movies set after the First World War no foundation. And why were most of the German roles not cast with German actors?

The movie is set during the First World War. What do you think about the antagonists?

Ludendorff  (l.) and Dr. Maru want the war
Photo: Warner Bros. Studios
Laura: Ludendorff and Dr. Maru (Elena Anaya) got help from Ares basically. Still they had enough evil inside of them to make his suggestions reality. That's why they're scary characters. However they only had little contact with Diana. That's why Ares is the main antagonists in my opinion. I thought the showdown, where they fought eacht other, was really interesting. Because of Ares Diana starts to scrutinize everything she has learned and believes in. Their battle is pretty balanced and Diana takes some hits before she defeats him. But overall the god of war didn't really stand out from antagonists of other superhero movies.

Katrin: Ares was a joke - especially in his embarrassing armor. He didn't seem like a real threat to me, not even for one second. His real identity was also pretty obvious way too early. Ludendorff and Dr. Isabel Maru were more exciting, because they were actually fundamentally evil and ruthless. They may be fictional people, but the setting of the First World War made them more real and scarier than Ares. Generally I think the movie was aiming for war and hate as the main antagonists.

Last, but not least: What do you expect from a sequel?

Laura: I'm excited for "Wonder Woman's" performance in "Justice League", which will premiere in November. I hope she'll have some cool fight scenes and I'm curious how she is going to interact with the other member of the league. I expect that she'll be portrayed as equal, because she is the only woman on the team.

Katrin: An explanation why Diana stopped aging and how she keeps that a secret considering she is probably often photographed and recognized as the curator of the Louvre. I also would like to have a mean and ruthless female antagonist as well as a less sexy and more practical outfit. Furthermore I hope it will be clarified that humans make bad decisions on their own accord and not just under Ares' influence.


What would have been your answers? Tell us in the comments.

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Sonntag, 18. Juni 2017

Tatort: Borowksi und das Fest des Nordens - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalk) dabei.
Leider ist das der letzte Sonntagskrimi in dieser Saison. Die Sommerpause wird, wie in den vorherigen Jahren, mit Wiederholungen überbrückt. 


Das Wichtigste vorweg: "Borowski und das Fest des Nordens" sollte eigentlich auf die spannende Folge "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" (2015) folgen. Es wurden jedoch zwei andere "Tatorte" mit dem Kieler Team Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) aufgrund ihrer aktuellen Thematik (radikale Islam-Konvertiten und Cyberkriminalität) vorgezogen. Aus der heutigen Sicht macht das Verhalten der Ermittler in diesem Krimi somit wenig Sinn. Man sollte während des Films im Hinterkopf behalten, dass sie auf die Geschehnisse der Folge "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" reagieren.
Am Rande der "Kieler Woche" wird die Leiche einer Frau in einem verlassenen Haus gefunden. Vom Täter, der offensichtlich eine Weile dort gewohnt hatte, fehlt jede Spur. Kurze Zeit später taucht eine weitere Leiche auf. Die Fingerabdrücke an beiden Tatorten stimmen überein. Handelt es sich um einen Serienmörder? Die Zuschauer kennen den Täter von Anfang an. Roman Eggers (Mišel Matičević) ist arbeitslos, wohnungslos, hat Schulden und drei Kinder von zwei Frauen. Die erste Tote, Maren Reese (Maureen Havlena), war seine Geliebte und hatte für ihn einen Privatkredit aufgenommen. Sie war extrem anhänglich und hatte Eggers auch nach mehrfacher Aufforderung nicht in Ruhe gelassen, woraufhin er sie im Affekt erschlug. Die Ermittler ahnen, dass er nichts mehr zu verlieren hat und jederzeit wieder morden könnte. Doch im Gegensatz zu Kollegin Brandt, möchte Borowski mit der Fahndung nicht an die Öffentlichkeit gehen.

Ganz genau aufpassen

Ja, leider ist jetzt Sommerpause
Foto: NDR
Einige Zuschauer werden sich vermutlich nicht mehr daran erinnern, was 2015 in "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" geschehen ist und deshalb Schwierigkeiten haben, das schräge Verhalten der Kommissare nachzuvollziehen. Doch auch mit Vorwissen ist die aktuelle Folge nicht immer verständlich. Das übliche halbe Dutzend Verdächtige ist in diesem "Tatort" nicht notwendig, da der Täter für die Zuschauer von Anfang an feststeht und auch die Ermittler seine Identität schnell herausfinden. Stattdessen gibt es viele Nebencharaktere. Es fallen immer wieder neue Namen, dennoch sind Eggers und Borowski die einzigen Figuren, die langfristig im Fokus der Handlung stehen. Alle anderen bleiben leider etwas einseitig. Das rührt vor allem daher, dass der Zuschauer so gut wie nichts über Eggers Vorgeschichte erfährt. Seine Exfrau Tamara Becker (Franziska Hartmann) deutet nur grob an, weshalb sie sich von ihm getrennt hat. Über seine Beziehungen mit der toten Maren Reese und Jantje Dussmann (Katja Danowski), der Mutter seiner älteren Tochter Luisa (Lilly Barshy), erfährt man nichts. Im Verlauf der Folge tauchen weitere Charaktere aus Eggers Vergangenheit auf, darunter der Drogendealer Daniel (Pit Bukowski) und Geldverleiher Rolf Felthuus (Ronald Kukulies). Auch über sie und ihre Verbindung zum gewalttätigen Protagonisten erfährt man wenig. Die Geschichte wirkt dadurch unfertig und zusammengewürfelt. Das ist äußerst schade, da der Fall spannend und Eggers ein interessanter Protagonist ist.
Roman Eggers hat nichts mehr zu verlieren
Foto: NDR/Christine Schroeder
Leider verliert der "Tatort" immer wieder an Fahrt, was nicht an der Krimihandlung, sondern ausschließlich an den Ermittlern liegt. Borowksi und Brandt streiten sich die vollen 88 Minuten lang, ohne klar erkennbaren Grund. Zwar fallen immer wieder Andeutungen, dass es sich um eine Art Geschlechterkampf handelt, doch woraus der entstanden ist, bleibt im Dunkeln (Borowski: "Nur weil da ein Mann ist, der weinende Frauen erschlägt, hören Sie auf logisch zu denken."; Brandt: "Ich? Ihr blödes Machogehabe nervt langsam!"). Die Zickereien sind unnötig, besonders, da es der letzte "Tatort" mit Sibel Kekilli als Sarah Brandt ist. Einen würdigeren Abschied als peinliche Streitereien mit Borowski, hätte ich ihr auf jeden Fall gewünscht. Doch ihr Partner ist in dieser Folge wirklich nicht er selbst. In "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" wollte er seine langjährige Kollegin Frieda Jung heiraten, doch nach ihrer Entführung durch den Psychopathen Kai Korthals, ist die Beziehung zerbrochen. Dementsprechend angeschlagen wirkt der Kommissar in dieser Folge und leistet sich einen Machospruch nach dem anderen. In einer Kneipe flirtet er mit der asiatischen Bedienung Nguyet Minh (Thao Vu) und fragt: "Kann man Sie eventuell noch heiraten?" Die ist von seinen uncharmanten Sprüchen wenig angetan, verbringt dennoch einen Abend mit ihm auf der "Kieler Woche". Danach taucht sie übrigens, wie so viele Charaktere in dieser Folge, nicht mehr auf. Bei Borowskis derzeitiger Einstellung zu Frauen, ist das vielleicht auch besser so (Brandt: "Nur weil eine Frau hier auftaucht und Unordnung macht, muss man sie totschlagen?"; Borowski: "Sie hat ihn genervt. Da hat er ihr das Licht ausgeknipst."). Dadurch sieht man Parallelen zwischen dem verlassenen Kommissar und dem zum Mörder gewordenen Eggers, der nichts lieber möchte, als mit seinen Kindern ein neues Leben zu beginnen. Überraschend ist jedoch das Ende des "Tatorts". Trotz der nervigen Streitigkeiten innerhalb des Teams, ist der Fall kurzweilig, da man nie weiß, was der skrupellose Mörder als Nächstes vorhat. Dabei bleibt immer die Vermutung im Hinterkopf, dass er etwas Großes plant, bei dem viele Menschen zu Schaden kommen werden. Der Showdown fällt im Vergleich zum Rest der Folge jedoch unspektakulär, fast langweilig aus. Das rührt vor allem daher, dass das Ende sehr schnell abgewickelt wird und viele Aspekte ungeklärt bleiben.

Ruhige, aber intensive Darstellung

Was bei diesem "Tatort" besonders ins Auge fällt, sind die sehr langen Szenen. Durch das veränderte Sehverhalten der Zuschauer, bestehen Filme und Serien heutzutage aus immer mehr Schnitten. Nicht so in diesem Fall. Die Kamera verweilt so ungewohnt lange auf bestimmten Momenten, dass man sich fragt, ob das Bild vielleicht hängt. Ein Beispiel ist die Sequenz, in der Eggers seine Tochter Luisa umarmt. Die beiden halten sich sehr lange fest, ohne, dass etwas anderes geschieht. Da diese Szenen so ungewohnt für die sonst eher etwas hektischen Sonntagskrimis sind, guckt man aufmerksamer hin, obwohl so gut wie nichts passiert. Dasselbe gilt für die Aufnahme eines Wohnungsbrandes. Der Zuschauer kann, genau wie Borowski, außer Rauch nichts sehen und nur an den Geräuschen erahnen, was passiert. Auch die Endszene ist für den "Tatort" vollkommen ungewöhnlich: In der letzten Minute werden ausschließlich Fahndungsplakate gezeigt, die an verschiedenen Stellen in Kiel aufgehängt wurden. Regisseur Jan Bonny und Kameramann Jakob Beurle verabschieden den Sonntagskrimi mit einer unaufgeregten Szene in die Sommerpause. Weder die Ermittler, noch Sozialkritik oder Mord stehen bei den letzten Bildern im Fokus.
Luisa vertraut ihrem Vater nicht so recht
Foto: NDR/Christine Schroeder
In den 80 Minuten vor der Abschiedssequenz liegt der Fokus vor allem auf dem Schauspieltalent von Mišel Matičević. Seine Darstellung ist sehr eindringlich. Auf der einen Seite spürt man Eggers Angst und seine Verzweiflung. Auf der anderen Seite steht der skrupellose und gewalttätige Mörder, vor dem man unmerklich zurückweicht. Matičević spielt jede Facette seines Charakters nuanciert, sodass man dessen Handlungen nachvollziehen kann, obwohl das Drehbuch viele seiner Schritte und seine Vergangenheit nicht thematisiert. In den Szenen mit Eggers Kindern zeigt Matičević eine ganz andere Seite seiner Rolle - verletzlich und ängstlich. Die Szenen mit seiner älteren Tochter Luisa sind besonders eindrücklich. Die Reaktionen von Jungschauspielerin Lilly Barshy auf ihren Filmvater wirken unglaublich echt. Innerhalb weniger Sekunden spiegeln sich in ihrer Mimik alle Emotionen, die das Mädchen durchlebt - Angst, Misstrauen, Hoffnung und Abscheu. Der Realismus ist erdrückend. Als Ausgleich zu diesen lebensnahen Szenen, gibt es Kommissar Borowski und seine interessante These: "Er ist vor mehreren Jahren gestorben, aber er weiß es nicht oder will es nicht wahrhaben. Er ist ein Geist."

Fazit

"Borowski und das Fest des Nordens" ist aufgrund seiner tollen Bilder und starken Protagonisten ein würdiger Abschluss der 2016/2017 "Tatort"-Saison. Die Handlung hakt jedoch an einigen Stellen, was vor allem an den fehlenden Hintergrundgeschichten liegt. Auch die geänderte Ausstrahlungs-Reihenfolge tut der Folge nicht gut, da die Erlebnisse von "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" viel zu spät aufgearbeitet werden. Die Kommissare wirken in dieser Episode grundlos überdreht und streitbar. Die fantastische Leistung von Mišel Matičević lenkt jedoch von den Ermittlern ab und richtet den Fokus auf Eggers. Er setzt die lange Reihe unheimlicher Mörder in den Borowski-Fällen fort (Die ARD hat hierzu eine interessante "Top 10"-Liste erstellt.). Mit Lilly Barshy ist auch eine talentierte Jungschauspielerin dabei. Letztendlich bleibt "Borowski und das Fest des Nordens" jedoch vor allem wegen der ungewöhnlichen und eindrücklichen Kamerabilder im Kopf.


Das war leider der letzte Sonntagskrimi in dieser Saison. In den nächsten Wochen zeigt das Erste Wiederholungen jüngerer "Tatort"-Folgen. Doch wir machen keine Sommerpause! Bei "Watch.Read.Talk." findet ihr auch weiterhin mehrmals wöchentlich neue Rezensionen und Posts zu Serien, Filmen und Büchern. Ab voraussichtlich Anfang September dann auch wieder frische Sonntagskrimi-Kritiken

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Samstag, 17. Juni 2017

American Gods: Staffel 1, Folge 7 - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler - 

In der letzten Folge "A Murder of Gods" haben Shadow Moon (Ricky Whittle) und Mr. Wednesday (Ian McShane) einen Abstecher nach Virginia in die Stadt Vulcan gemacht, um den gleichnamigen Gott (Corbin Bernsen) für ihren Plan zu gewinnen. Letztendlich kam es allerdings zu einem brutalen Mord. Währenddessen haben Laura Moon (Emily Browning) und Mad Sweeney (Pablo Schreiber) Bekanntschaft mit Salim (Omid Abtahi) gemacht. Mit seinem Taxi fahren die drei nun Richtung Kentucky. Die Folge "A Prayer for Mad Sweeney" spielt zum größten Teil in der Vergangenheit, in der Gegenwart tut sich wenig. Von Shadow und Mr. Wednesday sieht man überhaupt nichts und kann über den weiteren Verlauf ihrer Reise erstmal nur rätseln. Der Fokus dieser Folge liegt bei der Irin Essie Macgowan (Emily Browning) und ihrer Geschichte, die sich mit Mad Sweeneys kreuzt.

Eine Episode der anderen Art

Emily Browning als Essie Macgowan
Foto: starz
Ich muss zugeben, dass ich diese Folge zu Beginn mit Skepsis geschaut habe. Denn spätestens nach den ersten 20 Minuten ist klar: Es wird vor allem eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt und die Haupthandlung dabei kaum weitergeführt. Da die Staffel mit nur noch einer kommenden Episode kurz vorm Finale steht, ist diese Entscheidung der Serienmacher doch überraschend. Ich frage mich jedenfalls, ob es in der letzten Folge zwischen den Göttern noch zu einem Showdown  kommt, der die Neugier auf eine Fortsetzung der Serie weckt. Trotz allem hat mir "A Prayer for Mad Sweeney" wirklich gut gefallen. Hier wird eine vollkommen andere Stimmung geschaffen, denn die Handlung spielt im 18. Jahrhundert, zuerst in Irland, später in England und dann in Amerika. Besonders die Szenen in Irland haben durch die wunderschöne Landschaft und den Einsatz von irischer Volksmusik etwas Magisches an sich. Es geht außerdem nicht um Götter, sondern um die Geschichte von der jungen Frau Essie Macgowan, die an die Existenz von Kobolden und anderen magischen Wesen glaubt. Von ihrer Großmutter (Fionnula Flanagan) lernt sie, warum man den Wesen immer ein kleines Geschenk geben soll. (Essie: "Why do we leave them a gift?" Grandmother: "Because we want their blessings.").  So ist sie zum Teil mit der Vergangenheit von Mad Sweeney verbunden, denn eines Tages bittet sie einen Kobold mit einer Goldmünze um einen Gefallen. Und dieser Kobold ist Sweeney. Er verhilft ihr immer wieder zu Glück und bestimmt dadurch mit, wie sich ihre Geschichte entwickelt. Mehrmals ist sie für Verbrechen angeklagt, für die sie hingerichtet werden soll. Doch jedes Mal entkommt sie diesem Schicksal, nachdem sie wieder ein Geschenk für den Kobold hinterlassen hat. Er tritt allerdings fast nie in Erscheinung, sondern führt seine Magie im Verborgenen aus. Essie begegnet ihm zweimal in ihrem Leben, erfährt allerdings nur beim letzten Besuch von ihm, dass er ein Kobold ist. Der Fokus liegt somit auf dem irischen Mädchen. Was diese Episode ebenfalls außergewöhnlich macht: Man verfolgt das gesamte Leben Essies von ihrer Kindheit bis zum Tod. 
Essie mag Katzen
Foto: starz
Die Folge ist besonders durch das Schauspiel von Browning, die auch Laura Moon verkörpert, so fesselnd. Sie spielt sowohl den vorlauten Zombie als auch das leicht verträumte, aber genauso listige Mädchen aus Irland und das ist ihr toll gelungen. Essie ist ein viel gefühlvollerer Mensch und das bringt Emily Browning durch ihre warmherzige Sprechweise und ihre Mimik, die viel offener und freundlicher erscheint, gut zum Vorschein. Auch ihr irischer Akzent grenzt sie stark von Laura ab und zeigt die Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin. Man hat zwar das gleiche Gesicht vor sich, aber trotzdem nicht das Gefühl, nur eine Person zu sehen. Da sie ihre zweite Rolle so toll spielt, war ich spätestens nach ihrem ersten Geschenk für den Kobold in der Geschichte investiert und gespannt, wie sie verläuft. Dass die Handlung in der Gegenwart währenddessen kaum weitergeht, ist dadurch tatsächlich irgendwann vergessen.

Begegnung mit einer Doppelgängerin?

Sweeney und Laura setzen ihre Reise zu zweit fort
Foto: starz
Die Idee, Emily Browning für beide Rollen zu casten, finde ich wirklich interessant. Es lässt viel Raum zum Spekulieren: Könnte Laura eine entferne Nachkommin von Essie sein? Aus Neugier habe ich mich etwas schlau gemacht und in der Romanvorlage wird keine Verwandtschaft zwischen ihnen angedeutet, was allerdings nicht bedeutet, dass das Gleiche für die Serie gilt. Aber selbst wenn sie nicht verwandt sind, macht es die Beziehung zwischen Laura und Mad Sweeney trotzdem deutlich spannender. Plötzlich sieht man auch ihre vorherigen gemeinsamen Szenen mit anderen Augen. Der Kobold hat es quasi mit einer Doppelgängerin der Irin Essie zu tun, die fast ihr ganzes Leben an ihn geglaubt hat. Mad Sweeney begegnet ihr sogar zweimal persönlich. In der Szene, als sie im hohen Alter stirbt, erscheint er ihr. Dabei wird klar, dass er durch ihre Reise nach Amerika auch an diesen Ort gekommen ist, denn sie hat bis zum Ende die Geschichten über Kobolde weitergetragen und an ihn geglaubt. Dass Sweeney sie vergessen hat, ist deshalb wirklich unwahrscheinlich. Genau das verleiht seinem Zusammenkommen mit Laura etwas Faszinierendes. Es verleitet dazu, die Frage aufzuwerfen, was er in Laura sieht und ob sie ihn an Essie erinnert. 
Laura freut sich über die Kälte im Eiswagen, Sweeney friert
Foto: starz
Doch nicht nur durch die Ereignisse der Vergangenheit bekommt die Beziehung der beiden mehr Tiefe. Auch die wenigen Szenen, die in "A Prayer for Mad Sweeney" in der Gegenwart spielen, bringen neue Aspekte hinzu. In dieser Episode wird ein überraschender Plottwist gezeigt: Der Autounfall, bei dem Laura getötet wurde, war kein Unfall, Mad Sweeney hat ihn verursacht und zwar im Auftrag von Mr. Wednesday. Auch das gibt den Beiden eine veränderte Dynamik, was noch in dieser Folge deutlich wird. Nachdem sie sich wieder von Salim getrennt haben, fahren sie mit dem kurz zuvor an ihrer Raststätte gestohlenen Eiswagen auf einer Landstraße. Durch ein weißes Kaninchen, das plötzlich auf die Fahrbahn hoppelt, reißt Laura das Steuer herum und der Wagen überschlägt sich mehrmals. Sie wird dabei durch die Windschutzscheibe geschleudert, ihr Oberkörper reißt an den Nähten auf und sie verliert die Goldmünze, die sich in ihrem Inneren befunden hat. Sweeney übersteht den Unfall nur leicht verletzt und sieht zuerst seine Glücksmünze auf der Straße liegen. Obwohl er sie die ganze Zeit wollte, ändert er bei dem Anblick der jetzt wirklich toten Laura seine Meinung. Hier sieht man deutlich den Zwiespalt in seinem Gesicht. Unterstützt wird das auch noch durch die kurzen Rückblenden zu Lauras erstem Autounfall, die einem als Zuschauer die Wahrheit eröffnen. Dann gibt er sich einen Ruck, setzt die Münze zurück in ihren Körper und erweckt sie wieder zum "Leben". Nach allem, was in dieser Episode geschehen ist und offenbart wurde, ist es schwer vorstellbar, dass er nur durch Schuldgefühle diese Entscheidung trifft. In einer früheren Szene sagt er Laura, dass er nur für sie den Umweg über Kentucky fährt, um sie mithilfe eines Bekannten wieder unter die Lebenden zu bringen. Dass er es eigentlich für die Münze macht, erwähnt er erst im darauffolgenden Satz.
Auch dieser Unfall kostet Laura ihr Leben
Foto: starz
Mir gefällt es sehr gut, dass die gemeinsame Geschichte von ihnen so viel Aufmerksamkeit bekommt und man sieht, wie sie langsam heranwächst. Tatsächlich muss ich zugeben, dass Lauras Beziehung zu Sweeney deutlich interessanter ist als die zu Shadow. Sie passen viel besser zusammen und haben eine tolle Chemie. Ich hoffe, die Serienmacher werden das, was gerade zwischen den beiden Charakteren beginnt, noch weiter vertiefen.

Die brüchige Geschichte von Mad Sweeney

Mad Sweeney zeigt neue Seiten von sich
Foto: starz
Für einen kurzen Moment in dieser Folge öffnet sich der Kobold Laura. Das ist ein ergreifender Moment, denn noch nie zuvor wirkte Sweeney so verletzlich wie in diesem Augenblick. Man lernt sein Motiv kennen, warum er für Mr. Wednesday arbeitet. Er ist einst vor einer Schlacht davongelaufen und glaubt, dass er durch eine Teilnahme am Krieg zwischen den Göttern diese Feigheit wieder gutmachen kann. Als er davon erzählt, kann man die Schuldgefühle in seinem Gesicht ablesen und lernt eine neue Seite an ihm kennen. Sogar an Lauras Ausdruck ist Verwunderung über dieses andere Verhalten zu erkennen. Sie wirkt überrascht, dass der Kobold ihr so etwas Persönliches erzählt. Mad Sweeney ist allgemein in dieser Folge nicht mehr ganz so kratzbürstig und redet auch mal in normalem Tonfall mit Laura. E ist klasse, dass er in dieser Episode vielschichtiger wird. Denn auch in der Vergangenheit im 18. Jahrhundert hatte er einen ganz anderen Charakter: Er wirkt in der Szene, in der er als "Zellennachbar" neben der inhaftieren Essie auftaucht und durch die Gefängnismauern mit ihr redet, sehr viel ruhiger und sanfter. Man merkt, dass ihm in den Jahrhunderten, die er auf der Erde existiert, einiges widerfahren sein muss, dass ihn verändert hat. Und es weckt die Neugier, wie sein Leben bis in die Gegenwart verlaufen ist und was genau ihn so gewandelt hat. 
Der Eiswagen ist auch nach dem Unfall fahrtüchtig
Foto: starz
So gerne wie ich Essies Abenteuer verfolgt habe, war es dementsprechend doch etwas enttäuschend, wie wenig man von Mad Sweeney erfährt. Allerdings hat mich gerade diese fehlende Geschichte dazu gebracht, nach Informationen über ihn zu suchen. Anders als bei den Göttern, die ich öfters gegooglet habe, dachte ich nicht, dass auch der Kobold auf einem spezifischen Mythos beruht. Wie sich herausstellt, ist "Mad Sweeney" nicht einfach nur irgendein Name, er bezieht sich auf ein altes irisches Märchen namens "Suibnes Wahnsinn". In diesem wird der König Suibne mac Colmain durch einen Fluch wahnsinnig und erhält daher den Spitznamen "Mad Sweeney". Wie er vom König zum Kobold geworden ist, wird auch angedeutet, als er Laura erzählt: "I was a king, once. [...] Then Mother Church came and turned us all into saints and trolls, and fairies." Das hat mich nicht nur überrascht, sondern auch gefreut. Der "American Gods"-Autor Neil Gaiman hat sich wirklich viele Gedanken zu den Charakteren seines Romans gemacht und das ist ein gutes Beispiel dafür. Die Serienmacher haben sich auch dazu entschieden, diese Grundlage seines Charakters in einer Folge zu behandeln und ihr so viel Zeit zu geben, was in meinen Augen ein positiver Aspekt ist. Insgesamt hat es mir wirklich gut gefallen, dass man mehr über ihn erfahren hat und gleichzeitig der Beziehung zwischen ihm und Laura weitere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Andererseits habe ich mittlerweile das Gefühl, diese Charaktere viel besser zu kennen als Shadow, der doch eigentlich der Protagonist ist. Ich bin daher gespannt, wie sich dieses ungleichmäßige Verhältnis weiterentwickelt. 

Fazit

In "A Prayer for Mad Sweeney" wird die Handlung in der Gegenwart kaum weitererzählt. Da die siebte Folge gleichzeitig die vorletzte ist, erscheint die Entscheidung, den größten Teil der Laufzeit mit einer Geschichte aus der Vergangenheit zu füllen, doch etwas überraschend. Trotzdem ist diese Episode in sich gelungen und erzählt das Leben der Essie Macgowan fesselnd und berührend. Das Setting im 18. Jahrhundert ist für „American Gods“ ungewohnt, gibt der Folge aber eine ganz besondere Atmosphäre. Vor allem Emily Browning zeigt in der Rolle als junge Irin ihre Vielseitigkeit als Schauspielerin. Aber auch Pablo Schreiber gibt seinem Charakter Mad Sweeney mehr Tiefe und neue Facetten. Besonders spannend ist die Beziehung zwischen ihm und Laura, die in dieser Folge weiter ausgebaut wird und eine neue Dynamik bekommt. So neugierig wie mich das auf den möglichen weiteren Verlauf ihrer gemeinsamen Geschichte macht, so gespannt bin ich auch auf das Staffelfinale. Wird es einen großen Showdown mit einem Cliffhanger geben, nach dem man die zweite Staffel kaum erwarten kann? Oder geht es vielleicht wieder in die Vergangenheit?


Eine Liste mit allen Rezensionen und einem Rückblick auf die gesamte Staffel "American Gods" findet ihr hier.  
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Donnerstag, 15. Juni 2017

Die Überfahrt (Mats Strandberg) - Rezension

"Die Überfahrt" ist ein Thriller des schwedischen Autors Mats Strandberg und wurde im Jahr 2015 veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe erschien 2017 im Fischer Verlag und hat insgesamt 503 Seiten.

Die "Baltic Charisma" ist eine Fähre, die seit vielen Jahren täglich zwischen Schweden und Finnland verkehrt. Die Passagiere machen die eintägige "Kreuzfahrt" vor allem aus drei Gründen: Party, Sex und Alkohol. Die "Charisma" ist zu einem Partyschiff verkommen, das mit günstigen alkoholischen Getränken, Pubs, Tanzflächen und einer Karaokebar lockt ("Selbst diejenigen, die euphorisch grölen und johlen, jagen ihr Angst ein. Sie hat den Eindruck, als könnte die Stimmung jeden Moment umschlagen."). 
Die Handlung begleitet immer wieder unterschiedliche Charaktere. Die Zentralen sind, jedenfalls laut Klappentext, Dan Applegren, ein ehemaliger Schlagerstar, der nun das Karaoke moderiert und sich seinen Abstieg mit Drogen und Groupies zu erleichtern versucht. Außerdem Partygirl Madde, die alleinstehende Marianne und Calle, der früher an Bord gearbeitet hat und hier nun seinem Freund einen Heiratsantrag machen möchte. Die letzte Hauptperson ist der 12-jährige Albin, der unter den Spannungen in seiner Adoptivfamilie leidet. Sie alle haben nichts gemeinsam und verbringen ihre Zeit auf der "Charisma" völlig unterschiedlich. Doch ihre Wege kreuzen sich, als in der Nacht eine Katastrophe über das Schiff hereinbricht und die Passagiere ums Überleben kämpfen müssen.


Verschiedene Perspektiven 

Das "Grauen" sind nicht die Felsen
Foto: Fischer Verlag
Was an Strandbergs Schreibstil bereits auf den ersten Seiten auffällt, ist die Zeitform. "Die Überfahrt" ist nämlich, ungewöhnlich für einen Roman, in der Gegenwartsform anstelle des Präteritums geschrieben. Am Anfang ist das ungewohnt, nach ein paar Dutzend Seiten fällt es jedoch kaum noch auf. Ansonsten ist der Stil eher unauffällig. Man stolpert nicht über die Worte, sie sind jedoch auch nicht besonders fesselnd. Die Geschichte wird zwar ausschließlich in der dritten Person erzählt, aber jeweils aus der Perspektive einer anderen Figur. Die Kapitel sind dementsprechend kurz und starten mit der Angabe, um wessen Sicht es sich handelt. Durch die ständigen Wechsel, soll die Handlung dynamisch bleiben, sie bremst sich jedoch eher selbst aus. 
Die Charaktere begegnen sich immer wieder und beschreiben einander. Leider hat Strandberg hier kaum innovative Ideen. Dieselbe Person wird von unterschiedlichen Protagonisten immer gleich beschrieben. So spricht jeder über Albin als "etwa 12-jähriger, asiatisch aussehender Junge" und über seine Cousine Lo als "hübsches, blondes Mädchen, das vermutlich ein paar Jahre älter ist als er oder durch Make-up einfach älter wirkt". Es mag realistisch sein, dass die meisten Menschen andere auf solche Äußerlichkeiten reduzieren, jedoch ist es ermüdend, dieselben Beobachtungen immer wieder zu lesen, teilweise sogar in fast identischem Wortlaut. Vor allem da es unglaubwürdig erscheint, dass die Charaktere, die sich in Alter und Lebensgeschichte drastisch unterscheiden, alle dieselben Attribute beschreiben. Ein 12-jähriger Schüler sieht die Welt anders als eine Rentnerin oder ein vergrämter Schlagerstar am Ende seiner Karriere. Von den Wiederholungen abgesehen, sind die Perspektivwechsel eine nette Idee. Denn so lernt man die Akteure von verschiedenen Seiten kennen. Ein etwas plumpes, aber eindrückliches Beispiel ist Madde. Aus ihrer Sicht wird geschildert, wie sie sich für die Party in Schale wirft, schminkt und vor dem Spiegel kokettiert. Sie ist zufrieden mit ihrem Äußeren und findet sich sexy. Andere Personen beschreiben, dass sie sehr dick ist und ein unvorteilhaftes Kleid trägt, das kaum ihren Hintern bedeckt. Während man durch diese Sichtwechsel viel über die Protagonisten erfährt und an vielen kleinen Geschichten teilnimmt, gibt es auch eine Sicht, die "Baltic Charisma" heißt und keiner bestimmten Person zugeordnet ist. Hier werden zum Teil generelle Geschehnisse thematisiert, aber auch auf Charaktere eingegangen. Die werden allerdings sehr komisch umschrieben zum Beispiel "der Mann namens..." oder "die Person, über die zeitgleich im Restaurant gesprochen wird". Diese Kapitel wirken sehr künstlich und man gerät an den Stellen leicht aus dem Lesefluss, da sie einfach nicht in die Geschichte passen wollen. Sie dienen lediglich dazu auf das "Grauen" einzugehen, bevor die Akteure es bemerken und selbst beschreiben können.

Die Figuren an sich sind überraschend abwechslungsreich. Man lernt viele unterschiedliche Personen kennen, die auch immer wieder auftauchen. Jeder hat eine eigenständige Persönlichkeit und unterscheidet sich durch seine Lebensgeschichte von den anderen. Leider vertut Strandberg die Chance, sie auch anhand der Sprache und des Ausdrucks zu differenzieren. Wie bereits eingangs geschildert, ähneln sich die Beobachtungen und Gedanken der Figuren teilweise so deutlich, dass man sie in einigen Szenen unbemerkt gegeneinander austauschen könnte. Das ist schade, da sie so einen Teil ihrer Individualität einbüßen und ihre Gedanken nicht immer zu ihrem Alter und ihrer Lebensgeschichte passen. Außerdem gibt es letztendlich zu viele Akteure, um allen Tiefe zu verleihen und ihre Geschichten würdig zu Ende zu erzählen. Hier wäre es übersichtlicher gewesen, sich ausschließlich auf eine Handvoll Protagonisten zu konzentrieren und sich dafür intensiver mit ihnen zu beschäftigen. Man lernt die Personen hauptsächlich über ihre Probleme und Party-Angewohnheiten kennen, das macht sie nicht sympathisch genug, um mit ihnen zu leiden, als sich das "Grauen" nähert. Lediglich um Pia, die Securityfrau, habe ich mir Sorgen gemacht, da sie offen herzlich und kompetent ist.

Das grauenhafte "Grauen"

Eine Karte des Schiffs findet sich im Einband
Foto: Katrin Mertens
Ich bin ein großer Fan der isländischen Autorin Yrsa Sigurðardóttir. In ihrem Krimi "Todeschiff" (2012) geht es um ein ähnliches Szenario: Eine Jacht treibt führerlos in den Hafen von Reykjavík. Die vier Passagiere und drei Besatzungsmitglieder sind verschwunden. Ein Teil der Handlung spielt in der Gegenwart, im anderen wird in Rückblicken das Schicksal der sieben Menschen geschildert. Das Buch hat mich beim Lesen gefesselt und bis zur letzten Seite begeistert. Der Plot von "Die Überfahrt" klingt ähnlich, das war einer der Hauptgründe, weshalb ich den Roman gekauft habe. Leider hat er mich bitter enttäuscht. Der Beginn, als die Charaktere am Hafenterminal vorgestellt werden, ist durchaus interessant und macht Lust auf die kommenden Kapitel. Doch nachdem das Schiff abgelegt hat, dreht sich die Handlung erst einmal lange um das Schiff und die Reisenden. Wie bereits angedeutet, ähneln sich die Schilderungen der einzelnen Personen sehr. Die Mitarbeiter berichten darüber, wie anstrengend es ist, jeden Tag mit über 1.000 besoffenen Passagieren auf engstem Raum eingepfercht zu sein. Die Hauptpersonen stürzen sich währenddessen ins Getümmel. Viele Kapitel lang geht es um Karaoke, Buffets mit All-you-can-drink-Alkohol, vollgekotzte Teppiche und belanglose Flirtereien, das, wofür die meisten Passagiere gekommen sind und was der Großteil der Mitarbeiter verabscheut (Filip, Barkeeper: "Für ihn ist die Fähre sein Leben, seine Bleibe. Der einzige Ort, an dem er sich wirklich zu Hause fühlt."). 
Man erfährt jedoch überraschend früh, worum es sich bei dem "Grauen" handelt. Es wird zwar bis kurz vor Ende nicht beim Namen genannt, man weiß aber was es ist. Das war die größte Enttäuschung. In Sigurðardóttirs "Todesschiff" wurde ein gut durchdachter Kriminalfall in die Geschichte integriert, dabei waren auf dem Schiff nur sieben Personen. Bei über 1.000 Passagieren auf der "Baltic Charisma" hätte man allerhand spannende Wendungen erwarten können. Doch die gibt es nicht. Früh weiß man, was die Menschen an Bord bedroht und es ist so hanebüchen, einfallslos und an den Haaren herbeigezogen, dass ich ernsthaft in Erwägung gezogen habe, das Buch an der Stelle zu beenden. Dieser Rezension zuliebe habe ich es zu Ende gelesen und leider wird es nach der Vorstellung des "Grauens" nicht besser. Irgendwann verstehen die Menschen, dass an Bord etwas Schlimmes geschieht und es bricht Panik aus. Wie in vielen Katastrophenfilmen und -büchern, schlagen sich die Hauptpersonen in kleinen, zufällig zusammengewürfelten Grüppchen durch und kämpfen ums Überleben. Einzig innovativ war an dieser Stelle, dass sich einer der Protagonisten auf die Seite des Bösen schlägt und von dort an gegen die restlichen Menschen an Bord arbeitet ("Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Zum ersten Mal wird ihm das in vollem Umfang bewusst. Es ist ein Gefühl, als würde er mit dem Auto in Aquaplaning oder mit dem Flugzeug in starke Turbulenzen geraten.").

Auch das Ende enttäuscht. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine dramatische oder spannende Geschichte auf dem Wasser spielt und niemand nass wird, ist sehr gering. Es ist daher kein großer Spoiler zu sagen, dass das Schiff zum Schluss sinkt. Einige Szenen, die dabei beschrieben werden (Die "Baltic Charisma" geht in Schieflage - dabei fallen Menschen von Bord ins Wasser und unter Deck "drehen" sich die Räume.), haben sofort Bilder aus dem Blockbuster "Titanic" in meinem Kopf hervorgerufen. Auch die Tatsache, dass sich die Menschen in den Rettungsbooten nicht um die Ertrinkenden kümmern, aus Angst, zu sinken, erinnert stark an den Oscar-prämierten Film. Der Roman thematisiert ihn sogar selber (Albin: "I'm the king of the world!" (...) Lo: "Du weißt, dass die Titanic gesunken ist, oder? Ich will nicht unbedingt gerade hier oben [auf der Aussichtsplattform des Schiffs] daran erinnert werden.")
Die letzte Szene erinnert gleich an fast alle Katastrophenfilme und -bücher: Die Überlebenden wiegen sich in Sicherheit, doch eine kleine Beobachtung, die die meisten Charaktere nicht einmal registrieren, lässt die Vermutung zu, dass die Gefahr nicht gebannt ist.

Fazit

Wer sich immer schon gefragt hat, was dabei herauskommt, wenn man die Fernsehserie "iZombie" (Nein, das ist kein Spoiler!), das Videospiel "Last of Us" und "Titanic" mischt, wird bei "Die Überfahrt" voll auf seine Kosten kommen. Denn der Roman enthält zentrale Aspekte dieser Geschichten, zum Beispiel die Bootsparty aus der ersten Folge von iZombie, auf der Feierwütige von einer blutrünstigen Katastrophe heimgesucht werden. Oder dass Menschen durch eine "Ansteckung" selbst zur Gefahr werden, wie bei "Last of Us". Ansonsten zieht sich die Handlung und die Aufklärung, worum es sich beim "Grauen" handelt, ist enttäuschend. Die Gefahr hat nur eine vage, hanebüchene Hintergrundgeschichte und ist relativ oberflächlich. Sie enthält auch zu wenig "Horror", um den Leser so sehr zu fesseln, dass er das Licht nachts lieber anlässt. Die Charaktere sind ebenfalls sehr einseitig, da es zu viele Personen gibt und man daher nicht genug Zeit hat, sie kennen zu lernen. Man leidet nicht mit ihnen mit, hat keine Angst um sie, trotz des "Grauens", das sie heimsucht. Die Perspektivwechsel in den Kapiteln sind jedoch ein nettes Stilmittel, das gut zum Szenario passt.


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Dienstag, 13. Juni 2017

Cloud Atlas - Rezension

Das erste Mal, dass ich von diesem Film hörte, war als ich ihn im Regal der Bücherei gesehen habe. Er hatte ein cooles Coverbild und es spielten einige bekannte Schauspieler mit. Also nahm ich ihn mit. Zuhause angekommen, meinte meine Mutter zu mir: "Ich habe den nicht zu Ende geguckt. Ich habe nach 10 Minuten ausgemacht, weil ich ihn so komisch fand." "Okay", dachte ich mir, "vielleicht ist der Film nicht so cool wie er aussieht". Ich hatte auch den Text auf der Rückseite nur überflogen und wusste überhaupt nicht worum es geht. Aber ich habe dem Film eine Chance gegeben und habe es nicht bereut.

Ein paar allgemeine Fakten 

Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.
Cloud Atlas ist ein Abenteuer-Drama Film aus dem Jahr 2012, basierend auf dem Buch "Der Wolkenatlas", "Cloud Atlas" im Englischen, von David Mitchell. Ich finde es schwierig die Geschichte kurz zusammen zu fassen, da sie so vielfältig ist. Hier ist mein bester Versuch: 

Cloud Atlas handelt von den Schicksalen sechs verschiender Personen. Jede wird vor eine Entscheidung gestellt, die ihr Leben verändert.
Der Anwalt Adam Ewing (Jim Sturgess) z.B. beschließt in 1849 während der Rückreise aus Amerika einem geflohenem Sklaven zu helfen. Durch diese Handlung ändert er nicht nur sein Leben und das des Sklaven, sondern auch die Zukunft seiner Seele. Seine Handlung inspiriert 1936 den Komponisten Robert Frobisher (Ben Whishaw), nachdem dieser Ewing's Tagebuch gelesen hat. So sind die einzelnen Geschichten durch Andeutungen und gemeinsame Figuren miteinander teilweise über  Jahrhunderte hinweg verbunden. Durch gute Schnitte zwischen den verschiedenen Handlungen, entsteht eine komplexe Geschichte. 

Sonmi (Zhou Xun) erfährt die Wahrheit über ihr Leben.
Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.
Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich in Alter, Aussehen und kulturellem Hintergrund. Jede Geschichte legt den Fokus auch auf etwas anderes bzw. ähnelt einem anderen Genre. Eine Geschichte ist romantisch, die nächste ist eine „feel-good“ und eine weitere ähnelt Sci-Fi. So gibt es für jeden etwas. Dass der Film drei Stunden dauert, habe ich erst erfahren, als ich nach zwei Stunden auf die Hülle geguckt habe. Die Besetzung ist hochwertig. Vor allem Zhou Xun als Sonmi~451 hat mich mit ihrer emotionalen Performance sehr bewegt.


James D'Arcy & Halle Berry 
Foto: Reiner Bajo/ Warner Bros. Entertainment Inc.
 Eine Besonderheit des Films ist, dass alle Schauspieler mehrere Rollen spielen. Die Idee ist, dass jeder Schauspieler eine Seele spielt, die wieder geboren wird.  Nehmen wir Halle Berry als Beispiel. Sie fängt an in Amerika als eingeborene Frau in 1849. Das nächste Mal sehen wir sie als Jocasta Ayrs in einer unglücklichen Ehe mit einem bekannten Musiker. Dann tritt sie als Hauptcharakter Luisa Rey skrupellosen Geschäftsmännern entgegen. In Timothy Cavendish's Geschichte ist sie ein Partygast und in 2144 stellt sie sogar einen Mann dar. Als Meronym rettet sie Zachry und seine Nichte das Leben. Man kann während des Films eine Entwicklung in ihrer Seele sehen. Bei dem ersten Mal habe ich nicht alle Schauspieler in ihren verschiedenen Rollen wiedererkannt. Makeup und Kostüme sehen sehr gut aus und machen jede Epoche zu etwas besonderen.


Wie es gibt sechs verschiedene Geschichten?

Wie bereits erwähnt, gibt es sechs verschiedene Handlungen in dem Film, die nur teilweise mit einander verknüpft sind. Das hat mir sehr gut gefallen. Denn wenn man den Film mehrmals guckt, sieht man wo genau die Überschneidungen sind und wie sich die Charaktere gegenseitig beeinflusst haben.
Diese Geschichte hat mir am besten gefallen
Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.
Damit man in der Handlung richtig ankommt, muss man dem "Cloud Atlas" mehr Zeit geben als einem „normalen“ Film mit nur einem  Handlungsstrang. 10 Minuten sind auf keinen Fall genug! Am Anfang war ich verwirrt was passiert vor allem weil ich mich bei Tom Hanks' Charakter am Anfang gefragt habe, ob er überhaupt Englisch spricht. Aber nachdem man alle Charaktere einmal trifft, versteht man den Film sehr viel besser. Die Handlung ist lang und detailiert. Es werden viele Hintergrundinformationen zu jedem Charakter gegeben. Ich fand es aber nicht langweilig oder überflüssig, weil das „Leben-verändernde-Ereignis“ auch für den Zuschauer zu einem deutlichen Wandel führt. Nicht jede Person hat ein richtiges Happy End bekommen und nicht jeder Charakter überlebt, aber durch den Wiedergeburt Gedanken in dem Film, ist es ein Abschied für kurze Zeit. Am Ende hatte ich jedoch ein gutes Gefühl bei jeder Geschichte.

Soll ich den Film gucken?

Wenn man von „Cloud Atlas“ drei Stunden an den Stuhl fesselnde Spannung erwartet, wird man enttäuscht. Der Film ist lang und hat Teile, in denen für die spätere Handlung unwichtige Details gegeben werden. Für mich waren die unterschiedlichen Handlungsstränge aber interessant genug, um auch die langweiligeren Teile zu gucken. Durch die verschiedenen Geschichten hat der Film für mich gepunktet. Auch die Kulissen und Hintergründe waren schön. Von der hochklassigen Besetzung mit emotionalen Performances ganz zu schweigen. Ich mag Filme, die philosphische Fragen stellen und bei denen man noch nach Tagen über Antworten grübelt. „Cloud Atlas“ mit der Frage in wie weit unsere Handlungen jetzt das nächste Leben beeinflussen, war für mich so ein Film.

Ich würde den Film empfehlen, wenn genug Zeit und Lust hat sich auf etwas mehr Nachdenklicheres als normal einzulassen . Es ist kein Film, den ich mir jeden Monat einmal angucke, dafür ist er zu lang, aber als Auszeit zum Alltag war er sehr gut. Entweder man liebt den Film oder man findet ihn nicht gut. Ich habe das Gefühl, es gibt wenig Raum dazwischen. Also gebt „Cloud Atlas“ eine Chance. Vielleicht gehört ihr zu der „Ich liebe den Film“-Kategorie. 


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Sonntag, 11. Juni 2017

Sherlock: Das letzte Problem - Rezension

- Der folgende Text enthält Spoiler -

Endlich läuft die vierte Staffel der beliebten BBC-Reihe "Sherlock" auch im deutschen Fernsehen. Wir haben uns die drei neuen Folgen angesehen.

John Watson (Martin Freeman) hat in der vorherigen Folge "Der lügende Detektiv" erfahren, dass sein bester Freund Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) eine Schwester namens Eurus (Sian Brooke) hat. Im Finale der vierten Staffel bringen die beiden Sherlocks Bruder Mycroft ("Sherlock"-Produzent Mark Gatiss) nun dazu, ihnen die ganze Wahrheit über die Kindheit der Holmes-Geschwister zu erzählen. Die kleine Eurus wurde früh als "äraprägendes Genie" bezeichnet und aufgrund ihrer manipulativen Fähigkeiten und ihrer Empathielosigkeit in einer Einrichtung namens "Sherrinford" weggesperrt. Die drei Männer machen sich auf den Weg dorthin. Sie wollen überprüfen, ob es sich bei der Frau, die sich als Johns Therapeutin ausgegeben hat, tatsächlich um Eurus Holmes handelt. Vor Ort müssen sie entsetzt feststellen, dass das skrupellose Genie die Kontrolle über "Sherrinford" erlangt hat. Sie zwingt Sherlock, Mycroft und John dazu, Spielchen zu spielen, bei denen es um Leben und Tod geht. Die letzte Aufgabe offenbart Sherlock eine grausame Wahrheit.

Völlig ausgelöscht

Eurus ist die intelligenteste der Holmes-Geschwister
Foto: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films 2016
Das Finale beginnt im Inneren eines Flugzeugs. Ein kleines Mädchen (Honor Kneafsey, mit viel zu alt klingender deutscher Synchronstimme) wacht auf und stellt fest, dass alle anderen Passagiere und die Crew bewusstlos sind. Ihre Versuche, sie zu wecken, schlagen fehl. Als sie an ein klingelndes Handy geht, ertönt die Stimme von Sherlocks Gegenspieler Jim Moriarty (Andrew Scott), die sie zum "letzten Problem" willkommen heißt. Währenddessen inszenieren Sherlock und John eine gruselige Vorstellung für Mycroft, damit er ihnen die Wahrheit über Eurus erzählt (John: "Jemand hat ihm [Sherlock] gesagt, dass Sie erst mit der Wahrheit rausrücken, wenn Sie sich in die Hosen machen."; Mycroft: "Jemand?"; John: "Ich glaube, ich."). Nach einigem Zögern tut er es auch. Die Geschichte hat mich kaum gefesselt, da man immer nur dieselben kurzen Rückblicke sieht. Hier wäre es wünschenswert gewesen, mehr von der Vergangenheit und der kleinen, unschuldig wirkenden Eurus (Indica Watson) zu erfahren. Vor allem die Augenblicke, in denen das kleine Mädchen "Redbeard" in eine Falle lockt, wären interessant gewesen, da man sich kaum vorstellen kann, dass eine Fünfjährige zu so etwas fähig ist. So erfährt man alles nur durch Mycrofts einseitige Schilderungen. Es wird auch nicht aufgeklärt, wieso Sherlock in all den Jahren nie durch Zufall Hinweise auf seine Schwester gefunden hat. Zu Beginn der Folge sieht man alte Videoaufnahmen der Familie, das heißt, es wird vermutlich auch Videos und Fotos von Eurus geben. Es ist schwer vorstellbar, dass Mr. und Mrs. Holmes (Benedict Cumberbatchs Eltern Timothy Carlton und Wanda Ventham) nichts von ihrer Tochter aufbewahrt haben - besonders nachdem Mycroft ihnen vorgegaukelt hat, Eurus wäre bei einem Brand ums Leben gekommen.
Die Familie Holmes besucht Eurus
Foto: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films 2016
Als Sherlock, Mycroft und John schließlich "Sherrinford" erreichen, stellen sie fest, dass die Gefangene schon lange keine Gefangene mehr ist. Sie hat das Personal manipuliert und willenlos gemacht (Mycroft: "Eurus redet nicht einfach nur mit Menschen, sie programmiert sie um. Jeder, der Zeit mit ihr verbringt, ist automatisch gefährdet.") Was die Serie bislang so gut gemacht hat, ist, dass Sherlocks Deduktionen meist stimmig waren. Obwohl seine Beobachtungsgabe an Magie oder eine Superkraft erinnert, waren seine Erklärungen immer nachvollziehbar. Bei Eurus Fähigkeiten ist das nicht der Fall. Es wird nicht einmal der Versuch unternommen ihre Manipulationen zu erklären. Das ist schade, denn so wirkt sie nicht wie eine authentische Gefahr, sondern mehr wie ein verrückter Bösewicht aus einem Film.
Molly ist Sherlocks Spielchen leid
Foto: BBC
Ein Beispiel wäre "Saw", denn bei jedem ihrer Spiele kann potenziell jemand sterben. Tatsächlich sind sie wenig abwechslungsreich. Bei zweien geht es darum einen Menschen zu töten, was zu langen Diskussionen führt (Wer soll schießen? Auf wen soll geschossen werden?). Ein drittes besteht daraus einen Mörder zu identifizieren. Das ist leider eine von nur zwei Stellen in "Das letzte Problem", in der Sherlock auf gewohnte Art und Weise deduziert. Das vierte Spiel ist perfider: Sherlock muss Molly Hooper (Louise Brealey) innerhalb von drei Minuten dazu bringen "Ich liebe dich." zu sagen, ansonsten sprengt Eurus sie in die Luft. Die Pathologin weiß dabei nicht in welcher Gefahr sie sich befindet und Sherlock darf es ihr nicht sagen. Die Sequenz ist berührend, da man Cumberbatch und Brealey an ihrer Mimik ansehen kann, wie schwer es Molly und Sherlock fällt, über ihre Gefühle zu sprechen. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die Produzenten und Drehbuchautoren Mark Gatiss und Steven Moffat zuerst eine völlig andere Szene geplant hatten (Moffat: "Molly was actually trapped inside the coffin and they had to solve a puzzle to get her out."). Die gefiel aber absolut niemand anderem aus dem "Sherlock"-Team oder ihrem Umfeld, sodass die beiden sie schlussendlich am letzten Tag des Drehbuchschreibens ersetzt haben (Moffat: "We came out [with the new version] saying `That's the best scene in the episode.´").

Ein Ende mit vielen Fragen

Der echte "Redbeard" lag jahrelang in einem Brunnen
Foto: BBC
Während des vierten Spiels, betäubt Eurus Sherlock und er wacht auf dem alten Anwesen seiner Familie auf. Schritt für Schritt begreift er dort die furchtbare Wahrheit: "Redbeard", sein treuer Irish Setter, der in anderen Folgen immer wieder erwähnt wurde, ist gar kein Hund. "Redbeard" war der Spitzname von Victor Trevor (Harry Tuffin), Sherlocks bestem Freund aus Kindertagen. Eurus war neidisch, da die beiden Jungs sie nie mitspielen ließen und beförderte Victor in einen Brunnen, wo er später ertrank. Aus Selbstschutz hatte der junge Sherlock die eigene Schwester aus seinen Erinnerungen gelöscht und sich selbst vorgegaukelt, "Redbeard" sei ein Hund gewesen.
Der Detektiv erkennt, dass er Eurus helfen muss, um die kranken Spielchen zu beenden. Sie war immer einsam und wurde als kleines Mädchen in einem Hochsicherheitstrakt weggesperrt. Das verängstigte Kind im Flugzeug aus der ersten Szene ist eine Metapher und stellt Eurus dar. Durch ihre außergewöhnliche Intelligenz schwebt sie über allem, ist dabei allerdings von anderen Menschen abgeschnitten und alleine. Nachdem Sherlock ihr versichert hat, dass er bei ihr ist, lässt sie sich widerstandslos zurück nach "Sherrinford" bringen. 
Nein, ich habe leider nicht mit Paint nachgeholfen
Foto: BBC
Neben Eurus übernatürlichen Fähigkeiten, anders kann man sie nicht nennen und der Tatsache, dass Sherlock in etwa 30 Jahren keinen einzigen Hinweis auf seine Schwester oder seinen besten Freund gefunden hat, gibt es noch zahlreiche andere Unstimmigkeiten. Beispielsweise, dass der Detektiv, der mit einem Blick eine halbe Lebensgeschichte herausfindet, die fehlenden Glaswände von Eurus Zelle nicht bemerkt. Oder dass Mary Watson (Amanda Abbington) in ihrer Abschiedsbotschaft, dazu gleich mehr, nur auf Sherlock und John eingeht, ihre kleine Tochter Rosie aber mit keinem Wort erwähnt. Diese Dinge kann man eventuell noch ignorieren. Aber über einen Aspekt kann man einfach nicht hinwegsehen: Die schlechten Effekte. Ich hätte wirklich gerne ein Foto von dem Moment, als ich zum ersten Mal die Szene gesehen habe, in der eine Bombe Sherlocks Wohnung in der Baker Street zerstört. Es ist lächerlich, wie der Detektiv und John Watson dramatisch durch die Fensterschreiben nach draußen springen, aber die Explosion ist noch peinlicher. Sie sieht wirklich unglaublich unecht aus und passt damit überhaupt nicht zu der Serie, die ansonsten ein fantastisches Setdesign hat.
Nun möchte ich aber noch auf das Ende eingehen, das eigentlich keins ist. John bekommt eine letzte Videobotschaft seiner toten Frau Mary. Darin ermuntert sie ihren Ehemann und Sherlock weiterhin Fälle zu lösen ("Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch zwei Männer, die in einer heruntergekommenen Wohnung diskutieren, als wären sie schon immer dort gewesen und als würden sie immer dort sein. Die besten und klügsten Männer, die ich je gekannt habe: Meine Baker Street Boys, Sherlock Holmes und Dr. Watson."). Währenddessen sieht man, wie die Wohnung nach dem Bombeneinschlag renoviert wird. Außerdem rennen Lestrade, Mrs. Hudson und Molly durchs Bild, wie zur Erinnerung, dass sie eigentlich auch Teil der Stammbesetzung sind. Was mit Mrs. Hudson nach der Explosion passiert ist, wie Molly und Sherlock sich nach dem "Ich liebe dich" ausgesprochen haben... nichts davon erfährt man. Die Endszene wirkt deutlich wie ein Abschluss der Serie, auch wenn es zu einer Fort- oder Absetzung bislang noch keine Informationen gibt. Es bleiben dennoch eine Menge Fragen unbeantwortet. Daher ist es schade, dass die meisten Charaktere während der vierten Staffel auf der Strecke geblieben sind.

Fazit

"Das letzte Problem" erinnert nur entfernt an eine "Sherlock"-Folge. Kaum Deduktionen, kaum Humor, dafür Gewalt und Unstimmigkeiten in der Geschichte. Man erfährt zwar unglaublich viel über Eurus Holmes, allerdings immer nur durch andere Personen oder ihr Fantasie-Ich. Dafür werden dieselben Rückblenden ein ums andere Mal gezeigt, anstelle die Möglichkeit zu nutzen, die jungen Holmes-Kinder besser kennen zu lernen. Dann hätte man vielleicht auch besser nachvollziehen können, wie genau Eurus Menschen manipuliert. So hat es den Anschein als hätte sie eine gruselige Superkraft. Ein weiteres großes Manko ist, dass viele der lieb gewonnenen Charaktere nur Statisten sind und keinen würdigen Abschied bekommen - ein Problem, dass diese Staffel leider dominiert hat. Toll ist jedoch die Rückkehr von Sherlocks Eltern. Sie sind super sympathisch und es wäre ein Fehler gewesen, sie nicht in die Geschichte um Eurus miteinzubeziehen. 
Einen großen Pluspunkt gibt es auch für die Szene, in der Eurus Sherlock attackiert, ihm die Kehle zudrückt und den Wachen vor ihrer Tür zu brüllt: "REIN HIER MIT EUCH! LOS! HINDERT MICH DARAN IHN UMZUBRINGEN! Oder nein, gebt mir noch eine Minute." Besser kann man die Beziehung zwischen Geschwistern vermutlich nicht darstellen.


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