Dienstag, 8. Mai 2018

The Rain (Serie) - Watch.Read.Discuss. [D/E]

The following discussion of the "Netflix" TV show "The Rain" is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -


Im September haben wir die wenigen Stärken und vielen Schwächen der damals frisch erschienenen "Netflix"-Serie "The Mist" diskutiert (klickt hier um zum Post zu gelangen). Vor wenigen Tagen hat der Streaming-Anbieter eine weitere Sendung über tödliche Wetterveränderungen veröffentlicht: "The Rain". Es ist gleichzeitig auch das erste dänische "Netflix Original". Also mehr als genug Gründe für eine neue Ausgabe unserer Reihe "Watch.Read.Discuss.", in der wir Autoren einige Fragen zum selben Medium diskutieren (hier kommt ihr zu allen vorherigen Teilen - zum Beispiel über "Ku'damm 59", "Dark" oder "Greatest Showman").

Einer nerviger als der andere...
Foto: Netflix
Das Leben der pubertierenden Simone (Alba August) verändert sich schlagartig, als ihr Vater Frederik (Lars Simonsen) sie kurz vor einer wichtigen Prüfung aus der Schule zerrt. Im Auto warten bereits ihre Mutter Ellen (Iben Hjejle) und ihr kleiner Bruder Rasmus (Bertil De Lorenzi). Hektisch flieht die Familie und schlägt sich schließlich zu Fuß bis zu einem unterirdischen Bunker durch. Frederik berichtet seiner Tochter, dass sich ein tödlicher und hochgradig ansteckender Virus im derzeit fallenden Regen befindet. Er werde fortgehen und nach einem Heilmittel suchen. Solange müsse sie auf ihren Bruder aufpassen, da er der Schlüssel zur Rettung sei. Noch am selben Tag stirbt Ellen, als sie beim Kampf gegen einen Eindringling in Berührung mit dem Regen kommt. Die beiden Kinder bleiben alleine zurück und warten auf die Rückkehr ihres Vaters. Nach über fünf Jahren neigen sich die Vorräte im Bunker dem Ende zu und die Geschwister entscheiden, ihr unfreiwilliges Zuhause zu verlassen. Wenig später werden sie von einigen Überlebenden überfallen. Da Simone weiß, wo weitere Nahrungsvorräte zu finden sind, entschließt sich Anführer Martin (Mikkel Boe Følsgaard) dazu, sie und Rasmus (jetzt: Lucas Lynggaard Tønnesen) mitzunehmen. Die Gruppe, zu der noch Patrick (Lukas Løkken), Lea (Jessica Dinnage), Jean (Sonny Lindberg) und Beatrice (Angela Bundalovic) gehören, macht sich auf die Suche nach Lebensmitteln und Antworten.


Wie seid ihr auf die Serie aufmerksam geworden und warum wolltet ihr sie gucken?

Katrin: Für "The Rain" wurde online exzessiv Werbung gemacht. Kaum war der Teasertrailer veröffentlicht, wurde er mir schon in sämtlichen sozialen Netzwerken angezeigt - da gab es kein Entkommen. Die Ausschnitte sahen vielversprechend aus und die Handlung klang trotz des ausgelutschten "eine Gruppe Teenager muss in einer dystopischen Welt überleben"-Konzepts ganz interessant. 

Laura: Ich habe den Trailer schon vor einer Weile gesehen, die Serie dann aber erst mal wieder vergessen. Kurz vor dem Start habe ich ihn durch Zufall nochmal gesehen und ziemlich spontan entschieden, die Sendung zu schauen. Mich hat die Idee mit dem Regen als Bedrohung interessiert. Ich war vor allem neugierig darauf, wie genau sie umgesetzt wurde.

Wurden eure Erwartungen erfüllt?

Ein Leben im Bunker stand bei Simone nicht auf dem Plan
Foto: Netflix
Katrin: "The Mist" ging in eine sehr ähnliche Richtung und die Serie hat mich weitestgehend enttäuscht, daher bin ich praktisch ohne Erwartungen an "The Rain" herangegangen. Ich habe mich später trotzdem geärgert und der verschwendeten Zeit hinterhergetrauert. Wenn Laura und ich nicht diesen Post geplant hätten, hätte ich die Sendung garantiert abgebrochen. Ich habe zwar schon häufig Formate rezensiert, die mir nicht gefallen haben, doch dieses hier hat mich noch zusätzlich furchtbar gelangweilt und aufgeregt.

Laura: Ich habe damit gerechnet, dass der Regen mehr im Fokus stehen würde. Stattdessen spielt er gar keine so große Rolle. Er ist quasi nach der ersten Folge der harmloseste "Gegner". Es geht vielmehr um das Überleben an sich, weil es kaum Essen gibt und eine organisierte Gruppe jeden umbringt, der infiziert sein könnte. Eben ein typisches Endzeit-Szenario. Auch nicht sehr viel außergewöhnlicher ist die klassische Suche nach einem Familienmitglied, hier dem Vater von Simone und Rasmus. Ich dachte, die Serie würde etwas ausgefallener sein, dreht sich aber eher um bekannte Ideen. 

Hebt sich "The Rain" von anderen Serien ab, die ihr gesehen habt?

Katrin: Nein, überhaupt nicht. Es gibt Dutzende Filme und Serien über Dystopien, in denen eine Gruppe Jugendlicher ums Überleben kämpft und nebenher mit mehr oder weniger typischen Problemen des Älterwerdens konfrontiert wird. "The Rain" unterscheidet sich in keinster Weise von ihnen. Die meisten Erwachsenen sind sofort qualvoll gestorben, doch die Teenies schaffen es seit Jahren alleine zu überleben; ein übermächtiger Konzern, der für den Untergang der Welt verantwortlich ist und auch noch nach der großen Katastrophe normal weitermacht; eine starke und gutherzige Protagonistin, die sich in den mysteriösen, introvertierten Anführer der Rebellen verliebt... all das war schon in unzähligen anderen Formaten zu sehen. Die ganze Serie wirkt wie ein liebloser Versuch, den längst abgeflauten Trend, der mit "The Hunger Games" gestartet ist, aufzuwärmen. Mit einigen unvorhersehbaren Wendungen, vielschichtigen Charakteren und innovativen Ideen hätte daraus vielleicht noch eine passable Sendung werden können, doch es gibt nichts dergleichen.

Laura: Ich finde auch nicht, dass die Sendung irgendetwas Neues zu bieten hat. Tatsächlich wurde ich an einigen Stellen sogar an eine spezielle Serie erinnert: "The Walking Dead". Besonders als sich herausstellt, dass die "netten" Menschen in Wahrheit Kannibalen sind. Mir war schon bei der Begrüßung klar, dass mit denen etwas nicht stimmt. Warum? Weil ich sofort an die populäre Zombie-Sendung denken musste. Da treffen die Protagonisten ebenfalls ständig auf vermeintlich gute Menschen, die am Ende doch die Bösen sind. An sich muss die Ähnlichkeit nichts Schlechtes sein. Allerdings tut der dänischen Serie der Vergleich mit "The Walking Dead" überhaupt nicht gut, weil sie nicht mithalten kann. Das liegt vor allem daran, dass die Charaktere einfach nicht interessant und komplex genug sind. Eine Geschichte, in der es oft darum geht, dass die Figuren durch die Gegend laufen und sonst nichts passiert, braucht vielschichtige Protagonisten. Sonst langweilt sich der Zuschauer irgendwann. Leider bleiben die Personen hier alle viel zu blass. Die einzigen Konflikte in der Gruppe sind Liebesdramen, Eifersucht und Meinungsverschiedenheiten und die werden alle nicht besonders mitreißend erzählt. Zwischendurch gibt es dann diese beinahe absurden Szenen, in denen alle vollkommen überdreht herumhüpfen, als hätten sie den Spaß ihres Lebens. Das ist ein zu krasser Gegensatz zu der sonst sehr düsteren Stimmung und will für mich einfach nicht passen. "The Walking Dead" ist da hundertmal besser. Leider kann die Serie daher für mich nichts Besonderes bieten und hebt sich auch nicht von anderen Sendungen ab. 

Was hat euch noch an den Charakteren gestört?

Wer möchte das Alter der Charaktere erraten?
Foto: Netflix
Laura: Der Zuschauer hat keine Ahnung, wie alt sie sein sollen. Das hat mich ständig irritiert. Vor allem die Liebesgeschichte zwischen Rasmus und Beatrice fand ich die ganze Zeit ziemlich merkwürdig. Die Rückblenden machen teilweise auch keinen Sinn. Lea und Patrick sehen nach sechs Jahren immer noch genauso aus. Wie kann das sein? Simone hat einen anderen Haarschnitt, das war es dann aber auch. Ich habe mich andauernd gefragt, wieso nicht drei Jahre zwischen der Katastrophe und der Gegenwart vergangen sein können. Dann wären zumindest die scheinbar nicht alternden Figuren etwas glaubwürdiger.

Katrin: Genau wie Laura hat es mich kolossal gestört, dass der Zuschauer nicht erfährt, wie alt die Weggefährten von Simone und Rasmus sind. Lea ginge als 14 durch, während Martin schon Ende 30 sein könnte. Ihre Vorgeschichten lassen zwar auf ihr ungefähres Alter schließen, doch die Schauspieler passen vom Aussehen her nicht dazu. Besonders die Beziehung zwischen dem 15- oder 16-jährigen Rasmus und der deutlich älter wirkenden Beatrice erscheint in dieser Hinsicht sehr komisch. Außerdem sind alle Figuren unglaublich einseitig und klischeehaft. Die Gruppe besteht aus - wie sollte es anders sein - einem vermeintlich starken Anführer, einem aufbrausenden Kiffer, einer hübschen Verführerin, einem planlosen Trottel und einem gottesfürchtigen Mauerblümchen, das alle beschützen wollen. Mit Ausnahme von Letztgenannter, die zwischendurch auch für sie eher untypische Entscheidungen trifft, handeln alle Charaktere genauso, wie es ihr oberflächliches Rollenprofil vorgibt. Das ist langweilig, vorhersehbar und einfallslos. Genauso wie ihre unglaublich tragischen Vorgeschichten, die zwar zu Beginn der Folgen gezeigt, danach aber nicht mehr thematisiert werden und die Figuren kaum in der Gegenwart beeinflussen.

Welche Szene hat euch am wenigsten gefallen?

Katrin: Absolut jede, in der der jugendliche Rasmus vorkommt. Er trifft eine saudumme Entscheidung nach der anderen, motzt herum und bringt die Gruppe ständig in Gefahr, ohne dafür irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Schade, denn den zehnjährigen Rasmus fand ich klasse! Außerdem die komplette Folge, in der die Protagonisten kurz einer Kannibalen-Sekte beitreten. Die Sequenz ist  einfach nur seltsam und zeigt nachdrücklich, wie unglaublich dumm und naiv die Teenager sind. Müsste ich eine bestimmte Szene wählen, dann die, in der Rasmus um Beatrice trauert und jeden Lebenswillen verliert. Mehr Melodramatik geht kaum noch - "Die Leiden des jungen Werthers" lassen grüßen.

Laura: Als Simone das erste Mal nach sechs Jahren den Bunker verlässt. Es ist stockdunkel und sie rennt wer weiß wohin, schafft es aber trotzdem wieder ohne Probleme zum Bunker zurück. Was ist das bitte für ein krasser Orientierungssinn? Generell ist es nicht logisch, dass sie die Lage aller Bunker im Kopf haben soll und außerdem genau weiß, wie sie dort hinkommt. Das hat mich die ganze Zeit ziemlich genervt. Eigentlich hätte das ein Aspekt sein müssen, der die Figuren vor Hindernisse stellt, ist es aber nicht, einfach weil Simone es kann. Es scheint fast so, als hätten die Serienmacher keine Lust darauf gehabt, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen. Denn einem Charakter ohne jegliche Erklärung einen so außergewöhnlichen Orientierungssinn zu geben, ist eine ziemlich einfache, aber auch unglaubwürdige Lösung.

Und welche am besten?

Katrin: Die Szenen zwischen Simone und dem kleinen Rasmus zu Beginn der Serie. Die Chemie zwischen den beiden ist klasse, genauso wie die schauspielerische Leistung. Es gibt viele anrührende, stimmige Momente, wie die gemeinsame Trauer um ihre Mutter oder eine spontane Tanzparty zur Aufmunterung. Außerdem ist es interessant zu sehen, wie Simone, die gerade noch Schulprojekte und ein Date im Kopf hatte, sich mit der Situation arrangieren muss, plötzlich allein verantwortlich für ihren kleinen Bruder zu sein.

Laura: Mich konnte keine so richtig begeistern. Ganz gut fand ich aber die Szenen, in denen Martin misstrauisch wird und bei der Sekte herumspioniert. Wenigstens eine Person, die merkt hat, wie merkwürdig die Menschen dort sind! Außerdem ist er nicht so dumm, dass er von einem der Bewohner gefunden und niedergeschlagen wird. Das habe ich schon fast kommen sehen, aber zum Glück ist es nicht passiert.

Was hättet ihr an der Geschichte verändert?

Simone muss viel Schlimmes mitansehen
Foto: Netflix
Katrin: Auf jeden Fall hätte ich mir ein Alleinstellungsmerkmal überlegt, mit der ich die Sendung von den vielen ähnlichen Erzählungen abgegrenzt hätte. Zudem hätte ich die Charaktere und die Handlung weniger klischeehaft gestaltet und auf viele übertrieben melodramatische und schräge Momente verzichtet. Außerdem hätte ich das isolierte Leben im Bunker länger beleuchtet und dafür die Probleme innerhalb der Gruppe drastisch reduziert.

Laura: Den Verlauf der Geschichte finde ich gar nicht so schlecht, abgesehen von der komischen Romanze zwischen Rasmus und Beatrice. Der hätte ich weniger Screentime gegeben. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich nichts verändert. Es geht mir mehr darum, wie die Geschichte umgesetzt wurde. Für mich kam erst in den letzten zwei Folgen etwas Spannung auf. Ich war allerdings auch dann weit davon entfernt, richtig mitzufiebern. Wenn die Charaktere interessanter gewesen und die Konflikte spannender gestaltet worden wären, hätte das der ganzen Serie viel gegeben.

Last, but not least: Was versprecht ihr euch von einer zweiten Staffel?

Katrin: Da "The Mist" nach nur einer Staffel gecancelt wurde, kann ich mir nicht vorstellen, dass "The Rain" fortgesetzt wird. Beide Serien richten sich an ein sehr ähnliches Publikum und Letztere hat zudem den Nachteil, das sie für den internationalen Markt übersetzt beziehungsweise untertitelt werden muss. Falls es weitere Folgen geben sollte, würde ich auf eine spannendere, abwechslungsreichere und innovativere Handlung hoffen. Aber ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass ich mir eine zweite Staffel überhaupt anschauen würde.

Laura: Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich einer möglichen Fortsetzung eine Chance geben würde. Es wäre toll, wenn sie etwas Neues bieten würde und nicht nach demselben Schema abläuft wie die erste Staffel. Außerdem sollten die Charaktere weiter ausgearbeitet und vor allem die Gruppendynamik verbessert werden.


Habt ihr "The Rain" schon gesehen? Wie hättet ihr geantwortet? Teilt es uns in den Kommentaren mit. 

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English


-The following text contains spoilers -


In September we discussed the few strenghts and many weaknesses of the "Netflix" show "The Mist" (you can find the post here). A few days ago the streaming service published another series about deadly weather changes: "The Rain". It's also the first Danish "Netflix Original". So more than enough reasons for another issue of our series "Watch.Read.Discuss.", in which we authors discuss some questions about the same medium (click here to see all the other parts - for example about "Dark" or "Greatest Showman").

One more annoying than the other...
Photo: Netflix
The life of teenager Simone (Alba August) changes drastically when her father Frederik (Lars Simonsen) drags her out of school right before an important exam. Her mother Ellen (Iben Hjejle) and her little brother Rasmus (Bertil De Lorenzi) are already waiting in the car. The family flees in a rush and eventually finds its way to an underground bunker. Frederik tells his daughter that a deadly and highly contagious virus is carried by the currenty falling rain. He is going to leave and search for a cure. Until he returns she has to take care of her brother, because apparenty he is the key to saving humanity. Ellen dies the same day as she comes in contact with the rain while fighting an intruder. The children are left alone, waiting for their father to come back. After more than five years the supplies in the bunker are nearly gone and the siblings decide to leave their unintentional home. Shortly after they get attacked by some survivors. Since Simone knows where to find more food supplies, the leader Martin (Mikkel Boe Følsgaard) decides to take her and Rasmus (now: Lucas Lynggaard Tønnesen) with them. The group, that also includes Patrick (Lukas Løkken), Lea (Jessica Dinnage), Jean (Sonny Lindberg) and Beatrice (Angela Bundalovic), starts their search for food and answers.


When did you become aware of the series and why did you want to watch it?

Katrin: "The Rain" was heavily advertised. The moment the teaser trailer got released, it was all over my social media - there was no escape. It looked promising and the plot seemed to be kind of interesting despite the overused "a group of teenagers has to survive in a dystopian world" concept.

Laura: I watched the trailer some time ago, but forgot about the series. Shortly before the release I saw it again and decided rather spontaneously to give it a try. I especially liked the idea of rain as a deadly threat. I was curios how the series had implemented it. 

Did the show live up to your expectations?

A life in a bunker wasn't part of Simone's plans
Photo: Netflix
Katrin: "The Mist" went into a quite similiar direction and I was pretty disappointed by the series. That's why I basically had no expectations for "The Rain". It managed to bother me and I mourned the wasted time. If Laura and I hadn't planned this post, I definitely would have quit the series. Although I review formats I didn't like quite often, I got exceptionally bored and angry watching this one.

Laura: I expected the rain to be the center of the show. Instead its role is very small and it quickly becomes the most harmless "opponent". The story is more about the basic survival since food is rare and there is an organised group that kills everyone who might be infected with the virus. It's a typical apocalyptic scenario. Then there's the classic search for a family member - in this case the father of Simone and Rasmus - which isn't very exceptional either. I thought the series would be a bit more unusual, but it's mainly made up of overused ideas.

Does "The Rain" stand out from other shows that you've watched?

Katrin: No, not at all! There a dozens of dystopian movies and shows, where a group of teenagers has to fight for survival and deal with more or less typical coming of age problems at the same time. "The Rain" isn't different from those in any way. Most adults immediately died in a painful way, but the teenagers managed to survive alone for years; a powerful corporation is responsible for the apocalypse and continues to operate normally even after the great catastrophe; a strong and kind-hearted protagonist falls in love with the mysterious, introverted leader of the rebels... all of that was already shown in other media. The whole series seems like a half-hearted attempt to warm up the already fading trend, which started with "The Hunger Games". Some unpredictable twists, complex characters and innovative ideas could've made it into an okay show. Sadly, there isn't any of that.

Laura: I also don't think that the series has some new aspects. In fact I was reminded of a certain show while watching some scenes: "The Walking Dead". Especially when the "good" people turn out to be cannibals. I already knew that something was up when they welcomed the group of teenagers. Why? Because my thoughts immediately went to the popular zombie series. There the protagonists also meet alleged good people who are the bad guys in the end. This similarity doesn't have to be a bad thing. But the comparison with "The Walking Dead" doesn't do the Danish show any good, because it can't keep up with it. The main problem: The characters are neither interesting nor complex. A story that often has the characters just walking around with not much more happening needs complex protagonists. Otherwise the viewers will get bored at some point. Unfortunatley the characters in "The Rain" stay one-dimensional. The only conflicts within the group are love dramas, jealousy and random disagreements and none of these are told in a thrilling way. Then there are some almost absurd scenes in which everyone is hyped and jumping aroung as if they're having the time of their lives. In comparison to the otherwise dark mood this contrast is way too extreme and just doesn't seem to fit in my eyes. "The Walking Dead" is a hundred times better. Therefore the series isn't special and doesn't stand out from other shows.

What else bothered you about the characters?

Who wants to guess the characters' ages?
Photo: Netflix
Laura: The viewer has no clue about the characters' ages. This was constantly irritating me. Especially the love story between Rasmus and Beatrice was kind of strange in my eyes. Some of the flashbacks don't make much sense either. Lea and Patrick look exactly the same after six years. How's that even possible? Simone's got a new haircut, but that's about it. All the time I was asking myself why they didn't make the difference between the catastrophe and present day shorter, maybe like three years. At least the seemingly not aging characters would be a little more believable.

Katrin: Like Laura, it bothered me immensely that the viewer doesn't know how old Simone's and Rasmus' companions are. Lea could be 14 while Martin could be in his late 30s. Their backstories hint their age but the actors' appearances don't fit. Especially the relationship between 15- or 16-year-old Rasmus and Beatrice, who looks much older, seems really weird in this regard. Furthermore all characters are incredibly one-sided and stereotypical. The group consists of  - how could it be different - a supposedly strong leader, a short-tempered pothead, a pretty seducer, a clueless idiot and a religious wallflower, who everyone wants to protect. Every character acts exactly like their superficial character profile tells them to, with exception of the latter who makes rather untypical decisions sometimes. This is boring, predictable and uninspired. Just as their unbelievably tragic backstories that are shown at the beginning of each episode but never addressed after that and don't really affect the present.

Which scene did you like the least?

Katrin: Every scene in which the adolescent Rasmus appears. He makes one stupid decision after the other, complains nonstop and constantly endangers the group without having to face any consequences. That's a pity, because I thought ten-year-old Rasmus was great! Furthermore the entire episode in which the protagonists briefly join a cannibalistic sect. The sequence is just weird and shows how unbelievably dumb and naive the teenagers are. If I have to choose one specific scene it would be the one in which Rasmus mourns Beatrice while losing all his will to live. Could it be more melodramatic - like straight from "The Sorrows of Young Werther".

Laura: When Simone leaves the bunker for the first time after six years. It's completely dark and she runs to god knows where, but is still able to return without any problems. What kind of crazy sense of direction is this? It also doesn't make sense that she has the location of every other bunker saved in her mind und knows exactly how to get there. This was bugging me the whole time. It should have been an aspect that challenges the characters. Instead it's no problem at all, just because Simone can do it. It seems like the showrunners didn't want to deal with this problem. To give one character such an extraordinary sense of orientation without any explanation is a simple but implausible solution.

Which scene did you like best?

Katrin: The scenes between Simone and young Rasmus at the beginning of the series. They have great chemistry and the acting is amazing. There are a lot of touching, harmonious moments - for example the joint mourning for their mother or a spontaneous dance party to cheer them up. Furthermore it's interesting to see how Simone, who just had school projects and a date on her mind, has to deal with suddenly being responsible for her little brother all by herself.

Laura: There wasn't one that could really excite me. But I quite liked the scenes in which Martin gets suspicious of the sect and wants to find out what's going on. At least one person who notices how weird those people are! Besides he isn't stupid enough to get caught and knocked out by one of the residents. I almost saw it coming, but luckily it didn't happen.

What would you have changed about the story?

Simone has to witness some terrible things
Photo: Netflix
Katrin: I definitely would've thought about a unique feature to distinguish the show from all the similar stories. Furthermore I would've made the characters and the plot less stereotypical and cut many unreasonably melodramatic and weird moments. In addition I would have shown more of the life in the bunker and reduced the problems within the group drastically. 

Laura: I think the course of the story isn't even that bad, except for the weird romance between Beatrice and Rasmus. I would 've given this part less screentime, otherwise I probably wouldn't have changed anything. It's more about the way the story got carried out. I only felt some suspense in the last two episodes. I was still far away from rooting for the characters though. If the figures were more interesting and the conflicts more thrilling the series would've been a lot better.

Last, but not least: What do you expect from a second season?

Katrin: Since "The Mist" was cancelled after one season, I doubt that "The Rain" will be continued. Both shows have a similiar target audience and the last one has the disadvantage of needing translations for the international market. If there were more episodes to come I would hope for a more exciting, varied and innovative plot. But to be honest: I don't think I would even watch a second season.

Laura: I'm also not sure if I would give a possible second season a chance. It would be great if it could offer something new and doesn't follow the same scheme as the first one. Additionally, the characters should be more elaborate. Especially the group dynamic should be improved.


Have you seen "The Rain" yet? What would have been your answers? Tell us in the comments.

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Sonntag, 6. Mai 2018

Tatort: Familien - Rezension

Der Mord zum Sonntag hat Tradition, deshalb sind auch wir mit Rezension und Live-Tweets (@WatchReadTalkdabei.


Ivo Klein (Christoph Betram) findet nach seinem feuchtfröhlichen Junggesellenabschied eine Tasche voller Geldscheine - insgesamt 500.000 Euro. Auf dem Weg nach Hause zu seiner wartenden Braut Jessica Dahlmann (Marie Meinzenbach) und dem gemeinsamen Kind wird er brutal von einem Auto überfahren. Die Fingerabdrücke auf der Tasche führen die Kölner Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) zum renommierten Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig). Nach einigem Zögern berichtet er den Ermittlern, dass seine Enkelin Charlotte Richter (Anke Sabrina Beermann) entführt wurde und er die halbe Million als Lösegeld zahlen sollte. Die Kommissare sind sich sicher, dass der Kidnapper auch den tödlichen Unfall verursacht hat. Da bei Charlottes Eltern Ines (Nicole Marischka) und Ludwig (Harald Schrott) wenig zu holen ist, vermuten die Ermittler außerdem, dass der Täter aus ihrem Umfeld stammt und daher vom Vermögen des Großvaters wusste. Schenk und Ballauf verdächtigen schnell Charlottes Freund Kasper (Anton von Lucke), denn er und seine Mutter Sandra (Claudia Geisler-Bading) haben noch eine Rechnung mit Anwalt Bertram offen.

Ein Festtag für "Tatort"-Puristen!

Die Zuschauer bloß nicht aufregen!
Foto: WDR
Freunde des klassischen Krimis mussten in den letzten Wochen viel verkraften: Anarchie und Weltuntergangsstimmung im deutsch-polnischen Grenzgebiet, grundlos herumschreiende Ermittler in Nürnberg und das Team der Bundespolizei hat seinen Fall zum Teil erfunden. Seit Jahren sind Schenk und Ballauf ein Garant für klassische, grundsolide Krimis - dafür aber meist auch nur Durchschnitt und mäßig spannend. "Familien" ist da keine Ausnahme. Wie schon ihr vorheriger Fall "Mitgehangen", dreht sich auch der aktuelle um die Verwicklungen und Beziehungen innerhalb einer Familie. Allerdings wird die Handlung diesmal gradliniger und unkomplizierter erzählt. Eine deutliche Verbesserung zum wirren Vorgänger! Die Ermittlungen bestehen größtenteils aus unaufgeregten Befragungen, ein paar kurzen Beschattungen und dem Mustern von Leichen - ein Lehrfilm für klassische Krimi-Drehbuchautoren. Durch die vielen langen Gespräche will aber keine Spannung aufkommen - trotz der akuten Gefährdungslage des Entführungsopfers. Das liegt auch an den zahlreichen humoristischen Einlagen. So muss Freddy, der in jeder Folge einen anderen schicken Oldtimer fährt, dank Assistent Norbert Jütte (Roland Riebeling) mit einem "Erbeerkörbchen" vorliebnehmen. Außerdem plaudert der Kommissar die ein oder andere peinliche Anekdote aus (Schenk: "Ich hatte ja auch mal ein Skateboard. (...) Genau eine Minute - kaum, dass ich das erste Mal drauf stand, da lag ich auch schon wieder unten."). Von Spannungsgrad und Stimmung her wirkt "Familien" also weniger wie ein "Tatort" sondern mehr wie ein ZDF-Vorabendkrimi. Das ist aber immer noch um Längen besser als Ballaufs spontane Lebenskrise in "Mitgehangen" oder das übertriebene Drama im "Polizeiruf 110" letzte Woche!
Der Fall bietet sowohl Humor als auch große Gefühle
Foto: WDR/Thomas Kost 
In den Schlussminuten nimmt der Fall dann doch noch Fahrt auf - nicht durch Nervenkitzel, sondern durch Emotionen. Der eindrückliche Showdown zeigt eine andere Seite an den Charakteren und bietet den Schauspielern die Möglichkeit, aus dem Korsett des trägen Durchschnitt-Krimis auszubrechen. Besonders Nicole Marischka als Mutter der entführten Charlotte geht in ihrer Rolle auf und spielt sehr berührend. Die stärksten Szenen in "Familien" werden alle von großen Gefühlen dominiert. In einer früheren Sequenz verabschiedet sich die junge Mutter Jessica von ihrem toten Verlobten, indem sie ihm seinen Ehering ansteckt. Ich mag es sehr, wenn sich Krimis nicht nur mit den Kommissaren und den Verdächtigen beschäftigen, sondern auch mit den Opfern. Aber Täter und ihre jeweilige Lebenssituation sind scheinbar interessanter und stehen meistens im Fokus, während die Geschädigten in Vergessenheit geraten - wie leider im wahren Leben häufig auch. Dieser "Tatort" findet einen Mittelweg, da Charlottes Familie im Zentrum der Ermittlungen steht - auf der einen Seite sind sie Opfer, auf der anderen aber vielleicht auch Täter. Dieser Zwiespalt ist interessant, wenn auch gegen Ende des Krimis ein wenig unglaubwürdig. Hier kann ich aus Spoiler-Gründen leider nicht ins Detail gehen, also nur so viel: Wie können alle Verdächtigen im "Tatort" immer fantastische Lügner sein? Allerdings tendiert Drehbuchautor Christoph Wortberg dennoch dazu, Charlottes Familie hinter den Ermittlungen anzustellen. In Bezug auf neue Informationen treffen die Kommissare dieselbe fragwürdige Entscheidung wie im Mainzer "Tatort: Zeit der Frösche" vor fünf Wochen. Während der Entschluss von den Betroffenen dort aber hart kritisiert wurde, geht er diesmal schnell unter und bleibt weitestgehend unkommentiert.

Hauptsache, Jütte wird satt!

Wie kann Jütte trotz seines Appetits die Figur halten?
Foto: WDR/Thomas Kost
Dafür nimmt sich Wortberg viel Zeit, um den neuen Assistenten als verplanten Trottel darzustellen. Er schläft im Büro (eine richtige Erklärung gibt es dafür nicht), stopft zu Freddys Missfallen Unmengen an Backwaren und Fastfood in sich hinein und trägt nicht wirklich viel Produktives zu den Ermittlungen bei. Bislang ist er nur ein erzwungener "Comic Relief"-Charakter und erinnert schmerzlich an seinen sympathischen, bienenfleißigen Vorgänger. Schenks Nebenhandlung ist auch nicht mehr als ein paar müde aneinandergereihte Gags. Er hat seinen 30. Hochzeitstag vergessen und versucht die ganze Zeit, seine Ehefrau - die der Zuschauer in 73 Kölner "Tatort"-Folgen noch kein einziges Mal gesehen hat - zu besänftigen. Dabei nimmt er nicht nur jedes Fettnäpfchen mit, sondern hat auch nicht den leisesten Schimmer, was seiner Liebsten gefallen könnte. Das Problem löst der beziehungsunfähige Ballauf dann aber für ihn. Die Schlussszene zwischen den beiden und Jütte ist herzerwärmend und witzig - im Gegensatz zum langatmigen Rest der persönlichen Geschichte. Mehrmals plant Freddy eine Überraschung für seine Frau, versaut sie und erntet dafür einen mahnenden Blick seines Kollegen und die Worte: "Das wird teuer, Freddy!" Spätestens beim dritten Mal ist das nicht mehr lustig oder unterhaltsam. Schenk scheint aber noch eine zweite Liebe neben seiner Frau gefunden zu haben: die sozialen Medien. Die Kommissare beziehen bei ihren Ermittlungen auch die Online-Posts ihrer Zeugen, Verdächtigen und Opfer mit ein. Während das bei den meisten anderen Teams sehr verkrampft wirkt, schafft es das Kölner Team, sie ungezwungen und mit einem Augenzwinkern einfließen zu lassen (Verdächtige: "Woher wussten Sie eigentlich, dass ich hier bin?" Schenk (sucht etwas auf seinem Handy und hält es ihr hin): "Social Media - ihr letzter Post."). Schön zu sehen, dass Onlineaktivitäten nicht immer verteufelt oder langatmig erklärt werden müssen.

Fazit

"Familien" ist ein "Tatort", der sich solide im Mittelfeld hält - ohne nennenswerte Ausschläge nach oben oder unten. Alles gleicht sich irgendwie von selbst aus. So wird die fehlende Spannung durch die toll gespielten Emotionen aufgefangen und die langatmige persönliche Geschichte des Ermittlers ist trotzdem noch eine deutliche Verbesserung zu der im vorherigen Fall des Kölner Teams. Langfristig wird dieser Fall wohl nicht in Erinnerung bleiben, eben weil er dem klassischen Krimi-Konzept folgt und in jeglicher Hinsicht in Ordnung, aber nie herausragend ist. Als Ausgleich zu den teils sehr ungewöhnlichen Folgen der letzten Wochen ist er jedoch gut platziert worden.


Nächste Woche steht der zweite Fall des Ermittlerteams aus dem Schwarzwald an. In "Sonnenwende" müssen die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) den plötzlichen Tod einer jungen Frau aufklären. Während sich Berg der Familie verbunden fühlt und an ein natürliches Ableben glaubt, ist Tobler anderer Meinung und setzt alles daran, die Ermittlungen weiterlaufen zu lassen.

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Samstag, 5. Mai 2018

Blindspot: Staffel 3, Folge 20 - Kurzrezension [D/E]

The following review of the "Blindspot" episode "Let It Go" (S03E20) is also available in English. Please scroll down for the English version.

Deutsch


- Der folgende Text enthält Spoiler -

Worum geht es?

In der vorherigen Folge "Galaxy of Minds" hat Roman (Luke Mitchell) Pattersons (Ashley Johnson, Spooked) Tattoo-Datenbank mit unzähligen falschen Tipps außer Gefecht gesetzt. Die Leiterin der Forensic Science Unit bestellt daraufhin ihren Vater Bill Nye (Bill Nye the Science Guy als er selbst) ein, der den Algorithmus einst programmiert hatte. Kurz darauf bekommt das FBI-Team den vermeintlich letzten echten Hinweis von Roman: Der Leichnam von Averys (Kristina Reyes) Vater wurde angespült. Er hat sich nicht selbst umgebracht, sondern wurde ermordet. Bei der Autopsie findet sich ein Schlüssel in seinem Hals, der ein weiteres Tattoo entschlüsselt. Es deutet auf einen legendären Auftragskiller, der nie identifiziert werden konnte. Das FBI-Team schafft es dennoch und ermittelt schnell, wer ihn auf Averys Vater angesetzt hat: deren Patentante Lynette (Jennifer Esposito). Zu demselben Ergebnis kommen auch Jane Doe (Jaimie Alexander) und ihre Tochter, als sie Lynette besuchen und einen verdächtigen Gegenstand finden.


Meine Meinung in drei Punkten

1. Der schnell gelöste Fall

Wer braucht eine Handlung, wenn er Bill Nye hat?
Foto: NBC
"Let It Go" wirkt definitiv nicht so, als sei es die vorletzte Folge vor dem Staffelfinale. Sie ist für "Blindspot"-Verhältnisse relativ gemächlich und legt viel größeren Wert auf die persönlichen Befindlichkeiten der Charaktere als auf die Krimihandlung. Der Auftragsmörder wurde "seit Jahrzehnten" vergeblich von FBI und CIA gesucht. Trotzdem kann Patterson ihn innerhalb weniger Stunden finden. Ich habe die ganze Zeit damit gerechnet, dass sie den falschen Mann verfolgen, da der Verdächtige viel zu jung wirkte, um bereits seit Jahrzehnten aktiv zu sein. Aber leider kam keine interessante Wendung. Der Killer hat nicht einmal ein Wort in der Folge gesagt und war nicht länger als fünf Minuten zu sehen! Die Strippenzieherin hinter dem Mord an Averys Vater wird dann auch viel zu schnell enttarnt. So kommt einfach keine Spannung beim Zuschauer auf. "Let It Go" ist eine der Folgen, in der deutlich bemerkbar ist, dass sich die Drehbuchautoren lieber mit den Charakteren als mit einer fesselnden, plausiblen Geschichte beschäftigen. Das ist eine enttäuschende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass die Kernhandlung der Serie darin besteht, mysteriöse Tattoos zu entschlüsseln und internationale Terroristen zu stoppen. Vor allem, da jetzt nur noch zwei Folgen, also 90 Minuten, bleiben, um herauszufinden, was Roman vorhat und seinen Plan zu durchkreuzen. Ich mag ihn überhaupt nicht, daher ist es angenehm, dass er diesmal kaum zu sehen war. Ich finde es dennoch albern, wie seine nebulöse Erkrankung, die bislang nur einmal in Episode 16 thematisiert wurde, plötzlich wieder akut ist und Halluzinationen verursacht, die dem Zuschauer mehr Informationen verraten, als jede der realen Figuren.

2. Pattersons Vater ist klasse, aber hinderlich

Es ist sehr leicht zu erkennen, mit was sich die Drehbuchautoren anstelle der Krimihandlung beschäftigt haben: dem Gastauftritt von Bill Nye. Wie vermutlich die meisten anderen "Blindspot"-Fans außerhalb der USA kenne ich zwar seinen Namen, habe aber noch nie eine Sendung mit ihm gesehen. Für mich war der Fan-Kult daher nicht ganz nachvollziehbar (Jane: "Who is this guy?" Kurt Weller (Sullivan Stapleton): "He's a really famous scientist. I'm sorry, Sir. She has memory issues." Patterson: "Whoa! Since when are you so interested in science? You never care how I solve any of these tattoos." Weller: "I know, but he makes science fun!" Patterson: "Okay, well, that's super hurtful."). Das ist allerdings nicht wirklich schlimm. Man muss Nye nicht unbedingt kennen, um zu realisieren, dass er eine Idealbesetzung ist. Er stellt die perfekte Mischung zwischen herumblödelndem Vater und leicht verschrobenem Wissenschaftler dar. Anstatt Patterson die Arbeit abzunehmen, versucht er ihre innere Blockade zu lösen, damit sie sich selbst helfen kann. Er bemüht sich auch, das Verhältnis zwischen seiner Tochter und Tasha Zapata (Audrey Esparza) zu verbessern, ohne dabei belehrend zu wirken oder sich ernsthaft einzumischen. Doch so unglaublich sympathisch und witzig er auch sein mag, die Platzierung seines Auftritts ist schlecht. Im Staffel-Endspurt eine Folge einzubringen, die sich vor allem um einen lustigen Gast und die lächerlichen Eheprobleme von Pattersons Eltern dreht, ist denkbar ungünstig (Nye (zu seiner Tochter): "Your mother is going to publish a paper with none other than Dr. Rodney McKay. He's my academic rival. (...) We're like Edison and Tesla or Newton and Leibniz."). Es stehen nur noch zwei Episoden in dieser Staffel aus und der Zuschauer weiß immer noch nicht viel mehr über Romans Plan als vor ein paar Wochen. Die folgenübergreifende Handlung tritt schon länger auf der Stelle, da ist eine nette Story zwischendurch leider hinderlich.

3. Da sind die Probleme wieder!

Avery (l.) und Jane müssen zusammenarbeiten
Foto: NBC
In meiner Rezension zur vorherigen Folge habe ich darüber gesprochen, wie ungleichmäßig die Nebenhandlungen bei "Blindspot" verteilt werden. Während letzte Woche kaum persönliche Probleme thematisiert wurden, geht es diesmal um fast nichts anderes. Mal abgesehen vom Streit zwischen Pattersons Eltern und deren Ärger auf Tasha, geht es wieder einmal um die Konflikte zwischen Jane, Weller und Avery. Die fühlt sich nach ihrem Einzug noch immer zu sehr kontrolliert ("You said this would feel like a home. But it's just the same cell with different wallpaper.") und setzt alles daran, Hank Crawford, Romans und Lynettes Auftraggeber, hinter Gitter zu bringen. Die Geschichte zieht sich mittlerweile über so viele Episoden, dass sie schon gefühlt mehr Zeit eingenommen hat, als alle Tattoo-Rätsel in dieser Staffel. Immerhin trägt Avery diesmal einiges zur Aufklärung des lahmen Falls bei und bleibt dabei realistisch, während ihre Mutter praktischerweise plötzlich über ausgezeichnete Chemiekenntnisse verfügt. In "Let It Go" wird nach längerer Pause außerdem wieder die Beziehung zwischen FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown) und Megan Butani (Reshma Shetty) aufgegriffen. Bei einem zufälligen Treffen entschuldigt sich Zapata ungelenk bei der zukünftigen Braut, dass sie nicht zur Hochzeit kommen wird. Als Megan Reade daraufhin zur Rede stellt, berichtet er ihr von Tashas Liebesgeständnis. Danach fühlt es sich an, als sei die Geschichte vorgespult worden. Das Paar versucht ein paar Mal mehr oder weniger halbherzig miteinander zu reden, dann zieht Megan aus und eröffnet Reade in der Türschwelle, dass in seinem Leben kein Platz für sie sei und in ihrem Leben ehrlich gesagt auch kein Platz für ihn. Bislang wirkte die Beziehung der beiden solide und respektvoll. Es ist merkwürdig, dass Reades Schweigen sie von einer auf die andere Sekunde komplett zerstört haben soll. Genauso plötzlich eröffnet die Journalistin, dass sie einen Artikel in der "New York Times" veröffentlichen wird, in dem sie sich als illegale Einwanderin mit falschen Papieren outet. Diese Nebengeschichte fand ich persönlich sehr spannend, hier wird sie allerdings verpulvert. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass in den letzten beiden Folgen der Staffel noch auf den Aufenthaltsstatus der nun Ex-Freundin von Reade eingegangen werden wird. Die losen Enden werden hier einfach viel zu radikal abgeschnitten.

Fazit

"Let It Go" ist für sich gesehen eine solide Folge. Das liegt vor allem an dem charismatischen, witzigen Gaststar, der perfekt in seine Rolle passt und mit den bereits vorhandenen Charakteren harmoniert. Außerdem wird darauf verzichtet, dem Antagonisten zu viel Zeit zu widmen, stattdessen liegt der Fokus diesmal wieder auf dem FBI-Team. So knapp vor dem Finale wirkt die Episode jedoch wie ein Bremsklotz. Sie trägt so gut wie nichts zur Lösung der staffelübergreifenden Probleme bei und lässt durch ihre eher humoristische Stimmung keine Spannung aufkommen. Der Fall der Woche ist so schnell abgehakt, dass er auch einfach hätte weggelassen werden können. Dazu kommen die vielen persönlichen Probleme der Figuren, die fast alle sehr konstruiert und unverständlich sind. Würde noch ein Dutzend Folgen ausstehen, wäre das tragbar, so kurz vor dem Staffelfinale wirkt "Let It Go" jedoch wie eine Ansammlung von Ideen, die nicht mehr ausformuliert oder mit einem roten Faden verbunden wurden.


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English


- The following text contains spoilers -

What was it about?

During the previous episode "Galaxy of Minds" Roman (Luke Mitchell) incapacitated Patterson's (Ashley Johnson, Spooked) tattoo database by flooding it with false tips. Consequently the Head of the Forensic Science Unit called her father Bill Nye (Bill Nye the Science Guy as himself) who once programmed the algorithm. Shortly afterwards the FBI gets its alleged last real hint from Roman: The body of Avery's (Kristina Reyes) father washed up. He didn't commit suicide, but was killed. During the autopsy a key is found inside his throat, which solves another tattoo. It leads to a legendary assassin who has never been identified. Yet the FBI team manages to do it and quickly finds out who ordered the hit on Avery's father: her godmother Lynette (Jennifer Esposito). Jane Doe (Jaimie Alexander) and her daughter come to the same result after they find a suspicious object while visiting Lynette.


My opinion in three points

1. The quickly resolved case

Who needs a story if you have Bill Nye?
Photo: NBC
"Let It Go" certainly doesn't appear to be the second to last episode before the season finale. By "Blindspot" standards it's pretty leisured and focusses more on the characters' sensitivities than on the crime story. The assassin has been hunted by the FBI and CIA "for decades". Still Patterson manages to find him within a few hours. I thought the entire time that they had the wrong guy, because the suspect looked way to young to have been active for several decades. But sadly there was no interesting twist. The killer didn't even say one word during the episode and wasn't on screen for more than five minutes! The puppet master behind the murder of Avery's father was also unmasked way too easily. There's no suspense whatsoever. "Let It Go" is one of the episodes which clearly seem like the writers were more interested in the characters than a thrilling, plausible story. That's a disappointing development considering the show's core plot is decrypting mysterious tattoos and stopping international terrorists. Especially because there are only two episodes, 90 minutes, left to find out what Roman is planning and foil it. I really don't like him, so I enjoyed the fact he only played a small part this time. However I think it's stupid how his inscrutable illness was only mentioned in episode 16 and suddenly it's acute again and causing hallucinations which actually give the viewers more information than any of the real characters.

2. Patterson's father is great, but obstructive

It's very easy to spot what the writers were busy with instead of the crime story: Bill Nye's guest appearance. I know his name, but have never seen one of his shows - like probably a lot of other "Blindspot" fans from outside the USA. So the fan cult wasn't totally understandable for me (Jane: "Who is this guy?" Kurt Weller (Sullivan Stapleton): "He's a really famous scientist. I'm sorry, Sir. She has memory issues." Patterson: "Whoa! Since when are you so interested in science? You never care how I solve any of these tattoos." Weller: "I know, but he makes science fun!" Patterson: "Okay, well, that's super hurtful."). But that's not a problem. It's not necessary to know Nye in order to realize he's a perfect fit for the role - a great mixture between a goofy dad and a quirky scientist. Instead of lightening Patterson's workload he tries to relax her, so she'll be able to do it by herself. He's also attempting to rekindle the friendship between his daughter and Tasha Zapata (Audrey Esparza) without lecturing them or actually intervening. But despite being totally likeable and fun, the scheduling of his appearance is bad. It's very inconvenient to place an episode during the season's final sprint that's mostly about a humorous guest and the ridiculous marriage problems of Patterson's parents (Nye (to his daughter): "Your mother is going to publish a paper with none other than Dr. Rodney McKay. He's my academic rival. (...) We're like Edison and Tesla or Newton and Leibniz."). There are only 90 minutes left in this season and the viewer still doesn't know much more about Roman's plan than he did a few weeks ago. The episode overlapping plot isn't making any progress, therefore a nice story in between is obstructive.

3. The problems are back!

Avery (l.) and Jane have to work together
Photo: NBC
In my review of the previous episode I talked about "Blindspot's" inability to spread subplots evenly. Last week there were almost no personal problems, this time they're the main topic. Apart from the fight between Patterson's parents and her being angry at Tasha, there's once again a conflict between Jane, Weller and Avery. Despite her move the latter still feels like she's controlled too much ("You said this would feel like a home. But it's just the same cell with different wallpaper.") and tries her best to put Hank Crawford, Roman's and Lynette's employer, behind bars. The story has been going on for so many episodes, that it feels like it was more present this season than the tattoo riddles. At least this time Avery actually contributes to the resolution of the boring case and still remains realistic, while her mother all the sudden conveniently has excellent chemistry skills. "Let It Go" also takes up the relationship between FBI Assistant Director Edgar Reade (Rob Brown) and Megan Butani (Reshma Shetty) after a long interval. During an accidental meeting Zapata apologizes to the future bride that she won't attend the wedding. When Megan confronts Reade, he tells her about Tashas love confession. After that the story feels like it was fast-forwarded. The couple half-heartedly tries to talk a few times, then Megan moves out and tells Reade at the doorstep that there's no room for her in his life and honestly there's no room in hers for him either. Until now their relationship seemed to be steady and respectful. It's odd how Reade's silence allegedly destroyed it within seconds. Suddenly the journalist reveals she's going to publish an article in the "New York Times" exposing herself as an illegal immigrant with fake documents. I thought this subplot was really exciting, but sadly it's wasted here, because I can't imagine the last two episodes this season will mention the residence status of Reade's now ex-girlfriend. These loose ends are tied up way to drastically.

Conclusion

As a standalone episode "Let It Go" is okay. The main reason is the charismatic, funny guest star who fits his role perfectly and assorts well with the other characters. Additionally the antagonist gets less screen time than in the previous weeks, while the FBI team gets more. However this close to the finale the episode feels like a brake block. It doesn't contribute anything important to the season overlapping problems and has no suspense thanks to the humorous atmosphere. The case of the week is solved so fast, that it could've just been excluded. Furthermore the characters' many personal problems are constructed and incomprehensible. If there was a dozen episodes left, it would've been bearable, but this close to the season finale "Let It Go" feels like a cluster of ideas which weren't formulated or connected by a common thread.


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Donnerstag, 3. Mai 2018

Scythe - Der Zorn der Gerechten (Neal Shusterman) - Rezension

"Scythe - Der Zorn der Gerechten" ist der zweite Band von Neal Shustermans Jugendbuch-Trilogie. Der Roman ist beim Fischer Verlag erschienen und hat 544 Seiten.

Citra hat die Ausbildung zum Scythe abgeschlossen. Während sie noch damit beschäftigt ist, die "beste" Art des Tötens zu finden, gibt es Aufruhr unter den Scythe. Immer mehr von ihnen schließen sich der Neuen Ordnung an und töten ohne Regeln. Rowan, der nicht zum Scythe auserwählt wurde und geflohen ist, macht im Untergrund Jagd auf die Scythe der Neuen Ordnung. Citra gefällt das überhaupt nicht, weil er dadurch selbst zum Mörder wird. Als ein Anschlag auf sie verübt wird, ist Rowan der erste, der verdächtigt wird. Doch Citra ist sich sicher, dass er nichts damit zu tun hat und macht sich mit Scythe Curie auf die Suche nach dem wahren Täter.


Neue Konflikte sorgen für Spannung

Klappt Citras Kampf für Gerechtigkeit?
Foto: S. Fischer Verlag
Der zweite Teil spielt ungefähr ein Jahr nach den Ereignissen des Vorgängerbandes (hier kommt ihr zur Rezension). Die Handlung kommt erst langsam in Fahrt, weil der Leser erst mal erfährt, wie sich das Leben der Charaktere verändert hat. Ich fand es daher etwas schwierig, von Beginn an komplett in die Geschichte zurückzufinden. Ich habe erst vor Kurzem den dritten Teil von Thomas Thiemeyers "Evolution"-Trilogie gelesen. Dort knüpft das Finale direkt an den zweiten Teil an und das hat mir den Einstieg sehr erleichtert. Doch spätestens nach dem ersten Viertel konnte "Der Zorn der Gerechten" packen. Ab da baut sich langsam der Konflikt auf und es wird deutlicher, was den Protagonisten bevorsteht. Durch mehrere Perspektiven und Ereignisstränge bekommt der Leser einen guten Einblick in die Situationen aller Beteiligten. Auch wenn der Beginn etwas schleppend verläuft, verleiht Shusterman der Handlung aber immerhin durch genügend Erklärungen eine sehr gute Struktur. Der rote Faden ist immer vorhanden und es gibt keine Unstimmigkeiten. Das macht die ganze Geschichte rund. Als Leser kann man wirklich in das Geschehen eintauchen, ohne dabei auf unlogische Stellen zu stoßen, die den Lesefluss unterbrechen könnten. Außerdem wurden bereits jetzt Elemente eingeführt, von denen ich glaube, dass sie im Finale noch eine größere Rolle spielen werden. So gibt es eine Figur, die über die meiste Zeit damit beschäftigt ist, nach etwas zu suchen. Dieses "Etwas" wird wohl im dritten Teil noch von Bedeutung sein. Auch dadurch erscheint die gesamte Reihe bis jetzt sehr gut durchdacht und stimmig.
Die Geschichte tritt zudem nicht auf der Stelle, was ein weiterer Pluspunkt ist. Im ersten Band liegt der Fokus auf der Ausbildung zum Scythe. Die Protagonisten müssen sich damit auseinandersetzen, Menschen zu töten. Beide lernen auf unterschiedliche Weisen damit klarzukommen. In diesem Teil stehen andere Aspekte im Mittelpunkt. An das Töten haben sie sich mittlerweile "gewöhnt", daher spielt diese Problematik nur noch hin und wieder eine Rolle. Nun geht es darum, dass das Scythetum sich in einem Wandel befindet, der schon in "Die Hüter des Todes" angedeutet wird. Es haben sich zwei Fronten mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen vom Töten gebildet. Rowan und Citra werden in die Machtkämpfe hineingezogen und vor allem Letztere muss dabei helfen, einen schlimmen Ausgang zu verhindern. Die Geschichte entwickelt sich dadurch weiter und bekommt neue Elemente. Mir gefällt es sehr gut, dass der Autor einen anderen Fokus setzt, dabei aber nicht die Problematiken des Vorgängerbandes komplett ausradiert. Shusterman geht außerdem darauf ein, wie sehr die Ausbildung zum Scythe das Leben der Protagonisten beeinflusst hat ("'Komm uns bald wieder besuchen, Schatz", sagte Citras Mutter. 'Das ist immer noch dein Zuhause.' Aber das war es nicht mehr, und sie wussten es alle."). Obwohl deutlich zu erkennen ist, dass dieser Teil auch dazu dient, das Finale aufzubauen, wirkt er trotzdem nicht wie ein Füllband, der sich nur im Kreis dreht. Die Charaktere müssen sich neuen Herausforderungen stellen. Sowohl die Hauptfiguren als auch die Gegenspieler handeln dabei immer sehr durchdacht und mit Verstand, was die Ereignisse spannend und interessant macht. Gerade zum Ende hin wird es besonders aufregend. Es kommt zu mehreren Wendungen und einem unglaublich gemeinen Cliffhanger, der ungeheuer neugierig auf den nächsten Band macht.

Ein Charakter wird greifbarer, ein anderer bleibt undurchschaubar

Schon im ersten Band mochte ich den Humor unheimlich gerne. Es geht oft um ernste Themen und ständig stirbt jemand, doch es gibt immer wieder Momente, die die düstere Stimmung auflockern. Der Humor ist sehr subtil und wird nie im Übermaß genutzt. Es sind meistens kurze Augenblicke, wie ein Dialog oder ein Kommentar ([Citra, nachdem Scythe Curie jemanden beleidigt hat] "Marie! Ich habe ihm schon den Arm gebrochen, wir müssen ihn nicht auch noch beleidigen." [...] "Er wird meinen Arm in Gips legen." "In was?" "Voodoo!", sagte Marie. "Ein antikes Heilritual. Sie gipsen den Arm ein und lassen ihn monatelang so."). Auch in diesem Band kann der Leser an der ein oder anderen Stelle kurz mal schmunzeln oder auflachen. Vor allem die Szenen von Citra und Scythe Curie haben mir super gefallen. Sie arbeiten toll als Team zusammen und es ist wirklich zu erkennen, wie nahe sie sich stehen. Letztere mochte ich schon im ersten Band gerne, weil sie dort bereits sehr vielschichtig und interessant war, während die Hauptfiguren Rowan und Citra noch etwas blass wirkten. Daher habe ich mich wirklich gefreut, dass der Leser Citra jetzt viel besser kennenlernt. Ihre Persönlichkeit wird toll ausgebaut. Ich finde, es ist wirklich erkennbar, dass sie sich seit den Ereignissen vor einem Jahr verändert hat. Scythe Curie bleibt weiterhin mein Lieblingscharakter und ich finde es toll, dass sie und Citra in diesem Band viel Aufmerksamkeit bekommen. Es ist allerdings immer noch schwierig, einen wirklichen Zugang zu Rowan zu finden. Zwar habe ich den Eindruck, dass er insgesamt weniger oft in diesem Teil vorkommt, doch dann könnten seine Szenen wenigstens eindrücklicher sein. Leider agiert er oft sehr passiv oder verhält sich klischeehaft ("'Wenn du etwas zu sagen hast, sprich.' [...] Doch Rowan nutzte die Gelegenheit lieber, um ihm ins Gesicht zu spucken, was ihm einen brutalen Rückschlag des Mannes einbrachte."). Er gerät in gefährliche Situationen und zeigt überhaupt keinen Willen, sich selbst zu retten. Außerdem bleiben seine Gedanken und Gefühle sehr undurchschaubar. Es ist schwer zu erkennen, was ihn antreibt. Das sorgt auch dafür, dass die Liebesgeschichte zwischen ihm und Citra unstimmig bleibt. Ich fand sie schon im ersten Band unnötig, weil sie nichts zur Geschichte beiträgt. In diesem Band bleibt das leider so. Es wird immer noch nicht klar, was sie am jeweils anderen so gut finden. Zum Glück spielt die Romanze aber so gut wie keine Rolle und stört daher wenigstens nicht.
Es gibt allerdings eine interessante Neuerung: Statt der Tagebucheinträge der Scythe im ersten Teil, tauchen nun zwischen den Kapiteln die "Gedanken" des Thunderhead auf. Der Thunderhead ist eine körperlose künstliche Intelligenz, die alles auf der Erde kontrolliert. Seine Existenz und Aufgaben wurden schon im ersten Band vorgestellt, aber er blieb etwas sehr Vages. Es ist daher sehr spannend, diese kurzen Abschnitte zu lesen, in denen er über die Scythe, die Menschen oder andere Themen "nachdenkt". Denn mit der Zeit und den Vorkommnissen verändert sich auch seine Sichtweise langsam, was interessant ist, weil er eigentlich ein neutrales Oberhaupt zu sein scheint. Doch das, was auf der Erde passiert, hat sogar auf ihn einen Einfluss. Immer wieder blitzt auf, dass er eine eigene Meinung zu haben scheint. Er ist dieses Mal ein wirklicher Bestandteil der Handlung, ohne dass er ein Charakter aus Fleisch und Blut ist oder mit den Figuren agiert. Er zieht quasi aus der Entfernung den ein oder anderen Faden, obwohl es für ihn verboten ist. Das macht ihn zu einer außergewöhnlichen Ergänzung der Geschichte. 

Fazit

"Scythe - Der Zorn der Gerechten" ist ein gelungener zweiter Band von Neal Shustermans Jugendbuch-Trilogie. Er erzählt die Geschichte gut durchdacht weiter und führt neue Konflikte und Elemente ein, ohne dabei die alten zu vergessen. Die Geschichte bereitet das Finale vor, wird aber nicht zu einem Füllband. Positiv ist ebenfalls, dass einige Charaktere deutlich vielschichtiger werden. Leider bleiben andere immer noch etwas zu blass, um alle ihre Handlungen wirklich nachvollziehen zu können. Das Ende hat eine sehr gemeine Wendung, die sehr neugierig auf den letzten Teil macht.


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Dienstag, 1. Mai 2018

Jenny - echt gerecht! - Rezension

Seit Beginn des Jahres zeigt RTL dienstags neue, eigenproduzierte Serien. Im Januar starteten die herrliche Verwechslungskomödie "Sankt Maik" und die stark ausbaufähige Anwaltssendung "Beck is back!". Ab April ging es dann mit "Jenny - echt gerecht!", einer zweiten Juristenserie, weiter. Da sie im Gegensatz zu den anderen Formaten in Doppelfolgen ausgestrahlt wurde, läuft heute schon das Staffelfinale. Ich habe bereits alle Episoden gesehen und werfe in dieser Rezension einen Blick auf den dritten Neustart, der - anders als seine beiden Vorgänger - bislang noch nicht verlängert wurde. Falls ihr die Serie übrigens nicht kennt, könnt ihr sie in der Mediathek momentan noch kostenlos von Anfang an gucken.

Jenny Kramer (Birte Hanusrichter) ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder und hat gerade zum wiederholten Mal ihren Job verloren. Vor Gericht kämpft sie um den Unterhalt für ihre jüngere Tochter, doch ihr Pflichtverteidiger Maximilian Mertens (August Wittgenstein, Ku'damm 59) verschläft die Verhandlung. Wütend will Jenny ihn in seinem Büro in einer schnöseligen High-Society-Kanzlei zur Rede stellen. Doch Agnes von Bergen (Isabell Polak), Tochter des Chefs und Maximilians Freundin, hält den Wirbelwind fälschlicherweise für die neue Bürohilfe. Jenny ergreift die Gelegenheit und beginnt motiviert mit der Arbeit - oder das, was sie für ihre Arbeit hält. Statt Akten zu vernichten und Kaffee zu kochen, mischt sich Jenny ununterbrochen in Maximilians Fälle ein. Durch ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn kann sie nicht eher ruhen, bis ein Täter verurteilt wird - auch wenn es sich dabei um den Mandaten der Kanzlei handelt. Das sorgt nicht nur für Streitigkeiten mit Max, sondern bringt Jenny auch gelegentlich in Lebensgefahr.

Unkonventioneller Rechtsbeistand - originell!

Nach Maik & Beck, nun Jenny
Foto: RTL
Juristen gehören zu den Berufsgruppen, die im Fernsehen omnipräsent sind - gleich nach Polizisten und Medizinern (in "Lifelines", der vierten RTL-Eigenproduktion, die ab nächster Woche läuft, wird es übrigens um ebensolche gehen). Da normaler Arbeitsalltag zu langweilig wäre, ist der Hauptcharakter stets ein engagierter Querdenker, der sich gegen seine überkorrekten Kollegen durchsetzen muss. Dasselbe Prinzip verfolgte auch "Beck is back!", davor Serien wie "Danni Lowinski" und "Suits" und bald auch "Falk" in der ARD. "Jenny - echt gerecht!" ist da nicht anders: Die hyperaktive Protagonistin setzt sich über sämtliche Kanzlei-Vorschriften hinweg und versucht mit Bauernschläue und der ein oder anderen kleinen Lüge Licht in die verhandelten Fälle zu bringen. Ihr steifer Paragraphenreiter-Chef ermahnt sie zu Beginn jeder Folge, sich nicht einzumischen und wird wütend, wenn sie von ihren Alleingängen berichtet. Letztendlich überwiegt dann aber auch sein Gerechtigkeitssinn und er unterstützt ihr Vorhaben. Die anderen in der Kanzlei sind zwar um den Ruf ihres Arbeitgebers bemüht, unternehmen aber schlussendlich nichts, da sich immer alles irgendwie zum Guten wendet. Sonderlich einfallsreich ist dieses Konzept nicht, zumal noch andere stereotype Faktoren, wie eine aufkeimende Liebelei zwischen den Hauptcharakteren und totgeschwiegene Geheimnisse in deren Vergangenheit, mit einfließen. "Jenny" nimmt jedoch glücklicherweise denselben Weg wie "Sankt Maik" und macht aus einer altbackenen, überstrapazierten Idee eine erfrischend lockere, unterhaltsame Serie mit Tendenz nach oben.
Zwischen Max (l.) & Jenny fliegen Fetzen & Funken
Foto: RTL
Das liegt vor allem an den charismatischen Protagonisten. Zugegeben, in einigen Folgen nervt Jenny zwischendurch ein bisschen - wenn sie sich mit ihrer überdrehten, naiven Art in einem Fall festbeißt, der vor Gericht eigentlich schon längst entschieden wurde. Gemeinsam mit Anwalt Mertens lernt aber auch der Zuschauer Jennys Hartnäckigkeit und ihren Gerechtigkeitssinn zu schätzen. Genau wie Hannes Beck in "Beck is back!" ist auch sie alleinerziehend, allerdings spielt die Beziehung zu ihren Töchtern eine weniger zentrale Rolle. Die bessere Chemie haben Matilda (Anna Büttner) und Kim (Zora Müller) sowieso mit Max. Die witzig-liebevollen Interaktionen zwischen dem Anwalt und den Kindern seiner Bürohilfe sind wirklich charmant. Überhaupt mochte ich ihn fast noch mehr als Jenny. Er ist zwar etwas spröde, aber genau das macht den Reiz aus. Immer wieder blitzt seine unangepasste, abenteuerlustige Seite durch. Dann lässt er sich beispielsweise zu einem illegalen Autorennen hinreißen, um mehr über einen Angeklagten herauszufinden (Jenny: "Das war ja wohl die beschissenste Idee, die Sie je hatten!" Max: "Ach ja? Das muss dann wohl an Ihrem schlechten Einfluss liegen!") oder liefert sich eine wilde Wasserschlacht mit Jenny und ihren Töchtern. Diese Diskrepanz zwischen seriösem High-Society-Anwalt und sympathischem Spielkind ist unterhaltsam. Alle anderen Charaktere sind weniger vielseitig, aber ebenfalls nicht völlig stereotypisch. Maximilians Freundin Agnes ist beispielsweise eine nette, offene Person, die sich schnell mit Jenny anfreundet. Auf die in Serien häufig zu sehende "Stutenbissigkeit" wird angenehmerweise verzichtet. Dasselbe gilt für das Klischee "Potenzieller romantischer Partner der Hauptperson hat einen unsympathischen und fiesen Lebensgefährten, sodass der Zuschauer es nicht verurteilt, sollte der potenzielle Partner mit der Hauptperson flirten".

Wenig Humor muss kein Nachteil sein!

Teilt Jenny den Schrank mit Ellen aus "Sankt Maik"?
Foto: RTL
In meiner Rezension zu "Beck is back!" habe ich bemängelt, dass die Witze zum Teil extrem überstrapaziert werden und noch klamaukiger sind als im Münsteraner "Tatort" - obwohl die Serie Themen wie Vergewaltigung und Sterbehilfe thematisiert. "Jenny - echt gerecht" behandelt meist weniger kontroverse Fälle, hat aber trotzdem einen gemäßigten Humor. Zwar ist die Protagonistin allein schon durch ihre auffällige, bunte Kleidung ein wandelnder Gag (Max: "Tragen Sie eigentlich aus Prinzip bunte Klamotten oder nur, um mich zu ärgern?" Jenny: "Beides."), ansonsten hält sich die Serie jedoch mit Slapstick zurück. Aber nicht nur damit. Generell ist "Jenny" für ein Comedy-Format überraschend wenig lustig. Spontan fällt mir keine Szene ein, in der ich herzhaft gelacht hätte. Das ist aber kein Kritikpunkt! Die ulkige Hauptfigur und ihre schräge beste Freundin Sonni (Alessija Lause) werden durch die steifen Kanzlei-Charaktere ausgeglichen. So bleibt die Sendung trotz Jennys teils übertrieben hyperaktiver Art bodenständig und kernig. Das kann über die Handlung der einzelnen Folgen leider nicht gesagt werden. Die Fälle spielen neben den persönlichen Geschichten der Protagonisten nur eine untergeordnete Rolle. Im Vergleich zu anderen Anwaltsserien sind sie außerdem recht langweilig. Bei den meisten ist früh absehbar, wer die Schuld trägt, sodass keine wirkliche Spannung oder zumindest Neugier aufkommen kann. Auch, weil von Anfang an feststeht, dass sich die quirlige Bürohilfe sowieso durchsetzen wird. Bei "Beck is back!" habe ich bemängelt, dass der Protagonist immer das Glück hat, dass seine Mandaten unschuldig sind. Beim dritten RTL-Neustart in diesem Jahr ist das nicht der Fall. Maximilian vertritt auch Klienten, die letztendlich schuldig gesprochen werden. Das ist eine angenehme Abwechslung. Ein Happy End gibt es trotzdem jedes Mal: Jenny sorgt für die Verurteilung des Täters und Kanzlei-Chef Robert von Bergen (Peter Benedict, Dark) ist schlussendlich immer irgendwie zufrieden mit der Arbeit seiner Mitarbeiter. Schön für sie. Für den Zuschauer wird das auf die Dauer langweilig. 

Fazit

"Jenny - echt gerecht!" ist mit großem Abstand die bessere der beiden neuen RTL-Anwaltsserien. Die sympathischen Hauptcharaktere ergänzen sich perfekt und scheuen nicht davor zurück, auch mal aus der Rolle zu fallen. So sorgen sie für die ein oder andere interessante Wendung. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn sich die Serie zu sehr an das altgediente Rollenkonzept halten würde - wie es leider bei den Fällen geschieht. Die sind eher dröge und schaffen es nicht, in irgendeiner Weise zu überraschen oder Spannung zu erzeugen. Stattdessen wirken sie nur wie ein Mittel zum Zweck, um den Charakteren ein gemeinsames Thema zu geben, mit dem sie sich beschäftigen können. Das ist zwar schade, fällt durch die starken Protagonisten aber nicht allzu schwer ins Gewicht. Deren humorvolle Art macht zudem einen Großteil der Comedy aus. Aufgesagte Witzchen und Slapstick gibt es fast gar nicht, wodurch die Serie nie in den Klamauk rutscht. Die Protagonistin ist nur gelegentlich etwas albern - allerdings auf charmante Art und Weise. 


Habt ihr "Jenny - echt gerecht!" schon gesehen? Wenn ja: Was hat euch besonders gefallen, was nicht? Teilt eure Meinung gerne mit uns in den Kommentaren!

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